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Das Pfennig-Magazin - Gesellschaftskritische und nationale Aussagen

Seminararbeit 2002 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

GLIEDERUNG

I. Gesellschaftskritische und nationale Aussagen im Pfennig-Magazin zu Redaktionszeiten von Johann Jakob Weber

II. Untersuchung bestimmter Artikel nach gesellschaftskritischen nationalen Aussagen
1. Methodische Vorgehensweise
a) Auswahl der Untersuchungseinheiten
b) Kategorienbildung zur Eingrenzung der Untersuchungseinheiten und einer systematischen Bearbeitung 4
2. Diskussion der erhobenen Artikel
a) Arbeitsamkeit
b) Sparsamkeit
c) Bildung und Aufklärung
d) Erziehung der Mädchen
3. Konzept und Intention Webers bei seinen gesellschaftskritischen Aussagen

III. Widerlegung der Aussagen der Wissenschaft

I. Gesellschaftskritische und nationale Aussagen im Pfennig-Magazin zu Redaktionszeiten von Johann Jakob Weber

Das Pfennig-Magazin der Gesellschaft zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse war die erste illustrierte Zeitung in Deutschland[1]. Es erschien wöchentlich zu einem Abonnementpreis von 2 Talern im Jahr, umfasste acht Seiten im Quartformat und war mit vier bis sechs Holzstichen illustriert[2]. Johann Jakob Weber war von Mai 1833 bis November 1834 Chefredakteur und Verfasser des Magazins und leitete die Zweigniederlassung Leipzig des englischen Verlages Bossange, der das Magazin druckte[3]. Nach seinem Ausscheiden aus dem Verlag übernahm die Firma F.A. Brockhaus die redaktionelle Leitung, der Verlag Bossange blieb vorerst nur als Kommanditär beteiligt und schied im Januar 1847 schließlich ganz aus dem Pfennig-Magazin aus[4].

In der Wissenschaft wird das Pfennig-Magazin als billige illustrierte Unterhaltungszeitschrift charakterisiert[5]. Kritisiert wird, dass dem Magazin jeglicher nationaler Bezug fehlte[6]. Diese zwei Aussagen über das Magazin veranlassten zu den Fragestellungen, ob das Pfennig-Magazin tatsächlich als reines Unterhaltungsmagazin bezeichnet werden konnte und ob es tatsächlich an nationalem Charakter mangelte. Untersucht wurden diese Fragen vor dem Hintergrund, dass nach den Karlsbader Beschlüssen im Jahr 1819 und der Juli-Revolution in Paris im Jahr 1830 strenge Zensur herrschte und eine gesellschaftskritische Berichterstattung kaum möglich war[7]. Wollte man dennoch kritisch publizieren, war dies nur verdeckt möglich. In der Untersuchung ging es also zudem darum, herauszufinden, ob sich das Pfennig-Magazin auf irgend eine Weise der Unterdrückung des Staates widersetzt hatte. Demzufolge standen beide Fragestellungen in Zusammenhang, so dass nur Artikel tiefergehend diskutiert wurden, die beide Merkmale – Gesellschaftskritik und nationalen Bezug – aufwiesen.

Die Besonderheit des Pfennig-Magazins war, dass es einen neuen Typus des Magazins schuf – die, wie oben erwähnt, billige illustrierte Unterhaltungszeitschrift[8]. Die drei Merkmale billig, illustriert und unterhaltsam bescherten dem Verlag Auflagenrekorde in Höhe von bis zu 35 000 Exemplaren im ersten Jahr und ungefähr 60 000 bis 100 000 in den darauffolgenden Jahren[9]. Vor allem die Illustrationen sorgten für großes Interesse, denn Bilder waren selten in dieser Zeit, so dass durch die Illustrationen im Pfennig-Magazin zum ersten Mal das Bürgertum die Möglichkeit hatte, Landkarten, Bilder von historischen Gebäuden und seltenen Pflanzen u.v.m. zu Gesicht zu bekommen. „Sie befriedigten nicht nur den Wissensdurst, sondern auch die Schaulust des bürgerlichen Publikums[10]. Dies gab Anlass, zu untersuchen, ob sich im Magazin unter dem Deckmantel der Eigenschaften billig, unterhaltsam und vor allem illustriert gesellschaftskritische Aussagen verbargen.

