Lade Inhalt...

Interkulturelles Lernen

Motive und Ziele einer neuen Perspektive des Fremdsprachenunterrichts mit einer Erläuterung an der Sprache Deutsch in Namibia

Seminararbeit 2008 17 Seiten

Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Begriff ‚Kultur‘ im Diskurs
multikulturell und interkulturell – eine Begriffsannäherung

3. Der Begriff ‚Lernen‘ im Diskurs des Fremdsprachenlernens

4. Interkulturelles Lernen
Interkulturelle Hermeneutik

5. Interkulturelles Lernen in einer multikulturellen Gesellschaft – Namibia
Die deutsche Sprache in Namibia

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sprache, dass ist nicht nur Grammatik, Wortschatz und Syntax. Sprache ist „immer Teil, ja Ausdruck der Kultur“ (Bausch, Christ, Krumm 1994: 9). Das heißt, dass „die Sprache im wesentlichen in der Realität der Kultur verwurzelt ist“ (House 1996: 1). So hat Sprache u.a. die elementare Funktion vom Verständigen über das Kennenlernen bis hin zum Verstehen fremder Völker und Kulturen. Aber schon der Begriff der Kultur, mit seinen Unterkategorien multikulturell und interkulturell scheint schwierig fassbar zu sein. So wird sich die Arbeit im ersten Teil dieser drei Termini widmen. Auch der Begriff des Lernens kann aus verschiedensten Gesichtspunkten verstanden werden. In der vorliegenden Arbeit soll er sich vorrangig dem des interkulturellen Handels zuwenden und kurz skizziert werden. Anschließend soll eine Zusammenführung der erläuterten Begrifflichkeiten stattfinden, indem auf das interkulturelle Lernen näher eingegangen wird. Da es verschiedenste Stellungnahmen zum Begriff des interkulturellen Lernens gibt werden zwei herausgegriffen und dargelegt. Eine mögliche Herangehensweise an das multikulturelle Spannungsfeld soll im Abschnitt zur interkulturellen Hermeneutik exemplarisch vorgestellt werden. Im Anschluss soll der Bedarf des kulturell interagierenden Lernens am Beispiel Namibias näher verdeutlicht werden. Um hierfür einen Rahmen zu geben wird kurz die sprachliche Situation des Landes aufgezeigt. Aus diesem situativen Ansatz heraus soll verdeutlicht werden, welches die Grundlagen für ein Bedürfnis nach interkulturellem Lernen in Namibia sind. Da hierbei nicht auf alle gelehrten Sprachen eingegangen werden kann konzentriert sich dieser Teil der Arbeit auf den Deutsch Unterricht des Landes, sowohl historisch, als auch aktuell. Abschließend wird versucht einen Ausblick zu skizzieren, sowohl für Namibia, wie auch für das interkulturelle Lernen im Allgemeinen, hierbei wird auf Schlussfolgerungen und weiterführende Fragestellungen zum interkulturellen Lernen eingegangen. Grundliegendes Ziel dieser Arbeit soll es sein, Motive für den eventuellen Bedarf des interkulturellen Lernens in unserer heutigen Gesellschaft aufzuzeigen und damit einhergehende Ziele zu beleuchten.

2. Der Begriff ‚Kultur‘ im Diskurs

Über Jahrhunderte hinweg wurde der Begriff Kultur definiert, eingegrenzt, erweitert, in verschiedene Stufen eingeteilt und wieder neu betrachtet. So scheint es, dass der Terminus Kultur ebenso wandelbar ist, wie die Gesellschaft die ihn lebt. Eine allgemeingültige Definition ist daher schwer fassbar. Und doch lässt sich festhalten, wenn man Hofstede (vgl. 1991: 46) folgt, dass Kultur einen Zwischenbereich zwischen der ererbten universellen Natur aller Menschen einerseits und den spezifischen persönlichen Charakteristika des Einzelnen andererseits darstellt. Dies würde bedeuten, dass es sowohl einheitlich, vergleichsweise übereinstimmende Faktoren gibt, die in den Kulturbegriff mit einfließen, so z.B. Rituale, Helden und Symbole. Als auch individuelle Faktoren, die eine allgemeingültige Definition nicht zulassen, so gilt:

„Für das handelnde Individuum erhält ‚Kultur‘ […] die Bedeutung eines sozialen Ordnungsgefüges, das Regeln zur Strukturierung der Umwelt festlegt, die dann in subjektive Handlungsziele und –strukturen umgesetzt werden.“ (Sternecker/Treuheit 1994: 33; Hervorhebung im Original)

Aus diesen Annahmen schließend kann man davon ausgehen, dass selbst innerhalb eines Kulturraumes die unterschiedlichsten Einstellungen und Deutungsmuster existieren, was sich durch unterschiedliche Konnotation oder Interpretation zeigen kann. Wenn nun aber aus einem anderen Kulturraum Individuen hinzu kommen, die ihrerseits persönliche Ansichten und Auffassungen zu Eigen haben fragt sich, wie ein kommunikatives und zwischenmenschliches Handeln ohne, oder zumindest mit wenigen, eklatanten Unstimmigkeiten bestehen kann. Hierbei stellt sich die Frage, ob die einzelnen Kulturen gegeneinander verschlossen sind, also aufeinanderprallen und im schlimmsten Fall auch wieder voneinander abprallen, oder ob sie ineinander greifen, was in diesem Fall bedeuten soll, dass sie eine vielfältige Interaktion eingehen (vgl. Holzbrecher 2004: 53). Um das zu Letzt genannte zu fördern haben sich in den letzten Jahrzehnten mehrere Disziplinen, u.a. die Fremdsprachenvermittlung, intensiv mit dem Spannungsverhältnis der kulturellen Vielfalt auseinander gesetzt.

