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Die Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 16 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursachen der Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt
2.1. Sozialisation und Ausbildung
2.2. Berufswahl

3. Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und Diskriminierung von Frauen
3.1. Benachteiligung durch die Familienarbeit
3.2. Formen der Diskriminierung
3.2.1. Lohndiskriminierung
3.2.2. Allokative Diskriminierung
3.2.3. Evaluative Diskriminierung
3.3. Teilzeitarbeit – Frauenarbeit
3.4. Frauenerwerbsquote
3.5. Arbeitslosigkeit

4. Motivationen zur Aufnahme eines Berufes

5. Perspektiven der Frauen auf dem Arbeitsmarkt

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. […] Niemand darf wegen seines Geschlechtes […] benachteiligt oder bevorzugt werden.“

(Deutscher Bundestag 1993, Art. 3, Abs. 2 und 3)

Trotz der gesetzlich festgelegten Gleichberechtigung und Chancengleichheit sind nach wie vor viele Frauen auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Die zunehmende Erwerbsbeteiligung von Frauen erweckt den Eindruck, dass die Gleichberechtigung der Geschlechter in unserer Gesellschaft vollzogen wurde. Beobachtet man jedoch die Situation von Frauen im Erwerbsleben ausführlicher, zeigt sich, dass dem nicht so ist.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den frauenspezifischen Problemen auf dem Arbeitsmarkt. Es soll die Frage geklärt werden, ob Frauen wirklich gleichberechtigt sind in der Arbeitswelt. Der Blick richtet sich zunächst auf die Ursachen für die Benachteiligung. Im Vordergrund stehen dabei die Sozialisation und Ausbildung, sowie die Berufswahl. Im darauf folgenden Teil wird die Benachteiligung durch die Familienarbeit dargestellt und sich mit den Formen der Diskriminierung auseinandergesetzt. Für ein besseres Verständnis wird des Weiteren auf die Teilzeitarbeit, Frauenerwerbsquote und Arbeitslosigkeit eingegangen. Es folgen Gründe, warum Frauen beziehungsweise Mütter trotz mangelnder Anerkennung und Entlohnung ihrer Leistungen eine Berufstätigkeit ausüben wollen. Abschließend werden die Perspektiven der Frauen auf dem Arbeitsmarkt aufgezeigt und nach Lösungen gesucht, die eine gleichberechtigte Behandlung bewirken.

2. Ursachen der Benachteiligung von Frauen

Worin liegen die Ursachen, dass Frauen mehr Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben als Männer?

2.1. Sozialisation und Ausbildung

Ein Erklärungsansatz liefert die Sozialisation: In dieser findet nach wie vor eine geschlechtsspezifische Erziehung statt, wobei die Mädchen auf ihre zukünftige Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereitet werden. Sie eignen sich an

„für die unmittelbaren Bedürfnisse anderer zu sorgen, ihnen zu helfen, sie

emotional zu stützen usw., ferner den Haushalt in Gang zu halten, die konkreten

Erfordernisse des Alltags zu gewährleisten - und vorrangig genug äußere und

innere Vorzüge zu zeigen, um über „soziale Anerkennung" Zugang zum

eigentlichen Aufgabenbereich [Ehe, Familie] zu finden" (Beck-Gernsheim 1976, S. 53).

In der Schule wird ebenfalls weiterhin geschlechtsspezifisch erzogen. Mädchen sind bis zum Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein (Adoleszenz) besser und erfolgreicher in der Schule als Jungen, danach nehmen ihre Leistungen abrupt ab (vgl. Beck-Gernsheim 1976, S. 54). Auslöser dafür ist, dass die guten Leistungen der Mädchen als nicht "weiblich" gelten und angesehen werden. Als „Haupternährer“ wird immer noch der Mann dargestellt, der infolgedessen eine bessere Ausbildung benötigt. Die Frau muss für ihre Aufgaben, die sich auf Haushalt und Kinder beschränken, nicht über eine gute Schul- und Berufsausbildung verfügen.

