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Die neue Rolle des Ausbilders

Der Ausbilder im Zeichen der Kompetenzentwicklung

Seminararbeit 2009 9 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Der Ausbilder im Zeichen der Kompetenzentwicklung

3. Kompetenzanforderungen am Beispiel des Berufschullehrers

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im heutigen Zeitalter der Technisierung und Dynamisierung der Gesellschaft und der Wirtschaft kommt es zu einer radikalen Gleichgültigkeit gegenüber dem Menschen. Er wird vielerorts durch Maschinen, Roboter oder Sprachbänder ersetzt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und den Menschen an sich wieder mehr in den Vordergrund zu stellen, bemüht sich vor allem die Berufsbildungspolitik durch Besinnung auf Qualitäts- und Kompetenzentwicklung. Dabei versucht sie mit Hilfe von Aus- und Weiterbildung, sowie dem lebenslangen Lernen die Vorteile des mitdenkenden und flexiblen Individuums auszunutzen, um so eine höhere Güte der Arbeit zu erreichen. Im Zuge dessen stellt sich die Frage, ob die Entwicklung von Kompetenzen des Ausbilders von entscheidender Bedeutung für die Ausbildung ist, sodass dadurch, begründet durch die fortlaufende Komplexitätsentfaltung der Arbeitswelt, eine gemeinsame Basis zwischen Ausbildung und Beruf geschaffen wird.

Um dies näher zu beleuchten, ist es zunächst zwingend notwendig den Begriff Kompetenz zu definieren. Unter Kompetenzen versteht man subjektbezogene Kategorien, die komplexe Fähigkeiten und damit Zuständigkeiten beschreiben. (vgl. Arnold/ Gonon 2006, S.95.f) Sie sind an das Subjekt und sein Wissen, seine Fähigkeiten, Kenntnisse und Methoden zum eigenverantwortlichen Handeln gebunden. (vgl. Dehnbostel 2007, S.134) Wer „kompetent“ ist, besitzt die Fähigkeit „individuelle Handlungskompetenzen und Qualifikationen neu zu verkoppeln“ (Arnold/ Gonon 2006, S.96), wodurch eine besondere Nähe zur Aufgabe selbst entsteht.

Der Kompetenzbegriff wird häufig in Verbindung mit dem Begriff „Qualifikation“ gebracht und oft auch verwechselt. Auch wenn beide Begriffe eng miteinander verknüpft sind, lassen sie sich dennoch gegeneinander abgrenzen. Während die Kompetenzen einzig die Fähigkeiten des Lernenden berücksichtigen, eigen- und selbstverantwortlich zu handeln, so sprechen die Qualifikationen vielmehr von der Verwertbarkeit dieser Fähigkeiten.

Mit Hilfe dieser Abgrenzung, sowie der Begriffsdefinitionen liegt der Grundstein für diese Abhandlung bereit. Im Folgenden wird nun ein Blick auf den Ausbilder und dessen Umsetzung des Konstruktes „Kompetenz“ für seine Tätigkeit geworfen.

2. Der Ausbilder im Zeichen der Kompetenzentwicklung

Um dem Wandel in der Ausbildung und den Anforderungen dieser gerecht zu werden, benötigt der Ausbilder einer modernen Berufsausbildung besondere Fähigkeiten und Kenntnisse, um „sowohl die pädagogische Seite des Ausbilderhandelns als auch die fachliche“ (Bahl/ Diettrich 2008, S.12) zu gewährleisten. Diese Fähigkeiten werden im Allgemeinen als Kompetenzen bezeichnet, im Speziellen dagegen unter den Begriff der beruflichen Handlungskompetenz gefasst. Diese bildet eine Einheit aus Fach-, Sozial- und Personalkompetenz, welche wiederum aus Teildisziplinen, wie Methoden-, Lehr-oder Sprachkompetenz, bestehen. (vgl. Dehnbostel 2007, S.33)

Sowohl die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) als auch aktuelle Diskussionen unter Fachleuten sehen dabei bestimmte Zielsetzungen hinsichtlich der Befähigungen des Ausbilders. Ich werde mich im Folgenden auf drei wesentliche Punkte beziehen:

1) Förderung der Handlungskompetenz des Ausbilders,
2) Anleitung mit Hilfe einer modernen Methodenausbildung und
3) Polyvalenz des Ausbilders

