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Das Wesen der Imagination - eine Begriffsbestimmung

Hausarbeit 2002 28 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Gliederung

I) Einleitung
1.1. Thema: Das Wesen der Imagination – eine Begriffsbestimmung
1.2. Kontext: Hintergrund der Arbeit und allgemeines Anliegen
1.3. Konkretes Problem/Arbeitsziel
1.4. Thesen:
1.5. Methodendarstellung
1.5.1. Drei Grundüberlegungen
1.5.2. Zum Begriff der Definition
1.5.3. Das Zentrum-Perepherie-Modell

II) Hauptteil
2.1. Kategorisierung und innere Gliederung des Begriffsfeldes ‚IMAGINA’:
2.2. Bestimmung von Wesenselementen
Die Einteilung in absolute und relative Eigenschaften
2.2.1. absolute Eigenschaften:
2.2.1.1. Imagination als eine spezifische Bewusstseinsform
2.2.1.2. Das Introspektive der Imagination
2.2.1.3. Das Transformative der Imagination
2.2.1.4. Das Transitorische der Imagination
2.2.2. Relative Eigenschaften
2.2.2.1. Der Bildcharakter der Imagination:
2.2.2.2. Der Zeitaspekt / die Zeitdimension der Imagination:
2.2.2.3. Mimesis und Performanz
2.2.2.4. Der Ir / Realitätsaspekt der Imagination

III) Zusammenfassung
3.1. Zusammenfassung / Fazit:
3.2. zusammenfassender Überblick:

IV) Anhang:
4.1. Material
4.2. Abkürzungen
4.3. Literaturverzeichnis

I) Einleitung

1.1. Thema: Das Wesen der Imagination – eine Begriffsbestimmung

1.2. Kontext: Hintergrund der Arbeit und allgemeines Anliegen

Die hier vorliegende Hausarbeit entstand im Rahmen eines literaturwissenschaftlichen Proseminars zum Thema „Literarische Imagination“ (WS 2002/03, Dozentin Frau S. Strätling) und auf der Basis von Diskussionsergebnissen aus den Seminaren „Technologiephantasien der russisch-sowjetischen Avantgarde in den 1910er bis 1930er Jahren“ (PS bei Frau I. Arns), „Russische Phantastik“ (PS bei Frau Dr. M. Goller), „Science Fiction“ (PS bei Herrn M. Schwartz) und „Phantasmen der Schrift“ (HS bei Prof. G. Witte) an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Hintergrund der Arbeit ist die Notwendigkeit, die für eine kompetente Auseinandersetzung mit diesen Themen essentiellen literaturwissenschaftlichen Begrifflichkeiten zu erarbeiten, die gewöhnlich lediglich in Form von stark interindividuell differierenden und schwer fass- und handhabbaren allgemeinen Alltagskonzepten präsent sind. Damit knüpft diese Hausarbeit an die literaturtheoretischen Einführungskurse des Grundstudiums an mit dem Ziel, terminologischen und konzeptuellen Unsicherheiten im Grund- und vor allem Hauptstudium zu begegnen.

Ursprüngliches Hauptanliegen war es, folgende zentrale Begriffsfelder mit ihren Teilelementen durch eine möglichst klare Begriffsbestimmung (bzw. Begriffsdefinition oder Phänomenbeschreibung) und Inter- sowie Intra- Abgrenzung zu erschließen und für eine Diskussion handhabbar zu machen:

1.) ‚IMAGINA’: Imagination, das Imaginieren, das Imaginäre, Imaginationen, imaginär
2.) ‚PHANTAS’: die Phantasie, das Phantasieren, Phantastik, Phantasma, phantastisch
3.) ‚FIKTIO’: das Fiktive, das Fingieren, Non/Fiktion, Fiktionalität, fiktiv
4. u 5.)[1]

1.3. Konkretes Problem/Arbeitsziel

Aufgrund der sehr umfangreichen Verwendungsdiversität der Begriffe innerhalb der genannten Felder wurden die Arbeitsziele der Hausarbeit konkretisiert und sie konzentriert sich nun primär auf die Sichtung und Erschließung des Begriffsfeldes ‚IMAGINA’. Sie arbeitet darauf hin, die Bandbreite der Verwendung des Imaginationsbegriffes (folgend IB) aufzuzeigen, zu erläutern und zu systematisieren.

