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Motivation - Motivationale Effekte eines (Personal-)Coaching Seminars

Gibt es Veränderungen bei den Teilnehmern im Bereich der Anschluss-, Leistungs- und Machtmotivation und können mithilfe einer impliziten Motivationsdiagnostik auch Unterschiede zwischen den Gruppen erfasst werden?

Masterarbeit 2009 212 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Stand der Forschung

3. Theoretische Hintergründe und Hypothesen
3.1 Motivation
3.1.1 Verschiedene Theorien und Ansätze
3.1.1.1 Ansätze der Motivationsforschung
3.1.1.2 Intrinsische und extrinsische Motivation
3.1.1.3 Motivationstheorien und Motivationsmodelle
3.1.1.4 Definition von Motivation
3.1.2 Anschluss-, Leistungs- und Machtmotiv
3.1.2.1 Anschlussmotiv
3.1.2.2 Leistungsmotiv
3.1.2.3 Machtmotiv
3.2 PSI-Theorie & Persönlichkeit
3.2.1 PSI-Theorie (Persönlichkeits-System-Interaktionen)
3.2.1.1 Systemebenen in den Persönlichkeitstheorien
3.2.1.2 Die Theorie der willentlichen Handlungssteuerung (Makrosysteme)
3.2.1.3 Modulationsannahmen
3.2.2 Persönlichkeit
3.2.2.1 Persönlichkeit gemäß der PSI-Theorie (STAR-Modell)
3.2.2.2 Persönlichkeitsstile & Persönlichkeitsstörungen
3.3 Personal Coaching
3.3.1 Definition, Methoden und Modelle des Personal Coachings
3.3.1.1 Begriffsklärung und Definition
3.3.1.2 Theoretische Ansätze & Modelle
3.3.2 Seminar „Führungskräftecoaching“ von Jörg Zeyringer
3.4 Hypothesen
3.4.1 Anschlussmotiv
3.4.2 Leistungsmotiv
3.4.3 Machtmotiv
3.4.4 Weitere Befunde

4. Empirischer Teil
4.1 Methode
4.1.1 Untersuchungsdesign
4.1.1.1 Untersuchungsdesign
4.1.1.2 Stichprobenkonstruktion
4.1.2 Messinstrument
4.1.2.1 Der Bindungstyp
4.1.2.2 Der Leistungstyp
4.1.2.3 Der Machttyp
4.1.3 Gütekriterien des OMT
4.2 Untersuchung
4.2.1 Untersuchungsdurchführung
4.2.2 Auswertungsverfahren und statistische Analysemethoden

5. Ergebnisse
5.1 Einhaltung der Gütekriterien
5.1.1 Objektivität
5.1.2 Reliabilität und Validität
5.2 Ergebnisse zu den einzelnen Fragestellungen und Hypothesen
5.2.1 Hypothesentests zur Anschlussmotivation
5.2.1.1 Begegnung A1
5.2.1.2 Geselligkeit A2
5.2.1.3 Umgang mit Zurückweisung A3
5.2.1.4 Vertrautheit A4
5.2.1.5 Abhängigkeit A5
5.2.1.6 Hypothese Anschluss
5.2.2 Hypothesentests zur Leistungsmotivation
5.2.2.1 Flow L1
5.2.2.2 Innerer Gütemaßstab L2
5.2.2.3 Misserfolgsbewältigung L3
5.2.2.4 Druck L4
5.2.2.5 Misserfolgsfurcht L5
5.2.2.6 Hypothese Leistung
5.2.3 Hypothesentests zur Machtmotivation
5.2.3.1 Führung M1
5.2.3.2 Status M2
5.2.3.3 Selbstbehauptung M3
5.2.3.4 Direktion M4
5.2.3.5 Ohnmacht M5
5.2.3.6 Hypothese Macht
5.3 Weitere Befunde
5.3.1.1 Hypothese „0“

6. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse

7. Resümee und Ausblick

8. Literatur- und Quellenverzeichnis

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Motivation und Persönlichkeit. Die PSI-Theorie von Kuhl ist dabei die theoretische Grundlage. Motivationale Effekte auf die Teilnehmer eines (Personal-)Coaching Seminares sollen mit Hilfe des OMT herausgefunden werden.

Schlüsselbegriffe: Motivation, Persönlichkeit, OMT (operanter Motiv Test), PSI (Persönlichkeits-System-Interaktion)…

Abstract

The master thesis engages with motivation and personality. The PSI-Theory from Kuhl is the theoretical basic. Motivational effects on the attendants of a (personal-)coaching course should be found out by the OMT test.

Keywords: motivation, personality, OMT, PSI, …

Zur besseren Lesbarkeit ist in dieser Arbeit auf die weiblichen Formulierungen verzichtet worden.

1. Einleitung

McClelland (1978) ist aufgrund seiner Beobachtungen von charismatischen Führungskräften, der Ansicht, dass folgende Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Führung relevant sind. Erstens muss die Führungskraft den Mitarbeitern Ziele vor Augen führen, die sie für erstrebenswert hält. Diese müssen verständlich und überzeugend definiert werden, sowie die Mitarbeiter darin bestärkt, sich für diese Ziele entsprechend einzusetzen. Zweitens muss die Führungskraft dafür sorgen, dass die notwendigen Mittel vorhanden sind, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Und drittens muss eine Führungskraft Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter setzten. „Dabei geht McClelland nicht von dem geborenen Führenden aus, sondern er ist von der leichten Veränderbarkeit menschlicher Verhaltensgewohnheiten überzeugt.“ (McClelland 1978, zitiert nach Oechsler, 2006, S. 344).

McClelland ist der festen Meinung, dass menschliches Verhalten modulierbar ist. Diese Arbeit stellt einen Versuch dar, seine Aussage zu überprüfen.

Dabei wird zunächst der Stand der Forschung genau abgeklärt. Relevant ist, welche Entwicklung die Forschung durchgemacht hat, welche Wissenschaften sich mit dem Themengebiet beschäftigen und wo der aktuelle Stand anzusiedeln ist. Diesbezügliche Informationen sind wichtig, um die Denkweisen und Hintergründe zu verstehen.

Im nachfolgenden Kapitel werden dann die theoretischen Hintergründe tiefgründiger herausgearbeitet. Der Begriff „Motivation“ steht zu Beginn des Kapitels im Fokus. Aus den verschiedenen Theorien und Definitionen werden das Anschluss-, Leistungs- und Machtmotiv abgeleitet. Anschließend wird die „PSI-Theorie“ (Persönlichkeits-System-Interaktion) erläutert, welche die theoretische Grundlage für den im empirischen Teil verwendeten Motivationstest ist. Welche Auswirkungen verschieden starke Ausprägungen der Grundmotive auf den jeweiligen Persönlichkeitsstil haben, wird als nächstes spezifiziert. Zuletzt wird der Begriff „Personal Coaching“ definiert und theoretische Ansätze und Modelle genannt, die dabei Verwendung finden. Das Seminar „Führungskräftecoaching“ von Herrn Dr. Jörg Zeyringer findet in diesem Zusammenhang besondere Beachtung. Aufgrund der Theorien werden Hypothesen erstellt, welche Voraussetzung für den empirischen Teil der Arbeit sind. Die verwendete Methode und die Untersuchung werden hier detailliert geschildert. Welche Befunde dabei bei den einzelnen Fragestellungen erzielt wurden und welche Bedeutung diese haben, wird im Kapitel Ergebnisse ausgeführt. Diese werden im nachfolgenden Abschnitt interpretiert und diskutiert. Abgerundet wird die Arbeit mit einem Resümee und einem Ausblick für weitere Forschungsarbeiten. Ein zugrunde liegendes Ziel ist es, wissenschaftlich nachzuweisen, ob eine „Veränderbarkeit“ – wie sie beispielsweise McClelland beschreibt – tatsächlich möglich ist.

2. Stand der Forschung

In diesem Abschnitt soll der aktuelle Stand der Forschung abgeklärt werden. Bezüglich der Überlegungen und Nachforschungen zum aktuellen Forschungsstand bin ich über folgenden Artikel gestoßen:

Böring, Fritschle und Rexer (2005) zitieren in ihrem Buch einen Klassiker der Science-Fiction-Literatur, „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Adams (1984). In diesem Roman wird ein Computer namens Deep Thought damit beauftragt, die Antwort auf die Frage aller Fragen, „die Antwort auf das Leben, auf das Universum, auf Alles zu errechnen. Nach 7,5 Millionen Jahren gab Deep Thought die Antwort ,Zweiundvierzig´ sowie den Rat, die eigentliche Frage überhaupt erst zu formulieren. ,I think the problem, to be quite honest with you, is that you´ve never actually known what the question is.“ (Böring, Fritschle & Rexer, 2005, S. 269).

Diese Geschichte kann und soll zum Nachdenken anregen. Beispielsweise könnte man daraus die Lehre ziehen, dass die Antwort auf entsprechende Fragen existiert, es aber manchmal eine Weile dauern kann, bis man diese erkennt. Auf wissenschaftlicher Ebene ausgedrückt, müssen erst entsprechende Messmethoden existieren, um auf gestellte Fragen fundierte Antworten geben zu können. Oder aber muss man letztendlich feststellen, dass schlichtweg die falsche(n) Frage(n) gestellt wurden. Außerdem ist es oftmals der Fall, dass statistische Berechnungen durchgeführt werden, welche auch ansehnliche Resultate erzielen. Sind diese aber nicht theoretisch fundiert, ergeben die Zahlenwerte keinen Sinn und müssen als nichtig angesehen werden.

Damit ein solcher Fauxpas nicht eintritt, wurde der theoretische Hintergrund mit Bedacht gewählt und gleichzeitig mit dem aktuellen Forschungsstand kombiniert. Die Hauptfrage dieser Arbeit lautet „Gibt es motivationale Effekte nach der PSI-Theorie eines (Personal-)Coaching Seminares auf dessen Teilnehmer?“. Detailierter formuliert: „Gibt es Veränderungen bei den einzelnen Teilnehmern im Bereich der Anschluss-, Leistungs- und Machtmotivation und können mithilfe des OMT auch Unterschiede zwischen den Gruppen aufgedeckt werden?“.

In diesem Zusammenhang möchte ich einen kurzen Exkurs in die Homöopathie wagen. Die Homöopathie ist eine „eher ältere Wissenschaft“ und beruht hauptsächlich auf Erfahrung und Beobachtung. Die Wirkstoffe sind in so geringen Potenzen in den einzelnen „Globuli“ vorhanden, dass sich dies oftmals der Vorstellungskraft entzieht. Beispielsweise kann man sich das Mengenverhältnis zwischen einem hochpotenzierten Wirkstoff und dem Trägerstoff (meistens Alkohol oder Zucker) so vorstellen, als würde man einen Würfelzucker (Wirkstoff) in den Ozean (Trägerstoff) werfen. Schulmedizinisch betrachtet ist eine Wirkung unmöglich. Trotzdem erzielen Heilpraktiker und Homöopathen beachtliche Erfolge. Dies scheint unglaubwürdig und daher versuchen Schulmediziner mithilfe ihrer Messmethoden, die unter anderem an eine bestimmte Denkschule gebunden sind, Wirkungen und Wirkungsweisen zu messen. Dies ist aber meist „zum Scheitern verurteilt“ und die Resultate sind oftmals niederschmetternd. Was ich damit verdeutlichen will, ist dass u.a. falsche Denkweisen angewandt werden bzw., dass es noch keine geeigneten Messmethoden gibt, welche die Wirkung der Homöopathie wissenschaftlich bestätigen könn(t)en.

Vor diesem Problem steht die Forschung beinahe täglich. Daher wird im Verlauf des nachfolgenden Kapitels aufgezeigt, wie sich die Forschung und die damit einhergehenden Methoden ständig weiterentwickelt haben. Von anfänglichen Gedankenmodellen, die erklären sollen, warum und aus welchen Beweggründen Menschen überhaupt handeln, haben sich beispielsweise die intrinsische und extrinsische Motivation und deren Messmethoden abgeleitet. Im Laufe der Zeit setzten sich Wissenschaftler verschiedener Bereiche mit dieser Thematik auseinander und entwickelten unterschiedliche Gedankenmodelle, Prinzipien und Überprüfungstechniken. Viele davon haben Einzug in den Alltag gefunden (z.B. Konditionierung) und werden stets an die heutige Zeit und deren Bedingungen angepasst.

