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König Richard Löwenherz und die Juden

Seminararbeit 2006 23 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte: Heinrich II. (1154-1189)
2.1 Judenschutzpolitik Heinrichs
2.2 Kreuzzugsversprechen Heinrichs
2.3 Aufstände der Söhne Heinrichs

3. König Richard I. Löwenherz (1189-1199)
3.1 Krönung Richards 1189
3.2 Kreuzzugsvorbereitungen
3.3 Abwesenheit des Königs
3.3.1 Angriffe auf Juden
3.3.2 Richards Reaktion auf die Angriffe
3.3.3 Gefangenschaft Richards
3.3.4 Maßnahmen Richards bei seiner Rückkehr
3.3.5 Erneutes Verlassen Englands

4. Ausblick: Johann I. (1199-1216)
4.1 Ausbeutungspolitik Johanns
4.2 Erste große Auswanderungswelle der Juden 1210
4.3 Ende der Regierung Johanns

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

7. Quellenverzeichnis

8. Erklärung

1. EINLEITUNG

Im Folgenden soll die Entwicklung der jüdischen Gemeinden Englands ab der Mitte des 12. bis ins beginnende 13. Jahrhundert dargestellt werden. Insbesondere die Zeit der Regierung des englischen Königs Richard I. Löwenherz (1189-1199) stellt einen wichtigen Punkt in der Geschichte der Juden in England dar: Es kam erstmals zu organisierten Massakern an den jüdischen Gemeinden vieler Städte. Es ist zu untersuchen, in welchem Zusammenhang dies mit der Kreuzzugspolitik und der Person des Königs steht und wie dieser darauf reagierte. Um dies zu ermöglichen muss jedoch zunächst auch die Vorgeschichte, also die Zeit der Herrschaft Heinrichs II. (1154-1189), Richards Vater, erläutert und so die Ausgangssituation bei Richards Herrschaftsantritt 1189 herausgearbeitet werden. Zum Abschluss soll auch die Entwicklung der Situation der Juden in der Folgezeit unter König Johann I. (1199-1216), Richards jüngerem Bruder, erläutert werden, da hier schon Anzeichen für die endgültige Vertreibung der Juden aus England (1290) zu erkennen sind. Ein sehr guter Aufsatz, in dem auch der Zusammenhang zwischen Richards Kreuzzugspolitik und den Massakern an den englischen Juden 1189/90 behandelt wird, ist Robert C. Staceys „Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England, 1096-1190“. John T. Appleby befasst sich in seiner Monographie „England without Richard, 1189-1199“ besonders mit den Auswirkungen der Abwesenheit Richards von England. Robin R. Mundills Aufsatz „Medieval Anglo-Jewry: Expulsion and Exodus“ und Hermann Greives Monographie „Die Juden, Grundzüge ihrer Geschichte im mittelalterlichen und neuzeitlichen Europa“ bieten einen informativen Überblick über die gesamte mittelalterliche Geschichte des englischen Judentums. Eine gute Quelle, beispielsweise für das Massaker 1189 in London, liefert uns die Chronik des Richard von Devizes. In der Chronik des Matthew Paris findet man unter anderem Schilderungen der Massaker 1190. Den aktuellen Forschungsstand kann man dem einleitenden Artikel von Alfred Haverkamp „Judenvertreibungen in Mittelalter und früher Neuzeit [...]“ zum gleichnamigen Sammelband entnehmen. Er schreibt, dass die Forschungslage für die Geschichte des Judentums in England recht günstig sei. Juden lebten in England nur ungefähr 200 Jahre lang. Der Zusammenhang zwischen den zahlreichen örtlichen Vertreibungen und den Pogromen zur Zeit des Dritten Kreuzzugs wird herausgestellt, sowie der starke Einfluss, den der König und seine Verwaltung auf die Judenheit Englands hatten.

2. VORGESCHICHTE: HEINRICH I. (1154-1189)

In Heinrichs II. Regierungszeit hatten die Konflikte zwischen Krone und Adel noch sehr wenig Einfluss auf das Leben der Juden in England. Der Grund hierfür: Heinrichs Politik bezüglich der Juden.

