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Der norwegische "Eismeerimperialismus" als Erscheinung der norwegischen Außenpolitik in der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 26 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einführung

2. Die historische Situation nach dem Ersten Weltkrieg

3. Die Grönlandfrage bis zum Haager Urteil

4. Das Urteil von Den Haag

5. Die Reaktionen auf das Urteil von Den Haag und die politischen Aktivitäten in der Folgezeit

6. Die Entwicklung der Grönlandpolitik während des Zweiten Weltkrieges

7. Ausblick auf die Bedeutung der Nordpolargebiete in der Gegenwart

8. Literaturverzeichnis:

1. Einführung

Die norwegische Außenpolitik richtete sich im XX. Jahrhundert, vor allem zwischen den beiden Weltkriegen, auf eine erneute Herrschaft über Grönland, Spitzbergen und auf Gebiete des Nord- und Südpols, wobei im Mittelpunkt der norwegisch-dänische Konflikt um Grönland stand. Diese Politik wird in der internationalen Geschichte auch als norwegischer „Eismeerimperialismus“ bezeichnet.

Die politischen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem norwegischen „Eismeerimperialismus“, insbesondere in der Zwischenkriegszeit, sind Gegenstand dieser Arbeit.

Der Historiker Martin Moll nimmt eine komplexe und detaillierte Betrachtung und Wertung dieser Ereignisse vor. Seine Arbeit „ Wer beerbt Erik den Roten? Der Streit um Grönland 1920 - 1945 und sein Austrag: Vom Haager Gerichtshof zur versuchten Revision mit Hitlers Deutschland als Partner“[1] ist weitgehend Grundlage der vorliegenden Ausarbeitung.

Der Besitz Grönlands als größter Insel der Welt mit mehr als zwei Millionen km² hat sowohl

zunehmende ökonomische als auch strategische Bedeutung. Geografisch gehört Grönland mit seiner Ausdehnung von 59°46` nördlicher Breite bis 83° 46`nördlicher Breite zu Nordamerika. Die Insel war in früherer Zeit vor allem für den Fischfang, Robben - und Walfang sowie für Pelztierjäger ertragreich. Sie verfügt aber auch über Bodenschätze, deren voller Umfang erst nach dem Zweiten Weltkrieg erkannt worden ist. Veröffentlichungen zum Grönlandstreit[2] enden überwiegend mit dem Haager Urteil vom 05.04.1933.

Oslo unterwarf sich diesem Urteil des Internationalen Gerichthofs, der zu Gunsten Dänemarks entschied. Die Könige Haakon VII. und sein Bruder Christian X. von Dänemark wechselten aus Anlass der Streiterledigung freundschaftliche Telegramme. Ohne militärische Konflikte wurde der Streit um Grönland beendet. Mit dem Haager Spruch hatten norwegische Expansionsbestrebungen „eine empfindliche Niederlage erlitten, doch war das Thema Grönland (in Norwegen) damit keineswegs vom Tisch.“[3],sondern flammte in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkrieges erneut auf.

Der Schriftsteller und Träger des Nobelpreises Knut Hamsuns gibt die maßgebende norwegische Stimmung und Haltung der Norweger zum Grönlandstreit im Vorwort zu einer Publikation: „Sechs kleine Aufsätze über die Grönlandfrage“, Oslo 1942 wieder:

„Dänemarks Vorgehen gegen Norwegen im Jahre 1814(…) war unnordisch und ungermanisch. Es geht nicht an, dass eine nordische Nation sich durch Hinterlist das Territorium einer anderen aneignet. Als die Dänen sich auf diese Art das norwegische Land Grönland verschafften, verletzten sie uns tiefer, als sie vielleicht selbst ahnten. Grönland bedeutete den Schlussstein in der norwegischen Expansion im Mittelalter. Hier ließen unsere Vorväter sich nieder und schufen sich kurz nach 980 eine neue Heimat. Als Kolumbus vor jetzt etwa 450 Jahren bis nach Amerika gelangte, hatten die Norweger bereits 500 Jahre früher Amerika entdeckt. Ein Stück norwegischer Geschichte wurde Weltgeschichte. Es ist Norwegen zu verdanken, dass Grönland während seiner ganzen Geschichte ein Glied Europas, nicht Amerikas, gewesen ist, und es ist unser Volk – das Eismeervolk Europas – das dieses Land besser als alle anderen nutzbar machen kann. Deshalb sind auch wir am besten geeignet, Grönland in Zukunft für Europa zu bewahren.“[4]

Die Kritik des Norwegers richtet sich damit gegen Entscheidungen des Kieler Friedens

vom 14.01.1814, die auch das Haager Grönland Urteil von 1933 beeinflussten.

