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Nutzen und Funktion von Medien im Interkulturellen Fremdsprachenunterricht

Seminararbeit 2009 15 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung von Medien im Fremdsprachenunterricht

3. Nutzen und Funktionen bestimmter Medien im interkulturellen Englischunterricht
3.1 Interkulturelles Lernen mithilfe visueller Medien
3.2 Audiovisuelle Medien im interkulturellen Englischunterricht
3.3 Einsatzmöglichkeiten von PCs im interkulturellen Englischunterricht

4. Interkulturelle Kompetenz durch zukünftige Medien

5. Abschließende Bemerkung

6. Bibliographie

1. Einleitung

In den Lehrplänen bayerischer Gymnasien spielt der Erwerb einer interkulturellen Kompetenz sowie die Vermittlung landeskundlicher Informationen eine sehr große Rolle. Ein interkulturell kompetenter Sprecher verfügt über eine offene Einstellung gegenüber anderen Nationalitäten, Wissensbeständen und Kompetenzen im Umgang mit anderen Kulturen. Darüber hinaus kennt er Fakten und Phänomene der eigenen sowie der zielsprachlichen Kultur und Gesellschaft und weiß wie sie erworben werden. Er ist daran interessiert, eine Beziehung zu einem Partner aufzubauen, etwas über ihn, seine Meinungen und Ansichten und seine Kultur zu erfahren und ist auch bemüht, den Partner zu verstehen, indem er beispielsweise versucht, seine Perspektive einzunehmen.“1 Gerade im Englischunterricht gilt die Entwicklung interkultureller Kompetenzen als ein übergeordnetes Ziel des gesamten Unterrichts. Interkulturelle Kompetenz ist unabdingbar wenn man Englisch als Fremdsprache gut sprechen will und englischsprachige Kulturen kennen lernen und verstehen möchte. Doch wie vermittelt der Lehrer interkulturelle Kompetenz? U. a. mit Hilfe von Medien. Medien sind aus dem Unterrichtsgeschehen nicht mehr wegzudenken. Deshalb ist es umso wichtiger mit geeigneten Lehr- und Lernmitteln die entsprechenden interkulturellen Wissens-, Einstellungs- und Fertigkeitsebenen zu vermitteln. Heutzutage stehen dem Lehrer - aber auch dem Schüler - verschiedenste Arbeitsmittel und Medien zur Verfügung. Einige dieser können sich auch im Kontext interkulturelles Lernen als besonders hilfreich erweisen. Doch nicht jedes Medium erzielt den gleichen Effekt. Der Einsatz eines Mediums variiert enorm, wenn man die Kosten und den Aufwand berücksichtigt. „Wenn es um den Medieneinsatz im Fremdsprachenunterricht geht, ist meist von statischen und sich bewegenden Bildern, von Tondokumenten und neuerdings von digitalen Medien die Rede.“2 Der Fortschritt, den bestimmte Medien im letzten Jahrhundert durchlaufen haben, ist erstaunlich, er reicht von der Entwicklung der Grammophone zu modernen Audio-Playern bis hin zu Dia-Projektoren aus denen neuartige Video- Beamer geworden sind. Mit der Kommerzialisierung der Computer kommt es „zu Veränderungen bei der Gestaltung des Lehrmaterials ebenso wie bei der Nutzung der neu verfügbaren Kommunikationskanäle“.3 Kommunikationskanäle die auf simple Weise einen Draht zu den Ländern dieser Welt ermöglichen. In der folgenden Hausarbeit werden einige wichtige Medien vorgestellt, die besonders für das interkulturelle Lernen im Englischunterricht geeignet sind. Anhand von Projektbeispielen soll erläutert werden, inwiefern interkulturelles Lernen in der Schule zu Stande kommt und ob diese überhaupt eine Auswirkung auf die Einstellung der Schüler - nämliche deren interkulturelle Kompetenz - zur Folge hat. Im letzten Teil wird ein kurzer Blick in die Zukunft gewagt.

Es wird aufgezeigt, welche Medien im Unterricht eingesetzt werden sollten, da sie für den Erwerb interkultureller Kompetenz unterstützend wirken.