Außerdem möchte ich zum Thema „Forschungsstand“ anmerken, dass durch die Globalisierung eine immer bessere Vernetzung zwischen Forschern und unterschiedlichen Forschungsbereichen feststellbar ist. Dazu möchte ich das Human Genome Project (HGP) als Beispiel anführen, welches Anfang der Neunzigerjahre mit dem Ziel gegründet wurde, das Genom des Menschen vollständig zu entschlüsseln. An diesem einzigartigen Projekt nahmen über 1.000 Wissenschaftler aus aller Welt teil und hatten das Ziel, bis zum Jahr 2010 die Abfolge der Basenpaare in der menschlichen DNA auf ihren einzelnen Chromosomen durch Sequenzieren zu identifizieren. Aufgrund einer erfolgreichen Zusammenarbeit und dem einhergehenden technischen Fortschritt ist es den Wissenschaftlern gelungen, in kürzerer Zeit als vorgesehen (bis 2003), den menschlichen DNA-Code zu entziffern. An diesem Punkt möchte ich gerne ein Zitat aus der Rede von Präsident Clinton anführen, welche er im Juni 2000 bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus bezüglich des Human Genome Projects gehalten hat.

“Nearly two centuries ago, in this room, on this floor, Thomas Jefferson and a trusted aide spread out a magnificent map, a map Jefferson had long prayed he would get to see in his lifetime. The aide was Meriwether Lewis and the map was the product of his courageous expedition across the American frontier, all the way to the Pacific. It was a map that defined the contours and forever expanded the frontiers of our continent and our imagination.

Today the world is joining us here in the East Room to behold the map of even greater significance. We are here to celebrate the completion of the first survey of the entire human genome. Without a doubt, this is the most important, most wondrous map ever produced by humankind.” (Standford Encyclopedia of Philosophy, 2008)

Ich finde, dass diese Rede eindrucksvoll zeigt, wie sich die Forschung weiterentwickelt hat und welch unendliche Weiten beschritten werden können. Zusätzlich muss darauf hingewiesen werden, dass die Globalisierung einige Herausforderungen birgt, denen sich die Wissenschaft stellen muss. Schließlich rücken nationalstaatliche Räume enger zusammen, zuvor getrennte Bereiche verschmelzen und neue Kommunikationstechniken lassen zeitliche und räumliche Distanzen schrumpfen. Diese Veränderungen haben u.a. einen direkten Einfluss auf nationale Publikationsorgane. Wissenschaftler kritisieren, dass nur einige wenige Zentren der Forschung den Gang der Wissenschaft bestimmen, was beispielsweise zu Verteilungskämpfen führen kann. Bogdandy (2004) beschreit dies folgendermaßen: „Die Entgrenzung von Räumen und die Bildung von neuen Räumen erfolgt zumeist nach den Regeln des stärksten Systems“ (Bogdandy, 2004, S. 16). Für einige Wissenschaftsbereiche (z.B. Technik, Naturwissenschaften), wie am Beispiel des Human Genome Projects gezeigt werden sollte, ist die Globalisierung ein Segen. Trotzdem muss kritisch angemerkt werden, dass die Globalisierung im Gegenzug auch ideologisierend und verengend wirken kann. Geisteswissenschaften zeichnen sich vor allem „dadurch aus, dass ihr Gegenstand allein in der Sprache liegt“ (Bogdandy, 2004, S. 17). Sie bilden ein Medium, in dem sich eine Gesellschaft spiegelt, erklärt und ausrichtet, was nur in der Muttersprache möglich ist, da dabei generativ mit der Sprache umgegangen wird. Die Prämisse der grundsätzlichen Übersetzbarkeit aller Sprachen in alle Richtungen gilt somit nicht für die Geisteswissenschaften. „Daher lassen sie sich in einem transnationalen Wissenschaftsraum und in einer anderen Sprache nur mit großen Einschränkungen entsprechend ihres bisherigen Entwicklungspfads fortführen.“ (Bogdandy, 2004, S. 17). Problematisch ist hierbei, dass sich der europäische Wissenschaftsraum nach den Regeln der angelsächsischen Wissenschaftswelt formt, wobei die oberste Regel lautet, dass Englisch die maßgebliche Sprache ist. Es tritt somit das Phänomen der „Lingua Franca“ auf, eine Art Verkehrssprache, welche zwischen zwei Sprechern verschiedener Sprachgemeinschaften verwendet wird. Aufgrund sekundärsprachlicher Verwendungen unterliegt sie einer gewissen Veränderung und Vereinfachung. Abschließend soll festgehalten werden, dass „insbesondere die nationalen Geisteswissenschaften als Ausdruck und Reflexionsform nationaler Kultur ernst zu nehmen und zu bewahren“ sind, sie jedoch in einen transnationalen Raum übertragen werden sollten, so dass „interkulturelles Lernen zwischen den Nationalkulturen“ ermöglicht wird (Bogdandy, 2004, S. 16).

Es stellt sich die Frage, ob die aktuellen Forschungen zum Thema „Motivation“ noch zeitnahe sind und den heutigen veränderten Lebensweltbedingungen entsprechen. Versucht man den gegenwärtigen Forschungsstand zur Motivationspsychologie zu sichten, entdeckt man vornehmlich Ansätze, die sich u.a. schwerpunktmäßig auf die biologischen Funktionen konzentrieren und meist dazu neigen, die Motivation in erster Linie auf den Zusammenhang mit körperlichen Bedürfnissen zu beschränken. Andere Forscher sind wiederum der Überzeugung, dass innere Gefühle und emotionale Entscheidungen motivierend wirken. Aber auch die Annahme, dass ein Mensch ein soziales Wesen ist und daher die Motivation aus den sozialen Beziehungen abgeleitet werden kann, stellt eine Forschungsgrundlage dar (vgl. Dieterich, 1997, S. 36). Zusammenfassend kann man davon ausgehen, dass Motivation, gemäß dieses ersten Einblicks, einen biologischen, persönlichkeitsbezogenen oder sozial orientierten Hintergrund besitzt. Dieterich konstatiert: „Wenn auch die Hintergründe und Entstehungsursachen der Motivation verschiedenartig sein können, so zeigen sich doch im praktischen Vollzug zwei gemeinsame Merkmale. Das erste besagt, daß Motivation das Verhalten beeinflusst und lenkt […]. Der zweite, für die Motivation charakteristische Faktor ist, daß sie ein zielbewußtes Verhalten beschreibt.“ (Dieterich, 1997, S. 36f).

Die heutzutage aktuellste Methode zur Messung der Motivation, ist der OMT (operanter Motiv Test), ein bereits sehr ausgeklügeltes Messinstrument, um tiefenpsychologisch die Grundmotivation zu erforschen. Dieser Test wurde anhand der PSI-Theorie von Kuhl entwickelt, welche als (vorläufig) aktuellste Forschung im Bezug auf Motivation angesehen werden kann. Um zu verstehen, aus welchen Theorien Kuhl seine PSI-Theorie konzipiert hat, werden Vorläufertheorien genannt. Letztendlich werden diese aber in „historische Schranken“ verwiesen. Trotz einer hohen Aktualität weist der besagte Test Potenzial zur Weiterentwicklung auf. Denn aufgrund meiner Forschungsarbeit kritisiere ich, dass es keinen spezifischen Test für Führungskräfte gibt, mit dem man die speziellen Eigenschaften bzw. Motivkonstellationen dieser Berufsgruppe aussagekräftiger abbilden kann. In diese Richtung könnte beispielsweise weitergeforscht werden.

Betrachtet man die Motivation in der Arbeitswelt, stellt sich immer wieder die Frage, nach welchen Bedürfnissen bzw. nach welchem Motivationsanreiz Menschen arbeiten und wie man bestmöglich mit den einzelnen Persönlichkeitstypen „umgeht“. Die Psychologie setzte sich bereits sehr früh mit diesem Forschungsgebiet auseinander, wohingegen sich die sogenannte Organisationswissenschaft, ausgelöst durch die „Hawthorne-Studien“, erst seit kurzem damit befasst. In der neueren Motivationsforschung versucht man die Motivation aus der Ablaufeinheit des Verhaltens herauszulösen, mit dem Ziel, einheitliche Strukturmerkmale der Motivation herauszufiltern (vgl. Hoffmann, 1980, S. 509f).

Abschließend möchte ich festhalten, dass die Motivationsforschung ein äußerst spannendes Forschungsgebiet ist, viele verschiedene Wissenschaftsbereiche (z.B. Biologie, Psychologie, Pädagogik) zur Weiterentwicklung beitragen und die gewonnenen Erkenntnisse für die unterschiedlichsten Lebenswelten (z.B. Sport, Beruf, Lernen) eingesetzt werden können.

3. Theoretische Hintergründe und Hypothesen

Als Erstes wird das Thema „Motivation“ erörtert bzw. ein allgemeiner Überblick geliefert, bevor im weitern Verlauf die verschiedenen Ansätze und Theorien behandelt werden. Dabei gehe ich zunächst auf die Ansätze der Motivationsforschung ein, wie z.B. den kognitiven Ansatz, der grob umrissen und am Ende des Abschnittes tabellarisch zusammenfasst wird. Anschließend wird der Unterschied zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation dargestellt. Motivationstheorien bzw. Motivationsmodelle werden entweder den Inhalts- oder Prozessmodellen zugeteilt. Der Begriff „Motivation“ wird aufgrund der erläuterten Theorien, Ansätze und Modelle definiert. Abschließend beschäftige ich mich mit dem Anschluss-, Leistungs- und Machtmotiv.

Der zweite große theoretische Teil beschäftigt sich mit der Persönlichkeit und der PSI-Theorie nach Kuhl. Die Systemebenen der PSI-Theorie werden herausgearbeitet, die Makrosysteme beschrieben und die sieben Modulationsannahmen genannt. Das Thema „Persönlichkeit“ wird zuerst anhand der PSI-Theorie erörtert und die daraus ableitbaren Stile und Störungen kurz beschrieben.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit dem Thema (Personal-)Coaching und soll einen Einblick in die Arbeitsweisen und Methoden der Coaches ermöglichen. Das Seminar bzw. die Inhalte des Seminars von Herrn Dr. Zeyringer werden kurz tabellarisch aufgeführt.

Zuletzt werden aufgrund der theoretischen Abhandlungen die Hypothesen erstellt.

Motivation soll insbesondere im Hinblick auf Führungskräfte- und Mitarbeitermotivation diskutiert werden. Dabei sollen theoretische Ansätze aufgegriffen, Motivationstechniken angesprochen und mögliche Auswirkungen des Coachings zusammengestellt werden.

3.1 Motivation

In der Alltagssprache wird Motivation hauptsächlich im Zusammenhang mit schulischer Leistung oder Berufstätigkeit verwendet; meistens dann, wenn hohe Bereitschaft zur Leistungserbringung im Sinne eines Nutzungsbegriffes vorliegt, welcher oftmals auf wirtschaftlichen Interessen gegründet ist (vgl. Stangl, 1997). Im nachfolgenden Abschnitt soll geklärt werden, wie die Begriffe „Motiv“ bzw. „Motivation“ in der Wissenschaft verstanden wird, welche verschiedenen Ansätze und daraus entstandene Modelle es gibt und wie man „Motivation“ definieren könnte.

3.1.1 Verschiedene Theorien und Ansätze

Motivation ist Forschungsbestandteil vieler Wissenschaften, d.h. seit geraumer Zeit haben auch Naturwissenschaften, wie z.B. die Neurologie, Interesse an diesem Forschungsgebiet gefunden und versuchen ebenfalls diese komplexe Thematik zu erkunden. Der nachfolgende Abschnitt soll einen groben Überblick über die verschiedenen (historischen) Ansätze liefern. Im folgenden Abschnitt soll intrinsische versus extrinsische Motivation erörtert werden. Anschließend werden interessante Ansätze herausgearbeitet, aus denen Wissenschaftler verschiedene Theorien und Modelle entwickelt haben. Schließlich benötigt man hypothetische Konstrukte und entsprechende Testverfahren, da Verhalten oftmals nicht unmittelbar beobachtet werden kann. Ein Beispiel hierfür ist die Verhaltenshemmung. Abschließend werden die Begriffe „Motiv“, „Motivation“ und „Volition“ definiert. Motivation – besonders die der Arbeitsweilt – ist die Grundlage meiner Arbeit und deshalb behandle ich diese Thematik auch so ausführlich.

3.1.1.1 Ansätze der Motivationsforschung

Dieses Unterkapitel stellt eine knappe Auswahl verschiedener Ansätze der Motivationsforschung dar und versucht jene Punkte herauszuarbeiten, die für die vorliegende Arbeit relevant sind. Abschließend werden die beschriebenen Ansätze mit ihren Hauptaussagen und den relevanten Aspekten tabellarisch zusammengefasst.

