Lade Inhalt...

Vergleich von amerikanischem und deutschem Schulsport am Beispiel Bayern und Florida

Examensarbeit 2003 139 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Untersuchungsgegenstand und Untersuchungsziel

3. Gesellschaftliche Bedeutung des Schulsports
3.1 In Deutschland
3.2 In den USA

4. Das bayerische Bildungssystem

5. Bayerischer Schulsport
5.1 Sportunterricht
5.1.1 Eingliederung des Sportunterrichts in das Schulsystem
5.1.2 Bayerischer Lehrplan
5.1.3 Basissportunterricht
5.1.4 Erweiteter Basissportunterricht / Differenzierter Sportunterricht
5.1.5 Grundund Leistungskurs
5.2 Außerunterrichtlicher Schulsport
5.2.1 Leistungssport
5.2.1.1 Sportangebot für Schulmannschaften
5.2.1.2 Wettkampfstruktur
5.2.1.3 Mannschaften
5.2.1.4 Trainingsorganisation
5.2.1.5 Ehrungen
5.2.2 Kooperation Schule und Verein (SAG / Stützpunkt)
5.2.3 Sportbetonte Schulen – Sportgymnasien
5.3 Sportanlagen
5.4 Sportlehrer

6. Das amerikanische Bildungssystem

7. Amerikanischer Schulsport am Beispiel Florida
7.1 Sportunterricht
7.1.1 Eingliederung des Sportunterrichts in das Schulsystem
7.1.2 Florida Lehrplan
7.1.3 Required Classes (Pflichtsportkurse)
7.1.4 Electives (Sportwahlfächer)
7.2 Außerunterrichtlicher Sport
7.2.1 Leistungssport
7.2.1.1 Sportangebot für Schulmannschaften
7.2.1.2 Wettkampfstruktur
7.2.1.3 Mannschaften
7.2.1.4 Trainingsorganisation
7.2.1.5 Ehrungen
7.2.2 Breitensport
7.3 Sportanlagen
7.4 Sportlehrer

8. Juxtaposition und Vergleich
8.1 Gegenüberstellung und Vergleich des Sportunterrichts von Florida und Bayern
8.2 Außerunterrichtlicher Sport
8.3 Ausblick

9. Literaturverzeichnis

10. Abbildungsverzeichnis

11. Anhang

1. Vorwort

Im Jahr 1995 / 1996 war ich als Austauschschüler ein Jahr in den USA und besuchte dort die 12. Klasse der William R. Boone High School in Orlando, Florida. Am Ende dieses Jahres legte ich den High School Abschluss ab und bekam als Abschlussurkunde das High School Diplom.

Erstaunlich umfangreich war das Sportangebot der High School. Ich hatte täglich bis zu vier Stunden Sport, wobei ich mich für die Volleyballund die Leichtathletik- Schulmannschaft qualifizieren konnte.

Nach diesem erkenntnisreichen Austauschjahr absolvierte ich unter anderem mit dem Leistungskurs Sport, dessen vielfältiges Sportangebot mich faszinierte, mein Abitur in Bayern, wobei ich auch hier mehreren Schulmannschaften angehörte.

Im folgenden Wintersemester fing ich in München an Mathematik und Sport für das Lehramt am Gymnasium zu studieren.

Seit September 2001 erteile ich neben meinem Studium am Gymnasium Fürstenried West mit vier Stunden pro Woche Sportunterricht.

Meine persönlichen Erfahrungen mit dem deutschen, aber auch amerikanischen Schulsport inspirierten mich die Integration des Sports in beiden Schulsystemen zu vergleichen.

In meiner Zulassungsarbeit vergleiche ich deshalb den Schulsport einer High School in Florida mit dem an einem bayerischen Gymnasium, gehe auf Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Vorbzw. Nachteile ein, erläutere die Pflichtund Wahlsportkurse sowie das Sportfreizeitangebot an der Schule, komme auf die jeweiligen Schulmannschaften zu sprechen und arbeite die unterschiedliche Bedeutung des Sports für jedes Land heraus.

