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Das Modell des demographischen Übergangs

Allgemein, Transformationsprozess, demographischer Übergang in Industrieländer und Entwicklungsländern, Kritik

Hausarbeit 2006 10 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Modell des demographischen Übergangs

3. Ablauf des Transformationsprozess

4. Der demographische Übergang in Industrieländern

5. Der demographische Übergang in Entwicklungsländern

6. Kritik an der Theorie

7. Fazit

1. Einleitung

Das Modell des demographischen Übergangs zeigt den idealtypischen Ablauf des Bevölkerungswachstums europäischer Länder. Inwiefern ist es erlaubt das Modell auf Länder der Dritten Welt zu übertragen? Kann der Transformationsprozess auch zur Erklärung der Veränderungen und zur Prognose künftiger Bevölkerungsentwicklungen in Entwicklungsländern angewendet werden?

2. Das Modell des demographischen Übergangs

Basierend auf die Vorarbeiten von W. S. Thompson im Jahr 1929 entwickelt F. W. Notestein 1945 das Modell des demographischen Übergangs. (HEINEBERG 2004: 75) Es bezieht sich auf die Beobachtungen der natürlichen Bevölkerungsentwicklung in Europa, Nordamerika und Australien. (BÄHR 1997: 248-249), (BASILAUTZKIS 2000)

Der Ausgangspunkt des Modells ist ein geringer Bevölkerungszuwachs, bedingt durch hohe Sterbe- und Geburtenziffern. Am Ende des Übergangs steht ein ebenfalls geringes Bevölkerungswachstum, bis hin zur leichten Bevölkerungsabnahme in Folge von Sterbeüberschüssen. (MÜNZ & ULRICH 2002) Bevölkerungswissenschaftler sind der Ansicht, dass die Fruchtbarkeit und Sterblichkeit direkt mit dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungsstand eines Landes, einer Region oder eines Ortes zusammenhängt. Demnach haben die ökonomischen, politischen, sozialen und technologischen Veränderungen in Verbindung mit der Industrialisierung und der Verstädterung zu einer Entwicklung beigetragen, die als demographischer Übergang bezeichnet wird. (KNOX und MARSTON 2001: 145)

Das Modell beschreibt die Veränderung des Verhaltens und der Sterblichkeit in einer menschlichen Population beim Übergang von einer vorindustriellen zu einer industriellen Gesellschaft, bei der hohe Geburten- und Sterbeziffern durch niederige abgelöst werden. (KNOX und MARSTON 2001: 145) Den Transformationsprozess zwischen diesen beiden Phasen bezeichnet man als demographischen Übergang. (MÜNZ und ULRICH 2002)

3. Ablauf des Transformationsprozess

Der demographische Übergang stellt in den meisten europäisch geprägten Ländern eine parallele Entwicklung zum Industrialisierungsprozess dar. So hat der demographische Übergang, wie die Industrialisierung ihren Ursprung in England/Wales. (KULS und KEMPER 2000: 172) Der Verlauf des Modells trifft weitgehend für Europa, Nordamerika, Australien/Neuseeland und Japan zu. (BIRK, S. 2003), (KNOX und MARSTON 2001: 146), Am Ende der demographischen Transformation steht meist auch der Übergang von einer agrarisch geprägten Wirtschaftsform zu einer industriellen. In dem Verlauf ist es zu Veränderungen in der Bevölkerungsverteilung durch das Wachstum der Großstädte und der industriellen Agglomeration gekommen. Bei dem Prozeß des demographischen Übergangs sind Verschiebungen der Altersstruktur und der Sexualproportion zu erkennen. (BIRK, S. 2003), (KULS & KEMPER 2000: 172)

Die Anzahl und Bezeichnungen der Phasen des Modells, demographischer Übergang, variieren je nach Autor. (HEINEBERG 2004: 76)

(BASILAUTZKIS 2000)

