Lade Inhalt...

Iemanjá und Sedna. Ansätze eines asymptotischen Vergleichs zweier Meeresgöttinnen aus unterschiedlichen Kulturen

Magisterarbeit 2009 112 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
A. Ein kurzer Einblick in die Mythen um Iemanjá und Sedna
B. Theoretische Grundlagen
1. Ein kurzer Überblick über die Spieltheorie
a) Das Spielfeld
(1) Das Spielfeld im Ritual bei Sedna
(2) Das Spielfeld bei Iemanjá: Das Meer, der Terreiro
b) Die Mitspieler
(1) Bei Sedna
(2) Bei Iemanjá
c) Die Spielregeln und die Spielstrategie mit ihren Handlungs- optionen
(1) Bei Sedna
(2) Bei Iemanjá
d) Das „Spielzubehör“
(1) Bei Sedna
(2) Bei Iemanjá
e) Das Ziel der Spiele und der einzelnen Spieler
f.) Die Grenzen des Spielkonzeptes
2. Die symbolische Ethnologie nach Victor Witter Turner
3. Der Begriff der Archetypen nach C.G. Jung
C. Der Vergleich der beiden Meeresgöttinnen
1. Geographische und klimatische Bedingungen und die Subsistenz beider Ethnien
2. Eine Möglichkeit der Interpretation des Sedna-Mythos
a) Der Hundehemann
b) Die Rolle des Vaters
c.) Der Sturmvogel
d.) Das Abhacken der Fingerglieder
e.) Sednas Kinder als Stammväter aller Völker auf der Erde und Sedna als Mutterfigur
f.) Eine Möglichkeit der Interpretation des Mythos der Iemanjá
g.) Ein grober Überblick über den afrobrasilianischen Pantheon und die Umstände der Versklavung und des „Transports“ der ehemals afrikanischen Göttin nach Brasilien.
h.) Iemanjás Symbole und deren Interpretation
D. Ein Vergleich der Hauptsymbole beider Meeresgöttinnen
1. Das Meer
2. Die Unterwelt
3. Die Fruchtbarkeit (Mutter aller Orixás und Herrin der Seetiere)
4. Inzest und Sodomie als Tabubrüche
5. Schönheit und Häßlichkeit
6. Die Ambivalenz beider Göttinnen
E. Das ethnologische Spiel
1. Das Spielfeld
2. Die Mitspieler
3. Aufbau und Regeln
4. Der Zufall im Spiel
5. Das Ziel: Empathisches Verstehen der Religion, sowie die Aneignung von Hintergrundinformationen über Wissenskarten
6. Material und Design

III. Schluß

IV. Anhang

V. Literaturverzeichnis
Monographien und Sammelbände
Internetquellen

I. Einleitung

In dieser Magisterarbeit soll nach Ansätzen gesucht werden, die einen asymptotischen Vergleich zweier Meeresgöttinnen aus zwei unterschiedlichen Kulturen ermöglichen

Vorangestellt seien zunächst die Hauptfragestellungen. Gibt es fundamentale Gemeinsamkeiten zwischen der afrobrasilianischen Meeresgöttin Iemanjá1 und Sedna, der Meeresgöttin der Inuit, obwohl sie aus so unterschiedlichen kulturellen und religiösen Kontexten stammen? Wenn ja, wie ließe sich dies erklären? „Ritual ist mehrdimensional.“2 Verglichen werden soll sowohl auf der Mikro-, als auch auf der Makroebene. Auf der Mikroebene werden spieltheoretische Ansätze eines Vergleiches angedacht, auf der Makroebene werden Turners Ritualtheorie und C.G. Jungs Archetypentheorie verwendet. Auf diesem Wege sollen über einen spieltheoretischen Ansatz im Kleinen die zwei Meeresgöttinnen in ihren Ritualen verglichen werden. Über die Makroebene wird dann ein größerer Radius gezogen, um sowohl den Bedeutungsgehalt der Meeresgöttinnen für die Gläubigen, als auch die allgemeine Struktur der Meeresgöttin an sich herauszuarbeiten. Bei der Betrachtung und dem Vergleich beider Rituale werden diese als restringierte Codes betrachtet. „Jede Gruppe, deren Angehörige sich hinreichend gut kennen - Kricketmannschaften, Wissenschaftlerteams, Angehörige einer kommunalen Selbstverwaltungskörperschaft - pflegt einen restringierten Code zu entwickeln, der den Ablauf der Kommunikationsprozesse durch Präcodierung verdichteter Ausdrucksformen beschleunigt. Außerdem trägt der Code dazu bei, ein bestimmtes Wertesystem innerhalb der Gruppe durchzusetzen, und befähigt ihre Angehörigen, im Vollzug der Interaktion die Struktur und die Normen der Gruppe zu internalisieren.“3

Um der Schwierigkeit eines Vergleiches zweier Meeresgöttinnen aus unterschiedlichen Kulturen entgegenzuwirken, und dabei das Objektiv gerade auf ihre spezifischen Eigenheiten zu richten, wird erst im kleinsten abstrakten Bereich mit einem Vergleich begonnen, nämlich dem auf spieltheoretischer Ebene. Um den Göttinnen ihren Raum in der jeweiligen Kultur und schließlich im Wesen des Menschen zurückzugeben, wird anschließend auf der Makroebene eine vergleichende Annäherung stattfinden. Über das Modell der Archetypen in der Psychologie und Turners symbolische Ethnologie wird versucht, eine Basis des Vergleiches auf der Makroebene zu schaffen. Mit Hilfe der Spieltheorie wird ein Spielfeld abgesteckt, um dadurch eine künstliche Vergleichsebene zu schaffen, innerhalb jener die Symbole miteinander verglichen werden können. Das Terrain, das im Folgenden abgegrenzt werden soll, ist also rein willkürlich festgelegt. Jedoch bedarf es einer theoretischen Abgrenzung des „Spielfeldes“, um überhaupt vergleichen zu können. Um zu tieferen Erkenntnisschichten zu gelangen, soll also der relative Rahmen eines Vergleiches zweier unterschiedlicher Kulturen als „Spielfeld“ betrachtet werden, in welchem nach Turner´scher Manier und nach dessen Vorbild die Symbole im prozeßhaften Zusammenspiel der jeweiligen Kultur miteinander verglichen werden, um zu sehen, ob die Figur der Meeresgöttin trotz unterschiedlicher kultureller und ökologischer Einbettung mehrere fundamentale Gemeinsamkeiten aufweist. Gleich zu Beginn sollen jedoch auch die Grenzen dieser Arbeit aufgezeigt werden. Sowohl Turner, als auch Jung halten es für wichtig, daß die Symbole von den Beteiligten, in anderen Worten: von den SpielteilnehmerInnen selbst, gedeutet werden. Als Außenstehende unterliege ich einem anderen kulturellen und religiösen Kontext. Trotzdem hoffe ich, daß mir eine solche Interpretation der Symbole gelingen wird, denn es ist ja nur eine mögliche Interpretation von vielen, außerdem gehe ich von der Basisannahme einer ähnlichen Erfassung der Symbole aus. Somit sollten sie auch von Nicht- Teilnehmern mit ethnologischem Hintergrundwissen gedeutet werden können. Es verhält sich wohl mit dieser Interpretation wie mit der eines Gedichtes, welches aus der Feder eines Unbekannten stammt; Kultur als Text wird hier immer schon vorausgesetzt. Zur Schreibweise der afrobrasilianischen Götter muß noch gesagt werden, daß es viele unterschiedliche gibt und hier die in den Quellen am häufigsten angetroffene Schreibweise übernommen wurde. Ansonsten wird die brasilianische Schreibweise der afrikanischen aus praktischen Gründen vorgezogen. Die Übersetzungen aus dem Englischen und vom brasilianischen Portugiesisch ins Deutsche wurden von mir vorgenommen. Um die Transparenz zu erleichtern, befinden sich im Anhang die Originaltexte.

