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Der Einfluss sportlicher Aktivität auf die Stimmung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 24 Seiten

Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung: Sport und psychische Gesundheit

2.) Was versteht man unter „Stimmung“?

3.) Der Einfluss sportlicher Aktivität auf die Stimmung.
3.1) Physiologische Erklärungsansätze
3.2) Psychologische Erklärungsansätze

4.) Abschließende Bemerkungen

5.) Anhang

6.) Literatur

1.) Einleitung: Sport und psychische Gesundheit

Die Zusammenhänge von sportlicher Aktivität und physischer Gesundheit wurden in den letzten vier Jahrzehnten in zahlreichen Studien in vielfältiger Form erforscht. Viele dieser Untersuchungen liefern den Nachweis des positiven Einflusses von Sporttreiben auf verschiedene Komponenten der körperlichen Gesundheit. Knoll (1997, S. 38 ff) weist zwar in einem Literaturüberblick auf die Inkonsistenz der Befundlage in diesem Forschungsgebiet hin, die ihrer Meinung nach u.a. auf die unterschiedliche Definition der unabhängigen Variable „sportliche Aktivität“ zurückzuführen ist, arbeitet aber schließlich die folgenden vier Wirkungsbereiche körperlicher Aktivität heraus: kardiovaskuläre, metabolische, endokrinologische und hämodynamische Wirkungen. Nach Pahmeier (1996, S. 68) gilt es sogar als „unbestritten, dass sportliche Aktivität positive Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit hat (...)“.

Der Einfluss von sportlicher Aktivität auf die psychische Gesundheit wird erst seit Beginn der 80er Jahre verstärkt untersucht (vgl. Alfermann, Stoll, Wagner & Wagner-Stoll, 1995, S. 95). Im Vergleich zu den körperlichen sind die psychischen Folgen von Sport folglich deutlich weniger erforscht. In der einschlägigen Literatur lassen sich drei Ursachen der ungenügenden Forschungslage finden:

- Es fehlt eine konsensfähige Operationalisierung des Konstrukts „psychische Gesundheit“, das somit zu einem „fuzzy-Konzept mit erheblicher Unschärfe“ (Schlicht, 1994 a, S. 9) wird, da es ein „breites Spektrum unterschiedlicher Faktoren“ (Pahmeier, 1996, S. 71) in sich vereint.
- Vielen Untersuchungen mangelt es an methodischer Qualität, was sich z.B. im Fehlen von Kontrollgruppen oder der Verwendung von nicht wissenschaftlich fundierten Messverfahren äußert (vgl. Pahmeier, 1996, S. 68). Echte Experimente, die sich mit der Thematik befassen, sind selten.
- Ähnlich wie bei den Untersuchungen zum Einfluss von Sport auf die physische Gesundheit stehen unterschiedliche Definitionen und Operationalisierungen der Variable „Sport“ der Formulierung allgemeiner Aussagen im Weg (vgl. Alfermann, Stoll, Wagner & Wagner-Stoll, 1995, S. 96).

Schlicht kommt in einer Meta-Analyse zum Thema „Sport und seelische Gesundheit“ zu dem Schluss, dass kein genereller Zusammenhang zwischen einer regelmäßigen sportlichen Betätigung und der Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands besteht (vgl. Schlicht, 1994 a, S. 61). Um die Beziehungen zwischen diesen beiden Variablen adäquat erfassen zu können, ist seiner Meinung nach eine spezifischere Betrachtung notwendig. Zum einen müsse man moderierende Variablen wie das Geschlecht und das Alter der Probanden, den Belastungszeitraum und nicht zuletzt die Form der sportlichen Aktivität berücksichtigen, zum anderen sei es erforderlich, konstruktspezifisch vorzugehen, sich also bei der Formulierung bestimmter Zusammenhänge auf eine Komponente der psychischen Gesundheit zu beschränken.

Abbildung 1 zeigt eine Sammlung der Indikatoren der seelischen Gesundheit, denen in der sportpsychologischen Diskussion ein Zusammenhang mit sportlicher Aktivität zugeschrieben wird. Hierbei ist zu beachten, dass Sport einerseits zum Abbau negativer psychischer Zustände beiträgt, andererseits aber auch den Aufbau positiver Emotionen und Kognitionen zur Folge haben kann. Übertragen auf die Ebene von Gesundheitsmodellen könnte man in diesem Zusammenhang von zu bewältigenden Anforderungen und im Individuum liegenden Ressourcen sprechen, deren Widerpart in salutogenetischen Modellen wie z.B. im Anforderungs-Ressourcen-Modell von Becker (1992) vertreten wird. Folgt man dieser Vorstellung, stellen das Wohlbefinden, das Selbstwertgefühl und die kognitive Funktionstüchtigkeit psychische Gesundheitsressourcen dar, die aus gesundheitssportlicher Perspektive der Stärkung bedürfen.

In der vorliegenden Hausarbeit soll einer der Indikatoren aus Abbildung 1, nämlich das Konstrukt der Stimmung, das bei Pahmeier unter dem Oberbegriff „psychisches Wohlbefinden“ zu finden ist, in den Blick genommen werden. Um sich mit dem Einfluss von sportlicher Aktivität auf die Stimmung beschäftigen zu können, muss zunächst geklärt werden, was man unter dem Begriff „Stimmung“ versteht und auf welche Weise mit diesem Konstrukt wissenschaftlich gearbeitet wird (2.). Anschließend sollen die Zusammenhänge von Sport und Stimmung unter Bezugnahme auf verschiedene Erklärungsansätze, theoretische Vorstellungen und empirische Untersuchungen aufgezeigt werden (3.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Auswirkungen sportlicher Aktivität auf Indikatoren der psychischen Gesundheit

(Pahmeier, 1996, S. 71)

2.) Was versteht man unter „Stimmung“?

