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Lifestyle-TV-Formate im deutschen Fernsehen

Eine medienpsychologische Rezeptions- und Wirkungsanalyse bei Jugendlichen

Bachelorarbeit 2009 142 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Medienpsychologische Aspekte der Massenkommunikation
2.1 Definition und theoretische Perspektiven der Medienpsychologie
2.2 Theoretische Ansätze der Massenkommunikation
2.2.1 Definition Massenkommunikation
2.2.2 Das Modell der Informationsübertragung von Shannon und Weaver
2.2.3 Das Feldschema der Massenkommunikation von Maletzke
2.3 Medienkompetenz und Dimensionen
2.3.1 Definition Medienkompetenz
2.3.2 Dimensionen von Medienkompetenz
2.3.2.1 Medienwissen / Medialitätsbewusstsein
2.3.2.2 Medienspezifische Rezeptionsmuster
2.3.2.3 Medienbezogene Genussfähigkeit
2.3.2.4 Medienbezogene Kritikfähigkeit
2.3.2.5 Anschlusskommunikation

3 Rezeptions- und Wirkungsforschung
3.1 Definition und Abgrenzung
3.1.1 Medienrezeptionsforschung
3.1.2 Medienwirkungsforschung
3.1.3 Der Wandel in der Forschung
3.2 Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen
3.3 Informationsverarbeitung und Aufmerksamkeitsprozesse bei Fernsehformaten
3.4 Rezeption und Verarbeitung
3.4.1 Uses-and-Gratifications-Ansatz
3.4.1.1 Identifikation
3.4.1.2 Eskapismus
3.4.1.3 Parasoziale Interaktion
3.4.2 GS-GO-Modell
3.5 Das Grundmodell der Wirkungsforschung
3.5.1 Stimulus-Response-Modell
3.5.2 Entwicklung des Modells
3.5.3 Erklärung des Modells
3.6 Wirkungen in Abhängigkeit der Rezipienten
3.6.1 Personale Faktoren
3.6.2 Bedürfnisse
3.6.3 Beziehungen zum Kommunikationsgegenstand
3.6.4 Gewohnheiten
3.6.5 Soziale Faktoren
3.7 Wirkungsarten der Medien
3.7.1 Informationswirkungen
3.7.2 Emotionale Wirkungen
3.7.3 Verhaltenswirkungen
3.8 Wirkungsbereiche der Medien
3.8.1 Wirkungen auf ein Individuum
3.8.2 Wirkungen auf eine Gruppe oder ein Netzwerk
3.8.3 Wirkungen auf die Gesellschaft

4 Empirische Rezeptions- und Wirkungsanalyse von Jugendlichen am Beispiel von Germany’s next Topmodel
4.1 Genrecharakteristika und Einordnung der Lifestyle-TV-Formate
4.2 Etablierung und Platzierung von Germany’s next Topmodel
4.3 Problemstellung
4.4 Konzeption der Untersuchung
4.4.1 Festlegung des Erhebungsinstruments
4.4.2 Auswahl der Stichprobe
4.4.3 Konstruktion des Fragebogens
4.4.4 Gütekriterien
4.5 Auswertung der Ergebnisse
4.5.1 Deskriptive Auswertung
4.5.2 Ermittlung der Zusammenhänge

5 Fazit
5.1 Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse
5.2 Handlungsempfehlung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Modell der Informationsübertragung nach Shannon und Weaver

Abbildung 2: Feldschema von Maletzke

Abbildung 3: Elemente des Nutzen- und Belohnungsansatzes

Abbildung 4: Empirisch ermittelte Motivdimensionen der Fernsehnutzung

Abbildung 5: Erwartungs-Bewertungsmodell

Abbildung 6: Klassen von Medien(wahl)motiven in Abhängigkeit von Erwartung und Bewertung

Abbildung 7: S-O-R-Modell der Medienwirkung

Abbildung 8: Das Grundmodell der Wirkungsforschung

Abbildung 9: Medienwirkungen I

Abbildung 10: Medienwirkungen II

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Mittelwertberechnung der Gründe zur Fernsehnutzung

Gründe der Fernsehnutzung

Tabelle 2: Mittelwertberechnung der individuelle Auswirkungen auf die Schüler

Tabelle 3: Mittelwertberechnung der persönlichen Wiedererkennung mit den in der Sendung dargestellten Probleme

Tabelle 4: Korrelationen der Gründe zur Fernsehnutzung

Tabelle 5: Korrelationen der Auswirkungen des Fernsehens

Tabelle 6: Korrelationen der Motive zur Fernsehnutzung und Fernsehwirkungen

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Einen Großteil ihrer Zeit verbringen die Menschen mit Kommunikation, sei es mit ihrer Familie oder Freunden, mit anderen oder alleine, bei der Arbeit oder in der Freizeit, per Email oder Telefon. Diese Liste ließe sich endlos weiter führen und somit die Bedeutung von Kommunikation und Medien, die dabei fast immer ein- gesetzt werden, weiter zu belegen. Vor allem das Fernsehen gehört für viele Menschen zu den selbstverständlichen Gewohnheiten und hat so eine etablierte Position in den alltäglichen Lebensweisen eingenommen. Die Fernsehproduzen- ten sind sich dieser hohen Bedeutung bewusst und reagieren mit einer Entwick- lung verschiedenster Sendungsangeboten, um für jeden Zuschauer und jede Situation ein passendes Angebot bereitzuhalten. Bei der Nutzung des Fernse- hens geht es jedoch längst nicht mehr ausschließlich um Informationsgewinnung sondern vielmehr um Unterhaltung. Dabei haben vor allem Formate des soge- nannten Affektfernsehens einen etablierten Platz in den Sendungsangeboten eingenommen. Das Affektfernsehen lässt sich durch die vier folgenden Faktoren charakterisieren: Personalisierung, Authentizität, Intimisierung und Emotionalisie- rung. Das bedeutet, es werden Einzelschicksale unprominenter oder prominenter Personen als vermeintlich wahre Geschichte oder zumindest durch eine Live- Charakter dargestellt, indem eine öffentliche Thematisierung ursprünglich privater Themen erfolgt, die durch besonders emotional besetze Inhalte präsentiert wird oder zumindest über eine emotionalisierende Präsentationsweise erfolgt.1 Dazu lassen sich auch die für die vorliegende Arbeit relevanten Lifestyle-TV-Formate zählen. Für diese Art der Fernsehformate sind vor allem Jugendliche empfäng- lich, da diese ein vermeintlich reales Bild der Welt suggerieren. Heranwachsende entwickeln einen Entwurf von der Welt sowie von ihrer Stellung in dieser Welt, die durch die verwirrende Vielfalt von dargestellten Lebenskonzepten beeinflusst werden kann. Ein hoher Konsum, vor allem dieser Inhalte, kann die Vorstellun- gen von der Realität beeinflussen. Die Jugendlichen stehen also vor der Aufgabe zu unterschieden was Realität und Fiktion ist. Die Medieninteraktion und - nutzung stellen somit einen wesentlichen Faktor zur Befriedigung entwicklungs- psychologischer Bedürfnisse dar. Nach welchen Kriterien die Jugendlichen Medien konsumieren hängt demnach von dem Individuum selbst sowie von den Bedürfnissen, die dadurch zufrieden zu stellen versucht werden ab. Ist der jugendli- che Zuschauer jedoch nicht in der Lage die Fernsehbotschaften adäquat zu in- terpretieren, unterliegt er der Gefahr in dieser Medienwelt verloren zu gehen und den Auswirkungen und Konsequenzen hilflos ausgesetzt zu sein. Diese Konse- quenzen unterliegen einer Vielzahl von weiteren Faktoren, die sowohl abhängig von den übermittelten Botschaften als auch den persönlichen Eigenschaften des Zuschauers sind.

Anhand dieser erläuterten Problemstellung wird deutlich, dass vor allem dem Umgang mit Medien eine besondere Relevanz zukommt. Es müssen demnach Kompetenzen entwickelt werden, die einen adäquaten Umgang ermöglichen und gewährleisten können. Darüber hinaus erscheint es notwendig die Mediennut- zungsgewohnheiten sowie die Gründe zur Medienzuwendung zu kennen, da die- se wiederum einen Einfluss auf die Medienwirkungen haben können. Um Me- dienwirkungen analysieren zu können, gilt es jedoch zunächst zu wissen welche Wirkungen überhaupt auftreten können. Diese zu ermitteln sowie die Entstehung von Wirkungen zu erklären, stellt demnach einen wichtigen Forschungsbereich dar, um Handlungsempfehlungen für das Verhalten der Jugendlichen ausspre- chen zu können sowie zur Einleitung präventiver Maßnahmen seitens der Me- dien. Darüber hinaus sollen so positive Effekte maximiert und negative minimiert werden. Die vorliegende Arbeit soll sich mit eben diesen Bereichen befassen sowie einen generellen Einblick in medienpsychologische Zusammenhänge und Grundlagen geben.

