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Praktikum an einer Grundschule. Bericht über die Hospitation und Analyse des Lehrerleitbildes

Praktikumsbericht / -arbeit 2008 13 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Ziele und methodische Vorgehensweise der Erkundung

3 Durchführung des Praktikums
3.1 Geschaffenes Lernumfeld
3.2 Orientierung des Unterrichts an Wochenplänen
3.3 Freiarbeit
3.4 Fleißaufgaben und Leistungsbewertung
3.5 Unterrichtsablauf und -gestaltung
3.6 Überraschungen im Unterricht - Unterrichtsanalyse

4 Ergebnisse der Erkundung – Lehrerleitbild

5 Schlussbemerkungen

Verlaufsprotokoll

1 Einleitung

Ich habe mein Grundpraktikum an einer Grundschule absolviert und dabei die Klasse 3a von Klassenleiterin Frau G. an elf aneinander folgenden Tagen für jeweils ein paar Stunden im Unterricht begleitet.

Neben der Schulerkundung bildete die Hospitation den Schwerpunkt des Praktikums, sodass ich mich besonders auf die Tätigkeit des Lehrers und ihre Komplexität konzentriert habe. So hat mich während des Praktikums folgende Fragestellung am meisten interessiert: Auf welche pädagogische Art und Weise setzt die Lehrerin die Vorgaben des Lehrplans praktisch im Unterricht um und inwieweit geht sie dabei auf die Bedürfnisse und Wünsche der Schüler ein? Ich habe dabei besonders auf das Verhältnis zwischen Lehrerin und Lerner, auf Konsequenzen von Überraschungen verschiedenster Art im Unterricht und auf die Produktivität der angewandten Sozialformen geachtet. Zentraler Gegenstand meiner Beobachtungen waren folglich die Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern. Diese Fragestellung lässt sich demnach dem Handlungsfeld des Lehrerleitbildes zuordnen.

2 Ziele und methodische Vorgehensweise der Erkundung

Der Großteil der 30 Stunden war Hospitation, kombiniert mit kleinen praktischen Aufgaben. Durch die Auswertung mehrerer meiner Unterrichtsprotokolle konnte ich selbst im Nachhinein den Unterrichtsverlauf noch einmal durchgehen und Auffälligkeiten und Besonderheiten im Lehrer- beziehungsweise Lernerverhalten zusammentragen.

Mein Ziel war es, die fachwissenschaftlichen und didaktischen Kenntnisse, die ich in meinem bisherigen Studium der Bildungswissenschaften erworben habe, mit der Praxis des Unterrichtsprozesses zu verbinden. Ich wollte erste Eindrücke und Erfahrungen im Berufsfeld sammeln und die Schule als Institution erkunden und gegebenenfalls meine Entscheidung für den Lehrerberuf kritisch reflektieren.

Von Anfang an wollte ich die Schulpraxis nicht nur aus Sicht der Lehrerin erfahren, sondern auch bewusst den Unterricht mit den Augen der Schüler verfolgen. Zwar war ich selbst lange genug Schüler, habe jedoch in meiner Schulzeit wenig auf die Effizienz der angewandten Methodik oder auf die Auswirkungen der Didaktik auf mich und mein Lernverhalten geachtet.

Da ich mich für das Handlungsfeld des Lehrerleitbildes entschieden habe, war das nähere Kennenlernen der Inhalte des Lehrerberufs mein nächstes Ziel in diesem Praktikum. Dabei versuchte ich besonders meine derzeit noch vorhandenen Schwächen, die für den Lehrerberuf hinderlich sein könnten, zu erkennen, um an diesen in der Folgezeit zu arbeiten, sowie meine Stärken weiter auszubauen. Das konnte ich unter anderem dadurch erreichen, dass ich meinen Charakter und meine Persönlichkeitsmerkmale mit dem Auftreten der Lehrerin verglich beziehungsweise mich in ihre Lage bei schwierigen Unterrichtssituationen versetzte und mich fragte, ob ich diese auf die gleiche Art gelöst oder mich anders verhalten hätte. Zusätzlich durfte ich das in einer Unterrichtseinheit auch praktisch testen, als ich die Hälfte einer Klasse allein beaufsichtigt hatte.

