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Humboldts und Hegels klassischer Bildungsbegriff

Seminararbeit 2002 25 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildung als historisches Problem
2.1 Einführung
2.2 Klassischer Bildungsbegriff – Einführung

3. Geschichtliche Ausgangssituation

4. Humboldts Bildungsbegriff
4.1 Wer war Humboldt?
4.2 Bildungsbegriff
4.2.1 Theorie der Bildung des Menschen
4.2.2 Verhältnis Mensch – Welt
4.2.3 Zweck / Bestimmung des Menschen
4.3 Bildungsreform
4.3.1 Einführung
4.3.2 Neue Institutionen
4.3.2.1 Zentrale Organisation
4.3.2.2 Allgemeinbildung
4.3.2.3 Gliederung des Bildungsganges
4.3.2.3.1 Einführung
4.3.2.3.2 Elementarunterricht
4.3.2.3.3 Schulunterricht
4.3.2.3.4 Universitätsunterricht
4.3.2.4 Lehrerbildung
4.3.3 Neues Selbstverständnis der Wissenschaften
4.4 Resümee

5. Hegels Bildungstheorie
5.1 Wer war Hegel?
5.2 Bildungstheorie
5.2.1 Einführung
5.2.2 Hegels Auffassung von Bildung
5.2.3 Erziehung und Bildung
5.2.4 Allgemeinbildung
5.3 Resümee

6. Schlussbemerkungen

1. Einleitung

Bildung stellt sich gleichzeitig als aktuelles und als historisches Problem dar (Wehnes, 2001, S. 278). In dieser Hausarbeit wird ein Teil der Historie betrachtet, denn die Problematik des klassischen Bildungsbegriffs steht im Vordergrund. Wie stellt sich also dieser klassische Bildungsbegriff dar? Welche wichtigen Vertreter gab es? Und welche Rolle kam dabei den Bildungsinstituten zu?

2. Bildung als historisches Problem

2.1 Einführung

Bildung ist nicht nur der Schlüsselbegriff der Erziehungswissenschaft schlechthin, denn schon immer bestand ein „Wettstreit der pädagogischen Grundbegriffe, in denen sich die zeitbedingten Auffassungen vom Menschen und seiner Humanisierung widerspiegelten“ (Wehnes, 2001, S. 279).

Beim Wechsel vom 18. zum 19. Jahrhundert und besonders im 19. Jahrhundert selbst stand der Bildungsbegriff vor dem Erziehungsbegriff (a.a.O.). 1780 fand man erstmals eine wissenschaftliche Beziehung der begriffe Erziehung, Unterricht und Bildung, wobei die Erziehung noch an erster Stelle stand (a.a.O.). Ein viertel Jahrhundert später, also 1805, wurde der Zusammenhang von Erziehung und Unterricht in der Form thematisiert, das nicht zu klären war, „wozu sie sich vereinigen“ und welche Rolle der Begriff der Bildung dabei spielte (a.a.O.). Bei Herbart stand 1806 wieder der Erziehungsbegriff als Grundkategorie im Vordergrund und ihm kam es auf einen „erziehenden Unterricht“ an (a.a.O.). Nach Wehnes stellte Humboldts Bildung eine Art „Gegen[...]mittel gegen die Zerrissenheit seines Zeitalters“ dar, da der Mensch immer mehr als Objekt bzw. Zweck angesehen wurde (a.a.O.). Aber im Gegensatz dazu entwickelte Schleiermacher eine Erziehungstheorie ohne direkten Bezug zum Bildungsbegriff (a.a.O.).

Im 20. Jahrhundert wechselte ebenfalls die Bedeutung von Erziehung und Bildung hin und her, das einerseits das „bürgerliche Bildungsdenken“ immer wichtiger wurde und Bildung dadurch sozial-elitär erschien (a.a.O.). Andererseits wurde Bildung als kognitive Formung sowie Erziehung als sittliches Verhalten betrachtet und dabei getrennt, was dazu führte, dass Erziehung als Grundbegriff der Pädagogik angesehen wurde, da hierbei die Existenz betreffende Prozesse (Entscheidung, Verantwortung, Gewissen, Charakter) einbezogen werden mussten (a.a.O.).

