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Anorexia nervosa - Symptome, mögliche Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Seminararbeit 2001 32 Seiten

Psychologie - Biologische Psychologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Definition

2. Historische Aspekte

3. Symptome und Folgeerscheinungen
3.1. Allgemeinmedizinisches Gebiet
3.2. Internistisches Gebiet
3.3. Dermatologisches Gebiet
3.4. Zahnärztliches Gebiet
3.5. HNO-ärztliches Gebiet
3.6. Endokrinologisches und gynäkologisches Gebiet

4. Mögliche Erklärungen und Ursachen
4.1. Gesellschaftliche Faktoren
4.2. Familiäre Faktoren
4.3. Feministische Faktoren
4.4. Weitere Faktoren

5. Hilfsangebote
5.1. Ambulante Beratung
5.2. Ambulante Behandlung
5.3. Stationäre Behandlung
5.4. Selbsthilfegruppen

6. Behandlungsangebote und theoretische Orientierungen am Beispiel der Klinik am Korso
6.1. Psychoanalytische Ansätze
6.2. Familientherapeutische Ansätze
6.3. Verhaltenstherapeutische Ansätze
6.4. Weitere Ansätze
6.5. Ergebnisse der Klinik am Korso

7. Fazit

Literatur

Abbildungsverzeichnis

1. Definition

Unter dem Begriff Essstörungen werden im wesentlichen 3 Krankheitsbilder subsumiert: Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Adipositas. Die Angehörigen der 3 Krankheitsgruppen unterscheiden sich beträchtlich hinsichtlich Erscheinungsbild und Psycho­dynamik. Ge­mein­sam ist aber allen Per­sonen mit Essstörungen, dass ihnen aus dem lebensnotwendigen Be­dürf­nis, der existenz­si­chernden Funktion „Essen“, ein psychosomatisches Problem mit er­heb­lichen somatischen, psy­­chischen und oft sozialen Konsequenzen erwachsen ist (Deutsche Haup­tstelle gegen die Suchtgefahren [DHS], 1997, S.7). Auf die Mager­sucht – Anorexia nervosa – gehen wir genauer ein.

„Die Magersucht ist eine psychogene Essstörung mit psychosomatischen Folge­er­schein­ungen, die vorwiegend bei Mädchen und jungen Frauen auftritt“ (Karren, 1990, S.13). „Zentrales Leit­­motiv der anorektischen Personen ist der Wunsch nach extremer Schlankheit, verbunden mit dem Wunsch nach Selbstbestimmung…Typischerweise wird das niedrige Gewicht bei der Anorexia nervosa hauptsächlich durch Hungern und Nahrungs­ver­weigerung herbeigeführt und aufrechterhalten“ (DHS, 1997 S.11–12). „Aufgrund epidem­iol­ogischer Unter­suchungs­er­geb­nisse ist zu vermuten, dass die Entwicklung von Anorexia nervosa durch die besonderen Le­bens­­bedingungen junger Frauen der oberen Mittel- und Ober­schicht in urbanisierten, in­dust­­ri­a­li­sie­rten Regionen begünstigt wird“ (Karren, 1990, S.15). „Die Essstörung manifestiert sich in der Regel zwischen dem 13. und 25. Lebensjahr“ (Karren,­ 1990, S.18). Natürlich gibt es aber auch Fälle, bei denen Frauen anorektisch werden, wenn sie jünger als 13 oder älter als 25 sind. „Anorexia nervosa kommt bei Männern in

5–10% der Fälle vor ...“ (DHS, 1997, S.38). Da die Mehrheit der an Magersucht erkrankten Personen Frauen sind, sprechen wir im Fol­gen­den immer in der weiblichen Form, von der Patientin oder der Anorektikerin.

Diagnostische Kriterien für Anorexia nervosa nach DSM – IV

DSM steht für „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ und ist ein Handbuch von der Amerikanischen Psychiatrie-Gesellschaft. Es ist ein sehr umfangreiches und dif­fe­ren­ziertes Klassifikationssystem für psychische Störungen. In diesem Handbuch werden Kri­te­rien aufgelistet, die erfüllt sein sollen, wenn Magersucht diagnostiziert wird (Pudel und Westen­höfer, 1998, S.219).

Abbildung Nr. 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entnommen aus:

Pudel, V., und Westenhöfer, J.:

Ernährungspsychologie.

Göttingen, Hogrefe,1998, 2., überarb. und erw. Aufl., S.220

Neben dem „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ der American Psychiatric Association gibt es noch ein anderes Klassifikationssystem für psychische Störungen, das das gesamte medizinische Feld umfasst. Herausgeber ist die Welt­gesund­heits­organisation (World Health Organisation WHO), die die International Classification of Diseases ICD publiziert hat.

Abbildung Nr. 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entnommen aus:

Pudel, V., und Westenhöfer, J.:

Ernährungspsychologie.