1.2 Aufbau der Arbeit

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit sollen zunächst die theoretischen Grundla- gen der Rezeptions- und Wirkungsforschung dargestellt werden, um so eine Ba- sis für die im Anschluss folgende empirische Untersuchung zu schaffen. Das erste Kapitel dient der Erläuterung der medienpsychologischen Aspekte der Mas- senkommunikation. Nach einer Definition der Begrifflichkeiten „Medienpsycholo- gie“ sowie „Massenkommunikation“ soll, mittels zweier Modelle ein Einblick in die Kommunikation sowie die Rahmenbedingungen innerhalb dieser Massenkom- munikation gegeben werden. Die gestiegene Bedeutung der Medien bedingt eine ebenfalls gestiegene Relevanz des Verstehens sowie des Umgangs mit Medien und ihren Inhalten. Dieses kann durch die im folgenden Abschnitt erläuterte Me- dienkompetenz erreicht werden. Dazu werden die verschiedenen Dimensionen dieser Medienkompetenz erläutert. Das zweite Themengebiet dieser Arbeit umfasst die Thematik der Rezeptions- und Wirkungsforschung. Dazu werden diese beiden Termini zunächst definiert und voneinander abgegrenzt. Eine wichtige Grundlage zur Entstehung und Erklärung von Wirkungen stellt das Mediennut- zungsverhalten dar, welches in dem folgenden Abschnitt dargestellt werden soll. Darüber hinaus soll ein theoretischer Einblick in die Informationsverarbeitung und Aufmerksamkeitsprozesse während des Fernsehkonsums gegeben werden. Der darauffolgende Abschnitt bildet einen der zwei Schwerpunkte der vorliegenden Arbeit. Hier soll mittels des Uses-and-Gratifications-Ansatzes erläutert werden, weshalb eine Medienzuwendung erfolgt und welche Faktoren auf die Medienwahl Einfluss nehmen sowie welche Bedürfnisse durch den Konsum befriedigt werden sollen. Im Rahmen dessen sollen vor allem die Einflussgrößen Identifikation, Es- kapismus und parasoziale Interaktion näher erklärt werden. Unter Zuhilfenahme eines weiteren Modells soll im Anschluss daran, aufgezeigt werden, dass die Erwartungen an eine Rezeption von den tatsächlich befriedigten Bedürfnissen abweichen können. Der zweite Schwerpunkt stellt das Grundmodell der Wir- kungsforschung dar. In diesem Zusammenhang werden zwei Faktorengruppen herausgebildet, die die Einstellungs- und Meinungsänderungen sowie den Wir- kungsprozess erklären können. Diese Faktorengruppen sind zum einen die be- obachtbaren Kommunikationsstimuli, die die Eigenschaften des Inhalts, des Kommunikators, des Mediums und situative Bedingungen umfassen, sowie zum anderen die internen Mediatisierungsprozesse der Rezipienten, die die Aufmerk- samkeit, das Verständnis sowie die Annahme der Medienbotschaft darstellen. Anschließend sollen die abhängigen Variablen auf der Seite der Rezipienten er- läutert werden, die den Wirkungsprozess beeinflussen. Darunter lassen sich die personalen Faktoren, die Bedürfnisse, die Beziehungen zum Kommunikations- gegenstand, die Gewohnheiten und die soziale Faktoren anführen. Eine Über- sicht und Erläuterung der verschiedenen Arten von Medienwirkungen, wie Infor- mationswirkungen, emotionale Wirkungen und Verhaltenswirkungen soll im dar- auffolgenden Abschnitt gegeben werden. Abschließend werden die unterschied- lichen Wirkungsbereiche der Medien aufgezeigt werden. Dazu gehören Wirkun- gen auf ein einzelnes Individuum, auf eine Gruppe oder ein Netzwerks sowie gesamtgesellschaftliche Wirkungen. In dem letzten Kapitel erfolgt anhand der im Vorhinein gegebenen theoretischen Grundlagen eine empirische Analyse der Mediennutzungsgewohnheiten sowie der Gründe zur Medienzuwendung von Jugendlichen. Darüber hinaus soll der Versuch unternommen werden einen Zu- sammenhang zu Fernsehwirkungen herzustellen. Dieses soll zudem ebenfalls anhand des Beispiels Germany ’ s next Topmodel verdeutlicht werden.

2 Medienpsychologische Aspekte der Massenkommunikation

Der vorliegende Zusammenhang dieser Arbeit fordert eine Ausweitung der ei- gentlichen Wissenschaft der Massenkommunikation auf den Bereich der Me- dienpsychologie. Das bedeutet, es gilt im Folgenden Kapitel die Teilsaspekte der in der Psychologie gesammelten Erkenntnisse sinnvoll auf die Fragen der Mas- senkommunikation anzuwenden. Die Massenkommunikation ist dabei primär der Sozialpsychologie zuzuordnen, da sich diese mit der Erforschung zwischen- menschlicher Interaktionen befasst. Darüber hinaus wird eine Vielzahl weiterer Disziplinen herangezogen, um verschiedene Fragestellungen und Ergebnisse adäquat beantworten zu können. Dies soll jedoch, neben einer Definition von Medienpsychologie, im folgenden Abschnitt genauer erläutert werden. Des Wei- teren werden die theoretischen Perspektiven der Massenkommunikation erläu- tert, indem zunächst Massenkommunikation definiert wird. Im Anschluss daran soll anhand des Modells der Informationsübertragung erklärt werden, wie Kom- munikation technisch aufgebaut ist. Dies bildet die Basis zur Einbindung der in- tervenierenden Faktoren der Massenkommunikation im Feldschema der Mas- senkommunikation. Der darauffolgende Abschnitt soll die Medienkompetenz als Grundvoraussetzung zum Umgang mit Medien beschreiben sowie die relevanten Dimensionen aufzeigen. An dieser Stelle soll bereits erwähnt werden, dass für die vorliegende Arbeit die Begrifflichkeiten Zuschauer, Rezipient und Mediennut- zer synonym verwendet werden, da innerhalb der Fachliteratur sowie im allge- meinen Sprachgebrauch ebenfalls so vorgegangen wird.

2.1 Definition und theoretische Perspektiven der Medienpsychologie

Während die Aufgabe der allgemeinen Psychologie darin besteht, eine möglichst vollständige Beschreibung und Erklärung des inneren und äußeren Verhaltens von Menschen sowie eine Analyse der Bedingungen der Entstehung und Verän- derung dieses Verhaltens zu geben2, beschäftigt sich die Medienpsychologie mit dem menschlichen Erleben, Kognitionen, Handeln und Verhalten in Zusammen- hang mit der Nutzung von Medien. Darüber hinaus liegt der Fokus auf den Rand- bedingungen der medialen Kommunikation, die die relevanten Einflussgrößen auf der Seite der Rezipienten, die Situation des mikro- und makrosozialen Kontextes, des sozialen Umfelds sowie den Medien selbst darstellen sollen. Medien können dabei sowohl Massenmedien als auch Medien der Individualkommunika- tion sein.3

Im Vordergrund der Medienpsychologie stehen Forschungsfragen der Medien- wahl, der Wahrnehmung, der Verbreitung und des Erlebens von Medieninhalten, der Medienwirkungen sowie der Gestaltung der Medien.4 Zur Bearbeitung dieser Aspekte gibt es drei verschiedene Ansätze: Es können Theorien und Modelle aus anderen psychologischen Teildisziplinen, wie der Persönlichkeitsforschung, So- zial- sowie Entwicklungspsychologie herangezogen werden, die sich per se schon mit den Verhaltensmustern der Menschen befassen, die dann auf den Be- reich der Medien übertragen werden. Zudem können eigenständige medienpsy- chologische Theorien entwickelt werden. Dazu ist zum Beispiel die Theorie der Erregungsübertragung zu nennen, die eine Weiterentwicklung der Theorie der emotionalen Empathie darstellt. Sie besagt, dass durch eine Emotionsauslösung, zum Beispiel eine besonders traurige Szene in einem Film, die darauffolgenden Emotionen intensiviert werden. Als dritte Möglichkeit können Theorien und Kon- zepte anderer wissenschaftlicher Teildisziplinen auf Medien übertragen werden. Dabei können methodische Ansätze der Literaturwissenschaft, Journalistik, Me- dienwissenschaft, Pädagogik etc. herangezogen werden.5

2.2 Theoretische Ansätze der Massenkommunikation

Um die durch Massenkommunikation entstehenden Bedingungen und Effekte analysieren zu können, ist es zunächst notwendig zu verstehen, wie die Informa- tionen, die durch das Medium gesendet werden bei den Rezipienten aufgenom- men werden beziehungsweise wie Kommunikation entsteht. Davon ausgehend, dass Kommunikation medienvermittelt ist, wird in der Literatur unterschieden zwi- schen Kommunikation als Signal, Kommunikation als Interaktion und Kommunikation als System.6

Im Folgenden soll dabei zunächst, nach einer Definition von Massenkommunikation, das erste und bekannteste Kommunikationsmodell erläutert werden, das Modell der Informationsübertragung nach SHANNON und WEAVER. An dieser Stelle soll bereits erwähnt werden, dass dieses ein sehr mathematisches Modell ist, welches von vielen Wissenschaftlern weiterentwickelt wurde und um den interak- tiven Charakter, der zwischen Medium und Rezipient besteht, erweitert wurde. Im Anschluss daran sollen die intervenierenden Variablen, die auf den Prozess der Massenkommunikation einwirken, anhand der Feldschemas der Massenkommu- nikation nach MALETZKE dargestellt werden. Dabei ist zu beachten, dass es im Folgenden der gesamten Arbeit um die klassische Massenkommunikation und deren Modelle geht. Die Ansätze der Individualkommunikation werden bewusst außer Acht gelassen, da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf dem Medium Fern- sehen liegt, das darüber hinaus kaum beziehungsweise keinerlei Möglichkeiten der direkten Kommunikation und Reaktion bietet. Individualkommunikation wird lediglich im Rahmen der Kommunikation über rezipierte Inhalte verwendet.

2.2.1 Definition Massenkommunikation

Der Begriff „Masse“ besteht in der Regel aus einer Vielzahl von Menschen, die sich abhängig von dem Inhalt und der Aussage unterscheiden. So kann das Pub- likum bei speziellen thematischen Aussagen zwar Ähnlichkeiten in den Interes- sen, Vorlieben oder Geschmacksrichtungen aufweisen, zwischen diesen Indivi- duen besteht jedoch aufgrund einer räumlichen Trennung und Anonymität, kei- nerlei direkte oder persönliche Beziehung oder Kommunikation. Aufgrund dieser Heterogenität des Publikums, auch in Bezug auf den sozialen Hintergrund oder Lebensweisen, spricht man häufig von einem dispersen Publikum.7

Der Begriff „Kommunikation“ meint im Zusammenhang mit Medien, Kommunika- tionen bei der Inhalte indirekt, in räumlicher und zeitlicher Unabhängigkeit zwi- schen verschiedenen Beteiligten durch Medien vermittelt beziehungsweise abge- rufen werden.8

Am weitesten verbreitet und häufigsten zitiert ist die Definition von Massenme- dien nach MALETZKE9: „Unter Massenkommunikation verstehen wir jene Form der Kommunikation, die Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell de- finierte Empfängerschaft) durch technische Verbreitungsmittel (Medien) indirekt (also bei räumlicher oder zeitlicher oder räumzeitlicher Distanz zwischen den Kommunikationspartnern) und einseitig (also ohne Rollenwechsel zwischen den Aussagendem und Aufnehmendem) an ein disperses Publikum vermittelt wer- den.“10 Zu den Massenmedien zählen in diesem Zusammenhang alle Printme- dien, Onlinemedien, vielfach verbreitete Speichermedien, Rundfunk sowie das Fernsehen, wobei letzteres als Schwerpunkt für die vorliegende Arbeit dient.

