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Die Normalentwicklung eines 0-3 jährigen Kindes

Im Blickpunkt, Resilienzforschung und Jugendhilfemaßnahmen bei der Pflegekindschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 19 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Normalentwicklung 0- 1 Jahre
2.1 Motorische Entwicklung
2.2 Soziale und geistige Entwicklung
2.3 Sprachliche Entwicklung

3 Normalentwicklung 1- 3 Jahre
3.1 Motorische Entwicklung
3.2 Soziale und geistige Entwicklung
3.3 Sprachliche Entwicklung

4 Resilienzforschung
4.1 Bedeutung von Anlage und Umwelt
4.2 Bindungstheorie nach John Bowlby
4.3 Schutzfaktoren- Resilienz
4.3.1 Experiment Harlow- Affen
4.4 Risikofaktoren
4.4.1 Risikofaktoren 0- 1 Jahre
4.4.2 Risikofaktoren 1- 3 Jahre

5 Pflegekindschaft
5.1 Pflegeformen
5.2 Modell der Ergänzungsfamilie- inklusives Konzept
5.3 Modell der Ersatzfamilie- exklusives Konzept
5.3 Chancen und Widerstände beider Modelle

6. Fazit

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit behandelt die drei Schwerpunktthemen „Normalentwicklung eines 0- 3jährigen Kindes“, „Resilienzforschung“ sowie „Pflegekindschaft“.

Zur genaueren Anschauung, welche Entwicklungsschritte ein Kind im Normalfall zu bewältigen hat, habe ich mich auf die motorische, soziale und geistige sowie sprachliche Entwicklung konzentriert. Auf das Bindungsverhalten, das ein Säugling ab der Geburt automatisch eingeht, werde ich in Punkt 4, der Resilienzforschung, kommen. Da ich in den Punkten 2 und 3 von einer Normalentwicklung schreiben werde, ist hier eine sichere Bindung in jedem Fall gegeben, weswegen ich hier auf das Bindungsverhalten noch nicht genauer eingehe.

Der zweite Schwerpunkt „Resilienzforschung“ befasst hauptsächlich die Schutz- und Risikofaktoren, die eine Normalentwicklung fördern oder behindern können. Hierbei habe ich das Hauptgewicht auf die Risikofaktoren gelegt, da ich hier wichtige psychologische Aspekte von Erikson und Freud für die negative Entwicklung eines Kleinkindes aufzeigen möchte.

Im letzten Teil, der Pflegekindschaft, erläutere ich zunächst die gesetzlichen Grundlagen sowie die in Deutschland vorhandenen Pflegeformen. Anschließend werde ich die beiden häufigsten Konzepte darlegen und sowohl deren Chancen als auch Widerstände vergleichen. Zum Abschluss werde ich die Erkenntnisse der Bindungstheorie denen der Pflegekindschaft gegenüberstellen.

Zum Schluss werde ich in einem Fazit meine gesammelten Erkenntnisse zusammenfassen und sie kurz reflektieren.

2. Normalentwicklung 0- 1 Jahre

Freud nennt die Zeit zwischen der Geburt und dem 1. Lebensjahr „orale Phase“, Erikson bezeichnet diese Zeit als „Vertrauen gegen Ur- Misstrauen“ und Piaget „sensumotorisches Stadium“. In den Punkten 2.1, 2.2 sowie 2.3 werden diese genauer erläutert.