In einem ersten Schwerpunkt geht es um die innere Differenzierung des Begriffsfeldes, d.h. die Erstellung einer Übersicht der Elemente des Feldes, sprich der Gebrauchssphären des IB. Im engeren Sinne wird dieser Schwerpunkt als die Ontologie des IB bezeichnet, da hier seine Seinsweisen differenziert werden.

Den zentralen Teil bildet die Erarbeitung von Ansätzen einer konkreteren Begriffsbestimmung, d.h. die Erschließung und Erläuterung von Wesensmerkmalen, deren Konglomerat im weitesten Sinne einer Definition des Begriffes ‚Imagination’ entspricht. (da man von einer klassischen Definition hier nicht sprechen kann). In diesem zweiten Schwerpunkt wird eine Art Typologie der Imaginationsbegriffe entwickelt.

Gleichzeitig wird die Arbeit im Ergebnis eine (wenn auch nicht allumfassende) Zusammenfassung von Terminologie darstellen, die im Kontext der Verwendung des Imaginationsbegriffes steht, d.h. für seine Bedeutungserschießung essentiell ist (Schlüsselbegriffe).

1.4. Arbeitsthesen:

Eine grundlegende Arbeitsthese, anhand derer hier Kategorisierungen und Typologisierungen entwickelt werden, ist, dass es (weder in der Literatur noch anderen Wissenschaften) nicht einen einzigen generalisierbaren Imaginationsbegriff gibt, sondern ‚Imagination’ ein abstrakter Sammelbegriff für ein heterogenes Begriffsgemenge ist, das es hier zu entwirren gilt. Unsere Alltagskonzepte vom IB spiegeln diese Undifferenziertheit wieder; häufig wird die Imaginations-Terminologie daher nicht adäquat verwendet. Es soll weiterhin aufgezeigt werden, dass auch in der historischen Betrachtung die Vielfalt der Imaginationskonzepte sehr groß ist. Die zentrale Frage, der hier nachgegangen wird, ist, ob und welche Merkmale einen indifferenten Kern des IB bilden und welche Eigenschaftskategorien in sich ausdifferenzierbar sind. Aus diesen inneren Eigenschaftsdifferenzierungen würden sich unterschiedliche Imaginations-Typen ableiten lassen, die in jeder Auseinandersetzung mit Imaginations-Themen auch differenziert zu verwenden wären.

1.5. Methodendarstellung

1.5.1. Drei Grundüberlegungen

Im Folgenden soll kurz die Vorgehensweise zur Begriffsbestimmung beschrieben werden, die im Wesentlichen auf drei Überlegungen basiert:

1.) Überlegungen zur Methode ‚Definieren’: da es sich bei den Elementen des zu untersuchenden Begriffsfeldes um literaturwissenschaftlich-philosophische Abstrakta handelt, wurde das klassische, streng (natur-)wissenschaftliche Verfahren der Begriffsdefinition (das hier nicht anwendbar ist) modifiziert und um einige unkonventionelle Bestimmungsmethoden ergänzt (siehe unten). Das hier zu Grunde liegende Modell definiert einen Begriff nicht eineindeutig, sondern es dient dem Erfassen eines Begriffes in der Breite des semantischen Feldes, innerhalb dessen er sich bewegt. Nur diese Herangehensweise allein ermöglicht ein Verständnis der unterschiedlichen Auffassungen und Verwendungsvarianten des IB in der Literaturwissenschaft und -geschichte.

2.) Der Kern des Definitionsmodells konstituiert sich aus drei Bereichen:
A) der (äußeren) Kategorisierung (siehe auch oben zur Gliederung der Begriffsfelder),
B) der inneren Gliederung in Verwendungsebenen (Gebrauchssphären) (siehe unten) und
C) den zentralen Eigenschaften/Merkmalen des IB, die in einem zweiten Schritt in absolute und relative Eigenschaften untergliedert wurden (zur Erklärung siehe unten). Diese geben in unterschiedlicher Kombination bestimmte Imaginationstypen ab, die Ausdruck verschiedener Auffassungen des IB in Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte sind.

3.) Die zentralen (absoluten und relativen) Eigenschaften werden anhand von Beispielen erläutert, die veranschaulichen, wie verschiedene Autoren, Schulen und Wissenschaftsparadigmen zu ihnen Stellung beziehen bzw. welche Auffassungen zum IB in verschiedenen Zeitperioden diskutiert wurden. Erst diese Ausführungen ermöglichen ein Erfassen der Begrifflichkeiten in seinen flexiblen Ausprägungen (Imaginationstypen).