2.1 Judenschutzpolitik Heinrichs

Beim Regierungsantritts Heinrichs II. gab es in England in vielen Städten jüdische Gemeinden. Die Juden waren dem englischen König sehr nützlich. Er nahm sie aus, indem er sie nicht nur zur Zahlung von Steuern und Abgaben heranzog, sondern auch als Agenten für den Exchequer einsetzte, die ihm hohe Summen liehen.[1] Zugleich schützte und förderte er sie jedoch. So gewährte er ihnen eigene Rechtsprechung nach ihren Gesetzen bei Angelegenheiten, die ihre Gemeinde betrafen, und sie durften ab 1177 eigene Friedhöfe errichten.[2] Die enge Verbindung zur Krone durch die Rolle des Königs als Schutzherr über die Juden führte zu wachsender Abhängigkeit der Juden von ihr und förderte die Judenfeindlichkeit in der Bevölkerung, vor allem im Adel. Der sichtbare Wohlstand der Juden durch ihre wirtschaftlichen Erfolge sorgte für starke Zuwanderung, trug aber ebenso weiterhin zur Steigerung des Judenhasses im Volk bei, das nicht erkannte, dass Heinrichs Politik den Juden langfristig keinesfalls förderlich war, da die Sondersteuer für Juden im Laufe seiner Regierungszeit stieg und die Wirtschaftsfähigkeit der Juden so auf Dauer ernsthaft gefährdete.[3] Ein wichtiges Gesetz für die Entwicklung des englischen Judentums ist das 1181 formulierte ‚Assize of Arms‘, das Juden den Waffenbesitz verbot, wodurch sie Angriffen hilflos ausgeliefert waren.[4] Doch trotz alledem und obwohl in England schon in den 1160ern der Ritualmordsvorwurf erstmals auftrat, der in den 1180ern zur generellen Annahme der Bevölkerung führte, Juden würden bei jeder Gelegenheit Christen ermorden, kam es während Heinrichs Regierungszeit nicht zu nennenswerten judenfeindlichen Angriffen, da der Schutz durch König und Sheriffs noch gut funktionierte.[5] Und obwohl die verstärkte jüdische Tätigkeit im Geldverleih in den 1180ern immer häufigere Forderungen nach Ausweisung der Juden in der Bevölkerung hervorrief, vertrieb Heinrich die Juden nicht. Nach dem Tod des Judens Aaron von Lincoln, dem damals reichsten Engländer, 1186, ließ Heinrich dessen Besitz konfiszieren und sorgte sogar für Eintreibung der Schulden, die Christen bei ihm hatten, zugunsten des Exchequer. Davon fühlte sich vor allem der Adel im Norden, der den Großteil der Schuldner ausmachte, vom eigenen König angegriffen. Auch dem Wunsch der Kreuzfahrer nach Minderung ihrer Schulden bei Juden kam Heinrich nicht nach.[6] Dem Volk stellte sich die Politik also tatsächlich als judenfreundlich, als Judenschutzpolitik, dar, und war dementsprechend unbeliebt. Die Auspressung der Juden durch den König nahmen die Menschen nicht wahr, sie sahen nur den Wohlstand der Juden und die eigene Verschuldung. Der König half ihnen nicht, im Gegenteil, er schien die Tätigkeit der Juden im Geldverleih zu fördern. Dass dies auf Dauer eher dem Exchequer als den Juden zugute kam, war für die Menschen nicht ersichtlich. Sie sahen die Juden als Feinde, die sich auf ihre Kosten bereicherten und dabei auch noch vom König geschützt wurden.