Dazu gehe ich zunächst auf die grundsätzlich differenzierte Bedeutung des Sports in beiden Ländern ein, erläutere dann die unterschiedlichen Bildungssysteme und diskutiere schließlich den jeweiligen Sportunterricht bzw. außerunterrichtlichen Sport.

Abschließend befasse ich mich mit einigen Möglichkeiten für die Zukunft des Schulsports in Bayern.

Bedanken möchte ich mich hierbei nach ganz herzlich bei meinem amerikanischen Freund Tim Gross, der mir viele Fotos der William R. Boone High School schickte und es mir so ermöglichte, bestimmte Kaptitel dieser Zulassungsarbeit mit Fotos zu illustrieren.

2. Untersuchungsgegenstand und Untersuchungsziel

Der Schulsport in Florida und Bayern ist Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit. Die Wahl dieser beiden Bundesländer hat folgende Gründe:

Ich wählte das Bundesland Bayern, da ich zum einen Mathematik und Sport für das Lehramt am Gymnasium in Bayern studiere, zum anderen seit zwei Jahren in München Sportunterricht in einem Gymnasium erteile, und weil ich selbst von den Untersuchungsergebnissen in meiner späteren Sportlehrertätigkeit in Bayern profitiere.

Ich entschied mich für den Bundesstaat Florida, da Florida ein sehr körperzentrierter Staat ist. Zudem konnte ich zusätzlich in einem einjährigen Austauschprogramm den Schulsport selber dort miterleben und erfahren.

Neben einem allgemeinen Vergleich des Schulsports der beiden Bundesländer ist mein Untersuchungsziel auf die Klärung von drei Fragestellungen gerichtet:

1) Wie ist der Bildungsgehalt im Schulsport?
2) Welchen Stellenwert hat die Gesundheitserziehung im Schulsport?
3) Welche Rolle spielt der Leistungsbegriff im Schulsport?

Bildung und Erziehung ist ein festgelegter Auftrag aller bayerischen Gymnasien. Dieser Bildungsgedanke trifft auch auf den Sportunterricht zu.

Laut Heigl und Zöpfl ist Bildung „[…] der Vorgang, in dem der einzelne Mensch ein Verhältnis zum Ganzen gewinnt, so dass er in den Entscheidungen seiner Freiheit sicher wird, den Vorgang, in welchem er sich der Grundstrukturen seiner Welt versichert, so dass er allen neuen Erfahrungen und Begegnungen ihren Ort im Ganzen zuweisen kann.

[Heigl / Zöpfl; 2001;10]

Sportunterricht sollte also nicht nur die Vermittlung von motorischen Fertigkeiten sein, sondern auch die Förderung von bestimmten Kompetenzen, bzw. Persönlichkeitseigenschaften beinhalten.

Nach dem Kompetenzmodell von Wohlgefahrt handelt es sich dabei um vier Säulen der Persönlichkeitseigenschaften, nämlich Motorik, Selbstkonzept, soziale Interaktion und Kognition. Diese können im Sportunterricht gefördert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1; Kompetenzmodell nach Wohlgefahrt

Wohlgefahrt versteht unter Motorik die Gesamtheit der Struktur und Funktion des menschlichen Bewegungssystems. Der Schüler soll dabei motorische Vorgänge bewusst durchführen und steuern können, wie beispielsweise die motorische Grundqualifikation des Laufens und Werfens.

Bei der Säule des Selbstkonzepts handelt es sich um den Kern des Selbstbewusstseins. Der Schüler lernt beispielsweise sich selbst wahrzunehmen, sich selbst einzuschätzen, sich selbst zu beobachten und danach zu handeln

Mit sozialer Interaktion ist der Prozess der Beeinflussung von Partnern und Gruppen durch Kommunikation und Handeln gemeint. Gruppendynamik, Dominanz, Unterordnung und Festlegung von Gruppenregeln sind einige Lernziele der sozialen Interaktion.

