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"Wir spielen Kommunalpolitik" - Planspiel für Lernende der Sekundarstufe I

Konzept zur Planung und Durchführung eines Planspiels zum handlungsorientierten Lernen im Politikunterricht an der Eintrachtschule-Gemeinschaftshauptschule Schwerte

Examensarbeit 2009 86 Seiten

Politik - Didaktik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Warum wurde das Planspiel als handlungsorientierte Methode ausgewählt?.

3. Lehrerfunktionen
3.1 Kooperation, Innovation und Evaluation
3.2 Erziehen
3.3 Organisieren und verwalten

4. Planspielkonzept „Wir spielen Kommunalpolitik“.
4.1 Ziele
4.2 Beteiligte Akteure
4.3 Spielablauf
4.3.1 Einführende Unterrichtsstunden zur Thematik Kommunalpolitik
4.3.2 Besuch einer öffentlichen Stadtratssitzung
4.3.3 Erster und zweiter Projekttag – Erarbeitung von Anträgen mit Hilfe echter Kommunalpolitiker/- innen
4.3.3.1 Spieleinführungsphase
4.3.3.2 Gruppeneinteilungs- und Lesephase
4.3.3.3 Gruppen- und Themenfindungsphase
4.3.3.4 Meinungsbildungs-/ Strategieplanungsphase I
4.3.3.5 Interaktionsphase zwischen den Fraktionen
4.3.3.6 Meinungsbildungs-/ Strategieplanungsphase II
4.3.3.7 Vorbereitungsphase für die gespielte Ratssitzung
4.3.4 Dritter Projekttag – Gespielte Ratssitzung
4.3.5 Vierter und Fünfter Projekttag – Distanzierung und Auswertung
des Planspiels sowie Erstellung einer Präsentation

5. Auswertung der Evaluation und Erfahrungen des Planspiels vom Winter 2009

6. Schlussbemerkungen

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

1 Übersicht über die organisatorischen Aufgaben des Planspielprojektes

2 Vergleich des kommunalpolitischen Entscheidungsprozesses in Realität und Planspiel

3 Übersicht über den Projektablauf

4 Verlauf der Spieleinführungsphase

5 Verlauf der Gruppeneinteilungs- und Lesephase

6 Ratsbesetzung in der Realität und im Spiel

7 Verlauf der Gruppen- und Themenfindungsphase

8 Verlauf der Meinungsbildungs- und Strategieplanungsphase I

9 Verlauf- und Raumplan für die Interaktionsphase

10 Verlauf der Meinungsbildungs- und Strategieplanungsphase II

11 Verlauf der Vorbereitungsphase für die gespielte Ratssitzung

12 Verlauf der Distanzierungs- und Auswertungsphase sowie Erstellung einer Projektpräsentation

13 Externe Kooperationspartner des Planspieles

1. Einleitung

„Wir spielen Kommunalpolitik“ – Was sich wie ein Spiel im ursprünglichen Sinne anhört, ist vielmehr ein Konzept zur Förderung von Demokratieverständnis und Abbau von Politikverdrossenheit. Der spielerische Charakter des Konzeptes basiert auf der handlungsorientierten Methode des Planspiels, da in den Neurowissenschaften eine neun mal höhere Erinnerungsfähigkeit durch handlungsorientiertes Lernen nachgewiesen wurde.[1]

An was sollen sich die Lernenden erinnern? Sicherlich auch an das Spielen von politischen Rollen im Unterricht. Durch das Planspiel sollen die SuS Vorgänge in der Kommunalpolitik erleben. Nicht passiv als Zuschauer, sondern mittendrin als Teil des Ganzen, als aktiver Gestalter eines demokratischen Prozesses. Es geht somit darum, dass die Lernenden Demokratie erleben und sich daran erinnern, dass unser demokratisches System nur durch Beteiligung des einzelnen Bürgers funktioniert. Dabei soll nicht die ferne Bundespolitik aus Berlin als Aufhänger dienen, sondern die Probleme vor der eigenen Haustür auf der kommunalpolitischen Ebene. Nichts ist näher an der Wirklichkeit der SuS, als die Probleme der eigenen Stadt. Das Spannende daran ist, dass es sich um Probleme aus jugendlicher Sicht handelt. Stadtvertreter und Kommunalpolitiker, welche das Planspiel begleiten, sollten diese Probleme ernst nehmen, denn die Jugendlichen stellen die Zukunft der Stadt dar.

Der Ausgang des Planspiels ist offen, da die Aufgabenstellung so formuliert wurde, dass ausschließlich das Denkfeld der SuS angesprochen wird. Niemand der beteiligten Akteure weiß im Vorfeld, ob es um Straßenbau, Jugendclubs, Sicherheit, Spielplätze oder Renovierungen geht. Politik wird von den Jugendlichen häufig als nicht greifbar wahrgenommen, weil Beteiligungsmöglichkeiten fehlen. Eine These des Planspielkonzeptes basiert auf der Annahme, dass kommunalpolitische Institutionen offen für jugendliche Partizipationsspiele sind. Lehrkräfte sollten sich die grundsätzlich positive Einstellung zu Nutze machen und politische Planspiele in ihren Unterricht integrieren. Weiterhin geht das Konzept von der These aus, dass sich junge Menschen für Politik und Gemeinwohl interessieren, wenn man ihnen die Möglichkeit zur politischen Beteiligung gibt. Dies findet optimaler Weise nicht in der „großen“ Bundespolitik statt, sondern direkt in der eigenen Stadt. Hier, wo die Lernenden eine Meinung zu bestimmten politischen Themen haben, sie dafür oder dagegen sind, wo sich Gemüter erhitzen und wo durch die SuS viel gesagt aber wenig gehandelt werden kann. Diesen Fakt versucht sich das vorliegende Planspiel anzunehmen, indem die SuS den kommunalpolitischen Entscheidungsprozess aktiv nachspielen. Das Spiel findet hierbei nicht in der Mensa der Schule statt, sondern genau da, wo in der Realität kommunalpolitische Entscheidungen getroffen werden, im Ratssaal des Rathauses. Geleitet wird die gespielte Ratssitzung, welche das Highlight des Planspieles darstellt, nicht von der Lehrkraft oder einem per Los bestimmten Schüler- Bürgermeister, sondern wie in der Realität auch, vom Bürgermeister der Stadt.

