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Das Lesetagebuch als Methode der Leseförderung

Referat (Ausarbeitung) 2008 17 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leseförderung

3. Das Lesetagebuch als Methode der Leseförderung
3.1 Aufbau und Inhalt eines Lesetagebuches
3.2 Ziele
3.3 Einsatzmöglichkeiten
3.4 Offene und geschlossene Form
3.5 Aufgaben der Lehrperson
3.6 Problematische Aspekte des Lesetagebuchs

4. Praxisbeispiel zum Einsatz des Lesetagebuchs
4.1 Inhalt „Paul Vier und die Schröders“
4.2 Methodisch- didaktische Überlegungen zu „Paul Vier und die Schröders“
4.3 Die Arbeit mit dem Lesetagebuch und Steinhöfels Roman
„Paul Vier und die Schröders“
4.4 Beispiele aus dem Seminar

5. Resümee

6. Literatur
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Internetquellen

1. Einleitung

Im Wintersemester 2007/2008 hatte ich die Möglichkeit am Seminar „ Leseförderung am Beispiel der Kinder- und Jugendliteratur“ teilzunehmen. Im Laufe des Semesters beschäftigten wir uns mit dem Begriff der Leseförderung und verschiedenen methodischen Konzepten der Leseförderung im schulischen Kontext. In einem 90minütigen Referat, einschließlich eines Praxisteils der von den Kommilitonen und Kommilitoninnen ausgeführt wurde, stellte ich gemeinsam mit einer Kommilitonin in einer Sitzung die Methode des Lesetagebuches vor.

Neben einer kurzen Einführung in die moderne Leseförderung soll in dieser Arbeit der Schwerpunkt auf dem Lesetagebuch und seinen methodisch-didaktischen Hintergründen liegen. Exemplarisch verdeutlicht werden soll die Arbeit mit einem Lesetagebuch anhand des Jugendromans „Paul Vier und die Schröders“ von Andreas Steinhöfel und den im Seminar entstandenen Beispielen der Studierenden. Abschließend werde ich zu einer persönlichen Stellungnahme kommen, indem ich die Methode des Lesetagebuches noch einmal in den Kontext der Leseförderung stelle und seine Wirksamkeit kritisch-konstruktiv hinterfrage und zusammenfasse.

2. Leseförderung

Der Begriff „Leseförderung“ hat im Deutschunterricht eine lange Tradition, das Konzept hinter dem Begriff hat sich in den letzten zwanzig Jahren jedoch gewandelt. „Leseförderung“ bedeutet heute nicht mehr die individuelle Förderung von leseschwachen Kindern und die Einführung des „weiterführenden Lesens“ in der Primarstufe, sondern bezieht sich auf die gesamte Schülerschaft und alle Schulstufen und –formen.[1] Ziel der Leseförderung ist die Vermittlung positiver Leseerfahrungen, die durch einen möglichst unverschulten Umgang durch den Deutschunterricht ermöglicht werden sollen.[2] Seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde der Schule mehr und mehr die Hauptverantwortung für die Aufgabe der Leseförderung übergeben, die jedoch unterstützend außerschulische Einrichtungen integrieren sollte. Durch die Begriffserweiterung der Leseförderung geht es „ nun[...]um die Sicherung einer zentralen Kulturtechnik, [...]um den Aufbau und Erhalt von Lesemotivation, um eine Hilfe bei der Ausbildung stabiler Lesegewohnheiten und persönlicher Leseinteressen, um die Ermöglichung von [...] Erfolgserlebnissen beim Bewältigen umfangreicherer und komplexerer Texte.“[3]