Norwegen erlangte erst 1905 seine Unabhängigkeit und es konnte sich norwegisches Selbst- und Nationalbewusstsein entfalten. „Die Grönlandfrage bot sich als geradezu idealer Aufhänger für die Aufarbeitung jener dunklen“ Jahrhunderte an, wenn sie radikalen Kreisen nicht überhaupt das Stichwort für eine Generalabrechnung mit Dänemark lieferte. Grönland diente so quasi als handfestes Symbol für den einstigen Glanz Norwegens im Mittelalter.

Als „Eismeerimperialismus“ wird auch die norwegische Expansion im Südpolarmeer bezeichnet. Es war das Hauptwalfanggebiet. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Norweger Wegbereiter des modernen Walfangs. Sie errichteten auf der britischen Insel Südgeorgien ihre erste Fangstation Grytviken. Nach dem Ersten Weltkrieg verschärften die Briten die Konzessionsbedingungen und die Norweger begannen mit dem Bau schwimmender Walfangstationen. Als Depots nutzten sie unbewohnte und herrenlose Inseln sowie entdeckte Küstengebiete der Antarktis, die auch von wissenschaftlichen Expeditionen aufgesucht wurden. Anfang 1939 hatte Norwegen als führende Walfangnation –„mit 10 von 35 schwimmenden Fangstationen und 75 von 270 Fangschiffen – im Wettbewerb mit den stark aufgekommenen Konkurrenten ihre Beutetiere bereits weitgehend ausgerottet.“[5]

Dieser Teil des Eismeerimperialismus bleibt unberücksichtigt.

Die Fülle der oben genannten Gründe im Norden bestimmte das Handeln der Quislingregierung. Hinzu kam das Bestreben der Nasjonal Samling, die von der deutschen Besatzungsmacht verweigerte außenpolitische Handlungsfreiheit doch zu erlangen, um die eigene labile innenpolitische Position zu festigen. Es sind auch irrationale Motive, die auf politischen Entscheidungen Einfluss haben.

Der Grönlandkonflikt verlief unblutig und in vergleichsweise zivilisierten Formen.

Er wurde mehr als zwei Jahrzehnte unterschiedlich intensiv geführt und gehört zur Geschichte der nordischen Staaten in dieser Zeit. Auch für eine vergleichende Analyse ist die Entstehung und der Ablauf des Grönlandkonfliktes von Bedeutung, da unter „den spezifischen innen- und außenpolitischen Bedingungen der 20-er und 30-er Jahre selbst eine friedliebende und demokratisch gefestigte Gesellschaft wie die norwegische nicht davor gefeit [war], zeitweilig auf eine militant-nationalistische, ja geradezu als Ausdruck eines Kleinstaatimperialismus bezeichnete Politik einzuschwenken und nach deren Scheitern am Spruch des Haager Gerichts einen revisionistischen Kurs zu verfolgen(…)“[6]

2. Die historische Situation nach dem Ersten Weltkrieg

In der Nachkriegsordnung wurde eine kollektive Sicherheit angestrebt. Es sollte keine Möglichkeit zur Hegemoniebildung in Europa mehr bestehen, was besonders Deutschland betraf. Zur Kontrolle der Festlegungen des 1919 abgeschlossenen Versailler Vertrages war der Völkerbund geschaffen worden. Die kollektive Sicherheit konnte jedoch in der Praxis durch den Völkerbund nicht erreicht werden. Die internationale Ordnung nach dem Ersten Weltkrieg spiegelte vielmehr die Machtverhältnisse zwischen Siegern und Besiegten wider. Zunächst ging die Konzeption des Völkerbundes „auf die Forderung des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson zurück, die dieser schon während des Krieges erhoben hatte, um Krieg für die Zukunft aus der internationalen Politik nach Möglichkeit zu verbannen und um die politische Unabhängigkeit und territoriale Integrität für alle Staaten unabhängig von ihrer Größe gewährleisten zu können.“[7] Zum Zeitpunkt seiner Gründung war der Völkerbund ein Instrument in den Händen der Siegermächte und keine weltumspannende Organisation gleichberechtigter Staaten. Die Siegermächte hatten allein die Satzung des Völkerbunds ausgearbeitet und machten sie zum Bestandteil der Friedensverträge.