II. Hauptteil

A. Ein kurzer Einblick in die Mythen um Iemanjáund Sedna

Bevor die theoretischen Grundlagen dargelegt werden, stelle ich zuerst einige der Mythen, die um Iemanjá und Sedna kreisen dar, um auf diese dann im mikroskopischen Bereich Bezug nehmen zu können. Iemanjá ist die Mutter aller Orixás und half dem obersten Gott Olodumaré (auch: Olofim, Olorun, Elédá, Aláyè, Elémí, Olójó Òní) dabei, die Welt zu erschaffen, bzw. die Orixás zu gebären. „Gott ist Einer, nicht viele; die Erde und all ihre Vielfältigkeit gehört diesem einen Gott, er ist der Schöpfer des Universums; unter Ihm ist eine Hierarchie von Orixás, welche den Auftrag empfingen, die menschlichen Wesen zu dirigieren, die verschiedenen Sektoren der Natur zu administrieren, und als Vermittler zwischen Ihm und den Menschen zu dienen.“4 Der oberste Weltenschöpfer und Gott ist ein deus otiosus. „In keinem Kult wird Ihm in Form von Tempeln oder Priestern geopfert. Er wird nicht Orixá genannt, denn er ist über und unter allen Göttern, ist der Schöpfer aller.“5

Zu Beginn soll gleich darauf hingewiesen werden, daß eine sehr große Bandbreite an Namen der jeweiligen Orixás, wie auch der um sie kreisenden Mythen vorherrscht. Dies kann unter anderem der Durchmischung der versklavten Ethnien zugeschrieben werden. Die katholische Kirche und die Sklavenhändler trennten sowohl die Familien, als auch die Dorfgemeinschaften und Ethnien schon während des Transports voneinander, um Aufständen vorzubeugen.6 „Ein Bahianer des 19. Jahrhunderts erklärte einmal einem fremden Besucher, daß die durchschnittliche Lebensdauer eines Sklaven, nachdem er Afrika verlassen hatte, geringe sechs Jahre betrug. Es war ungewöhnlich für eine Person, länger als zehn Jahre unter den mühsamen Bedingungen der Plantagenarbeit zu überleben.“7 Dies mag zum Teil daran gelegen haben, daß die Sklavenbesitzer sich ausrechneten, daß es weitaus günstiger war, einen Menschen sieben Jahre lang zu Tode zu schinden und anschließend einen neuen zu kaufen, als ihn gut und gesund zu ernähren und sich um ihn zu kümmern.8 Ihre eigene Religion durften die Sklaven nicht praktizieren, sondern wurden christianisiert. Es war unter Strafe verboten, den eigenen Orixás zu huldigen. So entstand ein sehr ausdifferenzierter Synkretismus. Iemanjá wurde mit Maria synkretisiert.9

Aufgrund der Trennung von Familien und Ethnien und der späteren willkürlichen Durchmischung der Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund gibt es eine Varietät von Mythen um Iemanjá, unterschiedliche Versionen, die sich jedoch eher ergänzen und dem Gesamtcharakter der Meeresgottheit untergeordnet werden können, als daß sie einander widersprechen.

Iemanjá hilft dem obersten Gott Olodumaré bei der Erschaffung der Welt. „Der Name setzt sich aus zwei Wörtern und einem Präfix dieser Form zusammen: OL-ODU-MARÈ. OL - ist eine andere Form von ONÍ, dem Präfix des Indikativs von können oder einem Befehl. ODÚ - kann verschiedene Bedeutungen besitzen. Es kann Odú - können - sein; wie ein Adjektiv kann es alles bedeuten oder beinhalten, was „ sehr groß, sehr ausgedehnt ist. (...) MARÉ - kann die Kontraktion von zwei Wörtern sein, die auch auf etwas hinweist, das permanent beständig ist, das sich nicht bewegt oder abschweift, sondern unveränderbar ist.“10 Somit weist der Name bereits auf eine sehr weit ausgedehnte Gottheit hin, die befehlen kann und in sich beständig, unveränderbar ist. „Olodumaré-Olofim lebte einsam im Unendlichen, er sperrte nur das Feuer, die Flammen und die Dämpfe, wo keiner gehen konnte, aus. Sein finsteres Universum langweilte ihn und es langweilte ihn, daß er niemanden zum Sprechen hatte. Es langweilte ihn auch, daß keiner da war, mit dem er streiten konnte und er entschied sich dazu, diese Situation zu beenden. Er entfesselte seine Kräfte und seine Gewalt und verursachte dem Wasser Qualen. Die Wasser sträubten sich und füllten die hohlen Sprünge auf. Die Meere und Ozeane bildeten sich. Auf der Oberfläche des Meeres, neben dem Land, war dessen Herrscherin Iemanjá, mit ihren Algen und Seesternen, Fischen, Korallen, Muscheln und Perlmutt. Dort wurde Iemanjá geboren in Silber und Blau. (...) Iemanjá war verzaubert durch die Erde und schmückte sich mit Flüssen, Wasserfällen und Seen. Und so half sie Oxum, der Herrin des Süßwassers. Als alles fertig gemacht war und alle Natur sich im Besitz eines der Kinder Iemanjás befand, antwortete Obatalá direkt den Befehlen Olorums und schuf die Menschen.“11

Doch wie entstand Iemanjá selbst und wie entstanden die Orixás? Durch die Vereinigung des Himmels - Obatalá - mit der Erde - Odudua - wurden die geschlossene Erde - Aganju - und das Wasser - Iemanjá - geboren. „Die Legende besagt, daß Obatalá (der Himmel) sich mit Odudua (Erde) vereinigte und Aganju (Gestein) und Iemanjá (die Wasser) aus dieser Union geboren wurden, die die Erde und das Wasser formten. Iemanjá heiratete ihren Bruder Aganju und hatte mit ihm einen Sohn, Orugan.“12 Später wurde der Sohn Orungan (auch Orungã) von inzestuösen Phantasien heimgesucht und lauerte seiner Mutter Iemanjá auf. Er wartete die Abwesenheit des Vaters ab und wurde ganz aufgeregt von seinem Kummer, von seiner totalen Verzweiflung. „Iemanjá machte sich los von den Umarmungen ihres inzestuösen Sohnes und floh.“13 Orungã verfolgte seine Mutter. Doch diese wurde während der Flucht ohnmächtig und ihr Körper wuchs und wuchs und nahm gigantische Ausmaße an. „Ihren enormen Brüsten, die wie zwei Berge waren, entsprangen zwei Flüsse, die sich weiter vereinigten in einem einzigen See, und weiter das Meer schufen. Der kolossale Bauch von Iemanjá zerriß und daraus wurden die Orixás geboren: Dadá, die Göttin der Pflanzen, Xangô, der Gott des Donners, Ogum, der Gott des Eisens und des Krieges, Olocum, die Gottheit des Meeres, Olossá, die Göttin der Seen, Oiá, die Göttin des Flusses Níger, Oxum, die Göttin des Flusses Oxum, Obá, die Göttin des Flusses Obá, Ocô, Orixá des Ackerbaus, Oxóssi, Orixá der Jäger, Oquê, Gott der Berge, Ajê Xalugá, Orixá der Gesundheit, Xapanã, Gott der Pocken14, Orum, die Sonne, Oxu, der Mond. Und andere und noch viele andere Orixás mehr wurden aus dem vergewaltigten Bauch Iemanjás geboren. Und am Ende wurde Exu geboren, der Bote. Jedes Kind von Iemanjá hat seine eigene Geschichte, jedes hat seine Macht.“15

