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Bildungstheoretische Didaktik

Seminararbeit 2008 14 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Problemstellung

2. Die bildungstheoretische Didaktik
2.1 Entstehung
2.2 Entwicklung

3. Einflüsse
3.1 Lehr-lerntheoretische Didaktik
3.2 Kritisch-kommunikative Didaktik
3.3 Lernzielorientierte Didaktik

4. Kritische Stellungnahme

LITERATURVERZEICHNIS
Eidesstattliche Versicherung

„Zweifellos ist es ein gewagtes Unterfangen, auf begrenztem Raum in einer Abhandlung, die letztlich auf systematische, wissenschaftstheoretische Argumentationen abzielt, die Entwicklung einer Wissenschaft innerhalb eines Vierteljahrhunderts darstellen zu wollen, um so mehr dann, wenn die zu behandelnde Wissenschaft in diesem Zeitraum tief greifende Wandlungen erfahren hat; eben das aber gilt für die Erziehungswissenschaft.“

Wolfgang Klafki (1971)

1. Problemstellung

Nach Jank und Meyer (1991) wird die Didaktik als die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens definiert. Demnach stellt sich vor allem für angehende Lehrerinnen und Lehrer in Hinblick auf die Zeit nach dem ersten Staatsexamen die Frage nach der Praktikabilität didaktischer Theorien. Um diese Frage beantworten zu können ist es natürlich notwendig die Theorien vor allem im Hinblick auf ihre Hilfestellungen für angehende Lehrer zu kennen.

Gegenstand dieser Hausarbeit ist daher die Entstehung und Entwicklung einer der bedeutendsten Didaktiken des 20. Jahrhunderts: der bildungstheoretischen Didaktik von Wolfgang Klafki. Dies geschieht unter Einbezug der Einflüsse anderer didaktischer Theorien, wie zum Beispiel der lehr-lerntheoretischen, kritisch-kommunikativen und lernzielorientierten Didaktik.

Das folgende Kapitel „Entstehung“ soll dem Einstieg in die Thematik dienen und grundlegende Positionen aus der Zeit vor Klafkis erster Dissertation umreißen. Außerdem soll deutlich werden weshalb Klafki sich überhaupt mit dem Thema der Didaktik auseinander gesetzt hat und inwiefern er von bestimmten Vorstellungen vorgeprägt war. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die „Entwicklung“ der bildungstheoretischen Didaktik von Mitte der 50er Jahre bis hin in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts. Zuerst möchte ich die Grundzüge der bildungstheoretischen Didaktik mit ihrer Entwicklung zur kritisch-konstruktiven Didaktik aufzeigen, um dann später die verschiedenen Positionen auszuwerten, die Einfluss auf die Entwicklung der Theorie Klafkis genommen haben. Außerdem möchte ich die Grundzüge der einzelnen Didaktiken aufzeigen und die grundsätzlichen Absichten verdeutlichen um eine Abgrenzung oder einen direkten Vergleich zur bildungstheoretischen Didaktik zu ermöglichen. Abschließend folgt eine kritische Stellungnahme zur bildungstheoretischen Didaktik aus pragmatischer Perspektive, um die Relevanz von Klafkis Theorie für die unmittelbare Unterrichtspraxis zu verdeutlichen.

Gemäß dem einleitenden Zitat, das von Wolfgang Klafki selbst stammt, schätze ich die Aufgabe die bildungstheoretische Didaktik, die die Erziehungswissenschaft der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitestgehend bestimmt hat, in einer begrenzten Arbeit darzulegen als sehr anspruchsvoll ein und daher werde ich mich bemühen alle wichtigen Grundgedanken zu berücksichtigen. Auf eine detaillierte Darstellung der Positionen, die auf die bildungstheoretische Didaktik Einfluss genommen haben, verzichte ich aus diesem Grund jedoch.

Außerdem hoffe ich während meines Schulpraktikums, das ich parallel zur Hausarbeit absolvieren werde, auch Beobachtungen zu einer möglichen Umsetzung der bildungstheoretischen Didaktik machen und anschließend bewerten zu können.

2. Die bildungstheoretische Didaktik

2.1 Entstehung

Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts hat Wolfgang Klafki mit der Dissertation „Das pädagogische Problem des Elementaren und die Theorie der kategorialen Bildung“ (1957) den Grundstein für die bildungstheoretische Didaktik, auch Didaktik im engeren Sinne[1] genannt, als eigenständige didaktische Theorie gelegt.

