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Zur Darstellung von Adoleszenz in ausgewählten Bereichen von Zoe Jenny

Examensarbeit 2002 146 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Adoleszenz
1.1. Physiologische und biologische Aspekte von Adoleszenz
1.1.1. Wachstumsprozesse
1.1.2. Entwicklung primärer und sekundärer Geschlechtsmerkmale
1.1.3. Verarbeitungsprozesse der biologischen Veränderungen
1.2. Psychologische Aspekte von Adoleszenz
1.2.1. Psychosexuelle Stadien während der frühen Kindheit
1.2.2. Phasen der Adoleszenz
1.2.2.1. Präadolenzenz
1.2.2.2. Frühe Adoleszenz
1.2.2.3. Eigentliche Adoleszenz
1.2.2.4. Spätadoleszenz
1.2.2.5. Postadoleszenz
1.3. Jugendsoziologische Aspekte von Adoleszenz
1.3.1. Gesellschaftlicher Wandel
1.3.2. Differenzierung des Jugendbegriffs im gesellschaftlichen Wandel
1.3.3. Veränderte Merkmale von Erziehungs- und Sozialisationsbedingungen in modernen Jugendwelten
1.3.3.1. Familie
1.3.3.2. Gleichaltrigengruppe und Freizeit
1.3.3.3. Sexualität
1.3.3.4. Bildung

2. Der Adoleszenzroman
2.1. Geschichtliche Entwicklung des Adoleszenzromans
2.1.1. Abgrenzung von Bildungs-, Entwicklungs- und Erziehungsroman
2.1.2. Abgrenzung von jugendliterarischen Gattungen
2.1.2.1. Abgrenzung von Jeansliteratur
2.1.2.2. Abgrenzung von problemorientierter Jugendliteratur
2.1.2.3. Abgrenzung von emanzipatorischer Mädchenliteratur
2.1.3. Merkmale des klassischen, modernen und (post)modernen Adoleszenzromans

3. Zur Darstellung von Adoleszenz in ausgewählten Romanen von Zoё Jenny
3.1 „Das Blütenstaubzimmer“ von Zoё Jenny
3.1.1. Inhalt des Textes
3.1.2. Aufbau und Erzähltechnik des Textes
3.1.3. Figurenanalyse
3.1.3.1. Teil I: Psychologische Aspekte der Kindheit und die Vater-Tochter-Beziehung
3.1.3.2.Teil II: Psychologische Aspekte der Phasen der Adoleszenz und die Mutter-Tochter-Beziehung
3.1.4. Soziales Umfeld der Protagonistin
3.1.4.1. Generationsbeziehungen
3.1.4.2. Mädchenfreundschaft
3.1.4.3. Außerfamiliäre-Beziehungen
3.1.5. Fazit
3.2. „Der Ruf des Muschelhorns“ von Zoё Jenny
3.2.1. Inhalt des Textes
3.2.2. Aufbau und Erzähltechnik des Textes
3.2.3. Figurenanalyse
3.2.3.1. Psychologische Aspekte der Kindheit
3.2.3.2. Psychologische Aspekte der Adoleszenz
3.2.4. Soziales Umfeld der Protagonistin
3.2.4.1. Die Protagonistin und die Erwachsenen
3.2.4.2. Die Protagonistin und die Jugendlichen
3.2.5. Fazit

Schlussbemerkung

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Seit den letzten beiden Jahrzehnten folgen zahlreiche Jugendromane verstärkt einem charakteristischen Erzählmuster: dem Adoleszenzroman.

Diese Romanform, deren literaturgeschichtlicher Ursprung ins späte 18. Jahrhundert fällt, thematisiert „die Ablösungs-, Selbstfindungs- bzw. Identitätsprobleme des jugendlichen Menschen.“1 Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zählt der Adoleszenzroman zur Erwachsenenliteratur, seit den 80er Jahren ist er auch als jugendliterarische Form in Deutschland etabliert. Grundlage für die „jugendliterarische Eingemeindung“ des Adoleszenzromans bildet die emanzipatorische Kinderliteraturreform seit Ende der 60er Jahre.2 Im Rahmen des gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses und der kulturellen Veränderungen von Kindheit und Jugend ist es auch für kinder- und jugendliterarische Texte notwendig geworden, darauf zu reagieren und die neuen Problemfelder kritisch zu reflektieren. Die neuen Jugendromane verfügen mehr als die Kinderromane über große zeitgenössische Qualitäten: Sie spiegeln die gesellschaftlichen Wandlungsprozesse3 und die Veränderungen von Pubertät und Adoleszenz sowie von Familien-, Schul- und jugendlicher Freizeitkultur wieder.4

Laut Ewers stellt sich den Autoren beim Verfassen zeitgenössischer Texte demzufolge die Frage nach einer Literatur, die die aktuelle Situation von jungen Lesern adäquat abbildet. Auch Gansel stimmt zu, dass

„das Moment der Authentizität, der Wahrscheinlichkeit, der Wahrheitsfindung an Bedeutung gewinnt.“5

Das Bewusst- sowie Unterbewusstsein von Heranwachsenden realitätsnah darzustellen, kann demzufolge am besten von jungen Autoren erfolgen, die selbst noch einen nahen Bezug zu ihrer eigenen Adoleszenz besitzen. Einen Zugang zu den veränderten Jugendwelten zu finden, ist für ältere Autoren schwierig geworden; eine Rückbesinnung auf die eigene Kindheit reicht bei der Wirklichkeitserkundung nicht mehr aus.6

Eine Literatur, die die Bedingungen von heutigen Jugendwelten gesellschaftsanalytisch thematisiert, bedarf auch einer komplexeren Darstellungsweise der Struktur des Textes. Da die Jugendliteratur in der Öffnung gegenüber dem Adoleszenzroman jedoch zu ersten Mal mit dem modernen Roman in Berührung gekommen ist, muss sie in formaler Hinsicht auf das erwachsenliterarische Erzählmuster zurückgreifen.7 Aus diesem Grund beginnen die Grenzen zwischen jugend- und erwachsenenliterarischem Adoleszenzroman zu verwischen. Die Tendenz der Übernahme von Formen aus der Erwachsenenliteratur hat zu einer gattungstypologischen Ausdifferenzierung sowie zu einer Öffnung des Leserbezugs des Adoleszenzromans geführt.

Gansel macht jedoch auf einen wichtigen Punkt bei der „jugendliterarischen Eingemeindung“ des Adoleszenzromans aufmerksam: Nicht nur der Adoleszenzroman spiegelt das Moderne in der aktuellen Jugendliteratur wieder. Texte, die das Thema der „Adoleszenz“ beinhalten, seien nicht alle unter diesem gattungstypologischen Muster zu subsumieren. Als Folge wäre eine Aufschwemmung der Gattung zu erkennen, die die literaturkritische Unterscheidung unbrauchbar mache.8

Um dies zu vermeiden ist es wichtig geworden, einerseits den Begriff des Adoleszenzromans zu präzisieren, andererseits die gattungstypologische Ausdifferenzierung der Jugendliteratur vorzunehmen.

An dieser Stelle knüpft die vorliegende Arbeit an die Thematik an. Ziel ist, das Muster des jugendliterarischen Adoleszenzromans von anderen gattungstypologischen Mustern abzugrenzen und außerdem die Ausdifferenzierung der verschiedenen Ausprägungen von Adoleszenz innerhalb der Gattung genauer zu bestimmen. Dabei rückt die Form des (post)modernen Adoleszenzromans in den Vordergrund, deren Merkmale herausgearbeitet werden und zur Definierung des Gattungsbegriffs beitragen. In dieser Arbeit gilt es zu analysieren, inwiefern ausgewählte (post)moderne Adoleszenzromane auf den Wandel im Rahmen des gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses und den veränderten Jugendwelten reagiert und dem Aktualitätsanspruch Folge leistet.

Es ist außerdem wichtig zu betrachten, ob und wie die literarische Darstellungsweise auf (post)moderne Bedingungen eingeht.

Zu Beginn der Erarbeitung der dargestellten Intentionen soll die Vorgehensweise dieser Arbeit erläutert werden:

Da der Adoleszenzroman auf inhalts- bzw. stoffbezogenen Merkmalen basiert, soll im ersten Kapitel auf das Wesen von Adoleszenz eingegangen werden. Das Besondere an dieser Lebensphase ist, dass es hierbei immer um ein Wechselspiel zwischen körperlichen, psychischen und sozialen Determinanten geht.10 D.h. also, dass die Gliederungspunkte immer in Bezug zueinander stehen. Aus diesem Grund geht es zunächst darum, die physiologischen und biologischen Aspekte während der Pubertät und den Phasen der Adoleszenz zu erfassen.

Mit den körperlichen Veränderungen gehen psychische Auseinandersetzungen der Heranwachsenden einher, die im Kapitel der „Psychologischen Aspekte von Adoleszenz“ näher betrachtet werden. Die darauf basierende Darstellung der psychologischen Entwicklungsstadien erfolgt unter Berücksichtigung der Geschlechtsdifferenzierung auf der Grundlage des psychoanalytischen „5-Phasen-Modells“ von Peter Blos.11

Anschließend wird der kulturgeschichtliche Aspekt behandelt, denn physiologische und psychologische Prozesse werden durch diesen beeinflusst. Für die Bestimmung von Adoleszenz unter soziologischen Aspekten ist es deswegen wichtig, die jeweiligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu untersuchen und zu schauen, inwieweit sich soziokulturelle Veränderungen seit dem 20. Jahrhundert auf die Lebensformen, -welten und -perspektiven sowie die Verhaltensweisen junger Menschen auswirken. Dies wird anhand einiger Beispiele von veränderten Merkmalen der Erziehungs- und Sozialisationsbedingungen in modernen Jugendwelten konkretisiert.

Mit den gesellschaftlichen Modernisierungen geht eine neue Form von Adoleszenz einher, die nunmehr auch literarisch dargestellt wird. Im zweiten Kapitel geht es darum zum einen um die geschichtliche Entwicklung des Adoleszenzromans und zum anderen um die gattungstypologische Ausdifferenzierung. Dies erfolgt in Abgrenzung zu den Gattungen des Bildungs-, Entwicklungs- und Erziehungsroman sowie in Abgrenzung zu den jugendliterarischen Gattungen der Jeansliteratur, der problemorientierten Jugendliteratur und der emanzipatorischen Mädchenliteratur. In diesem Zusammenhang werden auch definitorische Vorschläge diskutiert. Unter Berücksichtigung von physiologischen, psychologischen und soziologischen Merkmalen von Adoleszenz lassen sich unterschiedliche historische Ausprägungen der Gattung des Adoleszenzromans unterscheiden. Diese werden zum Abschluss des zweiten Kapitels bestimmt.

Auf der Grundlage der herausgearbeiteten Merkmale von Adoleszenz und der dazu inhalts- bzw. stoffbezogenen Gattung werden im dritten Teil dieser Arbeit die Textbeispiele „Das Blütenstaubzimmer“ (1997) und „Der Ruf des Muschelhorn“ (2000) von der jungen Autorin Zoё Jenny analysiert. Ausgangspunkt wird dabei sein, welche literarische Gestaltung Adolesezenz in aktueller Perspektive erfährt. Um herauszufinden, ob die Texte auf der Darstellungsebene zeitspezifische Merkmale aufweisen sowie eine formale Veränderung zeigen, werden sie in Bezug auf die Oberflächenstruktur (Figuren, Handlungen, Episoden, Motive, Bilder) und auf die Tiefenstrukturen (Held, Gegenspieler, Erzählperspektive, semantische und syntaktische Beziehungen)12 untersucht. Eine besondere Bedeutung trägt dabei die Betrachtung der Darstellungsweise der Beziehungen zwischen den jugendlichen und erwachsenen Figuren wie auch das Verhältnis der jugendlichen Protagonisten zueinander.

In der Schlussbemerkung werden die Ergebnisse der Arbeit noch einmal zusammenfassend reflektiert.

1. Adoleszenz

Möchte man den Begriff der Adoleszenz definieren, so muss man diesen unter einer mehrdimensionalen Sichtweise betrachten.

Die Adoleszenz bezieht sich auf die Lebensphase, die den Übergang von Kindheit zum Erwachsenenalter bezeichnet. Der Verlauf dieser Lebensphase muss einmal aus biologischer und physiologischer Perspektive gesehen werden, bei der körperliche Veränderungen einhergehen. Weiterhin spielen psychische und soziokulturelle Aspekte im Verlauf der Adoleszenz eine wichtige Rolle. Aus Sicht der Biologie spricht man bei dieser Lebensphase, in der es um die somatischen Veränderungen geht, von der Pubertät. Aus psychologischer Perspektive betrachtet man vor allem das Erleben und die Auseinandersetzung mit den somatischen Veränderungen. Hierbei wird diese Phase mit dem Begriff der Adoleszenz beschrieben. Im Hinblick auf gesellschaftshistorische Aspekte wird in der Soziologie bei der Adoleszenz von der Jugendphase gesprochen.[1]

Remschmidt geht von einer Adoleszenzphase aus, die mit dem 12./14. Lebensjahr beginnt und etwa mit dem 25. Lebensjahr endet. Die Grenzen gestalten sich sowohl nach unten als auch nach oben offen. Jedoch lässt sich die untere Grenze etwas genauer bestimmen, da man diese bei Mädchen mit Einsetzen der Menarche und bei Jungen mit der ersten Ejakulation ausmachen kann. Die obere Grenze hingegen unterliegt einer größeren Variabilität, die von gegebenen sozialen Kriterien (Berufsausbildung, Familiengründung etc.) abhängig ist.[2]

Ob die Adoleszenzphase eine Übergangsphase zum Erwachsenenalter ist oder als eigenständiger Lebensabschnitt betrachtet werden kann, ist

wissenschaftlich nicht geklärt. Ein Faktor, der nach Remschmidt für die Betrachtung der Adoleszenz als Übergangsphase spricht, ist die Tatsache, dass dieser Zeitraum von jungen Menschen selbst als negativ erlebt wird aufgrund körperlicher, psychischer und oftmals krisenhafter Auseinandersetzung mit der Veränderung des eigenen Körpers. Von dem Jugendlichen wird deswegen ein schneller Übergang in den Erwachsenenstatus angestrebt.[3]

Als weiterer Grund wird das Fehlen von Initiationsriten genannt, die dem Heranwachsenden den reibungslosen Eintritt in die kulturell-gesellschaftliche Welt der Erwachsenen erleichtern. Stattdessen dehnt sich die „Übergangsphase“ ohne sichere gesellschaftliche „Wegweiser“ aus, ohne verbindliche Werte und Normen aufzuzeigen.

Der dritte Faktor, warum Adoleszenz eine Übergangsphase darstellt ist, dass ein Erwachsener immer kompliziertere Funktionen in unserer Gesellschaft wahrnehmen muss und deren Übernahme zunehmend problematischer wird. Um diese Aufgaben verantwortungsvoll zu erfüllen, braucht der Jugendliche mehr Zeit und dementsprechend eine längere Übergangsphase.[4]

Erikson und Eisenstadt schreiben demgegenüber der Adoleszenz den Charakter einer eigenständigen Phase zu. Diese umfasst einen Zeitraum, in dem Jugendliche weder Kind- noch Erwachsenenstatus besitzen, „sondern als Gruppe mit spezifischen Bedürfnissen, Problemen und Sorgen betrachtet werden. In diesem langen Zeitraum haben die Adoleszenten phasenspezifische Verhaltensweisen, Normen, Einstellungen, Gesellungsformen, Rollenverhalten und Konflikte.“[5]

Überwiegend wird in der Literatur aber die Auffassung vertreten, dass die Adoleszenz eine Übergangsphase darstellt.

1.1 Physiologische und biologische Entwicklung in der Pubertät

Der Anfang der Adoleszenzphase ist gekennzeichnet von biologischen Veränderungen im Körper des Heranwachsenden, die wiederum wichtige Voraussetzungen für alle folgenden Entwicklungsprozesse sind. Die Pubertät besteht aus vielen Prozessen und ist somit ein komplexer Vorgang.

Dieser vollzieht sich über drei Merkmalsgruppen, welche ich im nächsten Kapitel ausführlich darstellen werde. Fend legt die Merkmalsgruppen folgendermaßen fest:

1. Wachstum wie Größe, Gewicht und Körperproportionen
2. Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale wie Brustentwicklung, Schambehaarung, Stimmveränderung, Bartwachstum, Körperbehaarung
3. Entwicklung primärer Geschlechtsmerkmale (wie Penis und Hoden bzw. der Gebärmutter) und sexuelle Reifung im Sinne der Menarche und Spermarche.[6]

Der gesamte biologische Reifungsprozess liegt zwischen vier und zehn Jahren.[7]

Bei Mädchen beginnt die klassische Phase körperlicher Veränderungen etwa zwischen dem neunten und zwölften Lebensjahr.[8]

In der Regel beginnt die Pubertät bei Jungen zwei Jahre später als bei Mädchen und ist am Ende des zweiten Lebensjahrzehnts abgeschlossen.

Mit der Summe an biologischen Entwicklungsprozessen gehen psychische und soziale Veränderungen des Menschen in dieser Lebensphase einher. Der Jugendliche muss lernen, mit seinem sich ändernden Körper zurecht zu kommen, wobei nicht selten Unsicherheiten und krisenartige Konflikte mit sich selbst und der Umwelt entstehen. Darauf soll in dieser Arbeit später noch einmal konkret eingegangen werden.

Zunächst werden die drei wichtigsten puberalen Prozesse beschrieben.

1.1.1 Wachstumsprozesse

Durch endokrine (d.h. hormonell bedingte) Steuerung erfolgt einerseits die Entwicklung der Geschlechtsreife, andererseits eine Veränderung des Menschen hinsichtlich Größe, Körperkraft, Gewicht und den verschiedenen Organsystemen. Nach Fend sind der Wachstumsschub und die Reifung der Fortpflanzungsorgane wichtige Phänomene während der Pubertät.[9]

Remschmidt konstatiert mit dem Wachstumsschub den Beginn der Pubertät.[10] Jungen wachsen in der Pubertät ca. 9,5 cm, Mädchen 8 cm pro Jahr. Zwischen dem 16. und 19. Lebensjahr fällt das jährliche Wachstum ab und erreicht sein Ende. Das Pubertätswachstum erfolgt in Schüben und beginnt bei Mädchen zwei Jahre früher als bei Jungen. Mädchen erreichen nicht die gleiche Größe wie Jungen. Der Größenunterschied zwischen Mann und Frau beträgt etwa 12-13 cm.[11]

Genauso wie die Körpergröße verändert sich während der Pubertät auch das Körpergewicht. Durch Auf- und Ausbau des Skeletts, der Muskeln, der inneren Organe und des Fettgewebes erfolgt eine Gewichtszunahme.[12]

Infolge des Gewichts- und Längenwachstums verändern sich auch die Körperproportionen drastisch. Nach Fend erfolgt eine unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeit von Rumpf und Beinen, was zu bekannten Erscheinungsformen der „Pubeszentendisharmonie“ führt.[13] Körperproportionen verändern sich in einer bestimmten Reihenfolge: Zuerst wachsen Hände und Füße, dann Hüften, Brust, Schultern und am Ende der Rumpf. Gesichtsknochen wachsen rascher als der Rest des Schädels, was in der Pubertät oft zu ungleichmäßigen Gesichtsproportionen führen kann (z.B. eine lange Nase).[14]

Während des Wachstumsprozesses sind die Veränderungen der Proportionen bei Jungen deutlicher erkennbar als bei Mädchen. Bekommt der Junge im Gegensatz zum Mädchen breitere Schultern, längere Arme und ein schmaleres Becken, so sind beim Mädchen breite Hüften und, im Vergleich zum Rumpf, kürzere Beine prägnant. Außerdem unterscheidet sich die Entwicklung des Fett- und Muskelanteils. Beim Mädchen vergrößert sich der Fettanteil, was mit den bestehenden Schönheitsidealen zusammenstoßen und die Heranwachsende in ihrem positiven Selbstbild erschüttern kann. Beim Jungen dagegen entwickelt sich eine größere Körperkraft.

Bei der motorischen Entwicklung lässt sich feststellen, dass Jungen grobmotorisch geschickter sind, Mädchen hingegen sind feinmotorisch besser ausgebildet.[15]

1.1.2 Entwicklung primärer und sekundärer Geschlechtsmerkmale

Die Entwicklungen primärer und sekundärer Geschlechtsmerkmale unterliegen einer altersgemäßen Variabilität. Sie folgen aber in relativ konstanter Weise aufeinander.

Bei Mädchen beginnt die Pubertät mit der einsetzenden Pubesbehaarung. Nach Hagemann-White ist die erste Menstruation nicht der Beginn der Pubertät, sondern stellt eher den Abschluss der Veränderungsphase des Körpers dar. Der Wachstumsschub ist somit mit Einsetzen der Menarche beim Mädchen oft schon beendet.[16]

Merkmale zur Beurteilung der sexuellen Reifung sind außerdem das Wachstum äußerer Genitalien, die Erhöhung der Sensibilität für erotische Reize sowie die beginnende Brustentwicklung. Die Menarche setzt in europäischen Ländern etwa mit dem 13. Lebensjahr ein. Bei Mädchen in den USA ist die erste Menstruation in den letzten Jahren auf ein Lebensalter von 12,3 Jahren gesunken. Viele Mädchen erleben ihre erste Menstruation schon mit elf Jahren oder früher.[17] Faktoren für das Einsetzen der Menstruation unterliegen genetischen Bedingungen sowie der Ernährungsweise, Wohnortlage, sozialen Bedingungen, Reizzufuhr und klimatischen Umständen.[18]

Etwa zwischen dem 12. und 13. Lebensjahr wachsen auch die inneren Genitalien beim Mädchen. Uterus und Vagina werden größer. Die Ovarien reifen aus. Der Endpunkt einer Entwicklung ist nach Hagemann-White die Fruchtbarkeit. Der erste Eisprung wird jedoch nicht bewusst wahrgenommen.[19]

Eine zeitliche Abfolge des Reifungsprozesses ist bei Jungen ähnlich wie bei Mädchen erkennbar. Die Pubertät beginnt bei Jungen ca. zwei Jahre später als bei Mädchen. Zunächst beginnt das Wachstum der Hoden, gefolgt von der Pubesbehaarung und dem Peniswachstum. Auch beim männlichen Geschlecht vergrößert sich in geringem Maße die Brust. Etwa ein Jahr nach Beginn des Hodenwachstums, ca. zwischen dem 9. und 15. Lebensjahr, erfolgt die erste Ejakulation. Damit setzt auch beim männlichen Jugendlichen die Fortpflanzungsfähigkeit ein. Andere Veränderungen, die die sekundären Geschlechtsmerkmale beim Jungen betreffen, sind die Axillarbehaarung und der Bartwuchs im Gesicht, der Stimmbruch, der aufgrund der Vergrößerung des Kehlkopfes auftritt, und eine Veränderung der Haut, die sich allerdings auch beim Mädchen bemerkbar macht.[20]

Die Reifungsabläufe bei Mädchen und Jungen sind nicht konstant, sondern in zeitlicher, wie auch in geschlechtsspezifischer Sichtweise individuell verschieden. Die sogenannten „Frühentwickler“ weisen schon sehr zeitig pubertäre Entwicklungsmerkmale auf, nicht selten treten aber auch „Spätentwickler“ auf, die erst mit 15/16 Jahren ihre ersten pubertären Veränderungen durchleben.

Abschließend soll darauf hingewiesen werden, dass der Reifungsprozess bestimmten Einflüssen unterworfen ist, auf die im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingegangen werden kann. Zusammengefasst sind dies genetische, klimatische, ernährungsphysiologische und sozioökonomische Einflüsse, die sich im Wandel der Zeit und in unterschiedlichen Kulturen verändern und somit auch andere Bedingungen für die menschliche Entwicklung darstellen.

1.1.3 Verarbeitungsprozesse der biologischen Veränderungen

Die Adoleszenzphase bezeichnet also den Eintritt in das Erwachsenenalter. In dieser Zeit unterliegt der junge Körper einer Vielzahl von Veränderungen, bei der die körperliche wie auch sexuelle Reifung eine wichtige Bedeutung trägt.

Der Körper verändert sich zwar schon im frühen Kindesalter, Säuglinge bzw. Kinder besitzen jedoch noch nicht die Fähigkeit, ihren Körper bewusst wahrzunehmen und Veränderungen zu beobachten. Die Bedeutung des eigenen Körpers und die Einstellung dazu nimmt in der Pubertät ganz andere Dimensionen ein: Jugendliche bekommen einen „neuen Körper“ und müssen lernen ihn zu entdecken, zu akzeptieren und „zu bewohnen“. Auch müssen die Heranwachsenden mit der eigenen Geschlechtlichkeit zurecht kommen, die sie noch nie zuvor so massiv gespürt und erlebt haben.[21] Im Folgenden ist es also auch wichtig zu klären, wie Jugendliche ihre körperlichen Veränderungen verarbeiten und ob Schwierigkeiten oder Störungen während dieses Prozesses auftreten können.

Remschmidt beschreibt wichtige Gründe, warum Jugendliche der Veränderung des eigenen Körpers derart große Bedeutung zumessen. Zum einen steigert sich die Aufmerksamkeit von außen: Der Heranwachsende beginnt zu „reifen“ und somit wird erwartet, dass er neue Aufgaben und Normen erfüllt, die einen Druck auf ihn ausüben. Zum anderen wird sich der Jugendliche darüber bewusst, dass die Adoleszenz eine begrenzte Zeitspanne umfasst, deren Endgültigkeit mit dem Erwachsen-Sein festegelegt ist. Infolgedessen tritt die Bestrebung auf, sich so gut wie möglich zu entwickeln, sich demzufolge mit anderen zu messen und den eigenen Körper verstärkt zu beobachten. Auch die Bewertungen und Beobachtungen von außen sind für den Jugendlichen wichtig, denn er selbst hat oft nur unzureichende Vorstellungen vom Verlauf der Pubertät und der Individualität der Körperentwicklung. Die Unkenntnis darüber kann schließlich zur Überbewertung von Normabweichungen während der körperlichen Veränderungsphase führen, was eine massive Besorgnis und Konzentration auf jede kleinst mögliche Disproportionierung hervorrufen kann.[22] Die Selbsteinschätzung, die mit dem Vergleich der anderen Altersgenossen einhergeht, ist somit zentraler Punkt in der Pubertät und kann in Ängsten und Überbewertungen münden. Fend weist darauf hin, dass es durch die heutige Propagierung von Idolen in den Massenmedien, sei es in Jugendzeitschriften (Girl, Bravo etc.) oder Jugendsendungen auf Fernsehkanälen wie MTV oder VIVA, für den Jugendlichen nicht gerade einfach ist, Körperdisharmonien während der Pubertät zu akzeptieren. Hier wird nämlich ein perfektes, schlankes, sportliches und attraktives Schönheitsideal entworfen.[23] Der Vergleich mit anderen Jugendlichen kann aus diesem Grund in der Pubertät positiv gewertet werden, da den Adoleszenten so die große Bandbreite an körperlichen Variationsmöglichkeiten aufgezeigt wird. Dieser positive Vergleich kann andererseits auch ins Gegenteil umschlagen, wenn nicht erkannt wird, welche Veränderungen im Bereich der Normalität liegen. Oft treten dann innere Konflikte auf, die zu Aggressionen, Depressionen oder gar psychopathologischen Auffälligkeiten führen können. Die Hypersensibilität richtet sich bei Jugendlichen vor allem auf die Körpermerkmale, die sich am bedeutsamsten während der Pubertät verändern. Remschmidt beschreibt, dass sich die besorgniserregende Betrachtungsweise vor allem auf Größe, Gewicht, Körperwachstum, Proportionen, Haare, Gesichtsproportionen, Verhalten und Bewegungen richtet. Je nach Normvorstellung herrschen in unterschiedlichen Kulturen jedoch andere Schönheitsideale, außerdem setzen Jungen und Mädchen unterschiedliche Schwerpunkte beim Beurteilen ihrer Körpererscheinung.[24]

Bei Jungen stehen männliche Schönheitsideale wie eine muskulöse Figur, große Körperkraft und Sportlichkeit im Vordergrund. Bei Mädchen wird mehr auf ein gute Figur, Haare, Haut und Gesicht geachtet. Sowohl Jungen als auch Mädchen können von der in der Pubertät häufig auftretenden Akne betroffen sein, an deren Folgen sie gleichermaßen leiden. Disproportionierungen wie eine zu lange Nase, hervorstehende Hüftknochen, zu breite Hüften oder Arme, die im Vergleich zu den Beinen zu lang wirken, beunruhigen beide Geschlechter. Dass die unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeit für solche Proportionsverschiebungen verantwortlich ist, die sich später von alleine ausgleicht, wissen viele Jugendliche nicht. Mehr Aufklärungsarbeit in Familie und Schule würde Ängste und Befürchtungen im Bezug auf das veränderte Aussehen der Jugendlichen sicherlich abbauen.

Im Gegensatz zu Mädchen achten Jungen vor allem auf ihre primären Geschlechtsmerkmale. Die Größe des Penis und der Hoden wird mit Männlichkeit und Potenz gleichgesetzt. Sekundäre Geschlechtsmerkmale sind für Jungen und Mädchen gleichsam bedeutend. Reagieren Jungen stolz auf äußere Merkmale des „Mann-Seins“, so sind Mädchen eher verschämt und neigen dazu, ihre Brustentwicklung zu verhüllen.

Für Mädchen ist im Gegensatz zur Betrachtung der primären Geschlechtsorgane, die bei ihnen im Körperinneren liegen und nicht sichtbar sind wie beim Jungen, die Menarche ein einschneidendes Erlebnis. Sind die Mädchen nicht genügend darauf vorbereitet, können enorme Ängste und Unsicherheiten im Umgang damit entstehen. Setzt die Menstruation erst spät ein, löst dies wiederum ein Gefühl des „Nicht-Normal-Seins“ aus. Die Menarche wird mit sexueller Reife gleichgesetzt, überwiegend jedoch negativ gesehen, da sie Einschränkungen im Alltag und die Möglichkeit der Schwangerschaft mit sich bringt. Ob Mädchen ihre Menstruation als positiv oder negativ empfinden, hängt oftmals eng mit einer gelungenen Identifikation der ihnen bestimmten Weiblichkeit und Gebärfähigkeit zusammen. Wichtige Vorraussetzung dafür, wie ein Mädchen auf seine erste Menstruation reagiert, ist das Verhältnis der Mutter zu ihrer eigenen Körperlichkeit. Negative Einstellung oder Tabuisierung der weiblichen Genitalität erschweren der Jugendlichen einen Zugang zu den Veränderungen ihrer Körperwelt zu finden und diese positiv zu bewerten.[25]

Eine ebenfalls zentrale Rolle spielt für die weiblichen Jugendlichen die Beobachtung des Gewichts. Mädchen nehmen in der Pubertät ca. 11 kg an Körperfett zu. Wollen sie jedoch dem propagiertem Schönheitsideal entsprechen, müssen sie diesem biologischen Vorgang extrem entgegenwirken.[26] Die Diskrepanz zwischen dem vorherrschenden Schönheitsideal und den biologischen Voraussetzungen erschwert vielen Mädchen während der Pubertät, ihren Körper positiv zu akzeptieren. Viele Mädchen achten zu sehr auf die Bewertungen anderer, was zu einem negativen Selbstbild und zu einer verfälschten Sichtweise des eigenen Körpers führen kann, fallen die Bewertungen schlecht oder herabsetzend aus. Wird die Selbstunsicherheit nicht rechtzeitig eingedämmt, kann es zu gestörtem Essverhalten in Form der Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa kommen.[27]

Ob sich ein Jugendlicher früh oder spät entwickelt, spielt vor allem in koedukativen Klassenverbänden während der Adoleszenz eine große Rolle. Nach Fend haben Frühentwickler den Nachteil, dass ihnen relativ wenige Informationen über die Reifung ihres Körpers zur Verfügung stehen. Infolgedessen fühlen sie sich oft alleine und unverstanden. Andererseits genießen sie jedoch den Vorteil, Ansehen zu gewinnen und den anderen gegenüber einen gewissen „Vorsprung“ zum Erwachsenenstatus zu besitzen.