Der instinkttheoretische und ethologische Ansatz wurde bereits von Autoren wie Aristoteles und Descartes geprägt, bevor er von der Psychologie aufgegriffen wurde. Man geht davon aus, „dass ein Lebewesen angeborene Verhaltensmuster hat“ (Bernard, 2006, S. 106), welche auf angeborene Instinkte zurückgehen und eine energetisierende und steuernde Funktion haben. Zudem enthalten sie „in einer geordneten Abfolge prädisponierende Prozesse der kognitiven, affektiven und motorischen Ebene“ (Bernard, 2006, S. 106f). Umstritten ist, wie weit diese für das Tierreich gut gesicherten Begriffe und Regeln auch auf menschliches Verhalten angewandt werden können. Für die Humanmotivationsforschung können nur Extremsituationen (z.B. Flucht-, Kampf- und Sexualverhalten) mit diesem Ansatz erklärt werden. Beim Menschen spielt primär die individuelle Lerngeschichte, welche vor allem durch den sozialen und kulturellen Kontext geprägt ist bzw. wird, eine wesentliche Rolle.

Lorenz hat diese Idee weiter verfolgt und den Instinkt in ein Appetenzverhalten und eine Endhandlung untergliedert. Er war überzeugt, dass das Appetenzverhalten noch modifizierbar und stark an Emotionen gekoppelt ist. Eine Endhandlung hingegen läuft nach Lorenz stereotyp ab. Eine Instinkthandlung kann nur ausgelöst werden, wenn sowohl eine innere Bereitschaft als auch ein äußerer Reiz gegeben sind, die eine entsprechende Handlung auslösen können. Lorenz bezeichnete dies als angeborenen Auslösemechanismus (AAM).

Die Regelmäßigkeit, mit der Schlüsselreize Verhalten auslösen, läßt [sic.] auf einen eigenen sensorisch-nervösen Mechanismus (angeborener Auslösemechanismus) schließen. Je stärker (näher, deutlicher) die Schlüsselreize, desto besser reagiert der angeborene Auslösemechanismus. Innere Reize, Triebe, Stimmungen erhöhen die Reaktionsbereitschaft. Daher wirken meist innere Reize bei der Auslösung von Verhalten zusammen (Reizsummenregel)

(Schönpflug, 2004, S. 330).

Ich möchte an dieser Stelle noch kurz den EAAM erwähnen, der ein durch Erfahrung geänderter AAM ist. Dies bekräftigt die Annahme, dass Verhalten beeinflussbar ist und verändert werden kann.

Untersuchungsmethoden zu diesem Ansatz sind meist Schlüsselreizversuche, die Erfolge in der Tierwelt versprechen – nicht aber zwingend auf den Menschen bzw. menschliches Verhalten übertragen werden können. Es muss außerdem kritisiert werden, dass sie die Wirklichkeit und Komplexität nur schlecht abbilden bzw. wiedergeben.

Ein weiterer Ansatz entstammt der Evolutionstheorie von Darwin. Dieser evolutionsbiologische und sozialbiologische Ansatz beschäftigt sich mit der „Frage nach der Funktion und dem Anpassungswert eines Verhaltenssystems an seine Umwelt“ (Bernard, 2006, S. 107). Darwin vertrat die Meinung, dass „sich der Instinkt genauso evolutionär entwickelt, wie körperliche Merkmale“ (Stangl, 1997). Anhänger dieser Richtung haben es sich zur Aufgabe gemacht menschliches Sozialverhalten unter dem Blickwinkel seiner Funktionalität zu analysieren. Eine Entscheidung für ein bestimmtes Verhalten wird mittels Kosten-Nutzen-Relation erklärt. Diesbezüglich muss Kritik geübt werden, denn es wird nicht näher darauf eingegangen, auf welche Art und Weise solche Entscheidungen (tatsächlich) gefällt werden (vgl. Bernard, 2006, S. 107).

Freud beschreibt in seinem psychoanalytischen Ansatz die Triebbefriedigung als Aufhebung eines inneren Zustandes, welcher mit einem positiven Affektzustand verbunden ist.

Sigmund Freud hat die Motivationsforschung während vieler Jahrzehnte nachhaltig geprägt. Freuds Schriften – insbesondere sein 1915 erschienener Aufsatz „Triebe und Triebschicksale“ lieferten eine theoretische Konzeption für menschliche Motivation. Freud ging von einem Triebkonzept aus, das sowohl eine psychische als auch eine körperliche Seite hatte. Ziel des Triebes und damit auch des durch den Trieb motivierten Verhaltens ist es, einen inneren Reizzustand aufzuheben. Diese Triebbefriedigung ist in der Regel mit einem positiven Affektzustand verbunden. Die Aussicht auf Befriedigung stellt folglich ein Anreiz dar. Die Aktualität von Freuds Schriften für die Motivationsforschung wird weiter in der Freudschen Annahme deutlich, dass viele Motivationsverläufe sich dem Bewusstsein der Person entziehen und unbewusst geschehen (Bernard, 2006, S. 107f).

Wichtig für diese Arbeit ist die Annahme, dass Motivationsverläufe sich dem Bewusstsein der Person entziehen.

Hieraus kann der erste Hinweis entnommen werden, dass sich Motivation und Verhalten dem Bewusstsein entziehen. Demzufolge müssen auch entsprechende messmethodische Verfahren entwickelt werden, um das Unbewusste zu erforschen.

Interessant ist der behavioristische Ansatz, den Hull hauptsächlich durch seine experimentellen Analysen aus den Vierzigerjahren, geprägt hat. Auch hier wurde versucht, menschliches Verhalten mithilfe von Konditionierungsprozessen zu erklären. Verhaltensgewohnheiten sind demzufolge gelernte Reiz-Reaktions-Verbindungen, welche durch frühere Erfahrungen geprägt sind. Hat ein Mensch positive Erfahrungen bezüglich eines bestimmten Verhaltens gemacht, spricht man von einem „Aufsuchen-Verhalten“, sind die gesammelten Erfahrungen negativ geprägt, nennt man das „Meiden-Verhalten“ (vgl. Bernard, 2006, S. 108). Heute dient dieser Ansatz primär dazu, menschliches Verhalten in Stresssituationen zu erklären, denn hier werden eher instinktive Verhaltensweisen angewandt als konditionierte Gewohnheiten (vgl. Schneider & Schmalt, 2000, S. 73ff).

Mithilfe der Lerntheorie Skinners können zahlreiche Fragestellungen der Sozialisation und des sozialen Lernens beantwortet werden. U.a. kann erklärt werden, welche Erziehungsmethoden sozial erwünschtes Verhalten vermehren bzw. unangepasstes eliminieren. Sozialpsychologisch relevant ist das verbale Konditionieren, zu dem verschiedene Forscher (z.B. Verplanck 1955) zeigten, dass die Häufigkeit bestimmter Gesprächsinhalte gezielt durch sekundäre Verstärker angehoben oder durch Extinktion gesenkt werden kann. Einfache Verstärkungsmethoden wurden auch bei anderen sozialpsychologischen Fragestellungen erfolgreich angewandt. So zeigt u.a. Bavelas (1965), „dass die Häufigkeit von Diskussionsbeiträgen in Kleingruppen – und damit der soziometrische Status (das Ansehen) einzelner Gruppenmitglieder – durch gezielte Verstärkung angehoben werden können.“ (Frey & Greif, 1994, S. 43).

Besonders interessant ist der emotionspsychologische Ansatz, der auch emotionale Prozesse berücksichtigt. Mit ihm kann u.a. die Leistungsmotivation von Mitarbeitern gut erklärt werden und die daraus entstandene „Erwartungs-Wert-Theorie“ wird bis heute vor allem in wirtschaftlich orientierten Organisationen weiterentwickelt. Es existiert die Grundannahme, dass „Organismen in der Lage sind, die Konsequenzen ihres Verhaltens – z.B. einen positiven Affekt – vorwegzunehmen. Diese Antizipation ist schließlich für die Zielausrichtung des Verhaltens verantwortlich.“ (Bernard, 2006, S. 109), wobei zwei verschiedene Gedankenmodelle unterschieden werden: Zum einen gibt es die Auffassung, dass Emotionen vor allem zu Beginn einer Handlung bedeutungsvoll sind und deshalb oftmals als „Energetisierung“ bezeichnet werden. Im Gegensatz dazu betonen einige Wissenschaftler, dass Emotionen erst nach der Einleitung und nach Abschluss einer Handlung eine Rolle spielen. Die Emotionen bewerten sozusagen den Grad der Zielannäherung und Zielabweichung und beurteilen die Diskrepanz zwischen angestrebtem und gegenwärtig erreichtem Ziel. Das erste Modell entstand primär aus dem instinkttheoretischen Ansatz, das zweite entwickelte sich aus den Anreiztheorien des behavioristischen Ansatzes (vgl. Schneider & Schmalt, 2000, S. 77f). Zusammengefasst werden „Emotionen, sobald sie auftreten zu mächtigen Motivatoren künftigen Verhaltens“ (Stangl, 1997). Sie bestimmen den Kurs des Handelns in jedem einzelnen Moment und setzen gleichzeitig langfristige Ziele.

Gefühle werden beispielsweise nicht im Sinn einer kausalen Verursachung durch Kognitionen oder Handlungen bedingt und sind ihrerseits auch keine kausalen Wirkgrößen. Lauken kritisiert die Kausalisierung psychischer Phänomene, speziell von Gefühlen und behauptet, dass kaum eine Theorie frei davon ist. Denn Emotionen werden seiner Meinung nach bereits bei der Begriffsbildung als Naturereignisse aufgefasst und Wirkungen oder Ursachen zugeschrieben. Daher werden Aussagen über Gefühle mit den interessierenden psychischen Phänomenen kurzerhand gleichgesetzt und semantische Beziehungen umstandslos als kausale begriffen. „So gesellt sich eine methodische Unzulänglichkeit zur theoretisch zweifelhaften Konzeptualisierung von Gefühlen als bedingungsanalytisch erforschbare Ursachen oder Wirkungen anderer psychologischer ,Tatsachen´.“ (Straub, 1999, S. 44f).

Der Gegenpol zum emotionspsychologischen Ansatz ist der kognitive Ansatz, welcher hoch angesehen war. Doch aufgrund der Erkenntnisse der modernen Gehirnforschung an Bedeutung verloren hat. Im Forschungsschwerpunkt stehen Handlungen, die durch Erwartungen, antizipierte Ziele und Attributionen gelenkt werden (vgl. Westermann & Heise, 1996, S. 278). Es spielen vor allem subjektive Werte eine Rolle, mit dem Anspruch, auch verwirklicht werden zu können. Jede Situation wird demnach sowohl emotional als auch kognitiv beurteilt, was einen differenzierten Erklärungsansatz zulässt und in Bereichen der organisationalen Leistungsmotivation eine wesentliche Rolle spielt.

Zusammenhänge zwischen Motivationsprozessen und dem daraus resultierenden Verhalten werden im handlungstheoretischen Ansatz untersucht. Narziss Ach hat den essenziellen Terminus „Volition“ entwickelt und geprägt. Er hat einen dreiteiligen Zyklus entwickelt, welcher aus einer präintentionalen Phase, der Intensionsbildung und der postintentionalen Phase besteht. In der ersten Phase werden geeignete Handlungsziele selektiv ausgewählt und daraus motivationale Tendenzen gebildet. In der zweiten Phase kann die Intension entweder bewusst als Entscheidung oder automatisiert im Unterbewussten gebildet werden. Die motivationale Tendenz wird in Form einer Handlung in der letzten Phase umgesetzt. Für die aktuelle Motivationsforschung sind handlungstheoretische Modelle ein wichtiger Bestandteil. Sie bilden hierarchische Theorien, in denen festgelegt ist, welche eigenständigen Prozesse auf den verschiedenen Stufen ablaufen und wie diese sich gegenseitig bedingen. Wichtig für die weitere Arbeit sind die Erkenntnisse bezüglich der Untergliederung von Handlungen in Teilziele und deren Überprüfung auf Effektivität, sowie die Entwicklung von Feedbackkonzepten (vgl. Bernard, 2006, S. 110f).

Die sogenannten inneren Strukturen und Prozesse können nicht direkt erfasst werden, sondern müssen aufgrund verbaler Äußerungen erschlossen werden. Methodisch geschieht dies über Fragebögen, Einstellungsskalen oder offen beobachtbare Verhaltensweisen, die als Indikatoren innerpsychischer Prozesse angesehen werden. Kennzeichnend für die kognitiven Ansätze ist die experimentelle Orientierung, wodurch sie sich u.a. stark von behavioristischen Ansätzen unterscheiden. Die angestrebte intersubjektive Überprüfbarkeit erfordert eine eindeutige Operationalisierung von Variablen und deren objektive Messung (vgl. Frey & Greif, 1994, S. 53).

Die folgende tabellarische Zusammenfassung der wichtigsten Ansätze und theoretischen Grundlagen soll einen Überblick schaffen. Außerdem soll deutlich werden, dass sich die Motivationsforschung in den letzten Jahren sehr stark entwickelt hat und sich sicherlich in Zukunft noch weiter entwickeln wird.