1.5.2. Zum Begriff der Definition

In logisch-semantischer Hinsicht ist die Definition (definitio lat., Bestimmung) ein Denkverfahren, mit dessen Hilfe der Inhalt bzw. die Bedeutung eines Zeichenausdrucks ermittelt, bestimmt, aufgedeckt und erklärt wird. Eine Definition ist ein Satz, der die Merkmale angibt, welche die Eigenschaften von ‚Gegenständen’ (i.w.S. hier Begrifflichkeiten) widerspiegeln. Das heißt, einen Begriff zu definieren bedeutet, die möglichst wesentlichen Eigenschaften und Wesenselemente eines Gegenstandes festzustellen und die Grenzen zu finden, die die von dem jeweiligen Begriff erfassten ‚Gegenstände’ von allen ihnen ähnlichen ‚Gegenständen’ trennt.

Eng mit dem Terminus ‚Definition’ (als Begriffs-Bestimmung) verbunden ist der Terminus ‚Begriff’ selbst. Er meint 1.) die Gesamtheit wesentlicher Merkmale in einer gedanklichen Einheit und 2.) die Gesamtheit der Vorstellungen, Auffassungen, Meinungen von etwas. Beide Blickwinkel finden sich in dieser Hausarbeit bei der Bestimmung des Imaginationsbegriffes wieder.

1.5.3. Das Zentrum-Perepherie-Modell

Das folgende Zentrum-Peripherie-Kreismodell (siehe Grafik) veranschaulicht, wie versucht werden soll, sich einer abstrakten Begrifflichkeit definitorisch zu nähern. Die nach außen größer werdenden Kreise bezeichnen die einzelnen Teilverfahren, die mit zunehmendem Radius weniger Erkenntniswert und Aussagekraft für eine konkrete Begriffsbestimmung haben und somit geringere Bedeutung für diese Arbeit tragen. Genauere Erläuterungen zu den einzelnen Definitionskreisen sind am Anfang der entsprechenden Kapitel zu finden (zum Begriffszentrum); Bemerkungen zur Begriffsperipherie werden hier aus Kapazitätsgründen ausgespart. .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ergänzungen:

zu 1.5.1.-3) Damit wurde sich bewusst nicht auf die Untersuchung des Imaginationsbegriffes im Rahmen nur eines Wissenschaftsparadigmas beschränkt, sondern Beispielpositionen und Konzepte aus historischen Zeitperioden (grob gegliedert: Antike, Mittelalter, Aufklärung, Moderne / 20.Jh.) und vor allem einige Konzepte verschiedener Wissenschaftsparadigmen des 20 Jh. (aus dem Seminar: Psychoanalyse (PA), Phänomenologie (PH), Rezeptions- bzw. Wirkästhetik (R/WÄ)) eingearbeitet. Die Breite der aufgeführten Beispiele aus verschiedenen Paradigmen steht hier nicht im Widerspruch zur Tiefgründigkeit der Arbeit in Bezug auf das hier vorliegende Erkenntnisinteresse. In gewissem Maße diktiert das ‚Konzept der Pole’ im Rahmen der Darstellung der relativen Eigenschaften (siehe unten) diese Diversität in der Betrachtung von Beispielkonzepten. Zum zweiten ist die Form hilfreich für das Verstehen des Wandels der Imaginationskonzepte in verschiedenen Auffassungen (in literaturgeschichtlichen Primärtexten).

Zu 1.5.3.-g) Diese Arbeit soll keine Begriffsgeschichte sein. Nach der Gliederung des Definitionsmodells in die (mindestens) zwei Ebenen der Begriffsdefinition (Kern und Peripherie bzw. direkt und indirekt bzw. Ebene 1 und Ebene 2) soll sich die Arbeit hauptsächlich auf die zentrale Ebene, den Kern, konzentrieren, und sich auf Ebene 2 nur in einzelnen Fällen bezogen werden. Hier wurde bewusst eine andere Herangehensweise gewählt als gängige Darstellungen einer Begriffs-Etymologie oder Begriffsgeschichte.