Deutschland wies die Friedensverträge als einseitiges Diktat zurück. Deutschland hatte sich in der Vorkriegszeit aufgrund seiner Wirtschaftskraft und militärischen Stärke als übermächtig und aggressiv erwiesen. Deshalb stimmten die Siegermächte Deutschland betreffend überein, es durch entsprechende vertragliche Bedingungen dauerhaft politisch, ökonomisch und militärisch zu schwächen. Die Schwerpunkte ihrer Politik aber waren unterschiedlich. Die USA hatten ein Interesse vor allem daran, Deutschland als wirtschaftlich potente Macht zu erhalten. Zugleich sollte sich Deutschland aber in ein liberales Weltwirtschaftssystem einbinden und dann durch die Anerkennung bestimmter Regeln kontrollieren lassen. Nicht nur von Deutschland sondern auch von Großbritannien oder Frankreich forderten dies die USA. Darüber hinaus wurden Schritte zu Abrüstung und Rüstungsbegrenzung festgelegt. Großbritannien unterstützte diese Linie weitgehend. Sein Sicherheitsgefühl gegenüber Deutschland war wiederhergestellt als die deutsche Kriegsflotte ausgeliefert wurde. Frankreich als direkter Nachbar Deutschlands strebte bei Kriegsende nicht nur eine Beseitigung der militärischen Gefahr, die von Deutschland ausgegangen war, an sondern auch weitgehende territoriale Veränderungen und Maßnahmen, die zu einer wesentlichen Beschneidung der deutschen Machtstellung führen sollten. Im Friedensvertrag von Versailles konnten Frankreichs Maximalvorstellungen nicht durchgesetzt werden, aber den französischen Vorstellungen wurde weitgehend entsprochen, die Schwächung Deutschlands und Konservierung des Status quo. In der Folgezeit wurde von allen Parteien in Deutschland die Revision des Versailler Vertrags gefordert. Außerdem wünschten mehr oder weniger alle beteiligten Länder Änderungen des Vertrages zu ihren Gunsten.

Das Königreich Norwegen wurde nicht in Frage gestellt, da es während des Ersten Weltkrieges neutral geblieben war und seine Flotte, eine der größten Handelsflotten der Welt, in den Dienst Englands gestellt hatte. Daraus resultierte auch die Haltung des norwegischen Gesandten in Frankreich, Baron Wedel Jarlsberg. Er hielt die Zeit für „ein großes, ein größeres Norwegen gekommen. Und die in Paris versammelten Repräsentanten der Siegermächte, die den Einsatz der norwegischen Flotte durchaus honorieren wollten, orientierten seinen Expansionsdrang auf das im Norden angrenzende russische Gebiet(…)“[8]. Dort hatten sich aber bereits die unabhängig gewordenen Finnen einen Korridor zum Eismeer verschafft. Der Versuch im russischen Grenzgebiet einen Anteil zu gewinnen misslang.

„Als Lohn für die Leistungen der norwegischen Schifffahrt im Dienste der Entente-Mächte erhielt Norwegen im so genannten Spitzbergen -Traktat vom Februar 1920 die Souveränität über die Inselgruppe zugesprochen. Im Sommer 1925 wurde sie unter dem Namen „Svalbard“ (kalte Küste) formell in Besitz genommen.“[9]

„ Am 25. September 1919 beschloss der Oberste Rat der Alliierten Mächte den Norwegern die 1912 neutralisierte und seither von ihnen verwaltete Inselgruppe zu überlassen.“

Das nachfolgende Spitzbergentraktat vom Februar 1920 ging von einem entmilitarisiert und neutralisiert bleibenden Archipel aus, das Rechte zur wirtschaftlichen Nutzung auch den Vertragspartnern Norwegens übertrug. Das waren: Großbritannien, die USA, Frankreich, Italien, Japan, die Niederlande, Schweden und Dänemark. Die Ausbeutung der reichen Kohlevorkommen wurde zunächst von den Norwegern allein betrieben. Nachdem Spitzbergen am 23. April 1925 zu einem Teil des Königreiches erklärt wurde, durfte sich auch die Sowjetunion an der Ausbeutung der Kohlevorkommen beteiligen.[10]

Durch die im Ergebnis des Ersten Weltkrieges getroffenen Entscheidungen gewann Norwegen insgesamt 2,9 Millionen km² Land in den Polargebieten. Wegen des im Vergleich zu Grönland relativ geringen Nutzens hat dies in den Augen der Grönlandaktivisten das Interesse an der Insel jedoch nicht aufgewogen.