Ziel dieses Abschnittes war es u.a. eine Gesamtschau über die verschiedenen Ansätze zu liefern, welche in nachfolgender Tabelle visualisiert werden. Anschließend gehe ich auf die verschiedenen Modelle der Motivationsforschung ein, welche sich grob in Inhalts- und Prozessmodelle untergliedern lassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Zusammenfassung der wichtigsten Ansätze

3.1.1.2 Intrinsische und extrinsische Motivation

a. Allgemeines & Begrifflichkeit

Motivation dient häufig dazu, Verhalten zu erklären und zu beschreiben. Sie gibt Auskunft über Prozesse, die Verhalten in Gang bringen bzw. aufrechterhalten. Insbesondere die Psychologie hat sich mit diesem Thema beschäftigt und verschiedene Faktoren herausgefunden, die menschliches Handeln bedingen können. Dazu gehören u.a. Triebe, Instinkte, Hormone, frühkindliche Prägungen, situative Anreize, Wille und Persönlichkeitsmerkmale. Die frühen Motivationsforscher benutzten eine Auflistung aller möglichen Triebe und Instinkte, um passende Konzepte zu entwickeln. Erst die Erklärungsansätze der wissenschaftlichen Psychologie halfen, die Faktoren in zwei Gruppen aufzuteilen (vgl. Stangl, 1997).

Bereits Aristoteles hat sich Gedanken über das Motiviertsein gemacht und in seiner Nikomachischen Ethik zwei Formen von Motivation beschrieben. Er definierte „intrinsische Motivation“ als eine Belohnung für eine Handlungsausführung. Demzufolge handelt ein Mensch, wenn er an einer Tätigkeit Spaß, Interesse oder Neugier empfindet und die Handlung an sich bereits eine Belohnung darstellt. Intrinsische Tätigkeiten, sind demnach zielgerichtet bzw. streben ein Endziel an, was für Aristoteles etwas sehr Wertvolles zu sein scheint: „Alles sei zielgerichtet und die Tätigkeit, die nach einem Endziel strebe, sei hochwertiger als eine, die nach einer neuen Zielgerichtetheit strebe“ (Simon, 2005, S. 4).

In der neueren Literatur wird intrinsische Motivation durch das Zusammenwirken von Sachinteresse, Anreiz und Erfolgserwartung beschrieben. Nach White (1959) ist intrinsisches Verhalten autotelisch, da Verhalten der Zweck an sich selbst ist bzw. sich selbst zum Zweck hat. Dadurch wird ein „Gefühl der Wirksamkeit“ hervorgerufen. Beobachtbar ist autotelisches Verhalten im Erwachsenenalter bei kurzweiligen Aktivitäten (z.B. im Spiel oder im ästhetischen Erleben). Diesem Verhalten liegen Ich-Motive zugrunde, die White als Kompetenzmotive bezeichnet, welche für ihn das eigentliche Grundmotiv darstellen. „Das heißt, wenn jemand neugierig ist oder spielen will, dann möchte er eigentlich nur seine Kompetenz erleben bzw. erweitern.“ (Börderlein, 2006). Dieser Ansatz klingt plausibel, doch es wurden keinerlei Kriterien genannt, anhand derer die Ausprägung dieses Motivs messbar wäre. Csikszentmihalyi (1985) hat sich ebenfalls mit dieser Thematik beschäftigt und intrinsisch als freie Hingabe in eine Sache, ja sogar als ein völliges Absorbiertwerden des Erlebens von der voranschreitenden Handlung beschrieben. Er bezeichnet diesen Zustand als „Flow-Erlebnis“. Die Charakteristika des Flow-Erlebens sind für Csikszentmihalyi, dass keine willentliche Konzentration stattfindet, ein glatter Handlungsablauf gewährleistet ist, eine optimale Beanspruchung vorherrscht, beeinträchtigtes Zeiterleben gegeben ist und Verlust von Reflexivität und Selbstbewusstheit als Verschmelzen von Selbst und Tätigkeit angesehen wird (vgl. Rheinberg, 2004, S. 155). Interessant ist, dass seiner Ansicht nach die Aufgabenschwierigkeit die eigene Tüchtigkeit voll herausfordern müsse, denn zu leichte Aufgaben führten zu Langeweile; hingegen riefen zu anspruchsvolle Angst hervor (vgl. Stangl, 1997). Rheinberg (2006) schreibt, dass eine „Motivation, bei der der Anreiz in der Tätigkeit selbst und nicht in ihren ergebnisabhängigen Folgen liegt, [wird] häufig mit intrinsisch bezeichnet und einer extrinsischen Motivation gegenübergestellt“ wird. (Rheinberg, 2006, S. 50). Intrinsische Motivation kann aufgrund der Definition „in der Tätigkeit“ mit der Analyse von Tätigkeitsanreizen demonstriert werden. Solche Tätigkeitsanreize sind im Erweiterten kognitiven Motivationsmodell von Heckhausen (1977) und seiner erneuten Erweiterung durch Rheinberg (1989) verankert. Auf verschiedenen Abstraktionsebenen lässt sich die Qualität von Tätigkeitsanreizen untersuchen und beschreiben. Es stellte sich heraus, dass dabei folgende Methode besonders effektiv ist; Anreizqualitäten werden möglichst verrichtungsnahe während der laufenden Aktivität erfasst (Erlebens-Stichproben-Methode, ESM). Rheinberg (2006) konstatiert zudem, dass aus der laufenden Forschung die Flow-Hypothese zur Motivationalen Kompetenz behandelt wird. Demnach tritt das Flow-Erleben bei solchen Personen häufiger auf, bei denen implizite Motive und motivationale Selbstbilder in Übereinstimmung sind. Hier ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sich solche Personen bei freier Zielwahl für solche Aktivitäten entscheiden, deren Vollzug durch die impliziten Motive gestützt wird (vgl. Rheinberg, 2006, S. 50f). Kuhl (2001) äußerst sich folgendermaßen zu dieser Thematik:

Die Fähigkeit zur selbstregulierten Rekonstruktion positiven Affekts betrachte ich als eine entscheidende Voraussetzung für Selbstbestimmung und intrinsische Motivation. Je geringer die Fähigkeit des Systems ist, positiven Affekt aufgrund aktivierter Selbstrepräsentation zu generieren, desto stärker hängt die Erzeugung positiven willensbahnenden Affekts von anderen Quellen ab […]. (Kuhl, 2001, S. 177).

Die extrinsische Motivation definiert sich über die positive und negative Verstärkung. „Im Gegensatz zur intrinsischen wird die extrinsische Lernmotivation definiert als Wunsch bzw. Absicht, eine Lernhandlung durchzuführen, weil damit positive Folgen herbeigeführt oder negative Folgen vermieden werden.“ (Schiefele, 1996, S. 59). „Herber sieht den extrinsischen Motivationsbegriff im Sinne einer sekundären Verstärkung. Eine Tätigkeit wird nicht als solche lustvoll erlebt, sondern die Person verfolgt ein außerhalb dieser Tätigkeit liegendes Ziel, und die eigenen Handlung wird somit Mittel zum Zweck.“ (Zeyringer, 1999, S. 18). Die äußeren Anreize und deren Wirksamkeit ergeben sich aus ihrer natürlichen und sozialen Werthaftigkeit. Diese unterteilen sich in objektive Sachverhalte (z.B. Umweltanreize) und subjektive Sachverhalte (z.B. wahrgenommene Anreize einer Person). Interessant ist die Feststellung, dass nur die Subjektiven handlungswirksam und die Anreize und Motive wechselseitig voneinander abhängig sind. Schließlich wird ein Motiv nur in dem Ausmaß verhaltenswirksam, wie es durch situative Anreize angeregt wird. Andererseits kann ein Anreiz nur dann verhaltenswirksam werden, wenn entsprechende Wertungsdispositionen sind im Individuum vorhanden sind (vgl. Stangl, 1997). Aristoteles definierte als extrinsische Motivation alle Handlungsausführungen, die an etwas Äußerliches geknüpft sind. In diesem Fall handelt ein Mensch nur, wenn die Handlung einen positiven Anreiz bietet (z.B. Lob vom Chef oder ein gutes Arbeitszeugnis). Vermeidet aber jegliche Handlung, wenn eine Art Bestrafung auf das Tun folgt bzw. folgen könnte (z.B. Kritik durch den Vorgesetzten).

Klar ist auch, dass die Lust am größten ist, wenn der Sinn die beste Verfassung hat und sich gegenüber einem Objekt der besten Art betätigt. Entsprechen das wahrgenommene Objekt und das wahrnehmende Subjekt diesen Bedingungen, so wird sich immer Lust einstellen; denn dann ist ebensowohl was sie hervorrufen als was sie empfinden kann, vorhanden (Rolfes, 1921, 1174b).

Zusammengefasst ist nach Aristoteles der Zustand des Motiviertseins die Gesamtheit aller in einer Handlung wirksamen Motive, die das Verhalten des Individuums aktivieren und regulieren. Es ist also die Bereitschaft, in einer konkreten Situation eine bestimmte Handlung mit einer bestimmten Intensität bzw. Dauerhaftigkeit auszuführen (vgl. Stangl, 1997). Kuhl (2001) schreibt:

,Extrinsische Motivation´ beruht […] auf einer Systemkonfiguration, in der positiver, willensbahnender Affekt nicht auf der Grundlage eines Zugriffs auf integrierte Repräsentationen eigener Bedürfnisse, Werte und anderer Selbstaspekte, sondern durch positiv valenzierte Objekte oder Tätigkeiten generiert wird. Extrinsische Motivation wird also auf eine Dissoziation zwischen Anreizmotivation und Selbstmotivierung zurückgeführt.“ (Kuhl, 2001, S. 177).

b. Heckhausen

Heckhausen schreibt, dass das Verhalten entweder eher von innen heraus oder eher von außen her motiviert zu sein scheint (vgl. Heckhausen, 1989, S. 455). Worin der Unterschied zwischen extrinsischen und intrinsischen Verhalten besteht, konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Es lassen sich aber sechs Abgrenzungsaspekte ausmachen: (1) Die erste Konzeption (Triebe ohne Triebreduktion) besagt, dass Triebe auch ohne Triebreduktion wirksam sind. (2) Die zweite Konzeption beinhaltet (Zweckfreiheit), dass alle zweckfrei erscheinenden Aktivitäten der intrinsischen Motivation zuzuordnen sind und alle Verhaltensweisen, die einen Endzustand oder ein Ziel anstreben, extrinsischen Charakter zu haben. (3) Bei der dritten Konzeption (Optimalniveau von Aktivation oder Inkongruenz) geht es um die Wiederherstellung eines optimalen Funktionsniveaus. (4) Die vierte (Selbstbestimmung) sieht eine primäre Motivation des Menschen darin, sich als wirksamer Verursacher von (Ver-)Änderungen in seinem Umfeld zu erleben. (5) Das fünfte Konzept (Freudiges Aufgehen in einer Handlung) macht das handlungsbegleitende Erleben zum Kriterium, wobei die intrinsische Motivation als freudige Hingabe und völliges Absorbiertwerden einer voranschreitenden Handlung verstanden werden kann. Wie bereits erwähnt hat Csikszentmihalyi diesen Zustand als „Flow-Erleben“ bezeichnet. (6) Die letzte Konzeption (Endogenität von Handlung und Handlungsziel) besagt, dass es bei intrinsischer Motivation darauf ankommt, ob und in welchem Ausmaß eine sachinhärente Beziehung zwischen dem Handeln und dem Ziel besteht. Stimmen Handlung und Handlungsziel nicht überein, spricht man von extrinsischer Motivation (vgl. Heckhausen, 1989, S. 456ff). Heckhausen kritisiert die ersten drei Konzeptionen, da sie seiner Ansicht nach entweder „überholt“, „zu eng gefasst“ oder „Spezialfälle“ sind (vgl. Heckhausen, 1989, S. 460). In den Siebzigerjahren wurde in diesem Bereich sehr viel geforscht und es kristallisierten sich drei Hauptfaktoren des Motivationsgeschehens heraus: „Nämlich der Personfaktor Motiv sowie die beiden Situationsfaktoren subjektive Erfolgswahrscheinlichkeit und Anreiz“ (Heckhausen, 1989, S. 466). Man versuchte alle Parameter zu erfassen. Problematisch dabei war die extreme Aufspaltung und Differenzierung. Heckhausen selbst hat ein Modell entwickelt, welches u.a. den Anspruch hatte, die isolierten Parameter zu summieren.

c. Probleme und Kritik

Das Hauptproblem liegt wohl darin, dass es keine einheitliche Definition und keinen allgemeingültigen Gebrauch der Begriffe „intrinsisch“ und „extrinsisch“ gibt. Rheinberg schreibt, dass „der selbe Fachbegriff auf verschiedene Sachverhalte angewandt wird“ (Rheinberg, 2004, S. 5). Im Wesentlichen orientiert man sich am Geschehensablauf einer Tätigkeit. Der Begriff „intrinsisch“ wurde hierbei auf Aktivitäten angewandt, deren Anreiz auf dem Tätigkeitsvollzug beruhen. Extrinsisch hingegen bezieht sich eher auf erwartete Ergebnisfolgen. Deci & Ryan (1980, 1985) haben sich ein Modell überlegt, welches die extrinsische Motivation in verschiedene Entwicklungsstadien gliedert. Problematisch hierbei ist, dass die höheren Formen der extrinsischen Motivation nur noch schwer von denen der intrinsischen abzugrenzen sind (vgl. Rheinberg, 2004, S. 14ff). „In der Literatur findet sich ein weiteres Verständnis von intrinsischer vs. extrinsischer Motivation, bei dem es darauf ankommt, ob die Handlung und ihre angestrebten Ergebnisfolgen thematisch zum selben Inhaltsbereich […] gehören oder nicht.“ (Rheinberg, 2004, S. 15). Weitere Ausführungen diesbezüglich können u.a. bei Heckhausen (1989), Sansone und Harackiewicz (2000) nachgelesen werden.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Begrifflichkeiten zwar divergieren, für die vorliegende Arbeit aber die genannten Definitionen und Unterscheidungen ausreichend sind. Unter „intrinsischer Motivation“ wird jede Handlungsausführung verstanden, die von sich aus eine Belohnung darstellt. Ist die Handlungsintension an etwas Äußerliches geknüpft, sprechen wir von „extrinsischer Motivation“.

