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Tuberkulose - vom „romantischen Fieber“ zur modernen Zeitbombe

Seminararbeit 2005 21 Seiten

Medizin - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Medizinisches, historisches und gesellschaftliches Problemfeld

Die Erscheinung und Phasen der Tuberkulose

Behandlung im 19. Jahrhundert

Weitere Formen der TBC

Differentialdiagnose

Berühmte Dichter und Künstler die an TBC erkrankten

Tuberkulose als Materie der Kunst

Tuberkulose in der Gegenwart

Behandlung heute

Literaturverzeichnis

Bochalli, Richard: Die Geschichte der Schwindsucht. Leipzig. 1940

Bochalli, Richard: Die Entwicklung der Tuberkuloseforschung in der Zeit von 1878- 1958. Stuttgart. 1958

Bock, Victor: Die Friedmann-Methode. Leipzig. 1922 Wien. 1820

Böhme, Gerhard: Medizinische Portraits berühmter Komponisten. Stuttgart. 1979. Band I. S109-138

Bolzenius, Klemens: Tuberkulose und Tuberkulosebekämpfung in Aachen. Herzogenrath. 1988

Braun, Adolf: Medizinisches aus der Weltliteratur. Stuttgart. 1937

Dreist, Hellmuth und Hermann Krauss: Die Tuberkulose - Ihre Erkennung und Behandlung. Stuttgart. 1951

Engelhardt, Dietrich von: Medizin in der Literatur der Neuzeit. I.Band Hürtgenwald. 1991 S.73-89

Haase, Andreas: Über die Erkenntnis und Cur der chronischen Krankheiten des menschlichen Organismus.

Leibbrand, Werner: Romantische Medizin. Hamburg. 1937

Robert Koch Stiftung e.V.: ein Jahrhundert der Tuberkuloseforschung 24.3.1882- 24.3.1982. Frankfurt. 1982. S49-63

Versé, Max: Röntgenbefund und pathologisch-anatomischer Befund bei Lungenkrankheiten. Berlin. 1935

http://archiv.berliner-

morgenpost.de/archiv2000/001005/wissenschaft/story350990.html

http://archiv.berliner-morgenpost.de/archiv1998/980808/politik/story215768.html http://www.dahw.de/tb.html

http://home.t-online.de/home/sky.unlimited/tub.htm

http://klinikum.nuernberg.de/pneumologie/publikationen/tbc_01.html http://www.aaa-lab.li/tbc.htm

Einleitung

Über Tuberkulose kann man folgende Aussagen von Tuberculinum-Patienten oder deren Eltern finden:

„An seinen Spielzeugautos fehlt immer was (Dach, Reifen, Türen abgerissen).“

„Es begann mit Fieber und Schüttelfrost und Schmerzen überall, alles tat weh, alle Glieder taten weh.“

„Es fing an wie eine Grippe, dann ging es runter in die Brust, hatte links in der Brust Schmerzen.“

„Er hat guten Appetit, isst richtig gierig und viel, nimmt aber kaum zu.“

„Ich schwitze jede Nacht viel, am Morgen bin ich dann richtig k. o..“

„Er mag schon Fleisch, aber nur bestimmtes, weißes Kalbfleisch oder Hähnchen. Er isst nur eine bestimme Wurstsorte, keine andere. Als Kind musste man mir immer extra was kochen, war sehr heikel, esse nur das Weiße vom Ei, nicht das Gelbe. Er isst nur Bananen, sonst ist er ein ganz schlechter Esser.“

„10 Tage lang Tonsillitis, und Otitis, anschließend ständig subfebrile Temperaturen unter 38 Grad.“

„Sie liegt mit Fieber im Bett, ist aber total gut drauf, hört gar nicht mehr auf zu plappern und zu reden.“

„Er ist sehr wild, muss immer gefährliche Sachen machen. Es gibt für ihn nichts anderes als Pistolen. Geht mit Pistolen schlafen, steht mit Pistolen auf, nimmt sie mit in den Kindergarten, schießt ständig.“

„Beim Einschlafen rollt er immer so mit dem Kopf hin um her, dreht ihn in alle Richtungen.“

„Bin oft krank, ständig ist etwas anderes, Kopfschmerz, Durchfall, Erkältung, bin aber trotzdem sehr aktiv und optimistisch.“

„Seit ich aus dem Urlaub aus Mallorca zurück bin, huste ich.“

„Morgens ist er unausstehlich, besonders wenn er geweckt wird. Schimpft und flucht dann.“

„Skifahren habe ich aufgehört, da stehst du ständig im Stau: Im Autobahnstau, im Lift, sogar beim Bierholen, da gehe ich lieber Langlaufen.“

„Auf der Wies‘n wäre ich ständig am Fahren, wenn ich mehr Geld hätte, höher, weiter, schneller.“

„Am liebsten sehe ich Reiseberichte, von Expeditionen. Lesen tu ich am liebsten Abenteuerromane, kann mich bei so ernsten Sachen nicht lange konzentrieren.“

„Setze mir immer hohe Ziele, erreiche sie auch leicht, aber es macht mich nicht zufrieden, suche mir dann schnell etwas Anderes. Auf zu neuen Ufern.“

Medizinisches, historisches und gesellschaftliches Problemfeld

Ein Ausspruch des berühmten Dichters André Gide aus dem 19 Jahrhundert.: „Und wenn es wahrscheinlich größere Musiker gibt, so gibt es doch keinen vollkommeneren.“

Damit würdigte er das Werk des Romantikers Frédéric Chopin, der von 1810-1849 lebte.