Ein positives Resultat der Schaffung des Völkerbundes war die Tatsache, dass „die Satzung des Völkerbundes eine neue Norm setzte: Sie betonte die Friedenspflicht der Staaten und delegitimierte den Krieg. Damit schuf sie neues Völkerrecht, selbst wenn die Praxis der Völkerrechtssubjekte davon oft genug unberührt blieb.“[11] Einen Schritt weiter ging ein Kriegsächtungspakt aus dem Jahr 1928, dem fast alle Staaten beitraten, ohne dass freilich der Rückfall in Gewalt und Krieg dadurch verhindert werden konnte. Im Rahmen der Völkerbundspraxis gelang es nicht, das Prinzip der kollektiven Sicherheit in seiner reinen Form durchzusetzen. Gemessen an den Zielen, hat der Völkerbund versagt. Der Völkerbund trug aber dazu bei, dass sich neue Formen zwischenstaatlicher Kommunikation entwickelten. Jährlich trat die Völkerbundsversammlung zusammen, an der alle Mitgliedstaaten teilnahmen. Es entstand eine bisher unbekannte multilaterale Diplomatie. Es wurden Probleme benannt, die zwar nicht gelöst und überwunden wurden, die aber „das friedenspolitische Bewusstsein der internationalen Öffentlichkeit hatten schärfen können. Auf der Abrüstungskonferenz in Genf fanden die Großmächte nicht zu einem Konsens. Erst recht war der Völkerbund machtlos, wenn die Großmächte zum Mittel des Krieges griffen.“[12]

Möglichkeiten zur Konfliktentschärfung hatte der Völkerbund, wenn keine Großmächte involviert waren. In 35 Fällen unterhalb der Großmachtebene konnte der Völkerbund erfolgreich vermitteln. „Für die kleineren und mittleren Mächte war er ein Gremium, das zur stufenweisen Verringerung von Konflikten beitrug und Kriege verhinderte. Darüber hinaus diente er als Forum, über das die Weltöffentlichkeit erreicht werden konnte.“[13] Außerdem kam dem im Ergebnis der ersten Haager Friedenskonferenz gegründeten Haager Gerichtshof zur Klärung internationaler Streitigkeiten eine wesentliche Bedeutung zu.

3. Die Grönlandfrage bis zum Haager Urteil

Von norwegischer Seite wird die Besiedlung Grönlands durch den Norweger Erik den Roten im Jahre 981 betont. Kolonisten Grönlands unterstellten sich 1261 der norwegischen Krone.

Das norwegische Territorium umfasste im Spätmittelalter neben dem Mutterland die Färöerinseln, die Shetlands, Orkneys, Island und Grönland. In der Zeit von 1380 bis 1814 ging Norwegen mit all diesen so genannten Nebenländern eine Personalunion mit Dänemark ein.

Ab 1319 vereinigte der schwedische König Magnus Eriksson Schweden und Norwegen unter seiner Herrschaft, trat jedoch Norwegen 1355 seinem Sohn ab. Dessen Sohn wurde durch Erbfolge König von Dänemark und Norwegen (1380). Nach seinem Tode wurde seine Mutter Margarete zur Königin beider Reiche gewählt. Sie erreichte eine Vereinigung mit Schweden und schloss die drei Reiche in der Kalmarer Union 1397 zusammen. Schweden gehörte der Union formal bis 1523 an, während Norwegen bis 1814 mit Dänemark vereint blieb. Es bestand eine norwegische Eigenverwaltung unter Leitung des Reichsrates, die aber allmählich durch dänische Beamte und Geistliche sowie einen dänischen Statthalter abgelöst wurde. Durch das Königsgesetz (1665), das für Dänemark die absolute Herrschaft bestätigte, wurden auch in Norwegen die noch bestehenden Reste der Selbstverwaltung zugunsten der Zentralgewalt abgeschafft.

An der Wende zur Neuzeit verlor Grönland für Norwegen seine Bedeutung. Während Erik der Rote auf Grönland am Rande der dreitausend Meter dicken Eisschicht noch Weiden und Wiesen vorfand, rückte auf Grund der Klimaabkühlung das Eis bis zur Küste vor. Die Zuwanderer hatte keine Überlebenschance. Bis ins 15. Jahrhundert hielten die skandinavischen Siedler durch, dann entzog ihnen die einsetzende kleine Eiszeit die Existenzgrundlage. Die Bewohner europäischer Abstammung starben aus und die Kenntnis von der Insel geriet in Europa weitgehend in Vergessenheit, bis 1721 durch den Pastor Egede aus Bergen die zweite Entdeckung Grönlands erfolgte.