Bei Motivationsfragen bietet sich ein Beobachtungsverfahren anstelle von direkten Befragungen an. Lepper, Greene und Nisbett (1973) haben ein Experiment zur intrinsischen Motivation durchgeführt. Es wurden Kindergartenkinder ausgewählt, die großes Interesse am Malen zeigten. In einer Einzelsitzung wurde ihnen entweder ein Preis in Aussicht gestellt oder sie bekamen ihn unerwartet. Etwa zwei Wochen später wurde das Verhalten der Kinder durch einen Einwegspiegel beobachtet. Die Forscher definierten die intrinsische Motivation über die Zeitdauer, in der sich ein Kind ohne Aufforderung von außen mit einem besonderen Stift beschäftigte. Es gab zwei Beobachter, um die Objektivität zu wahren. Außerdem wurde in Vorversuchen u.a. abgeklärt, welche Anzahl an Stiften und Zeichenplätzen notwendig war. Die Erzieherinnen durften keinerlei Instruktionen geben und mussten sich vom Zeichentisch fernhalten. Zusätzlich wurde aufgeschrieben, wie lange sich jedes Kind am Zeichentisch bzw. außerhalb des Raumes aufhielt. Interessant ist, dass die Zeitdauer des Malens bei den Kindern, die den Preis erwartet und erhalten hatten, abnahm. Bei den Kindern, die den Preis unerwartet überreicht bekamen, betrug die Dauer des Malens einen höheren Wert. Demzufolge kann ein intrinsischer Anreiz, der ja an sich schon zu einer Tätigkeit motiviert, verringert werden, wenn ein extrinsischer Anreiz hinzugefügt wird. Man nennt dies auch „Überveranlassungseffekt“ oder „Korrumpierungseffekt“ (vgl. Schwrom & Heckner, 2009) und (vgl. Wellenreuther, 2000, S. 267f). Kritisch ist anzumerken, dass Forscher oftmals daran interessiert sind, ihre Hypothese zu bestätigen, was dazu führen kann, dass Beobachtungen subjektiv verfälscht werden. Diese Fehlerquelle kann vermieden werden, wenn den Beobachtern die Zugehörigkeit der Versuchspersonen zu den einzelnen Gruppen nicht mitgeteilt wird. Entsprechende Beobachterschulungen sowie Beobachterübereinstimmungen helfen, verfälschende personale Einflüsse möglichst auszuschalten. Zusätzlich sind „leicht beobachtbare Kategorien oder leicht feststellbare soziale Indikatoren“ notwendig (Wellenreuther, 2000, S. 268). Dieser Punkt könnte bei der intrinsischen und extrinsischen Motivationsforschung (stark) kritisiert werden, da wie bereits erwähnt, die Definitionslage bzw. die Begrifflichkeiten (noch) nicht ausreichend erörtert und fixiert sind.

Erwähnenswert ist, dass die meisten Menschen nicht nur wegen eines hohen Einkommens, sondern vor allem wegen der Freude an einer Tätigkeit arbeiten. Sie sind demzufolge nicht nur extrinsisch, sondern auch intrinsisch motiviert. Wie wir bereits festgestellt haben, können die beiden Motivationsarten nicht additiv wirken. Denn sobald Bezahlung als Mittel der Fremdsteuerung verwendet wird, reduziert sich die intrinsische Motivation. Man kann demzufolge Mitarbeiter beeinflussen. Gemäß der tayloristischen Organisationsstruktur wird ausschließlich extrinsisch motiviert und zwar so lange, bis diese Motivationsart schließlich dominiert. Umgekehrt zielen partizipative Gruppenstrukturen vorwiegend auf intrinsisch Motivierte ab. Für Unternehmen sind solche Strukturen schwer „kontrollierbar“. Daher versuchen Organisationen eine Mischform aus beiden Anreizsystemen zu bilden, die beispielsweise Unternehmensziele extrinsisch unterstützen, um schwierige Aufgaben anzuleiten, die später Spaß machen können (vgl. Frey, 2002, S. 309ff).

3.1.1.3 Motivationstheorien und Motivationsmodelle

In diesem Abschnitt werden für die Arbeit relevante Inhalts- und Prozessmodelle beschrieben. Zuerst gehe ich auf die wichtigsten Vertreter der Inhaltsmodelle und deren theoretische Überlegungen ein und gebe abschließend eine kurze Zusammenfassung der Theorien. Genauso verfahre ich auch mit den Prozessmodellen. Was die Prozessmodelle betrifft, habe ich darin der Einfachheit halber sowohl die Instrumentalitäts- als auch die Handlungstheorien zusammengefasst. Am Ende soll ein Organigramm die Beschreibungen visualisieren.

Ich habe mich für die Unterteilung in Inhalts- und Prozessmodelle entschieden, weil es einerseits Ansätze gibt, in denen Motive die Hauptrolle spielen und andererseits Theorien, in denen geforscht wird, auf welche Art und Weise Motivation auf das Verhalten wirkt. Die Grafik dient dem besseren Verständnis der verschiedenen Einflüsse auf die PSI-Theorie bzw. werden Theoriestränge genannt, aus denen sie sich letztendlich entwickelt hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Theoriestränge und deren Einwirkung auf die PSI-Theorie (Eigendarstellung).

a. Inhaltsmodelle bzw. Bedürfnismodelle

Die Inhaltsmodelle sind primär den (bereits beschriebenen) bedürfnisorientierten Ansätzen zuzuordnen. Wie bereits angedeutet, beschäftigen sich diese Modelle mit dem Inhalt, der Art und der Wirkung von Motiven. „Inhaltstheorien versuchen zu erklären, was im Menschen oder in seiner Umwelt Verhalten erzeugt und aufrechterhält.“ (Eichhorn & Schmidt-Rettig, 1995, S. 31). Motive kann man gemäß dieser Auffassung nach Zielinhalten zusammenfassen und als bestimmend und gebietend bezeichnen. Aus diesen Erkenntnissen werden Taxonomien entwickelt und man erforscht, nach welchen Gesetzmäßigkeiten welche Motive das Verhalten bestimmen. Zuerst gehe ich auf zwei Modelle der humanistischen Psychologie ein und danach auf die Leistungsmotivationstheorie von McClelland, welche eher der allgemeinen Psychologie zuzuordnen ist.

Maslow hat im Jahr 1943 eine Bedürfnispyramide bzw. eine Bedürfnishierarchie entwickelt. Sein „Modell ist sehr plausibel und erlangte wohl deshalb eine hohe Popularität.“ (Pirntke, 2008). Das höchste Ziel gemäß seiner Forschungen ist die seelische Gesundheit, welche man erreicht, wenn man sich selbst verwirklicht. Die nachfolgende Skizze ist ein eindimensionales Abbild seiner wesentlich komplexeren und weitreichenderen Theorie. Sie veranschaulicht aber sehr deutlich, dass zuerst niedrigere Bedürfnisse befriedigt werden müssen, bevor man die nächsthöhere Stufe erklimmen kann. Ein kurzer Überblick über die einzelnen Stufen wird gegeben, auf eine detaillierte Beschreibung aber verzichtet.

- Körperliche Bedürfnisse bzw. Grundbedürfnisse sichern das Überleben des Menschen (z.B. Essen, Trinken, Schlafen, Atmen).

- Das Bedürfnis nach Sicherheit zeigt sich u.a. im Bestreben nach Schutz, Vorsorge und Angstfreiheit.
- Soziale Beziehungen sind der Wunsch nach zwischenmenschlichen Kontakten (z.B. Zuwendung, Liebe, Intimität und Gemeinschaft).
- Soziale Anerkennung und das Bedürfnis nach Wertschätzung von und durch andere Personen, aber auch durch sich selbst (z.B. Statussymbole).
- Selbstverwirklichung ist ein Wachstumsbedürfnis und kann deshalb nie befriedigt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Eigendarstellung: Maslowsche Bedürfnispyramide

In diesem Zusammenhang muss Folgendes erwähnt werden.

Schon Alfred Adler (1870 – 1937), der Begründer der Individualpsychologie, die den Hauptantrieb des menschlichen Handelns im Macht- und Geltungsstreben sieht, beschäftigte sich mit den Bedürfnissen des Menschen. Adler sagte, daß der Mensch in einer aufsteigenden Hierarchie Bedürfnisse nach Sicherheit, Bedeutsamkeit und Machtausübung habe. Abraham Maslow übernahm diesen Ansatz und verfeinerte ihn (Lüngen, 2007, S. 38).

Um Missverständnissen vorzubeugen, sollte man Folgendes bedenken: „Es ist nicht so, daß ein höheres Bedürfnis erst auftritt, wenn ein niederes erfüllt ist – sondern es existiert vorher schon und wird dann erst dominant.“ (Lüngen, 2007, S. 39). Eine empirische Bestätigung u.a. bezüglich der Reihenfolge der Bedürfnisklassen ist bis dato nicht gelungen. Möglicherweise liegt es an den unscharfen Begriffsdefinitionen und der wenig trennscharfen Abgrenzung der einzelnen Hierarchiestufen (vgl. Holtbrügge, 2007, S. 16). Lediglich für die beiden untersten Stufen konnten Belege erbracht werden (vgl. Pirntke, 2008). Aus diesem Grund muss infrage gestellt werden, ob es überhaupt eine allgemeingültige Bedürfnisstruktur gibt, insbesondere die oberen Stufen betreffend. Maslow wird deshalb auch vorgeworfen, dass er sich „implizit an den Idealen der amerikanischen Mittelschicht und einem bürgerlich-humanistischen Menschenbild“ (Holtbrügge, 2007, S. 16) orientiert hat. „Die Bedeutung der Konzepte von Maslow ist in erster Linie darin zu sehen, dass er den Aspekt der Selbstverwirklichung des Menschen als Zielvorstellung formuliert und damit – auch in Wirtschaftsunternehmen – eine anhaltende Diskussion ausgelöst hat.“ (Ulich, 2005, S. 46). Im Hinblick auf die weitere Arbeit sollte an diesem Punkt erwähnt werden, dass sich für eine Führungskraft folgende Implikation ergibt: Es muss zunächst ermittelt werden, welches konkrete Bedürfnis im Mitarbeiter aktiv ist, um entsprechende Reize setzen zu können, die eine Befriedigung auslösen. Nur dann ist eine Verhaltens(aus)wirkung zu beobachten (vgl. Holtbrügge, 2007, S. 16). Den Aspekt der Mitarbeitermotivation – insbesondere in Krankenhäusern – griffen Eichhorn und Schmidt-Rettig (1995) auf und weisen darauf hin, dass trotz vieler Einwände eine Reihe von Anregungen gegeben wird, die in der betrieblichen Praxis das Verhalten von Mitarbeitern nachhaltig beeinflusst. Sie sind außerdem der Meinung, dass Untersuchungen zur Struktur der menschlichen Bedürfnisse auf eine Bedürfnishierarchie hinweisen, welche aber nicht zwingend mit der Struktur bzw. der Reihenfolge des maslowschen Modells übereinstimmen muss (vgl. Eichhorn & Schmidt-Rettig, 1995, S. 31f). Da die Versuchspersonen dieser Arbeit aus dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) stammen, möchte ich in diesem Zusammenhang noch kurz auf eine Erkenntnis der beiden Autorinnen hinweisen.