Ist der kommunalpolitische Entscheidungsprozess nicht eine zu große Anforderung an die Lernenden einer Hauptschule? Es kommt auf die Ausgestaltung des Planspiels an. In dem hier vorliegenden Konzept steht das aktive Erleben kommunalpolitischer Prozesse, aufgrund selbst eingebrachter Anträge, vor der möglichst detailgetreuen Nachbildung genau jener komplexer politischer Zusammenhänge, die junge Lernende sonst von Politik und Mitwirkung abschrecken lässt. Partizipation als Ziel – und das aus wissenschaftlich nachgewiesenem Grund, denn außerhalb der Familie sind Jugendhilfe und Schule die Bereiche, in denen Kinder und Jugendliche am ehesten praktische Erfahrungen mit Partizipation sammeln können. Diese praktischen Partizipationserfahrungen erweisen sich als besonders wichtig für die Bereitschaft der Kinder und Jugendlichen, sich in unserem Gemeinwesen zu engagieren. So kommt die Jugendpartizipationsstudie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2005 zu dem Ergebnis, dass wer in der Schule, Freizeit, Vereinen und Verbänden, Erfahrungen mit Partizipation hatte, auch im späteren Leben eher bereit ist, sich auf kommunaler Ebene für gemeinschaftliche Aufgaben einzusetzen.[2] Während die Schule, aufgrund der föderalen Struktur in Deutschland, hauptsächlich[3] in die Zuständigkeit der Länder fällt, sind die Hauptbereiche der Jugendhilfe[4] auf kommunaler Ebene angesiedelt. Das Bemühen um ein engeres Zusammenwirken zwischen den beiden Systemen wird gegenwärtig auch von politischer Seite verstärkt.[5] Die Regelungen für das Bundesland Nordrhein- Westfalen sehen hierfür eine Öffnung von Schule und die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern vor.[6] Diese Öffnung ist schon deshalb wichtig, weil die Schwerpunktsetzung bezüglich von Bildung und Erziehung in der Schule eher auf den Erwerb von fachlichem Wissen und darauf basierend formaler Abschlüsse abzielt. Der Bildungsansatz der Jugendhilfe konzentriert sich dagegen eher auf Persönlichkeitsbildung im weiteren Sinne.[7] Das erweiterte Bildungsverständnis der Schule schafft die Basis für dieses Partizipationsvorhaben.

Das hier vorliegende Konzept „Wir spielen Kommunalpolitik“ lehnt sich in Bezug auf den Ablauf an zwei Broschüren der Friedrich Ebert Stiftung an. Zum einen handelt es sich um das Werk „Kommunalpolitik verstehen“[8] und zum anderen um „Planspiel Kommunalpolitik – Ohne Jugend ist kein Staat zu machen“.[9] Mit Hilfe des Werkes „Kommunalpolitik verstehen“ wurden die einführenden Unterrichtsstunden im Vorfeld des Planspiels gestaltet. Die Projektbeschreibung des Planspiels Kommunalpolitik diente als Ideengeber für das vorliegende Konzept. Speziell handelt es sich um die Ideen im Vorfeld eine Ratssitzung zu besuchen und anschließend mit Hilfe von Kommunalpolitikern und Stadtvertretern das Projekt zu gestalten. In Anlehnung an die Projektbeschreibung der Friedrich- Ebert- Stiftung erfolgte die inhaltliche Ausgestaltung des hier vorliegenden Planspiels unter Berücksichtigung der Lerngruppe einer Hauptschule, hier der Eintrachtschule- Gemeinschaftshauptschule Schwerte sowie der Gegebenheiten der finanzschwachen Stadt Schwerte.

Die nunmehr hier vorliegende Arbeit gliedert sich in insgesamt vier inhaltliche Kapitel. Im Gliederungspunkt zwei wird verdeutlicht, warum das Planspiel als handlungsorientierte Methode zur Erreichung der mit dem Konzept verbundenen Ziele ausgewählt wurde. Der darauf folgende Abschnitt befasst sich in knapper Form mit den durch das Planspiel tangierten Lehrerfunktionen. Der vierte Gliederungspunkt stellt mit der Planung des Spiels „Wir spielen Kommunalpolitik“ den Schwerpunkt dieser Arbeit dar. Zweck dieses Abschnittes ist es, die Ziele, die beteiligten Akteure sowie den Planspielablauf zu verdeutlichen. Der inhaltlich letzte Gliederungspunkt fünf beschäftigt sich mit der Evaluation und den Erfahrungen der ersten Durchführung des Planspiels vom Winter 2009 an der Eintrachtschule- Gemeinschaftshauptschule Schwerte. Im abschließenden Fazit werden die Ergebnisse und Erfahrungen in der Durchführung des Konzeptes explizit zusammengefasst, um auf dieser Grundlage zu einer Bewertung des Konzeptes im Spannungsfeld von Theorie und Praxis zu gelangen.

