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Die religionspädagogische Konzeption der Evangelischen Unterweisung unter besonderer Berücksichtigung der Lehrperson

Seminararbeit 2006 19 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der Kontext der evangelischen Unterweisung
1. Die Liberale Religionspädagogik als Vorgängerin der Evangelischen Unterweisung
2. Der (kirchen-) geschichtliche Kontext der Evangelischen Unterweisung

III. Die religionspädagogische Konzeption der Evangelischen Unterweisung
1. Die Begründung der Evangelischen Unterweisung
2. Die Konzeption der Evangelischen Unterweisung im Einzelnen
2.1. Allgemeines
2.2. Ziele und Aufgaben
2.3. Stoffe und Themen
2.4. Methodik
2.5. Die SchülerInnen
2.6. Die Lehrperson

IV. Schluss

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit der religionspädagogischen Konzeption der Evangelischen Unterweisung beschäftigen. Wie bereits dem Titel der Arbeit zu ent- nehmen ist, soll hierbei die Rolle der Lehrperson besondere Beachtung finden. Um die Evangelische Unterweisung in ihrem Wesen richtig zu verstehen, werde ich mich zunächst mit dem religionspädagogischen und historischen Kontext dieser Kon- zeption befassen (Kapitel II). Hierauf gehe ich zu Beginn des Kapitels III auf die Be- gründung der Evangelischen Unterweisung durch die wichtigsten Autoren und deren Werke ein. Dann folgt eine eingehende Untersuchung der Konzeption der Evangeli- schen Unterweisung in Hinblick auf Inhalte, die Rolle der SchülerInnen und schließlich die der Lehrperson. Hierbei werde ich einige der bedeutendsten Primärquellen hinzu- ziehen. Zum Abschluss der Arbeit (Kapitel IV) nehme ich eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse und eigene Bewertung vor.

An dieser Stelle sei bereits der zentrale Begriff „religionspädagogische Konzeption“ definiert: „(...) eine religionspädagogische Konzeption [gibt] Auskunft darüber, was Religionsunterricht

- zu einer bestimmten Zeit
- am Ort öffentliche Schule
- nach vorherrschender Meinung will und soll“1.

II. Der Kontext der Evangelischen Unterweisung

1. Die Liberale Religionspädagogik als Vorgängerin der Evangelischen Unterweisung

Beschäftigt man sich mit einer religionspädagogischen Konzeption, ist es durchaus sinnvoll, auch ihre Vorgängerin mit in die Betrachtungen einzubeziehen. Dies ergibt sich aus der Feststellung, dass der Gegenstand des religionspädagogischen Begriffs „Konzeption“ „(...) das geschichtlich und soziokulturell vielfach bedingte Selbstver-

ständnis (...) und Erscheinungsbild von Religionsunterricht“2 ist. Diese Bedingtheit kann nur mit dem Blick auf die vorangegangene Konzeption erkannt werden.

Als Vorgängerin der Evangelischen Unterweisung bestimmte die Konzeption der Liberalen Religionspädagogik den Religionsunterricht in Deutschland im Zeitraum von etwa 1900 bis 1920/253. Begründer und wichtigster Vertreter ist Richard Kabisch mit seinem Buch „Wie lehren wir Religion? Versuch einer Methodik des Evangelischen Unterrichts für alle Schulen auf psychologischer Grundlage“ (1910, 1931).

Notwendig geworden war die Entwicklung einer neuen Konzeption, weil der Religionsunterricht des 19. Jahrhunderts durch Konservatismus und Dogmatismus „am Kind vorbeiging“4. So versuchte nun die Liberale Religionspädagogik, liberale Theologie und wissenschaftliche Pädagogik zu verbinden.

Ausgehend von der Annahme, Religion an sich sei lehrbar, sah man die Aufgabe des Religionsunterrichts darin, die „religiöse Anlage“ im Menschen zu pflegen und weiterzuentwickeln. Dies sollte durch die Vermittlung religiöser Erlebnisse geschehen. Daraus ergab sich auch, dass die Methodik vor der Didaktik Priorität hatte. Damit waren alle Themen für den Unterricht geeignet, wenn diese den SchülerInnen Erlebnisse vermitteln konnten. Unterrichtsstoffe waren also nur Mittel, um Religion zu erzeugen. Zu diesem Zweck eigneten sich beeindruckende Ereignisse wie Naturerscheinungen, Gewissenserfahrungen und insbesondere biblische Geschichten.

Begründet sah Kabisch den Religionsunterricht in seiner Funktion, zur staatsbürgerlichen Erziehung in der christlich-abendländischen Kultur beizutragen.

Den Lehrenden und ihrer Autorität wurde große Bedeutung beigemessen. Aufgrund der Autoritätsposition des Lehrers / der Lehrerin dachte man, die SchülerInnen seien so besonders emotional beeinflussbar und religiösen Gefühlen zugänglich. Vorrangiges methodisches Mittel im Unterricht waren Erzählungen, welche Erlebnisse anderer lebendig machen und bei den SchülerInnen Emotionen hervorrufen konnten.

2. Der (kirchen-) geschichtliche Kontext der Evangelischen Unterwei- sung

Zum entscheidenden (kirchen-) geschichtlichen Kontext für die Entstehung der Evangelischen Unterweisung gehören die Ereignisse der 20er Jahre im Anschluss an den von Deutschland verlorenen 1. Weltkrieg (1914-1918). Als Folge der Niederlage und des Endes der Monarchie (gleichzeitig das Ende des landesherrlichen Kirchenregiments) befand sich der Protestantismus in einer Phase der Krise5. Eine Kirchenverfassung und neue geistige Grundlagen mussten gefunden werden.