Meine Aufgabe Lösungen für die oben genannte Fragestellung zu finden, erfüllte ich durch die Auswertung meiner Mitschriften, Notizen und Unterrichtsprotokolle, aber auch durch bewusstes Beobachten des Unterrichts unter bestimmten Gesichtspunkten. So konzentrierte ich mich beispielsweise für die Zeit einer Schulstunde darauf wie Frau G. auf unerwartete Situationen und Störungen im Unterricht reagiert, in der darauffolgenden Stunde achtete ich besonders auf ihren Einsatz von Medien und in einer weiteren Unterrichtseinheit war mir wichtig, wie sie ein Thema für die Kinder aufbereitet hat und schließlich im Unterricht einführt, sodass es die Schüler gleich verstehen.

3 Durchführung des Praktikums

3.1 Geschaffenes Lernumfeld

In der Grundschule gibt es neun Klassen; im Schnitt sind es jeweils 20 bis 25 Schüler, Tendenz eher leicht steigend. Die Klasse 3a besteht aus 19 Schülern, der Klassenleiterin nach eine ideale Größe. Die Zahl ist überschaubar, im Klassenraum ist mehr Platz für Freiarbeit und andere praktische Aufgaben. Außerdem ist das Risiko, dass Konflikte zwischen den Schüler entstehen, geringer als in Zimmern, in denen die Schüler an eng zusammengeschobenen Tischen sitzen müssen und in der Pause wenige Möglichkeiten haben, zu spielen oder in Gruppen zusammen zu sein. Weil sich die Einrichtung des Zimmers so stark von der aus meiner Grundschulzeit unterschied, fiel mir daher zu Beginn der Hospitation auf, dass ein Lehrer nicht nur die Aufgabe hat den Schülern Lernstoff zu vermitteln, sondern im Rahmen der gegebenen Umstände ein bestmögliches Lernumfeld zu schaffen.

Die Lehrerin hat zusammen mit den Kindern das Klassenzimmer so gestaltet, dass eine angenehme Lernathmosphäre gewährleistet ist, die Schüler sich wohlfühlen und gerne darin lernen, zumal sie in fast allen Fächern von Frau G. in diesem Raum unterrichtet werden. Die Gestaltung des Klassenraums trägt wesentlich dazu bei, überschaubare Strukturen für die Lerner zu schaffen. Durch eine sinnvolle und vor allem gleichbleibende Anordnung der Arbeitsmittel und Materialien werden bereits wirksame Ordnungen vorgegeben. Eine farbenfrohe Tapete, bebilderte Plakate, ein Fischaquarium sowie Regalschränke mit Spielen, einer Klassenbibliothek mit Sachbüchern für Forschungsaufträge und Eigentumsfächer für jeden Schüler machen das Zimmer freundlicher und angenehmer. Quer durchs Zimmer ist eine Wäscheleine gespannt, an der Werke aus dem Kunstunterricht aufgehängt wurden. Die Kinder ziehen im Klassenraum Hausschuhe an und auf den Stühlen sitzen sie auf selbst mitgebrachten Kissen. Damit der Unterricht bis zum Schluss ruhig verläuft, wurde die Uhr hinten an der Wand außerhalb des Blickfeldes der Schüler angebracht und der Schulgong ertönt nur zu bestimmten Pausen.

Weil die Schüler den Großteil der Unterrichtszeiten mit der gleichen Lehrerin in ein und demselben Raum sind, wird das Lehrer-Lerner-Verhältnis enger und ungezwungener und damit für beide Seiten angenehmer.

Außerdem gibt es einen Plan für den Ordnungs-, Garderoben-, Tafel- und Blumendienst, durch den die Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen und Aufgaben pflichtbewusst und regelmäßig auszuführen. Die Lehrerin kommt somit ihrer Aufgabe nach den Schülern grundlegende Werte zu vermitteln wie Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Gehorsam.