Die Entwicklung knüpfte seinerzeit an die Ansätze der geisteswissenschaftlichen Pädagogik an, welche seit 1945 fast ein Jahrzehnt lang die Erziehungswissenschaft geprägt hat. Diese wurde insbesondere von vier Charakteristika gekennzeichnet: Dem Verhältnis von pädagogischer Theorie und Praxis, der „relativen Eigenständigkeit der Pädagogik“, dem historischen Aspekt der Erziehungswirklichkeit und aller pädagogischen Theorien sowie den Quellen und Methoden wissenschaftlicher Erkenntnis. Klafki teilt die Meinung der geisteswissenschaftlichen Position, dass die Pädagogik keine blind anwendbaren Regeln und Techniken für die pädagogische Praxis entwerfen kann und versteht die Aufgabe der Didaktik darin, der Lehrperson lediglich eine Entscheidungshilfe an die Hand zu geben. Ebenso unterstützt er die Auffassung, dass die Erziehung, losgelöst von Einflüssen jedweder Art, den jungen Menschen unterstützen muss sich selbst zu emanzipieren und sich zur Mündigkeit hin zu entwickeln. Laut Klafki verhilft Bildung dem Menschen zu dieser angestrebten Mündigkeit (vgl. Jank/Meyer 1991, S 209). Die Ansprüche von z.B. Inhabern politischer Macht, Vertretern wissenschaftlicher Institutionen oder kultureller Traditionen können nur insoweit wirksam werden, als sie das Ziel den jungen Menschen zur Selbstbestimmung zu erziehen nicht verhindern oder gar ausschließen. So kann man sagen, dass die Emanzipation des jungen Menschen das oberste Ziel ist und dass die Erziehung zur Demokratisierung etwa dieses Ziel nicht verhindern darf. Die Erziehung zur Selbstbestimmung ist schon seit jeher ein zentraler Gedanke der Didaktik, und bereits Philosophen wie Johann Amos Comenius und Rousseau haben sich mit diesem Erziehungsziel auseinander gesetzt. Dem dritten Charakteristikum der geisteswissenschaftlichen Pädagogik schließt Klafki sich ebenfalls an, da auch er erkennt, dass pädagogische Probleme immer vor dem Hintergrund betrachtet werden müssen, dass Menschen auf Grund von „geschichtlich bedingten Vorstellungen, Interessen und Motiven“ (vgl. Klafki 1971, S. 360) handeln. Entgegen der damaligen Kritik an der geisteswissenschaftlichen Pädagogik betont Klafki als viertes Charakteristikum derselben noch einmal die Abhängigkeit der Erfahrung (bei Beobachtungen z.B.) von „Vorentscheidungen, Vorurteilen, [und] spezifischen Situationen“ (vgl. Klafki 1971, S. 362). Er erklärt, dass dieser Aspekt durchaus in der geisteswissenschaftlichen Pädagogik berücksichtigt wurde. Doch auch Klafki erkennt 1971 Schwächen der geisteswissenschaftlichen Pädagogik an, welche letztlich Raum für zwei neue pädagogische Positionen gelassen haben: Den erfahrungswissenschaftlichen Ansatz, welcher den Schwerpunkt auf die Methoden der empirischen Forschung legt, und den gesellschaftskritischen Ansatz. Und letztendlich ist auch seine bildungstheoretische Didaktik daraus entstanden. Der erfahrungswissenschaftliche Ansatz füllt die Lücke aus, welche die geisteswissenschaftliche Pädagogik „im Hinblick auf die Erfassung der jeweiligen Erziehungswirklichkeit“ (vgl. Klafki 1971, S. 368) hinterlassen hat. Dabei ist wichtig, dass Klafki den empirischen Aspekt selbst auch erst später in seine Theorie integriert und nur rückwirkend dessen Bedeutung anerkennt.

[...]


[1] Im Folgenden Didaktik i.e.S. genannt

Details

Seiten
14
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640562664
ISBN (Buch)
9783640562442
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v145296
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
3,0
Schlagworte
Bildungstheoretische Didaktik

Autor

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Titel: Bildungstheoretische Didaktik