2.2 Kreuzzugsversprechen Heinrichs

Seit dem zweiten Kreuzzug hatte sich in der Kreuzzugsbewegung ein Wandel vollzogen: Die Könige wurden nun selbstverständlich als Anführer betrachtet, man sah es sogar als ihre Verpflichtung, durch einen erfolgreichen Kreuzzug den entehrten Jesus zu rächen. Ebenso mussten sie deshalb dafür sorgen, dass die Juden als Feinde Christi zur Finanzierung der Kreuzzüge beitrugen. Man erwartete also vom König Streichung der Schulden, die Kreuzfahrer bei Juden hatten, und Konfiszierung jüdischen Besitzes zur Unterstützung des Kreuzzuges. Wer als König dieser Verpflichtung nicht nachkam, riskierte seinen Thron. Dass die Könige aber weiterhin Schutzherren über die Juden waren, brachte sie in einen Konflikt. Heinrich II. versprach als erster König Englands, einen Kreuzzug zu führen, gemeinsam mit dem französischen König Philipp.[7] Zur Finanzierung erhob Heinrich 1188 in England eine Sondersteuer, den Saladin-Zehnten.[8] Der Betrag, den Juden zu zahlen hatten, war viel höher als der, den die restliche Bevölkerung zahlen musste.[9] Wegen Eskalation der Grenzkriege zwischen Heinrich und Philipp kam es nie zum geplanten Kreuzzug, Heinrich brach das Versprechen. Er hatte im Gegenteil nie ernsthafte Absichten gezeigt, es zu halten, gab er das Versprechen doch erst als Reaktion auf die Kreuzzugspläne seines Sohnes Richard und hatte vorher niemals vorgehabt, selbst das Kreuz zu nehmen.[10] Auch dieses Handeln machte Heinrichs Politik unbeliebt beim Volk, das vom König den Kreuzzug und die damit verbundenen Maßnahmen gegen Juden erwartete. Auch das Kreuzzugsversprechen verbesserte Heinrichs Ruf nicht, obwohl er nun wirklich den Beitrag der Juden zur Finanzierung des Kreuzzuges forderte, denn sein Ruf als „Judenschützer“ hatte sich beim Volk längst gefestigt und er bestätigte diesen Ruf durch Bruch des Versprechens.

2.3 Aufstände der Söhne Heinrichs

Heinrich II. hatte genaue Vorstellungen der Regelung seiner Nachfolge. Sein ältester Sohn Heinrich sollte Thronfolger sein, die Normandie, das Maine und Anjou erben, Gottfried die Bretagne, Johann Irland und Richard Aquitanien und die Grafschaft Poitou.[11] Doch Heinrich musste sich gegen mehrere Aufstände seiner Söhne, die mit der Erbfolge nicht einverstanden waren, verteidigen.[12] Beim ersten Aufstand 1174 erkannte Heinrich die Gefahr rechtzeitig. Es kam zu einer Schlacht auf dem Festland, bei der Richard sich als erster unterwarf, um sich dann auf die Seite seines Vaters zu stellen. Dies behielt er beim zweiten Aufstand bei, der wegen Krankheit des ältesten Sohnes Heinrich, der dann 1183 starb, ein frühes Ende nahm.[13] Da sein Vater keinerlei Absichten zeigte, einen Kreuzzug zu führen, nahm nun Richard als erster englischer Prinz selbst das Kreuz und ließ sich dies von seinem Vater auch nicht ausreden. Erst jetzt sah Heinrich keine andere Möglichkeit, als selbst einen Kreuzzug zu versprechen, und tat sich mit König Philipp von Frankreich zusammen. Doch dieser Kreuzzug wurde nie ausgeführt. Der Konflikt zwischen Heinrich und Richard eskalierte, sie stritten um die Nachfolge des Königs.[14] Richard, als ältester lebender Sohn, forderte nämlich die Krönung und die französischen Lehen und verbündete sich 1189 mit dem französichen König Philipp, der die Forderungen unterstützte.[15] So brach Krieg zwischen den vorher im Kreuzzug Verbündeten aus.[16] In den letzten Lebensjahren Heinrichs beschwerte sich sein Volk immer häufiger. 1189 wandten sich sogar seine vorher engsten Anhänger über sein Scheitern erbost von ihm ab. Am 06. Juli 1189 starb Heinrich II. schließlich. Richard erbte als ältester Sohn das gesamte Reich.[17]

