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Die Darstellung der Frau in der romantischen Lyrik

Analyse der Frauendarstellung in der romantischen in Bezugnahme von drei romantischen Gedichten

von Yasmin Tosun (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 15 Seiten

Germanistik - Gattungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschlechterdifferenz um 1800

3. Das Frauenbild in der Romantik

4. Analyse der weiblichen Stellung in drei romantischen Gedichten
4.1. Die Lorelei von Heinrich Heine (1824)
4.2. Fräuleinswache von Ludwig Uhland
4.3. Die Ilse von Heinrich Heine

5. Fazit

Literaturverzeichnis:
Primärliteratur:
Sekundärliteratur:

1. Einleitung

Geschlechterdifferenz ist ein Thema, welches sowohl die Menschen, als auch die Literatur seit eh und je beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Rollen ist am besten in der Literatur nachvollziehbar, da sie dort gezielt eingesetzt wird, entweder um den derzeitigen Zustand jemandem näher zu bringen, oder in sozial-kritischer Funktion, um dadurch Aufmerksamkeit zu erregen und, im Idealfall, was bewirken zu können. In beiden Fällen geht man davon aus, dass die Situation der damaligen Zeit wirklichkeitsgetreu geschildert und uns somit nahe gebracht wird. Deshalb sind literarische Werke ein exzellentes Medium, um Zugang zu Gesellschaft und Verhalten in einer bestimmten Zeit zu haben. Besonders zu einer Zeit, in der Medien wie Fernsehen, Internet und Radio nicht herrschten, sind schriftliche Werke der einzige Schlüssel zur Vergangenheit.

In dieser Hausarbeit wird näher auf die Geschlechterrollen, insbesondere die Rolle und das Bild der Frau in der Romantik und explizit in der romantischen Lyrik eingegangen.

Doch um verstehen zu können, was sich in der Zeit der Romantik verändert hat, ist es wichtig, einen Blick auf die Zeit davor zu werfen, da hier große Veränderungen sichtbar sind.

2. Die Geschlechterdifferenz um 1800

„Das 18. Jahrhundert ist das ‚Jahrhundert der Frau‘ so nennen es die männlichen Geschichtsschreiber und sprechen sogar von der Befreiung der Frau, die nun Wirklichkeit geworden sei“[1]. Doch die Wahrheit sieht anders aus.

Die Natur soll die unumstößliche Wahrheit der sozialen Ordnung begründen.[2] „Die Erfindung der Geschlechtercharaktere wird von der Soziologie als Resultat wirtschaftlicher Veränderungen beschrieben“[3]. Biologie und Bestimmung aus der Natur machen die Rollen der Männer und Frauen fest.[4] Die Natur hat die Frauen dazu bestimmt für die innerlichen Angelegenheiten, wie Haus und Familie, zuständig zu sein. Man vertrat die Meinung, dass diese Bestimmung durch die Biologie, nämlich der Formung der Geschlechter begründet sei. Nicht umsonst waren die Geschlechtsorgane der Frau nach innen gebildet – dieses musste ein Hinweis auf die Bestimmung der Frau in der Gesellschaft sein. Das biologische Geschlecht bestimmte demnach das soziale Geschlecht der Frau.[5] Die Frau war „Objekt, Instrument und Opfer einer männlich geprägten Gesellschaft“[6].

Der Ort der Frau ist das Haus, ihr Betätigungsfeld die Familie: Qua natürlicher Bestimmung entfaltet sie hier ihre dreifache Befähigung als Gattin, Hausfrau und Mutter.[7]

Dazu gehören sowohl die „Erziehung der Kinder in den entscheidenden Lebensjahren“[8], als auch das Bereiten eines „regenerierendes Heimes […] für dem von der außerhäuslichen Arbeit erschöpften Mann“[9]. „Das Wesen der Frau soll in ihrer Liebesfähigkeit ausgehen, welche Pflicht und Neigung zur bruchlosen Verschmelzung bringt“[10].