1) Für den Ausbilder stellt sich eine Aufgabe zwingend dar: er muss über das, was er lehren möchte, selbst zu mehr als einhundert Prozent informiert sein. Das schließt aber nicht nur theoretische Aspekte, sondern auch praktische Lehrinhalte ein. Er sollte stets auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft, Industrie und Technik sein, um den Auszubildenden eine Orientierung für ihre zukünftigen oder im Dualen System ihrer gegenwärtigen Aufgaben zu vermitteln. Diese Fachkompetenz verschafft ihm dabei neben der Autorität und dem Respekt bei den Auszubildenden, auch die nötige Motivation dieser und die Möglichkeit, über Neuerungen in den oben genannten Bereichen mit den Auszubildenden zu diskutieren.

Das Rezept dafür lautet berufliche Weiterbildung und lebenslanges Lernen. (vgl. Bahl/ Diettrich 2008, S.12) Hierbei geht es in der beruflichen Kompetenzentwicklung vor allem um die Entwicklung einer Lernkompetenz, durch die der Ausbilder zunehmend wieder zum Lernenden und Vorbild für die Auszubildenden wird. Dafür benötigt er „Techniken zur Selbstorganisation und -reflexion sowie zur Wissensaneignung und -erweiterung“ (ebd.). Möglichkeiten bieten sich dabei viele, wobei die Verlagerung vom individuellen Lernen hin zum Organisationslernen den wesentlichen Bestandteil darstellt. Der Ausbilder soll sich hierbei direkt am Arbeitsplatz weiterbilden und in seinem Betrieb oder seiner Anstalt jene Kompetenzen entwickeln. (vgl. Arnold/ Gonon 2006, S.108)

2) Die Fach- und Lernkompetenz stellen entscheidende Faktoren zur Vorbereitung der Ausbildung dar. Aufbauend auf diesen benötigt der Ausbilder dennoch mindestens eine weitere Kompetenz zur Vermittlung seines eigenen Wissens. Diese ist als Methodenkompetenz bekannt und hat das Ziel, mit Hilfe einer sinnvollen und förderlichen Didaktik Lern- und Arbeitstechniken zu vermitteln.

In der Vergangenheit wurde sich auf Frontalunterricht, dem bloßen linearen Lernen und künstlich initiierten Situationen ausgeruht. Die Ergebnisse waren sehr ernüchternd, denn die Auszubildenden vollzogen lediglich die gedanklichen Schritte des Ausbilders, führten das aus, was er sagte und wie er es sagte und sahen in ihrem erreichten Ziel nicht ihr eigenes, sondern vielmehr das des Ausbilders oder des Betriebes. (vgl. Arnold/ Lipsmeier 2006, S.356)

Heutzutage versucht der Ausbilder durch selbstorganisierte Projekte und leitfragenorientierte Teamarbeiten den höchsten Grad der Ausbildung zu erreichen, bei denen sich die Lernenden teilweise selbst eine Fragestellung erarbeiten und diese in einem Projekt durchführen und sogar selbst beurteilen sollen. Der Ausbilder nimmt dabei „nur noch“ die Position „einer ‚Ressource-Person’ bzw. eines ‚Beraters auf Abruf’ “ (Arnold/Lipsmeier 2006, S.361) ein. Dennoch verliert seine Rolle nicht an Gewicht, denn gerade in dieser Unterstützungsarbeit muss er vor allem durch seine Fachkompetenz Fragen beantworten und Hilfestellung geben. Er hat die Verantwortung, in seinen Auszubildenden das „Vertrauen in ihre eigenen Kräfte und ihre methodischen und sozialen Fähigkeiten [...] durch geeignete methodische“ (Arnold/ Lipsmeier 2006, S.365) Ansätze zu fördern, ohne dabei lenkend oder steuernd in den Prozess der Arbeit einzugreifen. Er muss die Auszubildenden los-und sich in ihrer Richtung entwickeln lassen, aber dennoch Ansprechpartner für essentielle Probleme sein, bei denen die Auszubildenden aus eigener Kraft nicht weiterkommen. (ebd.)

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640547777
ISBN (Buch)
9783640552863
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144121
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
Berufsbildung Pädagogik Betriebspädagogik Ausbilder Kompetenz Kompetenzentwicklung Hochschullehrer Kompetenzanforderungen Wandel Berufspädagogik Handlungskompetenz Polyvalenz Methodenkompetenz

Autor

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Titel: Die neue Rolle des Ausbilders