2.2.2 Das Modell der Informationsübertragung von Shannon und Weaver

Das wohl bekannteste Kommunikationsmodell ist das Modell der Informations- übertragung von SHANNON und WEAVER. Es wurde 1948 von CLAUDE E. SHAN- NON entwickelt. Die spätere Verschriftlichung dieses Ansatzes fand in Zusam- menarbeit mit WARREN WEAVER statt.11 Ursprünglich ist dieses Modell eine ma- thematische Theorie, die Anwendung in der Wahrscheinlichkeitstheorie und Sta- tistik fand um technisch-physikalische Probleme beim Telefonieren, also bei der Übertragung elektrischer Signale, zu beschreiben.12 Daher ist es auch der oben erwähnten Kommunikation als Signalübertragung zuzuordnen. Zudem wird die- ses Modell auch in den Bereichen der Biologie, Publizistik, Informationswissen- schaft eingesetzt, um den Vorgang der Vermittlung von Informationen zu erklä- ren. Durch den mathematischen Hintergrund dieses Modells wird Kommunikation als linearer und einseitiger Vorgang angesehen, der lediglich durch Störquellen technischer Art unterbrochen werden kann.13

Dieses Modell beschreibt den Prozess der Kommunikation anhand von sechs Elementen. Wie in Abbildung 1 dargestellt erzeugt eine Nachrichtenquelle eine Nachricht, die über einen Sender in ein entsprechendes Format kodiert und über einen Kanal an den Empfänger gesendet wird. Der Kanal stellt also das Medium zur Übermittlung an den Empfänger dar. Dieser dekodiert das Signal wieder in seine ursprüngliche Form und wandelt es so in eine für den Rezipienten wahr- nehmbare und verständliche Nachricht um. Während der Informationsübertra- gung über den Kanal können Störquellen einwirken, die das Signal abschwä- chen, verstärken oder verzerren, die dazu führen können, dass das Verständi- gungsziel nicht erreicht wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Modell der Informationsübertragung nach Shannon und Weaver (Quelle: Boos / Jonas (2008), S. 199)

Dieses Modell veranschaulicht die grundlegenden Elemente, die zum Verständnis von Massenkommunikation und der Kommunikationsprozesse nötig sind: Sender, Empfänger, Kanal beziehungsweise Medium und Nachricht.

Kritik

Dem Rezipienten werden in diesem Modell keinerlei Rückkopplungsmöglichkei- ten eingeräumt, auch wenn diese in Bezug auf den Fernsehkonsum per se be- schränkt sind, besteht dennoch die Möglichkeit ein Feedback in Form von Anru- fen oder Leserbriefen zu geben.14 In diesem Modell bleiben des Weiteren Stör- quellen, die nicht technischer Art sind, aufgrund des ingenieurwissenschaftlich und mathematisch zentrierten Hintergrunds unberücksichtigt. Zudem wird ein linearer Zusammenhang zwischen den gesendeten und empfangenen Botschaf- ten unterstellt. Übertragungsprobleme und Diskrepanzen zwischen Sender und Empfänger können aber aufgrund inhaltlich begründeter Missverständnisse und verschiedenster intervenierender Variablen, die sowohl den Empfänger, das Me- dium, den Kommunikator als auch die Aussage betreffen, den Kommunikations- prozess und das -Ergebnis beeinflussen. In überarbeiteten und neuen Kommuni- kationsmodellen werden des Weiteren individuelle informationsverarbeitende Prozesse der Rezipienten und Motivationen zur medialen Nutzung mit einbezo- gen, die in dem Modell von SHANNON und WEAVER wissentlich vernachlässigt wurden.15 Um den Einbezug der soeben erläuterten Einflussfaktoren des Mas- senkommunikationsprozesses zu berücksichtigen, wird im Folgenden das Feld- schema der Massenkommunikation dargestellt, welches eben diese intervenie- renden Variablen aufgreift.

2.2.3 Das Feldschema der Massenkommunikation von Maletzke

Das Feldschema der Massenkommunikation stellt, im Vergleich zu dem Ansatz von SHANNON UND WEAVER, ein komplexeres Modell zur Erklärung und Darstel- lung von Kommunikationsprozessen dar. Es wurde 1963, basierend auf dem be- reits erklärten Informationsübertragungsansatz, von G ERHARD M ALETZKE entwi- ckelt und durch den Einbezug des Elements der Massenmedien im Prozess der Kommunikation ergänzt.16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Feldschema von Maletzke (Quelle: Maletzke (1981), S. 14)

Mit Hilfe des in Abbildung 2 dargestellten Schemas lassen sich vier beteiligte Grundfaktoren für Massenkommunikation ermitteln, die sich bereits an den spe- ziellen Gegebenheiten der Massenkommunikation ausrichten. Eine Aussage (A) erreicht über ein Massenmedium (M) den Rezipienten (R). Dabei erfolgt aufgrund der technischen Eigenschaften des jeweiligen Massenmediums eine Modifikation der Wahrnehmungs- und Erlebnisprozesse und somit auch der Wirkungen. Aus einer Vielzahl von Aussagen, die von dem Medium aus an den Rezipienten transportiert werden, muss er einige auswählen, auf sich einwirken lassen, zu- rückweisen oder unbeachtet lassen. Nach welchen Kriterien der Zuschauer die Aussagen auswählt und wie sie wirken hängt vom Individuum selbst, seinen per- sönlichen Eigenschaften, seinen Erfahrungen, seiner Intelligenz, seinen Interes- sen, seinen Meinungen und den Motiven und Bedürfnissen, aufgrund welcher er das Medium konsumiert, ab. Dabei nimmt ebenfalls, das Bild, das der Zuschauer in Bezug auf diese Faktoren von sich selbst hat, Einfluss auf die Auswahl und die Wirkung.17

Zudem ist der Rezipient in verschiedene soziale Beziehungen integriert und verfügt über eine gewisse Rolle und Funktion in diesen Systemen, die ebenfalls Ein- fluss ausüben können. Darüber hinaus wird der Zuschauer durch die Rezeption Teil des dispersen Publikums. Der „Zwang des Mediums“ entsteht aufgrund der technischen Eigenschaften, die dem Rezipienten bestimmte Verhaltensweisen vorschreiben und so zu einem Bild vom Medium beim Rezipienten führen. Der Kommunikator entscheidet darüber, welche Aussagen produziert, gestaltet und angeboten werden. Dies geschieht anhand des Selbstbildes und der Persönlich- keit des Kommunikators sowie des Teams, in dem er agiert, der Institution und den sozialen Beziehungen in denen der Kommunikator eingegliedert ist. Er unter- liegt ebenfalls, durch seine Funktion, vorgegebenen Zwängen. Das Erbringen von Aussagen oder einer Sendung in einem bestimmten Zeitintervall bezeichnet den sogenannten Zwang der Aussage beziehungsweise des Programms. Dar- über hinaus wirkt auch auf den Kommunikator der Zwang des Mediums, der an- hand von technischen Rahmenbedingungen bestimmte Themen und Formen vorgibt oder ausschließt. Zuletzt muss sich der Kommunikator bei seinen Aussa- gen nach den gegenwärtigen Themen, Meinungen, Normen und Werten richten, die den Zwang der Öffentlichkeit beschreibt.18 Massenkommunikation wird viel- fach als einseitig beschrieben. Dieser Einseitigkeit kann der Zuschauer jedoch entgegenwirken, indem er, wie in der Abbildung 2 dargestellt, durch spontane Reaktionen wie Antworten, Anfragen, Beschwerde oder Vorschläge einen Kon- takt zu dem Kommunikator aufbaut. Aufgrund der Gesamtheit dieser Prozesse und Einflussfaktoren bilden sich sowohl der Kommunikator als auch der Rezipient ein bestimmtes Bild der jeweils anderen Seite.19

Die intervenierenden Faktoren der Massenkommunikation wirken demnach in Abhängigkeit voneinander und stehen somit alle in einer Wechselbeziehung zu- einander. Zusammen stellen diese Faktoren das Verhalten der am Kommunikati- onsprozess beteiligten Variablen dar, denn sobald sich eines dieser Elemente ändert, wirkt sich das auf den gesamten Ablauf des Kommunikations- und Wir- kungsprozessprozess aus.20

Kritik

Das Feldschema der Massenkommunikation beschreibt die Medien und den Kommunikator als zwei voneinander getrennte Positionen. Medien können je- doch soziale Institutionen und Organisationen sein, das bedeutet, auch dort tref- fen die erläuterten Eigenschaften und Einflussfaktoren des Kommunikators zu. Des Weiteren werden Anschlusskommunikationen der Rezipienten nach dem eigentlichen Medienkonsum nicht berücksichtigt. Diese Anschlusskommunikation kann entweder mit Dritten erfolgen oder aber über weitere Medien. Darüber hin- aus können die Rezipienten selbst zum Kommunikator werden, wie zum Beispiel Politiker, und können so Einfluss auf die Entstehung von Medienbotschaften nehmen oder zum Sprecher der Öffentlichkeit werden.21 MALETZKE selbst merkt an, dass dieses Feldschema sowie viele andere Modelle zu sehr als geschlosse- nes System betrachtet werden, während die Systeme der Realität nach vielen Seiten hin offen sind. Zudem ist der Prozess der Massenkommunikation auf ver- schiede Weise mit anderen Systemen verbunden, so dass alle intervenierenden Variablen Teile eines Subsystems sind und daher einer größeren Ordnung unter- liegen. Auch die Gesellschaft kann als ein übergeordnetes System betrachtet werden, welches zum Beispiel durch Politik, Kultur oder Bildung Einfluss auf den erläuterten Prozess ausübt.22

Neben den erläuterten Faktoren, die Einfluss auf den Rezipienten im Prozess der Massenkommunikation ausüben, stellt für einen adäquaten Umgang, das richtige Verstehen und den daraus resultierenden Grad der Wirkung, eine vorhandene Medienkompetenz der Zuschauer eine weitere wichtige Größe dar. Diese Me- dienkompetenzen sollen daher nun im folgenden Abschnitt erläutert werden.

2.3 Medienkompetenz und Dimensionen

Der folgende Abschnitt soll einen Einblick in die begriffliche Definition von Me- dienkompetenz liefern, die sich sowohl auf Printmedien, elektronische Medien als auch auf neue Medien bezieht. Des Weiteren soll ein Überblick über die Dimen- sionen von Medienkompetenz, die sich aus der Medienpsychologie und der Kommunikationswissenschaft ableiten lassen, gegeben werden. Nach GROEBEN lässt sich dabei unterscheiden in Medienwissen / Medialitätsbewusstsein, me- dienspezifische Rezeptionsmuster, medienbezogene Genuss- und Kritikfähigkeit, Selektion / Kombination von Mediennutzung, produktive Partizipationsmuster sowie Anschlusskombination.

2.3.1 Definition Medienkompetenz

Die gestiegene Bedeutung der Medien im Alltag Jugendlicher geht mit einer ge- stiegenen Relevanz des Verstehens und dem Umgang mit Medien und ihren In- halten einher. Vor allem durch die voranschreitende Digitalisierung ist es für Menschen unumgänglich sich mit Medien auseinander zusetzen, sei es im Be- rufsleben oder im privaten Bereich. Daher ist es für Jugendliche umso wichtiger unter anderem unterscheiden zu können, was Realität und Fiktion ist um negati- ve Effekte der Medien zu minimieren und positive Effekte fördern zu können.