Die vierte Säule, die Kognition befasst sich mit dem Vorgang der Erkenntnissysteme. Hierbei soll der Schüler unter anderem lernen, Bewegungen und Handlungen zu beschreiben und zu analysieren. [vgl. Wohlgefahrt, 5f]

Sportunterricht soll also den ganzen Menschen berücksichtigen und zu einem selbständigen Handeln im Sport befähigen. Handeln wird dabei als sinnsuchendes und sinngeleitetes Tun verstanden.

Die Frage nach der Umsetzung von Bildung und Erziehung im Sportunterricht versucht beispielsweise Eckart Balz durch „drei Argumente für den Schulsport“ zu beantworten. [vgl. Balz; 2000; 38f]

Sein Beitrag beschäftigt sich mit der Legitimationsdebatte um den Schulsport. Sport bildet aus seiner Sicht auf drei Ebenen.

1. Erziehung zum Sport:

Die Schülerinnen, die Schüler sollen Sportartenkompetenz erlangen, das heißt sie sollen mit dem wertvollen Kulturgut Sport vertraut gemacht und darauf vorbereitet werden. Der Kompetenzbereich liegt in den traditionellen Sportarten, die unterteilt werden in Sport- Sportarten, Kunst-Sportarten und Spiel-Sportarten. Für ihre Ausübung sollen Kinder und Jugendliche in der Schule die notwendigen Fähigkeiten entwickeln und die einschlägigen Fertigkeiten erlernen. Bildung konzentriert sich dabei auf den physisch-motorischen Bereich und wird deshalb auch „materielle Bildung“ genannt.

2. Erziehung im Sport:

Das Erlernen einer Handlungsfähigkeit im Sport steht hier im Mittelpunkt. Es sollen dabei sechs pädagogische Perspektiven im Schulsport thematisiert und gegenübergestellt werden. Zu fördern sind der körperliche Ausdruck und die Bewegungsgestaltung, das gemeinsame handeln, spielen und verständigen, Leistung erfahren und reflektieren, sich etwas trauen und dieses auch verantworten, Verbesserung der Wahrnehmungsfähigkeit und Fitness, Erweiterung der Bewegungserfahrung sowie die Entwicklung eines Gesundheitsbewusstseins. Alle sechs Perspektiven können zusammen als kategoriale Bildung gedeutet werden. Sie sind so genante Schlüsselpunkte der Bildung im Sportunterricht.

3. Erziehung durch Sport:

Sport bereichert unser Leben, gemeint ist also eine Erziehung zur Lebenskunst. Die Schülerinnen, die Schüler sollen zur Sorge um sich angeregt werden und Sport dabei als Möglichkeit der Lebensbereicherung sehen. Vermittlung von reflektierendem Verhalten ist dabei genauso entscheidend wie die Freude an der Bewegung. Bildung durch Sport sollte in jedem Fall ein offener Prozess sein, der individuelle Orientierung bietet und zur aktiven Auseinandersetzung anregt. Erziehung durch Sport kann auch als formale Bildung begriffen werden.

Erziehung zum, im und durch den Sport ergänzt sich gegenseitig und muss ganzheitlich gesehen werden. [vgl. Balz; 2000; 38f]

Bildung im Schulsport ist also unerlässlich. Bildender Sportunterricht vermeidet bloße Wissensvermittlung, sondern gibt den Kindern Hilfen selbständig zu werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt im Schulsport ist die Gesundheitsförderung. Gesundheit wird heute „als ein Gleichgewicht verstanden, als der Zustand des objektiven und des subjektiven Befindens einer Person, der dann gegeben ist, wenn diese Person sich in den physischen und sozialen Bereichen ihrer Entwicklung in Einklang mit den eigenen Möglichkeiten und Zielvorstellungen und auch in Einklang mit den gegebenen äußeren Lebensbedingungen befindet“. [Brodtmann; 1998; 15]

Gesundheit ist nicht mehr gegeben oder beeinträchtigt, wenn sich in einem oder mehreren dieser Bereiche Probleme ergeben bzw. Anforderungen nicht mehr bewältigt werden können.