Der Bildungsbegriff ist aber auch heute noch aktuell, was Spranger in seinem Stufenmodell („Grundlegende Bildung, Berufsausbildung, Allgemein-bildung“) und Kerschensteiner mit einem „Berufsbild als Pforte zur Menschenbildung“ deutlich machen (a.a.O.). Und durch stetig wandelnde gesellschaftliche Umstände knüpft der Bildungsbegriff neue Beziehungen mit Technik, Arbeit usw. (a.a.O.).

Bei Bildung als historisches Problem geht es also u.a. darum, zu klären, wie der Mensch, der Sinn des Lebens und die Humanität definiert werden (a.a.O.). Somit wird auf den Ernst der Lage hingewiesen, um Überlegungen zu fördern, die eine wirkliche Veränderung des Bildungsbegriffs heraus-arbeiten (a.a.O.).

Bei der Betrachtung der Bildung als historisches Problem gibt es drei große Bereiche: erstens den vorklassischen Bildungsbegriff, zweitens den klassischen Bildungsbegriff und drittens Bildung im 19. Jahrhundert (a.a.O., S. 279 ff). Hier wird nur auf den klassischen Bildungsbegriff eingegangen; ersteres und letzteres steht hier nicht zur Debatte.

2.2 Klassischer Bildungsbegriff - Einführung

Des weiteren gibt es den klassischen Bildungsbegriff, der etwa um 1800 aus den genannten Konzeptionen hervorging (Wehnes, 2001, S. 282). Vorbereiter dieser Idee waren Rousseau und Pestalozzi mit ihrer Idee einer allgemeinen Menschenbildung, in der die Beziehungen zwischen Individualität und Kollektivität, von Bildung und Beruf und von Mensch und Gesellschaft mitdenkt (a.a.O.). Dies liegt aber nicht an einer Gleichgültigkeit an der gesellschaftlichen und beruflichen Realität, sondern an der Zerrissenheit und Verzweckung des Menschen (a.a.O.). Die Gesellschaftsentwicklung bewirkte, das das Individuum immer mehr spezialisiert und abgegrenzt wird, wodurch es seiner „vollen Menschlichkeit“ beraubt wird (a.a.O.). Dies rechtfertigt das Herausstellen von Ganzheit und Allseitigkeit sowie von Autonomie und Freiheit und der Abwehr früher beruflicher Eingepasstheit und gesellschaftlicher Nützlichkeit (a.a.O.).

Die zwei wichtigsten Vertreter des klassischen Bildungsbegriffes sind Humboldt und Hegel (a.a.O.). Wie also sahen Humboldts Bildungsbegriff und Hegels Bildungstheorie genau aus? Wie stellten sie den Menschen in der Welt dar und welche Beziehung spielte bei jedem Einzelnen von den Beiden die Bildung? Wie wurde sie definiert? Auf all diese Fragen wird in den folgenden Ausführungen eingegangen.

3. Geschichtliche Ausgangssituation

Der deutsche Idealismus ist wie der Name schon sagt eine durch Ideen bzw. Ideale bestimmte Weltanschauung im 19. Jahrhundert (Brockhaus, 2000, S. 400). Er ist grob zu gliedern in subjektiven (es wird um Werte gekämpft und die Ethik als verpflichtend angesehen was in Form von neuer Ideen, politischer Daseinsformen und Revolutionen geschieht) und objektiven (harmonische Entwicklungen, die „organisches Wachsen“ mit sich bringen) Idealismus (Schultes / Lengle / Mohr, 1999, S. 31 f).