In den 20er Jahren bildete sich die „Theologie der Krisis“, begründet durch Karl Barth. Auch „Theologie des Wortes Gottes“ oder „dialektische Theologie“ genannt, stellte sie einen Bruch mit der liberalen Theologie dar. Barth betonte insbesondere die Transzendenz Gottes6 und übte Kritik am Religionsbegriff der liberalen Theologie7. Das Wort Gottes rückte nun ins Zentrum8. Die dialektische Theologie beeinflusste die Vertreter der Evangelischen Unterweisung in hohem Maße9.

Zur gleichen Zeit kam es zur sog. „Lutherrenaissance“ durch Karl Holls Lutheraufsätze10. Elemente der Rückbesinnung auf die reformatorische Theologie gab es ebenfalls in der dialektischen Theologie.

Im Zeichen der Auseinandersetzung mit dem NS-Regime (Kirchenkampf) stand die Kirche in den 30er Jahren. Lämmermann bezeichnet das Verhältnis der Vertreter der Evangelischen Unterweisung in dieser Hinsicht als ambivalent11. Oft scheinen dabei die Religionspädagogen der Evangelischen Unterweisung mit den dialektischen Theologen und damit der Distanz bzw. dem Widerstand gegenüber dem Nationalsozialismus - automatisch gleichgesetzt zu werden. Kritische Momente sieht Lämmermann vor allem in der Biographie Kittels und in einigen Ideen Bohnes12,13.

Auch die Zeit nach dem 2. Weltkrieg mit der Neugründung der Bundesrepublik gehört noch zum geschichtlichen Kontext der Evangelischen Unterweisung, sie übte allerdings nicht mehr diesen prägenden Einfluss auf die Konzeption aus wie die früheren Ereignis- se.

III. Die religionspädagogische Konzeption der Evangelischen Unterweisung

1. Die Begründung der Evangelischen Unterweisung

Die Evangelische Unterweisung löste die Liberale Religionspädagogik als Konzeption für den evangelischen Religionsunterricht ab und bestimmte diesen in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis Ende der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts14. Einflüsse der Evangelischen Unterweisung sind auch später noch erkennbar, beispielsweise in Schulbüchern oder Lehrplänen der 60er Jahre15. Besonders in den Volksschulen war sie bis in die 70er Jahre die vorherrschende religionspädagogische Konzeption16.

Grundlegende Werke zur Evangelischen Unterweisung wurden allerdings bereits ab Ende der 20er Jahre verfasst17. Zu den wichtigsten Autoren gehören Helmuth Kittel (1902-1984), Gerhard Bohne (1895-1977) und Oskar Hammelsbeck (1899-1975)18. Bohnes „Das Wort Gottes und der Unterricht“19 aus dem Jahre 1929 gilt als erstes Werk der hier behandelten Konzeption20. Das bedeutendste Buch mit der weitreichendsten Wirkung stellt Kittels „Vom Religionsunterricht zur Evangelischen Unterweisung“21 von 1947 dar. Kittel ist sowohl Namensgeber als auch Hauptvertreter der Evangelischen Unterweisung22. Des Weiteren sind bedeutsam Hammelsbecks „Der kirchliche Unter- richt“23 und die „Evangelische Christenlehre“24 von Albertz / Forck.

[...]


1 Ritter, Werner H.: Religionspädagogische Konzeptionen - zwischen Vielfalt und Profil. In: Schreiner, Martin (Hg.): Vielfalt und Profil. Zur evangelischen Identität heute. Neukirchen-Vluyn 1999, S. 144.

2 Ebd.

3 Vgl. auch im Folgenden Ritter, S. 145-147.

4 A.a.O., S. 145.

5 Vgl. auch im Folgenden Wallmann, Johannes: Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation. Tübingen 21985 (UTB für Wissenschaft: Uni Taschenbücher 1355), S. 265.

6 Vgl. a.a.O., S. 266.

7 Vgl. Lämmermann, Godwin: Prüfungswissen Theologie. Religionspädagogik im 20. Jahrhundert. Gütersloh 1994 (Kaiser Taschenbücher 160), S. 65.

8 Vgl. a.a.O., S. 71.

9 Vgl. a.a.O., S. 64f.

10 Vgl. Wallmann, S. 268.

11 Vgl. Lämmermann, S. 65f.

12 Vgl. a.a.O., S. 67; Genaueres dazu s. ebd.

13 Zu den beiden Autoren s.u., Kap. III.1.

14 Vgl. Weiße, Wolfram (et al. Hg.): Hauptströmungen evangelischer Religionspädagogik im 20. Jahrhundert. Ein Quellen- und Arbeitsbuch. (Jugend - Religion - Unterricht. Beiträge zu einer dialogischen Religionspädagogik. Band 8) Münster, New York, München, Berlin 2002.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. Lämmermann, S. 93.

17 Vgl. Ritter, S. 147.

18 Vgl. ebd.

19 Bohne, Gerhard: Das Wort Gottes und der Unterricht (1929). Berlin 31964.

20 Vgl. Ritter, S. 147.

21 Kittel, Helmuth: Vom Religionsunterricht zur Evangelischen Unterweisung. Lüneburg 1947.

22 Vgl. Weiße, S. 129.

23 Hammelsbeck, Oskar: Der kirchliche Unterricht. München 21947.

24 Albertz, Martin und Bernhard Heinrich Forck: Evangelische Christenlehre. Ein Altersstufen-Lehrplan. Wuppertal 1948.

Details

Seiten
19
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640556854
ISBN (Buch)
9783640556816
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144682
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Institut für Evangelische Theologie
Note
1,7
Schlagworte
Religionspädagogisches Konzept Evangelische Unterweisung Religionspädagogik Religionslehrer

Autor

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Titel: Die religionspädagogische Konzeption der Evangelischen Unterweisung unter besonderer Berücksichtigung der Lehrperson