Chopin wuchs wohlbehütet in Polen auf. Sein Vater (Professor für Französisch) förderte ihn und ermöglichte ihm schon mit 7 Jahren professionellen Klavierunterricht. Bereits am 24.2.1818 trat er in Warschau mit eigenen Kompositionen auf. In seiner Jugendzeit klagte er in Briefen über katarralische Affektionen der oberen Luftwege und Erkältungen. Aufgrund seiner labilen Konstitution war es ihm sogar nicht gestattet die Schule zu besuchen. Erst mit 13. wurde er eingeschult. 1824 war er in Behandlung von Dr. Malcz. Dieser verschrieb ihm Haferschleim, viel Schlaf, frische Luft, zu reiten und Surrogat (Getränk aus gebrannten Eicheln) zu trinken. 1826 klagte er in einem Brief an einen Freund, dass seine Halsdrüsen schmerzhaft geschwollen wären. Im Jahr darauf starb seine jüngste Schwester an einer „schweren Lungenerkrankung“. Gequält von Fieberkrämpfen verließ er 1830 Warschau, um zu sterben - wie er selber einem Jugendfreund schrieb. In Wien nahm er bei Würfel, einem Freund seines Vaters, Musikunterricht. Dieser war den Quellen nach schwach und spie Blut. Er hatte aber trotzdem geniale Einfälle und inspirierte Chopin nachhaltig. Hier erkennt man, dass Chopin zu diesem Zeitpunkt seinen Zweitkontakt mit einem „Lungenkranken“ hatte. Im Jahr darauf zog es den geschwächten Mann nach Paris, der neuen Metropole der Künste.

Im Frühjahr 1836 erkrankte er zum ersten Mal massiv. Pariser Ärzte diagnostizierten eine Bronchialgrippe mit Blutsputum, sowie Fieberkrämpfe. Von Zeit zu Zeit hörte er Kirchenglockenhalluzinationen, welche zu seinem Tode läuten würden. Und wieder schrieb er ein Meisterwerk - den Trauermarsch. Seine Schwester erwähnte, „dass er ungemein häufig ohne Rücksicht darauf, dass er jemals, wenn er vom Fortepiano aufstand, bleich und so müde war, dass er nicht wusste, was rings um ihn vorging, dass er nicht mit einem Wörtchen auf das begeisterte Lob zu erwidern vermochte, dass er kaum hörte, was die Leute ihm sagten, [...] so dass der Mensch bei seinem Anblick ahnte, dass er einer jener von Gott erwählten sei, die jung sterben.“1 Bereits 1837 wurde er aufgrund seines Zustandes ans Bett gefesselt. Starker Husten, Heiserkeit und Blut. 1838 gab er sich endlich einer längst überfälligen Kur hin. Er wählte Mallorca. Dort diagnostizierten drei Ärzte zum ersten Mal die chronische Lungentuberkulose. 1842 starb sein bester Freund Matuszýnski an TBC. So hatte Chopin nachweislich mit drei Personen längeren Kontakt, die vermutlich an TBC starben. Trotz der Rückfälle im winterlichen Frankreich und weiterer Krankheitsschübe entstanden die Opera 35-50. Dies ist mehr als die Hälfte seines Lebenswerkes. Aufgrund der TBC verließen ihn allmählich die Kräfte und er musste bereits Ende 1843 die Treppen hinaufgetragen werden. 1844 komponierte er in absoluter Genialität die Barcarole, die durch ihre bestechende Schönheit, Einheitlichkeit und Harmonie besticht. Mit Opiumtropfen stillte er dabei seine Schmerzen. Sein letzter großer Opus entstand drei Jahre später - Polonaise-Fantasie.

Die Hoffnung auf Genesung gab er nicht auf. Chopin schrieb sogar einmal, dass er sich für unsterblich hielte. Der Tod vollzog sich nach Berichten in 2 Tagen. Seine letzten Worte waren: „Da diese Erde mich ersticken wird, beschwöre ich Euch, meinen Körper öffnen zu lassen, damit ich nicht lebendig begraben werde.“2

[...]


1 Böhme, Gerhard: S.120

2 Böhme, Gerhard: S. 134

Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640549412
ISBN (Buch)
9783640551590
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v145374
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Geschichte der Medizin
Note
1
Schlagworte
Tuberkulose Tuberculose TBC Chopin Kunst Musik Romantik Krankheit Medizin

Autor

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Titel: Tuberkulose - vom „romantischen Fieber“ zur modernen Zeitbombe