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Vergleich der Fassungen des Armen Heinrich Hartmanns von Aue in den Hss. A und B.

von Heinz Erik Hartmann (Autor)

Seminararbeit 2009 14 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Handschriften
2.1 Allgemeine Informationen
2.1.1 StraBburger Handschrift 1A)
2.1.2 Heidelberger Handschrift 1Ba)
2.1.3 Kalocsa1er) Handschrift 1Bb)
2.1.4 Die St. Florianer Fragment 1C)
2.1.5 Inderdorfer Fragment 1D)
2.1.6 Bruchstuck aus Benediktbeuern 1E)
2.2 Stemma

3. Vergleich der Texte des Verse pos „Der arme Heinrich"
3.1 Die Rolle der Meierstochter
3.2 Erotische Dimension zwischen Heinrich und der Meierstochter
3.3 Standesunterschiede
3.4 Vergleich der Schlusse

4. Resiimee

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Neben den Proble men der Einordnung der Schaffenszeit Hart manns von Aue oder einer literarischen Zuordnung seines Werkes DER ARME HEINRICH, stellt besonders die Suche nach de m originalen Wortlaut des Autors die Forschung noch heute vor ein Problem. Der Originaltext Hart manns liegt nicht mehr vor, es existieren jedoch mehrere vollständige Uberlieferungen des Versepos und wenige überlieferte Bruchstücke. Jedoch sta mmen alle Versionen, soweit man zu wissen glaubt, von unterschiedlichen Schreibern, die den Text Hart manns zu unterschiedlichen Zeiten bearbeitet und nach ihren eigenen Ideen u mgeschrieben haben. Jede Abschrift des Originaltextes stellt eine Veränderung des ursprünglichen Textkorpus dar. Die Schreiber kürzten den ihnen vorliegenden Text, fügten Passagen hinzu oder veränderten den ursprünglichen Wortlaut. So sind teilweise erhebliche Unterschiede in den unterschiedlichen Handschriften auszu machen, die eine Verifizierung einer einzigen „originalen" Handschrift un möglich machen.

HANS-JOCHEN SCHIEWER spricht, angestossen durch die aktuelle Diskussion von Fassungen und Bearbeitungen höfischer Ro mane, davon, dass es sich bei den Anderungen der Handschriften des ARMEN HEINRICH u m „bewuRte und weitsichtige Strategien der Textveränderung"1 handle. Dessen ungeachtet wurden die Mehrfachfassungen des ARMEN HEINRICH bisher kau m beachtet und die Forschung beanstandet die Stragburger Handschrift als die „unangetastete Grundlage aller Interpretationen"2.

Ich werde mich daher in der vorliegenden Prose minararbeit mit den verschiedenen Uberlieferungen des ARMEN HEINRICH beschäftigen und abschliessend auf den Vergleich der Fassungen in den Handschriften A und B eingehen. Zuerst werde ich die verschiedenen Handschriften, die heute noch existieren, vorstellen u m einen Uberblick über die Vielfalt der Versionen zu geben, u m dann anschliessend i m Hauptteil der Arbeit den Vergleich der Fassungen zu analysieren. Bei der Textanalyse werde ich mich dabei auf die Neubearbeitung des ARMEN HEINRICH von KURT GARTNER stützen.

2. Die Handschriften

2.1 Allgemeine Informationen

Es existieren mehrere Handschriften des ARMEN HEINRICH HARTMANNS VON AUE. Das Werk ist in zwei Handschriften ko mplett Oberliefert (A, B), wobei zwei der Handschriften (Ba, Bb) als Vorlage und Abschrift un mittelbar miteinander verbunden sind. Auch diese beiden Handschriften beziehen sich auf den ursprunglichen Text und haben das Original redaktionell bearbeitet. Durch die ansonsten schlechte Uberlieferung des Werkes und den Verlust der Originalschrift, gewinnen die drei bruchstuckhaft Oberlieferten Frag mente (C, D und E) an Gewicht, die ansonsten aufgrund ihres geringen U mfangs kau m Beachtung finden wOrden. Neben den Handschriften und den drei Frag menten liegen zude m rund ein Dutzend eingetragene Verse in lateinischer Handschrift vor, die sich fur einen ausfuhrlichen Vergleich jedoch nicht geeignet zeigen.

Die Ko mplexität der verschiedenen Oberlieferten Handschriften des ARMEN HEINRICH verdeutlicht die Be merkung zur Uberlieferung von CORMEAU und STORMER:

Zwei Handschriften gehoren als Vorlage und Abschrift un mittelbar zusa mmen - eine seltene Ausnah me i m heute vorhandenen Handschriftenbestand, die dritte bietet einen stark abweichenden Text, so dag sich beinahe zwei Versionen gegenuberstehen. Solche Varianz ist in der Kleinepik weithin typisch. Zwei Frag mente gehoren ins 13., die Obrigen Handschriften ins 14. Jahrhundert3

In der Folge werde ich die noch vorliegenden und Oberlieferten Handschriften des ARMEN HEINRICH vorstellen und deren Beziehungen zueinander verdeutlichen.