Eine andere Version der Geburt aller Orixás durch Iemanjá findet sich in „Seu guia no candomblé“. Gondim zufolge heiratete Iemanjá Olofim-Odudua und gebar zehn Kinder (Orixás). Als sie ihres Gatten müde wurde, streifte sie umher und heiratete erneut. Diesmal den König Okerê. Iemanjá schämte sich ihrer großen Brüste wegen und bat ihren neuen Gatten darum, sie nicht auszulachen. Als Okerê jedoch eines Tages betrunken war, lachte er über Iemanjás große Brüste. Iemanjá flüchtete daraufhin mit einer Flasche, die sie einmal von ihrer Mutter erhalten hatte, um Gefahren fern zu halten. Während der Flucht fiel Iemanjá hin und die Flasche zerbrach. Die Flüssigkeit darin verwandelte sich in einen Fluß, der ins Meer floß. Okerê verwandelte sich in einen Berg, um den Fluß aufzuhalten. Doch Iemanjá bat ihren Sohn Xangô um Hilfe. Dieser sandte Blitzstrahlen, die den Berg spalteten, und dem Fluß den Weg zum Meer frei machten. „Iemanjá sandte Olodumaré einen Schafskopf als Gabe, woraufhin dieser sagte: Einen Kopf brachtest du, ein Kopf wirst du sein (awoyó orí dorí re), deshalb ist sie die Eigentümerin eines jeden Kopfes.“16 Der Kopf eines jeden Menschen wird von zwei oder mehreren Orixás beherrscht. Um herauszufinden, welche Orixás die eigenen sind, kann man zu einer Ialorixá oder zu einem Babalorixá gehen und das „jogo de búzios“, das Muschelorakel, werfen lassen. Die Menschen, deren Orixá Iemanjá ist, sind laut Rita Laura Segato folgendermaßen zu charakterisieren: „Die guten Manieren. Es ist einfach, die Kinder der Iemanjá wegen ihrer Zärtlichkeit auf den ersten Blick aufzudecken. Sie haben gute Manieren und sind freundlich, aber sie sind nicht spontan.“17

Der Mythos um Sedna ist ganz anderer Natur. Während Iemanjá sich von Beginn an im transzendenten Kosmos als Meeresgöttin bewegt - obwohl die ihr begegnenden Probleme nicht immer so unmenschlich sind - lebt Sedna als Inuitkind mit ihren Eltern im Iglu18.

„“Das alte Weib“ ist bei den Zentral- und Osteskimo eine dominierende Gestalt und dürfte die bekannteste aller eskimoischen Gottheiten sein. Sie tritt unter verschiedenen Namen auf. In Grönland heißt sie Arnarquáshaaq19, „das alte Weib“ oder „das majestätische Weib“; auf Baffinland Sedna, „die dort unten in der Meerestiefe“; westlich der Hudson-Bai Nuliajuk, „die liebe Frau (bzw. Gattin)“ usw. Schon Paul Egede (1737) hat von ihrem Hei unten in der Tiefe des Meeres berichtet, wohin der Schamane sich begibt, wenn es oben in der Menschenwelt an Wild mangelt. Sie wohnt, so erzählt er, in einem großen Haus, zusammen mit den Seetieren, den Walen, Seehunden, Fischen und allen Arten von Seevögeln.“20

Es gibt mehrere Mythen um Sedna, die Entstehung der Meeressäuger und des Meeres als neuen Handlungsspielraumes. Allen Mythen gemeinsam ist, daß Sednas Mutter früh stirbt und der Vater21 sowohl jagen, als auch sich um das Kind kümmern muß.

Die Bewerber um das junge, schöne Mädchen nehmen immer mehr zu. Doch Sedna ist an keinem der jungen Männer interessiert. Der Leithund erregt hingegen ihr Interesse. Sednas Pflicht wäre es gewesen, einen jungen Mann zu heiraten, der gemeinsam mit ihrem Vater jagt und sich um ihn im Alter kümmert, doch keiner der Bewerber gefiel dem jungen, hübschen Mädchen. Eines Tages geriet Sednas Vater in Rage. „Du, die du dir keinen Ehegatten nehmen möchtest, weshalb heiratest du nicht meinen Hund?“22 Am folgenden Tag sprach der Vater Sedna erneut darauf an, doch sie schwieg. „In der folgenden Nacht kam ein Mann in die Hütte, der Hosen aus roter Hundehaut trug. Er setzte sich neben das Mädchen und legte sich dann mit ihr hin. Er vollzog Beischlaf mit ihr, und als er am nächsten Morgen die Hütte verließ, schleifte er sie umher, wie Hunde es tun. Es war ihres Vaters Hund, der die Figur eines Menschen angenommen hatte.“23 Nach einer Weile gebar Sedna eine Schar junger Hunde, die eine Menge Lärm machten, während sie aufwuchsen. Da ihn dies störte, nahm Sednas Vater seine Tochter, die jungen Hunde und den Hundevater auf eine Insel. Dort trug Sednas Vater dem Hund auf, dieser solle jeden Tag auf das Festland schwimmen, um Fleisch für seine Familie zu holen.24 „Die junge Frau hängte ein Paar Stiefel um seinen Hals und, nachdem der Vater sie mit Fleisch gefüllt hatte, schwamm der Hund zurück zur Insel. Sie fuhren fort, eine Weile lang auf diese Art zu leben; aber am Ende wurde der alte Mann müde, die jungen Hunde mit Fleisch zu versorgen; und eines Tages, als der Hund herüber kam, füllte er die Stiefel mit Steinen und bedeckte nur den obersten Rand mit Fleisch.“25 Auf halbem Wege zwischen dem Festland und der Insel sank der Hund hinab ins Meer und ertrank. Daraufhin versorgte Sednas Vater sie und die Hundekinder mit Seehundfleisch. Als Sednas Vater sich schließlich beklagte, und ihr sagte, er habe es satt, ihre Hundekinder mit Fleisch zu versorgen, wurde sie wütend und nahm sich vor, den Tod ihres Ehemannes zu rächen.26 „Sie sagte zu ihren Welpen, „Wenn mein Vater zurück kehrt, geht hinab zum Strand und leckt das Blut vom Kajak. Dann attackiert und verschlingt ihn.“27 Die jungen Hunde verfuhren so, wie es ihnen ihre Mutter befohlen hatte. Doch Sedna tat es mit der Zeit leid, daß sie sich nicht um ihre Jungen kümmern konnte und sandte sie hinaus. Sie wurden dann die Stammväter der verschiedenen Ethnien. Die Jungen, die bei ihr blieben, wurden die Ahnen der Inuit.28

Der Hauptmythos der Sedna handelt davon, daß ein junges, schönes Mädchen nicht heiraten möchte. Boas verweist auf einen anderen Mythos, in welchem ein Mann die Insel erreicht, auf welcher Sedna mit ihrem Hund und den Welpen lebt und ihr befiehlt, mitzukommen. „Er sah groß und hübsch aus, und die Frau war sehr zufrieden mit ihm. Sie nahm ihre Tasche, ging zum Kajak und der Mann paddelte mit ihr fort. Nachdem sie eine Strecke zurückgelegt hatten, erreichten sie eine Eisscholle. Der Mann stieg aus dem Kajak aus, auf die Eisscholle. Da bemerkte sie, daß er ein ziemlich kleiner Mann war, und daß er nur den Anschein eines großen Mannes erweckt hatte, da er auf einem hohen Stuhl gesessen war.“29 Nach dieser Entdeckung weinte Sedna. Doch der Mann nahm Sedna mit zu seinem Dorf. Ihr neuer Mann war ein Sturmvogel.30

