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Die Thematisierung sexuellen Missbrauchs in Jugendbüchern. Eine Analyse von Hadley/ Irwin "Liebste Abby" und G. v. Erkel "Jasper sucht Margreet"

Examensarbeit 2002 143 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

I. Zur Thematik des sexuellen Mißbrauchs
1. Allgemeines zum sexuellen Mißbrauch
1.1. Begrifflichkeit
1.1.1. Definitionen
1.1.2. Der juristische Begriff
1.1.3. Der Inzestbegriff
1.1.4. Der Begriff der Pädophilie / Pädosexualität oder Päderastie
1.2. Formen sexueller Gewalt
1.2.1. Deutliche (unmißverständliche) Formen sexuellen Mißbrauchs
1.2.2. Subtile Formen / grenzwertige Verhaltensweisen
1.3. Statistiken und Fakten über das Ausmaß sexueller Gewalt
1.4. Das Täterprofil
1.4.1. Typologie
1.4.2. Erwachsene Täter
1.4.3. Jugendliche Täter
1.4.4. Frauen als Täterinnen
1.4.5. Täterstrategien
1.4.6. Das Verantwortungs-Abwehr-System (AVS)
1.5. Das Opferprofil
1.6. Theoretische Ansätze zu den Ursachen und Umständen des sexuellen Miß- brauchs
1.6.1. Erklärungsansätze
1.6.2. Die Theorie des Vier-Faktoren-Modells (nach Finkelhor, 1984)
1.6.3. Umstände / 'Risikofaktoren'
1.7. Auswirkungen und Schädigungen sexueller Gewalt
1.7.1. Primäre Folgen (external und internal)
1.7.2. Sekundäre Folgen
1.7.3. Traumatisierungsmodelle
2. Allgemeines zur Prävention
2.1. Begriffserklärung und Formen von Prävention
2.2. Präventionsansätze
2.3. Möglichkeiten und Grenzen von Prävention

II. Vergleichende Analyse und Bewertung von Kinderund Jugendbüchern zum Thema "sexueller Mißbrauch" an den Beispielen von: Hadley/Irwin: "Liebste Abby"1und Erkel: "Jasper sucht Margreet"
1. "Liebste Abby"
1.1. Inhaltsangabe
1.2. Realitätsund Problemgehalt (inhaltliche Analyse)
1.2.1. Gewaltdarstellung
1.2.2. Darstellung von Opfer und Täter
1.2.3. Konstellation der Familiensituation
1.2.4. Darstellung von Gefühlen des Opfers / Psychodynamik des Opfers
1.2.5. Darstellung und Hinterfragung von Geschlechtsrollen-Stereotypen
1.2.6. Darstellung der Ursachen und Hintergründe der Gewaltanwendung, der Aufdeckung / Beendigung des Mißbrauchs, der Perspektiven und der Präventions- / Interventionsaspekte
1.3. Stilanalyse (Sprache und Form)
1.3.1. Äußere Aufmachung
1.3.2. Struktur / Aufbau des Buches
1.3.3. Sprache (ästhetische Elemente)
1.3.4. Rezeptionsanalyse
2. "Jasper sucht Margreet"
1 Hadley, Lee und Ann Irwin: Liebste Abby.2. Aufl. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 1993. (=Gulliver Taschenbuch 713.)
2.1. Inhaltsangabe
2.2. Realitätsund Problemgehalt (inhaltliche Analyse)
2.2.1. Gewaltdarstellung
2.2.2. Darstellung von Opfer und Täter
2.2.3. Konstellation der Familiensituation
2.2.4. Darstellung von Gefühlen des Opfers / Psychodynamik des Opfers
2.2.5. Darstellung und Hinterfragung von Geschlechtsrollen-Stereotypen
2.2.6. Darstellung der Ursachen und Hintergründe der Gewaltanwendung, der Aufdeckung / Beendigung des Mißbrauchs, der Perspektiven und der Präventions- / Interventionsaspekte
2.3. Stilanalyse (Sprache und Form)
2.3.1. Äußere Aufmachung
2.3.2. Struktur / Aufbau des Buches
2.3.3. Sprache (ästhetische Elemente)
2.3.4. Rezeptionsanalyse
3. Zusammenfassender Vergleich und Bewertung

Schlußbemerkung

Einleitung

Die folgende Arbeit wird, aufgrund der Vertrautheit, nach alter Rechtschreibung verfaßt.

Die Problematik der beiden Bücher, die im Laufe der Arbeit analysiert werden, ist die Entwicklung einer Liebesbeziehung vor dem Hintergrund des sexuellen Miß- brauchs. Um die Aufmerksamkeit dabei auf die Darstellungsweise dieser Thematik zu lenken, ist es notwendig einen theoretischen Teil über dieses komplexe Thema voranzustellen.

Es sollen Hintergrundinformationen zur Definition gegeben werden, was man unter diesem Begriff versteht und welche Formen es beinhaltet. Weiterhin sollen die Profile des Täters und seine Motivation und das Opferbild genauer betrachtet werden. Über das Ausmaß wird informiert, sowie über die Umstände und Erklärungsansätze zu den möglichen Ursachen sexueller Gewalt. Um das Verhalten der betroffenen Protagonisten in den Büchern nachvollziehen zu können, wird auch auf die Folgen und Auswirkungen durch den sexuellen Mißbrauch eingegangen.

Um die Thematik abzurunden, werden Aspekte zur Prävention dargestellt.

Der zweite Teil der Arbeit besteht schließlich auf die inhaltliche sowie stilistische analoge Analyse der Jugendbücher, die sich auf die Darstellungsaspekte zum sexuellen Mißbrauch konzentrieren wird.

Im Anschluß daran folgt die vergleichende Bewertung dieser Ergebnisse. Es soll der Frage nachgegangen werden, wie sinnvoll es ist, diese schwierige Thematik in Jugendbüchern zu integrieren, besonders in Hinsicht auf die etwas ungewöhnlichere Darstellung durch die Sicht eines außenstehenden Erzählers.

I. Zur Thematik des sexuellen Mißbrauchs

1. Allgemeines zum sexuellen Mißbrauchs

"Die Art, wie wir auf den sexuellen Mißbrauch von Kindern reagieren, ist unmittelbares Ergebnis dessen, wie wir ihn definieren und was wir von Kindern halten."1

1.1. Die Begrifflichkeit

1.1.1. Definitionen

Der Begriff sexueller Mißbrauch wird sehr bedeutungsvielfältig verwendet. Sowohl gesellschaftlich als auch wissenschaftlich, gibt es keine einheitliche Definition des Begriffs. Schwierigkeiten hinsichtlich der Definierung sind durch unterschiedliche historische und kulturelle Attitüden zu sexuellen Kontakten von Erwachsenen bzw. Jugendlichen zu Kindern und durch Unterschiede in Forschungsund Erklärungsansätzen bedingt.

In der Öffentlichkeit ist der Begriff sexueller Mißbrauch der am häufigsten gebrauchte und lehnt sich an den amerikanischen Begriff sexual abuse.

"Da sich, bis heute, die deutsche Fachdiskussion vorrangig auf wegweisende anglo-amerikanische Publikationen beruft, wird dort dieser Begriff bevorzugt."2 Die folgende Auswahl von Definitionen sind immer geprägt von den individuellen "'theoretischen, wissenschaftlichen, ethischen und weltanschaulichen Orientierungen der jeweiligen AutorInnen'".3 Zum Beispiel fokussiert Enders in ihrer Definition den generativen Aspekt:

"Sexueller Mißbrauch ist immer dann gegeben, wenn ein Mädchen oder Junge von einem Erwachsenen oder älteren Jugendlichen als Objekt der eigenen, sexuellen Bedürfnisse benutzt wird. Kinder und Jugendliche sind aufgrund ihrer kognitiven und emotionalen Entwicklung nicht in der Lage, sexuellen Beziehungen zu Erwachsenen wissentlich zuzustimmen. Fast immer nutzt der Täter ein Machtund Abhängigkeitsverhältnis aus".1

Die Feministin Rijnaarts berücksichtigt in ihrer Definition nach Draijer nur den intrafamilialen Mißbrauch, sprich Inzest:

"Sexuelle Kontakte älterer oder erwachsener Familienmitglieder mit einem Kind unter sechzehn Jahren gegen den Willen des Kindes oder in der Weise, daß das Kind - aufgrund der Ausnutzung einer körperlichen oder beziehungsbedingten Überlegenheit, der Anwendung von Gewalt oder der Aus- übung emotionalen Drucks - das Gefühl hat, die sexuellen Kontakte nicht verweigern oder sich ihnen nicht entziehen zu können.[...] Unter sexuellen Kontakten verstehen wir jedwede reale sexuelle Berührung, von der Berührung der Brüste oder Genitalien bis hin zur Vergewaltigung".2

May, deren Forschungsgebiet die Prävention und Prophylaxe von sexueller Gewalt ist, bezieht in ihrer umfassenden Definition auch den Aspekt der Ausnutzung des Machtgefälles und des kognitiven Ungleichgewichts mit ein:

"Ein Mädchen oder Junge wird sexuell mißbraucht, wenn sie / er zu körperlichen oder nichtkörperlichen sexuellen Handlungen durch Ältere oder erwachsene veranlaßt oder ihnen ausgesetzt wird. Aufgrund des bestehenden Kompetenzgefälles, vor allem in der psychosexuellen Entwicklung, können die Handlungen nicht angemessen verstanden und eingeordnet werden, das Mädchen oder der Junge kann deshalb auch nicht verantwortlich entscheiden. Der Täter befriedigt aufgrund des Machtund Generationsgefälles und der Abhängigkeit des Kindes sein Machtbedürfnis unter Zuhilfenahme sexueller Handlungen. Sexueller Mißbrauch von Mädchen und Jungen ist Machtmißbrauch verbunden mit der psychischen und / oder physischen Verletzung der Integrität. Er ist Ausdruck von Geschlechterhierarchie und Dominanzkultur."3

In Kastners Definition wird der Aspekt des Heimlichen im Zusammenang mit dem sexuellen Mißbrauch betont:

"Ich nenne es: Heimliche unheimliche Übergriffe sexueller Art auf Körper, Seele und Geist von Kindern. Heimlich, weil niemand etwas davon und darüber wissen darf. Unheimlich, weil die Übergriffe Seele und Geist der Kinder fast immer irreversibel verwirren, zugrunde richten, abtöten, tö- ten. Übergriffe, weil sie ohne Einwilligung der Kinder stattfinden und sie den Kindern jedes Recht auf selbstbestimmte Körperkontakte absprechen. Sexueller Art, weil es um sexuelle Handlungen und um die Befriedigung sexueller Bedürfnisse von Erwachsenen an Kindern geht."4

In der Definition des Vereins Der Weiße Ring, werden die sexuellen Handlungen aufgezählt, die den sexuellen Mißbrauch benennen:

"Von sexuellem Mißbrauch sprechen wir, wenn eine Person z.B.