Andrea Abele und Walter Brehm haben sich in den letzten zwanzig Jahren in diversen Untersuchungen intensiv mit dem Einfluss sportlicher Aktivität auf die Stimmung und weitergehend mit den Zusammenhängen zwischen der Befindlichkeit und verschiedenen psychischen Komponenten beschäftigt. In ihrer Terminologie bezeichnen die Begriffe „Stimmung“ und „Befindlichkeit“ dasselbe Konstrukt, welches „sich auf die Beschreibung des momentanen, aktuellen psycho-physischen Zustands eines Individuums“ (Abele & Brehm, 1986, S. 209) bezieht. Stimmungen werden in der Psychologie als relativ überdauernde Qualitäten, als ausgedehnte emotionale Zustände verstanden, die das persönliche Erleben des Individuums prägen. Sie stellen eine wesentliche Subkategorie der Emotionen dar (vgl. Brehm, 1998, S. 201). Dennoch bestehen grundlegende Unterschiede zwischen Stimmungen und den „Basis-Gefühlen“ wie z.B. Wut, Scham, Trauer oder Liebe.

Im Gegensatz zu den genannten Gefühlen stehen Stimmungen nicht im Zentrum der Wahrnehmung des Menschen und gelten somit als „Hintergrundphänomene“ (Brehm, 1998, S. 201), die einen Einfluss auf die emotionale Gesamtsituation haben. Des Weiteren wird davon ausgegangen, dass Befindlichkeiten weniger intensiv, dafür aber länger andauernd als die „großen“ Emotionen sind (vgl. Schlicht, 1995, S. 27). Brehm bezeichnet die Stimmungen in diesem Zusammenhang als „die eher kleinen, alltäglichen Gefühlszustände wie z.B. gute Laune, Ruhe, Entspanntheit, Erregtheit, Deprimiertheit oder Ärger“ (Brehm, 1998, S. 201). Ein weiterer Unterschied zwischen Stimmungen und Emotionen besteht darin, dass Gefühle in der Regel durch ein bestimmtes, klar zu definierendes Ereignis ausgelöst werden, während Befindlichkeiten eher ungerichtet sind, sich also nicht unbedingt auf einen äußeren Anlass beziehen (vgl. Schlicht, 1995, S. 27).

Um sich einer präziseren Definition des Stimmungskonstrukts noch ein Stück anzunähern, ist es notwendig, eine Abgrenzung in Richtung zu Persönlichkeitseigenschaften vorzunehmen. Diese sind im Vergleich zur Befindlichkeit zeitlich stabiler, da sie sowohl durch Umweltbegebenheiten als auch durch im Individuum ablaufende psychische Prozesse schwerer zu beeinflussen sind.

Hinsichtlich des psychischen Wohlbefindens wird häufig zwischen einem aktuellen und einem habituellen Wohlbefinden unterschieden (vgl. Schlicht, 1995, S. 27). Analog zu dieser Differenzierung kann man aktuelle, also relativ kurzweilige Stimmungen von einer Stimmungs-disposition, die zumeist mit dem Begriff „Grundgestimmtheit“ umschrieben wird, trennen. Die Grundgestimmtheit ist „eine Art motivationale Dauertönung“ (Abele, Brehm & Gall, 1991, S. 283), die genauso wie die Befindlichkeit im Hintergrund wirkt und das Erleben des Individuums beeinflusst. Auch in der Alltagssprache spiegelt sich die Unterscheidung von Stimmung und Grundgestimmtheit wider. Man spricht beispielsweise von „lebensfrohen“ Menschen (Disposition), diese sind aber durchaus gelegentlich traurig (aktuelle Stimmung), was aber nicht dazu führen muss, dass sie ihre positive Grundstimmung verlieren.

Die in diesem Abschnitt bislang dargelegten Antworten auf die Frage, was unter Stimmung zu verstehen ist, dienten dazu, das Stimmungskonstrukt zum einen von den „großen“ Gefühlen und zum anderen von der Grundgestimmtheit als Persönlichkeitseigenschaft abzugrenzen. Um die Zusammenhänge von sportlicher Aktivität und der Befindlichkeit wissenschaftlich erfassen zu können, ist es allerdings erforderlich, über diese Abgrenzung hinauszugehen und das psychologische Konstrukt „Stimmung“ zu konkretisieren und operationalisieren, d.h. messbar zu machen. Ein im Bereich der deutschen Sportwissenschaft häufig verwendetes Instrument zur Messung von Befindlichkeit sind die „Befindlichkeitsskalen“ (BFS) von Abele und Brehm (vgl. Abele & Brehm, 1986). Bei der Konstruktion ihres Messinstruments diente ihnen das ebenfalls von ihnen entwickelte „Kreismodell der Befindlichkeit“ als theoretische Grundlage. Da dieses Modell weitere Antworten auf die Frage, was Stimmung eigentlich ist, liefert, soll es im Folgenden vorgestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Kreismodell der Befindlichkeit (Abele & Brehm, 1986, S. 214)

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Details

Seiten
24
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638199148
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14540
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Fach Sport (nicht institutsgebunden)
Note
1
Schlagworte
Einfluss Aktivität Stimmung Qualitäten Konzepte Gesundheitsförderung Sport

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