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Der Third-Person Effect: Eine Facette von Pluralistic Ignorance

Hausarbeit 2009 10 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ursachen des Third-Person Effects
2.1 Unrealistic Optimism
2.2 Self-Enhancement
2.3 Impersonal Impact

3 Wechselwirkungen mit anderen Phänomenen
3.1 Hostile Media Phenomenon
3.2 Schweigespirale

4 Auswirkungen des Third-Person Effekts

5 Ergebnisse
5.1 Zusammenfassung
5.2 Kritik

1 Einleitung

Täglich erreichen tausende von Nachrichten die ganze Welt. Eine der aktuellsten Nachrichten dieser Zeit ist der Amoklauf in Winnenden, bei dem ein 17-jähriger Realschulabsolvent in seiner ehemaligen Schule und auf seiner anschließenden Flucht insgesamt 15 Menschen erschoss.

Bei der Suche nach Ursachen für die Tat stehen, wie schon oft in vergleichbaren Fällen zuvor, gewalthaltige Computerspiele im Vordergrund. Die Meinungen dazu, ob gewalthaltige Spiele einen negativen Einfluss auf die Nutzer haben können, sind geteilt. Der lauter werdenden Kritik stehen diejenigen, die ebenfalls die für verantwortlich erachteten gewalthaltigen Spiele konsumieren, gegenüber, mit dem Argument, sie selbst, ließen sich nicht so sehr von den Inhalten beeinflussen, wie dies möglicherweise im Falle des Amokläufers geschehen sei. Währenddessen sieht die Öffentlichkeit sowie die Politik die Situation sehr ernst und baut ihre Forderungen nach Verboten auf der als sehr hoch wahrgenommenen Beeinflussbarkeit der Durchschnittskonsumenten auf.

Beiden Auffassungen liegt ein kommunikationswissenschaftliches Phänomen zu Grunde, das unter dem Begriff „Third-Person Effect“ verstanden wird.

Dieses Phänomen besagt, dass Menschen dazu tendieren, den Einfluss, den Massenmedien auf die Meinung und das Verhalten anderer haben, zu überschätzen bzw. anzunehmen, dass diese Medien einen größeren Einfluss auf andere haben, als auf sie selbst[1]. Der Third-Person Effect so wie eine Vielzahl anderer Self-Other-Phänomene, die dafür verantwortlich sind, dass Menschen die Meinungen, Gedanken, Gefühle und Handlungen anderer Menschen falsch einschätzen, lassen sich unter dem Begriff „Pluralistic Ignorance“ zusammenfassen.

Laut Hubert J. O’Gorman (1986) lautet die Definition für „Pluralistic Ignorance“ dementsprechend: „Pluralistic Ignorance refers to erroneous cognitive beliefs shared by two or more indviduals about the ideas, feelings, and actions of others” (S. 333).

Die folgende Arbeit wird sich auf das Phänomen “Third-Person Effect” konzentrieren, seine Ursachen und Wechselwirkungen mit anderen Phänomenen im Spektrum von „Pluralistic Ignorance“ erläutern und anschließend auf die Auswirkungen alldessen auf das soziale Denken und Verhalten eingehen. Zuletzt sollen die gefundenen Ergebnisse zusammengefasst und kritisch betrachtet werden, sodass die oben genannten Sichtweisen schließlich nachvollzogen und bewertet werden können.

2 Ursachen des Third-Person Effects

Zunächst einmal ist es nötig den Third-Person Effect und seine grundlegenden Ursachen und Bestandteile genauer zu betrachten, um anschließend zu verstehen in wiefern er mit anderen Phänomenen interagieren kann. Hierfür wird sich die Arbeit auf die Studie von Brosius und Engel (1996) berufen[2].