1. ein Mädchen oder einen Jungen zwingt oder überredet, sie nackt zu betrachten oder sexuellen Aktivitäten zuzusehen;
2. ein Mädchen oder einen Jungen zur eigenen Bedürfnisbefriedigung anfaßt oder sich anfassen läßt;
3. ein Mädchen oder einen Jungen zu pornographischen Handlungen zwingt oder ihnen Pornographie vorführt;
4. den Intimbereich eines Mädchens (Scheide, Po. Brust) / eines Jungen (Penis, Po) berührt oder zu oralem, analen oder vaginalen Geschlechtsverkehr zwingt oder überredet, also vergewaltigt."1

Um den Begriff sexueller Mißbrauch umfassend definieren zu können, wäre es sinnvoll die hier aufgeführten Definitionen zusammenzufassen. Deutlich wird, daß sexueller Mißbrauch immer ein Zusammenspiel von Sexualität (körperlich und nicht-körperlich), Gewalt, Machtausübung und Integritätsverletzung bedeutet. Es gibt verschiede Termini, wie sexuelle Gewalt, sexuelle Ausbeutung, sexuelle Übergriffe, Inzest, Pädophilie ect.2, die von verschiedenen Autoren in Zusammenhang mit dem Begriff Sexueller Mißbrauch benutzt werden.3

Die Vielfalt der Bezeichnungen ist auf den "Wunsch nach einer exakten sprachlichen Formulierung vor dem Hintergrund einer jahrhundertelangen kulturellen Sprachlosigkeit und Tabuisierung"4 zurückzuführen. Die Differenz der Termini "spiegelt die Unterschiede in der Ursachenanalyse, den angenommenen gesellschaftlichen Bedeutungen und der Umgehensweise mit Betroffenen wider"5.

Zum Beispiel ist der Begriff sexuelle Gewalt von der Frauenbewegung geprägt, durch den die strukturelle Gewalt gegen Frauen, die aufgrund der männlichen Dominanzverhältnisse des Patriarchats existiert, angesprochen werden soll. Um den Gewaltaspekt und die Instrumentalisierung der Sexualität für die Bedürfnisbefriedigung hervorzuheben, wird dieser Terminus durch sexualisierte Gewalt ersetzt. Mit dieser Terminologie wird deutlich, daß die Verantwortung beim Aus- übenden der sexualisierten Gewalt liegt.

Nicht nur den bloßen körperlichen, sondern auch den schwerwiegenden emotionalen und psychischen Gewaltaspekt und dadurch die Machtund Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Opfer und Täter1, werden durch die Terminuswahl s exuelle Ausbeutung angesprochen.2

Die Kinderschutzbewegung prägte den Begriff Sexuelle (Kindes-)Mißhandlung. Mit dem Gebrauch dieses Begriffes wird jedoch nicht zwischen den Termini Kindesmißhandlung und sexueller Mißbrauch unterschieden. Denn nicht jede körperliche Gewaltanwendung wird sexualisiert, auch wenn die Grenzen hier fließend sind. Andersherum bedeuten sexuelle Mißbrauchshandlungen nicht gleichzeitig körperliche Gewaltanwendung, da der Täter oft schon mit psychischer Gewalt sein Ziel erreicht. Deshalb sollte man diese beiden Termini voneinander getrennt betrachten.3

Dieser Definitionskomplex zeigt, wie diffizil es ist, möglichst umfassend und präzise den Bereich des sexuellen Mißbrauchs einzugrenzen und zu definieren. Ein einzelnes Definitionskriterium kann auf diesem Hintergrund nie alle Fälle von sexueller Gewalt erfassen.

Die differenzierte Vielfalt der Definitionen und Termini erfordert eine Klassifizierung des Definitionsbegriffes. Nach Amann läßt sich die Bedeutung des sexuellen Mißbrauchs einmal im engen und einmal im weiten Sinne definieren.

Die enge Definition beinhaltet alle Kontakthandlungen zwischen Täter und Opfern, wie der orale, anale und genitale Geschlechtsverkehr. Die weite Definition umfaßt jede Art geschlechtlicher Handlung, auch die ohne körperlichen Kontakt, wie obszöne Anrede, Belästigung, Exhibitionismus, Anregung zur Prostitution und Kinderpornographie.

Desweiteren lassen sich die Definitionen nach feministischer, entwicklungspsychologischer und klinischer Sicht kategorisieren. Um der Komplexität des sexuellen Mißbrauchs gerecht zu werden, ist es sinnvoll, verschiedene Definitionsansätze zu berücksichtigen. Jedoch selbst dann "wird es nicht möglich sein, alle Fälle sexueller Gewalt zu erfassen. Es werden immer Grenzfälle auftreten, in denen nicht eindeutig geklärt werden kann, ob sexueller Mißbrauch vorliegt oder ob nicht."1

Durch die gesellschaftliche Definition wird die Bedeutung des sexuellen Miß- brauchs als das in sexualisierter Form ausgelebte Bedürfnis von älteren (oder gleichaltrigen) Tätern an Kindern beschrieben.

Die feministische Definition erklärt die Thematik des sexuellen Mißbrauchs mit der Ausnutzung eines männlichen Machtund Autoritätsverhältnisses, indem die männlichen Täter aufgrund der patriarchalen Gesellschaftsstruktur sexualisierte Gewalt gegen das weibliche Opfer anwenden.

Entwicklungspsychologisch definiert wird der Mißbrauch aufgrund des bestehenden Gefälles bezüglich der emotionalen und kognitiven Reife zwischen Täter und kindlichem Opfer. Denn das Opfer kann deshalb die gesamte Tragweite des Miß- brauchs nicht überblicken und stimmen somit den sexuellen Handlungen zu.

Die klinische Definition lautet: Sexueller Mißbrauch beinhaltet jede sexuelle Handlung und Erfahrung, die einem Kind aufgezwungen wird und was Traumata auf der emotionalen, körperlichen oder sexuellen Ebene zur Folge hat.2

Als nächstes gibt es noch die juristische Definition, durch die der sexuelle Miß- brauch an Kindern und Jugendlichen als Straftat bezeichnet wird, wie im folgenden Kapitel dargestellt wird. Darauf folgen die Erläuterungen zu den Begriffen Inzest und Pädophilie, da sie häufig im Zusammenhang von sexuellem Mißbrauch gebraucht werden und sie jeweils in einem der Jugendbücher der Analyse im II. Teil erwähnt werden. Besonders der Begriff Inzest ist aufgrund seines historischen Hintergrunds weit verbreitet und somit erklärungsbedürftig.

1.1.2. Der juristische Begriff

Die juristische Definition von sexuellem Mißbrauch lautet nach §176 StGB (Sexueller Mißbrauch von Kindern):

(1) "Wer sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) vornimmt oder an sich von dem Kind vornehmen läßt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer ein Kind dazu bestimmt, daß es sexuelle Handlungen an einem Dritten vornimmt oder von einem Dritten von sich vornehmen läßt.
(3) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter
1. mit dem Kind den Beischlaf vollzieht oder
2. das Kind bei der Tat körperlich schwer mißhandelt.
(4) Verursacht der Täter durch die Tat leichtfertig den Tod des Kindes so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren.
(5) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. sexuelle Handlungen vor einem Kind vornimmt,

2. ein Kind dazu bestimmt, daß es sexuelle Handlungen vor ihm oder einem Dritten vornimmt, oder

3. Auf ein Kind durch Vorzeigen pornographischer Abbildungen oder Darstellungen, durch Abspielen von Tonträgern pornographischen Inhalts oder durch entsprechende Reden einwirkt, um sich, das Kind oder einen anderen hierdurch sexuell zu erregen."1

1.1.3. Der Inzestbegriff

Der Terminus Inzest meint die geschlechtliche Beziehung zwischen Verwandten und auch verschwägerten Personen, meist jedoch wird er als innerhalb der Kernfamilie (Einzelfamilie) stattfindenden Sexualkontakt verstanden und wird mit dem Begriff Blutschande gleichgesetzt. Der Begriff beinhaltet vor allem auch den geschlechtlichen Kontakt zwischen einem Elternteil und dem Kind. Jedoch handelt es sich dann nicht mehr um ein gleichberechtigtes sexuelles Verhältnis, denn das Kind ist dem Erwachsenen hinsichtlich der kognitiven Entwicklung unterlegen und emotional vom Elternteil abhängig. Bei dieser Konstellation handelt es sich immer um erzwungene Sexualität. Da der Inzestbegriff diesen Unterschied nicht benennt, ist die Bezeichnung intrafamilialer Mißbrauch in seiner Definition treffender.

"In diesem Zusammenhang wird oft vom 'geschändeten' Kind gesprochen, über das Kind wird demnach 'Schande' gebracht, nicht über den Täter, die Scham liegt bei den 'Beschämten'. Das Wort 'Schande' (schänden, verunstalten, beflecken) verweist im Indogermanischen auf das Wort 'Scham' (verdecken, verhüllen) [...] und drückt damit auch den Handlungszusammenhang bei Sexuellem Mißbrauch aus: sexuelle Gewalt und Schweigen."1 Deshalb ist Inzest jeher mit einem Tabu belegt, welches durch Erziehungsund Lernmethoden kulturell bedingt ist. Auch wird angenommen, daß es sich bei dem Inzestbegehren des Menschen um eine angeborene Verhaltensweise handelt, was das Etablieren des Inzesttabus erst erforderlich machte.2

Hirsch betont dem Inzest innewohnenden Surrogatcharakter, was bedeutet, daß Sex als Ersatzmittel oder Behelf gebraucht wird3.

Die Wurzeln des Inzests wird in der Deprivation4 der Familienmitglieder gesehen, aufgrund dessen sie nicht in der Lage sind, sich empathisch in das Kind einzufühlen. Die Eltern sind unfähig Grenzen von Privatheit, Körperlichkeit und Sexualität im Kontakt mit ihren Kindern taktvoll zu spüren und einzuhalten. Sondern in der sexuellen Befriedigung leben sie die eigene Bedürftigkeit, die Priorität hat, aus.5 Betrachtet man bei Inzestfamilien (gemeint ist hier der überwiegende Vater- Tochter-Inzest) die sozialen Merkmale, lassen sie sich in drei Kategorien einteilen:

1. Promiskuöse Familien: Inzest ist Teil allgemeiner Promiskuität innerhalb der Familie (auch multipler Inzest) und ist geprägt von allgemeiner Gewalttätigkeit. Dem Täter mangelt es an der Kontrolle seiner Impulse, was auf die eigene emotionale Vernachlässigung in seiner Kindheit und der mangelnden Sozialisation hinsichtlich der Internalisierung von sexuellen Grenzen und sozialen Regeln zurückgeführt werden kann.6

2. Endogamische Familien1: Die Familie erscheint "in sich abgeschlossen"2 und sozial unauffällig. Physische Gewalt kommt eher selten vor, da der Mißbrauch in sehr subtiler Form vollzogen wird. Deswegen handelt es sich hier um die größte inzestuöse Gruppe.3 Der Täter ist der regressiven Tätertypologie4 zuzuordnen.