Spätentwickler haben den Vorteil, schon bei Altersgenossen die Auswirkungen der pubertären Veränderungen beobachten zu können und sind demzufolge darauf vorbereitet. Eine Verzögerung der Pubertät kann aber auch die Angst mit sich bringen, nicht „normal“ zu sein und den anderen „hinterher zu hinken“.[28] Generell gilt demzufolge, dass die enorme Variabilität des biologischen Entwicklungsablaufes Belastungen, aber auch Chancen für den Jugendlichen enthalten kann.

Rückblickend wird deutlich, dass die Pubertät im Leben eines Adoleszenten eine wichtige Rolle spielt. Mit den körperlichen Veränderungen beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Die Kluft zwischen Kindheitserfahrungen und neuen Lebensorientierungen führt nicht selten zu Entwicklungsstörungen. In der intensiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und bewertenden sozialen Reaktionen von außen kann es bei Mädchen zu psychopathologischen Auffälligkeiten wie z.B. Depressionen und bei Jungen zu unausgeglichenen Verhaltensauffälligkeiten kommen. Im Folgenden ist es wichtig zu betrachten, welche psychologischen Phasen die Adoleszenten durchschreiten und welche Bedeutung die Selbstfindung dabei spielt. Die „Einstellung gegenüber der eigenen Person“[29] stellt nämlich nach den körperlichen Veränderungen den nächsten Schritt im Übergang zum Erwachsenenstatus dar.

1.2 Psychologische Aspekte von Adoleszenz

Die folgende Darstellung der psychologischen Entwicklung während der Adoleszenz erfolgt auf der Grundlage des psychoanalytischen Ansatzes. Besonders durch diese Theorie werden die Vorstellungen von der Jugendphase als Krisenzeit bestimmt. Hier geht es um das „Drama“ der Adoleszenz, welches maßgeblich von der Beziehung zwischen Eltern und Adoleszent (Kind) geprägt ist. Die Entwicklungsaufgabe der Adoleszenz besteht vor allem darin, „neue Sexualziele und die damit verbundenen Charakterveränderungen erreichen zu wollen und zu können.“[30] Es geht darum, die engen emotionalen Bindungen zu den ersten Liebesobjekten, den Eltern, rückgängig zu machen, um somit außerfamiliäre, heterosexuelle Beziehungen eingehen zu können. Es erfolgt ein Prozess der Verwandlung des Kindes zum Erwachsenen, welcher „ein oft gewaltsamer Prozess mit Höhen und Tiefen, mit Rückschlägen und Fortschritten“[31] ist. Aber der harte Kampf der Ablösung wird als gesund und normal angesehen. Eine Verweigerung und nicht rebellisches Verhalten in dieser Phase würde einen Entwicklungsstillstand oder Regression bedeuten.[32] Demzufolge ist Adoleszenz zwar eine Krise, die aber einen Reichtum an freier psychischer Energie bedeutet und für eine sich erweiternde Ich-Funktion charakteristisch ist.[33]

Freud beschreibt in seinen „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ eine Zweizeitigkeit der sexuellen Entwicklung.[34] Der erste Triebschub erfolgt nach ihm in der frühen Kindheit. Zu diesem Zeitpunkt konnte die sexuelle Entwicklung jedoch noch nicht abgeschlossen werden. Diese Aufgabe muss nun der zweite Triebschub der Pubertät leisten. Somit besitzt die Adoleszenz nicht nur Krisencharakter, sondern in ihr wird auch „’die zweite Chance’ für die seelische Entwicklung des Menschen“[35] gesehen. Eissler fasst diese zweite Chance folgendermaßen zusammen:

„Die Pubertät gewährt dem Menschen eine zweite (und in den meisten Fällen letzte) Chance. Sie gewährt ihm eine Frist, die Lösungen, die er während der Latenzzeit[36] in direkter Reaktion auf den ödipalen Konflikt gefunden hat, zu revidieren. Vielleicht kann man diesen Prozess mit einer Verflüssigung vergleichen. Gewiss sind beim Pubertierenden auch regressive Züge zu beobachten, ich ziehe es aber vor, das Freiwerden von Kräften, die an Strukturen gebunden waren, und die darauffolgende Reorganisation neuer Identifizierungen und der Besetzung neuer Objekte hervorzuheben.“[37]

Im Weiteren wird auf die Phasen der Adoleszenz eingegangen, die von Blos als eine Entwicklung von mehreren ineinandergreifenden Schritten anhand des psychoanalytischen Modells unterschieden werden.

Wie bereits erwähnt, läuft die sexuelle Entwicklung des Menschen in zwei Phasen ab. Es ist demzufolge wichtig die erste Phase, die in die Zeit der frühen Kindheit fällt, darzustellen und dann auf die zweite Phase, die mit der Pubertät beginnt, einzugehen.

1.2.1 Psychosexuelle Stadien während der frühen Kindheit

Freud vertritt die Sichtweise, dass sich der „seelische Apparat“ vom Säuglingsalter an weiterentwickelt. Antriebskraft des genetischen Triebschicksals ist die Libido[38], die sich im Laufe der menschlichen Entwicklung verschiebt.[39]

Das erste psychosexuelle Stadium dauert bis zum 1 ½. Lebensjahr an. Die Lustzone liegt hierbei im oralen Bereich. Die sogenannte „orale Phase“ ist die primäre Form der Weltzuwendung, die über Nahrungsaufnahme und Kontakte mit dem Mund erfolgt. Frustration oder Befriedigung führen zu ersten Phantasien und Wahrnehmungsbildern.

Die „anale Phase“ betrifft den Abschnitt zwischen dem 1 ½. und 3. Lebensjahr. Die Lustzone verschiebt sich nun in den analen Bereich. Zurückhalten-Können und Ausstoßen wird nun als libidinös erlebt.

Mit dem 3. Lebensjahr beginnt eine erneute Verschiebung der Libido während der sogenannten „genitalen“ oder „ödipalen Phase“. Die Lustzonen betreffen jetzt erstmals soziale Objekte, die Gegenstand des bekannten „Ödipuskomplexes“ sind. Hierbei fühlt sich das Kind zum gegengeschlechtlichen Elternteil hingezogen. Für den Sohn wird der Vater zum Konkurrenten, er reagiert sogar mit Eifersucht auf dessen Beziehung zur Mutter. Diese Tatsache löst jedoch Schuldgefühle bei dem Sohn aus, die durch eine imaginäre Kastrationsangst durch den Vater begleitet werden. Aus dieser Angst heraus versucht er sich mit dem Vater zu identifizieren, wobei eine Übertragung der väterlichen Normen auf den Sohn erfolgt. Freud bezeichnet diese „psychische Strukturbildung“ als „Überich“, den „unbewussten Lustinduktionsbereich“ als „Es“. Kontrollinstanz der äußeren Bedingungen der Triebbefriedigung ist das „Ich“.[40]

Für das Mädchen bedeutet der Ödipuskomplex zunächst auch, dass die Mutter als erstes Liebesobjekt angesehen wird. Für Mädchen beginnt der Ödipuskomplex also „negativ“, d.h. mit homosexuellen Strebungen, für Jungen hingegen „positiv“, d.h. mit heterosexueller Ausrichtung.“[41] Zwar muss das Mädchen seine identifikatorische Beziehung noch nicht so schnell aufgeben wie der Junge, aber durch das „homosexuelle Tabu“ bedeutet es schon bald für das Mädchen, sich zum Begehren des Vaters hinzuwenden. Helene Deutsch betrachtet den Ödipuskomplex aus dieser Perspektive als „bisexuelles Dreieck“.[42]

In der folgenden Latenzphase (6.-11. Lebensjahr) tritt die Libido in den Hintergrund. Das Kind erscheint entsexualisiert. Die Latenzperiode wird als Übergang zwischen früher Kindheit und Pubertät betrachtet. Anna Freud (1936) beschreibt diese Periode folgendermaßen:

„Die vollkommene Abhängigkeit von den Eltern hört auf, und die Identifizierung tritt an die Stelle der Objektliebe.“[43]

Die Latenzperiode gilt als wichtige Voraussetzung für die Phasen der Adoleszenz. Blos sieht diese Zeit als Vorbereitung auf die vermehrte Triebzufuhr in der Pubertät. In der Latenzperiode selbst entsteht jedoch kein neues Triebziel, das Kind lernt seine Triebe zu beherrschen.[44]

Erdheim betont ebenfalls, dass sexuelle Strebungen während der Latenzzeit verdrängt werden. Es erfolgt eine stärkere Innenwendung des Kindes.[45] Somit bildet sich das Gefühl der Selbstachtung in dieser Phase besonders aus. Zwar besteht noch immer eine Abhängigkeit von der Familie, aber auch Fend beschreibt, dass sich das Ich nun „differenzieren und entfalten“[46] kann. Ebenso wie die Stärkung des Ichs prägen sich geistige, soziale und motorische Fähigkeiten aus, die zum narzisstischen Gleichgewicht beitragen. Das Kind wird sich seiner höheren intellektuellen Fähigkeiten bewusst, die es als Ausdrucksmittel nun verstärkt einsetzt.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich während der Latenzperiode Intelligenz, soziales Verständnis und widerstandsfähige Ich-Funktionen entwickeln. Das Ich ist unabhängiger von der Außenwelt, wertgerichteter und objektunbezogener. Blos konstatiert, dass ein intensives Erleben dieser Phase für die Entwicklung in der Adoleszenz günstig ist. Je mehr Autonomie das Kind aufbauen kann, umso gestärkter ist es, die Aufgaben der Adoleszenz zu bewältigen.[47]

1.2.2 Phasen der Adoleszenz

Es kann davon ausgegangen werden, dass sich der Körper infolge der Entwicklung primärer und sekundärer Geschlechtsmerkmale während der Pubertät tiefgreifend verändert. Die Aufgabe der Adoleszenz besteht darin, die psychologische Anpassung an die Verhältnisse der Pubertät zu schaffen, da die sexuelle Reifung nicht ohne Spuren am geistigen Leben des Heranwachsenden vorbeigeht.[48] Es gilt also für den Jugendlichen neben den körperlichen Veränderungen weitere Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Laut M. Jansen und A. Jockenhövel-Poth bestehen diese aus der

„Aufnahme von neuen Beziehungen zu gleich- und gegengeschlechtlichen Partnern, eng damit verbunden die Ablösung von den ödipalen Objekten, die Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlich vorgegebenen Werte- und Normsystem sowie die Berufsfindung.“[49]

Nicht zu vergessen ist es auch der Adoleszenzprozess, der im Hinblick auf die kindliche Vorgeschichte „die Persönlichkeit entscheidend und endgültig formt“[50] und im Normalfall Stabilität für das Identitätsbewusstsein bedeuten soll.

Im Folgenden geht es darum, die brisanten Themen der Adoleszenz unter Berücksichtigung der Geschlechtsdifferenzierung aufzuzeigen. Bei der Darstellung der Adoleszenzphasen orientiere ich mich an der Feinstruktur von Peter Blos. Auch wenn das Phasenmodell durch eine aufeinander folgende Struktur gegliedert ist, so ist zu betonen, dass ihr eine „außerordentliche Elastizität der psychologischen Bewegung“[51] zugrunde liegt. Das bedeutet, dass die fünf Phasen weder nach Zeit noch Alter festgelegt sind und ihr Durchlauf komplex und variabel ist. Blos hält fest:

„Der Heranwachsende kann durch die verschiedenen Phasen hindurchstürmen oder kann bei irgendeiner von ihnen verweilen - in endlosen Variationen - aber er kann nicht ganz und gar den wesentlichen psychischen Transformationen der verschiedenen Phasen entgehen.“[52]

1.2.2.1 Präadoleszenz

Die Präadoleszenz, die von Helene Deutsch als „Eröffnungsphase“ der Adoleszenz oder als „vor-revolutionäre“ Zeit[53] bezeichnet wird, ist gekennzeichnet durch eine enorme Triebzunahme. Diese ist allerdings nicht objektbezogen, was für den Heranwachsenden bedeutet, frühkindliche Formen der Prägenitalität aufleben zu lassen, die zur Triebbeherrschung vorteilhaft sind. Nachdem die Latenzzeit eine Neutralisierung der Triebe ermöglicht hat, scheint jetzt der „Umweg über die Prägenitalität“[54] der ödipalen Phase zu erfolgen. Der Rückgriff auf Erfahrungen, die in der frühen Kindheit gemacht wurden, bedeutet jetzt auch wieder, dass sich der Adoleszent mit den alten Liebesobjekten auseinandersetzen muss. In der Präadoleszenz geht es daher für beide Geschlechter um eine erneute Ablösung von der Mutter. Da die Erfahrungen, die Jungen und Mädchen während dieser Zeit gemacht haben, unterschiedliche sind[55], muss auch in dieser Phase die psychologische Entwicklung geschlechtsdifferenziert betrachtet werden.[56]

Beim Jungen aktualisiert sich noch einmal das Imago der präödipalen, kastrierten Mutter. Die Übermacht, die die Mutter scheinbar präsentiert, löst bei dem Jungen eine erneute Kastrationsangst aus, die zur Folge hat, Mädchen generell während dieser Zeit abzulehnen.[57] Folglich ist festzustellen, dass sich präadoleszente Jungen verstärkt gleichgeschlechtlichen Freunden zuwenden. Auch Blos beschreibt:

„Der Knabe zeigt mädchenfeindliche Einstellung, setzt Mädchen herab und versucht sie zu meiden; wenn er mit ihnen zusammen ist, protzt er, bläst sich auf, neckt sie, spielt sich auf und übertreibt.“[58]

Die Hinwendung zum eigenen Geschlecht wird auch als „homosexuelle Abwehr“ bezeichnet.

Das Mädchen, welches sich in der ödipalen Phase nicht so rigoros von der Mutter distanzieren konnte wie der Junge, ist „in dieser Phase zwischen ihren regressiven und progressiven Wünschen hin- und hergerissen.“[59] Einerseits identifiziert sie sich mit ihrer archaischen Mutter, andererseits bedeutet dies für sie die Gefahr der Regression. Als Abwehrstrategien sucht sie Kompromisslösungen außerhalb der Familie. Zum einen kann sie sich nach H. Deutsch zu „Vorbildfrauen“, wie z.B. der Lehrerin, hingezogen fühlen, die für das Mädchen einen anderen Lebensentwurf präsentieren als den der Mutter.[60] Zum anderen ist die Abwehrstrategie der Hinwendung des Mädchens zur Heterosexualität erkennbar.

Aufgrund ihres physischen Entwicklungsvorsprungs gegenüber Jungen in diesem Alter sind Mädchen nicht nur körperlich groß und kräftig, auch von ihrer psychischen Grundhaltung her wehren sie Femininität ab. Während dieser Periode ist dafür kennzeichnend eine Tendenz zum „jungenhaften“ Verhalten.

Genauso wie Jungen Freundschaften zu Gleichgeschlechtlichen suchen, so erhalten auch Mädchenfreundschaften große Bedeutung. Sowohl ältere Mädchen oder Frauen dienen zur Abgrenzung von der Mutter als auch gleichaltrige Freundinnen werden zu wichtigen Bezugspersonen

„mit der sie sich im Zimmer einschließt, mit der sie kichert, die sie zur Trägerin der Geheimnisse macht und mit der sie die harmlose Art einer für dieses Alter typischen Selbstbefriedigung erlebt.“[61]

Auch Erdheim bestätigt noch einmal die Wichtigkeit der „Repräsentation des Fremden“, die jetzt für den Ablösungsprozess beider Geschlechter im Vordergrund steht.[62] Bildete die Familie bis jetzt den Kern der Kultur, so fängt nun die „Anpassung an die dynamische, expansive Kulturstruktur“[63] an.

Während der Adoleszenz beginnt sich der Jugendliche jedoch nicht nur nach außen zu wenden. Aufgrund des erhöhten Triebdrucks werden genitale Erregungen, vor allem bei Jungen, hervorgerufen, die eine sexuelle Beschäftigung mit dem eigenen Körper bedingen. Ohne Liebesobjekt, Triebziel oder erotischen Reiz erfolgen beim Jungen Ejakulationen im Affekt. Blos beschreibt, dass dies zur Spannungsabfuhr dient, bei der die Genitale allmählich ihre „exklusive Empfindlichkeit“[64] erwerben. Laufer und Laufer schreiben der Masturbation eine weitere Funktion zu: die des „Probehandelns“.

„Es dient den Heranwachsenden dazu, mit sexuellen Gefühlen, Gedanken und Befriedigungsformen zu experimentieren, um herauszufinden, wie sie sich Sexualität und Beziehungen als Erwachsene vorstellen und wünschen.“[65]

Aber auch für Mädchen ist die sexuelle Neugier auf den eigenen Körper wichtig, weil das

„unvollständige, undifferenzierte und oft ungenaue Bild der weiblichen Genitalien das heranwachsende Mädchen daran hindert, stolz auf seine Weiblichkeit zu empfinden, und Angst und Verwirrung hinsichtlich seiner Sexualität nach sich ziehen kann.“[66]

Aber gerade das gesellschaftliche Tabu des Themas der Masturbation der Frau macht es für Mädchen schwer, durch Onanie Zugang zu ihrem Körper zu finden und eine Ergänzung des eigenen Körperbildes zu erreichen. Lernt das Mädchen weder in der Kindheit (oft aufgrund eines negativen Verhältnisses der Mutter zu ihrem eigenen Körper indiziert) noch während der Pubertät „mit ihren sexuellen und aggressiven Regungen selbständig umzugehen“[67], so kann es sein, dass sie in all ihren späteren sexuellen Beziehungen vom Partner abhängig und an ihn gebunden bleibt. Blos wehrt die Notwendigkeit einer weiblichen Masturbation ab. Er konstatiert, dass die klitorale Masturbation ein geschlechtsfremder Trieb ist, welcher aufgegeben wird, sobald ein heterosexueller Partner gefunden wurde. Erst am Ende der Adoleszenz erfolgt die Umstellung zur Femininität.[68]

1.2.2.2 Frühe Adoleszenz

Die Phase der frühen Adoleszenz, die etwa im Alter zwischen dem dreizehnten und fünfzehnten Lebensjahr liegt, unterscheidet sich in dem Maße von der Präadoleszenz, dass eine neue Triebqualität erscheint, d.h. der Trennungsprozess von den Objektbindungen an die Eltern hat nun endgültig begonnen.