2.1 Motorische Entwicklung

Wenn ein Säugling zur Welt kommt, besitzt er bereits ein Überschuss an Nervenzellen, die sich im Mutterleib gebildet haben. Bei der Geburt findet eine Profileration der Nervenzellen statt. In den ersten fünf Lebensmonaten entwickelt sich das Kleinhirn sehr rasch. In dieser Zeit wird der Bewegungsapparat von Nerven, Muskeln und Gelenke der Arme und Beine voll funktionsfähig (vgl. Engelmayer 1964, S. 43). Das Säugling beginnt zunächst, sich zu rollen, anschließend lernt es zu sitzen, zu krabbeln und letztendlich zu laufen (vgl. Engelmayer 1964, S. 43 sowie Myer 2004, S. 156). Nach und nach wird demnach das Autonomiebestreben des Babys größer. Es beginnt zunächst, sich herumzurobben, Dinge zu greifen und sie in den Mund zu nehmen. Dies bezeichnet Freud als die „orale Phase“: Für ein Baby steht zunächst der Mund im Mittelpunkt des Triebgeschehens. Es besitzt direkt nach der Geburt einen angeborenen Saug-, Greif- und Schluckreflex und kann seine Bedürfnisse selbst befriedigen, indem es eigenständig steuern kann, welches Objekt es greifen und in den Mund nehmen möchte und ob es das Objekt im Mund behält oder wieder hergibt (vgl. Rothgang 2002, S. 77- 78). Das Baby weiß hierbei jedoch noch nicht, um welchen Gegenstand es sich handelt. Piaget beschreibt dies das „sensumotorische Stadium“, die zwischen dem 0.- 2. Lebensjahr stattfindet: Vor dem Begreifen steht das Greifen (vgl. Weinert 1998, S. 58- 59 und Myers 2004, S. 176).

2.2 Soziale und geistige Entwicklung

Ein Säugling ist von Geburt an ein soziales Wesen, das Interesse an anderen Personen zeigt. Besonders auf bekannte Stimmen und Gesichter, vor allem das der Mutter, reagiert ein Säugling neugierig. Es ist in seinen ersten Lebensmonaten vor allem in der familialen Umwelt. Es lächelt jedoch ab dem 2. Lebensmonat schon fremde Personen an, wenn diese das Baby anlachen oder mit ihm sprechen. Ab dem 4. Lebensmonat weint ein Baby, wenn es sich außer Kontakt fühlt. Nun interessiert sich ein Baby auch für Gleichaltrige und weitere Personen des familiären Umfelds, z. B. Geschwister oder Großeltern (vgl. Engemlayer 1964, S. 184). Nach und nach entsteht eine sog. Objektpermanenz (vgl. Myers 2004, S.167), das Baby hat ein inneres Bild von dem Objekt, das es sucht, entwickelt und verinnerlicht (z. B. die Mutter). Diese innere Gewissheit bezeichnet Eirkson als „erste soziale Leistung“ (vgl. Erikson 1991, S. 421). Mit etwa acht Monaten beginnt ein Kleinkind zu „fremdeln“: Es weint und schreit, wenn es auf unbekannte Menschen trifft. Hier wird wieder deutlich, dass ein Kleinkind zu diesem Zeitpunkt die primären Bezugspersonen schon völlig verinnerlicht hat (vgl. Myer 2004, S. 167). Die Phase des Fremdelns ist wichtig, da ein Kleinkind in dieser Zeit seine Ich- Identität entwickelt. Es weiß sich in Sicherheit, auch wenn es durch die steigende Mobilität die äußere Welt immer mehr entdeckt und dabei mit höchster Wahrscheinlichkeit auch negative Erfahrungen macht, sich z. B. beim Krabbeln den Kopf anstoßt. Aber das Kleinkind weiß, dass in seiner inneren Welt zuverlässige Personen existieren, die es trösten werden (vgl. Erikson 1991, S. 241).

2.3 Sprachliche Entwicklung

Bereits bei der Geburt schreit ein Neugeborenes. Das Schreien geschieht in den ersten Lebenswochen instinktiv, genauso wie das Saugen und Schlucken und ist zum einen Äußerung körperlicher Befindlichkeit als auch Abreagieren von Bewegungsdrang. Bald können Eltern verschiedene Schreie des Babys auseinander halten: ein hungriges Baby macht durch sein Weinen anders auf sich aufmerksam als ein Baby, das gelangweilt ist, Hunger oder Schmerzen hat. Ab etwa dem 3. Lebensmonat beginnt die Lallphase, bei der das Baby in emotional ausgeglichener Stimmung denselben Laut mehrmals aneinander reiht. Hierbei bewegt es Muskelgruppen des Mundes wie Zunge und Lippen und übt somit für kindlichen Sprachanfänge.