Währenddessen hatte Sednas Vater, nachdem er seine Tochter vergeblich auf der Insel gesucht hatte, seinen Hund mit nach Hause zurück genommen und ihm befohlen, dort zu warten, da er sich auf die Suche nach Sedna machen wolle. Er fuhr weite Strecken mit seinem Kajak, bis er endlich an Sednas neuem Dorf angelangte. „Er sah viele Hütten und schrie und rief zu seiner Tochter, ohne das Boot zu verlassen, daß sie mit ihm zurück nach Hause kehren sollte. Sie kam aus ihrer Hütte heraus und stieg in des Vaters Boot, wo dieser sie unter einigen Häuten verbarg.“31 Vater und Tochter fuhren eine Weile in ihrem Kajak, als sie plötzlich bemerkten, daß sie verfolgt wurden. Der Sturmvogel bat darum, ihre Hand sehen zu dürfen. Doch Sedna hielt sich versteckt und bewegte sich nicht. Daraufhin weinte der Sturmvogel. Nach einiger Zeit bemerkten die Flüchtenden, daß etwas über ihnen schwebte. Daraufhin erhob sich ein Sturm. Der Vater fürchtete sich vor der Rache des Sturmvogels und warf seine Tochter ins Wasser. Doch diese hielt sich am Boot fest. Daraufhin schnitt ihr der Vater die ersten Fingerglieder ab, die sich im Meer in Wale verwandelten. Da sich die junge Frau noch immer am Boot festhielt, schnitt ihr Vater ihr auch die zweiten Fingerglieder ab. Diese transformierten sich in Walrösser, doch immer noch klammerte sich die Tochter an das Boot. Als der Vater die letzten Fingerglieder abtrennte, verwandelten sich diese in Robben.32 „Nun hing sie am Boot mit den Stümpfen ihrer Hände und ihr Vater nahm sein Steuerruder und schlug ihr das linke Auge aus. Sie fiel rückwärts ins Wasser und er paddelte an Land. (...) Die Frau wurde zu Sedna, die in der unteren Welt lebt, in ihrem Haus, welches aus Stein und Walknochen gemacht ist. Sie hat nur noch ein Auge und kann nicht laufen, sondern rutscht umher, ein Bein nach unten gebogen, das andere ausgestreckt. Ihr Vater lebt mit ihr im Haus und liegt dort mit seinem Zelt bedeckt. Der Hund lebt an der Tür des Hauses.“33

So entstanden die Meeressäuger erst durch Sednas abgetrennte Fingerglieder. Rasmussen schreibt auch von der Entführung Sednas über den Sturmvogel. Laut Rasmussen ist es die Herrscherin der Seetiere auf dem Meeresgrund, die die Menschen in Grönland vor allem fürchten. In einem Interview mit Aua erfährt Rasmussen dessen Version von Sednas Mythos. Sedna lebte auch hier gemeinsam mit ihrem Vater und verschmähte alle Bewerber. Als ihr Vater einmal auf Jagd war, legte ein Mann im Kajak an ihrem Iglu an und rief: „Die nicht heiraten will, soll herauskommen!“34 Daraufhin stieg Sedna zu dem Fremden ins Kajak. Der Mann trug eine Brille und saß hoch im Sitz. Nach einer Weile legte der Fremde an einer Eisscholle an und begann damit, Sedna zu verhöhnen. „Siehst du nun, dass ich auf einem Schemel sitze? Siehst du nun meine Augen? Und das Mädchen sah, dass seine Augen rot und häßlich waren und dass ein kleiner Mann vor ihr stand, der nur groß aussah, weil er auf einem Schemel saß. Sie brach in Tränen aus, aber der Mann verlachte sie. Er war ein Sturmvogel in Menschengestalt.“35 Der Sturmvogel brachte Sedna zu seinem Wohnplatz, einem Zelt welches aus den schwarzen Häuten junger Robben genäht war. Es dauerte nicht lange bis Sedna schwanger war.

Sednas Vater sorgte sich mittlerweile um seine Tochter und machte sich auf die Suche. Während der Sturmvogel auf der Jagd war, fand der Vater seine Tochter Sedna und nahm sie mit in sein Boot Als der Sturmvogel nach Hause kam und sich bald über den Flüchtenden befand, deckte Sednas Vater seine Tochter mit einer Haut zu. Der Sturmvogel schlug derart mit den Flügeln, daß sich ein Sturm entwickelte. Ständig wollte der Sturmvogel die kleinen Hände sehen. Als der Sturm so heftig wurde, daß das Boot zu kentern begann, warf der Vater seine Tochter aus Angst über Bord. Sedna, die sich um den Bootsrand klammerte, schlug der Vater die Finger ab.36 „Als die Glieder ins Wasser fielen, tauchten ums Boot Seehunde auf, und da sie sich immer noch mit den Stümpfen ihrer Hände anklammerte, schlug er mehrere Glieder von den Händen ab; diesmal tauchten bärtige Seehunde und Walrosse auf. Schließlich hatte sie nur noch die Armstümpfe übrig; da konnte sie sich nicht mehr länger festhalten und sank unter. Sie sank auf den Grund des Meeres, dort wurde sie zum Weibe, das über die Seetiere herrscht. Wir nennen sie Takanalukarnaluk (das Weib in der Tiefe).“37

Da der Vater so traurig war, daß er seine Tochter geopfert hatte, ließ er sich von der Flut wegspülen und gelangte so in das unterseeische Reich der Sedna. „Während sich das Mädchen an den Menschen rächt, indem sie ängstlich über alle Fangtiere wacht, liegt ihr Vater auf der Schlafbank und straft alle die Menschenseelen, die hier im Leben gesündigt haben. Sie müssen auf dem Meeresgrund geläutert werden, ehe sie in das Land der Toten kommen.“38

B. Theoretische Grundlagen

Zunächst einmal soll der theoretische Hintergrund, vor welchem argumentiert und erörtert wird, kurz zusammengefaßt werden. In dieser Magisterarbeit wird mit der symbolischen Ethnologie nach Turner operiert. Seinem Begriff der Symbole und Metaphern soll unter anderem unter Verwendung auch der Archetypentheorie von C.G. Jung nachgegangen werden. Außerdem wird in dieser Arbeit mit der Spieltheorie operiert. Es soll versucht werden, einen flexiblen Rahmen zu gestalten, mit dessen Hilfe temporär Schlüsse „abgesteckt“ und „einzufangen“ versucht werden. Mittels der Spieltheorien, die größere Aspekte fokussieren, sollen die kulturellen Zusammenhänge und die soziologischen Aspekte des Spiels und der Spielteilnehmer erfaßt werden.

Der Diskurs wird somit nach zwei Seiten hin geöffnet. Die eine Seite beleuchtet eher tiefenpsychologische Aspekte, die - man könnte auch sagen - phänomenologischer Natur und somit wissenschaftlich schwer haltbar sind, die andere Seite strebt eine höhere Rationalität über Turner und die Spieltheorien an. Dies mag auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen, jedoch wird gerade über die Spieltheorien sichtbar gemacht, wie die Kulte auf einer Spielebene funktionieren, wer was darf und weshalb. Dabei sollen die inneren Regeln aufgespürt werden. Daß es sich hierbei lediglich um eine Modellmöglichkeit unter vielen handelt, versteht sich von selbst. Um dieser strukturorientierten Untersuchung ein Gegengewicht zu setzen, wird auch auf die Archetypen eingegangen. Es ist ein Weg, die Symbole und Metaphern zu interpretieren, auf welche sich diese Arbeit bezieht. Dabei soll vor allem darauf eingegangen werden, wie und wo Symbole wirken. Deshalb wird sich diesen Symbolen und dem Prozeß, in dem sie eingebunden sind, auf mehrere Weisen angenähert. Zum einen auf der Ebene der Wirksamkeit von Symbolen in der Psyche der Menschen, zum zweiten auf der Ebene der Bedeutung der Symbole für die Menschen und als letztes auf der Ebene der Spieltheorie, in welche die Symbole eingebettet sind.

