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US-Amerikanische und Hamburgische Migrationsgesetzgebung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Einwanderungswellen rufen US-Amerikanische Antiimmigrationspolitik hervor

Hausarbeit 2009 16 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Faktoren der Auswanderung
2.1 Wirtschaftliche Faktoren
2.2 Politische Motivation
2.3 Religiöse Motivation
2.4 Individuelle Motivation

3 Strukturen der Auswanderung ± Die Organisation der Auswanderung in den Europäischen Häfen (insbesondere deutsche Häfen)
3.1 Rolle der Agenturen, des Auswanderungsagenten
3.2 Rolle der Auswanderungsvereine, des -verkehrs und der -fürsorge
3.3 Die Rolle der HAPAG im Auswanderergeschäft
3.4 Die Konkurrenz zwischen der HAPAG und dem NDL

4 Gesetze über die Beförderung per Schiff: Die Hamburger Auswanderungsgesetzgebung von

5 Die Aufnahmesituation in den USA
5.1 Einwanderungsbeschränkungen: The Chinese Exclusion Act

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im 19. Jahrhundert immigrierten Millionen Menschen aus europäischen und asiatischen Landern in die USA einer ,,nation of immigrants". Während meiner Recherchen stellte ich fest, dass die Überseeauswanderung in den Gesamtkomplex der Sozialgeschichte einzuordnen ist und ein vielschichtiger Prozess, der ohne Detailstudien gar nicht erfasst werden könnte, ist. So befasste ich mich zunächst mit den Faktoren, die einen Menschen zum endgültigen Verlassen seines Heimatlandes veranlassten.

Hieraus entwickelten sich sehr schnell Fragestellungen, die den Rahmen der Auswande- rung betreffen: Warum wandern die Menschen im 19. Jahrhundert aus? Wie vollzog sich solch eine Reise? Für mein Thema zentral: In welchem gesetzlichen Rahmen vollzog sich das Ganze?

Ich hatte keinerlei Probleme, an Quellen und Literatur für diese Arbeit zu gelangen, da gerade in Hamburg die Überseeauswanderungsforschung weit gediegen ist. Ähnlich oben erwähnter Vielschichtigkeit sind auch die Forschungsfragen, die den heutigen Stand der Überseeauswanderungsforschung widerspiegeln. Sie zeigen ein Interesse an Fragen völkerverbindender Migration, an der sozialen Eingliederung von Einwande- rungsgruppen, also ihrer Akkulturation in der Aufnahmegesellschaft. So möchte ich im Folgeneden zunächst die Rahmenbedingungen der Auswanderung aufzeigen, um dann mit einem Gesetz, dem ..Chinese Exclusion Act" exemplarisch zu welchen gesetzlichen Maßnahmen sich eine Gesellschaft durch Migration hinreißen lässt.

2 Faktoren der Auswanderung

Allgemein ist zu sagen, dass Motivationen zur Auswanderung immer ein Zusammenspiel von wirtschaftlichen, religiösen, individuellen, sozialen, sowie politischen Beweggründen ist. Denn Auswanderung ist eine Massenbewegung und die einzelnen ..Arten" von Faktoren lassen nicht immer voneinander trennen. Denn eine Familie kann beispielsweise ausgewandert sein, weil der Vater sie nicht mehr versorgen konnte (wirtschaftlich), und sie deshalb gezwungen waren, in Armut zu leben (sozial). Oder ein junger Mann kann dem Wehrdienst entgehen wollen (politisch) und gleichzeitig Abenteuerlust verspüren (individuell).

2.1 Wirtschaftliche Faktoren

Ein wesentlicher Grund das Heimatland für immer zu verlassen, war der Wunsch nach wirtschaftlicher Statusverbesserung. Der größte Anteil der Auswanderer im 19. Jahrhundert setzte sich aus Angehörigen der Unterschicht zusammen.

Besitzzersplitterung als Folge der etablierten und durch den Code Civil noch weiter ge förderten Erb- oder Realteilung schwächten den landwirtschaftlichen Betrieb. Handwerkern wurde durch die Liberalisierung der gewerblichen Arbeiterverfassung und durch die zunehmende Mechanisierung geschadet. In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts machten Missernten es den Menschen nahezu unmöglich, sich zu ernähren. Die in den USA herrschende Wirtschaftskrise (1854-56) und der amerikanische Bürgerkrieg (1861- 65) schwächte den Anreiz auszuwandern ab.

2.2 Politische Motivation

In den 1880er Jahren setzte eine in den USA als ..New Immigration" bezeichnete Masseneinwanderung ein.