BAACKE definiert Medienkompetenz als die Fähigkeit über Medien zu reflektieren, ihre Produktionsbedingungen zu erkennen, Medien für verschiedene Bedürfnisse adäquat zu gebrauchen und Medien zur Kreation eigener Botschaften einzuset- zen.23

SIX und GIMMLER legen der Medienkompetenz ein eher personalisiertes Leitbild zugrunde. „Kompetenter Medienumgang zeichnet sich [dabei] dadurch aus, dass er selbstbestimmt, reflektiert und selbstreguliert sowie an eigenen Anliegen orientiert, zielgerichtet und funktional, gleichzeitig aber auch persönlich sowie sozial verträglich angemessen ist.“24

Viele Kinder verfügen zunächst nicht einmal über die Kompetenz zwischen einer Werbung und einer Sendung zu unterscheiden. Im Laufe des Entwicklungspro- zesses lernen sie dann damit verantwortungsvoll, kritisch und bedürfnisgerecht umzugehen, dieser Prozess muss dabei als lebenslanges Lernprojekt verstanden werden. Neben der Entwicklungsaufgabe stellt die Entwicklung einer Medien- kompetenz auch ein Sozialisationsprozess dar, der eine konstruktive und zufrie- denstellende Sehhaltung und Lebensführung, eine gefestigte Identität und ein Hineinwachsen in die Gesellschaft bewirken soll, die durch das Umfeld wie Er- ziehende, Gleichaltrige, Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und die Perso- nen selbst geprägt und beeinflusst wird.25 Eine vorhandene Medienkompetenz stellt also im Zuge der vorliegenden Arbeit zwei wichtige Grundvorrausetzungen dar. Zum einen ist sie notwendig, damit die Jugendlichen die Medien angemessen verstehen und interpretieren können, zum anderen bildet sie eine notwendige Basis zur Analyse von Wirkungen und Motiven des Fernsehkonsums.

Der Begriff Medienkompetenz fasst weiterhin den Umgang mit den Medien unter Berücksichtigung verschiedener Teilkompetenzen zusammen. Am häufigsten treten in der Wissenschaft dabei das Bielefelder Medienkompetenz-Modell und die Klassifizierung in Dimensionen nach GROEBEN auf.26 Da das Bielefelder- Modell eher technisch orientiert ist, soll es an dieser Stelle nur erwähnt werden, um im Folgenden der Kategorisierung nachzugehen, die ursprünglich auf GRO- EBEN zurück geht und für die vorliegende Arbeit besonders auf das Medium Fernsehen bezogen wird.

2.3.2 Dimensionen von Medienkompetenz

Die hier vorgestellte Klassifikation von Medienkompetenz strukturiert sich eher prozessual, um leichter operationalisierbar zu sein, statt wie viele andere Ansätze hierarchisch. Des Weiteren ist mit den folgenden sieben Dimensionen eine wei- tergehendere aber auch komprimiertere Betrachtung möglich, als bei jenen Mo- dellen, die sich auf weniger Abstufungen beschränken, diese aber sehr weit aus- differenzieren.27 Um sich mit und in Medien nicht nur zurecht zu finden sondern auch von ihnen zu lernen und sich diese zu Nutze machen zu können, sind nach GROEBEN Kompetenzen in den Teilbereichen Medienwissen / Medialitätsbe- wusstsein, medienspezifische Rezeptionsmuster, medienbezogene Genuss- und Kritikfähigkeit, Selektion / Kombination von Mediennutzung, produktive Partizipa- tionsmuster und Anschlusskombination notwendig.28 Für diese Arbeit und die empirische Erhebung sind jedoch nicht alle Teilkompetenzen von Relevanz. Da- her wird im Folgenden auf eine Erläuterung der Dimension der Selektion / Kom- bination von Mediennutzung sowie der Dimension der produktiven Partizipati- onsmuster verzichtet.29

2.3.2.1 Medienwissen / Medialitätsbewusstsein

Die erste Dimension stellt die Fähigkeit zur medienspezifischen Verarbeitung dar, die sich in zwei Bereiche unterteilen lässt. Das Medialitätsbewusstsein steht in diesem Zusammenhang für das Bewusstsein, dass die Rezeption in einer medialen, konstruierten, nicht realen Welt stattfindet. Dies bezieht sich sowohl auf die Unterscheidung von Medialität und Realität, vor allem bei virtuellen Realitäten, als auch auf Realität und Fiktion, da Medien eine Realitätsdarstellung und eine fiktionale Welt, beziehungsweise Mischformen daraus, darstellen können.30 Ein Medialitätsbewusstsein soll zudem bewirken, dass Grenzen der Parasozialität der Medienrezeption aufgezeigt und eingehalten werden. Dies bedeutet, dass Rezipienten über ein adäquates Realitätsbewusstsein verfügen sollten, um keine Beziehungen zu den dargestellten Akteuren aufzubauen sowie mit diesen zu kommunizieren als seien sie Personen aus ihrer realen Umwelt.31

Der zweite Bereich, das Medienwissen, befasst sich mit einem angemessenen Problembewusstsein den Medien gegenüber. Es sollten dem Rezipienten demzu- folge Kenntnisse über Medienstrukturen und Arbeitsweisen, rechtliche und wirt- schaftliche Rahmenbedingungen sowie Intentionen und mögliche Wirkungen von Medieninhalten bekannt sein.32 GROEBEN klassifiziert das Medienwissen in vier Bereiche und fordert neben den rechtlichen und wirtschaftlichen Kenntnissen ebenfalls ein Bewusstsein über spezifische Arbeits- und Operationsweisen von bestimmten Medien und Mediengattungen, welche zu einem Wissen über Aktua- lität, Glaubwürdigkeit und Realitätsadäquanz der Medieninhalte führen. Des Wei- teren gibt er an, dass eine Bewertung der Intention dieser Medieninhalte, vor allem in Bezug auf deren Persuasion erstrebenswert ist.

Als letzte Abstufung erachtet GROEBEN, neben dem bereits genannten Wissen über mögliche Medienwirkungen, eine Selbstreflexion darüber, wie bestimmte Medienangebote wirken, als erforderliche Kompetenz. Er fordert in diesem Zu- sammenhang eine daraus resultierende, entsprechende Konsequenz für die Re- zeption beziehungsweise Rezeptionsverweigerung, die abhängig von dem Me- dienformat und der Medienbotschaft sein soll sowie eine Aufarbeitung der me- dienbedingten Emotionen, medienvermittelten Vorstellungen / Verhaltensorientie- rungen und das Durchschauen / Bewerten ökonomischer Bedingungen.33

2.3.2.2 Medienspezifische Rezeptionsmuster

Die Dimension der medienspezifischen Rezeptionsmuster beinhaltet die instru- mentellen Fertigkeiten des Medienumgangs, die von der Selektion durch zielge- richtete oder zufällige Medienwahl bis hin zur Endkodierung beziehungsweise Verarbeitung, der über das Fernsehen gesendeten Nachricht, reichen. Diese Rezeptionsmuster werden, auf Basis der in der Dimension des Medienwissens / Medialitätsbewusstseins ausgebildeten medienspezifischen Verarbeitungsmus- ter, entwickelt.34

Medienspezifische Rezeptionsmuster bezeichnen dabei die Fähigkeit sowohl zwischen unterschiedlichen Verarbeitungsstrategien innerhalb verschiedener Medien oder Formaten wählen zu können als auch innerhalb eines einzelnen Mediums oder Formats. Strategien können dabei zum Beispiel sein, eine sinnvol- le Auswahl von TV-Formaten zu finden und zu treffen, Unterhaltungs- bezie- hungsweise Informationsstrukturen im Fernsehen zu identifizieren oder über ein Genrewissen / Genreerfahrung bei der Rezeption von Formaten zu verfügen.35 Wie bereits angedeutet, soll also eine angebotsentsprechende Erwartung an die Rezeption einer Sendung entwickelt werden, die sich nach den individuellen Nut- zugsmotiven ausrichtet, damit so auch negative Effekte des Konsums weitestge- hend vermieden und positive Effekte maximiert werden.36

2.3.2.3 Medienbezogene Genussfähigkeit

Bisher wurde in der Literatur häufig nur eine Konzentration auf die kognitive Di- mension der Genussfähigkeit vorgenommen. Dies führte zu einer Vernachlässi- gung der emotionalen und motivationalen Perspektive. Der Aspekt des ästheti- schen Genusses wurde daher lediglich anhand von tiefen Sachkenntnissen über das gesendete Format sowie mittels einer Analyse des zustande kommenden Genusses auf Ebene der unterhaltungsmotivierten Rezeption untersucht.37 Im Laufe der Forschung wurde dann der Fokus auch auf die Genussmöglichkeit durch eine Identifikation mit den Akteuren gelegt. In dieser eskapistischen Di- mension der Genussfähigkeit gilt es zu prüfen, inwieweit der Rezipient in der La- ge ist, den Bezug zur Realität zu halten und seine persönliche gesellschaftliche Rolle zu erfüllen, um durch eine eventuell vorhandene Suchtgefahr oder soziale Isolation nicht den generellen Bezug zur Realität zu verlieren.38 Eskapistische

Inhalte können dabei den Zuschauer seine eigenen Problemen vergessen las- sen, ihn entspannen, Emotionen erzeugen, von Normen und Regeln der Realität ablenken sowie Vergnügen und eine stellvertretende Erfüllung von Wünschen bewirken.39 TREPTE fasst diese Dimension wie folgt zusammen: „Medienbezoge- ne Genussfähigkeit beinhaltet die Fähigkeit, sich zu unterhalten, ohne sich im Medienangebot zu verlieren, Identifikation ohne Selbstaufgabe und Grenzzie- hung zwischen Genuss und Sucht durch die Rezipienten.“40 Diese Dimension setzt in der Regel die bereits erläuterte Dimension der medienspezifischen Re- zeptionsmuster voraus, da hier bereits eine Selektion der TV-Formate stattgefun- den hat, die sich nach den Erwartungshaltungen der Rezipienten richtet.41

2.3.2.4 Medienbezogene Kritikfähigkeit

Medienbezogene Kritikfähigkeit bedeutet kurz gesagt, die Fähigkeit der Zu- schauer sich nicht von medialen Angeboten überwältigen zu lassen, sondern eigenständige, möglichst rational begründete Positionen oder Einstellung auf- recht zu erhalten.42 Diese Dimension wird demnach von kognitiven Analyse- und Bewertungsfähigkeiten dominiert, die eine analytisch-distanzierte Verarbeitungs- haltung erfordert. Diese soll zu einer distanziert-kritischen Analyse der Inhalte, Darstellungs- und Präsentationsweisen durch die Rezipienten führen, indem das jeweilige medienspezifische Strukturwissen, wie Genreunterscheidung oder äs- thetische Wirkungszusammenhänge praktisch angewendet werden.43