Wesentlich für die Krankenhauspraxis ist vor allem der Hinweis, daß es bei der Mitarbeitermotivation nicht nur darum gehen kann, die psychologischen Bedürfnisse und die Sicherheitsbedürfnisse der Mitarbeiter zu befriedigen, sondern, daß es für einen Krankenhausbetrieb weitaus bedeutsamer ist, Konzepte zur Aktivierung und Befriedigung höherrangiger Bedürfnisse zu entwickeln; dies zuletzt auch deshalb, weil es dazu im Vergleich zu den niederrangigen Bedürfnissen bedeutend mehr Ansatzpunkte gibt (Eichhorn & Schmidt-Rettig, 1995, S. 32).

Die Messung der Motivation nach Maslow sollte gleichermaßen Antriebskomponenten wie kognitive Komponenten erfassen. Dabei bieten sich psychologische Messungen sowie standardisierte Befragungen z.B. anhand von Rating-Skalen an. Oftmals werden in der Praxis Einstellungsmessungen präferiert, da der Motivationsbegriff weitgehend deckungsgleich mit dem Einstellungsbegriff ist (vgl. Ruina et. al, 2007, S. 25). Auch hier ist zu kritisieren, dass mittels dieser Methode nur die bewussten Einstellungen und Motive erfasst werden können.

Als Nächstes wird die ERG-Theorie (Existence-Relatedness-Growth) von Alderfer dargestellt, welcher die größte Schwäche des Ansatzes von Maslow darin gesehen hat, dass dieser nur schwer operationalisierbar sei. Aus diesem Grund entwickelte er 1972 anhand seiner Untersuchungen die Bedürfnistheorie der Organisationspsychologie, auch ERG-Theorie genannt. Im Gegensatz zu Maslow unterscheidet Alderfer nur drei Motivgruppen. Diese sind:

- E – „Existence“, Existenzbedürfnisse. Psychologische Bedürfnisse, materielle Sicherheit sowie Belohnung und Entlohnung werden darunter verstanden.
- R – „Relatedness“, Beziehungsbedürfnisse. Darunter sind soziale Bedürfnisse, interpersonelle Sicherheit als auch das Streben nach Achtung gemeint.
- G – „Growth“, Wachstumsbedürfnisse bzw. Selbsterfüllungsbedürfnisse. Selbstverwirklichung und Selbstachtung sind die wesentlichen Prinzipien dieser Gruppe (vgl. Franken, 2007, S. 90).

Im Unterschied zu Maslow geht Alderfer davon aus, dass mehr als nur ein Bedürfnis gleichzeitig motivierend wirken kann. Außerdem hat er folgende Dominanzprinzipien entwickelt: (1) Die Frustrations-Hypothese, bei der ein nicht befriedigtes Bedürfnis dominant wird. (2) Die Frustrations-Regressions-Hypothese, die besagt, dass wenn ein Bedürfnis nicht befriedigt werden kann, das hierarchisch niedrigere dominant wird. (3) Die Befriedigungs-Progressions-Hypothese, welche davon ausgeht, dass durch die Befriedigung eines Bedürfnisses das hierarchisch höhere aktiviert wird. (4) Und die Frustrations-Progressions-Hypothese. Hier kann ein auf Dauer nicht befriedigtes Bedürfnis mit der Zeit zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen, indem höhere Bedürfnisse aktiviert werden und beispielsweise zu höheren Anspruchsniveaus führen (vgl. Kort, 2008, S. 9f). Im Bezug auf Motivation von Führungskräften bedeutet dieser Ansatz Folgendes: Zielvereinbarungen können dies erreichen, indem sie dem Mitarbeiter den eigenen Beitrag bei der Erreichung der Unternehmensziele aufzeigen und ihm mehr Freiräume bei der Ausführung der Arbeit geben.“ (Lubos, 2008, S. 20). Interessant ist der Ansatz der vier Dominanzprinzipien, welche den Modulationsannahmen der PSI-Theorie von Kuhl schon recht nahe kommen.

Vollständigkeitshalber soll die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg (1966) in diesem Zusammenhang kurz erwähnt werden. Bei einer Studie fand Herzberg heraus, dass Arbeitszufriedenheit und Arbeitsunzufriedenheit zwei voneinander unabhängige Dimensionen sind. Analog gibt es dazu zwei verschiedene Arten von Anreizen – die Motivatoren und die Hygienefaktoren. Motivatoren (z.B. intrinsische Faktoren) begünstigen das Erreichen der Arbeitszufriedenheit. Hygienefaktoren (z.B. extrinsische Faktoren) hingegen können lediglich Arbeitsunzufriedenheit verhindern. Kritikpunkt an dieser Theorie ist u.a., dass die Ergebnisse maßgeblich von der Methode abhängig sind (vgl. Holtbrügge, 2003, S. 15f). Zur Methode kann Folgendes gesagt werden. Die drei Forscher Herzberg, Mausner und Snyderman haben die „Methode der kritischen Ergebnisse angewandt“ und befragten damit Versuchspersonen nach Ereignisse, mit denen sie außergewöhnlich zufrieden oder außergewöhnlich unzufrieden waren. Die geschilderten Ereignisse wurden klassifiziert und entweder den Motivatoren oder den Hygienefaktoren zugeordnet. Interessant ist die Erkenntnis, dass die Hygienefaktoren auch als Kontextvariablen bezeichnet werden können und maßgeblich durch den Führungsstil repräsentiert werden. Weitere Untersuchungen belegten, dass die Erkenntnisse nur mit derselben Methode bestätigt werden konnten (Bidmon, 2004, S. 64).

Als Nächstes möchte ich auf die Leistungsmotivationstheorie bzw. die Motivtheorie von David McClelland eingehen. Für ihn „liegt der Anreiz für zielgerichtetes Handeln in spezifischen antizipierten Emotionen.“ (Frey, Rosenstiel & Hoyos, 2005, S. 274). Er unterscheidet Leistungs-, Macht- und Anschlussmotiv, denen jeweils spezifische Emotionen zugrunde liegen. Beim Leistungsmotiv liegt ein Gütemaßstab vor, der eng mit Erfolg und Misserfolg verbunden ist. Gefühle der Stärke und Überlegenheit sind beim Machtmotiv zu finden. Geselligkeit und Zugehörigkeit sind beim Anschlussmotiv dominant. Die Theorie geht davon aus, dass die drei genannten Motive in allen Menschen wirksam sind, sich aber nach genetischer Ausstattung und Lernerfahrung des Individuums in ihrer Stärke unterscheiden. McCelland hat es geschafft, seine Motivtheorie zu operationalisieren. Er entwickelte den sogenannten „Thematischen Auffassungstest“ (TAT) von Murray und Morgan, bei dem man zu Bildkarten mit motivthematischen Anregungsgehalt Fantasiegeschichten schreiben muss, weiter (vgl. Frey, Rosenstiel & Hoyos, 2005, S. 274).

Murray selbst konnte die Erforschung der Leistungsmotivation entscheidend beeinflussen, da er eine Taxonomie der zwanzig menschlichen Grundbedürfnisse und ein Meßinstrument für Motive entwickelt hatte (TAT). Dahinter steht die Annahme, dass sich menschliche Motive in Fantasien ausdrücken lassen. Dieses Verfahren erwies sich aber nicht ausreichend zur Messung individueller Unterschiede, da ein inhaltsmäßiges Schema fehlte, was für den interpersonellen Vergleich notwendig wäre. An diesem Punkt setzen die Untersuchungen von McClelland an, indem er einen Güte- und Tüchtigkeitsmaßstab definierte. „Nach der Affekt-Erregungs-Theorie sind die gelernten Hinweisreize aus früheren Situationen in der Lage, die entsprechenden Affekte erneut zu aktivieren und damit die Auseinandersetzung mit Tüchtigkeitsmaßstäben zu initiieren“. (Bontrup, 2001, S. 203). Das beinhaltet einerseits unterschiedliche Aktivitäten, Gütemaßstäbe und Ziele, sowie den entscheidenden Aspekt der Leistungsmotivation, den Nerdinger (1995) folgendermaßen beschreibt: „Etwas möglichst gut oder besser als bisher bzw. als andere zu machen.“ (Nerdinger 1995, zitiert nach Bontrup, 2001, S. 203). McClelland entwickelte dazu standardisierte Bedingungen und einen Inhaltsschlüssel, um die Anregungssituationen „entspannt“ und „leistungsorientiert“ klar zu unterscheiden. „Die Motivmeßmethode nach McClelland hat die Erforschung der Leistungsmotivation entscheidend beeinflusst und stellt auch heute noch einen validen Weg zur Ermittlung verschiedener Motivtendenzen dar.“ (Bontrup, 2001, S. 204). Kritisch anzumerken ist, dass die klassische Version des TAT keine Zahlen produziert bzw. somit auch keine Messung ist und keine Gütekriterien berechnet werden können. Erst spätere Verfahren versuchen sprachliche Aussagen in Zahlen zu verwandeln. Murray selbst schreibt:

Seeing that the TAT responses reflect the fleeting mood as well as the present life situation of the subject, we should not expect the repeat reliability of the test to be high, even though the bulk of the content objectifies tendencies and traits that are relatively constant. Data on this point are lacking. (Murray, 1943, S. 21).

Diese Aussage macht klar, dass nur eine geringe „Retest-Reliabilität“ vorliegen kann und zusätzlich die interne Konsistenz nicht ausreichend erfüllt ist. Winter (1996) konnte die Retest-Reliabilität „steigern“, indem er die Probanden darauf hingewiesen hat, dass sie bei der zweiten Testung ähnliche Geschichten erzählen dürfen. Die geringe interne Konsistenz kann auf zwei Ursachen zurückgeführt werden: Erstens zeigen motivationale Prozesse eine sequenzielle Dynamik, d.h. sie lassen für eine gewisse Zeit nach, wenn sie befriedigt wurden. Zweitens zeigen kognitive Prozesse eine generelle Tendenz, Wiederholungen zu vermeiden. Weiner schreibt (1994): „[…] zusätzlich zu dem Mißtrauen, das der Reliabilität des TAT entgegengebracht wird, sprechen auch praktische Gründe dafür, den TAT als Messinstrument […] durch ein anderes Verfahren zu ersetzen.“ (Weiner et al., 1994, S. 148f). Dieser Anspruch konnte bis zu diesem Zeitpunkt nicht erfüllt werden und somit hat sich der TAT trotz der Kritik in der empirischen Forschung bewährt.

An dieser Stelle möchte ich die vier Modelle mithilfe einer Grafik einander gegenüberstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Gegenüberstellung der vier Inhaltsmodelle

b. Prozessmodelle bzw. Instrumentalitätsmodelle & Handlungstheorien

Prozessmodelle können den kognitiv orientierten Ansätzen zugeordnet werden. Eichhorn und Schmidt-Rettig gehen bei der Beschreibung der Prozessmodelle von aktiven, zukunftsorientierten Persönlichkeiten aus, welche bewusst Entscheidungen auf Basis von Erwartungen treffen. Dabei werden geleistete Anstrengungen und erzielte Ergebnisse miteinander verknüpft. Menschen können demnach Konsequenzen ihrer Handlungen vorhersagen und abschätzen und sich bewusst für etwas entscheiden. Demnach hängt die Motivationsstärke sowohl von der Erfolgserwartung als auch von der Attraktivität der Belohnung ab. Es stellt sich die Frage, was nötig ist, damit jemand aktiv wird. Welche Bedingungen führen zu einer Handlung, was bestimmt die Richtung, die Dauer und das Ende? (vgl. Eichhorn & Schmidt-Rettig, 1995, S. 35). Anders ausgedrückt versuchen diese Modelle zu erkunden, wie Motivation losgelöst von Bedürfnisinhalten entsteht und auf welche Weise dies auf das Verhalten wirkt. Das Verhalten scheint unbestimmt, trotzdem versucht das Individuum den subjektiv erwarteten Nutzen zu maximieren. Viele Forscher haben sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt und Theorien und Modelle entwickelt. Zu nennen ist die Gleichgewichtstheorie von Norbert Bischof, das Zirkulationsmodell von Porter und Lawler und die Equity-Theorie von Adams. Näher eingehen werde ich auf die Valenz-Instrumentalitäts-Erwartungs-Theorie von Victor Harold Vroom und auf das Rubikonmodell von Heinz Heckhausen.