2. Die Bedeutung von Medien im Fremdsprachenunterricht

Der Begriff Medien im Unterricht beschränkt sich auf „alle nicht-personalen, technischen Medien“.4 Diese werden wiederum in

- visuelle
- auditive
- audiovisuelle Medien
- und Multimedia

unterteilt. Zu den visuellen Medien gehört der Einsatz von Fotografien oder selbstgezeichneten Bildern, aber auch Tafel- oder Folienanschriften. Auditive Medien sind Hörspiel-CDs oder Radiomitschnitte, bei denen die Konzentration auf das gesprochene Wort gerichtet ist. Zu den audiovisuellen Medien zählen Videos oder DVDs, die namensgebend gleichermaßen auf Auge und Ohr wirken. Multimedia zeichnet sich durch die Verwendung neuer computervermittelnder Technik aus. Die bekannteste Art der Multimedia ist das Internet. Aber auch computergesteuerte Lernsoftware soll hier beispielhaft genannt werden. Vor allem die Multimedia, im Hinblick auf den Einsatz von Computern mit integriertem Internetanschluss, finden immer mehr Verwendung im heutigen Schulunterricht.5

In erster Linie hilft der Medieneinsatz dem Lehrer den Unterricht didaktisch besser übermitteln zu können. Medien können aber auch außerhalb des Unterrichts unterstützend wirken. Sie sind Lehrmittel für Schüler.6 Der Vorteil dieser Medien liegt dann darin, dass der Lernende sich selber mit der Thematik auseinandersetzt. Medien als Unterrichtsmittel eingesetzt vermitteln vorwiegend die Sprache, anhand von Lehrbüchern oder Hörtexten. aber auch die von sprachlichen Formen bezeichneten Inhalte wie zum Beispiel Bild- oder Videomaterialen. Deswegen muss vorher immer geklärt werden, für welchen Gebrauch das benutzte Medium verwendet werden soll. Ein visueller Einsatz empfiehlt sich bei Anfängerklassen zum Beispiel mehr als ein auditiver, da Gesehenes „anfangs die einzigen Instrumente für die Bedeutungsvermittlung“7 sind. Weitere didaktische Funktionen, die ein Medium erfüllen kann sind die Motivationsförderung. Vor allem durch aktuelle schülerbezogene Themen, wie zum Beispiel dem Einsatz von neuen beliebten Musikliedern. Sie dienen aber auch der Wissensvermittlung: sei es durch Lehrbücher oder geeigneten Internetseiten. Sie können zum arbeiten anleiten, wenn der Lehrer seinen Unterricht auf diese Weise fokussiert. Ein Beispiel dafür ist die Verwendung von Arbeitsblättern oder computergesteuerter Lernsoftware. Medien können Anreize zum Sprechen bieten, indem man eine Diskussion eröffnet, nachdem man einen Filmausschnitt gesehen oder eine Kurzgeschichte gelesen hat.

3. Nutzen und Funktion bestimmter Medien im interkulturellem Englischunterricht

3.1 Interkulturelles Lernen mithilfe visueller Medien

Lehrbücher kommen ohne Bilder gar nicht mehr aus. Bilder veranschaulichen Geschriebenes oder Gesprochenes viel effektiver als lange Erklärungen. Ein Blick des Rezipienten genügt um „Informationen aus den einzelnen Reizen des Bildes“ zu entnehmen und sein „passendes gespeichertes Wissen“ einzubringen „indem er Gedächtniseinheiten aktiviert“8 Je mehr Vorwissen vorliegt, desto schneller kann die Aufnahme der Informationen beim Betrachten eines Bildes erfolgen. Da jedoch jeder Mensch ein unterschiedliches Vorwissen aufweist, muss man von einer individuellen Wahrnehmung sprechen, die außerdem noch „von Einstellungen, psychischer Verfassung, thematischem Interesse“9 beeinflusst wird. Zur Erlangung interkultureller Kompetenzen gehört u.a. der Wissenserwerb über die eigene und die fremde Kultur. Zu dieser Ebene zählt auch ein „traditionelles Landeskundewissen“.10 Dieser Landeskundeansatz greift zwar meist nur auf die „Vermittlung von Faktenwissen zu Historie, politischen Institutionen und wichtigen Daten der anderen Kultur“11 zurück, ist aber trotzdem wichtig für die Erlangung. Es reicht nämlich nicht aus, wenn Schüler erklärt bekommen welche Gefühle die Union Jack Flagge Großbritanniens auf Engländer, Schotten, Waliser und Nordiren hervorbringt. Die Schüler sollen auch wissen wie diese Flagge entstand, warum sie entstand und wie sie heute aussieht. Ziel hierbei ist die Schüler wiederum auf die affektive Betrachtungsebene zu bringen. Visuelle Medien eignen sich besonders um landeskundliche Aspekte zu veranschaulichen. Ein Lehrer wird zwangsläufig darauf angewiesen sein visuelles Material im landeskundlichen Unterricht einzubringen. Dabei sollte er sich nicht auf die Lehrbücher beschränken, deren Informationsstand oft nicht mehr aktuell ist, sondern auf das Angebot von Zeitschriften, fremdsprachlichen Tageszeitungen, Internetseiten oder auch auf professionell hergestelltes Material von Botschaften, Konsulaten und touristischen Vertretungen zurückgreifen. Mit dieser Fülle an visuellen Mitteln kann dann wiederum weitergearbeitet werden. So könnte man selbstgestaltete Wandposter oder Collagen, die kulturelle Themen ansprechen, dauerhaft im Klassenzimmer anbringen, damit die Schüler und aber auch der Lehrer jederzeit die Möglichkeit haben, behandeltes Wissen wieder aufzugreifen - und sich als Nebeneffekt der Ästhetik des Klassenraumes zu erfreuen.

Doch visuelle Medien dienen nicht nur der Wissenserweiterung im Bereich der Landeskunde. Sie können vielmehr bewusstseinsbildend wirken. Somit wird ein weiterer wichtiger Punkt interkulturellen Lernens abgedeckt: „Bewusstsein um die Beschränktheit und Voreingenommenheit menschlicher Wahrnehmungen und um die Wirkungsweisen von Stereotypen und Vorurteilen“.12 Damit nämlich eine neue überdachte Wahrnehmung entstehen kann, gilt es, alte Einstellungen und Denkweisen zu überdenken und abzubauen. Eine Unterrichtseinheit in diesem Stil könnte folgendermaßen ablaufen: Die Klasse wird aufgefordert in Partnerarbeit über ein Foto zu sprechen. Unterrichtsmittel ist hierbei das Arbeitsblatt. Nicht die ganze Klasse erhält das gleiche Foto. Die eine Gruppe sieht ein Foto von einer Person in voller Montur, die andere Gruppe erhält nur einen Ausschnitt des Fotos dieser Person (zum Beispiel nur den Kopf). Die verschiedenen Partnergruppen bearbeiten aber die gleiche Aufgabenstellung. Mögliche Fragen sind Aussagen über den Charakter der Person, das Alter, die berufliche Stellung oder persönliche Vorlieben. Nachdem die Leitfragen ca. 5 - 7 Minuten bearbeitet wurden sucht sich jedes Paar ein weiteres Paar das dasselbe Bild bearbeitet hat, um ihre Eindrücke/Meinungen auszutauschen. Im letzten Teil der Aufgabe schließt sich jede Vierergruppe mit einer Gruppe zusammen, die das andere Bild bearbeitet haben, um letztendlich festzustellen, dass sich dieselbe Person auf dem Bild befand.13 Mithilfe dieser Übung soll den Schülern klar werden, „wie stark die Wahrnehmung und Bewertung von Menschen durch vorgefertigte Meinungen und Erwartungen geprägt ist, die mit bestimmten optischen Signalen verknüpft sind“14. Eine Diskussion über diese Mechanismen und eine anschließende Auswertung der verschiedenen Einschätzungen schließt diese Unterrichtsstunde ab.

Wie in diversen Praktika im Rahmen des Lehramtsstudiums beobachtet wurde, werden Bilder im Englischunterricht immer noch hauptsächlich „zur Einführung neuen Vokabulars, zur Wiederholung des schon bekannten Vokabulars, zur Übung grammatikalischer Erscheinungen, als Vorlage für Beschreibungen und in Form von Bildergeschichten“15 verwendet. Dass sie aber auf verschiedenen Ebenen interkulturellen Lernens eingesetzt werden könnten, nicht nur als „Illustration landeskundlicher Themen“ geht aus den o. g. Ausführungen hervor.

[...]


1 Ute Massler, “Aufgaben zur Entwicklung interkultureller kommunikativer Kompetenz in medial vermittelten Begegnungssituationen“, Englisch: Zeitschrift für Englischlehrerinnen und Englischlehrer 40.3 (2005): 1-19, at 1.

2Frank Haß, ed., Fachdidaktik Englisch (Stuttgart: Klett, 2008) 229.

3 Dietmar Rösler, E-learning Fremdsprachen (Tübingen: Stauffenburg, 2004) 207.

4 Haß 229.

5 Haß 229.

6 Cf. Manfred Erdmenger, “ Medien im Fremdsprachenunterricht: Hardware, Software und Methodik“,

Braunschweiger Arbeiten zur Schulpädagogik 13, ed. Dieter Hoof (Braunschweig: Techn. Univ. Braunschweig, 1997) 11 - 192, at 12.

7 Erdmenger 12.

8 Viola Beyer-Kessling, „The power of pictures: Englisch lernen mit Bildern”, Praxis Fremdsprachenunterricht 1 (2006): 11 - 15, at 11.

9 Beyer-Kessling 11.

10 Haß 141.

11 Haß 141.

12 Maike Grau, “Genau hinschauen …: Übungen zum interkulturellen Lernen”, Praxis Fremdsprachenunterricht 5 (2006): 46 - 56, at 46.

13 Cf. Grau 47.

14 Grau 47

15 beyer-kessling 12.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640553754
ISBN (Buch)
9783640553433
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143804
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Lehrstuhl für Didaktik des Englischen
Note
1,7
Schlagworte
Nutzen Funktion Medien Interkulturellen Fremdsprachenunterricht

Autor

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Titel: Nutzen und Funktion von Medien im Interkulturellen Fremdsprachenunterricht