Vorraussetzung zur inhaltlichen Kritikfähigkeit ist das Erkennen der Medienbot- schaft als solche, auch wenn sie nur undeutlich formuliert ist oder sogar bewusst durch den Sender verschleiert wird. Die Rezipienten müssen über die Fähigkeit verfügen, die wahrgenommenen medialen Informationen und Botschaften zu beurteilen und mit den eigenen Überzeugungen vergleichen zu können, um so herauszufinden ob diese Botschaften akzeptiert, angenommen oder kritisiert wer- den können oder sollten.44 Dazu werden in der Regel verschiedene Qualitätskri- terien wie Ausgewogenheit und Fairness der Darstellung, Angemessenheit statt Überziehung, Originalität statt Fantasielosigkeit und Glaubwürdigkeit oder Desinformation, in Hinblick auf den Hintergrund des gesendeten Formats und Genres, herangezogen.45

2.3.2.5 Anschlusskommunikation

Unter der Dimension der Anschlusskommunikation sind alle Kommunikationen gemeint, die außerhalb der medienspezifischen beziehungsweise -bezogenen Rezeptionsmuster ablaufen.46 Diese Kommunikation ist vor allem von Bedeutung zur Entwicklung von fernsehbezogener Medienkompetenz bei Jugendlichen und Kindern. Erst durch einen Austausch mit anderen Individuen, wie Eltern oder Schulkameraden, können überhaupt Teilkompetenzen wie Genuss- und Kritikfä- higkeit entwickelt oder ausgebaut werden. Die Rezipienten entdecken so Ähn- lichkeiten oder Unterschiede zwischen Alltags- und Fernsehwirklichkeit und ent- wickeln Strategien zur Verarbeitung sowie zur Bewertung von medialen Inhalten wie Informationen, Glaubwürdigkeit oder ästhetischer Qualität.47 Des Weiteren kann Anschlusskommunikation auch darin bestehen, dass weitere Medien, wie zum Beispiel das Internet, zur Aufarbeitung der rezipierten Inhalte eingesetzt werden.48 Beide Arten der Anschlusskommunikation sollen, neben der Bildung von Genuss- und Kritikkompetenz, der persönlichen Entwicklung des Individuums zu einem gesellschaftlich handlungsfähigen Mensch dienen. Die soziale Kommu- nikation soll so eine persönliche Identität konstruieren, die entweder mit den von der Gesellschaft angebotenen beziehungsweise vorgegebenen Identitätsmustern übereinstimmt oder davon abweicht.49 Eine Variante dieses Ansatzes, die Agen- da-Setting-Wirkung, wird auch in der Forschung häufig aufgegriffen. Diese Theo- rie beschreibt, eine Korrelation zwischen den medial vermittelten Themen und denjenigen Themen über die sich die Rezipienten in ihrem alltäglichen Zusam- mensein unterhalten.50 Neben dem Gefühl von potenziell geteilten Erfahrungen bewirkt dies für den Rezipienten auch ein Integrationserlebnis im Rahmen der Sozialisation in der Mediengesellschaft.51

3 Rezeptions- und Wirkungsforschung

In den vorherigen Abschnitten dieser Arbeit wurden bereits die Rahmenbedin- gungen, in denen der Konsum von Fernsehen stattfindet sowie die Vorausset- zungen zum adäquaten Medienumgang, erläutert. Im Folgenden soll ein Einblick in die Wahrnehmung und Verarbeitung dieser medialen Inhalte vorgenommen werden. Indikatoren zur Messung der Aufmerksamkeit, wie Einschaltquoten oder Marktanteile, die Rezipienten einem Fernsehformat gegenüber aufweisen, kön- nen zwar die Ansprache der Zielgruppe messbar machen, liefern jedoch keine Aussagen darüber wie und weshalb die Zuwendung erfolgt und was sie für Kon- sequenzen haben könnte, sondern lediglich deskriptive Aussagen. Die Literatur liefert zu dieser Rezeptions- und Wirkungsforschung eine Vielzahl von Ansätzen, die oftmals schwer voneinander zu trennen sind. Aufgrund der Vielzahl von Theo- rien werden im Folgenden auch nur die für die Arbeit relevanten Ansätze genau- er erläutert. Im vorliegenden Kapitel soll nach einer Definition der Begrifflichkeiten Rezeptionsforschung sowie Wirkungsforschung, ein Einblick in den Wandel die- ses Forschungsbereichs, der sich in den letzten Jahren vollzogen hat, gegeben werden. Darauf folgen einige Fakten zum Mediennutzungsverhalten, respektive Fernsehgewohnheiten, von Jugendlichen. Zum Verständnis der Informationsver- arbeitung während der Rezeption wird anschließend eine Erläuterung der Auf- merksamkeitsprozesse während des Konsums von Fernsehen Gegenstand der Betrachtung. Ein Versuch der Erklärung, warum sich Individuen den Medien zu- wenden soll unter Abschnitt 3.4 unternommen werden. Dazu werden anhand des Uses-and-Gratifications-Ansatzes und der einflusstragenden Faktoren, wie Identi- fikation mit den Medieninhalten, parasoziale Interaktion und Eskapismus, die Motive und Bedürfnisse der Rezipienten, die durch den Fernsehkonsum befrie- digt werden sollen, dargestellt. Das GS-GO-Modell untersucht diese gesuchten Bedürfnisse in Hinblick auf ihre erfolgreiche Befriedigung. Abschnitt 3.5 dient der Erklärung und Entstehung von Wirkungen, vor allem von Einstellungs- und Mei- nungsänderungen, anhand des Grundmodells der Wirkungsforschung. Im An- schluss daran werden mögliche rezipientenabhängige Einflussfaktoren auf den Wirkungsprozess sowie die Wirkungsarten, wie Informations-, emotionale und Verhaltenswirkungen ausführlich erläutert. Dass ein Medienkonsum nicht nur Auswirkungen auf den einzelnen Rezipienten hat und der Grad der Wirkung nicht nur von den individuellen Variablen der Zuschauer abhängig ist, wird abschlie- ßend in Abschnitt 3.8 verdeutlicht.

3.1 Definition und Abgrenzung

Von einer empirischen Medienpsychologie und den damit einhergehenden For- schungsfragen, wird zweifaches verlangt: Sie muss zum einen ermitteln was den Rezipienten bewegt ein bestimmtes Fernsehformat zu konsumieren und zum anderen was dieser mediale Konsum für Auswirkungen und Konsequenzen für ihn hat. Dieser Forschungsbereich findet, neben der Medienpsychologie und Massenkommunikationsforschung, Anwendung in vielen verschieden Wissen- schaften, wie zum Beispiel Publizistik, Kommunikations-, Sozial-, Literaturwis- senschaft oder der Werbeforschung.52 Eine systematische Gesamtdarstellung von Wirkungen und Rezeptionshintergründen würde den Rahmen der vorliegen- den Arbeit übersteigen, daher sollen an dieser Stelle lediglich grundlegende As- pekte dieses weiten Forschungsfeldes erläutert werden. Zunächst soll dargelegt werden, wie sich die Begriffe Rezeptionsforschung und Wirkungsforschung defi- niert werden und voneinander abgrenzen lassen. Im Anschluss daran soll die Entwicklung dieses Forschungsbereichs kurz skizziert werden und den Wandel verdeutlichen.

3.1.1 Medienrezeptionsforschung

MALETZKE unterscheidet die Psychologie der Massenkommunikation prozessori- entiert in die präkommunikative, die eigentliche kommunikative und die post- kommunikative Phase, wobei die an dieser Stelle die prä- und kommunikative Phase im Vordergrund stehen sollen.53 Diese Phase beschreibt alle Informati- onsverarbeitungsprozesse innerhalb der Rezipienten, die sowohl kognitiv als auch emotional sein können und zum Konsum motivieren. Im weitesten Sinne werden hier zudem alle Aktivitäten der Zuschauer während der Medienrezeption sowie die Auswahl- und Selektionsentscheidungen mit eingeschlossen.54 Dass Medienzuwendung und -rezeption nicht nur passiv erfolgt, wurde im Laufe der Forschung empirisch belegt.55 Die Aktivität bezüglich der Rezeption wird sowohl in dem nächsten Abschnitt als auch im Zuge der Erläuterung des Uses-and- Gratifications-Ansatzes (vgl. Abschnitt 3.4) noch deutlich. Vielmehr geht die Re- zeptionsforschung heute davon aus, dass der Zuschauer dem Medienkonsum nicht hilflos ausgeliefert ist, sondern dass während des Konsums, sowie danach, eine Vielzahl von Rezipientenaktivitäten eine wichtige Rolle spielen. Diese können beobachtbar und nicht beobachtbare Handlungen sein, wie die „[…] Auswahl (Selektion) von Medienangeboten […], die kognitiven und / oder emotionalen Prozesse bei der Wahrnehmung und Verarbeitung von Medieninhalten […], die Speicherung von Informationen im Gedächtnis und deren späteres Wiedererin- nern […] bis hin zu Anschlusskommunikationen über Medieninhalte […].“56 Diese Handlungsabläufe können auch als Rezeptionsprozesse verstanden werden, die sich anhand verschiedener Rezeptionsdimensionen erklären lassen. Als Beispie- le für solche Dimensionen lassen sich, das Involvement, das Spannungserleben, die parasoziale Interaktion oder die Realitätswahrnehmung der Rezipienten an- führen.57 Die Bedeutung der Rezeptionsdimensionen ist dabei abhängig von ei- ner jeweiligen Merkmalsausprägung der Zuschauer, wie zum Beispiel Sozial- oder Situationsvariablen.58 Während sich die Rezeptionsforschung mit verschie- denen Teilbreichen und Ansätzen beschäftigt, soll im Folgenden der Fokus auf die Motive zur Zuwendung von medialen Inhalten gelegt werden.59

3.1.2 Medienwirkungsforschung

In der sogenannten postkommunikativen Phase werden Konsequenzen und Wirkungen von Aussagen der Massenkommunikation auf den einzelnen Rezipienten untersucht. Diese Wirkungen können im Verhalten, im Wissen, in den Meinungen, Attitüden und Einstellungen sowie im emotionalen Bereich auftreten.60 Wo genau eine Wirkung auftritt ist jedoch schwierig zu identifizieren, da eine Wirkung in einem Bereich immer eine Wirkung in einem anderen Bereich mit sich zieht und ohne klare Grenzen ineinander übergeht.61

In der Literatur hat sich die Definition des Wirkungsbegriffs von MALETZKE durch- gesetzt, der auch für die vorliegende Arbeit als Grundlage dienen soll: Wirkungen bezeichnen demnach „[…] sämtliche Prozesse, die sich in der postkommunikati- ven Phase als Folgen der Massenkommunikation abspielen, und zum anderen in der eigentlichen kommunikativen Phase alle Verhaltensweisen, die aus der Zuwendung des Menschen zu Aussagen der Massenkommunikation resultieren.“62

Dabei ist zu beachten, dass Wirkungen sowohl direkt als auch indirekt auftreten können. Direkte Wirkungen werden dabei unmittelbar durch die Rezeption des Fernsehens ausgelöst, während indirekte Wirkungen durch die weitere Kommunikation der Inhalte mit Dritten entstehen.63

Nachdem nun bereits in der Rezeptionsforschung erklärt wurde, dass der Rezep- tionsprozess von der Ausprägung der Merkmale der jeweiligen Zuschauer ab- hängt, ergibt sich die Schlussfolgerung, dass auch der Medienkonsum unter- schiedliche Auswirkungen auf die Rezipienten haben kann. Die möglichen Wir- kungen sind zudem abhängig von der Form und dem Inhalt der medienspezifi- schen Darstellung sowie von Alter, Intelligenz, Voreinstellung oder emotionaler Bedürftigkeit der Zuschauer.64 Die Wirkungsforschung befasst sich demnach mit der theoriegeleiteten und praktischen Feststellung solcher Wirkungen sowie der Erklärung dieser. Die verschiedenen Bereiche, in denen Wirkungen auftreten können, werden zu einem späteren Punkt dieser Arbeit noch genauer erläutert werden (Vgl. Abschnitt 3.8).

Anhand dieser Erläuterungen wird der Rezeptions- und Wirkungsforschung eine Abhängigkeit unterstellt, für die es zunächst notwendig ist, zu verstehen warum sich Rezipienten den Medien zuwenden und was dies für Effekte während der Nutzung hat, um im Anschluss analysieren zu können, was diese Zuwendung für Auswirkungen auf den einzelnen Rezipienten hat.65

3.1.3 Der Wandel in der Forschung

Die Medienforschung war zunächst an einer medienzentrierten Sichtweise orien- tiert, die sich darauf stützt, dass ein von dem Kommunikator ausgehender Stimu- lus jedes Individuum der Gesellschaft auf die gleiche Art und Weise erreicht und demzufolge auch die gleiche Reaktion darauf aufweist. Die Rezeption der Me- dieninhalte steht demnach in einem linearen Zusammenhang mit den Wirkungen auf den Zuschauer. Als theoretische Fundierung dieser Annahme und der Wir- kungsforschung im Allgemeinen gilt das Stimulus-Response-Modell, welches in dem Abschnitt 3.5.1 der vorliegenden Arbeit noch genauer erläutert wird. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt der Forschung auch die psychologischen und soziologischen Theorien davon ausgingen, dass alle Individuen als sehr ähnlich in ihren Merkmalen angesehen wurden, da diese auf biologische und innere Sti- muli zurückgeführt wurden, über die der Einzelne keine Kontrolle besitzt .66 Der Rezipient war demzufolge den omnipotenten Massenmedien hilflos und passiv ausgeliefert.67 Im Zuge der Entwicklung der Lern-, Motivations- und Einstellungs- theorie wurde die bisherige Forschung widerlegt und führte zu der Ansicht, dass jeder Mensch individuelle Persönlichkeitsstrukturen und Wahrnehmungen auf- weist, was dementsprechend auch zu einer individuellen Interpretation der Me- dieninhalte führt.68 Sowohl SCHENK als auch WINTERHOFF-SPURK nennen in die- sem Zusammenhang vor allem zwei einflussreiche Schlüsselkonzepte. Die Se- lektivität, nach der der Rezipient, wie soeben erläutert, selektiv die für ihn nützli- chen Medien, Wahrnehmungen und Erinnerungen auswählt und die interperso- nalen Beziehungen, die die Mitgliedschaft und Kommunikation in sozialen Grup- pen, auch durch Meinungsführer (vgl. Abschnitt 3.6.5), bezeichnen und mehr Einfluss auf den Wirkungsprozess haben, als der direkte Medienkonsum.69 Nach vielen verschiedenen Modellen und theoretischen Ansätzen, folgte in den 70er Jahren der sogenannte Paradigmenwechsel. Im Zuge dessen stand nun eine rezipientenzentrierte statt medienzentrierte Sichtweise im Vordergrund. Es wurde eine Vielzahl von Ansätzen entwickelt, die sich vor allem mit der Selektion von Medienangeboten befasste, die anhand von Bedürfnissen, Motiven und Gratifika- tionserwartungen der Mediennutzer erklärt werden sollte. Aus dieser Forschung entstanden der Uses-and-Gratifications-Ansatz sowie die Weiterentwicklung des- sen zum GS-GO-Modell (Vgl. Abschnitt 3.4.1 und Abschnitt 3.4.2). Vor allem die aktuellen Theorien beschäftigen sich damit die Schwächen dieser beiden Model- le anhand weiterer interner Prozesse bei der Mediennutzung zu untersuchen.70

Im Folgenden soll jedoch zunächst auf die Mediennutzung an sich eingegangen werden, da das Ausmaß dieser zu einem nicht unerheblichen Teil, die Medien- wirkungen beeinflusst. Denn ob und wie Jugendliche Medien, respektive das

Fernsehen, nutzen oder darüber überhaupt darüber verfügen, nimmt Einfluss auf das mögliche Ausmaß der Wirkungen und Wirkungsprozesse.

3.2 Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen

Medien spielen im Alltag von Jugendlichen eine zunehmend wichtigere Rolle und sind inzwischen zur multimedialen Realität geworden. Ob zur individuellen Ent- wicklung, bei der Freizeitgestaltung oder dem sozialen Zusammenleben, zur Kommunikation, zur Unterhaltung oder zur Informationsbeschaffung, Jugendliche verbringen immer mehr Zeit mit dem Konsum von medialen Inhalten.

Neben der Verfügbarkeit der Medien werden im Rahmen einer Analyse des Me- diennutzungsverhaltens verschiedene Kennzahlen ermittelt. Dazu gehört die Reichweite bezüglich der Menge an Personen die zumindest gelegentlich ein bestimmtes Medium nutzen und so über dieses Medium erreicht werden können, die Kontakthäufigkeit, die die Anzahl der Kontakte einer Person mit dem Medium in einer bestimmten Zeiteinheit definiert, sowie die Nutzungsintensität, die erfasst wie lange ein Medium in einer bestimmten Zeiteinheit von den Zuschauern ge- nutzt wird.71 Das Fernsehen stellt dabei das Medium mit der größten Reichweite dar, da auf diesem Wege 95% der Bundesbürger Deutschlands im Alter von 14 bis 49 Jahren zu erreichen sind. Dementsprechend hoch fällt auch die Intensität des Konsums aus, denn sogar 80% davon schauen täglich fern.72

Im Rahmen einer Studie zum Medienumgang von 12- bis 19-Jährigen erhebt der Medienpädagogische Forschungsverband Südwest regelmäßig aktuelle Entwick- lungen des Medienumgangs Jugendlicher in Deutschland. Demnach verfügen Haushalte in denen Jugendlichen leben zu 98% über einen oder mehrer Fernse- her wobei 57% der Mädchen und 64% der Jungen einen eigenen Fernseher be- sitzen.73 Ebenfalls wurde die Medienbeschäftigung untersucht, die Aussagen darüber liefert, welche Rolle verschiedene Medien im Alltag von Jugendlichen spielen. Das Ergebnis war, dass 89% der Jugendlichen regelmäßig das Fernse- hen nutzen, wobei davon 63% täglich und 26% mehrmals pro Woche konsumie- ren. Ein geschlechtlicher Unterschied liegt hierbei nicht vor. Mit zunehmendem Alter der Jugendlichen intensivieren sich jedoch die Kontakte zu Freunden statt zu Medien. Dies wird in der Studie auf die Pubertät zurückgeführt.74 Trotz dessen geben nur 16% der Mädchen und 15% der Jungen an, dass sie von allen Medien am ehesten auf das Fernsehen verzichten könnten.75 Zudem schätzen die Ju- gendlichen das Vertrauen in das Fernsehen sehr hoch ein. Dies wurde anhand der Glaubwürdigkeit gemessen, indem die Befragten angeben sollten, welchem Medium bei widersprüchlichen Meldungen am ehesten Glauben geschenkt wür- de. Neben der Tageszeitung folgte an zweiter Stelle das Fernsehen, dem 31% am ehesten glauben würden.76 Nach eigener Einschätzung sehen die 12- bis 19- Jährigen an einem durchschnittlichen Tag (Mo-Fr) ca. 122 Minuten fern und be- vorzugen dabei eindeutig die privaten Sender. Darunter ist ProSieben mit 37% der beliebteste Sender. RTL hingegen erreicht lediglich die Hälfte der Prozent- punkte, darauf folgen MTV, VIVA und RTL2, Sat.1, NICKELODEON und Weitere. Dies trifft vor allem auf die Angaben der Mädchen zu, da bei den Jungen kaum andere starke Sender dieser Größenordnung auszumachen sind.77 Auch bei der Frage nach Sendungen speziell für Jugendliche, weist ProSieben mit 33% ein- deutig das größte Angebot auf.78

Ein weiterer untersuchte Aspekt dieser Studie war die Aufmerksamkeit mit der Jugendliche das Fernsehen nutzen und welche oder ob andere Tätigkeiten ne- benbei durchgeführt werden. Dabei gaben 57% der Befragten an, regelmäßig (mind. mehrmals pro Woche) während des Fernsehens auch andere Dinge ne- benbei zu machen, wobei sich vor allem Mädchen (66 %, Jungen: 49 %) mit an- deren Dingen beschäftigen. Diese Nebentätigkeiten können sein: Beschäftigung mit dem Computer und Internet, Essen oder Trinken, Lernen oder Hausaufga- benmachen, Telefonieren, Aufräumen, Musikhören oder Lesen.79 Welche Anfor- derungen das Fernsehen an die Aufmerksamkeit der Jugendlichen stellt und wel- che Eigenschaften überhaupt erst Aufmerksamkeit erregen, wird in dem nächs- ten Abschnitt genauer erläutert, ebenso wie die Informationsverarbeitung dieses Konsums.

3.3 Informationsverarbeitung und Aufmerksamkeitsprozesse bei Fernsehformaten

In der frühen Forschung wurde im Zusammenhang von Informationsverarbeitung und Aufmerksamkeitsprozessen zunächst überprüft, ob die Rezeption von Fern- sehformaten ein aktiver oder passiver Prozess ist.80 Die Aufmerksamkeitsprozes- se beim Fernsehen beschreiben welche Eigenschaften von Sendungen Auf- merksamkeit auslösen sowie das Phänomen der Aufmerksamkeitsträgheit.81 Die Theorie zur passiven Aufmerksamkeitslenkung geht davon aus, dass formale Merkmale des Inhalts der Sendung, wie zum Beispiel Schnitttechniken, für eine Aufmerksamkeit verantwortlich sind und somit ausschließlich die Gestaltungscha- rakteristika entscheidend für das (Nicht-)Sehen sind.82 In Untersuchungen zu Aufmerksamkeitsprozessen wurde festgestellt, dass die Rezeption von Fernseh- sendungen jedoch eher ein aktives als ein passives Verhalten ist, da neben den formalen auch inhaltliche und verstehensorientierte Aspekte für eine Aufmerk- samkeitszuwendung nötig sind. Die Höhe der Aufmerksamkeit hängt demnach von einer Vielzahl von Faktoren, wie zum Beispiel Interessen, Vorwissen oder Attraktivität, ab. Ebenso ergaben diese Untersuchungen, dass die Aufmerksam- keitszuwendung zu Beginn relativ kurz ist und der Rezipient leicht vom Fernse- hen abzulenken ist.83 Eine Aufmerksamkeitsträgheit ist dadurch zu begründen, dass bei einer zunehmenden Sehdauer die Aufmerksamkeit höher wird und da- her die Wahrscheinlichkeit einer Abwendung vom Fernsehen abnimmt.84 Be- stimmende Größen zur Aufmerksamkeitszuwendung beziehungsweise -trägheit können demnach sowohl inhaltliche (strategische) Prozesse, kognitive Erwartun- gen, formale Eigenschaften der Sendung, als auch nichtstrategische Prozesse sein.85

Der Zusammenhang von Fernsehen und Aufmerksamkeit wird anhand eines zweistufigen Prozesses der Aufmerksamkeitssteuerung beschrieben. Die Orien- tierungsphase beginnt bereits beim Einschalten einer Fernsehsendung indem der Zuschauer zunächst anhand von auditiven und visuellen Eigenschaften des For- mats analysiert ob es sich um für ihn relevante, verständliche und unterhaltsame Inhalte handelt. Erachtet der Rezipient die Inhalte für irrelevant oder langweilig, schaltet er weg oder schenkt dem Format keine Aufmerksamkeit. Beurteilt der Zuschauer die Inhalte jedoch positiv, erreicht er die Phase der anhaltenden kog- nitiven Verarbeitung, in der er die medialen Botschaften auf- und annehmen kann. Trotz der inhaltlich interessanten Informationen kann es dazu kommen, dass das Zuschauen unterbrochen wird, wenn eine Sendung zu Ende oder das Ende einer Szene erreicht ist, er von externen Reizen abgelenkt wird, der Inhalt uninteressant wird oder der Zuschauer dem Inhalt nicht mehr folgen kann.86

In der Regel sind zudem die Anforderungen an die Informationsverarbeitung und den Konsum von Fernsehen geringer als zum Beispiel bei Printmedien. Dies be- gründet sich in der Hemmungsthese, die besagt, dass durch die schnellen Bild- sequenzen, die Vielfalt von sprachlichen, visuellen und anderen akustischen In- formationen sowie die plötzlichen Wechsel von Perspektiven, Szenen, Darstel- lern, dem Zuschauer gar keine Möglichkeit zur intensiveren Verarbeitung lassen. Das Fernsehen würde also theoretisch mehr Aufwand verlangen, dieser Mehr- aufwand kann und wird aber von den Zuschauern nicht erbracht. Der visuelle Sinneskanal wird durch die immer wieder neuen Fernsehbilder so ausgelastet, dass eine Verarbeitung vorheriger Bilder verhindert wird. Eine zweite These zur oberflächlichen Informationsverarbeitung von Fernsehinhalten erklärt die Über- schätzungsthese. Sie geht davon aus, dass die Rezipienten unbewusst oder be- wusst wissen beziehungsweise glauben, sie müssten sich beim Fernsehen nicht besonders anstrengen. Dadurch, dass die Zuschauer das Fernsehen als wenig anspruchsvoll einschätzen, investieren sie dementsprechend wenig mentalen Aufwand während des Konsums.87 Der bildhafte, auditive und verbale Charakter des Mediums Fernsehen, welcher eine besondere Realitätsnähe und leichte Ver- ständlichkeit suggeriert, betrifft des Weiteren die Erinnerungsfähigkeit an die re- zipierten Inhalte, die durch ebendiese Eigenschaften eher hoch ist und somit nachhaltig im Gedächtnis bleiben.88

Hier wird deutlich, dass sich die Rezipienten auch nur Medieninhalten zuwenden, die sowohl inhaltliche als auch verstehensorientierte Vorraussetzungen erfüllen. Die Höhe der Aufmerksamkeit hängt ab von den Interessen, dem Vorwissen und der Attraktivität, welches der Rezipient der potentiell zu konsumierenden Sen- dung entgegenbringt. Ob es innerhalb der Orientierungsphase zu einer positiven Entscheidung für die Rezeption kommt, bestimmen vor allem die individuellen Motive und Bedürfnisse der Zuschauer, die sie damit zu befriedigen versuchen. Der folgende Abschnitt soll der weiteren Klärung der Fragen, warum sich Men- schen den Medien zuwenden und was sie sich davon versprechen dienen.

3.4 Rezeption und Verarbeitung

In der Forschung der Medienwirkungen stellt sich immer die Frage: „Was machen die Medien mit den Menschen?“. Um erklären zu können wann, wie und warum Medien wirken, reicht es jedoch nicht aus, davon auszugehen, dass ein Output der Medien zu Wirkungen auf Seiten der Rezipienten führt. Dazwischen müssen vielmehr interne Prozesse und Variablen liegen, die den Zuschauer beeinflussen und sein Verhalten erklären können. Die Rezeption medialer Inhalte kann dem- nach aufgrund von verschiedenen Motiven und Antrieben erfolgen und wird be- dürfnisorientiert genutzt. Demzufolge galt es die Forschungsfrage in „Was ma- chen die Menschen mit den Medien?“ umzustrukturieren, um die Bedürfnisse der Zuschauer, die durch die Medienzuwendung befriedigt werden sollen, adäquat erfassen zu können.89 Im Folgenden soll dazu der Uses-and-Gratifications- Ansatz sowie die Weiterentwicklung zum GS-GO-Modell erläutert werden.

3.4.1 Uses-and-Gratifications-Ansatz

Den Anstoß zu dem Forschungsbereich, warum sich die Rezipienten den Medien zuwenden und den damit einhergehenden Wandel vom passiven zum aktiven Mediennutzer, gab eine 1944 durchgeführte Studie, die amerikanische Hausfrau- en zu ihren Motiven beziehungsweise Gratifikationserwartungen in Bezug auf tägliche Radiosendungen befragte.90 Dieses Experiment ergab drei Arten von Gratifikationen. Die erste bezeichnet eine erwünschte emotionale Entlastung so- wie eine Ablenkung von den eigenen Problemen indem durch das Radiohören stellvertretend die nicht erfüllten Wünsche und Träume erlebt werden (emotional release). Die zweite Kategorie definiert die Kompensation der eigenen Situation durch Wunschdenken sowie durch Identifikation mit den Serienhelden und deren Lebensstil (wishful thinking). Als letzte Kategorie stellte sich heraus, dass die befragten Hausfrauen diese Serien konsumieren, um Ratschläge und Anregun- gen für das eigene Leben zu erhalten sowie Informationen über unbekannte Situationen zu beziehen (advice).91 Daraus ließen sich im Laufe weiterer Forschungsarbeiten fünf Grundannahmen des Uses-and-Gratifications-Ansatzes entwickeln:

1. Das Publikum der Massenmedien ist aktiv. Mediennutzung erfolgt orien- tiert an bestimmten Zielen, individuellen Bedürfnissen und Erwartungen gegenüber den Medieninhalten.
2. Der Rezipient wird zu einer Schlüsselfigur, da er bestimmt ob ein Kom- munikationsprozess stattfindet oder nicht indem er entscheidet welchen Medien und Inhalten er sich überhaupt aussetzt.
3. Die einzelnen Medien konkurrieren untereinander, da dem Rezipienten verschiede Medien zur Bedürfnisbefriedigung dienen können. Es müssen demzufolge die funktionalen Alternativen zur Mediennutzung berücksich- tigt werden.
4. Die Rezipienten müssen sich über die Bedürfnisse und Ziele, die durch Mediennutzung befriedigt werden sollen, bewusst sein und müssen diese artikulieren können.
5. Die Handlungsorientierung der Rezipienten wird aus ihrer persönlichen Sicht und den eigenen Kategorien ermittelt und zwar so, wie diese ihre Nutzung der Massenmedien selbst verstehen.92

Der Rezipient und seine Intentionen stehen nun mehr denn je im Vordergrund der Forschung und stellen einen wesentlichen Erklärungsfaktor für Medienwir- kungen und Medienhandeln dar.93 Aus den fünf Grundannahmen lassen sich daher folgende Elemente des Uses-and-Gratifications-Ansatz ermitteln:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Elemente des Nutzen- und Belohnungsansatzes (Quelle: Schenk (2007), S. 686)

Die Motive und Bedürfnisse der Medienwahl und -nutzung können zum einen

situationsspezifisch sein, das bedeutet der Rezipient wählt in einer ganz be- stimmten Situation nach seinen momentanen Bedürfnissen die Medien aus um diese Bedürfnisse zu intensivieren, zu minimieren oder zu neutralisieren. Zum anderen werden Motive und Bedürfnisse durch stabile soziale und psychologi- sche Bedingungen beeinflusst und sind somit in verschiedenen Situationen ähn- lich.94

Bedürfnisse entwickeln sich durch Situationen in denen der Zuschauer sich in einer Auseinandersetzung mit Personen, Sozial- und Mediensystemen befindet und unterliegen daher vielen Einflussfaktoren.95 Werden die Erwartungen an den medialen Konsum erfüllt, wird der Rezipient sich in einer Situation mit ähnlichen Bedürfnissen wieder für die gleiche Wahl des Mediums und Art der Mediennut- zung entscheiden.96 Diese konstanten Muster bei der Rezeption herauszufinden stellt die primäre Forschungsarbeit des Uses-and-Gratifications-Ansatzes dar.97