Die Ehe wurde als Vertrag verstanden. „Kant […] definiert die Ehe […] als vertragliche Abmachung zum wechselseitigen Gebrauch der Geschlechtseigenschaften“[11]. Rousseau ging zwar von einer Gleichwertigkeit der Frau aus, andererseits vertrat er die „Vorstellung von einer naturgegebenen Beschränkung durch ihre biologischen Funktionen“[12] und plädierte:

In Bezug auf die Folgen der geschlechtlichen Beziehungen gibt es zwischen den beiden Geschlechtern keine Gleichheit. Der Mann ist nur in gewissen Augenblicken Mann, die Frau aber ihr ganzes Leben lang Frau.[13]

Nach Rousseau jedoch, basiert die Ehe auf „‘wahrer Liebe‘, unter der er die ‚Begeisterung‘ für Vollkommenheit des Partners versteht“[14]. „Die Liebe rückt ‚die

weibliche Sexualität in ein versittlichendes, ehrenvolles Licht‘[15] und verpflichtet die Frau gleichzeitig zur Treue“[16].

Die Frau verlor ihre Ehre durch einen Ehebruch, der Mann nicht. Zugleich aber verletzte ihr Ehebruch seine Ehre, während sein Ehebruch der ihren nichts anhaben konnte. Ihr Ehebruch bewirkte demnach eine doppelte Ehrverletzung; er beschädigte oder zerstörte die soziale Identität zweier Personen, wogegen sein Ehebruch diese Identität vollkommen unberührt ließ[17].

Dieses Zitat macht deutlich, wie ungleich die Frauen zur damaligen Zeit behandelt wurden.

Im Gegensatz dazu steht das Frauenbild in der Epoche der Romantik, auf die ich jetzt näher eingehen möchte.

3. Das Frauenbild in der Romantik

„Die Romantik entwirft ein Bild der Frau, das weithin grundlegend neu ist“[18]. In ihren „emanzipatorischen Aufbrüchen“[19] hat die Romantik eine „Verbindung zur Aufklärung“[20]. Auch wenn sie sie kritisieren, haben sie „zunächst ein bestimmtes Bewußtsein, daß sie die Aufklärung weiterführen“[21]. „Wilkening gibt die Formel, es hätten die Romantiker eine ‚ Aufklärung der Aufklärung‘ durchgeführt“[22]. Diese Äußerung meint vielmehr eine Vernichtung der Vorurteile der Aufklärung.[23]

Die Romantik war für die Welt der Männer ein Umbruch.[24] Wenigstens im Grundsatz sollte die Gleichberechtigung von Mann und Frau gefestigt sein.[25]

Erst die frühromantische Generation wandte sich wieder dem Gleichheitsideal zu und suchte in der Frau weder die rührige Hausmutter noch das entfesselte Naturweib, sondern die ebenbürtige Gefährtin.[26]

Es entwickelte sich ein neues Ehe- und Liebesideal. „Der romantische Mann möchte mit der Frau als wirkliche Partnerin seinen Weg gehen“[27]. Mit ihr möchte er „seine eigene Selbstfindung erreichen und realisieren“[28]. Diese Art des Verhältnisses, was in der Romantik als ‚Einfühlung‘ bezeichnet wurde, war nur möglich, wenn „zwischen Mann und Frau intensive Begegnungen“[29] stattfanden. Kurze Zeit vorher dachte man noch „Liebe und Ehe seien unvereinbar“[30], dieses Liebesverständnis änderte sich jedoch im Laufe der Romantik. Mit der Romantik erfolgte eine „grundlegende Umgestaltung in der Sicht mann-weiblicher Beziehungen“[31]. Im Vordergrund stand die „Subjektwerdung der Frau“[32] im Hinblick auf den Mann. Der Brief war eine Form des Mediums weiblicher Subjektfindung. Mithilfe der „Briefe und Briefveröffentlichungen“[33] nahmen Frauen „nun Positionen ein, die man ihnen bisher verweigert hatte“[34]. Auch der Salon war ein Ort weiblicher Selbstfindung und wirkte sich auf die Stellung der Frau aus. Das lag daran, dass der Salon weithin weiblich dominiert wurde, was für keine andere gesellschaftliche Institution galt. Die Neufindung der Frau bekam eine „neuartige Chance“, erst jetzt wurden „weibliche Bedürfnisse und Kreativität im allgemeinen Denken ernst genommen“[35]. Auch im Literarischen spiegelte sich dieser Zustand wieder. Hervorgehoben wurde die „weibliche Sensibilität“[36].