multikulturell und interkulturell – eine Begriffsannäherung

Auf Grund der sich verstärkenden Globalisierung der letzten Jahrzehnte und der damit einhergehenden Ab- und Zuwanderung individuellster Personen in die unterschiedlichsten Länder war eine Situation entstanden, dessen Folge ein Aufeinandertreffen der vielfältigsten Kulturen war. In dieser „zunehmend globalisierten Welt gehört die Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen zu einem der wichtigsten sozialen, politischen und wirtschaftlichen Aufgabenbereiche“ (Roche 2001: 3). Ein multikulturelles Miteinander entsteht. Mit dieser Entwicklung stieg der Bedarf die ‚interkulturellen Kompetenzen‘ auszubauen. Dem Vorläufer des interkulturellen Lernens, der erstmals von Hymes (1972) als grammatisches, psycholinguistisches, soziokulturelles und praktisches Wissen eines Sprechers und Lerners definiert wurde, dem dann eine dementsprechende Gebrauchsfähigkeit folgt (vgl. House 1996: 2). Doch auch dies unterlag einem Prozess. So entwickelte sich, z.B. in der deutschen Pädagogik der Nachkriegszeit, als Reaktion auf die Entwicklung, dass Deutschland mehr und mehr ein Einwanderungsland wurde, die ‚Ausländerpädagogik‘. Als Grundlage für diese Pädagogik wurde eine Defizithypothese angenommen. So wurden ausländische Kinder mit geringeren sprachlichen Kenntnissen der deutschen Sprache als minderwertig eingestuft. Da sich dies im Laufe der Zeit als nicht zutreffend herausstellte, wurde der Begriff der ‚Ausländerpädagogik‘ durch den Begriff der ‚interkulturellen Pädagogik‘ ersetzt (vgl. Zappen-Thompson 2000: 23). Demgemäß wurde früh klar, wie elementar die Sprachkompetenz für ein produktives zwischenmenschliches, ja multikulturelles Handeln ist.

Boeckmann (vgl. 2006: 1) geht sogar soweit, dass er Knapp-Potthoffs (1997) These folgt, die Interkulturalität als Konzeption von Kulturen als Kommunikationsgemeinschaft ansieht. So sagt er, dass eine interkulturelle Situation dann vorliegt, wenn Kontakte zwischen Kommunikationsgemeinschaften verschiedener Sprachen bestehen. Wobei er auch zu bedenken gibt, dass der „Kontakt zwischen einer Friesin und einem Niederländer oder einem Deutschen und einer Kurdin […] nach dieser Bestimmung interkulturell [wäre], nicht aber der Kontakt zwischen einem Wiener und einer Sächsin – wobei [ihm] bewusst ist, dass es sich dabei um eine starke Einschränkung handelt und das es gute Argumente gäbe, auch das letzt genannte Beispiel als interkulturell einzustufen“ (vgl. Boeckmann 2006: 1).

Zusammenfassend kann gesagt werden:

Multi kulturell ist ein Begriff, mit dem eine unter Globalisierungsbedingungen sich entwickelnde Gesellschaft zu beschreiben versucht wird. Inter kulturell sind die pädagogischen Bemühungen, auf diese Realität zu reagieren und Antworten auf die gesellschaftlichen Herausforderungen zu finden.“ (Holzbrecher 2004: 87; Hervorhebung im Original)

Diesem Gedanken folgend wird deutlich, wie einflussreich eine interkulturelle Erziehung für eine weiterführende Globalisierung und Verständigung ist. Da der Prozess der Globalisierung schon in vollem Gange ist, ist nach Roth (2002: 88) die Ausbildung der interkulturellen Erziehung eine Antwort auf die Realität der multikulturellen Gesellschaft. Ebenso sieht er in dieser Erziehung einen Beitrag zur Friedenserziehung und Konfliktlösung. Diese Pädagogik soll „Kinder, Jugendliche und Erwachsene […] aus ihrer Biographie heraus“ (Roth 2002: 89) begreifen. Frei nach Montessori heißt dies, den Menschen dort abholen wo er steht (siehe auch Punkt 4.1). Seine Bedürfnisse nicht einschränken, nicht verurteilen, sondern den Versuch zu machen sich ihnen zu öffnen. Das heißt interkulturell tätig sein in einer multikulturellen Gesellschaft.

3. Der Begriff ‚Lernen‘ im Diskurs von kultureller Vielfalt

So vielfältig der Begriff Kultur zu erklären ist, annähernd so vielfältig kann auch der Begriff des Lernens gesehen werden. Er kann nach Bleyhl (1994: 12) aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet werden, so z.B. „unter dem der Fachdidaktik, dem der Spracherwerbsforschung, dem der Neurobiologie, dem der Erkenntnistheorie oder dem der empirischen Unterrichtsforschung.“

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640526970
ISBN (Buch)
9783640527113
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143386
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Herder Institut
Note
1,3
Schlagworte
Interkulturelles Lernen Motive Ziele Perspektive Fremdsprachenunterrichts Erläuterung Sprache Deutsch Namibia

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Interkulturelles Lernen