Kindliche Sprachanfänge beginnen zwischen 0,8 und 1,8 Jahren. Diese Zeit ist die Phase der Einwortsätze, auch „Mama“ und „Papa“ kann ein Kleinkind nun sagen und es erkennt deren Bedeutung. Psychologisch gesehen sind solche Einwortsätze Begehrenswörter und Universalbegriffe, die einem Wort mehrere Bedeutungen geben können. Engelmayer beschreibt dies in einem Beispiel: ein Kleinkind sagt „änte“ und meint damit „Hände“- und zwar in dem Zusammenhang, dass es auf die Hände genommen und getragen werden möchte (vgl. Engelmayer 1964, S. 117- 121).

3. Normalentwicklung 1- 3 Jahre

Die Zeit vom 1. bis zum 3. Lebensjahr wird nach Freud „anale Phase“ bezeichnet, nach Erikson „Autonomie vs. Scham und Zweifel“ und nach Piaget befinden wir uns immer noch im „sensumotorischen Stadium“, die allerdings ab dem 2. Lebensjahr vom „ prä- operatorischen Stadium“ abgelöst wird. Auch hier werde ich unter 3.1, 3.2 und 3.3 genauer auf die jeweiligen Phasen und Stadien eingehen.

3.1 Motorische Entwicklung

In der Regel lernt das etwa einjährige Kind sicher laufen und stehen, was auf die schnelle Reifung des Kleinhirns in diesem Zeitpunkt zurückzuführen ist (vgl. Myers 2004, S. 157). Das muskuläre System eines 1jährigen Kindes reift immerzu, wodurch auch das Autonomiebestreben und der Bewegungsdrang noch mehr wächst (vgl. Erikson 1991, S. 245). Körperlich fällt vor allem die Streckung der Arme und Beine auf, wodurch einem Kind neuere Formen der Bewegung möglich sind (vgl. Engelmayer 1964, S. 44).

Zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr lernt ein Kind, seinen Schließmuskel des Afters selbständig zu kontrollieren. Somit kann es bald aufs Töpfchen oder auf die Toilette gehen und seine Ausscheidungen gezielt dort hinein machen (vgl. Rothgang 2003, S. 79). Die Altersspanne zwischen 1 und 3 Jahren nennt Freud daher „anale Phase“. Dieser eigene Entscheidungswille des Loslassens oder Einhaltens ist auch kompatibel mit dem Entdecken des Ich in diesem Alter. Ein Kind kann ab nun eigenständig über seine Spielsachen verwalten und sie notfalls verteidigen.

Auch die Feinmotorik entwickelt sich stetig. Mit etwa einem Jahr kann ein Kind mit beiden Händen nach Gegenständen greifen und sie wieder fallen lassen. Mit etwa 2,5 Jahren wird die „Greifhand“ zur „Arbeitshand“: das Kind beginnt zu spielen, Türme aus Bauklötzchen zu bauen, einen Stift in die Hand zu nehmen und zu malen, später dann auch zu schneiden, usw. (vgl. Engelmayer 1964, S. 49).

3.2 Soziale und geistige Entwicklung

Bis zum 1,5./ 2. Lebensjahr findet der Alltag des Kindes hauptsächlich zu Hause bzw. im familiaren Umfeld statt. Ein Ich- Bewusstsein des Kindes hat noch nicht stattgefunden. Es ist die Phase des Prä- Egos.

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Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640525683
ISBN (Buch)
9783640525904
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144021
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main – Sozialwesen und Gesundheit
Note
1,3
Schlagworte
Normalentwicklung Kind Freud Erikson Piaget Pflegekindschaft Resilienz Bowlby Sozialisation frühkindliche Entwicklung

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Titel: Die Normalentwicklung eines 0-3 jährigen Kindes