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Cicero betritt die politische Bühne

de imperio Cn. Pompei oratio

Hausarbeit 2009 16 Seiten

Klassische Philologie - Latinistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Ernst der Lage
2.1 Historische Einordnung
2.2 Einwände

3 Die Reputation des Pompeius
3.1 Vom urrömischen Feldherrn
3.2 Einwände

4 Das eigene Vorwärtskommen
4.1 Pompeius und die Großen
4.2 Die Ritter und das Volk
4.3 Das rhetorische Angebot

5 Schluss

6 Literaturverzeichnis
6.1 Textausgaben
6.2 Weitere Literatur

1 Einleitung

Als der Volsktribun C. Manilius Crispus im Jahr 66 v. Chr. den Antrag stellte, Pompeius im Krieg gegen Mithridates VI von Pontus den Oberbefehl mit ausgedehnten Vollmachten zu übertragen, da war Marcus Tullius Cicero 40 Jahre alt und gerade erst „einstimmig und in höchst ehrenvoller Weise zum Praetor“[1] gewählt worden. Vier Jahre zuvor hatte er im Prozess gegen Verres, einem Prozess, den er – man darf ruhig formulieren: auf spektakuläre Weise – gegen den Verteidiger Hortensius gewonnen hatte, Aufsehen erregt, dann war er zum Aedil gewählt worden, und nun, 66, zum Praetor. „Er war [...] unbestritten der erste Anwalt Roms,“[2] jetzt aber wollte er sich auch auf der politischen Bühne beweisen.

Denn gleich zu Beginn seiner Rede De imperio Cn. Pompei (bzw. Pro lege Manilia), rechtfertigt Cicero sein bisheriges Schweigen mit seinem Lebensplan, vitae meae rationes[3]: Er hatte sich vorgenommen, so gibt er in 2 zu verstehen, erst in der Würde und mit dem Ansehen (auctoritas) des Praetors politische Reden zu halten.

Gut, wir wollen es ihm vorerst glauben und uns mit einer ganz einfachen Frage der Rede nähern: Worum geht es Cicero in De imperio Cn. Pompei ? Und noch einmal in eine etwas andere Richtung formuliert: Welche Absicht verfolgte Cicero mit seiner Rede? Was verspricht er sich von ihr?

Um jene Fragen zu beantworten, wird diese Hausarbeit in drei Kapiteln vorgehen, die drei Antwortversuchen, drei Thesen zugeordnet sind:

0. Es geht um die Annahme des Gesetzesantrages
1. Es geht darum, mögliche Bedenken gegen Pompeius auszuschalten
2. Es geht um das eigene Vorwärtskommen

Auf diese Weise können die Hauptlinien in der Interpretation der Rede einzeln vorgestellt und diskutiert werden.

Auf Grund dieser Struktur der Arbeit, werden eine genauere historische Einordnung der Rede, ihre Gliederung und sprachliche Analyse nicht vorweggenommen, sondern in den entsprechenden Kapiteln je nach Bedarf durchgeführt werden.

Das Schlusskapitel wird dann die gewonnenen Ergebnisse noch einmal zusammenfassen und bewerten. Dabei soll auch gewagt werden, nach einer möglichen Tendenz zu fragen, die sich vielleicht bereits in Ciceros erster politischer Rede anbahnt, um dann die gesamte politische Laufbahn Ciceros zu durchziehen.

2 Der Ernst der Lage

2.1 Historische Einordnung

Nach der bereits oben erwähnten Einleitung der Rede kommt Cicero sehr schnell auf den Krieg zu sprechen, bellum grave et periculosum[4], um ihm dann ab 6b ausführlich der Art und Bedeutung nach zu beschreiben. Hier ist vor allem der erste Satz sehr interessant:

Genus est enim belli eius modi, quod maxime vestros animos excitare atque inflammare ad persequendi studium debeat; in quo agitur populi Romani gloria, quae vobis a maioribus cum magna in omnibus rebus, tum summa in re militari tradita est; agitur salus sociorum atque amicorum, pro qua multa maiores vestri magna et gravia bella gesserunt; aguntur certissima populi Romani vectigalia et maxima, quibus amissis et pacis ornamenta et subsidia belli requiretis; aguntur bona multorum civium, quibus est a vobis et ipsorum et rei publicae causa consulendum.[5]

Mit Hilfe einer vierfachen Anapher (agitur/aguntur) zählt Cicero auf, was in diesem Krieg auf dem Spiel steht: Der Ruhm des Römischen Volkes, das Wohl der Verbündeten und Freunde, die Steuereinkünfte und die Güter vieler Mitbürger – man mag zusammenfassen: Alles, worauf Roms Größe gründet. Zu neu waren wohl noch die Provinzen, in denen sich der Krieg abspielte, und zu weit entfernt, als dass Cicero sofort von einer Bedrohung des Römischen Reiches selbst sprechen könnte. Doch er arbeitet leise darauf hin. Schon in 9 nimmt der Krieg sehr an Gefahr zu: Mithridates schickte Gesandte und Briefe nach Spanien, ut, cum duobus in locis disiunctissimis maximeque diversis uno consilio a binis hostium copiis bellum terra marique gereretur, vos ancipiti contentione districti de imperio dimicaretis[6] Und ganz auffällig ist schließlich die häufig Umschreibung des Feindes mit dem Wortfeld rex; im ganzen taucht sie 39 mal auf, der Name Mithridates dagegen wird nur 11 mal genannt.[7] Indem Cicero das für die römischen Ohren negativ konnotierte Wort rex verwendet, macht er aus dem Mithridatischen Krieg ein Stück weit einen Krieg der Systeme: Die Republik wird durch die Monarchie bedroht.[8]