Zum Begriff der ‚Phänomenbereiche’ (Bahr 1990: 6): Ausgeblendet werden sollen hier Untersuchungsbereiche, die zwar ebenfalls den Imaginationsbegriff definieren, jedoch in indirekter und sehr komplexer Art und Weise. Dazu gehören Untersuchungsbereiche[2] wie die Phylo- und Ontogenese der Fähigkeit zur Vorstellungsbildung/Imagination (2.1.1.), die situationsspezifischen Rahmen-Bedingungen des Imaginierens (für die Aktualisierung) (2.1.2.), die nähere Bestimmung der imaginativen Bewusstseinsform (2.1.3) (in der Hausarbeit nur angedeutet), die Morphologie und Syntax der Imaginationen (2.1.4), die Wirkung und Funktion der Imagination (alle), sowie die Bedeutung und Wertung der Imagination (alle).

Um einen tatsächlichen Kern einer Definition zu treffen und somit das Wesen, den Inhalt, die Bedeutung eines Terminus zu erfassen, ohne zu komplex auszuufern, ist es angebracht, diese einzelnen Teilverfahren einer indirekten und direkten Definition zu trennen.

II) Hauptteil

2.1. Kategorisierung und innere Gliederung des Begriffsfeldes ‚IMAGINA’:

Als ein zentraler Punkt jeder Definition bedeutet hier Kategorisierung (nicht im klassischen Sinne) zweierlei: erstens, die Einordnung des IB als (literaturwissenschaftliches) Abstraktum, auf das ein gewisses Erkenntnisinteresse gerichtet ist, in einen Untersuchungskontext (siehe: allgemeiner Hintergrund der Arbeit). Zweitens wird im folgenden eine innere Differenzierung des Begriffsfeldes ‚IMAGINA’ vorgenommen, d.h. der Imaginationsbegriff nach seinen unterschiedlichen Gebrauchssphären oder Verwendungsweisen differenziert. Hierdurch sollen seine unterschiedlichen Aspekte oder Zustandsformen bzw. verschiedene Perspektiven auf den Begriff systematisiert werden. Hiernach werden folgende Ebenen der Begriffsverwendung unterschieden:

1.) Zentral wird ‚Imagination’ als (anthropologisch konstante) allgemein-menschliche Fähigkeit oder Vermögen des Bewusstseins zur Vorstellungsbildung aufgefasst. Dem entsprechen die deutschen Begriffe ‚Vorstellungsvermögen’ bzw. ’Einbildungskraft’ (EK).
2.) Auf dieser Grundlage wird unter ‚Imaginieren’ ein aktueller Akt, eine Tätigkeit, ein Prozess (aktiv oder passiv) des Bewusstseins verstanden, d.h. der Prozess der Vorstellungs-Bildung selbst (auch: ‚Aktualisierung’ der Imagination,; ‚Phantasietätigkeit’)
3.) Sowohl ‚Imagination’ als allgemeines Vermögen zur Vorstellungsbildung (1.) wie auch ‚Imaginieren’ als aktueller Prozess der Vorstellungsbildung (2.) sind im Bewusstsein verortet. ’Das Imaginäre’ wird als eine besondere (nur individuell erfahrbare) Form des Bewusstseins (Sartre: ‚imaginierende Bewusstseinsform’ - ‚conscience imageante’), als spezifischer Bewusstseinsmodus verstanden. Konkreter wird hier ‚Imagination’ als ein bestimmter Typ der inneren Wahrnehmung, Einstellung und Informationsverarbeitung beschrieben. Hierzu nehmen verschiedene Wissenschaftsparadigmen aus unterschiedlichen Perspektiven Stellung, was unter den Wesensmerkmalen des IB genauer beschrieben werden soll (siehe unten).
4.) Mit ‚Imaginationen’ (bei Sartre: ‚images’) wird der abstrakte ‚Gegenstand’ (im weitesten Sinne) der Imagination beschrieben, d.h. die Hervorbringungen des imaginierenden Bewusstseins als quasi-gegenständliches Ergebnis (Produkt, Resultat, Inhalt) des Imaginationsvorgangs (z.B. Vorstellungsbilder, Phantasien, ...).
5.) Die Begriffe ‚Das Fiktionale’, ,Fiktion’ meinen das In-Erscheinung treten (Objektivation) des Imaginären in eine spezifische, konkrete, materielle Erscheinungs- bzw. Seinsweise: Das selbst formlose/diffuse/unfixierte (nur individuell erlebbare) Imaginäre wird - im Akt des Fingierens – (zielgerichtet) transformiert und im Fiktionalen objektiviert, in eine bestimmte Form/Gestalt gebracht, d.h. ‚artikuliert’ mittels sprachlicher Mittel oder anderer Medien und damit überindividuell kollektiv erfahr- und vermittelbar.

