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Der Islam und der Westen

Möglichkeiten zur Entwicklung einer gemeinsamen Zukunft

Essay 2008 13 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der Islam – Historie und die Entwicklung im Kontakt mit dem Westen

III. Der Islam und der Westen – Zwei Welten treffen aufeinander?

IV. Fazit

V. Stichworterklärung

VI. Quellenangabe:

I. Einleitung

„What is most important to the history of the world? […] Some stirred-up Moslems or the liberation of Central Europe and the end of the cold war?“ Mit diesen Worten überraschte Zbigniew Brzezinski, der ehemalige Berater des US-Präsidenten Jimmy Carters, im Jahr 1998 in einem Interview über die Unterstützung der afghanischen Mudschaheddin während der versuchten Invasion der Sowjetunion im Jahr 1979. Verwirrt warf der Reporter ein, dass doch ständig betont werde, dass der islamische Fundamentalismus die größte Bedrohung der Welt sei. Brzezinski lehnte dies jedoch entschieden ab, dies sei „Nonsense“. Seine Begründung:

„There isn´t a global Islam. Look at Islam in a rational manner and without demagoguery or emotion. It is the leading religion of the world with 1.5 billion followers. But what is there in common among Saudi Arabian fundamentalism, moderate Morocco, Pakistan militarism, Egyptian pro-Western or Central Asian secularism? Nothing more than what unites the Christian countries.“[1]

Die Anschläge vom 11. September 2001 in New York, vom 7. Juli 2005 in London oder die versuchten Anschläge auf Regionalbahnen in Deutschland am 31. Juli 2006 scheinen diese Einschätzung jedoch ad absurdum zu führen, betrachtet man die vermeintlich religiös motivierten Hintergründe und die Herkunftsländer der ausführenden Terroristen.

Und auch die deutschen Medien – an erster Stelle ARD und ZDF, aber auch diverse Printmedien[2] – zeichnen ein Bild des Islam, der durch Gewalttätigkeit und Rückschritt in seiner geistigen und kulturellen Entwicklung rückständig zu sein scheint. Ein Islam, der über nationale Grenzen hinweg existiert und dessen im Koran festgelegten Regeln über den weltlichen Gesetzen zu stehen scheinen. Ein Islam, der durch Gewalt, die im Koran legitimiert wird, zu einer weltweiten Bedrohung herangewachsen sein soll.

Bei näherer Betrachtung wird jedoch klar, dass dieses Bild der Realität nicht gerecht wird. Durch die Berichterstattung über negativ konnotierte, islamische Themen in Deutschland, Europa und der Welt wurde in der Vergangenheit das Bild der Terror-Religion Islam geprägt. Glaubt man den Medien, so scheint es im Islam ein hohes Maß an Gewalt- und Konfliktbereitschaft zu geben, sowie ein hohes terroristisches Potential. Ziel dieser gewaltbereiten vermeintlichen Mehrheit sei es, durch Anwendung von Gewalt und terroristischen Mitteln die christlichen Staaten zu vernichten und islamische Gottesstaaten zu errichten. Verstärkt kam es zu dieser Berichterstattung nach der Islamischen Revolution 1978 / 1979 im Iran und dem Erstarken des islamischen Fundamentalismus, aber natürlich auch nach den Terroranschläge der letzten sechs Jahre. Befasst man sich jedoch näher mit der Religion des Islam wird klar, dass es sich hierbei nicht um eine global gelenkte, islamische Weltverschwörung handelt, deren Ziel es ist das Christentum und alle anderen Religionen zu vernichten. Hierbei handelt es sich vielmehr um das Bild, das eine Minderheit islamischer radikaler Fundamentalisten über Jahre hinweg geprägt hat, indem sie sich unter dem Deckmantel einer universalen Religion versteckten. Und das, obwohl die Friedfertigkeit der Religion zu Beginn jeder Sure des Korans hervorgehoben und wiederholt wird.

Ziel dieser Ausarbeitung ist der Versuch die Motivation und die vermeintliche Legitimation der Fundamentalisten zu hinterleuchten, die einen islamistischen Gottesstaat zu etablieren versuchen – notfalls auch mit Waffengewalt. Außerdem wird versucht der Weg des Islams in Richtung Europa näher zu betrachten und Perspektiven einer gemeinsamen Entwicklung im Westen darzustellen.

II. Der Islam – Historie und die Entwicklung im Kontakt mit dem Westen

Der Islam ist eine junge Religion. Begründet wurde sie im Jahr 622 nach Christus von Muhammad, einem Propheten, der nach Auffassung der Muslime der historisch letzte war und durch dessen Erleuchtung die Offenbarung des Korans vollendet wurde.[3] Muhammad verbreitete die Botschaft Allahs und begann mit der Schaffung einer islamischen Gesellschaft, der umma. Die Schaffung einer solchen Gesellschaft war sinnvoll, weil viele Anhänger des islamischen Glaubens Mitglieder unterschiedlicher Stämme waren. Die umma kann als arabisches Pendant zum sich in Europa entwickelten Nationalgefühl verstanden werden. So wurde eine Identifikation miteinander über den Glauben geschaffen, jedoch nicht über die Stammeszugehörigkeit. Den Ursprung der umma liegt in Sure 9:71, wo es heißt:

„Und die gläubigen Männer und Frauen sind untereinander Freunde. Sie Be- schützen einander. Sie gebieten, was recht ist, und verbieten, was verwerflich ist.“[4]

Hier wird deutlich, dass die Verteidigung des Glaubensbruders bzw. der Glaubensschwester ein wichtiger und grundlegender Aspekt des islamischen Glaubens ist.

Wichtig ist, dass in der Sure die Formulierung „beschützen“ verwendet wird. Diese Sure ermöglichte und legitimierte in den vergangenen Jahren den Widerstand der Muslime gegen ausländische Besatzer und Aggressoren, zum Beispiel während der versuchten Invasion der Sowjetunion in Afghanistan.[5] Die umma verlangt, dass die Identität als Muslim höher zu stellen ist, als eine nationale Identität. Doch trotz dieser, im Koran verankerten, islamischen Gemeinschaft, gibt es verschiedene Interpretationsweisen und Auslegungen der islamischen Glaubensgrundsätze, wie es bei jeder Religion der Fall ist.

Zwar gibt es per Definition keinen Plural des Wortes Islam, in der Realität sieht es jedoch anders aus. Hier müsste man eigentlich von „Islamen“ sprechen. Denn der Islam hat mittlerweile derartig viele, grundverschiedene Lesarten, wie es Farben für Kopftücher gibt. Die Entwicklung dieser unterschiedlichen Ausprägungen hängt von vielen Faktoren ab. Die Ursache hierfür liegt in einem Nachfolgestreit. So konnten sich die Gläubigen nach Muhammads Tod nicht auf einen Nachfolger einigen. Dadurch entstanden zwei große Lesarten des islamischen Glaubens, sowie unzählige kleinere Splittergruppen.

Die größte Gruppe stellen die Sunniten dar, deren religiöse Führung von den vier Kalifen übernommen worden war.[6] Etwa 85 Prozent der Muslime gehören dem sunnitischen Glauben an. Seit dem 9. Jahrhundert gelten die Sunniten als Repräsentanten der Sunna. Diese gilt als Tradition, die dem Beispiel des Propheten Muhammad folgt, wie es in den Überlieferungen des Hadith steht. Die Sunniten sind Anhänger der vier islamischen Rechtsschulen, die von den Kalifen begründet wurden.

[...]


[1] Quelle: http://www.globalresearch.ca/articles/BRZ110A.html (Stand 30.08.2007)

[2] Quelle: Hafez, Kai / Richter, Carola: „Das Islambild von ARD und ZDF“ in APuZ 06/2007 „Islam“
(Bonn)

[3] Quelle: http://islam.de/1640.php (Stand 30.08.07).

[4] Quelle: Koran, heruntergeladen von: http://www.theology.de/schriften/koran/index.html (Stand
30.08.07).

[5] Esposito, John L. „Von Kopftuch bis Scharia – Was man über den Islam wissen sollte“ Reclam,
2003 (Leipzig).

[6] Quelle: http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=OCDN3J (Stand 30.08.07).

Details

Seiten
13
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640536726
ISBN (Buch)
9783640795048
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144507
Institution / Hochschule
Universität Kassel – FB 5
Note
1,7
Schlagworte
Islamismus Islam Parallelgesellschaft Scharia Fundamentalismus Koran Terror Terroranschläge 11. September Säbelverse Terrorismus Hass clash of the cultures clash cultures Kultur Kulturen Christentum Westen Europa Kopftücher Kopftuch Kommunikation Integration

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Titel: Der Islam und der Westen