Parallel zum Idealismus existierte noch der Neuhumanismus in Deutschland (Brockhaus, 2000, S. 396). Die Blütezeit des Humanismus war bereits im 16. / 17. Jahrhundert und er besaß u.a. das Ziel einer umfassenden Bildung des Menschen (a.a.O.). Diese umfangreiche wissenschaftliche und sittliche Bildung sollte die Voraussetzung für die Persönlichkeitsentfaltung und Vervollkommnung des Menschen im Diesseits sein (Harenberg, 1994, S. 1303). Der Neuhumanismus ist nun die Erneuerung der humanistischen Bewegung und hier waren von großer Bedeutung die Idee der Humanität und die Grundlage des Bildungswesens (Brockhaus, 2000, S. 636).

Humboldts Bildungstheorie steht also im Mittelpunkt des Neuhumanismus, denn er teilt mit anderen Neuhumanisten die skeptische Haltung zu seiner Zeit (Menze, 1975, S. 9). Dies erklärt sich dadurch, dass er erkannte, dass die Welt bzw. die Menschheit zwar verändert wird (z.B. durch Kenntniszunahme in allen Wissenschaften, Höhepunkt von Literatur und Kunst, Verwissenschaftlichung der Lebensbedingungen und Lebensverhältnisse – u.a. der Erziehung –, „Maschinisierung“ von Politik und Staat, Austausch von Handwerk durch die Industrie, Emanzipation des Bürgertums mit Auseinanderfall von politischer und sozialer Elite, ...), aber keine Verbesserung auftrat, da sich sogar noch ein Graben zwischen neuen Erkenntnissen und moralischer Entwicklung auftat (a.a.O.). Und die Existenz eines Gottes (welcher Religion auch immer) wird öffentlich diskutiert und angezweifelt, da Religion nicht länger als Vernunfts- sondern als Gemütsentscheidung zu betrachten ist (a.a.O., S. 10).

Die Verwissenschaftlichung der Erziehung bringt das Denken und die Praxis in einem bisher vernachlässigten Zusammenhang und stellt damit ein Schritt zur eigenen Vervollkommnung dar, aber es bleibt ein fader gesellschaftlicher und staatlicher Nachgeschmack übrig (a.a.O., S. 12).

4. Humboldts Bildungsbegriff

4.1 Wer war Humboldt?

Einer der beiden Haupttheoretiker des klassischen Bildungsbegriffs ist Wilhelm Freiherr von Humboldt (Wehnes, 2001, S. 280), der am 22. Juni 1767 in Potsdam geboren wurde und am 08. April 1835 in Berlin / Tegel verstarb (Harenberg, 1994, S. 1304). Er wird als Hauptvertreter des Humanismus in der Zeit des deutschen Idealismus angesehen und galt u.a. als Reformer, Kulturpolitiker, Staatsphilosoph sowie als Geschichts- und Sprachtheoretiker (a.a.O.).

4.2 Bildungsbegriff

4.2.1 Theorie der Bildung des Menschen

Die oben genannte Verbesserung der Verwissenschaftlichung der Erziehung ist nach Humboldt nur möglich, wenn mit der Bildung begonnen wird (Menze, 1975, S. 12). Dazu ist eine Theorie (Theorie der Bildung des Menschen) notwendig, die „über die Aufhellung des gegenwärtigen Zustandes hinaus eine verlässliche Orientierung über die Handlungsmöglichkeiten angesichts der dominierenden Zeittendenzen bietet“ (a.a.O., S. 14).

Humboldt entwickelte so eine Theorie der Bildung des Menschen (a.a.O., S. 19). In dieser Wissenschaft geht es um die Bedingungen und Wege, um der Diskrepanz entgegenzuwirken und die Bildung des Menschen zu erreichen (a.a.O.), denn Humboldt versucht die „Prinzipien der Bildung in ihrem ganzen Zusammenhang (zu) behandeln“ (Wehnes, 2001, S. 282).

[...]

Details

Seiten
25
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638197267
ISBN (Buch)
9783656646129
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14272
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Klassischer Bildungsbegriff Beispielen Humboldt Hegel Seminar Ordnung Wissens Bildung Unterricht Beispiel Frühen Neuzeit

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Titel: Humboldts und Hegels klassischer Bildungsbegriff