1. Ein kurzer Überblick über die Spieltheorie

Der Begriff Spieltheorie ist ein Konglomerat aus mehreren einander ergänzenden Theorien. Der Mathematiker John von Neumann und der Wirtschaftswissenschaftler Oskar Morgenstern entwickelten die Spieltheorie, doch schon bald bahnte diese sich ihren Weg von der Mathematik über die Philosophie, zur Sprachwissenschaft, Ethnologie und Soziologie. Waren anfangs Gesellschaftsspiele und deren Berechnung im Fokus der Aufmerksamkeit gewesen, so postulierten spätere Wissenschaftler, daß jede menschliche Interaktion auf spieltheoretischem Wege berechnet werden könne. Damit wurde die Definition des Spiels ausgeweitet und läßt sich dann nicht mehr nur in den Worten Huizingas fassen: „Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewußtsein des „Andersseins“ als das „gewöhnliche Leben“.“39

Zu einem Spiel gehören zuerst einmal die Mitspieler und die Regeln, bzw. der sequentielle Ablauf, die Handlungsoptionen, sowie das Spielfeld. Wenn man nun die Spieltheorie auf die beiden Meeresgöttinnen bezieht, dann muß man in beiden Spielen, sowohl bei Sedna, als auch bei Iemanjá, zwischen den menschlichen Spielern und der göttlichen Spielerin unterscheiden. Die menschlichen Spieler sind - im Gegensatz zu den Meeresgöttinnen - nicht im Besitz einer perfekten Information, da sie nur ihren eigenen Typ der Information kennen und bezüglich des Verhaltens der jeweiligen Meeresgöttin probabilistische Erwartungen hegen. „Wenn Information unvollständig ist, besteht das Problem für gewöhnlich darin, daß die Spieler von unterschiedlichem Typ sind mit unterschiedlichen Vorlieben und unterschiedlichem Glauben.“40 Der Schamane, bei den Inuit Angakok41 genannt, hat eine Vermittlerrolle inne und könnte als eine Art Regisseur betrachtet werden. Bei Iemanjá verhält es sich bei den unterschiedlichen Spielen ein wenig anders. Das Spiel der Schenkung, auf welches ich in dieser Magisterarbeit näher eingehen werde, besteht aus den eben genannten Spielerpositionen, doch während eines Candomblés42 kann man bei den menschlichen Spielern noch weiter unterscheiden: Umherstehende, Tanzende, Trommler, Equede43, Babalorixá oder Ialorixá.

a) Das Spielfeld

Das Spielfeld ist der Ort, an welchem das Ritual, bzw. das „Spiel“ stattfindet. Wichtig hierbei ist, daß die Spielfelder, auf denen die Rituale zu den beiden Meeresgöttinnen ausgeübt werden, sowohl real und greifbar, wie etwa das Versammlungsiglu, der Terreiro oder das Meer, als auch virtuell sind, wie etwa die unterseeischen Reiche der Meeresgöttinnen.

(1) Das Spielfeld im Ritual bei Sedna

Das Spielfeld, in welchem Sedna sich bewegt, ist das Meer, bzw. der Meeresboden. Sie lebt dort mit ihrem Vater, ihrem Hundehemann und manchmal auch einem Kind in einer Hütte. Das Spielfeld der Menschen, die Sedna anrufen und ihr Opfergaben darbringen, ist oberhalb des Wassers. Nach erfolgreicher Jagd werden bestimmte Fleischstücke ins Meer oder auf das Eis geworfen. Dies sind Opfergaben an Sedna. Wenn Sedna vom Schamanen und der restlichen Gruppe angerufen wird, so geschieht dies in einem Iglu. Hierfür kann es spezielle Versammlungsiglus geben. Es wird ein Loch in den Boden geschnitten, ähnlich dem Atemloch der Seehunde. Dieses Loch stellt einen Tunnel, eine Verbindung, zwischen der irdischen Welt der Menschen und der ozeanischen Welt Sednas her. Der Schamane begibt sich dann auf die Reise zu Sedna. Manchmal verfolgt ihn Sedna beinahe bis nach oben, dann berühren sich diese beiden Welten.

(2) Das Spielfeld bei Iemanjá: Das Meer, der Terreiro

Iemanjá befindet sich ebenso auf dem Meeresgrund. Die ertrunkenen Seeleute gelangen zu ihr. Bisweilen zieht und lockt sie diese auch sirenenhaft in ihr Reich. Doch ebenso wie das Meer, so ist auch der Strand Iemanjás Domäne. Die Menschen, die ihr Geschenke und Opfergaben darbringen, legen diese entweder an den Strand, oder sie schicken die Geschenke in kleinen Papierbooten aufs Meer hinaus. Beim Jahreswechsel findet in Rio de Janeiro das größte Fest Iemanjás statt, an dem sich Millionen von Menschen an den Stränden versammeln, der Meeresgöttin huldigen und ihr Geschenke hinaussenden. „Der Kult um Iemanjá in Bahia, wie auch in Rio de Janeiro, nähert sich daran an, so phantastisch zu sein, daß es beinahe unmöglich ist, seine Schönheit zu beschreiben. In Rio de Janeiro, ändern sich die Strände der Stadt in der Nacht des 31. Dezembers in Terreiros, wo die filhos-de-santos45 und die Gläubigen aller Rassen der Meeresgöttin huldigen;“4644

Diese Art des Kontaktes unterscheidet sich jedoch von einem Candomblé, der im Terreiro stattfindet. Im Terreiro kann eine Tochter oder ein Sohn der Orixás auch von Iemanjá besessen werden. Man sieht also auch hier verschiedene Schnittstellen zwischen göttlicher und menschlicher Welt. Der Terreiro ist ortsmäßig am weitesten vom Meer entfernt, doch über die Inkorporation der Orixás entsteht eine sehr enge Verbindung auf geistiger Ebene. Das Meer und der Strand sind Iemanjá örtlich näher, und das Gefühl, Iemanjá wirklich geistig näher zu sein, kann auch durch eine Nahtoderfahrung im Wasser erfolgen. Ansonsten ist die geistige Nähe hier geringer als bei der Inkorporation. Die Besessenheit im Terreiro während eines Candomblés ist ja auch unbeabsichtigter, während die gesuchte Nähe zu Iemanjá während des Festes am 31. Dezember eine beabsichtigte ist.

Das jeweilige Spielfeld wurde nun abgegrenzt und es ist deutlich geworden, daß diese Spielfelder mehrere Ebenen haben. Zwar gibt es sowohl bei Sedna als auch bei Iemanjá Überschneidungen, wo sich Göttin und Menschen begegnen können, doch im Prinzip befindet sich das menschliche Spielfeld oben an Land und das göttliche unter Wasser.

b) Die Mitspieler
(1) Bei Sedna

Wenn Sedna über einen Schamanen angerufen wird, was übrigens eine Kunst ist, die den Besten vorbehalten bleibt, und die immer mehr auszusterben droht, dann versammelt sich das ganze Dorf in einem Iglu. Es geht darum herauszufinden, weshalb der Jagderfolg ausblieb. Dafür gibt es nur eine Erklärung, nämlich eine Tabuübertretung, bzw. ein Tabubruch47. Es gibt verschiedene Ausführungen über die Aufgaben, die der Schamane in Sednas Reich unternimmt. Er muß Hürden überwinden und Gefahren überstehen, um am Schluß entweder Sedna zu überreden, die Tiere wieder hoch zu schicken, oder ihr das Haar zu kämmen, um sie vom Schmutz der menschlichen Sünden zu reinigen. Während des Hinabtauchens gibt es diverse Gefahren, die einem Schamanen widerfahren können. „Um diese Ängste nach Art der Inuit auszudrücken, wird der Schamane mit der Gefahr einer unvorhersehbaren Veränderung der Umstände innerhalb seiner Visionen bedroht. Ein Hilfsgeist mag gegen seinen Befehl rebellieren. Ein böser Geist kann ihn attackieren. Er kann die Kontrolle verlieren und den Verlust seiner Seele an einen Geist erleiden. Westgrönländische Legenden erzählen zum Beispiel von Schamanen, die beinahe vom tödlichen Geist Amarsiniook entführt wurden, während sie Seelenflüge unternahmen. Wenn er seinen Weg verliert, kann der Schamane sich möglicherweise an einem Ort wiederfinden, von dem aus er nicht zurückzukehren vermag.“48