3. KÖNIG RICHARD I. LÖWENHERZ (1189-1199)

Richard hatte bei seinem Regierungsantritt 1189 einen viel besseren Ruf als sein Vater, die Untertanen hatten hohe Erwartungen an ihn, besonders aufgrund seiner allgemein bekannten Kreuzzugspläne. Sie erwarteten Minderung ihrer Schulden bei Juden, wünschten sogar deren Vertreibung.[18] So war die relative Ruhe für Juden, die aufgrund des ‚Assize of Arms‘ noch dazu keine Chance zur Selbstverteidigung hatten, vorbei: Thronwechsel, Kreuzzugsstimmung und Judenhass wegen hoher Verschuldung, besonders im Adel, sollten bald zu antijüdischen Unruhen in größtem Ausmaß führen.[19] Die Juden waren in England immer noch eine Minderheit und lebten hauptsächlich in größeren Städten. Sie standen weiterhin direkt unter dem Schutz des Königs, der beim Tod eines Juden dessen Geld und Schuldscheine erbte. Nicht alle Juden waren Geldverleiher, doch die Mehrheit der Geldverleiher bestand aus Juden, und dass Christen dieses Geschäft als schändlich ansahen, bekam die ganze jüdische Gemeinde zu spüren.[20] Gründe des Glaubens und politische Gründe spielten dabei eine Rolle: Den Bewohnern der Städte missfiel die rechtliche Sonderstellung der Juden, Kirche und Adel sahen sie als Stütze der absoluten Königsmacht, für christliche Kaufleute waren sie unerwünschte Konkurrenz und die breite Masse der Schuldner wollte sich möglichst schnell und möglichst einfach ihrer Schulden entledigen.[21] Außerdem waren antisemitische Unruhen ein normaler Begleitumstand der Kreuzzugsbewegung: Der Hass der Menschen auf die Feinde Christi im Heiligen Land, die Sarazenen, schlug über auf die Juden im eigenen Land. Diese waren nicht so weit entfernt und deshalb wollte man zuerst gegen sie angehen.[22]

