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Der Weg Frankreichs zur Nichteinmischungspolitik in den Spanischen Bürgerkrieg Mitte Juli 1936 bis Anfang August 1936

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 42 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Entscheidende Faktoren für die Innen- und Außenpolitik Frankreichs von Januar 1933 bis August 1936

II. Die erste Konsultation Blums mit seinen Ministern nach dem Hilfegesuch

III. Die außerordentliche Kabinettsitzung vom 25. Juli 1936
1. Die Auffassung der linken Geschichtsschreibung
2. Nähere Betrachtung und Kritik an der linken Geschichtsschreibung
3. Die „öffentliche Meinung“ als Einflussfaktor
4. Das Problem fehlender Quellen
5. Erste Zwischenbilanz

IV. Die Kabinettsitzung vom 01. August 1936
1. Die von Pierre Cot überlieferten Diskussionen innerhalb des Kabinetts und der britische Einfluss
2. Weitere Faktoren
3. Zweite Zwischenbilanz

V. Die entscheidende Sitzung vom 08. August 1936
1. Die Ergebnisse der Sitzung
2. Der britische Einfluss
3. Ungereimtheiten um das „Ultimatum“ Clerks
4. Der Einfluss der Öffentlichkeit
5. Die Haltung anderer Staaten
6. Dritte Zwischenbilanz

Schlussbetrachtung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Situationen, in denen der Historiker, einem Detektiv gleich, vor der Aufgabe steht, Teile eines unvollständigen Puzzles zu einem Ge­samtbild zusammenzusetzen, sind nicht ungewöhnlich. Schwie­rig wird diese Arbeit dort, wo diese Teile so große Lücken lassen, dass sie kein eindeutiges Gesamtbild ergeben. Dies trifft auch auf die Suche nach den Beweggründen für die aktive Voran­treibung einer Nichteinmischungspolitik in den Spani­schen Bürgerkrieg (1936-1939) durch die französische Regierung unter Léon Blum[1] zu.[2]

So verwundert es nicht, dass diese aus dem Zeitgeist heraus überraschend anmutende Entscheidung die Phantasie zahlreicher Autoren angeregt hat. Für die linke Geschichtsschreibung stand lange Zeit außer Frage, dass Blum infolge britischen Drucks „eingeknickt“ war.[3] Nicht selten wurde damit zugleich unterstellt, die Idee der Nichteinmischungspolitik stamme aus England.[4] Die rechte Gegenposition sah in Franco den Retter Spaniens vor dem Kommunismus und anderen ausländischen „Verschwörern“.[5] Andere Autoren sahen den entscheiden Faktor in der Gefahr eines drohenden Krieges mit Italien und Deutschland.[6] Gegenwärtig werden in der Forschung innenpolitische Motive, wie die Angst vor einem Bürgerkrieg in Frankreich und die starke Opposition, als entscheidende Triebkräfte angeführt.[7]

Theoretisch könnte zu jedem dieser Faktoren eine der drei folgenden Positionen vertreten werden: 1. Er war entscheidend, 2. er war nicht entscheidend, 3. er war mit entscheidend. Die Erfahrung lehrt uns gewöhnlich, dass die letztgenannte Position auf einer differenzierteren Sichtweise fußt als die beiden erstgenannten. Ziel dieser Arbeit wird es daher sein, diese Annahme zu überprüfen.

Dies an einem punktuellen Zeitpunkt in der Geschichte zu versuchen, erscheint wenig sinnvoll, da erst die Berücksichtigung eines größeren Zeit raums Entwicklungen verdeutlichen kann. Diese Entwicklungen ermöglichen wiederum Rückschlüsse auf die Intensität von Einflüssen zu einem bestimmten Zeit punkt. So kann beispielsweise der Einfluss der Öffentlichkeit auf Entscheidungen der Regierung erst eine Rolle spielen, nachdem die Öffentlichkeit informiert wurde. Daher werden drei Beratungen Blums mit den unmittelbar betroffenen Ministern bzw. dem gesamten Kabinett im Zeitraum vom 20. Juli 1936, dem Tag der spanisch-republikanischen Anfrage nach Waffenlieferungen, bis zum 08. August 1936, dem Tag, an dem Waffenlieferungen bis auf weiteres unterbunden wurden und Blum erstmals die Nichteinmischungspolitik aktiv unterstützte, nähere Beachtung finden.

In der Historiographie führte zunehmende Distanz zu den Geschehnissen zu einer weitgehenden Entideologisierung der Darstellungen und somit zu einer Objektivierung. Darüber hinaus ermöglichen inzwischen veröffentlichte Quellen dem Historiker, sich ein genaueres Bild der Ereignisse zu machen. Französische Quellen zur Außenpolitik für den zu untersuchenden Zeitraum wurden 1966 veröffentlicht. Problematisch sind die bis heute bestehenden großen Lücken, die im Laufe des Zweiten Weltkrieges entstanden und auch durch Zweitschriften aus Botschaften und Konsulaten nicht geschlossen werden konnten. Nur wenige Dokumente wurden im besiegten Deutschland wieder sichergestellt. Ferner sind von den Kabinettsitzungen der Regierungen der Dritten Republik generell nur wenige Aufzeichnungen erhalten.[8]

Aufgrund der großen Lücken kommt der Memoirenliteratur, die bereits Eingang in ältere Darstellungen der Ereignisse gefunden hatte, auch heute noch eine Bedeutung zu. Auch diese vermag jedoch für den untersuchten Zeitraum kaum Lücken zu schließen.[9] Ferner bleibt das Problem der Überprüfbarkeit ungelöst. Zeitgenössische Zeitungsberichte stellen ebenfalls keine zuverlässige Quelle dar, da sie oft als Sprachrohr von Parteien und Interessengruppen genutzt wurden. Tatsachen aus ideologisch motivierten Behauptungen heraus zu filtern kommt einer Sisyphos-Arbeit nah.

Auffällig ist eine Konzentration von Veröffentlichungen, die der Erschließung neuen Quellenmaterials mit leichter Verzögerung folgte und die Forschung vorantrieb. Insbesondere die Vergleichsmöglichkeit von Quellenbeständen verschiedener Staaten führte zu einer wahren Flut von Beiträgen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre. In den letzten beiden Jahrzehnten ist jedoch eine Abnahme der Forschung zur Vorgeschichte des Nichteinmischungsabkommens zu verzeichnen, was auf das Fehlen neuer Erkenntnisse zurückzuführen sein könnte.

I. Entscheidende Faktoren für die Innen- und Außenpolitik Frankreichs von Januar 1933 bis August 1936

Nach den Wahlsiegen am 26. April und am 02. Mai[10] 1936 bildete Léon Blum im Juli die erste französische Volksfrontregierung unter Beteiligung der Sozialisten und der Radikalsozialisten und unter Tolerierung durch die Kommunisten. Er trat damit das Erbe von Herriot, Boncourt, Daladier, Sarraut, Chautemps, Doumerge, Flandin und Laval an, die seit 1931 gegen ein Anwachsen antiparlamentarischer Bewegungen angekämpft hatten[11] und an der anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise und ihren Folgeproblemen gescheitert waren.[12]

In der Außenpolitik hatten einerseits der französisch-sowjetische Beistandspakt vom 02. Mai 1935 sowie die französische Unterstützung der Aufnahmebemühungen der Sowjetunion in den Völkerbund und anderseits das deutsch-britische Flottenabkommen vom 18. Juni 1935 zu einer erheblichen Entfremdung auf beiden Seiten des Ärmelkanals geführt, die im Scheitern des Hoare-Laval-Pakts Ende 1935 ihren vorläufigen Höhepunkt finden sollte.[13] Die Annäherung an die stalinistische Sowjetunion, die für Frankreich infolge eines Sicherheitsbedürfnisses gegenüber dem auch militärisch wieder erstarkten, seit Januar 1933 von Hitler geführten Deutschland, durchaus erklärbar war,[14] konnte von England schon aufgrund des ideologischen Gegensatzes nicht gut geheißen werden.[15] Auf der Meerengenkonferenz von Montreux Mitte 1936 trat neben dem ideologischen Gegensatz zwischen England und der Sowjetunion zudem ein geostrategischer deutlich zutage.[16]

Des Weiteren hatte die britische Beschwichtigungspolitik gegenüber Hitler, der im März 1936 unter Bruch des Versailler Vertrages das Rheinland hatte besetzen lassen, sowie der deutsch-polnische Nichtangriffspakt vom 26. Januar 1934 eine erhebliche Schwächung der strategischen Situation Frankreichs zur Folge, dem nun in Zentraleuropa lediglich die CSSR als Verbündeter blieb.[17] Ein Festhalten an England als Verbündeten schien somit umso wichtiger.[18]

Als Italien im Oktober 1935 Abessinien überfiel, wurde zudem die Wirkungslosigkeit des Völkerbundes als Friedensinstrument auch in Europa sichtbar.[19] 1933 war bereits Japan, infolge der Verurteilung seines Vorgehens in der Mandschurei, aus dem Völkerbund ausgetreten. Dieses japanische Streben nach Vormachtstellung in Asien gefährdete zudem unmittelbar die dortigen französischen Kolonien, insbesondere Indochina, in dem Unabhängigkeitsbewegungen bereits Unruhen auslösten. Um Italien wieder in die europäische Völkergemeinschaft einzubinden und eine enge Anbindung an Hitler-Deutschland zu verhindern,[20] wurden am 15. Juli 1936 auch die vom Völkerbund verhängten Sanktionen, die sich als wirkungslos erwiesen hatten, aufgehoben. Spätestens damit war die auf den Vierzehn Punkten Woodrow Wilsons fußende Nachkriegsfriedensordnung derart erschüttert, dass eine Genesung in einer von Diktaturen geprägten Staatenlandschaft in weite Ferne gerückt war. Diese pessimistische Stimmung fing Blum ein, als er am 01. Juli 1936 im Völkerbund das Schreckgespenst des Krieges herauf beschwor.[21]

Mitten in dieser prekären Lage löste die Nachricht vom Beginn eines Militäraufstands in Spanien am 17./18. Juli 1936, zumindest in Frankreich, neben spontanen Sympathiebekundungen für die eine oder andere Seite[22] auch große Ängste[23] aus. Nur wenige Tage später, am Montag, dem 20. Juli, forderte der seit dem 19. Juli 1936 an der Spitze einer Volksfrontregierung stehende spanische Ministerpräsident José Giral von Frankreich Unterstützung in Form von Waffenlieferungen an[24] und konkretisierte diese Forderung in einem Telefongespräch mit dem noch amtierenden spanischen Botschafter in Paris, de Cárdenas. Rechtlich konnte sich die spanische Regierung dabei auf einen Handelsvertrag vom Dezember 1935 stützen, der Spanien das Recht einräumte, in Frankreich Waffen zu erwerben.[25]

II. Die erste Konsultation Blums mit seinen Ministern nach dem Hilfegesuch

Damit stellte sich für Blum und die unmittelbar betroffenen Minister seines Kabinetts, Delbos[26] (Auswärtiges), Daladier[27] (Verteidigung) und Cot (Luftfahrt), am 21. Juli erstmals die Frage einer Einmischung in den Spanischen Bürgerkrieg,[28] und sei es lediglich in Form von Waffenlieferungen an die durch das Volk legitimierte spanische Volksfrontregierung.[29] Da keiner der an den Lagebesprechungen zwischen dem 20. und 22. Juli beteiligten ernsthafte Bedenken gegen eine Unterstützung der spanischen Regierung geäußert zu haben schien,[30] kann mit Fug und Recht behauptet werden, die Lieferung von Matériel sei zu diesem Zeitpunkt beschlossene Sache gewesen.[31] Es existierte auch kein Rechtsgrundsatz, der es verboten hätte, einer legal ins Amt gekommenen Regierung zur Niederschlagung einer Rebellion im eigenen Land Waffen zu verkaufen.[32]

Abendroth führt an, Blum sei besorgt gewesen, ein von den Militärs geführtes Spanien könne Deutschland und Italien hörig sein und so die geostrategische Lage Frankreichs erheblich schwächen.[33] Dies kann jedoch für diesen frühen Zeitpunkt nicht überzeugen. Anders als im September 1936 waren Berichte über deutsche und italienische Hilfeleistungen noch nicht erschienen und die Fronten noch nicht deutlich geworden. Tatsächlich erfolgten die ersten deutschen und italienischen Lieferungen erst am 25. Juli 1936.[34] Dass Blum „keine große Wahl“ hatte, stimmt somit nicht. Auch konnte er zu diesem Zeitpunkt kaum ahnen, welchen Sturm der Entrüstung er mit diesen geplanten Lieferungen bei Publik werden der Pläne im eigenen Land auslösen würde. Da auch die Briten über den Hilfegesuch noch nicht informiert waren, und dies kann aufgrund der heute verfügbaren Quellen als gesichert gelten, brauchte auf sie ebenfalls keine Rücksicht genommen zu werden. Festzuhalten bleibt, dass bei Blum und seinen Kabinettskollegen eindeutig die Sympathien für die spanische Volksfrontregierung überwogen, trotz der starken pazifistischen Ströme innerhalb der sozialistischen Partei.[35]

[...]


[1] Léon Blum wurde am 09. April 1872 in Paris geboren. Er gründete 1902 zusammen mit Jean Jaurès die französische sozialistische Partei, deren Vorsitzender er seit 1919 war. 1936/37 und 1938 war er Minister-Präsident der Volksfrontregierung. 1940 wurde er von der Vichy-Regierung verhaftet und an Deutschland ausgeliefert, wo er 1943-45 interniert wurde. Nach dem Krieg wurde er 1946 nochmals Ministerpräsident, bevor er am 30. März 1950 verstarb.

[2] Selbst unter den Regierungsmitgliedern bestand keine Einigkeit über die Hauptmotive für die Nichteinmischungspolitik. Vgl. John E. Dreifort, Yvon Delbos at the Quay d’Orsay. French Foreign Policy during the Popular Front 1936-1938, Lawrence, Manhatten, Wichita 1973, Fn. 10, S. 206. Ihm zufolge gaben Jules Moch, Pierre Cot und Henri Laugier in Interviews mit ihm ausländische, insbesondere britische Einflüsse an, während Charles Corbin, André François-Poncet und Henri Bonnet innenpolitische Beweggründe in den Vordergrund stellten und eine britische „Intervention“ leugneten.

[3] So vor allem der amerikanische Botschafter Straus in einem Bericht an das State Department, Papers Relating to the Foreign Relations of the United States, 1936, Vol. II, Europe, Washington 1954, S. 447 f. (hiernach FRUS). Vgl. auch die Wiedergabe von Straus’ Bericht bei Viktor Knoll, Zur Vorgeschichte des Abkommens über Nichteinmischung in Spanien 1936, in: ZfG 35 (1987), S. 15–27 (16). Übernommen hat diese Auffassung A. H. Furnia, The Diplomacy of Appeasement: Anglo-French Relations and the Prelude to World War II, 1931-1938, Washington 1960, S. 209 f. Für einen entscheidenden britischen Einfluss auch J. Bowyer Bell, French reactions to the Spanish civil war, July – September, 1936, in: Lillian Parker Wallace und William C. Askew (Hrsg.), Power, Public Opinion and Diplomacy, Essays in Honor of Eber Malcolm Carroll by his Former Students, Durham 1959, S. 267–296 (274); Pierre Broué / Emile Témime, La Révolution et la Guerre d’Espagne, Paris 1961, S. 300-304, wonach der britische Druck entscheidend war; Patricia A. M. v. d. Esch; Prelude to War. The International Repercussions of the Spanish Civil War (1936-1939), Den Haag 1951, S. 61; Basil Liddell Hart, The Memoirs of Captain Liddell Hart, Bd. 2, London 1965, S. 127 f.; Cordell Hull, The Memoirs of Cordell Hull, Bd. 1, London 1948, S. 276; William Earl Watters, An international affair: Non-intervention in the Spanish civil war 1936-1939, New York 1971, S. 40. Vorsichtiger bereits Jacques Chastenet, Histoire de la Troisième République, Bd. 6, Déclin et chute de la Troisième 1931-1938 demzufolge der Entschluss Blums nach Konsultationen mit London gefallen sein soll, S. 162. Konsequent weitergedacht hieße dies, Franco sei durch die britische und französische Politik an die Macht gebracht worden. So Thomas J. Hamilton, Appeasement’s Child. The Franco Regime in Spain, London 1943, insbesondere S. 19: „England and France were … responsible for the Republic’s final defeat.”

[4] Dieser Vorwurf wurde häufig von der linken französischen Presse erhoben, teils wohl auch, um Druck von Léon Blum zu nehmen. Vgl. aber auch Claude G. Bowers, My Mission to Spain, New York 1954, S. 281. In Spanien vertrat José Giral wohl diese Auffassung, wenn die Überlieferung bei José Martin-Blázquez, I helped build an Army. Civil War memoirs of a Spanish staff officer, London 1939, S. 143, richtig ist. Führende Vertreter dieser Auffassung in den 60er Jahren waren José Sandoval und Manuel Azcárate, Spain 1936-1939, London 1966, S. 51 f. Ihnen zufolge soll sogar Franco über seine Mittelsmänner in London und Paris eine aktive Rolle bei der Druckausübung auf die Regierung Blum gespielt haben, S. 52. Darauf spielte später auch Léon Blum an, der erklärte: «Il existait au Parlement français des hommes politiques considérables qui étaient des représentants de Franco», zit. nach Broué/Témime, S. 301f. In neuerer Zeit auch Robert H. Whealey, Hitler and Spain. The Nazi Role in the Spanish Civil War 1936-1939, S. 15.

[5] Hier sind vor allem William Foss und Cecil Gerahty, Die Spanische Arena, Stuttgart, Berlin 1939 (Originalausgabe: London 1938) zu nennen: „Wie erfreulich war es für die ́unheilige Allianz̀ der Sowjets und der Freumaurer, daß Léon Blum gerade an der Macht war, als die zweite Revolution durchgeführt werden sollte! Und wie angenehm war es für die rotspanische Regierung, daß Léon Blum als Ministerpräsident von Frankreich die Lieferung von Munition und Menschen sorgte, die Pyrenäenpässe offen hielt und die verderbliche Lehre der ̀Nichteinmischunǵ (natürlich nur gegen die Nationalen anzuwenden!) verfocht.“, S. 126. Weitere Kritik an dieser Nichteinmischungspolitik äußern die Autoren auf S. 333-336. Eindeutig auch Arthur F. Loveday, World War in Spain, London 1939, der sein Buch Spanien widmete: „The Saviour of Western Europe / From the Crescent, Lepanto, 1571 / From the Sickle and Hammer, 1936 to 1939“. Den Vorwurf, Frankreich habe den Bürgerkrieg durch seine Politik unnötig verlängert, erhebt Edmund Schramm, Frankreichs Einmischung im spanischen Bürgerkrieg, Berlin 1940, S. 81.

[6] Hierzu zählen Camille Chautemps, Cahiers secrets de l’armistice (1939-1940), Paris 1963, S. 35; Vera Micheles Dean, European Diplomacy in the Spanish Crisis, in: Foreign Policy Reports, Bd. 12, Nr. 8, Dezember 1936, S. 222-232 (224); Jean-Baptiste Duroselle, Histoire diplomatique de 1919 à nos jours, 2. Aufl. Paris 1957, S. 222; Pierre Renouvin, Histoire des Relations Internationales, Bd. 8, Les Crises du XXe Siècle, II, De 1929 à 1945, Paris 1967, S. 106. Indirekt wohl auch Paul Reymaud, La France a sauvé l’Europe, Bd. 1, Paris 1947, der mehrfach die mangelnde Kriegsbereitschaft und Kriegsvorbereitung Frankreichs angesichts der deutschen Wiederaufrüstung kritisiert. Anthony Tihamer Komjathy, The Crisis of France’s East Central European Diplomacy 1933-1938, New York 1976, S. 167 fügt dem einen neuen Blickwinkel hinzu, wenn er die Befürchtung Frankreichs vor einem Einfall Hitlers in die Tschechoslowakei erwähnt, sollte Frankreich in Spanien intervenieren.

[7] Die Angst der Opposition vor einer Ausweitung des Krieges betonten schon Geoffrey Warner, France and Non-Intervention in Spain, July-August 1936, in: Wolfgang Schieder / Christof Dipper (Hrsg.), Der Spanische Bürgerkrieg in der internationalen Politik (1936-1939), 13 Aufsätze, München 1976, S. 306–326 (322). Sich auf einen Brief Léon Blums an seine Frau von 1942 berufend Colette Audry, Léon Blum ou la politique du juste, Paris 1955, S. 125 f.; M. D. Gallagher, Leon Blum and the Spanish Civil War, in: The Journal of Contemporary History, Nr. 6 1971, S. 56–64 (63) und vorsichtig auch David Carlton, Eden, Blum, and the Origins of Non-Intervention, in: Journal of Contemporary History, Nr. 3 1971, S. 40–55 (47): „It seems likely“. Innenpolitische Spannungen als Grund für eingeschränkte außenpolitische Bewegungsfähigkeit betont auch Walter L. Bernecker, Die internationale Dimension des Spanischen Bürgerkrieges: Intervention und Nichtintervention, in: 60 Jahre Spanischer Bürgerkrieg. Fundus – Online Forum Geschichte, Politik und Kultur der späten Neuzeit, http://www.fundus.d-r.de/3/bernecker.pdf, S. 9 (zuletzt 19. Feb. 2003). Einen anderen Punkt spricht an Alvaro de Albernoz, La Politica Internacional de España, Buenos Aires 1943, S. 38 f. Ihm zufolge fehlte in Frankreich erstmals eine große Persönlichkeit, die die notwendigen Entscheidungen getroffen hätte.

[8] Eingehender zu den französischen Beständen äußern sich Anthony Adamthwaite, France and the Coming of the Second World War 1936-1939, London 1977, S. 397 bis 402, und Gilbert Ziebura, Die Krise des internationalen Systems 1936, in: HZ 203 (1966), S. 91–98 (91).

[9] Nur wenige Mitglieder des inneren Regierungskreises haben sich zu den Diskussionen um die Anfänge der Nichteinmischungspolitik geäußert. Vgl. Dreifort, S. 33 und Fn. 8 (S. 205).

[10] So Duroselle, S. 221 . Chastenet zufolge war der zweite Wahlgang am 03. Mai 1936, S. 141 f. Dort auch weitere Hinweise zum Ausgang der Wahlen. Seiner Ansicht nach waren Unsicherheit großer Teile der Arbeiterschaft, sinkende Kaufkraft und Sorge um den Arbeitsplatz entscheidend für den Sieg der Sozialisten, die erstmals die stärkste Fraktion stellten, S. 142 f. Mitschuld am ausbleibenden Aufschwung hatten seiner Ansicht nach auch die zahlreichen Streiks, die einem Abzug ausländischen Kapitals aus Frankreich und somit eine wachstumshemmende Wirkung nach sich zogen, S. 166 f.

[11] Hierzu zählten vor allem auf rechter Seite die Croix de Feu und die Jeunesses Patriotes, vgl. Dante A. Puzzo, Spain and the Great Powers, 1936-1941, New York 1962, S. 85.

[12] Nach Ansicht Duroselles standen nach den Wahlen 1936 zunächst innenpolitische Fragen im Vordergrund, S. 220. Ausführlicher zu den „innergesellschaftlichen Bestimmungsfaktoren der französischen Außenpolitik in den Jahren 1933-1936“ äußert sich Roland Höhne, Innere Desintegration und äußerer Machtverfall: Die französische Politik in den Jahren 1933-1936, in: Karl Rohe (Hrsg.), Die Westmächte und das Dritte Reich 1933-1939. Klassische Großmachtrivalität oder Kampf zwischen Demokratie und Diktatur?, Paderborn 1982, S. 157-179, insbesondere S. 164-179.

[13] Vgl. zu den Motiven für die britische Bevorzugung bilateraler Diplomatie Mitte der 30er Jahre auch Reinhard Meyers, Britische Sicherheitspolitik 1934-1938. Studien zum außen- und sicherheitspolitischen Entscheidungsprozeß, Düsseldorf 1976, S. 503 f.

[14] Zu den französischen Verteidigungsüberlegungen auch Klaus Hildebrand, Krieg im Frieden und Frieden im Krieg. Über das Problem der Legitimität in der Geschichte der Staatengesellschaft 1931-1941, in: HZ 244 (1987), S 1-28, S. 12. Eine Aufstellung über das sich im Juni 1936 im Einsatz befindliche „moderne“ Kriegsmaterial gibt Daladier, in: Les évènements survenus en France de 1933 à 1945, Assemblée Nationale. Première Législature, session de 1947; Rapport fait au non de la Commission chargée d’enquêter sur … Bd. 1, Témoignages, Paris 1951 (künftig Évènements), S. 16.

[15] Vgl. Jill Edwards, The British Government and the Spanish Civil War 1936-1939, London 1979, S. 15 f.

[16] Gottfried Niedhart, Britisch-sowjetische Gegensätze 1936/37, in: Wolfgang Schieder/Christof Dipper (Hrsg.), Der Spanische Bürgerkrieg in der internationalen Politik (1936-1939), 13 Aufsätze, München 1976, S. 275-289, S. 275 f.; vgl. für die britische Sicht auch Documents on British Foreign Policy 1919-1939, Second Series, hg. von W. N. Medlicott/Douglas Dakin (künftig DBFP), Bd. 16, The Rhineland Crisis and the Ending of Sanctions, March 2-July 30, 1936, London 1977, S. 656-744, insbesondere das Memorandum von Lord Halifax für das britische Kabinett vom 13. Juli, S. 732.

[17] Eingehender zum französischen Sicherheitsdilemma David T. Cattell, Soviet Diplomacy and the Spanish Civil War, Berkeley, Los Angeles 1957, S. 8. Ihm zufolge hatte Frankreich kaum eine andere Wahl, als sich enger an Großbritannien zu binden, wodurch es kontinuierlich an Initiativkraft für eine eigenständige Weltpolitik verlor.

[18] Dies ist von großer Bedeutung vor dem Hintergrund der britischen Appeasement-Politik angesichts ihrer eigenen Krisenerscheinungen. Vgl. hierzu Gottfried Niedhart, Appeasement: Die britische Antwort auf die Krise des Weltreichs und des internationalen Systems vor dem Zweiten Weltkrieg, in: HZ Bd. 226 (1978), S. 67-88, insbesondere S. 71, 73-75.

[19] Vgl. aus zeitgenössischer Sicht Charles E. Fenwick, The „failure“ of the League of Nations, in: AJIL 1936, S. 506-509.

[20] Vgl. zu diesem Aspekt der britischen und französischen Politik Documents Diplomatiques Français, 2e série (1936-1939). Ministère des Affaires Étrangères. Commission de publications des documents relatifs aux origines de la guerre 1939-1945 (künftig DDF), Bd. 2, 1er Avril – 18 Juillet 1936, Paris 1966, Dok. 408 (S. 614 f.), 415 (S. 632 f.) und Edens Rede vor der Völkerbundsversammlung vom 01. Juli 1936, in: DBFP, Bd. 16, Dok. 395 (S. 538-541).

[21] „The world at this moment, is not a world of peace (…) We feel the atmosphere growing heavy; we see the shadow looming. Everywhere the world is arming (…) For the first time in eighteen years, a European war is once again looked upon as a possibility.” Zit. nach Francis O. Wilcox, The Localization of the Spanish War, in: The American Political Science Review 32 (1938), S. 237-260, S. 237. 1931 hatte der Völkerbundspräsident Lord Robert Cecil

an gleicher Stelle noch behauptet: „There has scarcely ever been a period in the world‘s history when war seemed less likely than it does at the present.“ Zit. nach Hildebrand, S. 4

[22] Wie tief die Spaltung der öffentlichen Meinung war, zeigt Chastenet anschaulich. So zitiert er einen General mit den Worten: „Ce ne sont plus deux factions qui se disputent les avantages du pouvoir: c’est une guerre entre la barbarie moscovite et la civilisation occidentale“. Demgegenüber schrieben die Kommunisten: «Français, ceux qui meurent là-bas [in Spanien] meurent pour empêcher que l’Espagne ne devienne une place d’armes hitlérienne et mussolinienne, un gradin de départ pour la guerre contre notre pays». Die französischen Katholiken waren dabei geteilter Meinung. So versuchten François Mauriac, Bernanos und andere Intellektuelle die Sache Francos von der der Kirche zu trennen, auch wenn sich Franco als Verteidiger des Glaubens stilisierte und Kirchenschändungen der Kommunisten scharf verurteilt wurden. S. 160 f. m. w. Nachw.

[23] 60 % der ausländischen Kapitalinvestitionen in die spanische Industrie waren französische. Allein diese Tatsache verdeutlicht das große Interesse französischer Industrieller an stabilen Verhältnissen in Spanien, die ihrer Ansicht nach eher Franco herstellen konnte. Vgl. hierzu van der Esch, S. 16.

[24] Das Telegramm hatte folgenden Wortlaut: „Sommes surpris par dangereux coup de main militaire, vous demandons de vous entendre immédiatement avec nous pour fourniture d’armes et d’avions. Fraternellement à vous, Giral“, in: Blum, Évènements, S. 215. Der fordernde Ton und die Wahl des Wortes „unverzüglich“ (immédiatement) unterstreichen den Ernst der Lage. Die spanische Sichtweise erläutert anschaulich Puzzo, insbesondere S. 77-82.

[25] Pierre Cot, Triumph of Treason, Chicago, New York 1944, S. 338 (zit. nach: Abendroth, S. 211). Von dieser Geheimklausel erfuhr de Los Rios in Frankreich nur durch Zufall. Die französischen Minister kannten sie nicht. So de Los Rios in seinem Brief an Giral, abgedruckt in Schramm, S. 19-24, S. 22.

[26] 1885-1956, Adamthwaite, S. 405. Eine ausführliche Biographie bietet Dreifort.

[27] 1884-1970, war seit 1924 Kabinettsmitglied unter mehreren Premierministern und selbst Premier, er wurde in Riom verurteilt und nach Deutschland ausgeliefert. Vgl. Adamthwaite, S. 405.

[28] Vgl. Dreifort, S. 35.

[29] Präzisiert wurden die Forderungen am 24. Juli 1936, vgl. DDF, Bd. 3, Dok. 25 (S. 52), Fn. 3.

[30] Vgl. die Schilderung von Jules Moch, Rencontres Avec … Léon Blum, Paris 1970, S. 190-192.

[31] So stellvertretend für viele Warner, S. 306 f. Blum sagt im Rückblick sogar aus, er habe mit Delbos und Daladier einen Rettungsplan ausgearbeitet, „un plan de fournitures de matériels à la République espagnole“, Événements, S. 216.

[32] Für die rechtliche Dimension vgl. Norman J. Padelford, The International Non-Intervention Agreement and the Spanish Civil War, AJIL 1937, S. 578-603; Ellery C. Stowell, Spain and the Nations, in: AJIL 1936, S. 675-679; speziell zu den Waffenlieferungen James W. Garner, Questions of International Law in the Spanish Civil War, in: AJIL 1937, S. 66-73.

[33] Hans-Henning Abendroth, Hitler in der Spanischen Arena. Die deutsch-spanischen Beziehungen im Spannungsfeld der europäischen Interessenpolitik vom Ausbruch des Bürgerkrieges bis zum Ausbruch des Weltkrieges 1936-1939, 2 Bd., Diss. Erlangen-Nürnberg, 1970, Bd. 1, S. 213.

[34] Hitler und Mussolini entschieden unabhängig voneinander am 25. Juli, Franco zu unterstützen, vgl. Whealey, S. 7, 15 und 152.

[35] Vgl. zu diesen pazifistischen Strömungen in Frankreich Cattell, S. 9.

Details

Seiten
42
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638197977
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14379
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Seminar für Osteruopäische Geschichte
Note
sehr gut -1-
Schlagworte
Frankreichs Nichteinmischungspolitik Spanischen Bürgerkrieg Mitte Juli Anfang August Hauptseminar Sowjetuniuon

Autor

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Titel: Der Weg Frankreichs zur Nichteinmischungspolitik in den Spanischen Bürgerkrieg Mitte Juli 1936 bis Anfang August 1936