Während seines Abstiegs zu Sedna hält der Schamane Kontakt zu den versammelten Menschen im Iglu. Es gibt hier verschiedene Berichte, wie ein solcher Besuch bei Sedna aussieht. Entweder geht der Schamane während eines Rituals, bei dem das ganze Dorf in Dunkelheit anwesend ist, zu Sedna hinab in ihr Reich und bittet sie um Verzeihung für die Tabubrüche, woraufhin jede Person, die sich eines Tabubruchs schuldig gemacht hat vortreten und gestehen muß. Es gibt jedoch auch den Fall, daß Sedna dem Schamanen die begangenen Sünden nennt und der Schamane die Versammelten fragt, ob sie eine solche Sünde begangen haben. Einzelne treten dann hervor und beichten vor der Gemeinschaft ihre Sünden. Es kann vorkommen, daß Sedna dann noch weitere Sünden nennt und die Beichte ins Stocken gerät. Unklar ist jedoch, ob manche unter dem herrschenden Gruppendruck auch Sünden gestehen, welche sie nicht begangen haben, denn sobald alles gestanden ist, ist somit auch die Schuld getilgt, unter der die Allgemeinheit zu leiden hat. Es geht um einen Reinigungsprozeß über die öffentliche Beichte. Die schwersten Sünden begehen die Frauen, denn diese haben mit Geburt, dem Verschweigen von Fehlgeburten, Abtreibungen und mit den Nahrungstabus zu tun, die während der Schwangerschaft, Stillzeit oder der Regelblutung eingehalten werden sollen.49

Man kann also zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Mitspielern unterscheiden. Nichtmenschliche Mitspieler sind: Sedna, ihr Vater und ihr Hundehemann. Menschliche Mitspieler sind: der Schamane und alle Mitglieder der Dorfgemeinschaft. Der Schamane belegt hier natürlich eine Sonderposition, denn er benötigt übernatürliche Kräfte, um diesen Kontakt überhaupt herstellen zu können und besondere Gaben, um die Hürden zu überwinden.

(2) Bei Iemanjá

Wenn man einmal von dem großen Fest der Beschenkung absieht, bei dem jeder, der Iemanjá eine Gabe darbringt, und nur das Spielfeld innerhalb des Terreiros während eines Candomblés untersucht, gibt es hier eine Reihe von unterschiedlichen Mitspielern, die sich in einem hierarchisch geordneten Verhältnis zueinander befinden. An oberster Stelle befindet sich der Babalorixá, der Priester, oder die Ialorixá, die Priesterin. Jedes Terreiro wird von einer Person geleitet. Dann gibt es die Eingeweihten, die einen Initiationsritus vollzogen haben. Sie dürfen um den Altar tanzen und werden von den Orixás besessen. Die Trommler (atabaques), stets drei an der Zahl, geben den Takt und den Rhythmus des jeweiligen Orixá an. Es ist ein Zusammenspiel aus dem Tanz, der die jeweiligen spezifischen Bewegungen der Orixás anzeigt und den Trommelrhythmen, die ebenso für jeden Orixá unterschiedlich sind. Von großer Bedeutung sind auch die Personen, die das Essen für die Orixás vorbereiten und kochen. Unterstellt sind ihnen die Adepten und schließlich die Zuschauer, die sehr selten auch von einem Orixá besessen werden können. Im Prinzip gilt hier die hierarchische Ordnung nach dem jeweils erlangten Initiationsgrad und nach dem Alter. In diesem Konzept wird das Spielfeld nur auf den klassischen Candomblé ausgerichtet, und nicht auf die verschiedenen synkretistischen Formen.

c) Die Spielregeln und die Spielstrategie mit ihren Handlungsoptionen
(1) Bei Sedna

Bei Sednas Ritual ist die kommunikative Zusammenarbeit Teil der erfolgreichen Spielstrategie. Die Bewohner eines Dorfes versammeln sich gemeinsam an einem dafür vorgesehenen Ort. Durch die Voraussendung des Schamanen, der ja - wie bereits zuvor erwähnt - eine besondere Stellung inne hat, wird ein Bindeglied zwischen Sedna und den Inuit hergestellt. Zuerst muß der Schamane Hindernisse überwinden, dann die Lage einschätzen - je nachdem, ob sich Sedna ganz abgewendet und eine Windmauer errichtet hat oder nicht, erkennt der Schamane den Ernst der Lage, bzw. den Grad von Sednas Wut. Daraufhin kann er über eine Annäherung in Kommunikation treten. Dabei arbeiten alle TeilnehmerInnen aktiv mit. Dies zeigt sich beispielsweise bei der öffentlichen Bekanntgabe von Tabubrüchen oder der Einhaltung absoluter Ruhe bei der Rückkehr des Schamanen.

Die BewohnerInnen haben das gemeinsame Ziel einer erfolgreichen Jagd, die sich nur verwirklichen läßt, wenn die Welt sich in einer Balance befindet. Sedna und die Inuit haben zudem das Ziel, die Balance wiederherzustellen und verwenden dafür eine kommunikative und interaktive Spielstrategie.

Die Menschen eines Dorfes versammeln sich gemeinsam mit dem Schamanen in einem Versammlungsiglu oder Sommerzelt. Das Ritual wird in vollständiger Dunkelheit abgehalten. Der Schamane ruft seinen Hilfsgeist oder seine Hilfsgeister an und steigt mit ihnen hinab in das unterseeische Reich der Sedna. Hierzu wurde zuvor ein Loch in den Eisgrund gebohrt, das dem Atemloch eines Seehundes gleicht. Wenn der Schamane dann bei Sedna ankommt, und vor ihrem Haus eine Windmauer errichtet wurde, dann ist sie den Menschen feindlich gesinnt. Der Schamane ist dann dazu aufgerufen, gegen die Windmauer anzurennen und sie dadurch zu zerstören. Das Haus der Sedna gleicht - bis auf das Fehlen eines Daches, um die Menschen besser im Blick zu haben - dem der Menschen.50 „Alle Arten von Fangtieren, Robben, bärtige Seehunde, Walrosse und Wale, sind rechts von ihrer Lampe in einer Wake versammelt, wo sie pustend und atmend daliegen. Nur für Haie hat sie einen anderen Platz, diese leben in ihrem Nachttopf, weswegen auch Haifleisch nach Urin schmeckt.“51 Den Eingang zu Sedna versperrt jedoch ihr Hundehemann, mit dem sie verheiratet war, bevor sie vom Sturmvogel entführt wurde. „Der Hund zeigt die Zähne und knurrt gefährlich wie ein bissiges Tier, das nicht gestört werden will; oft liegt er da und knabbert an den Knochen eines Menschen, der noch lebt. Ohne zu zögern und ohne Furcht zu zeigen, soll der Zauberer ihn zur Seite schieben und ins Haus springen. Hier stößt er auf den Vater, der ihn packen und zu den Seelen sperren möchte, die ihre Sünden büßen. Daraufhin muß er hurtig sagen: „Ich bin noch aus Fleisch und Blut!“, dann geschieht ihm nichts.“52 Bei diesem Satz handelt es sich um einen perlokutionären53 Akt nach Austin. „Ob der perlokutionäre Akt vollbracht wird, hängt also davon ab, ob dank der Äußerung noch etwas Zusätzliches geschieht; ob der illokutuinäre Akt vollbracht wird, hängt nicht davon ab, ob dank der Äußerung noch etwas Zusätzliches geschieht.“54 Aufgrund der Äußerung des Schamanen, daß er noch aus Fleisch und Blut sei, geschieht ihm nichts. Ansonsten hätte Sednas Vater auch seine Seele in das Totenreich gesperrt. Der Ausspruch beschützt damit den Schamanen, indem sie dessen Seele schützt. Es geschieht also eine zusätzliche Tatsache, denn der Ausspruch hat eine Wirkung, der Schamane muß nicht zu den toten Seelen.