„Im Jahre 1814 endete die lang dauernde Union zwischen Dänemark und Norwegen.“[14]

Der Dänenkönig hatte an der Seite Napoleons gekämpft und wurde nach der Völkerschlacht bei Leipzig zu Friedensverhandlungen gezwungen. Im Frieden von Kiel (1814) musste Dänemark zugunsten Schwedens auf Norwegen verzichten. Daraufhin trat in Eidsvoll eine Volksversammlung zusammen, die eine neue Verfassung ausarbeitete, nach der Norwegen ein unabhängiges Königreich sein sollte, in dem das Parlament (Storting) mit weitreichenden Rechten ausgestattet ist. Am 20.10.1814 beschloss der Storting, dass Norwegen selbständig bleiben und nur durch Personalunion mit Schweden bei Anerkennung der norwegischen Verfassung durch den schwedischen König verbunden sein sollte.

„Es gelang [dänischen] Unterhändlern jedoch, in den [Vertrag] eine Klausel aufzunehmen, der zufolge die Nebenländer von der Abtretung ausgenommen sein, somit bei Dänemark verbleiben sollten. Von norwegischer Seite wurde betont, die Dänen hätten den Schweden, deren Unwissenheit ausnutzend, eingeredet, die Nebenländer seien in Wahrheit schon immer dänisch und niemals norwegisch gewesen.“[15]

Seit 1814 konnte Norwegen wegen der bestehenden Personalunion mit Schweden keine eigene Außenpolitik führen und keine Ansprüche auf die Außenbesitzungen geltend machen. „Norwegen sei bei den Kieler Verhandlungen nicht selbst Vertragspartei gewesen und habe aus diesem Grund den Kieler Frieden niemals anerkannt. Als Norwegen 1905 die Union mit Schweden löste und seine Unabhängigkeit erlangte, hatte Grönland in den Jahrzehnten zuvor erheblich an Bedeutung gewonnen.“[16]

Wirtschaftliche Interessen, die mit der Entwicklung des Fisch- und insbesondere des Walfangs, der Jagd auf Pelztiere in Zusammenhang standen und politische Konstellationen machten die zunehmende Bedeutung aus. „Erst nach dem Ersten Weltkrieg erlangte die Frage der Souveränität über die nahezu menschenleere Küste Ostgrönlands größere Bedeutung.“[17]

Das nicht mehr bewohnte Ostgrönland war nach Auffassung der Norweger eine „terra nullius“, ein Niemandsland. Im Unterschied zur Westküste, die durch warme Meeresströmung eisfrei ist, ist Ostgrönland wegen des Klimas kaum bewohnt. Auch heute leben nur etwa 7% der Bevölkerung Grönlands an der Ostküste. Einige norwegische Fischer und Jäger pflegten in Ostgrönland zu überwintern; auch norwegische Wissenschaftler betätigten sich dort. Grönland wurde vor allem im Anschluss an die Expedition Fritjof Nansens und Roald Amundsen wieder als norwegischer Besitz gefordert. Der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen hat das grönländische Binneneis auf Skiern durchquert und im Jahre 1900 den Nordatlantik zwischen Norwegen und Grönland ozeanographisch erforscht.

Die wissenschaftliche Forschung und die wirtschaftlichen Aktivitäten machten auf der Insel merkbare Fortschritte. Ähnliche Aktivitäten hatte aber auch Dänemark auf Grönland aufzuweisen.

[...]


[1] Moll, M. S.68.

[2] z.B Harm G. Schröter, München 2007 S.71.

[3] Moll, M. S.68.

[4] Moll, M.: S.94.

[5] Petrick, Fritz: Regensburg 2002 S.188.

[6] Moll, Martin: S.54.

[7] Brockhaus. Die Bibliothek Bd V. (1850 bis 1945) Leipzig 1999 S.498.

[8] Vgl. Petrick, Fritz: Von der Revolutionsfurcht zum Eismeerimperialismus S.1851

[9] Moll, M.: S.57.

[10] Fritz, Petrik: S. 186.

[11] Brockhaus Ebenda S.499.

[12] Ebenda S.500.

[13] Ebenda S.501.

[14] Moll, M.: S.56.

[15] Ebenda S.57.

[16] Moll, M.: S.57.

[17] Ebenda S.57.

Details

Seiten
26
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640567287
ISBN (Buch)
9783640567157
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v145936
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Eismeerimperialismus Erscheinung Außenpolitik Hälfte Jahrhunderts

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