Die derzeitige traditionelle Gesundheitsförderung im Schulsport sieht folgendermaßen aus: Ein Problem und seine Konsequenzen wird gesehen, die Ursachen werden erforscht und dann versucht mit Hilfe des Schulsports zur Bewältigung des Problems beizutragen. Dieses Risikofaktorenmodell ist defizitorientiert und angesichts neuester gesundheitswissenschaftlicher Forschungsergebnisse eindeutig in Frage zu stellen.

Interessant ist hierbei das Konzept der Salutogenese nach Antonovsky. Er fragt nicht mehr nach dem, was Menschen krank werden lässt, sondern was lässt den Menschen gesund bleiben auch wenn er erheblichen Risikofaktoren ausgesetzt ist. Gesundheitsförderung wird unter salutogenetischer Perspektive in erster Linie durch Stärkung und Entwicklung der individuellen Schutzfaktoren betrieben. Hierbei handelt es sich unter anderem um personale Ressourcen wie eine ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit gegenüber eigenen Bedürfnissen und einer gelebten Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns. Des Weiteren zählt dazu eine optimistische Lebenseinstellung, eine soziale Beziehungsfähigkeit, eine Überzeugung auch bei schwierigen Lebensereignissen die Kontrolle über das eigene Leben behalten zu können und eine generelle Einstellung, Veränderungen im Leben als Herausforderung zu sehen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation zielt Gesundheitsförderung grundsätzlich auf das Verbessern der Voraussetzungen, dauerhaft gesund zu bleiben. In der Ottawa - Charta der WHO heißt es unter anderem, dass alle Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung bekommen sollen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Hier ist bereits eine deutliche Annäherung an den salutogenetischen Ansatz zu erkennen. Die WHO unterscheidet dabei eine Gesundheitsförderung als Verhältnisprävention mit dem Ziel, potentiell gesundheitsbeeinträchtigende Verhältnisse zu verändern und eine Geundheitsförderung als Verhaltensprävention, mit dem Ziel, individuelle Verhaltens- öglichkeiten in gesundheitsförderlicher Weise zu beeinflussen.

Gesundheitsförderung als Verhältnisprävention im Schulsport bedeutet, so weit möglich, optimale Voraussetzungen auf der strukturellen Ebene zu schaffen wie zum Beispiel beim Bodenturnen eine Matte unterzulegen, Hilfestellung zu geben, oder allgemein alle die Gesundheit gefährdenden Gefahrenquellen auszuschalten.

Gesundheitsförderung als Verhaltensprävention im Schulsport versucht die Eigenkräfte der Schülerinnen und Schüler zu aktivieren und zu unterstützen. Die Kinder und Jugendlichen sollen bestärkt werden, sich selbst etwas zuzutrauen und Vertrauen in eigene Fähigkeiten und Potentiale zu gewinnen. Der Ansatz verfolgt das Ziel, dass die Verantwortung für das eigene Leben und die Gesundheit übernommen wird und eigene Lebensräume aktiv gestaltet werden. Gesundheitsförderung im Schulsport nach salutogenetischer Sichtweise stärkt also die Person des Kindes und unterstützt die Entwicklung ihrer gesundheitsbedeutsamen „personalen Ressourcen“. [Brodtmann; 1998; 15ff]

Die Vergangenheit der Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen zeigt, dass Aufklärungsarbeit oder Abschreckungsgeschichten oft auf längere Sicht wenig Wirkung zeigen (zum Beispiel beim Rauchen und Drogenkonsum). Das salutogenetische Konzept mit dem Paradigmenwechsel von der Fragestellung „Was lässt Menschen krank werden“ zu „Was erhält Menschen gesund“ ist deshalb sicherlich auch im Schulsport ein sinnvolles und diskutables Umdenken in der Gesundheitserziehung.