Erste Anzeichen darauf, dass das Pfennig-Magazin mehr als nur Unterhaltung bieten sollte, war einem Aufsatz aus der ersten Ausgabe des Magazins zu entnehmen, in dem geschrieben wurde, was das Magazin beabsichtigte[11]: Das „Nützlichste und Neueste“ sollte zu lesen sein. Ziel sei es gewesen, die breite Masse der Bevölkerung aufzuklären und „gemeinnützige Kenntnisse“ zu verbreiten. „Der Himmel und die Erde, die Luft und das Meer, reichen uns Stoff zu Darstellungen des Nützlichen, Schönen und Großen, durch das wir belehren, erfreuen und bessern wollen.“[12]. Es sollte demnach nicht bloß erfreut, sondern auch belehrt und vor allem verbessert werden. Verbessern evozierte die Vermutung, dass es etwas zu verbessern gab, sei es das Verhalten des Staates oder der Gesellschaft. Diese Aussage führte schließlich zu ersten konkreten Fragestellungen: Wurden im Pfennig-Magazins gesellschaftskritische Aussagen publiziert? Was sagten diese Aussagen aus? Konnten diese Aussagen im Interesse des Staates liegen?

Die Annahme, dass die Zeitschrift gesellschaftskritische Artikel veröffentlichte führte wiederum zu der konkreten Frage, ob sie die Kritik am deutschen Volk bzw. Staat übte, oder ob es sich dabei um Kritik am Menschen allgemein handelte. Untersucht wurde demnach, ob die damalige Kritik des fehlenden nationalen Charakters gerechtfertigt war.

Analysiert wurden nur Artikel, die zu Redaktionszeiten von Johann Jakob Weber verfasst worden waren. Diese Eingrenzung resultierte daraus, dass sowohl eine erste inhaltliche Betrachtung als auch biographische Hinweise darauf schließen ließen, dass Weber besonderes persönliches Engagement in das Magazin und die Verbreitung moralischer Ratschläge investiert hatte[13]. Zu Redaktionszeiten der Firma F.A. Brockhaus hingegen wurden in der ersten Betrachtung keine moralischen oder gesellschaftskritischen Aussagen ausfindig gemacht.

Um die Fragestellungen zu lösen, wurden zunächst die zu untersuchenden Artikel selektiert und kategorisiert. Dies diente einer systematischen und übersichtlichen Bearbeitung. Anschließend wurden bestimmte Artikel auf die Fragestellungen hin untersucht, interpretiert und verglichen. Bei der Interpretation wurde davon ausgegangen, dass Weber der Verfasser aller Artikel war, da allgemein vermutet wird, dass er fast alle Artikel und Aufsätze selbst verfasst hat[14].

[...]


[1] Vgl. Kaiser, Rainhard: Das „Pfennig-Magazin“. Ein Orbis xylographicus des 19. Jahrhunderts. Nördlingen: Greno 1986.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. Salomon, Ludwig: Geschichte des Deutschen Zeitungswesens von den ersten Anfängen bis zur Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches. Oldenburg und Leipzig: 1906, S. 530f..

[4] Vgl. ebd. S. 531.

[5] Vgl. Löffler, Karl, Kirchner, Joachim: Lexikon des gesamten Buchwesens, Band I. Leipzig: Petrarcaschrift 1936, S. 394.

[6] Vgl. Salomon, Ludwig: Geschichte des Deutschen Zeitungswesens, S. 531.

[7] Vgl. Kaiser, Rainhard: Das „Pfennig-Magazin“.

[8] Vgl. Löffler, Karl, Kirchner, Joachim: Lexikon des gesamten Buchwesens, S. 394.

[9] Vgl. Wilke, Jürgen: Grundzüge der Medien- und Kommunikationsgeschichte: Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert. Köln, Weimar, Wien: Böhlau 2000, S. 210.

[10] Ebd., S. 209.

[11] Das Pfennig-Magazin, 1. Ausgabe, Mai 1833.

[12] Das Pfennig-Magazin, 1. Ausgabe, Mai 1833.

[13] Vgl. Weber, Wolfgang: Johann Jakob Weber. Ein Beitrag zur Familiengeschichte. Leipzig: J.J. Weber 1928, S. 12-20.

[14] Vgl. Kaiser, Rainhard: Das Pfennig-Magazin.

Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638198202
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14412
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Note
sehr gut
Schlagworte
Pfennig-Magazin Gesellschaftskritische Aussagen

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Titel: Das Pfennig-Magazin - Gesellschaftskritische und nationale Aussagen