Zar Nicolai I. wies im April 1835 den russischen Juden einen Ansiedlungsrayon zu, der Gebiete der heutigen Staaten Litauen, Weißrussland, Ukraine und Polen umfasste.1 Im Zuge dieser Maßnahmen wurden gegenüber der jüdischen Bevölkerung verschiedene staatliche Arbeitsbeschränkungen und andere Restriktionen eingeführt. Außerdem konn- ten jüdische Männer seit 1827 bis zu einer Dauer von 25 Jahren zum Militärdienst einge- zogen werden ± in die Armee eines Landes, das der jüdischen Bevölkerung zwar Pflich- ten auferlegte, aber kaum Rechte gewährte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entfaltete sich die jüdische Aufklärung (Haskalah), welche viele Anhänger unter den Intellektuellen fand.

Im Jahre 1881, nach der Ermordung des Zaren Alexander II., wurde das Gerücht verbreitet, dass es sich hierbei um einen Anschlag von Juden gehandelt habe. Dies schürte Ressentiments gegenüber der jüdischen Bevölkerung und führte zu gewalttätigen, staatlich geduldeten Übergriffen. 1881/82 wurden Pogrome, neue Restriktionen, hohe Steuerbelastungen, Erniedrigungen und unerträgliche Bedingungen im Ansiedlungsrayon gegen die jüdische Bevölkerung verhängt und somit die erste große jüdische Auswanderungswelle in Richtung Westeuropa und Amerika verursacht.2

In Deutschland versuchten viele junge Männer sich der Wehrpflicht zu entziehen, indem sie nach Amerika übersiedelten. Auch die Karlsbader Beschlüsse3 bewirkten, dass viele Menschen sich in ihren Persönlichkeitsrechten beschnitten sahen. Doch ein wesentlicher Charakter der Karlsbader Beschlüsse bestand darin, dass der reaktionäre Staat liberale und nationale Ideen als Volksverhetzung begriff und die Träger dieser Ideen als Dema- gogen verfolgte. Das Hambacher Fest, dessen direkte Folge in der staatsanwaltschaftli chen Verfolgung führender Persönlichkeiten des Vormärz bestand4, stellte einen weite ren Höhepunkt der Demagogenverfolgung dar. Nach der Märzrevolution von 1848/49 wurden die Karlsbader Beschlüsse wieder abgeschafft, doch die Nachwirkungen der Revolution5 ließ Tausende fliehen.

2.3 Religiöse Motivation

Ein weiterer Grund, warum Europäer nach Übersee auswanderten, war die eingeschränkte Religionsfreiheit. Religionsgemeinschaften des deutschsprachigen Raumes wie Mennoniten, Herrnhuter, Pietisten, Baptistens und Quäker weigerten sich, der gesetzlich vorgeschriebenen Staatsreligion beizutreten.

Die religiös motivierte Auswanderung wurde stets als Gruppe vollzogen. Das Gemeinde- oberhaupt führte seine Glaubensgemeinschaft in das neue Land. Das Gefühl, dass sie ihr gemeinsamer Glaube auch im fernen Land einen werde, stärkte die Gemeinschaft.6

2.4 Individuelle Motivation

Bei dem Entschluss, das Heimatland zu verlassen, spielten nicht immer die schlechten sozialen Verhältnisse die tragende Rolle. Auch wenn hinzugefügt sei, dass es sich bei den Menschen, die beispielsweise aus Abenteuerlust oder von Liebe geleitet in die Ver- einigten Staaten von Amerika wanderten, um einen kleinen Anteil der Auswanderer han- delt.

3 Strukturen der Auswanderung ± Die Organisation der Aus-

wanderung in den Europäischen Häfen (insbesondere deutsche Häfen) Im Folgenden werden die Abläufe der Auswanderung über die europäischen Häfen dargestellt. Als bevorzugte Auswandererhäfen in Europa sind zu nennen: Le Havre, Liverpool, Antwerpen, Bremerhaven und Hamburg. Da diese Häfen durch die Emigranten stark frequentiert wurden, entwickelte sich schon früh ein Geschäftszweig, der der Auswanderungsagenturen und -vereine.

3.1 Rolle der Agenturen, des Auswanderungsagenten

Der Auswanderungsagent mimte die eigentliche Organisation. War er zunächst als reiner Fahrkartenverkäufer tätig, half er dem Auswanderer ab Mitte des 19. Jahrhunderts dabei, in ähnlicher Art, wie der Reisebürokaufmann heute, seine Reise zu organisieren, ohne auch jemals den Gewinn aus dem Auge zu verlieren. Seine Tätigkeiten waren klar gere- gelt: Vermittlung des Transportes und Erledigung aller sich daraus ergebenden Formali- täten.7

Dass die Agenten immer auf der Seite der Geschäftsleute arbeiteten, die an den Aus- wanderern vornehmlich verdienen wollten, bot allerdings auch einem kleinen Anteil an ÄGaunern³ GLH &KDQFH vertrauensselige Auswanderungswillige mit falschen Informatio- nen zu versorgen und unbedingt von einer Auswanderung zu überzeugen. Um solchen Betrügereien Herr zu werden, wurde ab 1840 eine gezielte Gesetzgebung seitens der deutschen Staaten verabschiedet, die auch tatsächlich die schwerwiegendsten Betrüge- reien verhinderte. Insgesamt erleichterten Agenten dem Auswanderer die Überfahrt und lenkten den Auswandererstrom gleichmäßig, wenn auch geschäftig, über die Häfen.8

3.2 Rolle der Auswanderungsvereine, des -verkehrs und der -fürsorge

Die Aktivität der Auswanderungsvereine war am stärksten in der Mitte des 19. Jahrhun- derts und zu Beginn der Weimarer Republik, was durch die schlechten wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in den Heimatstädten und -dörfern der Auswanderer zu erklä- ren ist. Des Weiteren gab es Hilfsorganisationen, die dem Auswanderer Hilfestellung und Schutz geben sollte, wie z.B. der .Hamburger Verein zum Schutze von Auswanderern".9 Einen anderen Schwerpunkt setzte der .Berliner Verein zur Centralisation deutscher Auswanderung und Colonisation³, der es zur Aufgabe hatte, dem Auswanderungswilli- gen von seinem Entschluss, das Land zu verlassen, abzuraten. Außerdem wollte er die Binnenkolonisation fördern und diejenigen, die von ihrem Entschluss nicht mehr abzu- bringen waren, zu einer geregelten Kolonisation in Übersee anleiten. Kurz: Diese Art von Auswanderungsvereinen hatte zur Aufgabe, die Idee der Kolonisation zu verwirklichen und damit die Interessen des deutschen Handels zu stärken.

Ein anderes Bild ist von den Auswanderungsvereinen in Bremen, Frankfurt und Hamburg zu zeichnen: Da sich in den Hansestädten der Auswandererverkehr ballte, bildeten sich dort auch gesonderte, soziale Probleme, die nach Fürsorge verlangten. Vor allem bildete sich hier jedoch eine neuer Geschäftszweig heraus. Der Handel mit den Vereinigten Staaten von Amerika erhielt mit der Auswanderungswelle einen großen Stellenwert in der Wirtschaft der Hansestädte.

[...]


1 Aronson,I.M.: Troubled Waters. The Origins of the Anti-Jewish Pogroms in Russia, Pittsburgh 1990, S. 59ff

2 ders.

3 s. a. Büssem, Eberhard (1974): Die Karlsbader Beschlüsse von 1819. Die endgültige Stabilisierung der restaurativen Politik im Deutschen Bund nach dem Wiener Kongreß von 1814/15 Univ., Diss. München 1972. Hildesheim: Gerstenberg.

4 Foerster, Cornelia (1988): Das Hambacher Fest 1832. Volksfest und Nationalfest einer oppositionellen Massenbewegung, in: Dieter Düding, Peter Friedemann, Paul Münch (Hrsg.): Öffentliche Festkultur. Politische Feste in Deutschland von der Aufklärung bis zum Ersten Weltkrieg, Reinbek, S. 113±131

5 s. a. Hachtmann,Rüdiger (2002): Epochenschwelle zur Moderne. Einführung in die Revolution von 1848/49 - Reihe: Historische Einführungen 9; edition diskord.

6 Schulz, Karin (1994): Hoffnung Amerika. Europäische Auswanderung in die Neue Welt. Bremerhaven: NWD-Verlag, S. 213-26 5

7 vergl. Bretting, Agnes; Bickelmann, Hartmut (1991): Auswanderungsagenturen und Auswanderungsvereine im 19. und 20. Jahrhundert. Stuttgart: F. Steiner (Von Deutschland nach Amerika, Bd. 4).

8 vergl. dies.

9 s. a. Bussacker, Marlis (2006): Hamburgs staatliche Auswandererfürsorge im 19. Jahrhundert. Neumünster: Wachholtz, S.193-198.

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640606108
ISBN (Buch)
9783640605910
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v145762
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
US-Amerikanische Hamburgische Migrationsgesetzgebung Hälfte Jahrhunderts Einwanderungswellen Antiimmigrationspolitik

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Titel: US-Amerikanische und Hamburgische Migrationsgesetzgebung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts