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Die Einführung der offenen Ganztagsschule aus der Perspektive jugendlicher Schüler/Innen im ländlichen Raum

Hausarbeit 2008 39 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Vorüberlegungen
2.1 Ausgangssituation und Stand der Forschung
2.2 Forschungsfrage und Hypothesen

3. Begriffserklärung „Offene Ganztagsschule“

4. Methoden
4.1 Qualitative Forschung
4.2 Leitfadengestützte Interviews
4.3 Analyse von Leitfadeninterviews

5. Datenerhebung
5.1 Fallauswahl
5.2 Vorbereitung des Interviews
5.3 Durchführung des Interviews
5.4 Reflexion der Datenerhebung
5.5 Transkription

6. Auswertung

7. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

In den vergangenen Jahren erlebte der Ausbau der Ganztagsschulen in Deutschland einen starken Auftrieb. Aufgrund des schlechten Abschneidens bei internationalen Vergleichstests, wie zum Beispiel der PISA-Studie, wurde viel über Reformen im deutschen Schulwesen nachgedacht. Eine dieser Refor- men beinhaltet den Ausbau der Ganztagsschulen; bisher galt die Halbtagsschu- le als Regelschule. Von der Einführung ganztägiger Betreuungssysteme erhofft man sich eine bessere Bildung der Schüler/Innen1. Sie soll die Möglichkeit einer individuelleren Förderung jedes einzelnen bieten sowie für eine sinnvol- lere Freizeitbeschäftigung der Schüler sorgen (Appel & Rutz 2004:22 ff.). Kin- der und Jugendliche leben heutzutage in veränderten Bedingungen auf. Die Berufstätigkeit von Frauen hat stark zugenommen; oft sind beide Elternteile berufstätig und immer öfter wachsen Kinder in einer Familie mit nur einem Elternteil auf. Aufgrund dieser Veränderungen ist auch der Wunsch nach ganz- tägiger Betreuung stark gewachsen. Zusätzlich hat sich das Wohnumfeld von Kindern und Jugendlichen verändert und bietet nur noch im geringeren Maße Raum für Erfahrungen (Appel & Rutz 2004:24 ff.). Dorf- und Nachbarschafts- beziehungen spielen eine immer geringer werdende Rolle; es ist eine zuneh- mende Anonymisierung innerhalb des Lebensumfelds von Kindern und Ju- gendlichen spürbar. Die Ganztagsschule bietet dagegen eine gute Möglichkei,t den Rückgang sozialer Kontaktmöglichkeiten zwischen Gleichaltrigen aufzu- fangen (Appel & Rutz 2004:25). Nachdem in den letzten Jahren viele neue Ganztagsschulen eingerichtet wurden, liegen auch die ersten Studien hierüber vor.

Die vorliegende qualitative Studie soll die Einführung der offenen Ganztags- schule aus der Sicht betroffener Jugendlicher im ländlich strukturierten Raum darstellen. Zu Beginn der Arbeit werden in Kapital 2 die Herleitung der For- schungsfrage sowie die Bildung der Hypothesen mit Hilfe der vorliegenden wissenschaftlichen Literatur zu den Themengebieten Ganztagsschule und länd- licher Raum beschrieben. Zum besseren Verständnis werden die verschiedenen Ganztagschulmodelle im dritten Kapitel kurz erläutert. In Kapitel 4 werden die verwendeten Erhebungs- und Auswertungsmethoden beschrieben und deren Wahl begründet. Die Erhebung der Daten und die Reflexion der Datenerhe- bung erfolgen in Kapitel 5; das sechste Kapitel stellt die Ergebnisse der Studie dar. Im Kapitel 7 erfolgt ein Fazit sowie ein kurzer Ausblick auf weitere mögliche Vorgehensweisen.

2. Theoretische Vorüberlegungen

2.1 Ausgangssituation und Stand der Forschung

Die Grundlage einer Studie bildet jeweils eine Fragestellung (Vgl. Gläser & Laudel 2006:60). Laut Flick erwachsen solche Fragestellungen „nicht aus dem Nichts. Sie haben häufig ihren Ursprung in der persönlichen Biographie des Forschers und in seinem sozialen Kontext“ (2007:133). Dies ist auch in der vorliegenden Arbeit der Fall. Aufgrund der eigenen Erfahrungen mit jugendli- chen Schülern, die eine offene Ganztagsschule im ländlichen Raum besuchen, entstand bei der Forscherin der Eindruck, dass bei vielen Jugendlichen die Ak- zeptanz der Ganztagsschule eher gering sei. Dieser Eindruck verwunderte, da die Einführung von Ganztagsschulen, wie in Kapitel 1 beschrieben, in erster Linie zur Verbesserung der Freizeit- und Bildungssituation der Schüler beitra- gen soll. Aus diesem Grund wird zunächst einmal die Freizeit- und Bildungssi- tuation der betroffenen Jugendlichen dargestellt.

Bei der Recherche nach Literatur zur Situation Jugendlicher im ländlichen Raum wurde deutlich, dass es nur wenige Untersuchungen gibt, die sich die- sem Thema widmen. Diese Tatsache beklagt auch Deinet: „Untersuchungen zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit und die Jugendforschung haben insofern eine Gemeinsamkeit, als sich in beiden Bereichen die meisten Untersuchungen in der Vergangenheit auf den städtischen bzw. großstädtischen Raum bezo- gen“. Hier existiert seiner Ansicht nach „eine deutliche Schieflage zwischen urbanen und regionalen Bereichen“ (2005:411). Der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegebene „Zwölfte Kinder- und Jugendbericht“ gehört zu den wenigen Studien, die regionale Unterschiede im Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen näher beleuchten. So wird hier festgehalten, dass regionale Unterschiede in den letzten Jahren in Deutschland zwar tendenziell abgenommen haben, dass man jedoch noch nicht von angegli- chenen Lebensverhältnissen zwischen der Stadt und der ländlichen Region sprechen kann; diese Unterschiede wirken sich auch auf das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen aus (BMFSJ 2005:86). So ist dort im Gegensatz zu den Städten vor allem die Infrastruktur noch immer geringer ausgebaut, dies führt zu einer schlechteren Erreichbarkeit von Schulen und Bildungsangeboten. Schulen sowie Freizeitangebote und -einrichtungen liegen meistens in größerer Entfernung zum Wohnort und sind aufgrund unzureichender öffentlicher Ver- kehrsmittel schlecht zu erreichen. Somit ist hier eine sehr starke Mobilität er- forderlich; Kinder und Jugendliche sind oft darauf angewiesen, von ihren El- tern gefahren zu werden. (Bundesamt für Raumwesen und Raumordnung 2000, zitiert nach BMFSJ 2005:89)2. Auf diesen Aspekt geht auch der Bericht „Ju- gendverbandsarbeit auf dem Lande“ ein. In dieser Studie wird gesagt, dass in der Freizeit längere Wege als „lästig bis nicht zumutbar empfunden“ werden (Landjugendverband Schleswig-Holstein 2008:25). Laut Hurrelmann beklagen viele Jugendliche die Freizeitangebote am Wohnort und nehmen deshalb oft lange Wege in Kauf, um ihren Freizeitaktivitäten nachzugehen, dies gelte be- sonders für Jugendliche auf dem Land (2007:139) Diese Ergebnisse veranlas- sen zu der Annahme, dass die Einführung der Ganztagsschule zu einem Ge- winn bezüglich der Freizeitsituation der betroffenen Jugendlichen beitragen könnte, da durch die Nachmittagsangebote keine zusätzlichen Fahrtwege für Freizeitaktivitäten anfallen würden. Somit stellt sich die Frage nach der Nut- zung der Ganztagsschule im ländlichen Raum. Hierzu gibt es bislang jedoch keine gesonderten Studien.

Die „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen“ (StEG) hat ergeben, dass die Nutzung der Angebote durch die Schüler allgemein eher noch gering ist. Dies trifft vor allem für ältere Schüler in der Sekundarstufe I zu, sowie für of- fene Ganztagsschulen (Holtappels, Klieme, Rauschenbach & Stecher 2007:358). Außerdem wird am Ende dieser Studie deutlich gemacht, dass noch weitere - auch qualitative - Forschungen zur Nutzung der Ganztagsschule not- wendig sind, um Erklärungen für die ermittelten niedrigen Teilnahmequoten zu erhalten (Holtappels et al. 2007:377). Hier ist somit noch eine Lücke in der Forschung vorhanden.

Die Relevanz der vorliegenden Untersuchung ergibt sich aufgrund der zur Zeit geforderten Stärkung des ländlichen Raums durch Verbesserungen der Lebens- bedingungen der dort lebenden Menschen (Vgl. Bundestags-Drucksache 16/5956 2007:4 f.). Dies soll einer zunehmenden Landflucht junger Menschen entgegenwirken. Die Einführung ganztägiger Bildungseinrichtungen im ländli-chen Raum macht nur einen Sinn, wenn diese auch akzeptiert und somit genutzt werden. Die in dieser Arbeit ermittelten Ergebnisse können einen Hinweis darauf geben, an welchen Punkten angesetzt werden sollte, um die Nutzung von Ganztagsschulen im ländlichen Raum zu intensivieren.

2.2 Forschungsfrage und Hypothesen

Aus den oben genannten Überlegungen ergibt sich somit die Forschungsfrage der vorliegenden Arbeit:

Worin liegen mögliche Ursachen für eine Nichtteilnahme oder einer nur geringen Teilnahme jugendlicher Schüler an offenen Ganztagsschulen in ländlich strukturierten Gebieten?

Des weiteren empfiehlt sich auch für eine qualitative Studie die Bildung von sogenannten Vorab-Hypothesen. Diese sollen jedoch nicht mittels erhobener Daten überprüft werden wie in quantitativen Studien. Der Sinn qualitativer Studien ist die reine Hypothesenentwicklung aus den neu gewonnen Daten, „die Anfangshypothesen spielen dafür als erste Zugänge ... eine wichtige Rol- le“ (Brüsemeister 2006:33). Sie sollen den Forscher für bestimmte Bereiche sensibilisieren.

In den vorliegenden Studien zur Situation der Jugendlichen auf dem Land wird immer wieder das Problem mehr oder weniger langer Schulwege angespro- chen. So benutzen etwa zwei Drittel aller Schüler regelmäßig öffentliche Ver- kehrsmittel, um zur Schule zu gelangen. Außerdem sind die Schüler länger unterwegs; so erreichen etwa 59% der Schüler/Innen in der Stadt ihre Schule innerhalb einer viertel Stunde, bei den Schülern auf dem Land sind es dagegen nur 37%. Dadurch vermindert sich oft die verbleibende freie Zeit für die Ju- gendlichen im Dorf (Landjugendverband Schleswig-Holstein 2008:25). Außer- dem führt dies allgemein bei den betroffenen Jugendlichen zu einem längeren Schultag. Aus dieser Tatsache wird eine erste Hypothese entwickelt:

Jugendliche im ländlichen Raum nehmen aufgrund des langen Schultags den Nachmittagsunterricht als zusätzliche Belastung wahr, so dass die Akzeptanz für den Ganztagsunterricht eher gering ist.

Ein weiterer Grund für die Nichtteilnahme an Ganztagsangeboten wird in den Auswirkungen auf bestehende Freundschaften und Kontakte zu Gleichaltrigen vermutet. Auch die „StEG“ kommt zu dem Ergebnis, dass aufgrund der Nach- mittagsangebote weniger Zeit zur Verfügung steht, die mit außerschulischen Freunden verbracht werden kann (Vgl. Holtappels et al. 2007:372). Freund- schaftsbeziehungen haben in der Jugendphase einen recht hohen Stellenwert (Hurrelmann 2007:127). Auch wenn die meisten Freundschaften innerhalb der Schule entstehen, sind immerhin noch etwa ein Drittel der Freundschaften aus Nachbarschaftskontakten entstanden (Landjugendverband Schleswig-Holstein 2008:27). In der Zwölften Kinder- und Jugendstudie wird zudem die Einbin- dung in „ein überschaubares soziales Umfeld sowie in eine sehr fein differen- zierte Vereinsstruktur zu Freizeitgestaltung“ (BMFSJ 2005:89) als Vorteil des Aufwachsens junger Menschen auf dem Land gesehen. Dadurch ergeben sich als weitere Hypothesen:

Jugendliche Schüler nehmen nicht an Nachmittagsangeboten teil, wenn sie aufgrund der dadurch verstärkten kurzen Verweildauer am Wohnort eine Verringerung der außerschulischen Kontaktmöglichkeiten mit Gleichaltrigen in der Nachbarschaft befürchten.

Jugendliche Schüler lehnen die Teilnahme an Angeboten im Rahmen der Ganztagsschule ab, wenn dadurch ihre Zeit für Aktivitäten in örtlichen Vereinen und Einrichtungen verringert wird.

3. Begriffserklärung „Offene Ganztagsschule“

Zum besseren Verständnis sollen zunächst die verschiedenen Formen der Ganztagsschule kurz dargestellt werden.

Bei der offenen Form des Ganztagsschulmodells handelt es sich um eine ganz- tägig geöffnete Schule mit einer grundlegend freiwilligen Teilnahme an den Angeboten (Vgl. Appel & Rutz 2004:102). Der Pflichtunterricht verteilt sich überwiegend auf die Vormittagsstunden, wobei der Unterricht im Vergleich zur Halbtagsschule in abgewandelter Form stattfindet, da die „Hausaufgabenpraxis nicht aufrecht zu erhalten ist“ (Appel & Rutz 2004:102). Im Anschluss an den Vormittagsunterricht wird die freiwillige Teilnahme am Mittagsessen angebo- ten. Die Gestaltung des Nachmittags besteht aus einer pädagogischen Hausauf-gabenbetreuung sowie unterschiedlichen Fördermaßnahmen und Arbeitsge- meinschaften. Bei der gebundenen Ganztagsschule verteilt sich dagegen der Unterricht auf den kompletten Schultag. Dies erfolgt in einer rhythmischen Tagesgestaltung, d.h. arbeitsintensive Phasen wechseln mit Phasen der Ent- spannung ab, so dass sich die Ganztagsschule besser der physiologischen Leis- tungskurve der Schüler anpassen kann. Die Teilnahme am Tagesprogramm sowie am Mittagstisch ist für alle Schüler verpflichtend. Schriftliche Hausauf- gaben werden in den Schulalltag integriert; zusätzlich kann es auch mündliche Hausaufgaben geben, jedoch meist in geringerem Umfang (Vgl. Appel & Rutz 2004). Neben diesen beiden Grundmodellen existieren viele Ganztagsschulen mit gemischten Konzepten, d.h. sie enthalten Elemente der offenen sowie der gebundenen Form. Des weiteren lassen sich Ganztagsschulen finden, die beide Modelle - offen und gebunden - innerhalb eines Gebäudes vereinen (Vgl. Ap- pel & Rutz 2004:111).

4. Methoden

4.1 Qualitative Forschung

Für die Beantwortung der Forschungsfrage wurden qualitative Methoden ge- wählt, da die qualitative Forschung die Rekonstruktion “subjektiver Sichtwei- sen“ (Helfferich 2005:19) zum Gegenstand hat. Das Ziel dieser Arbeit ist, die Einführung der Ganztagsschule aus der Perspektive jugendlicher Schüler/Innen auf dem Land darzustellen. Hierüber liegen noch keine Studien vor. Mit Hilfe der qualitativen Forschung lässt sich Neues, Unbekanntes entdecken, es geht dabei in erster Linie um eine Theorieentwicklung (Vgl. Brüsemeister 2006:28).

4.2 Leitfadengestützte Interviews

Ein wichtiger Aspekt der qualitativen Forschung ist die Gegenstandsangemes- senheit. Dies ist auch bei der Wahl der Methoden zu berücksichtigen. Somit sind die Methoden am Gegenstand auszurichten und nicht umgekehrt und der Forscher muss überlegen, welche Erhebungsmethode zur Beantwortung seiner Frage angemessen wäre (Vgl. Brüsemeister 2006:35). Da es in der vorliegen- den Arbeit um die Einführung der Ganztagsschule aus der Sicht jugendlicher Schüler im ländlichen Raum geht, wurde ein sprachlicher Zugang der zu ermit- telnden Daten gewählt. Der verbale Zugang, das Gespräch, spielt in der qualita-tiven Forschung eine wichtige Rolle (Vgl. Flick 2007:268). Bei einem Ge-spräch kommen die Subjekte selbst zu Wort, können ihre eigenen Sichtweisen offen darlegen. Es existieren verschiedene Methoden des verbalen Zugangs und nicht jedes Verfahren ist für jede Fragestellung geeignet (Vgl. Flick 2007:272). Die gewählte Interviewmethode ist abhängig von der Fragestellung sowie von der ausgewählten Zielgruppe. In der vorliegenden Arbeit wurde das leitfadengestützte Interview als Erhebungsmethode ausgewählt. Die Fragen werden hierbei in einem Leitfaden zusammengestellt. Es handelt sich zumeist um offene Fragestellungen, sie sollen den Interviewpartner dazu anregen, sich offen zu bestimmten Themen zu äußern bzw. sogar von ihm selbst gewählte Themen anzusprechen. Im Leitfaden werden zwar vom Interviewer bestimmte Themen vorgegeben, jedoch können diese Themen innerhalb des Interviews variiert werden, sie können in unterschiedlicher Reihenfolge angesprochen werden. Themen können weggelassen werden, es können aber auch neue hin- zukommen. Um die vom Interviewten angesprochene Themen zu vertiefen, sollten zusätzlich gegebenenfalls sogenannte Ad-hoc-Fragen im Interview ge- stellt werden.

4.3 Analyse von Leitfadeninterviews

Die Auswertung des vorliegenden Interviews wurde mit Hilfe der von Christi- ane Schmidt entwickelten Analysemethode für Leitfadeninterviews vorge- nommen. Bei dieser Auswertungsmethode erfolgt eine „Kategorienbildung am Material“ (Schmidt 1997:547), d.h. die Auswertungskategorien sind nicht vor der Erhebung der Daten festgelegt, sondern sie ergeben sich aus dem erhobe- nen Material. Dem für die qualitative Forschung geltenden Prinzip der Offen- heit muss auch bei der Auswertung des erhobenen Materials Rechnung getra- gen werden. Aufgrund der in dieser Forschungsarbeit vorliegenden theoreti- schen Vorüberlegungen und der daraus entwickelten Forschungsfrage und An- fangshypothesen wurden die Fragen des Leitfadeninterviews entwickelt. Aus den sich dadurch ergebenden Themen und Fragestellungen ergeben sich vage Kategorien. Diese werden dann in der Erhebungs- und Auswertungsphase nä- her bestimmt, verändert oder eventuell sogar ganz erneuert (Vgl. Schmidt 1997:548) Die hier verwendete Auswertungsmethode erfolgt in mehreren Schritten.

Kategorienbildung am Material Zunächst wird das erhobene Material mehrmals gelesen. Dabei lenkt das „ei-gene theoretische Vorverständnis und die Fragestellungen beim Lesen der Transkripte die Aufmerksamkeit“ (Schmidt 2007:449). Den einzelnen Textpas- sagen werden nun bestimmte Themen und Aspekte zugeordnet. Ein wiederhol- tes Lesen der Passagen ist laut Schmidt notwendig, um auch neue Aspekte und Themen zu erkennen, die vom Interviewpartner mit eingebracht werden, um sich also von seinen Vorannahmen zu lösen und auch Neues zu entdecken. Eine starre Suche nach Textpassagen, die zu den vorab formulierten Hypothe- sen passen, würde die Sicht für neue Aspekte und Themen versperren. Auf- grund der nun gefundenen Themen und Aspekte werden nun die Auswertungs- kategorien bestimmt.

Erstellung eines Codierleitfadens

In einem weiteren Schritt werden nun die Auswertungskategorien in einem Codierleitfaden zusammengestellt: die einzelnen Kategorien werden weiter präzisiert, d. h. ihnen werden verschiedene Ausprägungen zugeteilt.

Codierung des Materials

Mit Hilfe des Codierleitfadens werden die vorliegenden Interviews nun ver-

schlüsselt, d.h. es werden aus dem Interview die Passagen ausgewählt, die sich einer bestimmten Kategorie zuordnen lassen, dann wird für alle Passagen eine Ausprägung bestimmt. Somit erhält man „dominante Tendenzen“ (Schmidt 2007:453) für das einzelne Interview.

Quantifizierende Materialübersichten

Nun werden in Tabellen Häufigkeitsangaben zu den Auswertungskategorien aufgelistet; sie stellen keine Ergebnisse dar, können jedoch auf mögliche Zu- sammenhänge innerhalb der Auswertungskategorien hinweisen (Schmidt 1997:560).

Vertiefende Fallinterpretation

Im letzten Schritt der beschriebenen Methode wird der einzelne Fall nochmals für sich interpretiert. Hier löst man sich wieder ein wenig von den dominanten Auswertungskategorien und richtet seinen Blick auch auf die aufgrund der Codierung weggefallenen Ausprägungen.

[...]


1 Der Einfachheit halber wird im folgenden Text die Schreibweise „Schüler“ verwendet.

2 Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung [Hrsg.] 2000: Raumordnungsbericht 2000. Bonn

Details

Seiten
39
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640567188
ISBN (Buch)
9783640567621
Dateigröße
675 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144817
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Ganztagsschule Ländlicher Raum Offene Ganztagsschule

Autor

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Titel: Die Einführung der offenen Ganztagsschule aus der Perspektive jugendlicher Schüler/Innen im ländlichen Raum