3. Pädophile Familien: Pädophile Inzesttäter gehören der fixierten Tätergruppe an und sind eher seltener repräsentiert, da die Pädophilie als Form der sexuellen Perversion primär nichts mit dem Vater-Tochter-Inzest zu tun hat5, was im folgenden Kapitel noch näher erläutert wird.

Die Problematik des Inzestbegriffs, ist die, daß durch ihn nur der sexuelle Aspekt hervorgehoben wird und der eigentliche, den Aspekt der Macht unbeachtet bleibt. Außerdem wird durch diese Terminuswahl nur der Täterkreis der Familie berücksichtigt. Diesbezüglich ist dieser Begriff eher ein juristischer Terminus.

"Ferner kann der Begriff 'Inzest' emotional sehr belastet sein, weil er häufig mit Ekel und Perversität assoziiert wird. Diese Gefühle werden dann auf das Opfer übertragen und belegen es ebenfalls mit einem Tabu."1

Um die Differenz des Inzestbegriffs zum Begriff der Pädophilie oder Pädosexualität zu verdeutlichen, wird dieser Begriff im nächsten Kapitel dargestellt.

1.1.4. Der Begriff Pädophilie / Pädosexualität oder Päderastie

Der Unterschied zwischen Inzest und Pädophilie besteht darin, daß Inzest den Mißbrauch innerhalb der Familie bezeichnet, während Pädophilie sich auf sexuelle Ausbeutung außerhalb der Familie bezeichnet.

Darüber hinaus sind die 'Anziehungspunkte' des pädophilen Täters anders als die des Inzesttäters. Meist wird eine pädophile 'Beziehung' mit Verringerung der körperlichen Reifedifferenz des Opfers zum Täter abgebrochen, denn für einen Pä- dophilen sind vowiegend kindliche makellose Körper und das kindliche Gemüt, d.h. die kindliche Fröhlichkeit und Naivität, aber auch die Verspieltheit, Niedlichkeit und Anschmiegsamkeit der Kinder von Bedeutung2. Wohingegen in einer inzestuösen Beziehung die körperliche Reifung in der Pubertät als sexueller Anreiz genommen wird.3

Pädophilie wird allgemein als "auf Kinder beiderlei Geschlechts gerichteter Sexualtrieb Erwachsener" definiert.4 Das Wort setzt sich aus dem griechischen pais = Kind / Knabe und philia = Liebe zusammen. Die genaue Übersetzung lautet demnach Kinderliebe, was auf eine allgemeine Zuneigung gegenüber Kindern hindeutet, nicht explizit erwähnt wird allerdings die sexuelle Komponente, die eigentlich mit Verwendung dieses Begriffs gemeint ist. Daher wird von mehreren Autoren der Begriff Pädosexualität bevorzugt, da er explizit auf die Art der Beziehung zwischen Erwachsenem und Kind bzw. auf die Intention des Pädosexuellen hinweist.

Es muß hinzugefügt werden, daß das Wort pais im Begriff Pädophilie / Pädosexualität immer Kinder beiderlei Geschlechts meint.5 Die sogenannte Knabenliebe wird mit dem Begriff Päderastie übersetzt. Gemeint ist die sexuelle Fixierung besonders auf männliche Kinder und Jugendliche und hat ihren historischen Ursprung im antiken Griechenland, wo sexueller Mißbrauch normal und üblich war. Die Prostitution von Jungen gleichermaßen wie Mädchen. Die sexuelle Ausbeutung von Jungen, überwiegend in der Armee, wurde damals als Knabenliebe romantisiert.6

Uneinigkeit herrscht darüber, wo die Altersgrenze beim Opfer liegt, um die Grenzen der Definition für Pädosexualität abzustecken. Entscheidend ist tatsächlich aber der bestimmte Entwicklungsstand eines Kindes und der läuft nicht nach einem einheitlichem Zeitplan ab.

Untersuchungen der typischen Pädophilen haben ergeben, daß die sexuellen Handlungen von anderer Art sind, als z.B. die von endogamischen oder promiskuitiven Inzesttätern oder psychopathischen Mißbrauchstätern, bei denen sich die sexuellen Handlungen überwiegend aus vaginaler oder analer Penetrationen bestehen. Wohingegen pädosexuelle Handlungen eher auf Zärtlichkeiten, Beschauen, Vorzeigen und Masturbation1 beschränken. Denn laut eines Pädosexuellen selbst, sucht er bewußt das Kind und nicht im Sinne eines 'Ersatzes' für einen gleichaltrigen Geschlechtspartner.2

Bekennende Pädosexuelle und ihnen freundlich Gesinnte, die den Begriff Pädophilie bevorzugen, bagatellisieren ihre Neigung als gewaltfreie Beziehung und somit nicht schädlich für Kinder ist. Jedoch besteht "zwischen Erwachsenen und Kindern ein so großes Machtgefälle [...], daß Gleichberechtigung Utopie ist. Auch ist eine solche Definition über Gewaltfreiheit schwierig, da es fließende Grenzen gibt. Niemand kann sagen, wo genau Gewalt aufhört und wo sie anfängt. Dies gilt für psychische Gewalt noch in viel größerem Maße als für physische."3 Hinzukommt, daß man den Begriff gewaltlos nicht mit dem Ausdruck von beiden gewollt gleichsetzen kann und deshalb "muß man bei jedem sexuellen Kontakt wischen Kindern und Erwachsenen davon ausgehen, daß er schädigen könnte."4

Das spezielle Thema der Pädosexualität ließe sich an dieser Stelle noch weiter fortführen, doch würde es den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Der Pädosexuelle ist aufgrund seiner eigenen emotionalen Vernachlässigung nicht in der Lage, sexuelle Beziehungen zu anderen Erwachsenen aufzubauen. Die eigentliche Erzieherolle wird mit der Partnerolle verwechselt.5 Pädosexualität ist keine Befriedigung der kindlichen Zärtlichkeitsbedürfnisse, sondern ganz klar Befriedigung der eigenen sexuellen Bedürfnisse. So ist Pädophilie immer sexueller Mißbrauch. Die Täter müssen aufgrund ihrer Macht-, Autoritätsund Vertrauensposition keine körperliche Gewalt anwenden, um ein Kind gefügig zu machen. "Zudem sind viele Opfer aufgrund ihrer Unterlegenheit und Angst zur massiven Gegenwehr überhaupt nicht in der Lage."6

Diese beschriebene Tatsache wird im Konzept des wissentlichen Einverständnisses von Bange / Enders festgehalten:

"Es geht davon aus, daß Kinder gegenüber Erwachsenen keine gleichberechtigten Partner sein können, weil sie ihnen körperlich, psychisch, kognitiv und sprachlich unterlegen sind, und weil sie auf die emotionale und soziale Fürsorge Erwachsener angewiesen und diesen auch rechtlich unterstellt sind. Folglich können Kinder sexuelle Kontakte mit Erwachsenen sind. Folglich können Kinder sexuelle Kontakte mit Erwachsenen nicht wissentlich ablehnen oder ihnen zustimmen. Jeder sexuelle Kontakt zwischen einem Kind und einem Erwachsenen gilt demnach als sexueller Mißbrauch."1

1.2. Formen sexueller Gewalt

Die Formen des sexuellen Mißbrauchs reichen von subtilen Grenzüberschreitungen bis hin zum gewaltsam erzwungenen Geschlechtsverkehr"2 (Vergewaltigung). Die Grenze zwischen normalen hygienisch pflegenden, umsorgenden, fürsorglich liebevollen Berührungen / Körperkontakten und die subtilen Berührungen in einem beginnenden Mißbrauch ist fließend. Zu beachten dabei ist, daß in Familien unterschiedliche Normen und Werte im Umgang mit der Sexualität existieren, was auf unterschiedliche Erziehungskontexte und kulturelle Differenzen beruht. Deshalb gibt es jeweils auch andere Interpretationen von Intimität und dessen Situationen.3

Koch und Kruck nennen für solche Zweifelsfälle zwei Kriterien, die bei der Beurteilung zur Situation beachtet werden sollen. Zum einen die Betrachtung der Sexualnorm, die in der Familie herrscht, und zum anderen muß die Motivation des Täters genau berücksichtigt werden. Denn sexueller Mißbrauch entsteht nicht durch zufällige, liebevolle Körperkontakte mit einem Kind, sondern ist von Anfang an ein bewußtes Vorgehen.4 Mit seiner Absicht das Kind zu sexuellen Handlungen zu leiten, legt er die Grenzen fest.

" 'Je nach Art und Begleitumständen und auch im Hinblick auf die möglichen Folgen kann man den intrafamilären vom extrafamiliären sexuellen Mißbrauch unterscheiden, der jeweils wiederum mit oder ohne [physische] Gewaltanwendung erfolgen kann.' "5

"Das Vorhandensein einer sexuellen Handlung an bzw. vor einem Kind - soweit besteht Einigkeit - ist ein Kriterium, das erfüllt sein muß, um die Situation als sexuellen Mißbrauch zu werten."6 Aufgrund der Uneinigkeit darüber, was unter sexuellen Handlungen zu verstehen sind, müssen Kriterien festgelegt werden, die sexuelle Gewalt genauer erfassen. Die wichtigsten dieser Kriterien möchte ich im Folgenden darstellen.

Das zentrale Kriterium ist das des Machtgefälles bzw. des Machtmißbrauchs zwischen Täter und Opfer. Dabei ist nicht der Altersunterschied kennzeichnend, sondern die unterschiedliche kognitive Voraussetzung zwischen Täter und Opfer, aufgrund dessen eine emotionale Abhängigkeit seitens des Opfers gegenüber des Täters existiert.1

Das Kriterium der wissentlichen Zustimmung bzw. der Möglichkeit des Einverständnisses2 ist in soweit ein wichtiges Kriterium, wenn man bedenkt, daß Kinder entwicklungsmäßig nicht in der Lage sind, den sexuellen Handlungen wissentlich zuzustimmen. Auch wegen der subtilen Manipulation des Täters und aufgrund des Abhängigkeitsverhältnisses und Geheimhaltungsgebots sind sie nicht fähig sich dagegen zu äußern.3

Der Gewaltaspekt ist mit Sicherheit ein Kriterium für sexuelle Mißbrauchshandlungen, denn sexueller Mißbrauch geht immer mit psychischen und physischen Zwang (sprich Gewalt) einher. Auch wenn körperliche Mißhandlungen soweit ausbleiben, so ist doch immer eine subtile emotionale / psychische Gewalt (Drohungen, Erpressungen, Mitschuldzuweisungen usw.) vorhanden.4

Hier kommt dann auch das Kriterium des Geheimhaltungsgebots (als subtile Form der Gewaltanwendung) zum Tragen.