Im Folgenden soll nun überprüft werden, ob die Gefahr, die von Mithridates ausging, tatsächlich so groß war, wie sie Cicero darstellt. Dazu müssen die drei Mithridatischen Kriege kurz beschrieben und bewertet werden:

Mithridates VI Eupator wurde 132 v. Chr. geboren, bestieg er im Alter von 11 Jahren den Thron und schaltete in den Folgejahren seine Mutter und seinen Bruder aus. Dann begann er mit der Vergrößerung seines Reiches. Zuerst unterwarf er Armenia Minor und die Ostküste des Schwarzen Meeres, dann die Krim und die Nordküste.[9] Nachdem er sich mit Nicomedes III von Bithynien verbündet hatte, eroberten die beiden Könige 108/107 Paphlagonien und Galatien, wobei sie über das ebenfalls unterworfene Kappadokien in Streit gerieten. Obwohl die Truppen des Nicomedes zuerst im Land waren, setzte Mithridates dort im Jahr 101 seinen Sohn als neuen König ein. Nicomedes legte beim römischen Senat Klage ein und erreichte den Beschluss, beide Könige sollten sich aus Paphlagonien und Kappadokien heraushalten. Mithridates versuchte nun seinerseits diese Regelung zu umgehen, indem er seine Tochter Kleopatra mit Tigranes I dem Großen, dem König von Armenien, verheiratete, um diesen dann zum Feldzug gegen Kappadokien zu bewegen. Seine Politik ging auf, und Tigranes eroberte tatsächlich Kappadokien, wurde von dort allerdings im Jahr 92 von L. Cornelius Sulla, der zu der Zeit Statthalter von Kilikien war, vertrieben. In derselben Zeit starb Nicomedes III,[10] und Mithridates mischte sich in die Nachfolgefrage ein. Im Jahr 90 vertrieb er Nicomedes IV aus Bithynien, woraufhin Rom eine Gesandtschaft unter Manius Aquilius schickte, die mit Hilfe des Befehlshabers der römischen Provinz Asia Nicomedes IV wieder in Bithynien einsetzen sollte. Gleichzeitig wurde Nicomedes überredet, einen Krieg gegen Pontus zu beginnen, bei dem wohl auch römische Truppen in Gebiete des Mithridates vorstießen. Dies war für Mithridates der Anlass, offen gegen Rom vorzugehen; im Jahr 88 begann der erste Mithridatische Krieg. Der Zeitpunkt konnte für Mithridates kaum ein Besserer sein, da sich Rom gerade im Bundesgenossenkrieg befand, und dem schon kriegsbereiten Sulla auf Betreiben des C. Marius der Oberbefehl gegen Pontus entzogen wurde. So besetzte Mithridates zusammen mit seinem Sohn und einer gewaltigen Streitmacht in kürzester Zeit Bithynien und Kappadokien, dann Asia, wo er Aquilius gefangennahm und ihm geschmolzenes Gold einflößte. Gleichzeitig ließ er, um seine Position in Kleinasien zu stärken, an einem Tag 80000 Italiker hinrichten. Dann wandte er sich Richtung Westen, eroberte einige Städte der Ägäis; andere, darunter Athen, schlossen sich ihm freiwillig an. Doch in der Zwischenzeit hatte Sulla die Angelegenheiten in Rom nach seinem Gutdünken geordnet und kam nun Mithridates mit fünf Legionen entgegen. Er belagerte und bezwang Athen und schlug dann 86 den König bei Chaironeia und Orchomenos, wo angeblich über 100000 Soldaten des Mithridates fielen.

[...]


[1] Giebel, Marion; Marcus Tullius Cicero, 10. Aufl. Hamburg 1995, S. 34.

[2] Ebenda, S. 31.

[3] Cic, de imp 1. Zitiert wird aus der Ausgabe: M. Tulli Ciceronis Orationes, Bd. 1, Clark, Albertus (Hrsg.), Oxford 1961.

[4] Ebenda, 4.

[5] Ebenda, 6.

[6] Ebenda, 9. Man beachte die sprachliche Ausgestaltung: duobus in locis – uno consilio – a binis hostium copiis – terra marique !

[7] Vgl. MacKendrick, Paul; The Speeches of Cicero. Context, Law, Rhetoric, with the technical ass. of. Bennett jr., Emmett L., London 1995, S. 461.

[8] Eine solche Gegenüberstellung hat klassische Vorbilder, das berühmteste dürfte wohl Demosthenes sein. Eine vergleichende Untersuchung zwischen De imperio Cn. Pompei und den politischen Reden des Demosthenes würde sicherlich lohnen, kann hier aber nicht geleistet werden. Die These einer Ähnlichkeit oder gar bewussten Anspielung auf den attischen Redner von Seiten Ciceros würde zumindest nahe liegen, da auch Ciceros letzte Reden schon allein in ihrem Titel (Philippicae) Demosthenes nacheifern.

[9] Vgl. Berrys Einleitung zur Rede über den Oberbefehl in: Cicero, Marcus Tullius; Political Speeches, transl. w. Intr. a. Notes by Berry, D.H., Oxford/New York 2006, S. 103.

[10] Die Darstellungen nennen die Jahre 94 und 91.

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640544677
ISBN (Buch)
9783640545018
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143592
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Cicero Pompeius lex manilia pro lege manilia Rhetorik de imperio cn. pompei oratio Thema Cicero

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