„Zum Zeichen ihres Zornes sitzt die Mutter der Seetiere mit dem Rücken zur Lampe, und mit dem Rücken auch zu allen Fangtieren, die sie sonst zu den Küsten hinaufsendet. Ihr Haar, über ihr Antlitz und ihre Augen hinabgespült, ist unordentlich und zerzaust. Sogleich beim Eintritt soll der Geisterbeschwörer sie bei der einen Schulter fassen und ihr Antlitz zu der Lampe und zu den Tieren hinwenden, er soll ihr übers Haar streichen und es freundlich glätten. Er sagt: „Die da oben dürfen den Seehunden nicht mehr an den Vorderflossen aus dem Meer helfen.“ Darauf antwortet die Meeresgöttin: „Eure eigenen Sünden und die Leichtfertigkeit Eurer Weiber mit den Geburten sperrt den Weg.“ Der Zauberer muss jetzt alle seine Kunst aufwenden, um ihren Zorn zu beschwichtigen.“55 Sedna läßt dann - nachdem sie besänftigt wurde - alle Tiere einzeln zu Boden fallen, was einen großen Fang in Aussicht stellt. Anschließend kehrt der Schamane zu seinem Hilfsgeist zurück. Während er zu diesem geht, muß absolute Stille im Iglu herrschen. Schließlich sagt der Schamane: „„Ich habe etwas auszurichten.“ Alle im Hause antworten: „Lass uns hören, lass uns hören!“ Und der Beschwörer fährt in der feierlichen Sprache der Geister fort: „Wort will aufsteigen!“ Und dann müssen alle im Hause den Bruch des Tabus bekennen, dessen sie sich schuldig gemacht haben.“56

Rasmussen beschreibt die Situation so, daß alle mit ihren heimlichen Sünden hervortreten, daß es aber oft die Schuld ganz junger Frauen und Männer ist, unter der das Dorf zu leiden hat. Wenn diese jungen Menschen jedoch weinend hervorträten, dann sei dies ein Zeichen dafür, daß sie gut seien. „Denn im Bekenntnis liegt die Vergebung. Eine große Freude darüber, dass ein Unglück abgewendet ist, erfüllt alle, und man ist ganz sicher, dass es am Tage darauf vor Fangtieren wimmeln wird. Schließlich ist es fast so, dass man denen, die gesündigt haben, dankbar ist.“57 Die versammelten Inuit haben in dieser Situation die Handlungsoptionen zu schweigen oder ihre Tabubrüche vor allen zuzugeben. Die Aktionsmengen der Inuit ähneln somit denen im sogenannten „Gefangenendilemma“58, wo die Gefangenen auch nur die Handlungsoptionen Reden und Schweigen zur Verfügung haben. Die Wahl der jeweiligen Handlungsoption hat auch direkte Auswirkungen auf den Fang, bzw. das Ausbleiben des Fanges, denn wenn die Tabuübertretung bekannt gegeben wird, dann kann Sedna beschwichtigt werden, wird weiterhin geschwiegen, verärgert dies die Meeresgöttin und sie hält die Tiere möglicherweise in ihrem unterseeischen Reich zurück.

(2) Bei Iemanjá

Bei dem Gabenfest in Salvador59 am 2. Februar, auf welches ich mich hier hauptsächlich konzentrieren werde, oder am 31. Dezember in Rio de Janeiro, ist die Spielstrategie nicht so kommunikativ und interaktiv wie bei Sedna. Die Menschen bringen in einer gemeinsamen Prozession Iemanjá Gaben und Geschenke dar. Sie werden in kleine dafür vorgesehene Boote gelegt und auf das Meer gesetzt, oder am Meeresgrund angebracht. Jeder darf Iemanjá ein Geschenk darbringen und es bedarf hierzu nicht unbedingt eines Babalorixás oder einer Ialorixá60.

Die Menschen kommunizieren nicht mit der Meeresgöttin, sondern vollziehen eine einseitige Willensbekundung. Sie bedanken sich bei Iemanjá für den erfolgreichen Fang in der Vergangenheit, bitten um gute Bedingungen und bekunden ihre Verehrung und Demut vor der Meeresgöttin. Iemanjá kommuniziert nur insoweit mit den Menschen, als sie ihre Gaben entweder annimmt oder sie verschmäht. Beim Candomblé ist es auch als Nichtinitiierte, oder Nichtinitiierter möglich, teilzunehmen. Jedoch nur als ZuschauerIn. Es ist üblich, daß die Zuschauer im vorgegebenen Rhythmus mitklatschen und sich auch über körperliche Ausdrucksweisen, etwa das Bewegen der Hüften und Schultern, aktiv daran beteiligen, jedoch ist dies keine Pflicht. Im Gegensatz zu den Inuit, bei denen alle Bewohner eines Dorfes als Teilnehmer involviert sind - hier jedoch der Schamane als Vermittler und die Frauen als potentielle Sünderinnen - mehr als die Männer - gibt es beim Candobmblé weit mehr ausdifferenzierte Abstufungen. Natürlich ist es auch sehr gut möglich, daß bei der vorhandenen Quellenlage und der damaligen Interessenlage der Forscher nicht entsprechend bei den Inuit nachgefragt wurde, denn für den Candomblé gibt es weit mehr Forschungsergebnisse jüngeren Datums.

Wenn nun die Rituale unter anderem spieltheoretisch untersucht werden sollen, ist es zunächst einmal von Bedeutung, was unter der Spieltheorie verstanden wird. Morton Davis definiert die Spieltheorie folgendermaßen: „Die Spieltheorie ist eine Entscheidungstheorie. Sie untersucht, wie Entscheidungen getroffen werden sollten, und wie sie tatsächlich getroffen werden.“61 Die Grundlagen für die Spieltheorie legte John von Neumann, als er 1928 das Minimax-Theorem bewies. „Das Minimax-Theorem besagt, daß man jedem endlichen Zweipersonen-Nullsummenspiel62 einen Wert V zuordnen kann: den durchschnittlichen Gewinn, den Spieler I von Spieler II erwarten kann, wenn beide Spieler vernünftig agieren.“63 Für von Neumann sprechen drei Gründe dafür, daß dieses vorhergesagte Ergebnis plausibel ist:

„1. Für Spieler I gibt es eine Strategie, die diesen Gewinn gewährleistet, und keine Handlung von Spieler II kann verhindern, daß Spieler I einen durchschnittlichen Gewinn von V erzielt. Aus diesem Grund gibt sich Spieler I mit nichts geringerem als V zufrieden.
2. Für Spieler II gibt es eine Strategie, die gewährleistet, daß er nicht mehr als einen durchschnittlichen Wert von V verliert; d.h. Spieler I kann daran gehindert werden, mehr als V zu erreichen.
3. Beim Nullsummenspiel muß Spieler II verlieren, was Spieler I gewinnt. Da Spieler II seine Verluste möglichst gering halten will, ist er motiviert, den durchschnittlichen Gewinn von Spieler I auf V zu beschränken.“64

Wichtig für die Spieltheorie, die sich als Entscheidungstheorie versteht, ist, ob die Spieler miteinander kommunizieren und verbale Übereinkünfte treffen, ob ihnen Informationen zur Verfügung stehen und wenn ja, welche. Wichtig ist außerdem, ob sie Gewinne teilen und bis zu welchem Grad ihre Interessen kollidieren oder übereinstimmen.

Im Jahre 1944 veröffentlichten John von Neumann und Oskar Morgenstern gemeinsam „The Theory of Games and Economic Behaviour“.

[...]