Auch die Absicht des Täters sei hier als Kriterium genannt, da sexueller Miß- brauch nie zufällig geschieht, sondern immer vom Täter geplant wird.

May und Gloor / Pfister zählen zu den Kriterien auch das der subjektiven Einstufung als Opfer5, d.h. das eigene Erleben, sich als ausgebeutet zu bezeichnen. Aber dieses Kriterium impliziert, wenn das Kind die eigene Ausbeutung nicht wahrnimmt, am Mißbrauch mitschuldig ist. Daß ihnen der Mißbrauch nicht bewußt ist, kann auch durch Verdrängung bedingt sein.6 So definieren Gloor und Pfister sexuelle Handlungen als "jede Handlung, die ein Erwachsener vornimmt oder vornehmen läßt, um sich und / oder das Kind sexuell zu erregen - unter Umständen auch ohne direkte Berührung. Diese Grenzen zwischen Zärtlichkeit und Ausbeutung ist unabhängig davon, ob sich der Erwachsene die Mühe genommen hat, die Zeichen des Kindes wahrzunehmen. Sie ist auch dort gültig, wo Kinder die sexuelle Ausbeutung vielleicht noch als Zuwendung empfinden. Denn Kinder sind nicht fähig, ein wissentliches oder willentliches Einverständnis zu geben."1

Die Formen der sexuellen Handlungen lassen sich am Besten in zwei Kategorien teilen, wie im folgenden Kapitel dargestellt wird. Zum einen in klare sexuelle Handlungen mit Körperkontakt und zum anderen in subtile Formen, die "grenzwertige Verhaltensweisen"2 aufzeigen (meist zu Beginn des Mißbrauchs).

1.2.1. Deutliche (unmißverständliche) Formen sexuellen Mißbrauchs

- Anale, orale, vaginale Penetration mit Geschlechtsorganen oder Gegenständen (auch Cunnilingus und Fellatio).
- Berühren, Streicheln, Manipulieren der primären und sekundären Sexualorgane des Kindes mit Händen, Zunge, Geschlechtsorganen oder Gegenständen.
- Veranlassung des Kindes, die Genitalien des Erwachsenen zu berühren.
- Masturbation bei Anwesenheit des Kindes.
- Veranlassung des Kindes, im Beisein des Erwachsenen sich zu berühren bzw. zu masturbieren.
- Reiben des Penis am Körper des Kindes.
- Zeigen von pornographischen Abbildungen oder das Herstellen solcher.
- Veranlassen des Opfers zu sodomitischen sexuellen Handlungen.3

1.2.2. Subtile Formen / grenzwertige Verhaltensweisen

Die folgenden subtilen Formen sexueller Gewalt werden in der Retrospektive oft zu Beginn sexueller Ausbeutung festgestellt:1 )

- Der Erwachsene zeigt sich nackt vor dem Kind bzw. zeigt dem Kind seine Genitalien.
- Der Erwachsene möchte den Körper des Kindes 'begutachten'.
- Beobachtung des Kindes beim Ausziehen, Baden, Waschen, auf der Toilette und eventuelle 'Hilfsangebote' dazu.
- Küssen des Kindes auf intime Weise ('Zungenküsse').
- Altersunangemessene Aufklärung des Kindes über Sexualität, die nicht dem kindlichen Interesse entspricht, sondern dem exhibitionistischen und / oder dem voyeuristischen Bedürfnis des Erwachsenen dient.2
- Gebrauch sexualisierter Worte, Blicke und Gesten, die das Mädchen / den Jungen zum Sexualobjekt herabstufen.3

Gloor und Pfister kritisieren mit Recht, daß sich wenige Autoren bei der Definierung von sexuellen Handlungen "den Aspekt einer versuchten sexuellen Ausbeutung"4 erwähnen. Zu den Formen Sexueller Gewalt zählen - da ist man sich heute weitgehend einig - neben den Formen mit Berührung, auch die ohne Berührung.

1.3. Statistiken und Fakten über das Ausmaß sexueller Gewalt

"Die Probleme einer epidemiologischen Erforschung (die Erforschung der Entstehung, Verbreitung und Bekämpfung) von sexuellem Mißbrauch sind keine anderen als diejenigen, mit welchen die psychiatrische Epidemiologie überhaupt zu kämpfen hat. Spezifisch sind einzig die Brisanz und der Skandalcharakter des Themas, ein verbreitetes Pseudowissen, die Vereinnahmung durch die Medien, die Politik und die politische Korrektheit und damit die Gefahr der aufgeblähten Prävalenzen und der dramatisierten Folgeschäden."5

Erst seit den 80er Jahren, als der Mißbrauch-Skandal durch feministische Autorinnen und durch selbst betroffene Frauen (z.B. Rush 19891 ) das bis dahin seit Jahrhunderten völlig tabuisierte Thema publik machten, geriet sexueller Miß- brauch und damit das Ausmaß auch in die Betrachtungen der Wissenschaft in Deutschland.

Das Ausmaß des sexuellen Mißbrauchs an Jungen, wurde erst später berücksichtigt. Aufgrund der verschiedenen Definitionsansätze (besonders bezüglich der Spannbreite der sexuellen Handlungen und in der Festlegung der Altersunterschiede), die in den vorausgegangenen Kapiteln beleuchtet wurden, variiert auch das Ergebnis der Studien über das Ausmaß der Mißbrauchsfälle. Aber auch die Stichprobenauswahl und die Befragungsmethode hat erheblichen Einfluß auf die Ergebnisse und auf 'Dunkelfelduntersuchungen'.

Dunkelfelduntersuchungen geben die jährliche Schätzung der Hochrechnung angezeigter Fälle als Dunkelfeldziffer wieder. Diese Inzidenzstudien haben die innewohnende Problematik der Ungenauigkeit. Denn nur eine kleine Anzahl aller (geschätzten) Fälle werden den Institutionen gemeldet und diese Melderate hängt sehr vom Bewußtsein der Eltern, Erzieher und anderen Professionellen ab. "Trotzdem können auch Inzidenzstudien dazu beitragen, das Thema in der Öffentlichkeit bekannt zu machen."2

Eine realistische Mißbrauchsrate für Deutschland wurde von Bange in den späten 80er Jahren berechnet, nach dem erste Fehlberechnungen die Öffentlichkeit mit horrenden Zahlen schockiert hatte. Er kam zu dem Ergebnis, daß es sich bei den weiblichen Opfern um einen Prozentsatz von 16 und 31% und bei den Jungen um eine Quote von 4 und 9% handeln mußte.

Dieses Ergebnis bedeutet, daß ungefähr "jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder zwölfte Junge sexuell mißbraucht wird".1 Die Angaben beziehen sich auch auf einmalige sexuelle Übergriffe durch Bekannte und Fremde. Bei dieser Untersuchung handelt es sich um eine Prävalenzstudie.

Prävalenzstudien sind Untersuchungen, in denen erwachsene Frauen und Männer retrospektiv über ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt in der Kindheit oder Jugend befragt werden. Zwar sind diese Studien aussagekräftiger als Inzidenzstudien herausgestellt, so gibt es aber auch hier einige Probleme. Bei den retrospektiven Befragungen muß in Betracht gezogen werden, daß manche Angaben bagatellisiert oder geleugnet werden.2

Zur Kriminalstatistik in Deutschland berichtet Bange von jährlich etwa 10.000 bis 15.000 angezeigte Fälle sexuellen Mißbrauchs. Dabei handelt es sich meistens um Delikte mit Fremdtätern und Exhibitionisten. Dementsprechend wird von einem hohen Dunkelfeld gerade im Bereich von sexuellem Mißbrauch im nahen sozialen Umfeld. Denn Fremdtäter werden schneller angezeigt. Hinzu kommt, daß die Aufdeckung innerhalb der Familie viel schwieriger ist, da man sich nicht vorstellen kann, das dieser jene geliebte Mensch so etwas tun könnte. "Die Schätzungen des Hell-/Dunkelfeldes schwanken von 1 : 8 bis 1 : 50".3

Der Deutsche Kinderschutzbund e.V. (DKSB) berichtet über folgende Ergebnisse einer Prävalenzstudie über Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen vor dem 16. Lebensjahr: 90% der Täter an sexuellen Übergriffen an Mädchen sind männlich, bei Übergriffen an Jungen beläuft sich der männliche Täteranteil auf 75%.

25% aller Fälle an Mädchen erfolgen durch Fremde, 50% durch Bekannte und 25% durch Familienangehörige. Bei den Fällen der Übergriffe an Jungen ist das Verhältnis des Bekannten als Täter zum Familienangehörigen als Täter eher umgekehrt. Hier sind kommt die überwiegende Anzahl der Täter aus dem Bekanntenkreis.4

Eine konservative Schätzung (nach Wetzel) ergab, daß in der Altersgruppe der 16 bis 29-jährigen mindestens 120.000 Männer (2,8%) und 520.000 Frauen (8,6%) vor ihrem 16. Lebensjahr die Erfahrung sexuellen Mißbrauchs mit Körperkontakt gemacht haben.5

Statistische Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) aus dem Jahr 1993 bezüglich der gesamten Bundesrepublik Deutschland ergaben zusammengefaßt, daß 15.430 Fälle von Sexuellem Mißbrauch an Kindern unter 14 Jahren nach § 176 StGB. angezeigt wurden und nach § 174 StGB 1.253 Fälle von Sexuellem Miß- brauch von Schutzbefohlenen (Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene).

Pornographische Schriften an Minderjährige (unter 18 Jahre nach § 184 StGB) wurden in 271 bekannten Fällen verbreitet. 685 Fälle von geförderten sexuellen Handlungen Minderjähriger (unter 18 Jahre) bzw. Prostitution (§ 180, 180a-b, 181, 181a StGB) wurden aufgenommen.