Bettina Hurrelmann hat sich intensivst in verschiedenen Studien und Fallbeispielen mit Bereichen der Leseförderung auseinandergesetzt, unter anderem auch mit der Bedeutung der Lesekompetenz in einer Mediengesellschaft. Für sie ist bedeutend herauszustellen, warum das Lesen auch im 21. Jahrhundert eine weiterhin zu erlernende Kulturtechnik bleibt, wenn auch eine, die im Verbund mit den anderen Medien (sowohl Print-, als auch Bildmedien) steht.[4] Auch in einer multimedialen Gesellschaft ist Lesefähigkeit und -kompetenz unumgänglich, sie ermöglicht sogar erst einen verantwortungsvollen und selbstbestimmten Umgang der neuen Medien.[5] Fachdidaktische Überlegungen zur Leseförderung müssen also nach Hurrelman genau hier ansetzten und danach fragen, warum Lesen heute noch aktuell ist.[6] Um diese Frage zu beantworten, müssen die einzelnen Prozesse des Lesens genauer betrachtet werden. Durch Beobachtungen des Alltags von Müttern und ihren Kindern wurde herausgefunden, dass die Mütter während des Vorlesens am bewusstesten ihre Sprache auswählten und so die Kinder gezielt in ihrer Sprachentwicklung gefördert wurden. Hurrelmann zieht daraus das Fazit, dass Lesen (auch Vorlesen) die Sprachentwicklung wie keine andere Medientätigkeit fördert.[7] Auch kognitiv ist das Lesen eine hochkonzentrierte Leistung, bei der das Gehirn sowohl die Schriftzeichen decodieren muss, als auch das Gelesene mit vorhandenem Wissen verknüpfen muss, um so ein Verstehen zu bewirken. Des Weiteren stellt das Lesen wie kein anderes Medium den Raum für die Entwicklung von sozialem Verstehen und Empathie zur Verfügung, indem es durch seine langsame Rezeption, in Vergleich zu beispielsweise dem Film, eine vertiefte Perspektivübernahme und emotionales Nachvollziehen von Erfahrungen ermöglicht. Hier kann auch ergänzt werden, dass Leser, die es gewohnt sind sich auf einen Text langfristig zu konzentrieren und sich durch Verinnerlichung in den Inhalt hineingeben, mehr Informationen aus einem Film herausfiltern und später wiedergeben können, als ungeschulte Leser.[8] Lesen kann also als Schlüssel zum selbstbestimmten und reflektierten Mediengebrauch betrachtet werden.[9]

Bettet man die „Leseförderung“ in die Bildungspläne von Baden-Württemberg ein, so finden sich für alle Schulstufen Standards und Anregungen, die das Lesen und seine Förderung betreffen.[10] In der Grundschule wird der Leseförderung selbstverständlich eine besondere Rolle zugeschrieben, weil sie den Grundstein legt für die Lesebiographie eines jeden Schülers. In den Leitgedanken zum Kompetenzerwerb heißt es:

„ Die Schule muss bestrebt sein, die Lernlust und Neugier der Kinder auf Sprache und ihre unterschiedlichen Ausprägungsformen (Sprechen, Schreiben, Lesen) zu bewahren. Die wichtigste Aufgabe des Deutschunterrichts ist es, bei den

Kindern Freude am Umgang mit Sprache zu wecken, zu steigern, sie zum Lesen und Schreiben zu motivieren und dafür zu sorgen, dass sie sich dabei von Anfang an als kompetent und erfolgreich erleben können. Nur so lässt sich eine lebenslange

positive Lese- und Schreibhaltung aufbauen. Die Teilnahme an Lese- und Schreibwettbewerben kann Schülerinnen und Schüler besonders motivieren und herausfordern.“[11]

Unter den Kompetenzen finden sich des weiteren konkrete Angaben, wie eine Lesekultur in der Klasse durch anregende Angebote, wie Partnerschaften aus Schule und Umfeld und verpflichtende Buchpräsentationen aufgebaut werden kann, damit die Lesefähigkeit als wichtigste Kompetenz für selbstständiges Lernen von Anfang an gefördert wird.[12]