2.1 Unrealistic Optimism

Wie bereits erwähnt wird beim Third-Person Effect angenommen, dass andere Menschen sich stärker von Medieninhalten beeinflussen lassen, als man selbst. Das hier zu Grunde liegende psychologische Phänomen ist der so genannte „unrealistic optimism“, der dafür verantwortlich ist, dass Menschen im Bezug auf die eigenen Gedanken und Handlungen eine weitaus positivere Sicht haben, als im Bezug auf die Gedanken und Handlungen anderer Menschen. Anschaulich wird dies in der Studie von Suzanne C. Segerstrom et al.[3], die die optimistische Verzerrung bei Rauchern aufzeigte. Die Ergebnisse bestätigten die zu Beginn formulierte Annahme, dass Raucher im Allgemeinen die Wahrscheinlichkeit, selbst an einer „Raucherkrankheit“ zu erkranken unterschätzten und trotz Bewusstsein über die Höhe der Erkrankungsgefahr glaubten, sie selbst seien unter den Rauchern am wenigsten gefährdet. Dieses psychologische Verhalten lässt sich nun auch auf die Beeinflussbarkeit durch Massenmedien übertragen. Beim Konsumieren negativer Medieninhalte schaltet sich automatisch der „unrealistic optimism“ ein und bewirkt die Annahme, dass der Konsum auf einen selbst, keinerlei negative Auswirkungen hat, man selbst also unter allen Rezipienten am wenigsten gefährdet ist sich negativ beeinflussen zu lassen. Anders formuliert heißt dies, dass man davon ausgeht, dass andere sich stärker von Medieninhalten beeinflussen lassen, als man selbst, was genau das wiedergibt, was der Third-Person Effect aussagt.

2.2 Self-Enhancement

Voraussetzung dafür, dass der „unrealistic optimism“ greifen und somit der Third-Person Effect auftreten kann, ist, dass die untersuchten Medieninhalte negative Konnotationen haben, wie dies beispielsweise bei Werbung, gewalthaltigen Medieninhalten, pornographischen Medieninhalten etc. der Fall ist[4]. Doch woran liegt es, dass Menschen nur sich selbst gegenüber diese optimistische Sicht aufweisen, anderen gegenüber jedoch nicht? Die Antwort findet sich beim Betrachten eines weiteren psychologischen Phänomens das „self-enhancement“ oder „self-serving bias“ genannt wird[5]. Dieses Phänomen besagt, dass, wenn Inhalte als negativ erachtet werden, oder es generell als unintelligent erachtet wird, sich davon überzeugen zu lassen, diesen Inhalten einen größeren Einfluss auf andere zugeschrieben wird, was dazu dient das Bild über die eigene Unverletzlichkeit und Kontrolle aufzuwerten. Umgekehrt, wenn Inhalte als positiv erachtet werden, werden ihnen größere Effekte auf einen selbst zugeschrieben, da man sich selbst dann als „schlau genug“ sieht, den Wert des Inhalts zu erkennen[6]. Dementsprechend ordnet man sich selbst die Fähigkeit zu, positive Medieninhalte herauszufiltern und sich nur von diesen beeinflussen zu lassen, während alle anderen ausgeblendet werden. „Self-enhancement“ beinhaltet aber nicht nur die Eigenschaft sich selbst positive Fähigkeiten zuzuordnen, sondern gleichzeitig die Eigenschaft sich selbst mit diesen Fähigkeiten für relativ einzigartig zu halten (False uniqueness effect). In der Studie von J. Suls und C.K. Wan[7] wird dies anhand eines Fragebogens über das Auftreten verschiedener Ängste deutlich: Die Ergebnisse zeigen, dass die Testpersonen mit wenigen Ängsten ihre eigene Gruppe unterschätzen und die der ängstlichen Personen dementsprechend überschätzen, sodass sie mit der positiven Fähigkeit bzw. Eigenschaft „Furchtlosigkeit“ relativ einzigartig erscheinen. Dadurch lässt sich nun auch erklären, warum die optimistische Verzerrung nur im Bezug auf die eigene Person stattfindet.

[...]


[1] Vgl. Davison, W.Phillips (1983). The Third-Person Effect in Communication. Public Opinion

Quaterly, 47, 3.

[2] Vgl. Brosius, Hans-Bernd & Engel, Dirk (1996). The Causes of Third-Person Effects: Unrealistic

Optimism, Impersonal Impact, or Generalized Negative Attitudes Towards Media Influence?. International Journal of Public Opinion Research, 8, 142-162.

[3] Vgl. Segerstrom, Suzanne C. et al. (1993). Optimistic bias among cigarette smokers. Journal of Applied Social Psychology, 23, 1606- 1618.

[4] Vgl. Rojas, Hernando /Shah, Dhavan V. /Faber, Ronald J. (1996). For the Good of Others:

Cencorship and the Third-Person Effect Journal of Communication, 45, 166.

[5] Vgl. Rojas/ Shah/Faber 1996: 165

[6] Vgl. Rojas/ Shah/ Faber 1996: 165

[7] Vgl. Suls / Wan (1987). In search of the fale-uniqueness phenmenon: Fear and estimates of social consensus. Journal of Personality and Social Psychology, 52, 211-217.

Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640541904
ISBN (Buch)
9783640541836
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144367
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Publizistik
Note
1,3
Schlagworte
Pluralistic Ignorance Third-Person Effect

Autor

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