1 „Obwohl sie in Nigeria einen Fluß regiert, glauben die Kubaner (die sie „Yemayá“ nennen) und die Brasilianer (die sie „Iemanjá“ nennen), daß sie das Meer beherrscht.“ Matory 2005:247

2 Turner 1988:56

3 Douglas 2004:79

4 Beniste 2004:27

5 Beniste 2004:35

6 Zur Methode der Versklavung siehe auch: Metzner und Thoss (Hrsg.): „Schwarze Götter im Exil. Fotografien. Pierre Verger.“ 2004 und Roger Bastide: „The african religions of Brazil. Toward a sociology of the interpenetration of civilizations“. 1978

7 Harding 2003:3

8 Vgl. Harding 2003:4

9 “Synkretismus bezieht sich auf die Hybridisierung oder Amalgamisierung von zwei oder mehreren kulturellen Traditionen. Alle Kulturen umfassen eine Varietät von zerstreuten und geliehenen Elementen.(…) Synkretismus verliert viel seiner beschreibenden Präzision und viele mißbilligten den Nutzen dieses Ausdrucks. Er macht am meisten Sinn im Kontext von funktionalistischen Theorien von integrierten sozialen Systemen oder Doktrinen kulturellen Holismuses, die vereinte und gebundene Einheiten voraussetzen, die, unter bestimmten Umständen, als verschmelzend wahrgenommen werden, um neue synkretistische Formationen zu produzieren.” Barnard & Spencer 2004:539

10 Beniste 1997:28 Die Großschreibung orientiert sich an der Quelle.

11 Prandi 2001:380f

12 Salles 1991:24, Vgl. Vallado 2002:19

13 Prandi 2001:382

14 Xapanã heißt auch Omolu.

15 Prandi 2001:382f

16 Gondim 2002:35 Gondim geht auf mehrere Versionen ein. Es gibt sowohl zu den einzelnen Orixás zahlreiche Namen, als auch verschiedene Versionen ihrer jeweiligen Mythen. Doch allen Versionen um Iemanjá ist gemeinsam, daß sie die Mutter aller Orixás ist. Sie unterscheiden sich lediglich in der Art und Weise, wie sie ihnen zu Leben verhalf.

17 Segato 2005:58

18 Zu Mythen über Sedna siehe Boas, Duerr und Rasmussen.

19 Die kursive Hervorhebung orientiert sich an der Quelle.

20 Paulson, Hultkrantz, Jettmar 1962:392

21 Sednas Vater besitzt auch nach Region unterschiedliche Namen. So wird er zum Beispiel Anautalik oder Savironq genannt. Vgl. Boas 1964:178, 179

22 Boas 1901:165

23 Boas 1901:166

24 Vgl. Boas 1901:166

25 Boas 1901:166

26 Vgl. Boas 1901:166

27 Boas 1901:166

28 Vgl. Boas 1901:167

29 Boas 1901:163

30 Vgl. Boas 1901:164

31 Boas 1901:164

32 Vgl. Boas 1901:164

33 Boas 1901:165

34 Rasmussen 2006:80

35 Rasmussen 2006:80

36 Vgl. Rasmussen 2006:81

37 Rasmussen 2006:81

38 Rasmussen 2006:82

39 Huizinga 2006:37

40 Binmore 2007:95 Man kann hier also sagen, daß die unterschiedlichen Spielertypen bei Sedna aus menschlichen, transzendenten Spielern und einem Regisseur, bei Iemanjá - bezogen auf das Gabenfest - aus zwei unterschiedlichen Spielertypen, der Meeresgöttin und den Menschen bestehen. In einem Candomblé müssen natürlich die verschiedenen Initiationsgrade und die Ialorixá, bzw der Babalorixá noch zusätzlich unterschieden werden.

41 Ich halte mich in dieser Magisterarbeit jedoch an den Begriff Schamane

42 Während eines Candomblés sind die Umstehenden, nach Geschlechtern getrennt, auf zwei Seiten des Raumes verteilt. Die Tanzenden, von denen dann der Orixá Iemanjá Besitz ergreift, werden auch als die „Pferde“ der Orixás bezeichnet. Sie wirken nun nicht mehr menschlich, sondern der jeweilige Orixá wirkt über sie. Welcher Orixá sich gerade manifestiert zeigt sich über die Trommelrhythmen der drei am Rand stehenden männlichen Trommler und an den Bewegungen der Tanzenden. Jeder Orixá hat einen eigenen Rhythmus und einen eigenen Tanzstil. „Auf seiner einfachsten Ebene ist der Candomblé die Praxis des Austausches mit den orixás, welche zwischen Olorun, einem entfernten Hochgott, und den Menschen vermitteln.“ Johnson 2002:14

43 Equede bedeutet „wörtlich, im Candomblé, die zweite Priesterin, die sich nicht dreht, deren Funktion darin besteht, sich um die Orixás in Trance und ihre Kultobjekte zu kümmern.“ Vallado 2002:253

44 Ein Terreiro ist der Ort, an welchem die Rituale des Candomblé stattfinden.

45 Die „filhos-de-santos“ sind die Kinder der Heiligen.

46 Salles 1991:58

47 Van Gennep bezeichnet ein Tabu als „ein Verbot, ein Gebot „nicht zu tun“, „nicht zu handeln“ (...) Mit anderen Worten, auch Tabus bringen eine Art des Wollens zum Ausdruck und sind Handlungen, nicht die Negation von Handlungen“. Van Gennep 2005:18

48 Merkur 1985:156

49 Vgl. Boas 1901:120

50 Vgl. Rasmussen 2006:89

51 Rasmussen 2006:89

52 Rasmussen 2006:89

53 Neben einem perlokutionären Akt gibt es noch einen lokutionären und einen illokutuinären Akt. Wenn lediglich der Inhalt der Aussage Bedeutung erlangt, bzw. Inofrmation ausgetauscht wird, dann ist dies ein lokutionärer Akt, wenn jedoch mit einer Aussage etwa gewarnt oder gedroht wird, dann spricht man von einem illokutionären Akt. Vgl. Austin 2002:8

54 Austin 2002:9

55 Rasmussen 2006:89f

56 Rasmussen 2006:90

57 Rasmussen 2006:91

58 In einfacher Form werden zwei Verdächtige getrennt voneinander inhaftiert, um sie dazu zu bringen, zu reden. Jedem Gefangenen wird folgendes Angebot unterbreitet: „Wenn du gestehst und Dein Komplize tut dies nicht, wirst du frei gelassen. Wenn du nicht gestehst, aber dein Komplize schon, dann wirst du angeklagt werden und die Höchststrafe im Gefängnis verbringen. Wenn ihr beide gesteht, werdet ihr beide angeklagt werden, aber die Höchststrafe wird nicht verhängt werden. Wenn keiner gesteht, werdet ihr beide für eine Steuerhinterziehung angeklagt, für welche eine Verurteilung sicher ist.“ Binmore 2007:17

59 Iemanjá steht in einer besonderen Beziehung zu der ehemaligen Hauptstadt Brasiliens, Salvador da Bahia. Hierher wurde ein Großteil der versklavten Menschen für die Zuckerrohrplantagen gebracht. In Salvador befindet sich auch der älteste Terreiro, das casa branca. „Iemanjá ist warhaftig die große Mutter der Stadt Salvador. Genau wie Oxum wird sie viel von den Baianas in ihren Melodien besungen, in welchen von der Sinnlichkeit und der Liebe die Rede ist, die ihr attribuiert werden, immerhin wird Iemanjá immer in der Sprache des Volkes erinnert, welche sie übersetzen als die große Königin des Meeres, das Meer welches Bahia de Todos os Santos badet, die Mutter, die hilft, beschützt und auch straft, sollte dies nötig sein.“ Vallado 2002:168

60 Babalorixá ist der „Priester“, Ialorixá ist die „Priesterin“.

61 Davis 2005:15

62 Bei einem Nullsummenspiel verfolgen die Spieler „diametral entgegengesetzte Interessen“. Vgl. Davis 2005:23

63 Davis 2005:45

64 Davis 2005:45

Details

Seiten
112
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640562688
ISBN (Buch)
9783640562480
Dateigröße
832 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v145300
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Ethnologie
Note
2,3
Schlagworte
Lemanjá Sedna Ansätze Vergleich Meeresgöttinnen Kulturen

Autor

Zurück

Titel: Iemanjá und Sedna. Ansätze eines asymptotischen Vergleichs zweier Meeresgöttinnen aus unterschiedlichen Kulturen