Frauen schienen das gesuchte Ideal der Verbindung von Kunst und Leben zu verwirklichen; Frauen standen – nach der Auffassung der Romantiker – „der Natur‚ dem Leben“ näher als die „abstraktargumentierenden Männer“.[37]

[...]


[1] Barbara Becker-Cantarino: Die Frau von der Reformation zur Romantik. 2. Aufl. 1985, Bouvier Verlag Herbert Grundmann, Bonn. S. 138

[2] vgl. Birgit Wägenbaur: Die Pathologie der Liebe. Literarische Weiblichkeitsentwürfe um 1800. Erich Schmidt Verlag, Bd. 4, Berlin 1996. S. 22

[3] Ebd.

[4] vgl. Birgit Wägenbaur: Die Pathologie der Liebe. S. 22

[5] Dieses habe ich aus der Vorlesung vom Herrn Prof. Dr. Lukas: „Literarische Geschlechtergeschichte (ca. 1700 – 1800)“

[6] Kurt Lüthi: Feminismus und Romantik. Sprache, Gesellschaft, Symbole, Religion. Böhlau Verlag Berlin Köln. 1985. S. 7

[7] Birgit Wägenbaur: Die Pathologie der Liebe. S. 22

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Birgit Wägenbaur: Die Pathologie der Liebe. S. 23

[11] Birgit Wägenbaur: Die Pathologie der Liebe. S. 24

[12] Claudia Simon-Kuhlendahl: Das Frauenbild der Frühromantik. Kiel 1991. S. 24

[13] Birgit Wägenbaur: Die Pathologie der Liebe. S. 25

[14] Birgit Wägenbaur: Die Pathologie der Liebe. S. 30

[15] Birgit Wägenbaur: Die Pathologie der Liebe. S. 31

[16] Ebd.

[17] Birgit Wägenbaur: Die Pathologie der Liebe. S. 32

[18] Kurt Lüthi: Feminismus und Romantik. S.40

[19] Kurt Lüthi: Feminismus und Romantik. S.17

[20] Ebd.

[21] Ebd.

[22] Ebd.

[23] Ebd.

[24] Kurt Lüthi: Feminismus und Romantik. S. 8

[25] vgl. Ebd.

[26] Claudia Simon-Kuhlendahl: Das Frauenbild der Frühromantik. Kiel 1991. S. 10

[27] Lüthi: Feminismus und Romantik. S. 24 - 25

[28] Lüthi: Feminismus und Romantik. S. 25

[29] Ebd.

[30] Claudia Simon-Kuhlendahl: Das Frauenbild der Frühromantik. S. 23

[31] Kurt Lüthi: Feminismus und Romantik. S. 7

[32] Ebd.

[33] Lüthi: Feminismus und Romantik. S. 31

[34] Ebd.

[35] Lüthi: Feminismus und Romantik. S. 8

[36] Ebd.

[37] Ebd.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640534470
ISBN (Buch)
9783640534265
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144229
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,7
Schlagworte
Romantik Lyrik Romantisch Romantische Lyrik Frauenbild Frau Geschlecht geschlechterdifferenz Geschlechterrolle Heine Uhland gedicht Lorelei Loreley

Autor

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    Yasmin Tosun (Autor)

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