Homosexuelle Handlungen an Minderjährigen (unter 18 Jahre nach § 175 StGB) haben in 382 Fällen stattgefunden.1

Zwar weisen diese Angaben auch gewisse Mängel auf (z.B. daß genaue Inzestfälle nicht ausgewiesen sind und daß Altersdifferenzierungen fehlen), jedoch zeigen diese Statistiken, "daß Sexueller Mißbrauch von Minderjährigen den größten Teil aller Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ausmacht. Es ergibt eine Summe von 18.021 angezeigten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung Minderjähriger."2

Vergleicht man diese Zahlen von 1993 mit denen von 1992, stellt man eine Rücklaufrate von 6% (1.012 Fälle) fest. Es gibt mehrere Gründe für die Erklärung des Rückgangs der angezeigten Fälle. Zum einen könnte er "'ebenso wie der Anstieg in den vorangegangenen Jahren, auf Schwankungen im Anzeigeverhalten zurückzuführen sein'"3. Ein zweiter Grund könnte darin liegen, daß sich die 'Gegenbewegung' mit Verunsicherung auf die Gesellschaft auswirkt (und damit wiederum die Opfer eher zum Schweigen bringen).

Die Gegenbewegung hat keinen unerheblichen "Anteil an der weiteren gesellschaftlichen Verleugnungsund Minimierungstendenz in bezug auf Sexuellen Mißbrauch"4.

Als weitere Erklärung für die Rücklaufrate, kann auch die gerichtliche Belastungssituation genommen werden. Zudem tragen "Spektakuläre Gerichtsfälle mit negativem Ausgang für die Opfer und Freispruch für die Täter (vgl. Berliner Zeitung vom 26.4.1995 und 17.5.1995) [...] zu einer Resignation bei. Sie schmälern die Erwartung an die strafrechtliche Verfolgung und Verurteilung von Tätern."5 Schätzungen besagen, daß nur ca. 2 bis 5% aller Fälle überhaupt angezeigt werden. Je enger der Bekanntschaftsoder Verwandtschaftsgrad zwischen Opfer und Täter ist, desto geringer die Anzeigebereitschaft.1

Die Aufklärungsquote bei sexuellen Mißbrauch beträgt, als zweithöchste Aufklärungsquote aller Straftaten überhaupt, 63,4%.2 Die Verurteilungsquote ermittelt man anhand der Strafverfolgungsstatistik und beläuft sich auf 17,8% gegenüber angezeigter Fälle.

"Im Jahre 1991 wurden insgesamt 2 137 Verurteilungen wegen Verstoßes des § 176 StGB ausgesprochen, Täter waren zu 99,3% Männer (2 122) und zu 0,7% Frauen (15). Zusätzlich ergingen vier Verurteilungen wegen Sexuellen Mißbrauchs mit Todesfolge. Alle Täter waren männlich [...]. Diese Zahlen entsprechen einer Quote von 0,9% gegenüber den geschätzten Zahlen und einer Verurteilungsquote von 17,8% gegebüber den angezeigten Fällen."3

Ergebnisse einer Strafverfolgungs-Verlaufsstudie von 1994 ergab eine Verurteilungsrate von 11,1% sexueller Mißbrauchshandlungen gegenüber der Zahl angezeigter Fälle. Nur 17,4% aller angezeigten Fälle kamen überhaupt zur Anklage, weil die Mehrzahl der Fälle im Laufe der Strafverfolgung und der Ermittlungsverfahren "aus unterschiedlichen Gründen eingestellt"4 wurde.

Die meisten Opfer einer sexuellen Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind Mädchen. Klinische Daten belegen zwar, daß überwiegend Vaterfiguren die Täter sind, jedoch wird dies weder von den angezeigten Fällen des BKA noch von Ergebnissen aus Prävalenzstudien bestätigt. In der Regel aber stammen die Täter aus dem sozialen Nahfeld der Mädchen. Fremdtäter bilden die Minderheit. Die Täter, dessen Opfer weiblich sind, sind überwiegend männlich. Ein Drittel der Täterschaft ist minderjährig, gefolgt von der Tätergruppe der 20- bis 30jährigen.5 Auch bei Jungen als Opfer, handelt es sich um eine überwiegend männliche Täterschaft und fast die Hälfte der Täter ist unter 18 Jahre alt.1

1.4. Das Täterprofil

Der Ruf nach Bestrafung der Täter ist laut, besonders der nach Kastration (hormonell wie operativ). Jedoch entsteht die Pädosexualität im Kopf des Täters und "beruht auf Konflikten, Phantasien und Triebbedürfnissen, denen auch durch stereotaktische Gehirnoperationen, wie sie ebenfalls gefordert werden, nicht beizukommen ist."2

Die Beschäftigung mit Täterbild ist wichtig, denn "nur wenn wir die Frage nach den Tätern beantworten, werden wir langfristig Erfahrungen sammeln, warum ein Mensch zum sexuellen Mißbrauchstäter wird und wie man die Tat verhindern kann."3 Die weitverbreitete Meinung, das Problem mit Psychotherapie aus der Welt zu schaffen, ist nicht realistisch. Denn "der Glauben, es sei möglich, eine eindeutige 'Perversion' zu diagnostizieren, die dann ebenso eindeutig einer gesicherten Behandlung zugeführt werden kann, stellt sich als Irrtum heraus. Entscheidend ist vielmehr die Kenntnis der psychischen Struktur der Täter und das Wissen um die menschliche Triebdynamik, [...] um die komplexen Ursachen dieses Verhaltens zu erfassen [...]. Erst ein solches Erklärungsmodell, das außerdem entwicklungspsychologische und familienspezifische Aspekte umfaßt, kann helfen, einen Ansatz zu finden, das Verhalten des Täters wirkungsvoll zu verändern bzw. geeignete Maßnahmen für den Opferschutz und entsprechende Strategien zur Vorbeugung zu entwickeln."4

Zum Täterprofil sei gesagt, daß es keine äußerlichen Erkennungszeichen gibt und weder entstammen sie einer bestimmten sozialen Schicht noch kann man sie an ihrem Verhalten gleich erkennen.

"Nichts, aber rein gar nichts deutet darauf hin, daß jemand ein Mißbraucher ist, nicht einmal für die engste Familie."5 Deshalb ist es auch so schwer sie einerseits zu überführen und andererseits zu glauben, daß der Vater, der Onkel oder der nette Nachbar von nebenan usw. zu so etwas fähig wäre.

Untersuchungen ergaben, daß bei sexuellen Übergriffen auf Mädchen durch Familienangehörige, der Anteil der Väter sowie der Brüder am größten ist, sogar gleich groß. An zweiter Stelle gruppieren sich die Onkel als Täter. Der geringste Anteil macht hier die weibliche Täterschaft als Mutter aus.

Die am weitesten verbreiteten Altersangabe der Täter wird bis zur Grenze von 18 Jahren festgestellt (bei Übergriffen auf Mädchen). Direkt darauf folgt die Altersgrenze von 31 bis zu 50 Jahren. Täter mit einem Alter von über 50 Jahren bilden den geringsten Anteil der Altersverteilung.1

Generell sind die Täter zu 80-90% männlich. Zum niedrigen Prozentsatz der weiblichen Täterschaft muß angemerkt werden, daß die Erforschung der Frauen als Täterinnen ziemlich gering ist und somit in keinster Weise mit die der Männer vergleichbar.

In den meisten Fällen von sexuellen Mißbrauch ist der Täter männlich und ein naher Verwandter oder Bekannter, den das Kind gut kennt und dem es vertraut. Die traditionelle Vorstellung des fremden Täters ist weitaus seltener.

"Der überwiegende Teil der Täter und Täterinnen kennt die Opfer bereits vor dem sexuellen Mißbrauch. [...] Etwa 1/3 der TäterInnen, die Mädchen mißbrauchen sind Familienangehörige.[...] Der größte Teil kommt aus dem außerfamilialen Nahbereich - z.B. Verwandte, Pädagogen, männliche Jugendliche, Babysitter. [...] Männliche Opfer werden meist von Bezugspersonen aus dem außerfamilialen Nahraum [...] und von Fremden sexuell ausgebeutet. Die Täter und Täterinnen kommen mit 10-20% etwas seltener aus der Familie."2

Knapp 2/3 der männlichen Täter, haben neben den Opfern innerhalb der eigenen Familie, auch welche außerhalb der Familie; oft auch schon im Jugendalter, also bevor sie sich ihrer eigenen Kinder 'bedienen' konnten.3

1.4.1. Typologie

Fachleute nehmen eine Einteilung in verschiedene Tätertypen vor. Eine Tätertypisierung zieht die "primäre sexuelle Orientierung und die Stufe der soziokulturellen Entwicklung"1 der Täter in Betracht. Dabei erfolgt die Einteilung in drei Tätergruppen:

1. Der fixierte Täter-Typ: Er ist auf sexuelle Phantasien mit Kindern fixiert, hat keine gleichaltrigen sexuellen Kontakte, ist sozial unreif und fühlt sich bei Kindern sicher vor Zurückweisung und Kritik. Die Motivation ist sexuell ausbeuterisch. Die Opfer sind meist männlich und oft sieben Jahre alt und jünger.

2. Der regressive Täter-Typ: Er ist sexuell primär an Gleichaltrigen orientiert und die Motivation liegt meist nicht im sexuellen Bereich, sondern aufgrund von mangelnden Coping2 -Fähigkeiten, d.h. die Person entwickelt in Streßperioden psychische Verhaltensweisen, um sich mit den Schwierigkeiten auseinandersetzen zu können. Die Opfer sind meist weiblich.

3. Der soziopathische Täter-Typ: Er ist aggressiv und sadistisch orientiert, besonders gegenüber Frauen. Die Motivation ist sexuell aggressiv. Die Aggressionen und der Ärger werden an dem Kinder ausagiert und der Mißbrauch geschieht brutal und ist auf anale / vaginale Penetration ausgerichtet. Der Täter ist meist delinquent und weist Alkoholoder Abhängigkeitsprobleme (Substanz-Abusus) auf.3

Aus psychotherapeutischer Sicht teilt werden die Täter nach bestimmten gestörten Phasen der psychischen Entwicklung eingeteilt, z.B. in die infantile Tätergruppe, die ödipale, pubertäre, adoleszente usw.1 Für diese Arbeit reicht jedoch eine weitere einfache, in Stichpunkten gehaltene Unterscheidung zwischen erwachsenen und jugendlichen Tätern. Im Anschluß daran wird speziell auf die Frau als Täterin eingegangen.

