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Pharma, Forschung und Profit

Warum wir unabhängige Studieninstitute brauchen

Essay 2009 8 Seiten

Medizin - Pharmakologie, Arzneimittelwesen

Leseprobe

Forschung, Pharma und Profit

Wie unabhängig ist die Forschung? Nicht sehr, meinen Kritiker und zeigen mit dem Finger auf die Macht der Pharmafirmen. Doch ohne den großen Partner aus der Industrie ist zumindest in der Medikamentenforschung kaum noch etwas machbar. Abhilfe aus dem Dilemma verspricht die Stärkung unabhängiger Studieninstitute. Noch ist die Medikamentenforschung in den meisten staatlich geförderten Einrichtungen chronisch unterfinanziert. Wissenschaftler hoffen auf mehr Zuschüsse. Bis es soweit ist, versanden viele neue Ideen und Therapieansätze im Sande.

„Was auch immer sie hier hören, es muss vertraulich behandelt werden“, beginnt eine Doktorandin ein Seminar. Sie stellt die Ergebnisse ihrer Doktorarbeit vor. Nein, das Medikament habe die Hoffnung ihrer Auftraggeber nicht erfüllt. In keiner einzigen Testreihe schnitten die Testpersonen besser ab als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Schade für die auftraggebende Pharmafirma. Schade für die Doktorandin, denn eine Studie ohne positives Ergebnis wird selten veröffentlicht. Beide Seiten sind sich einig: Eine neue Studie muss her. Sie bringt schließlich das erwünschte positive Ergebnis und wird publiziert.

Durch die Verquickung wirtschaftlicher Interessen und Forschung kommt es unweigerlich zu verzerrten Ergebnissen. „Es gibt einen systematischen Bias in den Forschungsergebnissen, die von der pharmazeutischen Industrie gesponsert werden“, so das Fazit von Joel Lexchin. Der kanadische Gesundheitsexperte veröffentliche 2003 im British Medical Journal eine umfangreiche Übersichtsarbeit zum Thema „Pharma und Forschung“. Gesponserte Studien unterscheiden sich nicht hinsichtlich ihrer Qualität von nicht gesponserten Studien. Jedoch werden erstere deutlich später veröffentlicht, verschwinden manchmal in der Schublade und favorisieren – wenn veröffentlicht – in der Regel das eigene Produkt. Das geschieht unter anderem dadurch, dass das Produkt mit einer nicht gleichwertigen Substanz verglichen wird. Laut einer Analyse von Justin Bekelman im JAMA von 2003 kommen industriefinanzierte Studien viermal häufiger zu einem positiven Ergebnis für das Produkt des Sponsors als Forschungsergebnisse, die von den National Institutes of Health (NIH) finanziert wurden. Brustkrebs-Studien machen bei diesem Trend keine Ausnahme, dies zeigten Jeffrey Peppercorn und Kollegen in einer 2007 in Cancer veröffentlichten Übersicht.

Nicht klein zu kriegen: der Schubladen-Bias

Um den „Schubladenvorbehalt“ der Pharmafirmen zu unterdrücken, half bislang nicht viel. Die Forderung der US-amerikanische Forderung im Rahmen des Food and Drug Modernization Act von 1997, alle wichtigen Interventions-Studien vorab registrieren zu lassen, konnte nie richtig durchgesetzt werden. Wenn alle Studien noch vor der Datensammlung in eine Liste eingetragen werden, so die Hoffnung, sollte man später herausfinden können, welche Studien unveröffentlicht in der Schublade verschwunden sind. Allerdings meldete die Pharma-Industrie weniger als die Hälfte der registrierungspflichtigen Studien an. Erst nachdem sich 2004 die Redaktionen der Top Medical Journals dazu entschieden, nur noch Phase-III-Studien zu veröffentlichen, die zu Beginn registriert worden waren, stieg die Zahl der gemeldeten Studien. Wie stark ein systematischer Publikations-Bias das Ergebnis verzerren kann, demonstrierten Turner und Kollegen zu Beginn dieses Jahres im New England Journal of Medicine. In ihrer Analyse zur Wirkung von Antidepressiva fanden sie in 94% der publizierten Studien eine positive Wirkung. Schlossen sie die unveröffentlichten Studien mit ein, reduzierte sich diese Zahl auf ernüchternde 51%. In dem Zusammenhang ist interessant, dass es zumindest in den USA Gang und Gäbe ist, Wissenschaftler mit großzügigen Beraterhonoraren zu belohnen. Der Leiter des psychiatrischen Instituts der Brown University veröffentlichte Studien über Antidepressiva. Er soll angeblich eine halbe Millionen Dollar an Beraterhonoraren von den Herstellerfirmen erhalten haben.

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Details

Seiten
8
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640544776
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144061
Note
Schlagworte
Pharmaforschung Bias Grundlagenforschung Krebs Profit Translationale Forschung unabhängige Forschung Studieninstitute Neue Medikamente

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Titel: Pharma, Forschung und Profit