2.1.1 StraRburger Handschrift (A)

Die Stragburger Handschrift datiert vo m 14. Jahrhundert, schätzungsweise aus den Jahren 1330-1350 und trägt ihren Na men, weil sich die Perga ment-Sa mmelhandschrift bis ins Jahr 1870 in der ehe maligen Johanniterbibliothek Stragburg befand. I m August 1870 verbrannte die Handschrift jedoch. Neben de m ARMEN HEINRICH enthielt die Sa mmelhandschrift zude m noch ein Bruchstück aus RUDOLF BARLAAM, sowie 26 kleinere Gedichte und einige Lieder. CHRISTOPH HEINRICH MYLLER, Verleger der Versnovelle, hatte die Absicht mit seiner Edition „schäzbare (sic) Denk male der mittleren Zeiten vo m Untergang retten"4. Die Gebrüder GRIMM wiesen bei dieser Handschrift bereits darauf hin, dass die Edition „genauer, als andere Werke der Mullerschen Sa mmlung, dennoch nicht fehlerfrei" sei.

Durch die Entdeckung der Frag mente C, D und E ist eine Kijrzung in der Stragburger Handschrift i m Vergleich zu m Originaltext nachweisbar. Durch das Fehlen von Versen, Versu mstellungen und sekundaren Plusversen gilt die Handschrift jedoch als autornah und dient als bester Textzeuge als Grundlage fur die Ausgaben des ARMEN HEINRICH. Trotzde m betont Gartner:

Die Hs. A ist wohl die „beste" Hs, aber nicht gut genug, u m in den angefuhrten Fallen wie eine Leiths. auch als Grundlage fur die Schreibung zu dienen. Es bleibt de m Herausgeber, der einen autornahen Wortlauf anstrebt, also nur die Möglichkeit, den Text von A nach Maggabe der besseren Uberlieferung Hart manns zu nor malisieren.5

Da in Handschrift A, wie arigens auch in Handschrift B, einige Verse fehlen, die spater in den gefundenen Frag menten nachgewiesen wurden, geht die Forschung heute von eine m Hyparchetyp (*EC) aus, auf den die beiden Handschriften A und B zuruckzufuhren sind.

2.1.2 Heidelberger Handschrift (Ba)

Die Heidelberger Handschrift ist wie auch die Handschrift von Kalosca (Bb) unter de m Gruppensigle B zusa mmengefasst. Die Handschrift ist schatzungsweise i m 14. Jahrhundert in Böh men verfasst worden und gilt weiterhin als eine der wichtigsten Sa mmelhandschriften des Mittelalters. Sie enthalt neben de m ARMEN HEINRICH kleinere Texte und zahlreiche Gedichte. Die Heidelberger Handschrift ist zu m grössten Teil die direkte Vorlage von Handschrift Bb. Es ist gesichert, dass die Abschrift von mehreren Schreibern verfasst wurde, „von denen einer mit de m Schreiber von Bb identisch ist"6.

Wie auch Handschrift Bb weisen beide Handschriften des Gruppensigles B grosse Veranderungen i m Vergleich zu m ursprünglichen Werk auf. I m Vergleich zu A verfügt die Handschrift fiber zahlreiche Zusatze, Auslassungen und Umstellungen ganzer Abschnitte des ARMEN HEINRICH. Die gezielten Eingriffe des Autors haben zude m einen grossen Einfluss auf die Deutung der Erzahlung. Die grösste Anderung weist das Ende auf (siehe 3.4): Wahrend Handschrift A die Hochzeit Heinrichs mit der Meierstochter beschreibt, wird in beiden Handschriften des Gruppensigles B beschrieben, dass die Ehe nicht vollzogen wird, Heinrich in ein Do mherrenstift geht und die Meierstochter in ein Kloster gibt.

[...]


1 Schiewer, Hans-Jochen: S. 655.

2 ebd: S. 657.

3 Cor meau, Christoph/Störmer, Wilhelm: S. 20.

4 Hartmann, von Aue (A). S 38.

5 Hartmann, von Aue (B). S. 20.

6 ebd. S. 12.

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640532926
ISBN (Buch)
9783640533091
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143990
Institution / Hochschule
Universität Basel – Institut für Medienwissenschaften
Note
1,5
Schlagworte
Vergleich Fassungen Armen Heinrich Hartmanns

Autor

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    Heinz Erik Hartmann (Autor)

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