2. Warum wurde das Planspiel als handlungsorientierte Methode ausgewählt?

Unter einem handlungsorientierten Unterricht wird ein ganzheitlicher und schüleraktiver Unterricht verstanden, in dem die zwischen dem Lehrer und den Schülern vereinbarten Handlungsprodukte die Organisation des Unterrichtsprozesses leiten, sodass „Kopf, Herz und Hand“, kognitives, affektives und psychomotorisches Lernen, der Schüler in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht werden können.[10] Zu den Merkmalen von handlungsorientiertem Unterricht gehören die folgenden didaktische Prinzipien: Ganzheitlichkeit, Öffnung der Schule, Produktorientierung, Schüleraktivität, Verbindung von Kopf- und Handarbeit, Schülerorientierung und Schülerbeteiligung.[11]

Das Planspiel gehört zu den handlungsorientierten Lehr- und Lernmethoden, die sich wie kaum eine andere Methode zur Vermittlung komplexer politischer Zusammenhänge eignet.

Die oben aufgeführten Prinzipien der Handlungsorientierung sind in der Methode des Planspiels vereint, worauf in den folgenden Ausführungen näher eingegangen wird. Die Methode des Planspiels nimmt im Unterricht eher eine untergeordnete Stellung ein. Das liegt erstens an der sehr umfangreichen Vorbereitung der Spielunterlagen und an der umfangreichen Organisation beziehungsweise Kooperation mit außer – und innerschulischen Partnern. Zweitens an der immer noch stark vertretenen Stofforientierung vieler Lehrkräfte und drittens an fehlenden Gestaltungsspielräumen in der Schule. Gerade der letzte Punkt darf für Lehrkräfte nicht mehr als Vorwand für eine Ablehnung von Planspielen im Schulalltag gelten. Plädiert wird seit mehreren Jahren von Seiten der Schulministerien für mehr Projektarbeit und fächerübergreifenden Unterricht, für mehr Projekttage und Projektwochen, für mehr Methodenschulung und soziales Lernen.[12] Das hier vorliegende Planspielkonzept wurde aufgrund der vorhandenen Gestaltungsspielräume in eine Projektwoche eingebettet.

Zu Beginn soll der Begriff des Planspiels genauer präzisiert werden. Wenn in dieser Arbeit der Begriff des Planspiels verwendet wird, so bezieht er sich auf die folgenden Ausführungen und Präzisierungen. Kennzeichnend für Planspiele sind relativ offene politische oder ökonomische Problemsituationen. Genau diese Problemsituationen treten in der Realität als komplexe Gebilde auf, welche sich in aller Regel nicht innerhalb weniger Stunden lösen lassen. Sie müssen aus diesem Grund für den Gebrauch in Schulen pädagogisch- didaktisch vereinfacht und teilweise auch verfremdet werden. Hinter einem Planspiel steht somit zumeist ein reales Geschehnis und Problem, dass den Anstoß zur Spielentwicklung gegeben hat. Das gewählte und vereinfachte Problem verlangt nach einer Lösung. Beteiligt an den Bemühungen um die Problemlösung sind unterschiedliche Interessengruppen mit unterschiedlichen Strategien, die von SuS repräsentiert und in Szene gesetzt werden.[13] In der älteren Literatur werden die Offenheit, der Überraschungsgehalt, die Verwickeltheit und Unberechenbarkeit sowie der Realitätsbezug im Sinne des Erlebens als weitere Merkmale eines Planspiels angeführt.[14] Trotz der Vereinfachung und der Verfremdung der Problemsituation wird ernsthaft und realitätsbezogen gespielt und gelernt. Die zentralen Merkmale des Planspiels sind somit der Realitätsbezug, handelndes Tätigsein, Improvisation, Kreativität, Spontanität, Offenheit, Ungewissheit und Konflikt, ernsthaftes fachbezogenes Lernen sowie die Als- Ob- Simulation tatsächlicher oder potentieller Geschehnisse.[15] Hermann Giesecke rückt eher einen Konflikt als ein Problem in den Mittelpunkt der Planspieldefinition, welcher durch die Interaktion von Gruppen zu einer Lösung gebracht wird.[16] Ob man sich in der Definition des Planspielbegriffes dem Begründer der Konfliktdidaktik, Hermann Giesecke, oder eher der Definition von Heinz Klippert anschließt, bleibt jedem selbst überlassen. Das hier vorliegende Planspielkonzept orientiert sich an den zentralen Merkmalen eines Planspiels nach Heinz Klippert. Letztendlich bleibt festzuhalten, dass durch die Thematisierung von Problemen und/ oder Konflikten auf Grundlage der zentralen Merkmale des Planspiels die Subjektivität der SuS im Umgang mit Politik gestärkt wird. Der Lehrer verliert in politischen Streitfragen seinen Kompetenzvorsprung. Das Verhältnis der SuS zur staatlichen Macht verliert ihre einschüchternde Wirkung, durch den im Planspiel erlebten Widerstreit der Interessen wird sie relativiert. Das Verhältnis der SuS zur politischen Wahrheit ändert sich, da sie erleben, dass Wahrheit in der Politik immer nur relativ ist, bezogen auf den eigenen politischen Standpunkt.[17]