Der idealtypische Prozess des demographischen Übergangs verläuft in 5 Phasen. In der pr ä transformative Phase (Vorbereitungsphase) ist die Geburten- und Sterberate hoch, mit einem niedrigen Bevölkerungswachstum. Die frühtransformative Phase (Einleitungsphase) kennzeichnet sich dadurch, dass die Sterberate deutlich fällt, bei einer weiterhin konstanten Geburtenrate. Die Bevölkerungsschere beginnt sich, aufgrund des ansteigenden Bevölkerungswachstums zu öffnen. In der mitteltransformativen Phase (Umschwungphase) beginnt die Geburtenrate zu sinken, bei weiterem sinken der Sterberate. Es ist die Maximale Wachstumsrate erreicht (maximale Öffnung der Bevölkerungsschere). Die sp ä ttransformative Phase (Einlenkphase) kennzeichnet eine stark zurückgehende Wachstumsrate, bei stark sinkenden Geburtenraten und einer nur leicht sinkenden Sterberate. Die Bevölkerungsschere beginnt sich zu schließen. In der posttransformativenPhase (Ausklingende Phase) ist eine geringe Sterberate und Geburtenrate zu erkennen. Das Bevölkerungswachstum ist gering bisrückläufig. (BÄHR 1997: 250), (BASILAUTZKIS 2000)

Eine Anwendung dieser Modellvorstellung ist auf vier Ebenen möglich:

- Beschreibungsfunktion, bezüglich der idealtypische Beschreibung der zeitlichen Veränderung der Mortalität und Fertilität in den Industrienationen.
- Klassifikationsfunktion, d.h. die Typisierung einzelner Länder hinsichtlich des Standes in der demographischen Entwicklung.
- Theoriefunktion zur Ermittlung der Ursachen des Transformationsprozesses.
- Und die Prognosefunktion als Grundlage einer Prognose künftiger Bevölkerungsentwicklung.

(BÄHR 1997: 250-251), (BASILAUTZKIS 2000)

4. Der demographische Übergang in Industrieländern

Am Beispiel von England/Wales lassen sich die Phasen des Transformationsprozesses gut erkennen. (BÄHR 1997: 248) Dort hat sich die Geburtenrate und Sterberate in den vergangenen Jahrhunderten in regelmäßiger Weise entwickelt. Daher glaubt man, dass jede Bevölkerung einen demographischen Transformationsprozess durchläuft. (HEINEBERG 2004: 76)

Der demographische Übergang von hohen zu niederigen Geburten- und Sterberaten hat sich in Europa innerhalb eines langen Zeitraums vollzogen. Es ist vielmehr ein sich über Generationen hinziehender Prozess, mit der Einflußnahme eintretender Veränderungen von Gesellschaft und Wirtschaft. (KULS und KEMPER 2000: 172)

Eine Überprüfung des Modells bezüglich einzelner Länder ergibt, dass das Ablaufschema für Europa und für europäisch Neusiedelländer weitgehend zutrifft. Vergleiche machen deutlich, „dass sich der demographische Übergang zu unterschiedelichen Zeiten und mit unterschiedlicher Geschwindigkeit vollzogen hat.“ (BÄHR 1997: 252). Untersuchungen zeigen, dass der „Übergang von einem Zustand hoher Mortalität und Fertilität zu allgemein niedrigen Sterblichkeits- und Fruchtbarkeitswerten um so länger dauert, je früher der Umschwung einsetzte.“ (BÄHR 1997: 252) Der demographische Übergang dauert in England, dem Mutterland der Industrialisierung, etwa 200 Jahre, in Dänemark ungefähr 160 Jahre, in Deutschland 70 Jahre und in Japan dagegen nur 40 Jahre. Bei Betrachtung verschiedener Regionen in Ländern, ergeben sich ähnliche Unterschiede. (BÄHR 1997: 252)

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Details

Seiten
10
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640527960
ISBN (Buch)
9783640528196
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143528
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Geographisches Institut
Note
2
Schlagworte
Allgemein Transformationsprozess demographischer Übergang in Industrieländer und Entwicklungsländern Kritik

Autor

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Titel: Das Modell des demographischen Übergangs