1.4.2. Die erwachsenen Täter

- sind selten homosexuell, wenn sie gleichgeschlechtliche Kinder mißbrauchen
- sind oft in einem hohen Maß pädophil
- sind durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent und üben überwiegend einen Beruf im mittleren und hohem Bildungsbereich aus
- sind nicht mehr seelisch oder psychisch erkrankt, als andere Menschen
- sind sozial unauffällig und ihrer Umgebung angepaßt
- besitzen keine Vorstrafen; sind im nahen sozialem Umfeld anerkannt und beliebt und üben oft eine pädagogische Arbeit aus und sind nicht selten in der Kinderund Jugendarbeit engagiert
- haben eine selbstbewußte, besonnene Fassade, innerlich jedoch unsicher und gehemmt
- leben in einer in sich geschlossen Familienstruktur ist , d.h. das Leben der Familie findet innerhalb der vier Wände statt (kaum Besuchsempfang, strenge Kontrolle bezüglich der Bewegungsfreiheit der Familienangehörigen)
- leugnen und verdrängen ihre Taten und die Verantwortung dafür2
- sind häufig selbst in ihrer Kindheit Opfer sexueller Gewalthandlungen gewesen (30-60% der männlichen Täter und mehr als 75% der Täterinnen)3

1.4.3. Die jugendlichen Täter

- sind in 75% aller Fälle vor ihrem 12. Lebensjahr bereits sexuell aktiv, davon sind die Sexpartner häufig Erwachsene. Sie werden überwiegend im Alter von 17 bis 19 Jahren zu Mißbrauchstätern, in 10% aller Fälle schon mit dem 10. Lebensjahr.
- In 70% aller Fälle sind die jungen Täter selbst Opfer von Kindesmißbrauch ihrer eigenen Eltern; 60% aller Fälle werden von ihren Eltern mißbraucht, die selbst auch in ihrer Kindheit mißbraucht waren (= Mißbrauchsmuster, was sich durch mehrere Generationen zieht).
- In vielen Fällen herrscht in den Familien körperliche Gewalt, elterliche Vernachlässigung und brutalste Mißhandlungen. Oft werden die Kinder dadurch zu 'Nachahmungstäter'.
- weisen Verhaltensauffälligkeiten auf, wie deviantes und kriminelles Verhalten, Aggressivität, Abkapselung ihres Innerstes etc.1

1.4.4. Frauen als Täterinnen

Das Thema 'Frauen als Täterinnen' wurde erst später ernst genommen. Denn es fällt der Öffentlichkeit immer noch schwer, zu akzeptieren, daß auch Frauen Kinder mißbrauchen. Denn diese Tatsache "ist bedrohlicher [...] [und] untergräbt unsere Ansichten darüber wie Frauen sich Kindern gegenüber verhalten"2 und zwar liebevoll und fürsorglich und nicht sexuell aggressiv.

Sexuelle Aggressivität und Machtausübung wird meist nur dem männlichen Geschlecht zugeschrieben. Deshalb schließen die Menschen die Möglichkeit aus, daß auch Frauen sexuelle Gewalt ausüben. Besonders da sie sich nicht vorstellen können, "wie eine Frau [ohne Penis] überhaupt ein Kind sexuell mißbrauchen kann"3. Wenn Opfer vom sexuellen Mißbrauch durch ihre Mutter berichten, wird dies schnell als Einbildung, Phantasie oder Projektion abgetan, während der Miß- brauch eines Vaters nie in Zweifel gezogen wird.

Laut der Studie 'Child Sexual Abuse' (1984) besagen Statistiken von Finkelhor und Russell, daß "fünf Prozent des Mißbrauchs an Mädchen und 20 Prozent des Mißbrauchs an Jungen von Frauen verübt werden."4 Elliott wendet jedoch ein, daß Statistiken ein falsches Bild vermitteln können, wenn die Opfer nicht reden und Statistiken "nur auf dem, was uns gesagt wird" basieren.5 "Doch noch weichen die Ergebnisse und Zahlen in den verschiedenen Untersuchungen zu kraß voneinander ab, um ein deutlicheres Bild der Realität zu ergeben."6

Auch wenn die Anzahl der weiblichen Täter eher gering ist, so heißt das nicht, daß sie weniger gewalttätig und grausam sind als Männer.

Bei Müttern als Täterinnen wurden schwere psychischen Abweichungen festgestellt mit mangelnden Hemm-, Brems-, Kontrollund Steuermechanismen1. Auch gibt es neben den Täterinnen Mit-Täterinnen die gemeinsam mit ihrem Partner sexuelle Handlungen am Kind ausführen. Weiterhin gibt es Mütter die den Miß- Mißbrauch zwar nicht aktiv unterstützen, jedoch ihn passiv zulassen, indem sie wegschauen und den Mißbrauch auch vor sich selbst leugnen. Dies bedeutet keine geringere Schädigung für das Opfer2.

Jedoch darf diese Angabe nicht zur Pauschalisierung verleiten, denn sexueller Mißbrauch geschieht häufig so subtil und wird so perfekt verheimlicht und geplant, daß oft selbst die eigenen Frauen den Mißbrauch innerhalb der Familie nicht erahnen.

Hinzu kommt die Tatsache, daß trotz des Medienechos die kindliche Sexualität und Sexualerziehung oft in der Familie übergangen wird. Es wird also nicht über Sex gesprochen, so daß die betroffenen Opfer sich nicht trauen dieses stille Tabu zu brechen, um ihren Müttern vom Mißbrauch zu erzählen.

Bei der Behandlung ihrer Patientinnen stellt Elliott folgende Unterschiede in den Mißbrauchsmustern im Vergleich zu männlichen Tätern fest:

Keine Täterinnen aus der Therapie drängt andere zur Mittäterschaft. Sie wenden beim Mißbrauch seltener physische Gewalt an als Männer und auch in einem geringeren Maße. Was aber nicht bedeutet, daß sexueller Mißbrauch durch Frauen sich weniger schädigend auf das Opfer auswirkt.

Frauen als Täterinnen leugnen weniger ihre Tat und übernehmen schneller Verantwortung dafür als Männer. Die meisten Männer beginnen den sexuellen Miß- brauch überwiegend in der Adoleszenz, während die Frauen bei Beginn des Miß- brauchs meist schon älter sind.

Weiterhin läßt sich feststellen, daß Frauen tendenziell weniger Gebrauch von Drohungen machen, um ihre Opfer zum Schweigen zu veranlassen. "Frauen neigen dazu, erlebte Gewalt auf eine Weise umzusetzen, die sie in Form von Selbstbestrafung und selbstzerstörerischem Verhalten wie Hungern oder 'Schnippeln', Prostitution und dem Herbeiführen sehr gefährlicher Situationen zunächst gegen sich selbst wenden, bevor sie ihr Handeln gegen andere richten."3

Zusätzlich zeigen die weiblichen Täterinnen Unterschiede in der Reaktion auf die Therapiebehandlung: "Männer verzeihen sich tendenziell schneller als Frauen" und legen Schamund Schuldgefühle eher ab. [...] Der Zorn, den Frauen auf sich selbst verspüren, sitzt tendenziell tiefer."1 Männer entwickeln erst meistens viel später im Verlauf der Therapie Empathie für das Opfer, während Frauen, wenn sie Mitgefühle empfinden, gleichzeitig meinen, sich schämen zu müssen.

"Am größten ist der Unterschied zwischen beiden Geschlechtern in der Miß- brauchsdynamik bei sexuellem Kontakt von Erwachsenen mit einem adoleszenten Opfer. Im Fall der Frau indiziert dies die Täterin mit der geringsten Störung. Im Fall des Mannes weist es auf eine sehr schwere Störung hin. Die Frauen dieser Kategorie brauchen am wenigsten Therapie, aber die Männer brauchen ebensolange wie ihre Geschlechtsgenossen, die andere Straftaten begangen haben."2

Das folgende Zitat einer Patientin, die von ihrem Vater und ihrer Mutter miß- braucht wurde, verdeutlicht die Empfindung gegenüber einer Täterin im Vergleich zu einem Täter:

"Mit einer Mutter ist es etwas anderes. Wenn du klein bist, ist sie normalerweise diejenige, zu der du läufst, wenn dir etwas weh tut; der erste Mensch, mit dem du schmust, der dich liebt und sich um dich kümmert. Wenn sie dich dann mißbraucht, ist es sogar noch schlimmer, als wenn dein Vater das macht. In meinen Träumen kastriere ich meinen Vater und ersticke ihn. A- ber meiner Mutter kann ich nichts tun. Ich bin hinund hergerissen zwischen Liebe und Haß."3

Elliott typisierte die Täterinnen in ihrer Therapie nach den drei folgenden Kategorien, die jeweils die Umstände der Mißbrauchstat beschreiben:4

1) 'Teach-Lover'-Ausbeuterische Verführung: Diese Täterinnen nutzen ihre erwachsene Machtposition (z.B. als Lehrerin etc.) aus, machen sich also das Ungleichgewicht der Beziehung (z.B. die normale Beziehung zwischen Schüler und Lehrerin) zunutze, und nutzen die durch den Beruf gegebene Autorität aus.

2) Die 'Prädisponierten': Diese Kategorie von Täterinnen meint diejenige Tätergruppe, die durch eigene Mißbrauchserfahrungen der Kindheit zur Tat 'vorbestimmt' sind, wenn keine Verarbeitung des Traumas stattgefunden hat.

3) Die 'von Männern gezwungenen Täterinnen': Diese Täterinnengruppe steht während der Tat unter dem Einfluß oder der Gewalt eines Mannes .

Elliott schreibt diesen verschiedenen Täterinnentypen verschiedene Verantwortungsgrade zu, und zwar von oben nach unten abnehmend, die sogenannten 'mildernden' Umstände. Dabei sieht sie die Gruppe 2) mit größerer Verantwortung als die Gruppe 3), was nicht ganz nachvollziehbar ist. Aber um den Grad der Verantwortung darf es auch hier nicht gehen. Fest steht, daß sie Verantwortung für die Tat übernehmen müssen. Die jeweiligen Umstände sollen nur Erklärungen liefern, jedoch keine Entschuldigungen.