Die Valenz-Instrumentalitäts-Erwartungs-Theorie von Vroom (1964) wird als Grundmodell der Prozesstheorien angesehen und beruht auf der Annahme, dass Individuen genau jene Handlungsalternative auswählen, die zugleich einen subjektiven Nutzen maximiert. Mithilfe dieser Theorie kann die Motivationsstärke ermittelt werden. Sie zeigt auf, welche Anstrengung ein Mensch bei einer bestimmten Konstellation von Variablen entwickeln wird. Für eine Vorhersage werden die folgenden drei Prädiktoren –Valenz, Instrumentalität und Erwartungen – zur Analyse verwendet. (1) Maßgebend für Valenz (Wertigkeit) ist die Attraktivität eines Handlungsergebnisses. Ist dieses positiv besetzt, versucht man es immer wieder zu erreichen, bei negativer Besetzung hingegen vermeidet man das Ergebnis. Vroom hat zwei Ergebnisebenen definiert. Bei der ersten Ebene erhält der Mensch bzw. Mitarbeiter Belohnungen (z.B. eine Prämie), bei der zweiten steht die Befriedigung von Bedürfnissen oder das Erreichen von Zielen im Vordergrund (vgl. Eichhorn & Schmidt-Rettig, 1995, S. 35f). (2) Das Erreichen von persönlichen Zielen wird als Instrumentalität bezeichnet. Vroom geht davon aus, dass Ergebnisse der ersten Ordnung keinen unmittelbaren Wert bzw. Selbstzweck haben, sondern ihren Wert erst dann erhalten, wenn die Bedürfnisse der zweiten Ebene befriedigt sind (vgl. Friedl, 2003, S. 355f). (3) Erwartungen sind Wahrscheinlichkeitsvoraussagen von Individuen, die entwickelt werden, um bestimmte Handlungen einem bestimmten Ergebnis zuzuführen. Man unterscheidet hierbei zwei verschiedene Erwartungstypen: Typ 1 ist die Handlungs-Ergebnis-Erwartung, welche davon ausgeht, dass „eine bestimmte Handlung auch zum Ziel führt (Erfüllung eines Aufgabenziels)“ (Eichhorn & Schmidt-Rettig, 1995, S. 36). Typ 2 kann als Ergebnis-Folge-Erwartung definiert werden, welche die subjektive Wahrscheinlichkeit bezeichnet, mit welcher bei Zielerfüllung auch die angekündigten Belohnungen eintreten bzw. gewährt werden (vgl. Holtbrügge, 2005, S. 18). Daraus lassen sich folgende Aussagen ableiten: Eine Aufgabe muss so strukturiert sein, dass bestimmte Ergebnisse erwartet werden und zur Befriedigung führen. Erkennt ein Individuum nicht, dass ein vorgegebenes Ziel erreicht werden kann, redefiniert es die Aufgabe für seine Zwecke. Vrooms Annahmen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

- verschiedene Ergebnisse werden in unterschiedlicher Stärke präferiert.
- Wahrscheinlichkeitserwartungen werden bezüglich der erzielten Belohnungen auf bestimmtes Verhalten getroffen.
- Diese Berechnungen werden auch angestellt, um herauszufinden, ob bestimmte Belohnungen auch zur Befriedigung entsprechender Bedürfnisse führen.
- Die gewählte Handlungsweise wird von Präferenzen und Erwartungen bestimmt.

Vrooms Theorie hat sich als fruchtbar erwiesen und eine Menge Feldstudien angeregt. Leider wirft das Modell erhebliche messtheoretische Probleme auf. Trotz dieses „Defizites“ enthält dieses Modell wichtige Hinweise auf den prozessualen Ablauf von Motivation (vgl. Eichhorn & Schmidt-Rettig, 1995, S. 37). Die Quintessenz besteht darin, dass ein Ergebnis für einen Menschen attraktiv sein muss, d.h. es muss eine entsprechende Belohnung folgen und zugleich eine hohe Erwartungswahrscheinlichkeit vorherrschen, dass Leistung erbracht werden kann bzw. wird (vgl. Lubos, 2009, S. 22).

Das Rubikonmodell der Handlungsphasen von Heckhausen und Gollwitzer wird als nächstes erklärt. Zuerst sollte der Name „Rubikon“ kurz erläutert werden. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Fluss in Italien, der die natürliche Grenze zwischen dem römischen Reich und der Provinz Gallia Cisalpina bildete. Das Sprichwort „den Rubikon überschreiten“, bedeutet, dass man sich unwiderruflich auf eine riskante Handlung einlässt (z.B. hat Cäsar 49 v. Chr. mit seinem Heer den Rubikon überschritten, was einen Bürgerkrieg ausgelöst hat, der nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte). Ach unterschied bereits 1905 zwischen den beiden Seiten des Willensproblems, „dem Zustandekommen der Absichten `im Kampf der Motive´ und der Determinierung des Handelns durch die Absicht.“ (Heckhausen, 1989, S. 203). Infolgedessen untergliederte Heckhausen die Geschehensabfolge in Motivierung, Zielsetzung, Vollzug und Nachphase, welche durch klare Trennlinien voneinander unterschieden werden können. Sein Modell unterscheidet zwischen „motivationalen Aspekten der Herausbildung von Handlungszielen und der Bewertung von Handlungsergebnissen sowie volitionalen (willentlichen) Aspekten der Initiierung und Ausführung von Handlungen zur Zielerreichung (d.h. des Zielstrebens) […] .“ (Wittke-Kothe, 2001, S. 39). Es stellt also den Versuch dar, ältere Modelle (z.B. Erwartungs-Wert Modelle) zu verbessern, indem Motivations- und Volitionsprozesse inkludiert werden (vgl. Keddi, 2008, S. 50). Als Nächstes sollen die vier Phasen kurz beschrieben werden.

- Prädezisionale Motivationsphase

Diese Phase beginnt mit einem Abwäge- und Auswahlprozess. Aus einer Vielzahl von Wünschen und Zielen werden die passenden ausgewählt. Anschließend wird eine Wahl für eine Handlungsalternative getroffen, welche von der Höhe des erwarteten Nutzens abhängig ist. Zuletzt wird die Bildung einer direkten Intention, d.h. eine bewusste Absicht zum Handeln, eingeläutet. Das Ende dieser Phase zeigt sich in der Entschlossenheit, das (aus-)gewählte Ziel auch umzusetzen und zu erreichen (vgl. Dennert, 2008, S. 4).

- Präaktionale Volitionsphase

Diese Phase ist durch einen Wechsel von einem motivationalen in einen volitionalen Prozess charakterisiert. Die Realisierung der Intention steht im Vordergrund, störende Einflüsse werden abgewehrt. Letztendlich wird die Intention mit der höchsten Tendenz umgesetzt und gleichzeitig von verschiedenen Determinanten beeinflusst (vgl. Keddi, 2008, S. 51).

- Aktionale Volitionsphase

Die zielführende Handlung wird so lange durch die Intention geleitet, bis sie realisiert ist. Danach kann sie wieder deaktiviert werden. Heckhausen schreibt: „[…] mit der Handlungsinitiierung übernimmt die mentale (d.h. nicht bewusstseinspflichtige) Repräsentation der betreffenden Zielintention die Führung der Handlung.“ (Heckhausen, 1989, S. 214). Intensität und Ausdauer spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle, aber auch die Anstrengungsbereitschaft des Individuums, welche Heckhausen als „Volutionsstärke der Intention definiert“ (Keddi, 2008, S. 52).

- Postaktionale Motivationsphase

In dieser Phase werden Handlung und Ablauf analysiert, ein „Feedback“ gegeben und Schlussfolgerungen für künftige Aktionen gezogen. Das Individuum entscheidet beispielsweise, ob ein Ziel attraktiv war, sich die Anstrengungen gelohnt haben und was zu einem Erfolg bzw. Misserfolg geführt haben könnte. „Die gefaßten Vornahmen gelangen in den Arbeitsspeicher des Gedächtnisses, wo sie leicht zugänglich sind und sich zu Wort melden, sobald eine entsprechende Zielintention reaktiviert wird.“ (Heckhausen, 1989, S. 218). Die Bewertungsresultate werden in Konsequenzen für künftiges Handeln umgesetzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Schematische Darstellung der vier Handlungsphasen des Rubikon-Modells. (nach Dennert, 2008)

Eine wesentliche Rolle spielen die Intentionen, welche das Ziel haben, Endzustände durch eigenes Handeln anzustreben und vor anderen Motivationstendenzen zu beschützen. Darüber hinaus ist die Selektion von Außenweltinformationen von großer Relevanz (vgl. Hahn, 2008, S. 4f).

Empirische Befunde gibt es u.a. zur Unterscheidung der zwei Bewusstseinslagen, zur besseren Entkodierung von prädezisionalen Inhalten und zu den vier Phasen des Rubikon-Modells.

(1) Empirische Befunde zur Unterscheidung der zwei Bewusstseinslagen konnten Heckhausen und Gollwitzer (1987) erbringen. Dabei versetzten sie Versuchspersonen in motivationale und voltionale Bewusstseinslagen, indem sie Probanden vor eine Entscheidungssituation gestellt und entweder im prädezisionalen oder im postdezisionalen Zustand untersucht haben. Ein angeblicher Kreativitätstest wurde angekündigt, bei dem die Probanden Geschichten zu Bildern entwerfen sollten, wobei sie sich zwischen schwarz-weißen und bunten Bildern entscheiden sollten. In der prädezisionalen Bedingung zur Erzeugung einer motivationalen Bewusstseinslage wurden die Probanden gebeten, die Entscheidung erst etwas später zu treffen, wohingegen sie in der postdezisionalen Bedingung zur Erzeugung der volitionalen Bewusstseinslage sofort eine Entscheidung treffen mussten. Spontane Gedanken konnten mit dieser Kreativitätsinduktion erhoben werden, die während eines Pausenintervalls von 90 Sekunden auftraten. Zusätzlich sollten die Versuchspersonen einen Retrospektionsfragebogen beantworten, der sich auf die Gedanken bezog, die vorher, nachher und zwischendurch aufkamen. Mithilfe eines Inhaltsschlüssels konnten die Antworten bezüglich der Gedanken ala motivational, volitional oder aufgabenirrelevant klassifiziert werden. Folgende Ergebnisse konnten erfasst werden: Prädezisionalen Versuchspersonen hatten – wie erwartet – nahezu ausschließlich Gedanken mit motivationalen Inhalten: voltionale Inhalte traten fast nie auf. Gegensätzlich dazu konnten bei den postdezisionale Probanden fast ausschließlich volitionale Inhalte nachgewiesen werden. Zusammengefasst bedeutet dies, dass motivationale und volitionale Bewusstseinslagen mit unterschiedlichen Gedankeninhalten erfüllt sind. Wenn die Übernahme einer Aufgabe keine Wahl zulässt, sondern zugeteilt wird, kann es zu einem Überhandnehmen von Gedankeninhalten kommen, die nichts mit der Aufgabe zu tun haben (vgl. Heckhausen, 1989, 204ff).

(2) Empirische Befunde zur besseren Enkodierung von präzisionalen Inhalten. Bei dieser empirischen Untersuchung sollten die Versuchspersonen eine Gedächtnisaufgabe bearbeiten, die sowohl aus zentralen als auch peripher-inzidentellen Informationen (Randinformationen) zusammengestellt war. Zentrale Informationen einer faktenreichen Geschichte sollten später reproduziert werden können. Inzidentelle Informationen erschienen in Form von zweisilbigen Substantiven. Nachdem die Probanden die zentralen Informationen wiedergegeben hatten, wurden sie unerwartet aufgefordert, die inzidentellen Information in einer Wiedererkennungsaufgabe wiederzugeben. In einem angeblichen zweiten Experiment wurde die Induzierung einer motivationalen bzw. volutionalen Bewusstseinslage erforscht. Die Versuchspersonen wurden mit der Aufgabe betreut, bei einem Rollenspiel eine Personalentscheidung zwischen zwei Bewerbern um den Posten eines Produktmanagers zu fällen. Auch hier sollten sie in der motivationalen Bedingung noch keine Entscheidung treffen, sich aber in der volitionalen Bedingung sofort für einen Bewerber eintscheiden. Ein Gedächtnistest wurde prädezisional – also vor der Entscheidung – und postdezisional – also nach der Entscheidung – durchgeführt. Bei Probanden in der motivationalen Bewusstseinslage konnten mehr inzidentelle Informationen nachgewiesen werden als in der volutionalen Bewusstseinslage. Das bedeutet, dass hinsichtlich der Erinnerung der zentralen Informationen Versuchspersonen in der motivationalen Bedingung den volitionalen Vpn überlegen waren, was für eine effizientere Enkodierung von Informationen in der motivationalen Phase spricht. Vor einer Entscheidung ist man also offener für Informationen, ebenso kann man sich besser an Geschichten bzw. Informationen erinnern, die zuvor präsentiert worden sind.