3.1 Krönung Richards

Am 02. September 1189, dem Tag vor Richards Krönung in Westminster Abbey, schloss Richard Frauen und Juden von der Teilnahme daran aus. Während der Ausschluss von Frauen traditionell war, waren Juden bis dahin immer eine normale Erscheinung bei Krönungen gewesen und ihr Ausschluss sollte gravierende Konsequenzen haben.[23] Am 03. September 1189 wurde Richard durch Erzbischof Balduin von Canterbury zum König gekrönt.[24] In London hatten sich an diesem Tag viele Christen und, trotz des Ausschlusses, auch Juden gesammelt. Die jüdischen Gemeinden wollten sich beim Regierungsantritt ihres neuen Herrn repräsentieren und so schickten sie Vertreter, die dem neuen Monarchen ihre ergebensten Wünsche übermitteln sollten.[25] Für die englischen Juden bedeutete der Thronwechsel eine unsichere Situation, da sie den neuen König nicht kannten und nicht wussten, ob er die Schutzprivilegien der vorigen Herrscher bestätigen würde, und so wollten sie ein möglichst gutes Verhältnis zu ihm, um Angriffe, die anderswo im Zusammenhang mit den Kreuzzügen auf jüdische Gemeinden verübt wurden, zu verhindern. Als die jüdischen Repräsentanten nun versuchten, dem König nach der Krönung beim Banquet zu begegnen, ließen die Wächter am Tor sie nicht ein, sondern schlugen sie nieder. Die christliche Menge, die sich vor den Toren gesammelt hatte, sah dies und beteiligte sich, im Glauben, der König habe den Angriff angeordnet.[26] Viele Juden wurden getötet oder schwer verletzt. Die Unruhe breitete sich in der Stadt aus, es kam zu einem Ausbruch blutiger Judenverfolgungen. Der Mob belagerte Juden in ihren Häusern, tötete viele und steckte schließlich die Häuser in Brand. Das Feuer griff auf weitere Häuser über und es entstand ein hoher Schaden. Der König schickte, als er von dem Aufruhr in der Stadt erfuhr, Rannulf Glanville, um den Mob zu bändigen, doch der war machtlos gegen die rasende Menge.[27] Der Jude Benedict von York entging dem Tod nur dadurch, dass er sich taufen ließ, einige andere Juden fanden Zuflucht im Tower von London oder bei Bekannten.[28] Die ganze Nacht lang wurden weitere Häuser geplündert und in Brand gesteckt.[29] Bei diesem Massaker wurde der größte Teil der Londoner jüdischen Gemeinde ausgerottet.[30] Eine zeitgenössische christliche Quelle, in der ein Beleg für die Ereignisse in London, vor allem auch für die zweitägige Dauer des Massakers, zu finden ist, ist die Chronik von Richard von Devizes, der stolz auf die Taten seiner Glaubensgenossen gewesen zu sein scheint, denn sein Text ist sehr judenfeindlich, er bezeichnet sie sogar als Söhne des Teufels: „ Eodem coronationis die [...] inceptum est in ciuitate Londonie immolare Iudeos patri suo diabolo. Tantaque fuit huius celebris mora misterii ut uix altera die compleri potuerit holocaustum.“[31] Eine jüdische Quelle für die gleichen Ereignisse liefert uns der deutsche Jude Ephraim von Bonn, der die Verantwortung für den Ausbruch der Unruhe bei dem Wächter an den Toren sieht, da dieser das Gerücht verbreitete, die Juden sollten getötet werden, und die Unschuld des Königs betont, da dieser von allem nichts gewusst habe und als er davon erfuhr, den Wächter grausam bestrafen ließ.[32] Dies zeigt, dass Richard anscheinend sogar bei den deutschen Juden hoch angesehen war oder zumindest nicht als Feind betrachtet wurde. Tatsächlich war Richards Reaktion auf die Vorfälle aber gespalten. Er war natürlich erbost über den Bruch seines Friedens am Tag seiner Krönung und die Plünderung ‚seiner‘ Juden, die eine potentielle Einnahmequelle für die königliche Schatzkammer darstellten und deshalb unter seinem Schutz standen.[33] So schickte er am nächsten Tag Boten in alle Bezirke Englands, die seinen Befehl, die Juden künftig in Frieden zu lassen, verkündeten. Er wollte die Juden nicht vertreiben, auslöschen oder durch Zwang bekehren und erlaubte sogar Benedict von York, als dieser ihm die Umstände seiner Taufe schilderte, zum jüdischen Glauben zurückzukehren. Richard scheint auch den versucht zu haben, herauszufinden wer die Täter beim Massaker in London waren, um sie festzunehmen und zu bestrafen, doch dazu kam es nie wirklich. Denn zum einen waren die Kriminellen kaum zu identifizieren, da fast alle Einwohner Londons beteiligt waren. Zum anderen spielte aber wahrscheinlich auch die Beteiligung von Rittern von Edelmännern, die bei Richards Krönung anwesend waren, eine Rolle bei der Reaktion des Königs, denn hätte er diese bestraft, hätte er sich diese Edelmänner möglicherweise zu Feinden gemacht. So wurden letztendlich nur drei Männer erhängt, nicht wegen ihrer Verbrechen an den Juden, sondern weil sie christliche Häuser geplündert und angezündet hatten.[34] Das einzige, was Richard für die Juden tat, war, dass er strenge Befehle zu deren Schutz an jeden Sheriff aussprach, um ähnliche Aufstände wie in London im Rest des Landes zu verhindern.[35] Wie konnte es aber überhaupt zu solch einem Massaker kommen?! Es war ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren, das letztendlich zum Ausbruch der antisemitischen Unruhen führte. Geldgier und allgemeine Unruhe spielten ebenso eine Rolle wie wirtschaftliche Frustration und natürlich Protest gegen die enge Beziehung zwischen König und jüdischem Geldverleih.[36] Die Londoner waren durch den Kreuzzug aufgehetzt gegen Andersgläubige und fühlten sich darin durch den Ausschluss der Juden von der Krönung vom König bestätigt. Außerdem erwarteten sie von ihm als Kreuzfahrer ohnehin die Vertreibung der Juden.[37] Richard sollte aber langfristig die Hoffnungen der Untertanen, die er durch die Milde bei der Bestrafung der Unruhestifter von Westminster noch bestärkt hatte, nicht erfüllen.[38]

[...]