Jungen und Mädchen distanzieren sich jetzt von den verinnerlichten Elternrepräsentanten (dem sog. Überich), was auch zur Folge hat, dass sie sich von alten, inzestinösen Schuldgefühlen entlasten können.[69]

Laut Blos kann nach dem Abzug der Objektbesetzung ein Gefühl der Trauer und Leere entstehen. Der Heranwachsende sucht darum nach Freundschaften außerhalb der Familie, um den Trennungsprozess voranzutreiben. Infolge dieser Entwicklung werden die neuen Ich-Fähigkeiten entscheidend beeinflusst. Wie beschrieben erfolgt eine Schwächung des Überichs, was eine „Verarmung“ des Ichs bedeuten kann.[70] Wendet sich der Adoleszente nun aber Freunden zu, kann er den Verlust kompensieren. Objekte außerhalb der Familie sind in dieser Phase folglich weitgehend narzisstisch besetzt. Der Junge schließt Freundschaften mit Gleichgeschlechtlichen, die er idealisiert und bei denen er Charakteristika feststellt, die er selbst gerne hätte: Es entsteht das Ich-Ideal.[71]

Für den Adoleszenten ist besonders diese Zeit mit großen Unsicherheiten, z.B. durch die frühere Abhängigkeit von der Mutter und der jetzt neuen Anziehungskraft außerfamiliärer Objekte, verbunden. Eine Harmonie zwischen Ich, Ich-Ideal und Überich ist noch nicht erreicht. Blos stellt infolgedessen polaritäre Verhaltensformen bei dem Adoleszenten fest:

„Unterwerfung und Rebellion, Zartgefühl und emotionale Grobheit, Geselligkeit und Verkriechen in die Einsamkeit, Altruismus und Egoismus, grenzenloser Optimismus und niedergeschlagene Hoffnungslosigkeit, intensive Bindung und plötzliche Treulosigkeit, hohe Ideale und kleinliches Argumentieren, Idealismus und Materialismus, Hingabe und Gleichgültigkeit, Annehmen und Abweisen von Impulsen, gieriger Appetit, übermäßiges Wohlleben und grausame Selbstversagung (Askese), Überschwänglichkeit und Trägheit.“[72]

Im Gegensatz zu Jungen bilden sich bei Mädchen Idealisierungen in Form eines „Schwarms“ heraus. Der Schwarm wird passiv geliebt und aus der Ferne etwa wie ein „Popstar“ angehimmelt.[73] Das Objekt kann dabei weiblich oder männlich sein. Anders als der Junge, der alles Weibliche an sich abwehrt, verdrängt das Mädchen bisexuelle Strebungen nicht. Nach Blos ist es sogar bereit, „ihre Männlichkeit zu betonen“.[74]

Das Mädchen kann laut Helene Deutsch vier verschiedene Verläufe der Adoleszenz durchmachen. Entweder es reagiert ablehnend auf die sich verändernden Körpermerkmale oder zeigt Interesse an ihrer Weiblichkeit. Ihre Entwicklung kann aber auch gradlinig, ohne bestimmte Verhaltensänderungen verlaufen oder aber eine männlich orientierte Haltung einnehmen. Für das Mädchen steht jedoch fest, bewusst oder unbewusst, „eine Entscheidung über ihr Verhältnis zur kulturellen Form der Zweigeschlechtlichkeit zu treffen.“[75]

Dem Mädchen wird im Laufe dieser Phase durch den gesellschaftlichen Druck auferlegt, aktives, homosexuelles Begehren zu leugnen und somit in die passive Rolle der heterosexuellen Geschlechtsordnung zu schlüpfen.[76] Blos spricht dem Mädchen zwar aktive Homosexualität ab, indem er beschreibt, dass sie ihren weiblichen Schwarm nur aus der Ferne idealisiert, wobei Düring aber behauptet, dass das Mädchen an der Gleichstellung mit dem Jungen festhält und so nicht auf „aktives (homosexuelles) Begehren und auf ein Ich-Ideal“[77] verzichten muss. Das gesellschaftliche Homosexualitätstabu kann in dieser Phase entscheidend für die Unterwerfung der Frau in patriarchale, passive Geschlechtsverhältnisse sein.[78]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass zu Beginn der Adoleszenz die libidinösen Beziehungen von Jugendlichen zu den Eltern abgebaut werden. Infolgedessen und der quantitativen sowie qualitativen Triebzunahme entwickeln sich zunächst kompensatorische Verhaltensweisen. Bei Jungen oft gekennzeichnet durch Aggressivität oder Unbeherrschtheit, bei Mädchen eher durch romantische Vorstellungen. Zärtliche Zuwendungen von Seiten der Eltern werden jetzt vehement abgewehrt und statt dessen werden enge Beziehungen zu Gleichaltrigen aufgenommen. Es erfolgt eine Verlagerung des Überichs zum Ich-Ideal, was eine Erweiterung der adoleszenten Ich-Fähigkeiten bedeutet.

1.2.2.3 Die eigentliche Adoleszenz

Die Aufgabe der eigentlichen Adoleszenz, die zwischen dem fünfzehnten und siebzehnten Lebensjahr liegt, ist die Hinwendung zur Heterosexualität und zur Objektliebe. Hierfür besteht die Notwendigkeit, die narzisstischen und bisexuellen Strebungen aufzugeben. Des Weiteren setzt Blos eine „Wiederbelebung des Ödipuskomplexes und die Ablösung von den primären Liebesobjekten“[79] voraus. Es zeichnet sich jetzt in verstärkter und endgültiger Form ein Bruch mit der Vergangenheit ab, der die Ich-Entwicklung und die Emotionen des Heranwachsenden stark beeinflusst. Für ihn bedeutet dies eine Zukunft, die mit Hoffnung, aber auch mit Angst besetzt sein kann.

Düring beschreibt, dass die eigentliche Adoleszenz nicht geradlinig verläuft, weshalb die Darstellung dieser Phase verkompliziert und es zusätzlich erschwert wird, jugendliche Verhaltensweisen in ihrer zu dieser Zeit äußerst widersprüchlichen Art zu kategorisieren.[80]

Zunächst lässt sich feststellen, dass es um ein erneutes Abwenden von den Eltern geht. Energien, die früher in die Objektbesetzung der Eltern investiert wurden, werden freigesetzt und zuerst auf das Selbst abgelenkt. Später soll es durch Besetzungsverschiebungen zu neuen, den gegengeschlechtlichen, Liebesobjekten kommen. Die narzisstische Qualität verleiht dem Jugendlichen aber zunächst ein Gefühl des Größenwahnsinns „der Erstmaligkeit und der Einzigartigkeit“.[81]

Blos hält fest:

„Die Entziehung der Objektbesetzung führt zu einer Überschätzung des Selbst, einer erhöhten Selbstwahrnehmung auf Kosten der Realitätsprüfung, zu einer extremen Empfindlichkeit und Selbstbezogenheit und ganz allgemein zu Egozentrizität und Selbstvergrößerung“[82]

Trotzdem sind die Verhaltensweisen der Jugendlichen noch sehr labil. Das Hin- und Herschwanken zwischen Allmachtsphantasien und gewohnten Bindungen zur Familie verunsichert sie erheblich. Für Erdheim

„erscheint die Adoleszenz als ein ständiges Oszillieren zwischen einem expansiven Verhalten, das das Individuum in die Welt hinaustreibt, und Rückzug, der es alle gewonnenen Positionen aufgeben lässt. Oft spricht man deshalb von Labilität der Jugendlichen, ich aber würde es vorziehen, von einer Experimentierphase zu sprechen.“[83]

Bevor der Adoleszent sich endgültig zum heterosexuellen Objekt hinwenden kann, tritt ein Mechanismus ein, der den Verlust und die Trauer missglückter libidinöser Objektbesetzung der Eltern überbrückt. Damit sollen gefestigte Ich-Funktionen entstehen und ein Ich-Ideal geschaffen werden, was eine endgültige Abwendung von den Eltern zur Folge hat. Das narzisstische Stadium wird also zunächst als Verzögerungsstadium betrachtet, bei dem es noch einmal zu homosexuellen Freundschaften kommt. Der Adoleszent versucht somit, seine Ideale in diesen Beziehungen auf narzisstische Weise wiederzuspiegeln, alles im Dienste progressiver Entwicklung und Ich-Differenzierung.[84]

Ist es dem Heranwachsenden gelungen, sich ein Stück weit von den Eltern zu lösen und sich mit Gleichaltrigen auszutauschen, so beginnt er nun sich für das andere Geschlecht zu interessieren und homosexuelle Neigungen aufzugeben. Helene Deutsch konstatiert, dass diese ersten Liebesbeziehungen „als-ob“ - Beziehungen sind, die zunächst nur Experimentiercharakter tragen.[85] Für die Jugendlichen bedeutet dies, Erfahrungen mit dem gegensätzlichen Geschlecht zu sammeln, ohne sich direkt an es zu binden. Das alles erfolgt wiederum aus narzisstischen Strebungen, denn durch die Ablösung von den Eltern und den damit verbundenen Abzug des Überichs kann eine regelrechte Ich-Verarmung entstehen.[86]

Die Geborgenheit in Freundschaften oder in Peer-groups zu suchen, kann einen Abwehrmechanismus für den Jugendlichen darstellen, um mit der drohenden Ich-Verarmung oder dem immer stärker werdenden und verunsichernden Triebdruck zurecht zu kommen. Im Kampf gegen den Trieb spielen aber noch weitere Abwehrstrategien eine maßgebliche Rolle. Blos beschreibt in Anlehnung an Anna Freud, dass Askese und Intellektualisierung ein „aktives Beherrschen“[87] des Triebs begünstigen. Askese zeigt sich in der Form, dass der Jugendliche alle ödipalen, sexuellen oder aggressiven Impulse abwehrt, oft sogar Bedürfnisse nach Nahrung, Schlaf und Wohlbefinden ablehnt, Intellektualisierung in der Form, Triebvorgänge gedanklich beherrschbar zu machen.[88]

Um die adoleszente Unsicherheit in den Griff zu bekommen, neigt der Jugendliche ebenfalls dazu, sich einer Gruppe, der sogenannten Peer-group, anzuschließen. Hier liegt ihm ein Code vor, der ein entsprechendes Verhalten vorschreibt und für die Teilnahme an der Gruppe Voraussetzung ist. Gegenseitige Anerkennung und Gleichartigkeit bieten dem Jugendlichen Schutz und Sicherheit.[89]

Auf dem Weg der Selbstentwicklung, deren Prozess in der eigentlichen Adoleszenz sehr bedeutungsvoll ist, sind weiterhin die Überbesetzung der Sinnesorgane, die des Körper-Selbst und die Sublimierungsfähigkeit von großer Bedeutung.[90] Ersteres erfolgt durch eine Verschiebung der aufgelösten Affektbesetzungen, die den Eltern galten, auf die Sinnesorgane. Daraus resultiert eine überscharfe Wahrnehmung, die dem Jugendlichen eine ganz neue Erlebniswelt eröffnet. Dies dient aber nicht nur zur Entdeckung der Schönheit und Natur, sondern auch zur Erhaltung des Ich-Gefühls und der Abwehr von Depersonalisierungserscheinungen.[91] Zur gleichen Zeit spielt auch das Körper-Selbst für den Heranwachsenden eine wichtige Rolle: Er fragt sich, ob sein körperlicher Entwicklungsstand auch „normal“ sei und testet dies anhand selbst herbeigeführter Gefühlszustände.[92]

Einen weiteren Beitrag zur adoleszenten Entwicklung leistet die Sublimierungsfähigkeit, bei der versucht wird, die enorme Triebzunahme in geistige Fähigkeiten umzulenken. Dieser Vorgang zeichnet sich zunächst in der schon genannten „Intellektualisierung“ ab.[93] Zum anderen ermöglicht sie dem Jugendlichen auch einen Übergangsraum zwischen Narzissmus und heterosexuellen Objektbesetzungen in der Form eines reichen Phantasielebens. Blos bezeichnet die Rolle der Phantasie folgendermaßen:

„Diese Phantasien bedeuten eine Verschiebung in der Objektbesetzung, sozusagen durch „Probehandlungen“, und helfen dem Adoleszenten, in kleinen Dosen die affektiven Erfahrungen zu assimilieren, auf die seine progressive Entwicklung sich hinbewegt. Phantasieleben und schöpferische Tätigkeit sind in diesem Stadium auf dem Höhepunkt. Künstlerische und ideeisierte Ausdrucksformen machen es ihm möglich, hochpersönliche Erlebnisse mitzuteilen, die als solche ein Vehikel für die Teilnahme am Sozialleben bilden.[94]

Typisch für dieses Stadium sind auch die oft diffusen Träume und Phantasien, die vor allem Mädchen in Form von Tagebuchaufzeichnungen festhalten. Das Tagebuch besitzt somit eine besondere Qualität für den Heranwachsenden: Geheimnisse, die zuvor nicht artikuliert wurden, können offen ausgesprochen werden und eine Art emotionale Leere ausfüllen. „Jede Verbalisierung bringt den Gedankeninhalt der Realität näher.“[95]

Die kreativen Prozesse, die erst am Ende der Adoleszenz wieder abnehmen, erlangen in der eigentlichen Adoleszenz ihren Höhepunkt.

Sie geben dem Heranwachsenden laut Blos

„einen Grad von Freiheit des Erlebens und Zugang zu seinen Gefühlen, die einen Zustand von feiner Empfindsamkeit und feinem Wahrnehmungsvermögen fördern.“[96]

Somit steht der schöpferische Akt als Bindeglied zwischen narzisstischen Bedürfnissen und der Außenwelt, bis schließlich „Stabilisierung der Ich-Organisation und (auf) die ‚Errichtung fester Grenzen zwischen Selbst- und Objektrepräsentanz’“[97] erreicht werden. Innovativ während der Organisation der Ich-Funktionen in diesem Stadium der Adoleszenz ist auch der Aufbau eines höheren Gedankenniveaus. Das bedeutet, dass sich Denkprozesse objektiv und analytisch erweitern und sich somit auch Zukunftspläne, wie z.B. die Berufswahl, festigen.[98]

Ebenfalls ist zu erwähnen, dass sich nun die Polarität von Maskulinität und Femininität endgültig festlegt. Bei Mädchen wird die Polarität von der Menstruation und bei Jungen durch das Ablegen ödipaler Einstellungen und den Anschluss an männliche Gruppen, die ihnen dabei helfen seine „weiblichen Reste“ abzulegen, unterstrichen[99]

Im Hinblick auf die Geschlechtsdifferenzierung in der eigentlichen Adoleszenz muss noch einmal darauf eingegangen werden, wie sich die Loslösung des Mädchens von ihrer Mutter vollzieht. Wie bereits erwähnt, wendet sich der Junge in dieser Phase mit Hilfe überkompensatorischer Methoden rigoros von der Mutter als Liebesobjekt ab. Ganz anders und viel schwieriger gestaltet sich die Ablösung für das Mädchen. Um eine selbständige Frau zu werden, muss sich das Mädchen von dem „verinnerlichten Mutterimago“ lösen, dessen Bindung allerdings sehr stark ist. Nach Chodorow wird die Loslösung zusätzlich dadurch erschwert, dass die Mutter aus gleichgeschlechtlichen Gründen eine Wiederidentifikation mit der Tochter erlebt, anders als beim Sohn, von dem sich die Mutter leichter trennen kann. Die Mutter-Tochter-Beziehung ist

„die Nähe von zwei Menschen, die eigentlich eine Person sind und nicht genau wissen, wo die eine aufhört und die andere anfängt... Nur zu oft bleibt die Beziehung zwischen Tochter und Mutter in jenem ungeklärten Zustand, in dem es der Mutter nicht gelingt, sich von der Tochter zu lösen, und die Tochter es nicht fertig bringt, sich aus der kindlichen Abhängigkeit von der Mutter zu befreien.“[100]

Mütter hemmen nach dieser These die psychische Entwicklung ihrer Töchter, um von ihnen für sich selbst emotionale Zuwendung zu erlangen und ihre Tochter sozusagen zur „Ersatzmutter“ machen. Solch eine symbiotische Verbindung möchte die Mutter mit ihrem Mann erreichen. Männer reagieren jedoch mit Distanz. „Weil sie die Liebe zur Mutter wegen der Kastrationsangst so abrupt und stark unterdrücken mussten, haben sie auch in späteren Beziehungen die Tendenz, Liebesgefühle zu unterdrücken.“[101] Autonomie zu erlangen stellt infolgedessen für das Mädchen einen schwierigen Prozess dar, indem Trennungsversuche oftmals mit Schuldgefühlen gegenüber der Mutter verbunden sind. Oft schließt sich der Kreis, wenn die Töchter selbst Kinder haben, mit deren Inanspruchnahme emotionale Entwicklungsdefizite ausgeglichen werden sollen.[102]

Zum Schluss lässt sich für die eigentliche Adoleszenz zusammenfassen:

Die Aufgabe der ödipalen Liebesobjekte ist dringend notwendig. Der Adoleszent erfährt zunächst eine starke narzisstische Innenwendung, bis er sich später auf experimenteller Art und Weise dem anderen Geschlecht zuwenden kann. Es kommt zur Fixierung von geschlechtsgerechter Weiblich- und Männlichkeit. Das Ich leitet Abwehrmechanismen ein, um der erhöhten Triebzufuhr und der Ich-Verarmung entgegenzuwirken. Zudem prägt sich eine kreative Leistungsfähigkeit aus, Denkprozesse werden objektiver und Interessen und Talente im Bezug auf die Zukunft treten zum Vorschein. Die Ich-Identität erfährt in dieser Phase eine maßgebliche Ausformung.[103]

1.2.2.4 Die Spätadoleszenz

Die Phase, die den Adoleszenzprozess zum Abschluss bringt, erfolgt etwa zwischen dem achtzehnten und zwanzigsten Lebensjahr.

Im Vordergrund der Periode steht eine aktive Identitätsarbeit. Die Triebstruktur besetzt jetzt nicht mehr autoerotische Phantasien, vielmehr wendet sich der Heranwachsende nun eindeutig dem anderen Geschlecht zu. Phantasie weicht vor der Realität zurück, das Ich-Ideal ist mit dem realen Ich integriert.[104]

Blos stellt zunächst fest, dass die Spätadoleszenz die „Phase der Konsolidierung“[105] ist. Damit meint er, dass eine Festigung des Charakters stattfindet, bei der eine größere Stabilität im Denken und Handeln und den Gefühlen eines jungen Erwachsenen erworben wird.[106] Genaugenommen bedeutet dies eine Stabilisierung der Ich-Funktionen und -Interessen sowie des Selbstgefühls, eine ich-gerecht integrierte Genitalität, eine regelmäßige Objektbesetzung und eine Stabilisierung des geistigen Apparates.[107]

In einer letzten Phase der Kindheit, in der wie gesagt die Ausarbeitung eines individuellen und einheitlichen Ich erfolgen soll, kann es aber noch einmal zu einem entscheidenden Wendepunkt kommen, bei dem Blos von der „eigentlichen Krise“ der Adoleszenz und Erikson sogar von einer „Identitätskrise“ spricht.[108] Nun kommen nämlich noch einmal ungelöste Resterscheinungen aus vorangegangenen Phasen zum Vorschein, welche sich beispielsweise durch eine „Triebfixierung, Unterbrechungen der Ich-Entwicklung, Identitätsprobleme und Bisexualität“[109] äußern können. Die Resterscheinungen können aber auch jetzt noch nicht vollständig gelöst werden, sie werden zum Teil der Lebensaufgabe des Menschen und tragen in progressiver Weise zur individuellen Charakterbildung bei. Blos kommt somit zu dem Schluss,

„dass infantile Konflikte beim Abschluss der Adoleszenz nicht beseitigt, sondern spezifisch gemacht worden sind. Sie werden Ich-syntonisch, d.h., sie werden als Lebensaufgabe in den Bereich des Ichs integriert. Sie bekommen nun ihren Mittelpunkt in der Erwachsenen-Selbstvorstellung. Jeder Versuch des Ich-syntonischen Meisterns eines Rest-Traumas[110], oft als Konflikt erlebt, verstärkt die Selbstachtung.“[111]

Wenn diese „Identitätskrise“ nicht gemeistert werden kann, erfolgt kein Erstellen einer „gesunden“ Ich-Identität, sondern die Entwicklung eines psychophatologischen Charakters.[112]

Während der Spätadoleszenz gibt der junge Erwachsene seine schöpferische Empfindsamkeit auf. Er besitzt nun analytische und abstrakte Denkfähigkeiten, die ihm dabei helfen, allgemeine Regeln und Gesetze herauszufinden. Diese sind ihm wiederum behilflich, sein Leben und seine Arbeit zu organisieren.[113] „Blos führt diesen Verfall kreativer Fähigkeiten auf die Stabilisierung der Ich-Organisation und die ‚Errichtung fester Grenzen zwischen Selbst- und Objektrepräsentanz’“ zurück.[114] Somit erlangen auch Freizeit, Beruf und Liebe Prioritäten und festigen die Rolle in der Gesellschaft: als Mutter, Ehefrau oder Ernährer.

[...]


1 Ewers, Hans-Heino: Der Adoleszenzroman als jugendliterarisches Erzählmuster. In: Der Deutschunterricht (Berlin), 6/1992, S. 291

2 Vgl. Gansel, Carsten: Authentizität – Wirklichkeitserkundung – Wahrheitsfindung. Zu aktuellen Entwicklungslinien in der Literatur für Kinder und junge Erwachsene. In: Fundevogel, Frankfurt/Main 1998, S. 6

3 dazu gehören nach Gansel das Brüchigwerden von lebensweltlichen Kategorien wie Klasse und Stand, der traditionellen Geschlechterrollen, der Eheverhältnisse, der Familienbeziehungen oder des Verhältnisses der Generationen zueinander und zu ihren Erziehungsmethoden, die nach Beck/Beck-Gernsheim als Individualisierung und Pluralisierung, d.h. „die Auflösung vorgegebener sozialer Lebensformen“, beschrieben werden. Vgl. dazu Gansel 1998, S. 8

4 Vgl. Ewers, Hans-Heino (hrsg.): Jugendkultur im Adoleszenzroman: Jugendliteratur der 80er und 90er Jahre zwischen Moderne und Postmoderne. Weinheim; München 1994, S. 7

5 Gansel 1998, S. 20

6 Vgl. Gansel 1998, S. 19

7 Vgl. Ewers 1992, S. 294

8 Vgl. Gansel 1998, S. 16

10 Vgl. Flaake, Karin; King, Vera (hrsg.): Weibliche Adoleszenz. Zur Sozialisation junger Frauen. Frankfurt/Main; New York 1992, S. 13

11 Vgl. Blos, Peter: Adoleszenz: Eine psychoanalytische Interpretation. Stuttgart 1989

12 Vgl. Gansel, Carsten: Jugendliteratur und jugendkultureller Wandel. In: Ewers, Hans-Heino (hrsg.) 1994, S. 15

[1] Vgl. Fend, Helmut: Entwicklungspsychologie des Jugendalters. Opladen 2000, S. 23

[2] Vgl. Remschmidt, Helmut: Adoleszenz. Entwicklung und Entwicklungskrisen im Jugendalter. Stuttgart, New York 1992, S. 5

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. ebd., S. 6

[6] Vgl. Fend 2000, S. 102

[7] Die Pubertät ist eine zeitlich variable Phase, die nach oben und unten offen ist. Ein Altersjahrgang braucht heutzutage etwa zehn Jahre, bis ein biologischer Reifungsprozess abgeschlossen ist.

[8] Vgl. Hagemann-White, C.: Berufsfindung und Lebensperspektive in der weiblichen Adoleszenz. In: Flaake, K./King, V. (hrsg.): Weibliche Adoleszenz. Zur Sozialisation junger Frauen. Frankfurt am Main, New York 1992, S. 66

[9] Vgl. Fend 2000, S. 103

[10] Vgl. Remschmidt 1992, S. 24

[11] Vgl. Fend 2000, S. 103

[12] Vgl. Remschmidt 1992, S. 28

[13] Vgl. Fend 2000, S. 104

[14] Vgl. ebd.

[15] Vgl. ebd., S. 104 f

[16] Vgl. Hagemann-White 1992, S .66

[17] Vgl. ebd.

[18] Größenwachstum und Gewichtszunahme haben in den letzten 100 Jahren zugenommen. Einher geht das frühere Auftreten der ersten Menarche. Verantwortlich dafür wird u.a. eine bessere Ernährung, günstigere soziale Voraussetzungen oder bessere medizinische Versorgung gemacht. Vgl. Remschmidt 1992, S. 62

[19] Vgl. Hagemann-White 1992, S. 66

[20] Vgl. Remschmidt 1992, S. 66 f

[21] Vgl. ebd., S. 86

[22] Vgl. ebd., S. 86 f

[23] Fend 2000, S.232

[24] Remschmidt 1992, S. 88 f

[25] Vgl. Jansen, M.; Jockenhövel-Poth, A.: Trennung und Bindung bei adoleszenten Mädchen aus psychoanalytischer Sicht. In: Flaake/King 1992, S. 272 f

[26] Vgl. Fend 2000, S. 235

[27] Für Anorexia nervosa gelten u.a. folgende Merkmale: Niedriges Körpergewicht, Körperschemastörung (Angst zu dick zu werden), bei Frauen Ausbleiben der Monatsblutung, bei Männern Libido- und Potenzverlust. Diagnosekriterien für Bulimia nervosa sind Heißhungerattacken, kompensatorische Maßnahmen zur Vermeidung einer Gewichtszunahme (Erbrechen), Abhängigkeit des Selbstwertgefühls von Körpergewicht, Auftreten von Phasen der Anorexia nervosa. Vgl. Gerlinghoff, M.; Backmund H.: Schlankheitstick oder Essstörung? München 1999, S. 13 f

[28] Vgl. Fend 2000, S. 244

[29] Neubauer 1976 in: Fend 2000, S. 116

[30] Ziehe, Thomas: Pubertät und Narzissmus. Frankfurt/Main; Köln 1975, S. 147

[31] Fend 2000, S. 89

[32] Vgl. ebd., S 90

[33] Vgl. Ziehe 1975, S. 146

[34] Vgl. Düring, Sonja: Wilde und andere Mädchen. Freiburg i. Br. 1993, S. 24

[35] ebd., S. 24

[36] Auf den Begriff der Latenzzeit werde ich in meinen Ausführungen spezifisch eingehen. Latenzphase wird als die Zeit einer Entwicklungspause, dem sog. „psycho-sexuellem Moratorium“ (Erikson, 1971a, S. 137), bezeichnet. Vgl. Ziehe 1975, S. 148

[37] Zitiert nach Eissler in: Düring 1993, S. 24

[38] Als Libido werden die Lustzonen bezeichnet, die im Laufe der Entwicklung immer mehr sexuelle Bedeutung annehmen.

[39] Vgl. Fend 2000, S. 82

[40] Vgl. ebd., S. 83

[41] Düring 1993, S. 19

[42] Vgl. ebd., S. 20

[43] Blos, Peter: Adoleszenz: Eine psychoanalytische Interpretation. Stuttgart 1989, S.16

[44] Vgl. ebd., S. 17

[45] Vgl. Düring 1993, S. 24

[46] Fend 2000, S. 91

[47] Vgl. ebd.

[48] Vgl. Blos 1989, S. 14

[49] M. Jansen; A.J.-Poth 1992, S.270

[50] Blos 1989, S. 28

[51] ebd., S.66

[52] ebd. Vgl. dazu Blos, Kapitel „Phasen der Adoleszenz“, S.66-183

[53] Vgl. ebd., S. 85

[54] Ziehe 1975, S.148

[55] siehe Kapitel 1.2.1 der Ausführungen über psychosexuelle Stadien während der frühen Kindheit

[56] Vgl. Blos 1989, S. 75

[57] Vgl. Ziehe 1975, S. 149

[58] Blos 1989, S.74

[59] Düring 1993, S. 38

[60] Vgl. ebd.

[61] Deutsch, H. zitert nach:Flaake, K.; John, C.: Räume zur Aneignung des Körpers. In: Flaake/King 1992, S. 206

[62] Vgl. Düring 1993, S. 38

[63] Erdheim, Mario: Die gesellschaftliche Produktion von Unbewusstheit. Frankfurt/Main 1982, S. 277

[64] Blos 1989, S. 72

[65] Laufer und Laufer 1989 zitiert nach Waldeck, R.: Die Frau ohne Hände. In: Flaake/King 1992, S. 189

[66] Lerner 1980 zitiert nach Waldeck, R. 1992, S. 192

[67] Waldeck, R. 1992, S. 195

[68] Vgl. Blos 1989, S. 190

[69] Vgl. Ziehe 1975, S. 150

[70] Vgl. Blos 1989, S. 92

[71] Vgl. ebd., S.93

[72] ebd., S. 90

[73] Vgl. Fend 2000, S. 92

[74] Blos 1989, S. 99

[75] Düring 1993, S. 42

[76] Vgl. ebd., S. 45

[77] ebd., S. 44

[78] Vgl. ebd., S. 46

[79] ebd.

[80] Vgl. ebd.

[81] Ziehe 1975, S. 153

[82] Blos 1989, S. 107

[83] Erdheim 1982, S. 299

[84] Vgl. Ziehe 1975, S. 154

[85] Vgl. Blos 1989, S. 116

[86] Vgl. ebd.

[87] ebd., S.131

[88] Askese kann nach Blos Ich-beschränkend wirken, während Intellektualisierung positives Potential an Interessen, Talenten und Berufsvorstellungen hervorrufen kann. Vgl. ebd., S. 131. Anzumerken ist außerdem, dass beide Abwehrmechanismen Kultur und Milieuabhängig und besonders für die europäische Jugend typisch sind. Vgl. ebd., S. 137. Meistens werden mehrere Abwehrmechanismen gleichzeitig angewandt. Vgl. ebd., S. 139.

[89] Vgl. ebd., S. 138

[90] Vgl. Ziehe 1975, S. 152

[91] Vgl. ebd.; sowie Blos 1989, S. 112

[92] Vgl. Ziehe 1975, S. 152

[93] Vgl. ebd., S.152 f

[94] Blos 1989, S. 110

[95] ebd., S. 113

[96] ebd., S.147

[97] Erdheim 1982, S. 306

[98] Vgl. Blos 1989, S. 148

[99] Vgl. ebd., S. 128

[100] Hammer zitiert nach Blank, W.: Töchter, Mütter und Ersatzmütter. In: Ewers, Hans-Heino (hrsg.): Jugendkultur im Adoleszenzroman: Jugendliteratur der 80er und 90er Jahre zwischen Moderne und Postmoderne. München 1994, S. 198

[101] Blank, W. 1994, S. 201

[102] Vgl. ebd., S. 198

[103] Vgl. Blos 1989, S. 148

[104] Vgl. Ziehe 1975, S. 92

[105] Blos 1989, S. 150

[106] Vgl. ebd., S. 169

[107] Vgl. ebd., S. 150; sowie Ziehe 1975, S.155

[108] Vgl. Blos 1989, S. 152

[109] ebd.

[110] Das Trauma ist nach Blos ein Universalphänomen der Kindheit, was von der Größe und der Persönlichkeit sowie der Verletzbarkeit des psychischen Apparates abhängt. Vgl. Blos 1989, S. 156

[111] ebd., S. 156

[112] Vgl. ebd., S. 165

[113] Vgl. ebd., S. 169

[114] Erdheim 1982, S. 306

Details

Seiten
146
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638198912
Dateigröße
784 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14512
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Didaktik der deutschen Sprache und Literatur
Note
1
Schlagworte
Darstellung Adoleszenz Bereichen Jenny

Autor

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Titel: Zur Darstellung von Adoleszenz in ausgewählten Bereichen von Zoe Jenny