Unter den verschiedenen Methoden, die sich zur erfolgreichen Leseförderung anbieten, wird im Bildungsplan unter anderem auch das Lesetagebuch als eine Methode erwähnt, die ab dem 3. Schuljahr verpflichtend eingeführt werden muss. Auf das Lesetagbuch als Methode der Leseförderung werde ich im Verlauf dieser Arbeit (siehe 3.) meinen Schwerpunkt legen. Zunächst möchte ich aber darauf eingehen, wie die Rahmenbedingungen für eine erfolgreichen Leseförderungen gesetzt sein müssen. Selbstverständlich sind ideale Bedingungen gegeben, wenn ein Kind schon vom Elternhaus in eine aktive Lesesozialisation eingebunden wurde und erleben konnte, dass vor allem Bücher, aber auch der Wechsel zwischen verschiedenen Medien zu einem erstrebenswerten Lebensmodell gehören. Leider finden bei weitem nicht alle Kinder diese Vorraussetzungen vor.[13] Die Schule hat nun die Aufgabe einen Lebens- und Leseraum zu schaffen, der idealerweise eine Verbindung zur Freizeit und zum familiären Umfeld der Schülerinnen und Schüler schafft, so, dass Lesemotivation sich auf die außerschulischen Bereiche überträgt. Wichtig für die erfolgreiche Förderung der Lesekompetenz und der Lust am Lesen ist die zielgruppenspezifische Gestaltung. Die ausgewählte Literatur und die mit dem Lesen verbundenen Aufgaben müssen im Zusammenhang stehen, mit den vorhandenen Fähigkeiten und den Interessen der Schülerinnen und Schüler. Dazu gehört auch, dass berücksichtigt wird, dass Jungen – bei insgesamt weniger Lektüre- Sachliteratur bevorzugen (und dadurch im traditionellen Literaturunterricht oft weniger angesprochen werden als Mädchen) und Mädchen sich ausgesprochen gerne mit fiktiver Literatur beschäftigen.[14]

Neben dem leseanregenden Unterricht, der in Form von Lesenächten, Buchvorstellungen, freien Lesestunden, Klassenbibliotheken, fächerübergreifenden Leseprojekten, einem Theaterbesuch u. a. durch die Lehrkraft ermöglicht wird, sind nach der Grundschulzeit besonders auch die Peers für eine Weiterführung der Lesesozialisation ausschlaggebend und beeinflussend.[15] Man geht davon aus, dass die Jugendlichen, die während der Pubertät weiterhin lesen (oft auch „süchtig“ sind nach neuem Lesestoff), auch in Zukunft geschulte Leser bleiben werden. Die Leseempfehlungen die in dieser Zeit von den Gleichaltrigen ausgehen, haben den bedeutendsten Einfluss auf die Wahl der Freizeitlektüre.[16] Oft ist es auch möglich hier eine gute Verbindung zu den anderen Medien (Film, Fernsehen, Internet...) herzustellen und einen „Quereinstieg“ zum Lesen zu ermöglichen.

[...]


[1] Vgl.: Hurrelmann, Bettina, Elias, Sabine: „Leseförderung in einer Medienkultur“, S. 4.

[2] Vgl.:Ebenda, S. 4.

[3] Ebenda, S. 4.

[4] Vgl.: Ebenda, S.3.

[5] Vgl.: Ebenda, S.3.

[6] Vgl.: Hurrelmann, Bettina: „Leseförderung“, S.16.

[7] Vgl.: Ebenda, S.16.

[8] Ebenda, S. 16.

[9] Vgl.: Hurrelmann, Bettina, Elias, Sabine: „Leseförderung in einer Medienkultur“, S. 3.

[10] Bildungsplan für die Hauptschule, Fach Deutsch, Baden- Württemberg, S.28. Vgl.: Bildungsplan für die Realschule, Fach Deutsch, Baden-Württemberg, S.49

[11] Bildungsplan für die Grundschule, Fach Deutsch, Baden-Württemberg, S.43.

[12] Vgl.: Ebenda, S.44.

[13] Vgl.: Hurrelmann, Bettina: „Leseförderung“, S. 16.

[14] Vgl.: Ebenda, S.19.

[15] Vgl.: Ebenda, S.19.

[16] Vgl.: Ebenda, S.19.

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640554584
ISBN (Buch)
9783640554317
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v145784
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau – Institut für deutsche Sprache und Literatur
Note
Schlagworte
Lesetagebuch Leseförderung Deutschunterricht Methoden im Deutschunterricht LIteratur in der Grundschule

Autor

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