Der Leistungsbegriff ist in der Schule generell und natürlich auch im Schulsport ein zentrales Thema. Von Leistung kann dann gesprochen werden, wenn die durchgeführten Aktivitäten durch ein Anfang und Ende charakterisiert sind und so die Bewältigung einer Aufgabe wieder spiegeln. Ob die Aufgabe bewältigt wird, hängt wiederum vom Können und Wollen der betroffenen Person ab. Ich wählte Hecker, weil sein Konzept zur Klärung des Leistungsbegriffs sehr anschaulich und klar verständlich ist. Er spricht von einer Dreiteilung des Leistungsbegriffs und bezeichnet als Leistung:

1. Jede absichtsvolle gelungene Handlung. Die Person muss dabei ein Können und Wollen mitbringen. Es bedarf hierbei keiner Beziehung zu irgendwelchen anderen Ansprüchen außerhalb des Individuums.
2. Jede Handlung, die mit eigenen, vorherigen in Beziehung gesetzt wird. Es geht hier um den intra-individuellen Vergleich und die eigene Entwicklung steht im Vordergrund. Zudem jede Handlung, die im Vergleich zu anderen steht, zum Beispiel mit Klassenameraden oder einer anderen Gruppe.
3. Der Vergleich mit einem vorher festgelegten Standard. Hier geht es um das Erfüllen einer festgelegten Norm. [vgl. Hecker; 1993; 13f]

Hecker hat Leistung klar definiert. Schüler vergleichen eigene Ergebnisse mit Ergebnissen anderer Mitschüler oder mit festgelegten Standards. Dies kann Anreiz und Motivation einerseits schaffen, aber andererseits auch den Selbstwert drücken und vor allem bei längerer Erfolglosigkeit zu Minderwertigkeitskomplexen führen. Hier stellt sich die Frage nach dem pädagogischen Vorgehen des Sportlehrers.

Unterrichten ohne Leistung ist undenkbar. Sie sollte jedoch ein individuumsbezogener Prozess sein, mit einem Wechselspiel von Person und Situation. Die Gerechtigkeit steht dabei im Mittelpunkt, ist natürlich nicht immer absolut gegeben. Der Lehrende muss die Fähigkeit entwickeln, Leistungen differenziert und individuell zu betrachten. Kleiner gebaute Kinder haben beispielsweise oft größere Schwierigkeiten beim Hochsprung als die Großgewachenen. Leistungssituationen im Sportunterricht können Schülerinnen und Schüler in großem Maße helfen, ihre individuelle Besonderheit zu finden. Ein übertriebener und an festgelegten Maßstäben durchgeführter Leistungsanspruch des Sportlehrers kann jedoch gerade im Sportunterricht den sensiblen Prozess der Identitätsfindung von Kindern und Jugendlichen stören.

3. Gesellschaftliche Bedeutung des Schulsports

3.1 Gesellschaftliche Bedeutung des Schulsports in Deutschland

Die Bedeutung und der Stellenwert des Schulsports haben sich in Deutschland im Laufe der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts verändert.

Nach der Körperzentrierung im Kontext Wehrertüchtigung im dritten Reich fand eine komplette Umstrukturierung im Sport nach Ende des II. Weltkriegs statt und auch der Stellenwert des Schulsports hat sich vollkommen verändert:

Der Wert des Schulsports ist äußerst gering, Schulsport zählt in der heutigen Gesellschaft fast nichts mehr. Es gibt kein anderes Schulfach, das so oft ausfällt und das derartige Stundenund Finanzkürzungen erleiden musste, wie das Fach Sport.