BONFADELLI unterscheidet vier verschiedene Arten von Bedürfnistypologien. Die kognitiven Bedürfnisse gehen aus Orientierungs- und Entscheidungsproblemen der Rezipienten und seiner entsprechenden Umwelt hervor. Dazu gehören zum Beispiel Neugier, Lernen, Kontrolle der Umwelt, Realitätserforschung, Wissens- erweiterung und Selbsterfahrung. Die affektiven Bedürfnisse entstehen durch persönliche Stimmungen der Rezipienten. Der Zuschauer versucht durch Unter- haltung eine Entspannung oder Erholung zu erreichen, sich abzulenken, zu ent- lasten oder sogar eine Verdrängung der Umweltanforderungen (Eskapismus) zu bewirken, um so seine Stimmungen zu kontrollieren und zu regulieren. Hierunter fällt ebenfalls die Suche nach Spannung und Excitement entweder zum Zeitver- treib oder zur Beschäftigung. Als dritte Typologie führt BONFADELLI die sozial- interaktiven Bedürfnisse an. Diese entstehen durch den Wunsch nach Gesellig- keit und sozialen Kontakten. Diese Kommunikation innerhalb der Kontakte soll zu Anerkennung führen, indem die Rezipienten über die medialen Inhalte und The- men Gespräche führen. An dieser Stelle ist auch die parasoziale Interaktion ein- zuordnen, die eine Identifikation mit den Darstellern des konsumierten Mediums beschreibt, indem diese wie reale Menschen wahrgenommen werden. Die integrativ-habituellen Bedürfnisse stellen die vierte Typologie dar. Diese verkörpern die Wünsche nach Vertrauen, Geborgenheit, Sicherheit, Stabilität und Wertver- stärkung gegenüber Dritten, wie Familie oder Freunden. Anstelle dieser tritt stell- vertretend ein Medium, welches durch den Konsum die genannten Bedürfnisse befriedigen soll.98

Die frühe Uses-and-Gratifications-Forschung konzentrierte sich darauf sogenann- te Motivkataloge zu entwickeln, die sich in Abhängigkeit von der Art des Mediums unterschieden. Einen Überblick über die in der Literatur am häufigsten genannten und empirisch ermittelten Motivdimensionen der Fernsehnutzung, soll die folgen- de Abbildung geben.99

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Empirisch ermittelte Motivdimensionen der Fernsehnutzung (Beispiele) (Quelle: Vogel / Suckfüll / Gleich (2007), S. 341)

Aufgrund der besonderen Relevanz für die vorliegende Arbeit und der häufigen Nennung in anderen Studien, sollen besonders die folgenden Motive hervorge- hoben werden, die im nächsten Abschnitt genauer erläutert werden sollen: Identi- fikation mit den übermittelten Inhalten, Eskapismus sowie parasoziale Interaktion.

[...]


1 Vgl. Paus-Haase / Hasebrink / Mattusch / Keuneke / Krotz (1999), S. 11

2 Vgl. Winterhoff-Spurk (1989), S.18; Vgl. Six / Gleich / Gimmler (2007), S. 21

3 Vgl. Six / Gleich / Gimmler (2007), S. 37

4 Vgl. Deutsche Gesellschaft für Psychologie, Fachgruppe Medienpsychologie, Curriculum Medienpsychologie (2009), S. 1 f.

5 Vgl. Renner (2008), S. 78-93

6 Vgl. Boos / Jonas (2008), S. 199-204

7 Vgl. Maletzke (1963), S. 29 f.

8 Vgl. Boos / Jonas (2008), S. 199-204

9 Vgl. Six / Gleich / Gimmler (2007), S. 21

10 Maletzke (1963), S. 32

11 Das Modell der Informationsübertragung wird in der Literatur auch das Shannon-Modell genannt, weil Warren Weaver nicht der ursprüngliche Entwickler dieses Ansatzes ist, Vgl. hierzu Schenk (2007), S. 12-18

12 Vgl. Boos / Jonas (2008), S. 199

13 Vgl. Jäckel (2005), 49 f.

14 Vgl. Schenk (2007), S. 14

15 Vgl. Six / Gleich / Gimmler (2007), S. 40 f.

16 Vgl. Maletzke (1963), S. 11 f.

17 Vgl. Maletzke (1963), S. 37 f.

18 Vgl. Maletzke (1963), S. 39 f.

19 Vgl. Maletzke (1963), S. 41

20 Vgl. Kroeber-Riel / Weinberg (2003), S. 589

21 Vgl. Beck (2007), S. 125 f.

22 Vgl. Maletzke (1976), S. 17

23 Vgl. MediaCulture-Online, Landesmedienzentrum Baden-Württemberg / Baacke (1999), S. 11 , Vgl. Six (2007b), S. 362

24 Six / Gimmler (2007), S. 282

25 Vgl. Six (2007b), S. 362

26 Vgl. Trepte (2008), S. 103 ff., weiterführende Literatur zum Bielefelder-Modell: Trepte (2008) S. 102-107

27 Vgl. Groeben (2002), S. 165 f.

28 Vgl. Groeben (2002), S. 165-179

29 weiterführende Literatur zu diesen beiden Dimensionen Vgl. Groeben (2002), S. 175- 178

30 Vgl. Groeben (2002), S. 166

31 Vgl. Trepte (2008), S. 104

32 Vgl. Süss (2008), S. 374, Vgl. Trepte (2008), S. 104

33 Vgl. Groeben (2002), S. 167 f.

34 Vgl. Trepte (2008), S. 104

35 Vgl. Groeben (2002), S. 169 f.

36 Vgl. Groeben (2002), S. 170

37 Vgl. Groeben (2002), S. 171 f.

38 Vgl. Batinic (2008), S. 115, Vgl. Schenk (2007), S 682 ff.

39 Vgl. Schenk (2007), S. 683

40 Trepte (2008), S. 104

41 Vgl. Groeben (2002), S. 172

42 Vgl. Groeben (2002), S. 172

43 Vgl. Groeben (2002), S. 173

44 Vgl. Groeben (2002), S. 173 f., Vgl. Süss (2008), S. 374

45 Vgl. Groeben (2002), S. 174, Vgl. Süss (2008), S. 374, Vgl. Trepte (2008), S. 104

46 Vgl. Süss (2008), S. 374

47 Vgl. Groeben (2002), S. 178

48 Vgl. Trepte (2008), S. 105

49 Vgl. Groeben (2002), S. 179

50 Vgl. Schenk (2007), S. 433 f.

51 Vgl. Groeben (2002), S.179

52 Vgl. Renner (2008), S. 79 f.

53 Vgl. Maletzke (1963), S. 189 f.

54 Vgl. Suckfüll (2008), S. 123

55 Vgl. Vogel / Suckfüll / Gleich (2007), S. 336

56 Vogel / Suckfüll / Gleich (2007), S. 335 f.

57 Vgl. Hasebrink / Paus-Hasebrink (2005), S. 238

58 Vgl. Sturm (1989), S. 33

59 einen umfassenden Überblick der Forschungsbereiche und eine Abgrenzung der Begrifflichkeiten liefern Hasebrink / Paus-Hasebrink (2005), S. 235-245

60 Vgl. Maletzke (1963), S. 190-240; Vgl. Schenk (2007), S. 33

61 Vgl. Maletzke (1963), S. 216 f.

62 Maletzke (1963), S. 190, weitere Definitionen werden an dieser Stelle aufgrund des Umfangs der Arbeit bewusst vernachlässigt, weiterführende Literatur dazu findet sich in Bonfadelli (2004), S. 17-27 und Bergler / Six (1979), S. 51-73

63 Vgl. Kroeber-Riel / Weinberg (2003), S. 589

64 Vgl. Sturm (1989), S. 33

65 Vgl. Bonfadelli (2004), S. 19 f.

66 Vgl. Schenk (2007), S. 29 f.

67 Vgl. Vogel / Suckfüll / Gleich (2007), S. 339

68 Vgl. Schenk (2007), S. 29 f.

69 Vgl. Schenk (2007), S. 57, Vgl. Winterhoff-Spurk (2001), S. 37 ff.

70 Vgl. Vogel / Suckfüll / Gleich (2007), S. 339 f.

71 Vgl. Batinic (2008), S. 109

72 Vgl. SevenOneMedia / Vehlow, Time Budget 12 (2005), S. 7 ff.

73 Vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, JIM-Studie (2008), S. 8 ff.

74 Vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, JIM-Studie (2008), S. 12-15

75 Vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, JIM-Studie (2008), S. 16 f.

76 Vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, JIM-Studie (2008), S. 22 f.

77 Vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, JIM-Studie (2008), S. 26

78 Vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, JIM-Studie (2008), S. 28

79 Vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, JIM-Studie (2008), S. 29 f.

80 Vgl. Nieding / Ohler (2008), S. 387

81 Vgl. Huff (2008), S. 70

82 Vgl. Nieding / Ohler (2008), S. 387

83 Vgl. Huff (2008), S. 70

84 Vgl. Nieding / Ohler (2008), S. 388

85 Vgl. Huff (2008), S. 70 f.

86 Vgl. Huff (2008), S. 71 f.

87 Vgl. Weidenmann (1989), S. 137 ff.

88 Vgl. Nieding / Ohler (2008), S. 388 f., Vgl. Weidenmann (1989), S. 136 f.

89 Vgl. Schenk (2007), S. 681

90 Vgl. Vogel / Suckfüll / Gleich (2007), S. 340

91 Vgl. Batinic (2008), S. 113, Vgl. Schenk (2007), S. 682

92 Vgl. Schenk (2007), S. 685, Vgl. Aelker (2008a), S. 18, Vg. Vogel / Suckfüll / Gleich (2007), S. 340

93 Vgl. Vogel / Suckfüll / Gleich (2007), S. 340 f.

94 Vgl. Batinic (2008), S. 114

95 Vgl. Bonfadelli (2004), S. 173

96 Vgl. Aelker (2008a), S. 18

97 Vgl. Batinic (2008), S. 114

98 Vgl. Bonfadelli (2004), S. 171 f.

99 Vgl. Vogel / Suckfüll / Gleich (2007), S. 341, Vgl. Schenk (2007), S. 747

Details

Seiten
142
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640548491
ISBN (Buch)
9783640551620
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144566
Institution / Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,3
Schlagworte
Lifestyle Fernsehen deutsches Fernsehen germany's next topmodel Rezeption Rezeptionsanalyse Wirkungen Medienwirkungen Fernsehwirkungen Wirkungsanalyse Medienpsychologie Medienwissenschaft Wirkungsmodell Rezeptionsmodalitäten

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Titel: Lifestyle-TV-Formate im deutschen Fernsehen