[1] Greive, Hermann, Die Juden, Grundzüge ihrer Geschichte im mittelalterlichen und neuzeitlichen Europa (=Grundzüge 37), Darmstadt 1980, S.73.

[2] Corsten, Nicole und Pia Dekorsy, Die Geschichte der Juden in England (1066-1290), in: Beiträge zur Geschichte der Judenverfolgungen im Mittelalter, hg. v. Dietrich Lohrmann und Frank Pohle, Aachen 1995, S.111.

[3] Greive, Die Juden, Grundzüge ihrer Geschichte [...], S.74f.

[4] Greive, Die Juden, Grundzüge ihrer Geschichte [...], S.75f.

[5] Stacey, Robert C., Crusades, Martyrdomes and the Jews of Norman England, 1096-1190, in: Juden und Christen zur Zeit der Kreuzzüge, hg. v. Alfred Haverkamp (=Vorträge und Forschungen 47), Sigmaringen 1999, S.236.

[6] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.244f.

[7] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.242f.

[8] Der Name ‚Saladin-Zehnt‘ entstand, da der Kreuzzug gegen Sultan Saladin geführt werden sollte.

[9] Greive, Die Juden, Grundzüge ihrer Geschichte [...], S.75.

[10] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.243.

[11] www.mittelalter-luebeck.de/html/Loewenherz.html

[12] www.eckhart.de/index.htm?england.htm

[13] mittelalter-luebeck.de

[14] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.243.

[15] mittelalter-luebeck.de

[16] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.243.

[17] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.243f.

[18] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.244.

[19] Greive, Die Juden, Grundzüge ihrer Geschichte [...], S.75f.

[20] Appleby, John T., England without Richard, 1189-1199, Ithaca / New York 1965, S.12.

[21] Knoll, Kurt, London im Mittelalter, Leipzig 1932, S.130.

[22] Appleby, England without Richard [...], S.12f.

[23] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.245.

[24] mittelalter-luebeck.de

[25] Mundill, Robin R., Medieval Anglo-Jewry: Expulsion and Exodus, in: Judenvertreibung in Mittelalter und früher Neuzeit, hg. v. Friedhelm Burgard, Alfred Haverkamp und Gerd Mentgen (=Forschungen zur Geschichte der Juden, Abt. A: Abhandlungen, 9), Hannover 1999, S.79.

[26] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.245f.

[27] Appleby, England without Richard [...], S.12.

[28] Greive, Die Juden, Grundzüge ihrer Geschichte [...], S.76.

[29] Appleby, England without Richard [...], S.12.

[30] Beinhart, Haim, Geschichte der Juden, Atlas der Verfolgung und Vertreibung im Mittelalter, Jerusalem / Israel 1992, Augsburg 1998, S.42.

[31] zitiert nach Ricardus Divisens, Cronicon Ricardi Divisensis De Tempore Regis Richardi Primi, hg. v. John T. Appleby (=Medieval Texts), London 1963, S.3.

[32] Jacobs, J., The Jews of Angevin England, 1894, S.107: „[...] the doorkeeper started a rumour that the Jews should be killed and the King knew nothing of this [...] [when the king found out the truth] he ordered them to bind the doorkeeper to the tails of horses, dragging and casting him through the streets and alleys of the City till his spirit departed and he died a miserable death [...]“,zitiert nach Mundill, Judenvertreibung in Mittelalter [...], S.79f.

[33] Appleby, England without Richard [...], S.13.

[34] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.246.

[35] Appleby, England without Richard [...], S.13.

[36] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.250.

[37] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.246.

[38] Stacey, Crusades, Martyrdomes, and the Jews of Norman England [...], S.250.

Details

Seiten
23
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640541041
ISBN (Buch)
9783640541584
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144715
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,3
Schlagworte
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