Wie kommt es, dass in Planspielen in aller Regel mehr gelernt wird als im herkömmlichen Unterricht? Dies gilt vor allem in methodischer, kommunikativer und sozialer Hinsicht. Angesicht der wachsenden Bedeutung, die diesen Lernebenen in der Hauptschule[18] sowie in Beruf und Gesellschaft zukommen, sollten sich nach Auffassung von Heinz Klippert die traditionellen Ängste und Befürchtungen verlieren, dass im Rahmen von Planspielen zuwenig gelernt und zuviel gespielt werde. Da die zeitgemäße Bildung mehr als reine Stoffvermittlung ist, zielt ein Planspiel neben der Vermittlung von stofflichen Inhalten auch auf die Selbständigkeit und Selbstverantwortung, auf Methodenbeherrschung und Kreativität, auf Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz ab.[19]

Politische Bildung hat die politische Mündigkeit der jungen Menschen zum Ziel. Zu den Leitideen der politischen Bildung gehören deshalb die Reflexions- und Konfliktfähigkeit, die Toleranz, die Solidarität und die Handlungsbereitschaft. Reflexionsfähigkeit meint hierbei die Fähigkeit, politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Ordnungen und Strukturen zu analysieren. Konfliktfähigkeit gründet auf der Erkenntnis, dass Konflikte angesichts der Verschiedenheit und Vielfalt menschlicher Interessen und Wertvorstellungen in einer demokratischen und pluralen Gesellschaft unvermeidlich sind und das ihre Austragung in den durch die Verfassung der BRD legitimierten Formen geschehen soll. Toleranz bezieht sich auf die Fähigkeit und Bereitschaft, Verständnis für die Eigenart von Menschen und Gruppen zu entwickeln, deren Denken und Verhalten nicht den eigenen Vorstellungen und Normen entsprechen. Solidarität umfasst die Bereitschaft, die Orientierung am persönlichen Nutzen und an Gruppenegoismen zugunsten einer Perspektive zu überschreiten, die sich an allgemeinen ethischen und politischen Prinzipien orientiert. Handlungsbereitschaft bedeutet, sich am öffentlichen demokratischen Prozess der Meinungsbildung und der Entscheidungsfindung zu beteiligen.[20] Alle aufgeführten Leitideen politischer Bildung tangieren die Forderung im Sinne unseres demokratischen Gemeinwesens auf Selbst- und Mitbestimmung, auf Demokratiefähigkeit und politische Partizipation zu setzen und zu fördern.

Ob diese Leitideen durch eine frontale Ausrichtung des Unterrichtes erreicht werden können, indem die SuS eine eher passive und unmündige Rolle ausfüllen, muss stark bezweifelt werden. Die handlungsorientierte Methode des Planspiels ist bezüglich der Umsetzung der Leitideen politischer Bildung eher geeignet, da demokratiespezifische Handlungsweisen bei den SuS in Gang gesetzt werden. Auch die bereits angesprochenen sozialen, methodischen und persönlichen Kompetenzen werden in Planspielen in besonderem Maße geschult, da die Lernenden methodisch selbständig arbeiten müssen. Teamarbeit, Kommunikation und Kooperation gefordert und gefördert werden und persönlichkeitsbildende Qualifikationen wie Verantwortungsbewusstsein, Eigeninitiative und Selbstvertrauen aktiv erprobt werden.[21]

3. Lehrerfunktionen

3.1 Kooperation, Innovation und Evaluation

Durch die systematische Auseinandersetzung mit dem Gegenstand dieser Arbeit und der Entwicklung eines bisher an der Schule nicht vorhandenen Konzeptes zur Förderung von Demokratieverständnis, bezieht sich das Thema dieser Arbeit auf die Lehrerfunktionen Kooperation, Innovation und Evaluation.

Während des Projektes wurde zum gegenseitigen Nutzen mit der Jugendhilfe der Stadt Schwerte zusammen gearbeitet. Die Zusammenarbeit beinhaltete in der Vorbereitung des Projektes mehrere informative Gesprächstermine und die Herstellung wichtiger Kontakte.[22] Besonders die über die Jugendhilfe Schwerte geknüpften Kontakte erwiesen sich im Laufe des Projektes als sehr fruchtbar. So konnte durch die Kooperation mit der Jugendhilfe der Sozialdezernent, Herr …, sowie der Bürgermeister der Stadt Schwerte für das Projekt gewonnen werden. Der Sozialdezernent erklärte sich bereits in einem Gespräch im Oktober 2009 bereit, die SuS über den kommunalpolitischen Alltag zu informieren und deutete dadurch die Bereitschaft der Stadtverwaltung Schwerte zur Unterstützung des Planspielvorhabens an. Auch für die Auswertungsphase des Projektes konnte frühzeitig eine Zusammenarbeit mit einem Mitarbeiter der Jugendhilfe Schwerte vereinbart werden. Weitere externe Kooperationspartner waren die Fraktionen des Rates der Stadt Schwerte. Diese wurden Anfang November 2009 angeschrieben[23]. Der Bitte um personelle Unterstützung des Planspiels kamen alle Fraktionen des Rates nach. Durch die Kooperation mit den kommunalpolitischen Vertretern der Stadt, konnte das Projekt für die SuS interessanter gestaltet werden, da mehrere Kommunalpolitiker die Lernenden in der Vorbereitung der gespielten Ratssitzung unterstützten. Eine starke Aufwertung erlebte das Planspiel durch die Zusage des Bürgermeisters der Stadt Schwerte, die gespielte Sitzung persönlich zu leiten. Diese Zusage kam nur durch die Kooperation mit unterschiedlichen Stadtvertretern im Vorfeld und dem innovativen Charakter des Konzeptes zustande.

Zu erwähnen sei an dieser Stelle noch die schulinterne Kooperation mit einer Kollegin, die in einer der beiden beteiligten Klassen den Fachunterricht inhalts- und zeitgleich erteilte. Ein weiterer Bestandteil des Projektes war die Reflexion der eigenen Projektplanung und – Durchführung mittels einer Befragung der SuS durch einen Evaluationsbogen[24]. Da der Evaluation ein eigener Gliederungspunkt gewidmet wurde, sei an dieser Stelle auf den Punkt fünf dieser Arbeit verwiesen.

3.2 Erziehen

Das Planspielkonzept „Wir spielen Kommunalpolitik“ leistet durch seine Handlungsorientierung einen Beitrag zur Erlangung von politischen und sozialen Erfahrungen/ Fähigkeiten, die im herkömmlichen Unterricht nicht vermittelt werden können.[25] Die SuS sollen eine Vielzahl an Kenntnissen, Einsichten und Fähigkeiten erwerben. Besonders hervorzuheben sind sachliche Kenntnisse über Parteien und Institutionen, Einsichten im Bereich der Interessenwahrnehmung und – Durchsetzung sowie Fähigkeiten im politischen und sozialen Bereich. Der Einsatz des hier vorliegenden Planspielkonzeptes soll hauptsächlich einen Beitrag zur Erlangung einer friedlichen Konfliktaustragungskompetenz leisten sowie zur Entwicklung einer Kooperationsfähigkeit mit Gruppen anderer Meinung oder Überzeugung beitragen. Dieses Planspiel, als ein Teil der Politischen Bildung, zielt deshalb auf die Erziehung der SuS zur politischen Mündigkeit und der Entwicklung entsprechender Handlungskompetenzen ab.[26]

3.3 Organisieren und verwalten

Bezüglich der zu schaffenden Rahmenbedingungen sind im Wesentlichen die Bereiche Schule, Stadt, Materialien sowie Eltern/ Schüler zu unterscheiden. Die Organisation des Planspiels beginnt mindestens zehn Wochen vor der Durchführung der gespielten Sitzung im Rat der Stadt. In diesem ersten Organisationsschritt ist die grundsätzliche Zustimmung zu dem Projekt bei der Schulleitung und der Stadtverwaltung einzuholen. Wenn die Zustimmung der internen und externen Kooperationspartner vorliegt, erfolgt sechs Wochen vor der Durchführung des Planspiels die Anfrage nach personeller Unterstützung[27] bei den Ratsfraktionen sowie der Stadtverwaltung. Zur eigenen Planungssicherheit ist dieser Anfrage eine Bitte um Rückantwort mit einer Frist von drei Wochen beigefügt. Zwei Wochen vor der Durchführung erfolgt die Öffentlichkeitsarbeit in Form einer Presseerklärung an die lokalen Medien sowie ein Informationsschreiben an die Eltern. Die Rahmenbedingungen während und nach dem Planspiel ergeben sich aus der Organisation des Projektes im Vorfeld und beziehen sich ausschließlich auf die Anwesenheit interner und externer Kooperationspartner. Aufgrund der Vielzahl an organisatorischen Aufgaben wurden diese in der folgenden Abbildung zusammengefasst. Diese dient der Übersichtlichkeit und Vereinfachung im Erkennen zeitlicher Abläufe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Übersicht über die organisatorischen Aufgaben des Planspielprojektes.

4. Planspielkonzept „Wir spielen Kommunalpolitik“

4.1 Ziele

Mit dem Planspiel wird das Ziel verfolgt, ein Parlament unter Berücksichtigung der Lerngruppe möglichst realitätsnah nachzuspielen. Bei dem hier vorliegenden Planspiel wurde ein Stadtparlament ausgewählt. Es wendet sich deshalb der Kommunalpolitik zu. Da das Planspiel in eine Projektwoche eingebettet wurde, der mehrere Unterrichtstunden zur Thematik von Demokratie und Kommunalpolitik vorangestellt sind, will das Planspiel in erster Linie die SuS für Politik interessieren. Dabei wurde das Parlament der Stadt Schwerte ausgewählt, da es den SuS am nahesten steht und es sich um das persönliche Lebensumfeld der Jugendlichen handelt. Das Planspiel will außerdem in Verbindung mit den vorangestellten Unterrichtsstunden kommunalpolitische Kenntnisse vermitteln. Diese erworbenen Kenntnisse sollen dann im Planspiel angewendet und gesichert werden. Da für die Besprechung der Unterrichtsstunden ein separater Gliederungspunkt[28] vorgesehen ist, soll an dieser Stelle nicht näher auf die Themen des Unterrichts eingegangen werden. Welche Lern- und Leistungsebenen in dem hier vorliegenden Planspiel angesprochen werden, wurde im Gliederungspunkt 2.1 bereits kurz erwähnt. An dieser Stelle soll näher darauf eingegangen werden.

Ganz im Sinne des amerikanischen Lernpsychologen Jerome Bruner geht die Methode des Planspiels auf das entdeckende Lernen zurück. Die SuS werden durch das Planspiel motiviert, da es Spaß macht, Überraschungen beinhaltet, spannend ist und innerhalb der Gruppen und Rollen Konkurrenzverhalten ausgelöst wird. Neben der motivationsfördernden Wirkung wird das Ziel der effektiven Stoffvermittlung verfolgt. Durch die aktive Auseinandersetzung der SuS mit Kommunalpolitik in Form der Möglichkeit eigene Anträge in das fiktive Stadtparlament einzubringen, bleibt der im Vorfeld behandelte Lernstoff und der Ablauf der kommunalpolitischen Entscheidungswege (Anträge, Konsensfindung, Abstimmung) langfristig im Gedächtnis haften. Da das Planspiel die Wirklichkeit nicht komplett abbilden kann, wird um einen realitätsnahen Kern die Komplexität der realen Kommunalpolitik so reduziert, dass das Thema für die SuS zugänglich wird. Diese Reduktion in Verbindung mit der motivationsfördernden Wirkung und affektiv besetzten Erlebnissituation von Planspielen führt zu einer effektiven Stoffvermittlung im Bereich der Kommunalpolitik.[29] Der folgenden Abbildung kann der Vergleich des kommunalpolitischen Entscheidungsprozesses in der Realität[30] und dem hier vorliegenden Planspiel entnommen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Vergleich des kommunalpolitischen Entscheidungsprozesses in Realität und Planspiel.

Das Planspielkonzept will außerdem zur Entwicklung von sozialen und kommunikativen Fähigkeiten beitragen. Dazu gehören die Fähigkeiten konstruktiv zu argumentieren und zu kommunizieren, Konflikte auszuhalten und sich um Kompromisse mit anderen Spielgruppen zu bemühen (z.B. während der Interaktionsphase zwischen den Fraktionen). Die SuS sollen in diesem Planspiel lernen, verantwortungsvolle Entscheidungen unter einem Interessenszwang zu treffen (z.B. in der gespielten Ratssitzung). Diese Lernebene stellt eine große Herausforderung dar, da die Förderung der Verantwortungsbereitschaft nur im Wege des „learning by doing“ gefestigt werden kann. Dieses Planspielkonzept bietet in dieser Hinsicht ein wirksames Übungsfeld. Auf der anderen Seite hängt der Erfolg des Planspiels von der Bereitschaft der SuS ab, Selbst- und Mitverantwortung, z.B. in Form von Reden und Wortbeträgen in der gespielten Ratssitzung, zu übernehmen.

Als letzter Punkt wird das übergeordnete Ziel, welches nur schwer und nicht bei allen SuS erreicht werden kann, aufgeführt. Das Planspiel soll Mut machen und ein Anstoß für politische Beteiligung sein. Eine Demokratie die auf Partizipation der Bürger setzt, ist darauf angewiesen, dass sich die Menschen in politische Belange einmischen. Dazu leistet das Planspiel einen Beitrag, da die Jugendlichen lernen, wie die eigenen Vorstellungen und Wünsche artikuliert und durchgesetzt werden. Zur Umsetzung der angesprochenen Ziele wurden verschiedene Maßnahmen in der Ausgestaltung des Planspieles ergriffen, welche sich in den Grob- und Feinzielen der einzelnen Planspielphasen widerspiegeln. An dieser Stelle sei auf den Gliederungspunkt 4.3 verwiesen.

4.2 Beteiligte Akteure

Das Planspielkonzept wurde für zwei zehnte Klassen an der Eintrachtschule- Gemeinschaftshauptschule Schwerte entworfen. Prinzipiell kann es auf andere Klassenstufen und Schulformen übertragen werden, da die Themen in Form von Anträgen von den SuS selbst in das Spiel eingebracht werden und die Aufgabenstellung[31] komplett auf der Aktivierung des Denkfeldes der SuS basiert. Lediglich die Rahmenvorgabe in Form der Rollenkarten[32] wird von der Lehrperson vorgegeben. Die restlichen Materialien dienen ausschließlich der Strukturierung des Planspiels.

An dem Planspiel sind die SuS, die Lehrperson, Abgeordnete des Stadtparlamentes aller Fraktionen, der Bürgermeister sowie die lokale Presse beteiligt.

Die SuS sind die Hauptakteure des Planspiels. Sie spielen Kommunalpolitik, indem sie Anträge verfassen, mit anderen Spielgruppen um Einigung ringen und zum Abschluss versuchen ihren Antrag in einer gespielten Stadtparlamentssitzung zu beschließen. Die SuS sind dazu in Fraktionsgruppen und Rollen (Fraktionsvorsitzende/r und Fraktionsmitglieder) eingeteilt wurden.

Die Anträge erstellen die SuS mit Hilfe der Abgeordneten des Stadtparlamentes Schwerte. Hierzu wurden alle im Rat vertretenen Fraktionen im Vorfeld des Planspiels angeschrieben, mit der Bitte eine Person ihrer Wahl am ersten und zweiten Projekttag in die Eintrachtschule- Gemeinschaftshauptschule Schwerte zu entsenden, um den SuS als Helfer und kompetenter Berater zur Seite zu stehen.[33] Neben der Aufgabe der Unterstützung der SuS bei der Antragserstellung, helfen die Abgeordneten den Jugendlichen bei der Vorbereitung auf die gespielte Ratssitzung mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen aus dem kommunalpolitischen Alltag. Die Anwesenheit der kommunalen Parlamentsabgeordneten stellt ein wichtiges Element des Konzeptes dar, da die SuS einen kompetenten Ansprechpartner in der Phase der Planspielvorbereitung benötigen.

Ein weiteres Element in der Vorbereitungs- und Durchführungsphase stellt die Anwesenheit eines Stadtvertreters in der Schule dar. Vor dem Besuch der realen Stadtratssitzung am
9. Dezember 2009 bekommen die SuS Besuch des Sozialdezernenten der Stadt Schwerte, Herrn …... Herr … beantwortet Fragen zum kommunalpolitischen Alltag und bereitet die SuS auf den geplanten Besuch der realen Stadtratsitzung am 9. Dezember vor. Ganz speziell sollen die geplante Tagesordnung für die Ratssitzung sowie Sachzwänge (z.B. Finanznöte) in der Politik besprochen werden.

In der nachgespielten Ratssitzung, steht der Bürgermeister der Stadt Schwerte als Sitzungsleiter zur Verfügung. Dies ermöglicht einen möglichst realitätsnahen Ablauf der gespielten Sitzung und soll, neben dem aktiven Handeln, motivierend auf die Lernenden wirken, da sie die Begegnung mit einer stadtbekannten Persönlichkeit anstreben.

Die Lehrperson übernimmt während der Planspielphasen die Rolle des Leiters, Organisators, Beraters und Impulsgebers, indem er auf die Einhaltung der Zeitvorgaben achtet, Materialien zur Verfügung stellt, für Fragen ansprechbar ist und ins stocken geratene Diskussionen durch Impulse aufleben lässt.

Als weitere Akteure werden während der gespielten Ratssitzung Vertreterinnen und Vertreter der lokalen Presse anwesend sein. Diese Maßnahme dient innerhalb des Konzeptes der möglichst realitätsnahen Abbildung von kommunalpolitischen Veranstaltungen sowie der Motivation der Lernenden.

4.3 Spielablauf

Planspiele folgen in ihrem Ablauf einem methodischen Grundrhythmus von Vorbereitung, Durchführung/ Spielphase und Auswertung. In Anlehnung an Hilbert Meyer[34] und Peter Massing[35] wurde diese Dreiteilung in dem Planspielkonzept „Wir spielen Kommunalpolitik“ beibehalten. Diese Hauptteile lassen sich in mehrere Phasen unterteilen. Der detaillierte Verlauf der einzelnen Phasen befindet sich im Anhang dieser Arbeit unter dem Punkt M1b. In der folgenden Abbildung sind neben der Dreiteilung und der Spielphasen auch die benötigten Materialien aufgeführt. Die einzelnen Ausführungen zum Spielablauf orientieren sich an der nun folgenden Abbildung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Übersicht über den Projektablauf.

4.3.1 Einführende Unterrichtstunden zur Thematik Kommunalpolitik

Die einführenden Unterrichtstunden sind der erste Schritt um die SuS mit der Kommunalpolitik vertraut zu machen. Vereinfacht und für die SuS verständlich wird erklärt, was Kommunalpolitik ist, wie sie funktioniert und welche Rolle sie in unserem Land einnimmt. Die einzelnen Stunden sollen dazu beitragen, Kommunalpolitik im eigenen Umfeld zu erkennen und zu begreifen, um so überhöhten Erwartungen und unnötige Frustration und Politikverdrossenheit vorzubeugen.

In der Unterrichtsreihe befassen sich die Lernenden mit ihrer eigenen Heimatstadt Schwerte, indem sie sich mit der Kommunalpolitik vor Ort (Bürgermeister, Stadtrat, Verwaltung, Fraktionen, Koalitionen, Opposition, Ausschüsse) auseinandersetzen und ihrer eigenen Stadt Schulnoten in verschiedenen Bereichen (Bäder, Jugendclubs, Nachtleben, Shopping, Sportmöglichkeiten, Natur, Schulgebäude, Bibliothek, Straßenzustand, Radwege, Busanbindung, Kulturangebot, Kinderfreundlichkeit, Ämter) geben. Für manche Bereiche können die SuS gute Noten geben, für manche vielleicht nicht. Genau hier finden sich die Ansatzpunkte für das Planspielkonzept Kommunalpolitik, indem die SuS erkennen, dass sich genau bei den schlechten Noten die Angelegenheiten befinden, für die sich die Bürger der Stadt Schwerte selbst einsetzen können und müssen.

Politik findet statt, wenn Menschen Entscheidungen treffen. Zu entscheiden gibt es aufgrund der zu erwartenden schlechten Noten in einigen Politikbereichen von Schwerte genug. Besonders wenn das Geld der Kommune knapp ist, stellt sich in der Realität die Frage eher danach was wichtiger, dringender und vernünftiger ist. Aus diesem Grund beschäftigen sich die SuS mit den kommunalen Aufgaben und erkennen, dass nicht jedes politische Thema in den Zuständigkeitsbereich der Kommune fällt. Dies führt zur vertikalen und horizontalen Gewaltenteilung und zu den Möglichkeiten und Grenzen der Kommunalpolitik aufgrund von gesetzlichen Vorgaben und der Knappheit kommunaler Finanzen. Zum Ende der Unterrichtsreihe wird der kommunale Entscheidungsprozess vermittelt, den die SuS während des Planspiels „Wir spielen Kommunalpolitik“ in vereinfachter Weise nachempfinden sollen. In der letzten Unterrichtstunde vor dem geplanten Ratsbesuch[36] im Rathaus Schwerte bekommen die SuS Besuch vom Sozialdezernenten der Stadt Schwerte, …... Sie erhalten von ihm Informationen über den Alltag eines Kommunalpolitikers und Stadtverwalters. Ebenfalls wird die geplante Tagesordnung der kommenden Ratssitzung besprochen und die SuS haben die Möglichkeit Fragen an den Sozialdezernenten zu stellen. Nachdem die SuS bisher zwar verstanden haben, dass Kommunalpolitik vor der eigenen Haustür stattfindet, haben sie im Gespräch mit dem Sozialdezernenten die Möglichkeit, Politik greifbar und nachvollziehbar zu erleben. Weitere Bausteine in diese Richtung sind der anschließende Ratsbesuch und das darauf folgende Planspiel.

4.3.2 Besuch einer öffentlichen Stadtratssitzung

Nachdem die SuS einen eher theoretischen Einblick in die Kommunalpolitik erhalten haben, sollen sie nun ganz praktisch Kommunalpolitik erleben. Hierzu besuchen sie eine öffentliche Sitzung des Rates in Schwerte.

Nach den Kommunalwahlen Ende August 2009 trat der Rat der Stadt Schwerte bereits Ende Oktober 2009 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Da diese Sitzungen aber vielmehr eine Ausnahme im kommunalpolitischen Alltag darstellen, wurde sich für die erste Ratssitzung nach den Wahlen mit kommunalpolitischen Inhalten entschlossen. Der Besuch der Sitzung findet an einem Abendtermin (9.Dezember 2009, ab 17 Uhr) statt, was zur Folge hat, dass der Besuch der Veranstaltung auf freiwilliger Basis erfolgt. In einem Informationsbrief[37] an die Eltern wurde im Vorfeld auf diese Veranstaltung hingewiesen und um zahlreiches Erscheinen gebeten.

[...]


[1] Schirp, Heinz: 10 Kernaussagen zu neurobiologischen Befunden, Soest.

[2] Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). Kinder – und Jugendpartizipation in Deutschland . Daten, Fakten, Perspektiven, Gütersloh 2005.

[3] Schulische Angelegenheiten weisen nicht ausschließlich die Zuständigkeit des Bundeslandes auf, da die so genannten äußeren schulischen Angelegenheiten, also vor allem die Instandhaltung der Gebäude, Schulmaterialien und Schülertransport, in den Bereich der Kommune fallen.

[4] Vorschulischer Bereich (Tageseinrichtungen), Hilfen zur Erziehung, Jugendarbeit/ Jugendsozialarbeit

[5] Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). Eine Stadt für uns alle. Handbuch zur Entwicklung kommunaler Strukturen für die Jugendbeteiligung. Gütersloh 2008, S. 73 ff.

[6] Schulgesetz NRW (Stand 1.7.2009) § 5 (2): Schulen sollen in gemeinsamer Verantwortung mit den Trägern der öf­fentlichen und der freien Jugendhilfe, mit Religionsgemeinschaften und mit anderen Partnern zusammenarbeiten, die Verantwortung für die Belange von Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen tragen und Hilfen zur beruflichen Orientierung geben.

[7] Bertelsmann Stiftung (2008), hier S. 81.

[8] Friedrich Ebert Stiftung, Büro Dresden (Hrsg.): Kommunalpolitik verstehen, Königsstraße 6, Dresden 2007.

[9] Friedrich Ebert Stiftung, Büro Dresden (Hrsg.): Planspiel Kommunalpolitik, Ohne Jugend ist kein Staat zu machen, Dresden 2007.

[10] Hilbert, Meyer: Unterrichtsmethoden, I: Theorieband, Frankfurt am Main 1987, hier S. 214.

[11] Grammes, Tilman: Handlungsorientierung im Politikunterricht, Hannover 1997, hier S. 11.

[12] Vgl. Klippert, Heinz: Planspiele, Spielvorlagen zum sozialen, politischen und methodischen Lernen in Gruppen, Weinheim 2002, hier S. 9.

[13] Ebenda, S. 20.

[14] Vgl. Heckhausen, Heinz: Entwurf einer Psychologie des Spielens. In: A. Flitner (Hrsg.): Das Kinderspiel, München 1978, S. 140ff.

[15] Klippert 2002, S. 20.

[16] Vgl. Giesecke, Hermann: Methodik des politischen Unterrichts, München 1973, S. 82.

[17] Gagel, Walter: Drei didaktische Konzeptionen:Giesecke, Hilligen, Schmiederer. Schwalbach 2007.

[18] Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg):
Qualitätsoffensive Hauptschule, Düsseldorf 2008, hier S. 6.

[19] Vgl. Klippert (2002), hier S. 9.

[20] Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung (Hrsg.): Rahmenvorgaben Politische Bildung, Düsseldorf 2001, hier S. 14- 16.

[21] Vgl. Klippert (2002), hier S. 15.

[22] Siehe Anhang Abb. 13.

[23] Siehe Anhang unter Pkt. A.

[24] Siehe Anhang unter Pkt. G.

[25] Siehe Gliederungspunkt 2.

[26] Siehe Gliederungspunkt 4.1.

[27] Siehe Anhang unter Pkt. A und B.

[28] Siehe Gliederungspunkt 4.3.1

[29] Vgl. Klippert (2002), hier S. 30- 32.

[30] Vgl. Gisevius, Wolfgang, Leitfaden durch die Kommunalpolitik, Bonn 1999, hier S. 89- 93.

[31] Siehe Anhang unter Pkt. M3a.

[32] Siehe Anhang unter Pkt. M2b.

[33] Siehe Anhang unter Pkt. A..

[34] Meyer Hilbert: Unterrichtsmethoden, II Praxisband, Frankfurt am Main 2008, hier S. 366- 370.

[35] Massing, Peter: Planspiele und Entscheidungsspiele, in: Frech/ Kuhn/ Massing (Hrsg.): Methodentrainung für den Politikunterricht I, Schwalbach/ Ts. 2006.

[36] Siehe Gliederungspunkt 4.3.2.

[37] Siehe Anhang Nr. E.

Details

Seiten
86
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640541348
ISBN (Buch)
9783640541812
Dateigröße
3.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143826
Institution / Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Dortmund
Note
1,0
Schlagworte
Planspiel Kommunalpolitik Demokratie Selbstvertrauen Stadtrat Bürgermeister Hauptschule Politik Sekundarstufe I Projekt Projektwoche Realschule Gesamtschule NRW SoWi Sozialwissenschaften Handlungsorientierung

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Titel: "Wir spielen Kommunalpolitik" - Planspiel für Lernende der Sekundarstufe I