Bei allen Tätergruppen werden neben Minderwertigkeitsgefühle, Scham, Wut, die aus Schmerz und Angst resultieren, auch Empathiestörungen und Fehlinterpretationen bezüglich des Opfers und seine Bedürfnisse, festgestellt.1 Die überwiegende Anzahl der weiblichen Täterinnen aus allen drei Kategorien, haben Erfahrungen mit verbaler oder seelischer Mißhandlung gemacht.2

1.4.5. Täterstrategien

Folgendes Zitat wird vorangestellt, um zu zeigen, daß Mißbrauchstäter ihre Tat bewußt planen:

" 'Versuch', irgendeinen weg zu finden, um mit dem Kind zusammenzuleben. Wenn du ein Repertoire an Witzen hast, welche sich zwischen pikant und pornographisch bewegen...Laß Pornohefte herumliegen. Sprich über Sex. Beobachte die Reaktionen des Kindes. [...] Sei sympathisch. Probier' eine Reihe von Komplimenten. Hab' zufällig Kontakt zu ihren Brüsten. Nimm Dich ihrer an, sei nett zu ihnen, ziele auf Kinder ab, die kein gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben. [...] Ich würde ein Kind suchen, das nicht sehr viele Freunde hat, weil es dann leichter sein wird, es zu beeinflussen und sein Vertrauen zu gewinnen. Halte Ausschau nach einem Kind, das leicht zu manipulieren ist. Es wird alles mitmachen, was du sagst. Ich würde ihm glauben machen, daß ich jemand bin, dem es vertrauen und mit dem es sprechen kann. [...] Als Mißhandler kannst du ein Kind aussuchen und anfangen, dem Kind besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Sie werden darauf anspringen und leicht manipulierbar sein. Wenn die Eltern dir trauen, dann kannst du es auch einrichten, daß sie dich als Babysitter nehmen. Du wirst allein mit dem Kind sein, und das Kind wird seine Eltern nicht mögen. Wähle Kinder aus, die ungeliebt sind. Versuche nett zu ihnen zu sein, bis sie dir vertrauen, und erwecke den Eindruck, daß sie von sich aus bereitwillig mitmachen. Benutze Liebe als Köder... Bedrohe sie niemals. Gib ihr die Illusion, daß sie frei entscheiden kann, ob sie mitmacht oder nicht. [...] Bringe möglichst viele Menschen, die dem Kind nahestehen, dazu, dir zu vertrauen. [...] Wähle ein Kind, das bereits mißbraucht wurde. Dein Opfer wird denken, daß diesmal weniger Schlimmes geschieht. Suche ein Kind aus, das nach Hilfe sucht, das verletzlich ist... [...] Beobachte das Opfer, wenn er/sie freundlich ist, wenn sie anfangen, mich ziemlich zu mögen, dann wird es ungefährlich sein zu versuchen, sie zu berühren... [...] Wähle ein isoliertes und stilles Kind. Sie wollen jemanden ganz für sich haben. Als erstes mußt du dem Opfer totale Angst machen... Dann isoliere das Opfer, so daß niemand weiteres um es herum ist. Der nächste Schritt zielt darauf ab, das Kind glauben zu machen, daß alles in Ordnung ist, so daß sie nicht hinrennen und was erzählen.

Du kannst sie überzeugen, daß es nichts Schlimmes damit auf sich hat oder Druck auf das Kind ausüben, nichts zu berichten.' " (Zitat eines bekennenden Pädophilen)1 Wie schon erwähnt wurde, begehen die Täter den Mißbrauch bewußt und geplant. Sie haben bestimmte Strategien, wie sie den sexuellen Kontakt zu Kindern aufnehmen.

In der Fachliteratur wird die Planungsphase der Täter als Grooming-Prozeß (nach Christiansen und Blake 1990) bezeichnet und beinhaltet drei Prozesse, den der Sexualisierung der Erwachsenen-Kind-Beziehung, der Rechtfertigung des sexuellen Kontaktes und den Prozeß des Zustandebringen der kindlichen Mitwirkung2. Der dritte Prozeß beschreibt, welche Verführungstaktiken der Täter anwendet um den Widerstand des Kindes zu brechen.3 Der Aufbau von Vertrauen zum Kind als Mittel zum Zweck, die bevorzugte Behandlung des ausgewählten Opfers, dessen kontinuierliche Isolierung von anderen Bezugspersonen und die in Schrittweisen vollzogene Grenzüberschreitung des Täters gegenüber dem Kind bilden beim Grooming-Prozeß die Bestandteile, auf denen alle Strategien aufbauen4. Folgende Strategien die dabei bewußt geplant werden, werden im Folgenden erläutert:

a) Kontaktaufnahme: Der Täter sucht bewußt Orte auf, an denen sich Kinder oft aufhalten. Er freundet dadurch an, indem er seine Hobbys und Interessen an die des ausgewählten Kindes anpaßt oder er übernimmt betreuende Tätigkeiten. Auch wählt der Täter oft alleinerziehende Lebenspartner aus, insbesondere wenn diese eher unselbständig sind und kein starkes Selbstbewußtsein besitzen.5
b) Auswahl der Opfer: Der Täter wählt die Kinder aus, die weniger widerstandsfähig erscheinen, das sind meistens traditionell erzogene Kinder, die zu Gehorsam gegenüber Erwachsenen erzogen wurden und in dessen Familien das allgemeine Thema Sexualität tabuisiert wird. Bevorzugt ausgewählt werden auch Kinder, die schon mal Opfer von Mißbrauch oder Mißhandlungen wurden oder emotional vernachlässigt sind bzw. sehr junge Kinder, bei denen das Risiko des Widerstandes kleiner ist und das Abhängigmachen umso größer. Männliche Täter suchen gezielt auch Kinder und Jugendliche auf, denen es an männlichen Bezugspersonen mangelt.1
c) Desensibilisierung des Opfers in Bezug auf körperliche Berührungen: Diese Desensibilisierung geschieht durch 'Testrituale' mit 'schleichender Sexualisierung'. Scheinbar zufällig werden sexuelle Grenzüberschreitungen ohne Körperkontakt mit der Zeit zu 'manifesten körperlichen Grenzüberschreitungen' (z.B. durch 'Spiele', bei denen es zu vaginalen / genitalen Berührungen kommt)entwickelt.2
d) Die Wahrnehmung der Umwelt vernebeln: Täter erscheinen oft als kinderlieb und haben viele Sympathien in ihrem Erwachsenenumfeld. Sie genießen oftmals ein hohes Maß an Vertrauen und Autorität, sind engagiert und angesehen.3
e) Die Verführung des Opfers: 'Klassisches' Täuschungsmanöver ist die scheinbare Anerkennung und Wertschätzung, um das Vertrauen des Kindes zu gewinnen und langsam aber sicher seinen Widerstand zu brechen. Sie schleichen sich "mit List und Tücke in die Gefühle des Kindes" ein.4
f) Auswahl von Tatort und Zeitpunkt: Zeitabläufe und örtliche Gegebenheiten werden geschickt inszeniert. Oft geschieht das Verbrechen innerhalb so kurzer Zeit, daß kein Verdacht aufkommen kann.5
g) Ignorieren des Widerstandes des Opfers: Der Täter setzt sich über die aktive kindliche Verweigerung hinweg und übergeht raffiniert den passiven Widerstandes, indem er z.B. dem Opfer einredet, daß es das doch auch will.6
h) Vernebelung der Wahrnehmung des Opfers: Es wird versucht, dem Kind 'Denkfehler zu implantieren', durch Leugnen der Realität oder das Definieren der sexuellen Handlungen als Ausdruck von Zuneigung, Zärtlichkeit, Pflege oder Sorge um die körperliche Entwicklung des Kindes ('Alltagshandlungen'). Die Kinder werden bewußt durch Tarnung der Übergriffe als Spiel und Festsetzen als Norm verwirrt.7 Auch Medikamente oder Alkohol werden dafür zum Einsatz gebracht und den Kindern zugeführt1.
i) Isolation und Kontrolle des Kindes: Das Kind wird Schritt für Schritt von Bezugspersonen durch besondere Zuwendung und durch Inszenieren von Eifersuchtsdramen isoliert. Die Täter spielen den "treusorgenden Familienvater , der in Sorge um das Mädchen / den Jungen auf die Einhaltung strenger Regeln achtet (Pünktlichkeit, Ordnung, Familienausflüge etc.)".2
j) Erklärung des Mißbrauchs zum 'gemeinsamen Geheimnis': Durch Drohungen und subtile Beeinflussungen (sprich emotionale / psychische Gewalt) wird dafür gesorgt, daß das Geheimhaltungsgebot eingehalten wird, was durch die Schuldund Schamgefühle seitens des Opfers auch schnell gelingt.3

"Die Täterstrategien belegen das Ausmaß der kriminellen Energie der Täter und Täterinnen."4 Sie "richten sich nach außen, um ein Eingreifen von Dritten auszuschließen, gegen das Kind, um sie / ihn gefügig zu machen, und gegen die engsten Vertrauenspersonen des Opfers, damit diese weder den eigenen Wahrnehmungen trauen, noch den Hinweisen des Kindes glauben schenken. [Sexueller Mißbrauch] ist das Ergebnis eines sorgfältig entwickelten Plans."5

Darüber hinaus rechtfertigen sie ihre Tat sowohl bewußt wie unbewußt, um die Übernahme der Verantwortung für die Tat und dessen Auswirkungen zu übergehen. In dieser Abwehr wird der "gemeinsame Nenner der Haltungen"6 des Täters gesehen und im Folgenden als typischer Mechanismus dargestellt.

1.4.6. Das Verantwortungs-Abwehr-System (AVS)

Das Verantwortungs-Abwehr-System ist der typische Mechanismus der Abwehrhaltung der Täter gegenüber der Verantwortungsübernahme für ihr Handeln. Die Ursachen für dieses Verhalten wird erstens in dem bewußten Leugnen für das Erhalten einer positiven Selbstdarstellung gesehen, zweitens aufgrund von sozialisationsbedingten Verzerrungen und kognitiven Fehlinterpretationen und drittens aufgrund von unbewußten Abwehrmechanismen.7

Das VA-System setzt sich aus acht Mechanismen zusammen:8

[...]


1 Mike Lew, 1993, zitiert nach May, Angela: Nein ist nicht genug. Prävention und Prophylaxe. Inhalte, Methoden und Materialien zum Fachgebiet Sexueller Mißbrauch. Ruhnmark: Donna Vita Verlag 1997. S.220.

2 May 1997, S.219.

3 Koch, Helmut H. und Marlene Kruck: Ich werd's trotzdem weitersagen! Prävention gegen sexuellen Mißbrauch in der Schule (Klassen 1-10). Theorie. Praxisberichte. Literaturanalysen. Materialien. Arbeitsbücher für Schule und Bildungsarbeit. Bd. 2. Münster: LIT Verlag 2000. S. 3.

1 Enders , Ursula (Hrsg.): Zart war ich, bitter war's. Sexueller Mißbrauch an Mädchen und Jungen. Erkennen-Schützen-Beraten. Köln: Kölner Volksblatt Verlag 1990. S. 21.

2 Draijer 1985, S. 15 zitiert nach Rijnaarts , Josephine: Lots Töchter. Über den Vater-Tochter- Inzest. Düsseldorf: Claassen Verlag 1988. S. 21f.

3 May 1997, S. 226.

4 Kastner, Hannelore: Sexueller Mißbrauch. Erkennen. Helfen. Vermeiden. Braunschweig: Westermann Schulbuchverlag GmbH 1998. (=Praxis Pädagogik) S. 11.