Damit sind die Begriffsvarianten auch kategorisiert: ’Imagination’ als Fähigkeit, ‚Imaginieren’ als Prozess/Tätigkeit, ‚das Imaginäre’ als Abstraktum, ‚Imaginationen’ als ‚Gegenstand’ und ‚Fiktion’ als Form/Gestalt .

2.2. Bestimmung von Wesenselementen

Die Bestimmung von zentralen Begriffsmerkmalen / Kern-Eigenschaften

Die Systematisierung von Imaginationstypen

Neben peripheren Definitionsringen verdeutlicht vor allem der Kern einer Definition die Semantik(en) einer Begrifflichkeit. Ziel ist es hier, Basis-Seme und -Sememe des abstrakten IB zu identifizieren, zu differenzieren und zu beschreiben. Durch eine direkte Benennung, eine detaillierte Erklärung und Systematisierung von Wesenselementen kann ein Überblick über die Grundbedeutung des IB erarbeitet werden.

Einzelne Bedeutungselemente können noch einmal in sich ausdifferenziert sein/werden (siehe relative Eigenschaften). Es gibt Elemente, die zwar in nahezu jeder Auffassung vom IB Bestandteil sind, jedoch in unterschiedlichen Nuancierungen. So beinhaltet z.B. fast jedes Imaginationskonzept eine Bedeutungskomponente ‚Visualität’, jedoch kann diese differieren in Intensität und Klarheit bzw. weitere Ergänzungen enthalten. Durch die Ausdifferenzierung einiger Bedeutungsmerkmale soll die Vielschichtigkeit des IB aufgezeigt werden, das Bewusstsein für die Komplexität geschärft und durch eine Systematik die differenzierte Verwendung seiner Bedeutungsvarianten erleichtert werden.

Der Terminus ‚ Imaginationstypen’ (I-Typus) kann sich auf zwei Dinge beziehen. Zum einen kann eine bestimmte Kombination mehrerer Wesenselemente einen bestimmten I-Typus bilden, der charakteristisch für ein bestimmtes Konzept, Paradigma, eine Schule oder Zeitperiode ist bzw. dort vorwiegend diskutiert wurde (Beispiel: Die konkrete Ausprägungen der Merkmale A, B, C, D, in der Romantik bilden den romantischen I-Typ.). Zweitens können (vor allem bezüglich der relativen Merkmale) auch innerhalb einer einzelnen Merkmalskategorie (z.B. der Zeitdimension) die differenzierten Ausprägungen (im Extremfall die Pole) als Typen bezeichnet werden (z.B. der retrospektive I-Typ vs. der prospektive I-Typ).

Die Einteilung in absolute und relative Eigenschaften

... ist der Versuch einer theoretischen Differenzierung der ermittelten Wesenselemente mit dem Ziel, sich einem tatsächlichen Kern des IB zu nähern. Da die nun folgenden Betrachtungen anfängliche Studien sind, ist die hier als Diskussionsgrundlage gegebene Einteilung innerhalb der Auflistung der Wesenselemente auch nicht starr und endgültig zu verstehen. Möglich ist daher, dass bei eingehenderen Studien die eine oder andere Eigenschaft ihren absoluten Charakter verliert und sich eher differenzierte Gebrauchsweisen bezüglich dieses Merkmals zeigen.

1.) Absolute Eigenschaften:

Hinter dieser Differenzierung verbirgt sich der Versuch, Merkmale zu sondieren, die erstens in nahezu allen Verwendungsweisen des IB vorkommen, d.h. konstant sind und über die Modelle/Konzepte in verschiedenen Schulen/Paradigmen/Perioden (überzeitliche, überindividuelle Merkmale) und zweitens innerhalb einer Merkmalskategorie nicht wesentlich variieren (invariante Merkmale).

[...]


[1] und in engem Bezug zu 1., 2. und 3.:
4.) ‚REAL’: Realität, Wirklichkeit, (non-/ir-) real, das Reale, realistisch, (Realismus), Wahrheit
5.) ‚TOPIE’: Utopie, Antiutopie, Dystopie, (antiu-/dys-)topisch

[2] die Zahlen verweisen darauf, auf welche Verwendungsebene des IB sich die Ausführungen beziehen

Details

Seiten
28
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638199391
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14580
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Slavistik
Note
1,7
Schlagworte
Wesen Imagination Begriffsbestimmung Literarische

Autor

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