3.2 Orientierung des Unterrichts an Wochenplänen

Der Unterricht von Frau G. an sich ist an Wochenplänen ausgerichtet. Diese geben Themen und Inhaltsschwerpunkte für jede einzelne Woche in jedem Schulfach vor. Beispielsweise beschäftigten sich die Schüler vom 15. bis 21.1.2008 in Deutsch mit Wörtern mit doppeltem Mitlaut und zusammengesetzten Verben, im Sachkundeunterricht mit dem Thema Wasser - Sinken und Schwimmen, in Mathematik mit dem halbschriftlichen Addieren und Subtrahieren von Zahlen bis 1000. Zusätzlich konnten die Kinder Fleißaufgaben erledigen, auf die ich später eingehen möchte. An einem Tag in der Woche arbeitet Frau G. ihren Unterricht anhand des Wochenplans aus. Dabei legt sie nicht den Plan für jede einzelne Stunde fest, sondern notiert sich lediglich den groben Ablauf, sucht geeignete Hausaufgaben aus, entwickelt relevante Tafelbilder und denkt sich Beispielaufgaben aus, die sie zur Einführung von neuen Unterrichtsthemen verwendet. Indem sie sich keinen festgelegten Zeitplan strickt und die Stunden nicht konkret vorbereitet, ist sie in der Lage flexibel auf einen unerwarteten Unterrichtsverlauf (z.B. Verzögerungen durch Zwischenfälle, zu langsame Arbeitsweise der Schüler) zu reagieren und spontan umzuplanen (z.B. durch Weglassen oder Hinzunehmen von Aufgaben oder Diskussionen zu den Unterrichtsthemen). Da jede Schulklasse aus anderen Kindern verschiedener Verhältnisse besteht, die anders und unterschiedlich schnell im Stoffgebiet vorankommen, kann sie als Klassenlehrerin nie die gleiche Ausarbeitung zweimal verwenden; eine Lehrerin der vierten Klasse bestätigte mir, dass sie es genauso handhabe. Frau G. muss sich zwar an die Punkte im Lehrplan halten, darf aber nach eigenem Ermessen entscheiden wie viele Unterrichtsstunden sie für das jeweilige Thema nutzt.

Der Wochenplan hängt zur besseren Orientierung vorne an der Tafel. Zum Absolvieren des Wochenplans gibt die Lehrerin meist zum Ende der jeweiligen Stunde Zeit und die Schüler müssen eine Reihe von Aufgaben erledigen, und sie in der entsprechenden Tabelle an der Tafel abhaken. Auf einem Tisch stehen entsprechend zum Wochenplan Ablagekörbe mit den Arbeitsaufgaben beziehungsweise Arbeitsblättern. Dabei gibt es, um die Schüler je nach ihrer Lerngeschwindigkeit und Auffassungsgabe individuell zu fördern, drei verschiedene Schwierigkeitsgrade. Die Lehrerin schätzt das Wissen und Können des Schülers ein und weist ihm danach ein bestimmtes Arbeitsblatt mit für ihn fördernden Aufgaben zu. Die Wochenplanarbeiten werden in den dafür vorgesehenen Schnellhefter geheftet. Ich denke, der Vorteil dabei ist, dass die Rolle der Lehrerin als alleswissende Autorität unbedeutender wird, sodass sie stattdessen als Partner im Lernprozess des Schülers erscheint. Das heißt, weniger frontal lenkend und vortragend, mehr überschauend und beobachtend. Die Lehrerin gibt lediglich Hilfestellungen und tritt als Beraterin auf.

Wenn der jeweilige Tagesplan erreicht ist, können die Kinder an ihren Wochenplanaufgaben weiterarbeiten. Frau G. steuert den Unterricht durch die Auswahl von geeignetem Material. Dieses stellt sie bereit, die Schüler legen die Reihenfolge der Bearbeitung der Aufgaben fest und arbeiten selbstständig oder mit einem Partner zusammen. Schließlich kontrollieren die Lerner auch ihre Lösungen anhand der Lösungszettel selbst, bevor sie der Lehrerin vorgelegt werden. Das Arbeiten an den Wochenplanaufgaben ist nicht nur auf das Klassenzimmer beschränkt. Im Flur des Schulhauses sind mehrere Tische aufgestellt, an denen die Kinder in Gruppen gemeinsam ebenfalls die Aufgaben durchgehen können. Langsamer arbeitende Kinder haben im Förderunterricht die Möglichkeit in einer kleinen Gruppe vor- und nachzuarbeiten. Damit sich auch diese langsamen Schüler im Wochenplanunterricht mit Lehr- und Lernspielen beschäftigen können, werden diese Aufgabenstellungen nach und nach in die Pflichtaufgaben eingebaut.

Zu den Aufgaben der Lehrerin zählen deshalb unter Berücksichtigung des Wochenplanes die Auswahl der Aufgaben, Texte, Hausaufgaben und Einführungsbeispiele, dann die individuelle Betreuung und Förderung eines jeden Kindes durch Aufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, das Bestimmen des Stundenumfangs eines Themas, die Bereitstellung von Arbeitsmaterial und zusätzlichen Fleißaufgaben und schließlich auch die Beaufsichtigung und Kontrolle der Schüler beim selbstständigen Arbeiten.

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Details

Seiten
13
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783668183933
ISBN (Buch)
9783668183940
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144590
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,0
Schlagworte
Praktikumsbericht Grundpraktikum Grundschule Lehrerleitbild Unterrichtsprotokoll Hospitation

Autor

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Titel: Praktikum an einer Grundschule. Bericht über die Hospitation und Analyse des Lehrerleitbildes