1 Zit. n. Kastner 1998, S. 11.

2 Vgl. Amann , Gabriele: Sexueller Missbrauch. Überblick zur Forschung, Beratung und Verhaltenstherapie. Ein Handbuch. Tübingen: dgvt-Verlag, 1997. S.21 und May 1997, S.216

3 Innerhalb dieser Arbeit werden die Termini sexuelle Gewalt, sexueller Mißbrauch, sexuelle Ü- bergriffe und sexuelle Ausbeutung synonym verwendet.

4 May 1997, S. 216.

5 May 1997, S. 216.

1 Mit der maskulinen Form von Täter ist auch immer die feminine Form, also die Täterin gemeint. Aufgrund der besseren Lesbarkeit werde ich in dieser Arbeit stets die maskuline Form benutzen, was bedeutet, daß die feminine Form immer mit impliziert ist. Das gleiche gilt für die Verwendung in der männlichen Position aller anderen Wörter, wie Leser, Rezipient, Erwachsener, Jugendlicher ect.

2 May 1997, S.216.

3 Vgl. May 1997, S.218.

1 Koch/Kruck 2000, S.5.

2 Amann 1997, S.29

1 Vgl. Auszug aus dem Deutschen Strafgesetzbuch. In: Amann , Gabriele: Sexueller Missbrauch. Überblick zur Forschung, Beratung und Verhaltenstherapie. Ein Handbuch. Tübingen: dgvt-Verlag 1997. S. 856.

1 Klein, Jörg: Inzest. Kulturelles Verbot und natürliche Scheu. Studien zur Sozialwissenschaft. Bd. 102. Opladen: Westdeutscher Verlag 1991. S. 13ff.

2 Klein 1991, S. 14.

3 Hirsch, Mathias: Realer Inzest. Psychodynamik des sexuellen Mißbrauchs in der Familie. 3., überarb. u. aktualisierte Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer Verlag 1994. S. 15.

4 Deprivation: Mangel, Entzug von etwas Erwünschtem (psychologisch gesehen; z.B. fehlende Zuwendung der Mutter, Liebesentzug u.ä.) Nach: Der kleine Duden Fremdwörterbuch. 3. Aufl. Mannheim, Wien, Zürich: Duden-Verlag 1991. S. 92.

5 Vgl. Hirsch 1994, S. 16.

6 Vgl. Hirsch 1994, S. 59.

1 Endogamie: Heiratsordnung, nach der die Ehe nur innerhalb der eigenen sozialen Gruppe (Sippe, Clan, Stamm, Kaste) geschlossen werden darf. Nach: Der Brockhaus in einem Band. 8., vollst. ü- berarb. und aktual. Aufl. Leipzig: F.A. Brockhaus 1998. S. 237.

2 Hirsch 1994, S. 59.

3 Hirsch 1994, S. 79.

4 Vgl. Kapitel I, 1.4.1.

5 Hirsch 1994, S. 80.

11 Hirsch 1994, S. 80

2 Vgl. Stöckel, Matthias: Pädophilie: Befreiung oder sexuelle Ausbeutung von Kindern. Fakten, Mythen, Theorien. Frankfurt/Main: Campus Verlag 1998. S. 61f.

3 Vgl. Stöckel 1998, S. 82.

4 Das Kleine Fremdwörterbuch Duden 1991, S. 299.

5 Vgl. Stöckel 1998, S. 12.

6 Vgl. Stöckel 1998, S. 25f.

1 Vgl. Stöckel 1998, S. 74.

2 Vgl. Stöckel 1998, S. 75.

3 Stöckel 1998, S. 13.

4 Stöckel 1998, S. 96.

5 Stöckel 1998, S. 47.

6 Stöckel 1998, S. 105.

1 Bange/Enders 1995, zitiert nach Stöckel 1998, S. 105.

2 Koch/Kruck 2000, S.7.

3 Koch/Kruck 2000, S. 7.

4 Vgl. Koch/Kruck 2000, S. 8.

5 Koch/Kruck 2000, S. 7.

6 Vgl. Koch,/Kruck 2000, S.3

1 Vgl. Gloor, Regula und Thomas Pfister: Kindheit im Schatten. Ausmaß, Hintergründe und Abgrenzung sexueller Ausbeutung. Bern: Peter Lang/ Europäischer Verlag der Wissenschaften 1995. S. 69.

2 Vgl. May 1997, S.225.

3 Koch/Kruck 2000, S.4.

4 Vgl. Gloor/Pfister 1995, S. 69.

5 May 1997, S. 225.

6 Vgl. Gloor/Pfister 1995, S. 73.

1 Buchmann 1992, zitiert nach Gloor/Pfister 1995, S. 74.

2 Koch/Kruck 2000, S. 9.

3 Vgl. Saller 1993, zitiert nach Koch/Kruck 2000, S. 8f. ; vgl. May 1997, S. 227.

1 Saller 1993, zitiert nach Koch/Kruck 2000, S. 9.

2 Saller 1993, zitiert nach Koch/Kruck 2000, S. 9.

3 May 1997, S. 227.

4 Gloor/Pfister 1995, S. 65.

5 Amann , Gabriele: Sexueller Missbrauch. Überblick zur Forschung, Beratung und Verhaltenstherapie. Ein Handbuch. Tübingen: dgvt-Verlag 1997. S. 69.

1 Rush, Florence: Das bestghehütete Geheimnis: Sexueller Kindesmißbrauch. 5. Aufl. Berlin: Orlanda-Frauenverlag, 1989.

2 Gloor/Pfister 1995, S. 86.

1 Bange, Dirk: Sexueller Mißbrauch an Mädchen und Jungen. In: Marquardt-Mau, Brunhilde (Hrsg.): Schulische Prävention gegen sexuelle Kindesmißhandlung. Grundlagen, Rahmenbedingungen, Bausteine und Modelle. Weinheim und München: Juventa Verlag 1995. S. 34.

2 Vgl. Gloor/Pfister 1995, S. 87.

3 Bange 1995, S. 35.

4 Vgl. Deutscher Kinderschutzbund, Bundesverband e.V. (Hrsg.): Sexuelle Gewalt gegen Kinder. DKSB-Materialien. Hannover 2001. S. 7.

5 Vgl. DKSB 2001, S. 23.

1 Vgl. May 1997, S. 293.

2 May 1997, S. 293.

3 BKA 1994, zitiert nach: May 1997, S. 293.

4 May 1997, S. 293.

5 May 1997, S. 293.

1 May 1997, S. 293.

2 Vgl. May 1997, S. 294.

3 May 1997, S. 294f.

4 May 1997, S. 295.

5 Vgl. May 1997, S. 305.

1 May 1997, S. 315.

2 Friedrich, Max H.: Tatort Kinderseele. Sexueller Missbrauch und die Folgen. 2. Aufl. Wien: Ueberreuter Verlag 2001. S. 41.

3 Jäckel, Karin: Wer sind die Täter? Die andere Seite des Kindesmißbrauchs. Ungekürzte Ausgabe. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1996. S. 41.

4 Friedrich 2001, S. 41f.

5 Friedrich 2001, S. 42.

1 Vgl. DKSB 2001, S. 8. (Tabellen nach Deegener)

2 Enders , Ursula (Hrsg.): Zart war ich, bitter war's. Handbuch gegen sexuellen Missbrauch. vollst. überarb. und erweit. Neuausgabe. Köln: Verlag Kiepenheuer und Witsch 2001. S. 56f.

3 Vgl. Enders 2001, S. 57.

1 Deegener , Günther: Sexueller Mißbrauch. Die Täter. Weinheim: Beltz Verlag 1995. (Psychologie VerlagsUnion.) S. 210.

2 Coping: Auseindandersetzung, Bewältigung; Bezeichnung für Anstrengungen zur Überwindung von Schwierigkeiten, Streß- und Belastungssituationen.(Psychologie-Fachgebärdenlexikon:

http://sign-lang.uni-hamburg.de/Projekte/plex/Plex/Lemmata/C-Lemma/Coping.htm vom 24.02.02.

3 vgl. Deegener 1995, S. 210.

1 Vgl. Friedrich 2001, S. 43ff.

2 Siehe Kapitel I, 1.4.6.

3 Vgl. Jäckel 1996, S. 46ff.

1 Vgl. Jäckel 1996, S. 48f.

2 Elliott , Michele (Hrsg.): Frauen als Täterinnen. Sexueller Mißbrauch an Mädchen und Jungen. Ruhnmark: Donna Vita Verlag 1995. S. 46.

3 Elliott 1995, S. 46.

4 Elliott 1995, S. 47.

5 Elliott 1995, S. 47.

6 Friedrich 2001, S. 61.

1 Friedrich 2001, S. 61f.

2 Vgl. Friedrich 2001, S. 63.

3 Elliott 1995, S. 48.

1 Elliott 1995, S. 115.

2 Elliott 1995, S. 116.

3 Elliott 1995, S. 49.

4 Vgl. Elliott 1995, S. 116 ff.

1 Vgl. Elliott 1995, S. 118.

2 Vgl. Elliott 1995, S. 117.

1 Conte 1989, zitiert nach Stöckel 1998, S. 67f.

2 Vgl. Bullens, Ruud: Der Grooming-Prozeß - oder das Planen des Mißbrauchs. In: Marquardt- Mau 1995. S. 56.

3 Vgl. Bullens 1995, S. 55.

4 Vgl. Bullens 1995, S. 58ff.

5 Vgl. Enders 2001, S. 57ff.

1 Vgl. Enders 2001, S. 63ff.

2 Vgl. Enders 2001, S. 68.

3 Vgl. Enders 2001, S. 70f.

4 Vgl. Enders 2001, S. 75.

5 Vgl. Enders 2001, S. 77.

6 Vgl. Enders 2001, S. 78.

7 Vgl. Enders 2001, S. 79ff.

1 Vgl. Enders 2001, S. 83.

2 Vgl. Enders 2001, S. 83f.

3 Vgl. Enders 2001, S. 84.

4 Enders 2001, S. 94.

5 Enders 2001, S. 56.

6 Deegener 1995, S. 70.

7 Vgl. Amann 1997, S. 319.

8 Deegener, Günther: Sexueller Mißbrauch. Die Täter. Weinheim: Beltz Verlag, 1995. (Psychologie VerlagsUnion) S. 101ff.

Details

Seiten
143
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638199513
ISBN (Buch)
9783638699020
Dateigröße
849 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14595
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik
Note
1,7
Schlagworte
Thematisierung Missbrauchs Jugendbüchern Eine Analyse Hadley/ Irwin Liebste Abby Erkel Jasper Margreet

Autor

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Titel: Die Thematisierung sexuellen Missbrauchs in Jugendbüchern. Eine Analyse von Hadley/ Irwin "Liebste Abby" und G. v. Erkel "Jasper sucht Margreet"