Göttingen, Hogrefe,1998, 2., überarb. und erw. Aufl., S.220

Die Patientinnen haben eine extreme Angst vor einer Gewichtszunahme und eine daraus re­sul­tierende Zentrierung auf das Körpergewicht, das in den Mittelpunkt des gesamten Fühlen, Denkens und Handelns rückt (DHS, 1997, S.12).

„Sozial wirkt es störend aus, dass die Betroffenen das Essen im Beisein anderer am liebsten ver­meiden. Das führt schließlich zum Rückzug aus weiten Teilen des gesellschaftlichen Lebens, da die meisten Formen geselligen Beisammenseins auch in irgendeiner Weise mit Essen verbunden sind. Das Nichtessen in der Öffentlichkeit geht auch mit dem geheimen Horten oder auch Wegwerfen von Nahrungsmittel einher. Auffällig ist, dass anorektische Frauen und Männer sich gerne mit Nahrungszubereitung befassen, Rezepte sammeln, Koch­bücher lesen und für andere üppige Mahlzeiten zubereiten“ (DHS, 1997, S.12).

2. Historische Aspekte

„In der Literatur wird angenommen, dass die Magersucht seit Jahrhunderten bekannt ist. Es werden Berichte wiedergegeben, die bis in das 2. Jahrhundert u. Z. zurückweisen. Diese Be­ri­chte werden jedoch unterschiedlich interpretiert, so dass mit aller Vorsicht nur von Er­schei­nungs­formen gesprochen werden kann, die auch auf Magersucht hindeuten können.

Übereinstimmend wird festgestellt, dass der englische Arzt Morton im 17. Jahrhundert eine Krank­­heit beschrieb, die wir heute als Magersucht oder Anorexia nervosa bezeichnen. Morton sprach von einer „nervösen Schwindsucht“ und nannte die Hauptsymptome Appetitlosigkeit, Ver­­stopfung, Ausbleiben der Menstruation, extreme Abmagerung und Ruhelosigkeit. Es bleibt aber unklar, welche Ursachen Morton letztlich für die Entstehung dieser Krankheit an­nahm.

Erst der englische Chirurg Gull verwendete um 1880 die Bezeichnung „Anorexia nervosa“ für eine Erkrankung, die er auf psychopathologische Faktoren zurückführte. Etwa zur selben Zeit be­richtete der französische Mediziner Lasègue von einer Krankheit psychischen Ursprungs, die er als „hysterische Anorexie“ bezeichnete. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen ins­bes­ondere im anglo-amerikanischen Raum und in Frankreich, in denen die bereits von Morton ge­nannten Hauptsymptome im wesentlichen bestätigt wurden. Um 1900 herrschte weit­geh­ende­ Einigkeit darüber, dass die Anorexia nervosa eine klar abgrenzbare psychische Er­krank­ung ist.

Etwa 1914 gab es in weitem Ausmaß Verwechslungen mit der sogenannten „Simmondsschen Krankheit“, einer Hypophysenschwäche. Eindeutige Magersuchterkrankungen wurden als Drüsen­­krankheit diagnostiziert. Bis Ende der 30er Jahre wurden Magersüchtige nunmehr med­izinisch behandelt – unter anderem mit der Übertragung von Hypophysengewebe. Mara Selvini Palazzoli äußert ihr Befremden darüber, „dass ein Zustand, der so offensichtlich auf ab­sichtliches Fasten … zurückzuführen ist, jemals als endokrinologisch bedingt angesehen werden konnte“ (Selvini Palazzoli 1982, S.22). Sie legt dar, dass die Verwechslung der beiden Erkrankungen auf der falschen Annahme beruhte, dass die Hypophysenschwäche ur­sächlich zur Abmagerung führe.

Ab 1940 wurde die Magersucht wieder als eigenständige psychische Krankheit mit dem her­aus­ragenden Merkmal Nahrungsverweigerung definiert. In der Folgezeit wurden die Unter­suchungen vorrangig von der Frage nach den zugrundeliegenden psychischen Ursachen ge­leitet.

Trotz der breiten Übereinstimmung über die Zuordnung der Magersucht zu den psychischen Er­krankungen werden nach wie vor auch somatische Aspekte diskutiert, so auf dem Göttinger Kongress „Gestörtes Essverhalten“ im März 1987.

Mit Beginn der 60er Jahre wird eine rapide zunehmende Häufigkeit der Magersucht fest­ge­stellt; Hilde Bruch spricht gar von einer Epidemie. Als mögliche Gründe für die Ausweitung werden Nahrungsüberfluss, das rigide Schlankheitsideal und eine größere Verunsicherung über die Rolle der Frau angegeben (Hamburgische Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V., 1988, S.13 – 14).

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Details

Seiten
32
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638198943
ISBN (Buch)
9783638787765
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14517
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Schlagworte
Anorexia Symptome Ursachen Behandlungsmöglichkeiten Biopsychologie Ernährung

Autor

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Titel: Anorexia nervosa - Symptome, mögliche Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten