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Leseprobe

Aus der umfangreichen Literatur lassen sich fünf Grundzüge des Geschichtsbildes der DDR zusammenfassen:

1. Es beruhte auf der dialektisch-materialistischen These, dass die den Menschen umgebende Wirklichkeit materieller Natur ist.
2. Das marxistisch-leninistische Geschichtsbild zeichnet die Geschichte als gesetzmäßige Abfolge ökonomischer Gesellschaftsformationen.
3. Der Klassenkampf gilt als Haupttriebkraft der Geschichte der antagonistischen Klassengesellschaft. Zurückgeführt wurde er auf den Widerspruch zwischen dem Charakter der Produktionsverhältnisse und dem Stand der Produktivkräfte in den auf Ausbeutung beruhenden Gesellschaftsordnungen.
4. Diese zentrale These schlug sich als Dialektik des Ringens zwischen Fortschritt und Reaktion im Geschichtsbild nieder. Konkreter Ausdruck dieses Ringens war der Klassenkampf der progressiven gesellschaftlichen Kräfte, der im Geschichtsbild in den Kampf der Arbeiterklasse um die Verwirklichung des sozialistischen, ausbeutungsfreien Gesellschaft einmündete, denn erst mit dem Eintritt der Arbeiterklasse in die Geschichte sollte die Errichtung einer sozial gerechten Ordnung in das Stadium der Verwirklichung treten.
5. Darüber hinaus enthielt es andere weltanschauliche Grundzüge, die aus seiner dialektisch-materialistischen Qualität erwuchsen, so Aussagen zur konkreten Darstellung des dialektischen Wechselverhältnisses zwischen Allgemeinen, Besonderem und Einzelnen auf den verschiedensten Ebenen der Geschichte.

Die Geschichtswissenschaft folgte ganz der vom historischen Materialismus vorgegebenen Gliederung der Gesellschaft in die folgenden ökonomische Gesellschaftsformationen:

- Urgesellschaft
- Sklavenhaltergesellschaft
- Feudalismus
- Kapitalismus
- Sozialismus
- Kommunismus.

Riese arbeitete für die Geschichtswissenschaft in der DDR die folgenden Phasen heraus:

1949-1949/50: die antifaschistisch-demokratische Phase

1950-1952: der Übergang zur sozialistischen Revolution

1952-1956: die Wendung zur nationalen Geschichtsschreibung

1956-1961: die Erziehung zum sozialistischen Patriotismus

1961-1963: auf der Suche nach der nationalen Identität, verstärkter Anspruch auf nationale

und klassenmäßige Führung

1963-1967: Wissenschaft als Produktivkraft in der Wissenschaftlich-technischen Revolution.

...

Hier soll nun insbesondere auf den Zeitraum von 1962 – 1964 eingegangen werden.

Festzustellen ist nach Brinks, dass sich die DDR seit ihrer Staatsgründung auf der Suche nach ihrer nationalen Identität, die um den Aufbau des Sozialismus auf deutschem Boden kreiste, befand.

Das DDR-Selbstverständnis teilte die Geschichte, namentlich die deutsche, nach einer Zwei-Linien- Theorie ein: in eine reaktionäre und eine fortschrittliche Klassenlinie. Letztere sollte sich in den Kämpfen der Volksmassen für den Fortschritt, am deutlichsten jedoch in den ideellen, organisatorischen und politischen Bestrebungen der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung und deren Führungskräften verkörpern.

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Details

Seiten
7
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640725472
Dateigröße
336 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v145750
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
Schlagworte
Geschichtsbild

Autor

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Titel: Das nationale Geschichtsbild in der DDR