(3) Empirische Befunde zu den vier Phasen des Rubikon-Modells von Gollwitzer, Heckhausen & Rattajczak (1987). In einer Studie dieser drei Forscher zeigte sich Folgendes: Wiegt man Argumente und Gegenargumente für einen Entschluss sehr sorgfältig ab, nähert man sich einer Intentionsbildung an. Um dies herauszufinden, untersuchten die Forscher Studentinnen, die ein noch nicht gelöstes Problem benennen mussten. Dabei sollten sie skalieren, wie nahe sie sich an einem Entschlussakt vor, unmittelbar nach einer mentalen Übung und drei Wochen später befanden. Die mentalen Übungen unterschieden sich hinsichtlich ihrer Vollständigkeit. Erstens konnte bei der Versuchsgruppe mit den vollständigen mentalen Übungen eine langfristige Annäherung an den Entschlussakt erfasst werden. Zweitens konnte bei der Gruppe, die sich mit volutionalen Aufgaben befasste, eine noch größere Annäherung an den Entschlussakt nachgewiesen werden. Hier sollten sich die Versuchspersonen die einzelnen, zum Entschluss führenden Handlungsschritte vorstellen. Sie sollten weiter so tun, als ob der Entschluss schon gefasst wäre, und konnten sich auf Fragen des „wie“ und „wann“ konzentrieren. Mit dieser Übung konnte der größte unmittelbare und langfristigste Effekt erzeugt werden. Zusätzliche Analysen ergaben, „dass die Bildung von Vornahmen zur Initiierung und Realisierung von Intentionen diesen Annäherungseffekt fördert, weil durch diese Übungen eine volitionale Bewusstseinslage erzeugt wird und dadurch der Eindruck erweckt wird, als sei die motivationale Entschlussfrage erledigt, da man sich ja schon mit Realisierungsfragen befasst.“ (Harde, 2000, S. 68f).

In praktischer Anwendung dieses Konzepts hat Kuhl (1987) Strategien zur willentlichen Handlungskontrolle entwickelt, die insbesondere dann greifen, wenn relativ schwache Motivtendenzen vorliegen, die gegen konkurrierende Tendenzen abgeschirmt werden müssen. Kuhl nennt u.a. die Aufmerksamkeitskontrolle, die Motivationskontrolle und die Handlungsorientierte Misserfolgsbewältigung. Fuhrmann und Kuhl haben knapp zehn Jahre später eine Erweiterung dieser Konzeption vorgenommen (PSI-Theorie), die das Modell der Handlungskontrolle in einen größeren Kontext anforderungsadäquater Verhaltenssteuerung einbettet (vgl. Fischer & Wiswede, 2002, S. 127).

In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Thematik der „Disjunktion“ hinweisen. Luhrmann (2005) schreibt, dass „nur solche Aussagen zur Wissenschaft zählen, die ,wahrheitsfähig´ sind, das heißt auf die Disjunktion wahr/unwahr antworten. Dem entsprechen Totaltheorien […], die den Versuch einschließen die Unwahrheit anderer Totaltheorien als Element der Wahrheit der eigenen zu konstruieren.“ (Luhrmann, 2005, S. 290). Ramelow (1997) argumentiert, dass Begründungen disjunktiv vollzogen werden können: „Entweder die hypothesis existiert nicht, oder sie existiert simultan mit der entsprechenden Handlung“ (Ramelow, 1997, S. 7). Außerdem muss sich der Sprecher bzw. Forscher einem konkreten sachlichen Zusammenhang verpflichten. Weiters geht er davon aus, dass diese Disjunktion als Ganzes einen determinierten Wahrheitswert hat, weil sie notwendig war ist (Ramelow, 1997, S. 68).

Die Thematik Disjunktion – bezogen auf das Rubikonmodell von Heckhausen – kann folgendermaßen interpretiert werden; Kuhls Anliegen bestand darin, mit seiner Theorie zur willentlichen Handlungskontrolle, die „Unwahrheit“ des Rubikonmodells zu beheben, indem er u.a. versuchte das „Handlungsloch“ zwischen Motivation und Handeln zu füllen. Sein umfangreiches Modell beleuchtet den gesamten Handlungsablauf und hat insbesondere die „Realisierung einer Intention“ im Blick. Zudem geht Kuhl davon aus, dass Handlungskontrolle und motivationspsychologische Probleme nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern vielmehr die Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Bestandteilen in ein Gesamtmodell inkludiert werden müssen. Dazu zieht Kuhl u.a. Achs Willenspsychologie, sowie Selbstkontroll- und Selbstregulationskonzepte der klinischen Psychologie heran.

Damit geht es bei der Handlungskontrolle v.a. um willentliche und selbstregulierende Kontrollprozesse. Die zentrale Idee, dass die der Handlungskontrolle inhärente Realisationsmotivation über optionale aber bewusst gesteuerte Vermittlungsprozesse gesteigert werden kann, indem neben einer bewussten Kontrolle der Entkodierung, Umwelt und Aufmerksamkeitslenkung v.a. Verstärkungsschleifen zurück auf die erste Phase gelenkt werden (Motivationskontrolle), macht dies in besonderer Weise deutlich. (Dahlhaus, 2004, S. 155f).

Kuhl schreibt, dass „die Theorie der willentlichen Handlungssteuerung, dazu beitragen [soll], einige Beschränkungen kognitions- und motivationspsychologischer Ansätze zu überwinden“ (Kuhl, 2001, S. 191). Welches seiner Ansicht nach vor allem mithilfe dynamischer Wechselwirkungen zwischen kognitiven und subkognitiven Makrosystemen (siehe 3.2.1.2) gelingt und Beschränkungen kognitionspsychologischer Ansätze somit überwunden werden können (vgl. Kuhl, 2001, S. 191).

Dieser Exkurs sollte verdeutlichen, dass wissenschaftliche Modelle oftmals „Lücken“ und „Unwahrheiten“ besitzen und Weiterentwicklungen der Wahrheitsfindung dienen soll bzw. kann.

Diese Grafik verdeutlicht die verschiedenen Einflüsse auf die PSI-Theorie. Fettgedruckte Theorien habe ich aufgegriffen, normalgedruckte nicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Organigramm zu den möglichen Einflüssen auf die Entwicklung der PSI-Theorie (Eigendarstellung).

3.1.1.4 Definition von Motivation

Wie bereits erwähnt ist es aufgrund der hohen Anzahl von Motivationstheorien schwierig, eine einheitliche Definition von Motivation zu finden. Vielmehr haben sich unterschiedliche Vorstellungen zu diesem Begriff entwickelt (vgl. Rheinberg, F. 2000, S. 16f). Allgemein werden Motive in der Psychologie als richtunggebende, leitende und antreibende psychische Ursachen des Handelns beschrieben. Sie befähigen ihren Besitzer, bestimmte Gegenstände wahrzunehmen und durch diese eine emotionale Erregung zu erleben, daraufhin in bestimmter Weise zu handeln oder wenigstens den Impuls zur Handlung zu verspüren. Unterschieden werden dabei zwei Arten von Motiven.

(1) Biogene oder primäre Motive sind angeboren, besitzen eine genetische Grundlage und eine phylogenetische Entwicklung. Forschungen zeigen, dass angeborene Motive durch Umwelteinflüsse überlagert und ausgestaltet werden können (z.B. Wirkung von Erziehung).
(2) Soziogene oder sekundäre Motive, welche erlernt bzw. erworben werden müssen. Entscheidend für deren individualspezifische Ausprägung sind besonders die Einflüsse während der ersten Lebensjahre. Das Zusammenwirken beider Motivarten kann am Beispiel von Hunger verdeutlicht werden. Hunger ist normalerweise ein primäres Motiv, muss aber als sekundär bezeichnet werden, wenn er zur Mittagszeit auftritt. Motive sind vital bedeutungshaltige, universelle Anliegen und Antworten auf fundamentale Probleme des Überlebens und der Fortpflanzung. Dies lässt die Folgerung zu, dass die meisten Motive beim Menschen universell und überkulturell sind. Man nimmt an, dass Motive relativ grob umfasste Verhaltensprogramme sind, die durch die jeweilige Kultur sozialisiert werden, wobei der kulturelle Wandel auch das Hervorbringen immer neuer Motive bewirkt (vgl. Stangl, 1997).

Jung hat Motivation folgendermaßen definiert:

Grundlage der Motivation sind die individuellen Bedürfnisse der Menschen. Aus dem Streben des Menschen, seine Bedürfnisse zu befriedigen, resultieren Verhaltensbereitschaften, die als Motive bezeichnet werden. Mit Motiv wird alles das bezeichnet, was eine zielgerichtete Handlung in Gang setzt. Motivation ist ein Sammelbegriff für viele umgangssprachliche Ausdrücke, z.B. Trieb, Drang, Streben, Wollen (Jung, 2008, S. 367).

Diese Beschreibung von Motivation bestätigt die Auffassung, dass motiviertem Verhalten kein reiner Reiz-Reaktionsmechanismus zugrunde liegt. Vielmehr muss ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die man als Bedürfnis, Motiv und Anreiz bezeichnen kann, vorliegen, um eine Aktion bzw. ein Verhalten hervorzurufen. Die Beweggründe für menschliches Handeln kann man zusammenfassen unter erstens physische, psychische und soziale Motive (welche den Grundmotiven nach Kuhl am ehesten entsprechen), zweitens als primäre und sekundäre Motive und drittens als intrinsische und extrinsische Motive.

Es kann festgehalten werden, dass in allen Ansätzen drei zentrale Konzepte deutlich hervorstechen. In der Terminologie von Heckhausen sind dies (vgl. Heckhausen, 2003, S. 9ff): Die Motive, welche eine personale Größe im Lebewesen selbst darstellen und ja nach Ansatz als Instinkte, Bedürfnisse oder Anliegen tituliert werden. Fest steht, dass Motive die inneren Beweggründe des Verhaltens sind. Unterschiedliche Meinungen existieren bei der Frage, ob Motive universell oder individuell ausgeprägt und ob sie angeboren oder erlernt sind.

Die Motivation, welche das Verhalten beschreibt, das aufgrund des Zusammenwirkens von Person und Situation entsteht. Einen besonderen Einfluss hierauf hat die Volition (oftmals auch Wille genannt), denn sie kann eine Handlung entweder begünstigen oder verhindern, so dass eine Motivationstendenz zu keiner Handlung wird. Trotz Heckhausens Bemühungen muss erwähnt werden, dass diese Vielfalt an unterschiedlichen Begriffen und Definitionen eine Vereinheitlichung extrem erschwert.

Heckhausen definiert Motivation folgendermaßen:

Motivation ist in der Psychologie eine Sammelbezeichnung für vielerlei Prozesse und Effekte, deren gemeinsamer Kern darin besteht, daß ein Lebewesen sein Verhalten um der erwarteten Folgen willen auswählt und hinsichtlich Richtung und Energieaufwand steuert. Die im Verhalten zu beobachtende Zielgerichtetheit, der Beginn und der Abschluß einer übergreifenden Verhaltenseinheit, ihre Wiederaufnahme nach Unterbrechung, der Wechsel zu einem neuen Verhaltensabschnitt, der Konflikt zwischen verschiedenen Zielen des Verhaltens und seine Lösung – all dies wird dem Problemfeld ´Motivation` zugerechnet (Heckhausen, 1989, S. 10f).

Rheinberg definiert Motivation als die „aktivierende Ausrichtung des momentanen Lebensvollzugs auf einen positiv bewerteten Zielzustand.“ (Rheinberg, 2004, S. 15). Rheinberg und Krug (2005) verstehen Motivation eher als Gedankenkonstrukt, welches Verhalten anhand von Zielgerichtetheit, Intensität und Ausdauer erklärbar macht (Rheinberg & Krug, 2005, S. 23). Nach Rheinberg (2002) kennzeichnen vier Merkmale das Phänomen Motivation. Erstens die Aktivierung, bei der Verhalten in Bewegung bzw. Energie umgesetzt wird. Zweitens die Richtung, bei der die Aktivität bzw. Bewegung so lange auf ein Ziel fokussiert ist, bis dieses erreicht ist. Drittens die Intensität, die den Grad der Aktivierung beschreibt und viertens die Ausdauer, anhand derer die Beständigkeit eines Verhaltens gemessen wird (Rheinberg 2002, zitiert nach Schaber, 2007, S. 30).

[...]

Details

Seiten
212
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640533602
ISBN (Buch)
9783640533879
Dateigröße
17.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v143222
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
1,0
Schlagworte
Motivation Motivationale Effekte Seminars Gibt Veränderungen Teilnehmern Bereich Anschluss- Leistungs- Machtmotivation Motivationsdiagnostik Unterschiede Gruppen

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Titel: Motivation - Motivationale Effekte eines (Personal-)Coaching Seminars