Diese Sichtweise veränderte sich in der 60er Jahren durch die Weiterentwicklung des Bildungswesens. Die Beteiligung der Frauen an höherqualifizierten Bildungsgängen hat sich verstärkt. Dies schließt den Schul- und Hochschulbereich, sowie die berufliche Bildung mit ein (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 1998, S. 21). Dennoch überwiegt der Anteil von erwerbstätigen Männern mit einer höheren Ausbildung den der Frauen um das Zweifache. Es ist aber zu beachten, dass die Unterschiede in den jüngeren beziehungsweise nachwachsenden Generationen geringer vorhanden sind. Dies beruht auf eine veränderte Zukunftsvorstellung junger Frauen, die eine „qualifizierte berufliche Ausbildung und Erwerbstätigkeit, Selbstentfaltung und ökonomische Unabhängigkeit" (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 1998, S. 16) in Betracht zieht. Traditionelle Aufgaben wie Ehe und Familie werden überwiegend mitberücksichtigt und gelten als vereinbar mit einer beruflichen Tätigkeit (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 1998, S. 16).

2.2. Berufswahl

Generell können Frauen heutzutage, was ihre Berufs- bzw. Ausbildungswahl betrifft, frei entscheiden, sofern die Wahl mit ihren Fähigkeiten und Interessen übereinstimmt. Trotzdem konzentrieren sich Frauen nur auf wenige Berufe. Mehr als zwei Drittel der erwerbstätigen Frauen haben sich in nur zehn Berufsgruppen aufgeteilt, wobei sie überwiegend in Dienstleistungsbranchen zu finden sind (vgl. Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung 2000, S. 26). Aus der geschlechtsspezifischen Erziehung in der Familie und in der Ausbildungsphase resultiert, dass sich Mädchen die typischen weiblichen Eigenschaften (zum Beispiel emotional, sozial) aneignen, die unter anderem die Berufswahl beeinflussen (vgl. Beck-Gernsheim 1976, S. 9). Frauen sind "von zwei Polen her bestimmt" (Beck-Gernsheim 1976, S. 77): auf der einen Seite verfügen sie über familiär-reproduktionsbezogene Fähigkeiten, Interessen und Motivationen, andererseits ist der Wille da einen Beruf auszuüben. Dies spiegelt sich wieder in dem Entschluss, Berufe zu wählen, die mit den weiblichen Interessen und Bedürfnissen, zum Beispiel Personenbezogenheit, Fürsorgeneigungen etc., übereinstimmen, wie Sozial- und Pflegeberufe. Die vermittelte Vorstellung, dass einzig Frauen für die Hausarbeit zuständig sind, hat ebenfalls Auswirkungen auf die Berufswahl. So fokussieren Frauen hausarbeitsverwandte Berufe wie Textil- und Bekleidungsberufe oder Büroarbeit an. Auffallend ist das Männer bei ihrer Berufswahl bei weitem stärker aufstiegs- und karriereorientiert sind. Frauen dagegen streben eher nach Autonomie. Maßgeblich für die Berufsentscheidung ist, dass sie meistens nur Tätigkeiten in Betracht ziehen, die sich später mit Kindern und Familie vereinbaren lassen, denn die innerfamiliäre Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau ist noch verbesserungswürdig (vgl. Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung 2000, S. 21f.). Eine weitere Ursache warum sich viele Frauen auf ein kleines Ausbildungs- und Berufsspektrum beschränken, ist die Angst, in „Männerdomänen“ benachteiligt zu sein. Typische Frauenberufe sind unter anderem Lehrerinnen, Erzieherin, Friseurin und Krankschwester (vgl. Beck-Gernsheim 1976, S. 77).

3. Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und die Diskriminierung von Frauen

Die moderne Industriegesellschaft ist durch eine bestimmte Art der Arbeitsteilung charakterisiert. Sie entstand im 19. Jahrhundert und ihre Grundzüge sind noch in der Gegenwart vorzufinden. Es handelt sich um die Beck-Gernsheims Theorie der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung. Sie thematisiert die Arbeitsteilung zwischen Beruf und Familie, wobei mit dem Mann primär die berufliche Arbeit, mit der Frau primär die private Familienarbeit assoziiert wird (vgl. Seubert 1993, S. 5).

Die zugewiesenen Arbeitsbereiche sind nicht äquivalent, da Frauen zahlreichen Benachteiligungen und Einschränkungen ausgesetzt sind, die im Folgenden erläutert werden sollen.

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640563555
ISBN (Buch)
9783640563791
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v145509
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Schlagworte
Diskriminierung Frauen Arbeitsmarkt

Autor

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Titel: Die Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt