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Sozialkonstruktivismus als Theorie der Internationalen Beziehungen

Referat (Ausarbeitung) 2008 9 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhalt

I. Was ist Sozialkonsruktivismus?
I.1. Die Welt als soziales Konstrukt - Der Grundgedanke des Konstruktivismus
I.2. Wo kommt Sozialkonstruktivismus her? – Ursprünge und Verortung
I.3. Konstruktivismus in den Internationalen Beziehungen
I.4. Alexander Wendt als Referenztheoretiker
I.4.1. Agent-Stucture-Problem
I.4.2. Regeln, Ideen und Normen
I.4.3. Identitäten und Interessen
I.3.4. Anarchy is what states make of it

II. Michael Barnett: Culture, Strategy and foreign Policy Change.
Israel´s Road to Oslo. – Ein Beispiel sozialkonstruktivistischer Analyse

Literatur

I. Was ist Sozialkonsruktivismus?

I.1. Die Welt als soziales Konstrukt - Der Grundgedanke des Konstruktivismus

Bevor man sich mit Sozialkonstruktivismus beschäftigt, muss man sich den Begriff des Konstruierens verdeutlichen. Konstruieren bedeutet „sich etwas ausdenken“ und/oder „etwas herstellen“. Hier bedeutet dies, dass auch Wirklichkeit oder Realität für sich, unabhängig von den in dieser Wirklichkeit Lebenden, nicht existiert, sondern ausgedacht, hergestellt, konstruiert und ständig reproduziert wird durch Handeln, das auf Ideen, Normen und Interpretation basiert. Die menschliche Welt ist nicht rein materiell und naturgegeben, sondern ist sozial konstruiert und kann als eine „Welt in der Welt“ beschrieben werden. Sie ist nicht ohne weiteres zugänglich, sondern wird sozial konstruiert. Der Konstruktivismus betont stark das Soziale und setzt dadurch einen neuen Schwerpunkt in den Internationalen Beziehungen.

I.2. Wo kommt Sozialkonstruktivismus her? – Ursprünge und Verortung

Der Sozialkonstruktivismus hat seine Ursprünge in der Soziologie und Kulturwissenschaft und ist keine Theorie der Internationalen Beziehungen, noch überhaupt eine Theorie im engeren Sinne. Konstruktivismus ist keine substanzielle inhaltlich angereicherte Theorie (Risse, S 101f), die konkrete Phänomene erklärt, sondern vielmehr auf der Metatheorieebene zu verorten (Krell, S. 346). Der Konstruktivismus zeichnet sich durch eine Mehrdimensionalität aus und bewegt sich zwischen unterschiedlichen Ebenen im „konstruktivistischen Dreieck“ (Cornelia Ulbert in: Schnieder/Spindler, S.410f). Je nach Standpunkt und Schwerpunktsetzung liegen konstruktivistischen Ansätzen Vorstellungen über die Beschaffenheit des Untersuchungsgegenstandes zugrunde, die von der Konstruktion sozialer Wirklichkeit ausgehen (Ontologie). Ebenso liegen ihnen erkenntnistheoretische Orientierungen zugrunde, nämlich, dass auch Wissen sozial konstruiert wird (Epistemologie). Zuletzt ist Konstruktivismus eine Methode, die beschreibt und erklärt wie diese Konstruktionen zustande kommen. Konstruktivismus ist also je nach Blickwinkel Methode, Forschungsansatz oder allgemeine theoretische Orientierung.

I.3. Konstruktivismus in den Internationalen Beziehungen

Der Begriff „Konstruktivismus“ setzte sich in den Internationalen Beziehungen Mitte der 1990er Jahre durch als Kennzeichnung derjenigen Ansätze, die das Soziale hervorheben und die Intersubjektivität der sozialen Welt betonen. Die Kodeterminiertheit der Akteure und Strukturen und die hervorgehobene Rolle von Ideen und Normen sind zentrale Elemente der sozialkonstruktivistischen Analyse. Die Gründe für die Akzeptanz konstruktivistischer Ansätze in den Internationalen Beziehungen sind im Umgang mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes zu suchen (Cornelia Ulbert in: Schnieder/Spindler, S. 412) Der Systemkonflikt nahm ein kaum vorhergesehenes Ende und konnte durch andere etablierte Theorien, wie dem Realismus, zur Verfügung stehenden Denkansätze nicht erklärt werden. Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts einhergehende sozio-ökonomische Veränderungen wie die veränderte Rolle des Staates oder die verschiedenen Aspekte der Globalisierung verlangten zu ihrer Erklärung nach neuen Denkansätzen und lösten eine Infragestellung vorhandener theoretischer Grundlagen und Debatten über die Möglichkeiten des theoretischen Instrumentariums aus.

I.4. Alexander Wendt als Referenztheoretiker

Alexander Wendt (geboren 1958 in Mainz) ist einer der bedeutendsten Vertreter des Konstruktivismus und wird als Referenztheoretiker und Begründer des Konstruktivismus in den Internationalen Beziehungen bezeichnet. Er brachte entscheidende Impulse in die Theoriedebatte durch Aufsätze wie „Anarchy is what states make of it“ oder „The Agent-Structure-Problem“. Diese Schriften können nicht zuletzt als eine Kritik am Neorealismus verstanden werden.

I.4.1. Agent-Stucture-Problem

Einer der Kernpunkte des Konstruktivismus ist das Akteur – Struktur – Problem. Kern des Problems ist die Annahme, dass das Handeln von Akteuren immer in bestimmten Strukturen eingebettet ist. Wie aber hängen sie zusammen? Der individualistische Erklärungsansatz legt den Untersuchungsschwerpunkt auf die Akteursebene und nimmt vorrangig Bezug auf die Akteure und ihre Merkmale um soziale Phänomene zu erklären. Umgekehrt geht der strukturalistische Ansatz von den Strukturen aus, die das Handeln der Akteure bestimmen und in die es eingebettet ist.

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Details

Seiten
9
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640520039
ISBN (Buch)
9783640521722
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143661
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Institut für Sozialwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Sozialkonstruktivismus Theorie Internationalen Beziehungen

Autor

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Titel: Sozialkonstruktivismus als Theorie der Internationalen Beziehungen