In dem vom Ministerium vorgeschriebenen vier Stunden Sport wurden im Schuljahr 1999/2000 in Bayern am Gymnasium gerade mal 2,52 Stunden gehalten. Des Weiteren wurden vom Freistaat Bayern 1,5 Milliarden Euro seit 1975 nur allein im Sport eingespart. [vgl. Münchner Merkur; 2002; 14]

Der Schulsport gliedert sich auf in den Sportunterricht und außerunterrichtlichen Schulsport. Die Bedeutung des Sportunterrichts ist, da aufgrund dessen, dass er in Bayern kein Vorrückungsfach ist,

Das Ansehen des außerunterrichtlichen Schulsports an einem bayerischen Gymnasium ist bei Eltern, Lehrern, Schülern und in der Öffentlichkeit unterschiedlich. Es reicht von wichtig bis völlig überflüssig.

Für die meisten Schüler ist es trotzdem immer noch eine Auszeichnung vom Sportlehrer in eine Schulmannschaft berufen zu werden und die Schule repräsentieren zu dürfen.

Die Eltern freuen sich in der Regel auch über die Berufung ihres Kindes in die Schulauswahl. Sie verknüpfen ihre Zustimmung aber meist mit bestimmten Leistungsergebnissen in anderen, wichtigeren Fächern.

Auch die Schulleitung und das Lehrerkollegium freuen sich sehr über sportliche Erfolge der Schulmannschaften und dem daraus folgendem positiven, sportlichen Ruf der Schule in der Öffentlichkeit. Ihr Verständnis für die Notwendigkeit eines Unterrichtsausfalls zugunsten einer Trainingsveranstaltung hält sich jedoch meist in Grenzen.

In der Öffentlichkeit spielt der außerunterrichtliche Schulsport eine sehr geringe Rolle. In den Lokalzeitungen werden nur die Landessieger einer Sportart am Rande mit ein paar Zeilen und unter Umständen mit einem Bild erwähnt, in der Broschüre „Bayerischer Landessport“ vom BLSV werden meist die Ergebnisse der verschiedenen Sportarten aufgeführt.

In den meisten Medien - Tageszeitungen, Nachrichten, Fernsehen, etc. existiert der Schulsport überhaupt nicht.

Auch die Werbung und Anteilnahme innerhalb einer Schule für ein anstehendes Turnier oder einen Wettkampf ist sehr gering. Sollte der Austragungsort des Wettkampfes bei der Heimschulmannschaft sein, trifft man meist nur die Sportlehrer und für obligatorische fünf Minuten den Direktor der Schule an. Selten werden Eltern, Mitschüler oder andere Zuschauer gesehen. [vgl. Udo Egleder, Bayerisches Aktionsbündnis für den Schulsport; 2002; 5ff]

3.2. Gesellschaftliche Bedeutung des Schulsports in den USA

Der Amerikanische Traum, „Vom Tellerwäscher zu Millionär“, kann am besten am Sport verdeutlicht werden. Über eine gute sportliche Leistung kann jeder, unabhängig welcher Abstammung und Herkunft, in die oberste Gesellschaftsschicht aufsteigen. In allen Gesellschaftsschichten ist sportlicher Erfolg anerkannt und bringt dem einzelnen Sportler Ruhm und Ehre. Da es in Amerika neben dem Leistungssport in der Schule kaum einen Vereinssport in der Art, wie wir ihn in Deutschland kennen, gibt, kommt dem Schulund College-Sport eine ganz einzigartige Bedeutung zu.

Der Sportunterricht in der High School hat keinen hohen Stellenwert, da die Vorrückungskurse Freshmenklassen sind und das Niveau sehr niedrig ist. Bei den Electives ist die Nachfrage von Seiten der Schüler zwar hoch, aber auch diese Kurse genießen kein besonderes Ansehen aufgrund ihres niedrigen akademischen Inhalts.

Dagegen ist der Stellenwert des Leistungssports an einer amerikanischen High School sehr hoch. Jeder, der sich für eine Schulmannschaft qualifiziert hat, wird auf typisch amerikanische Weise bewundert. Man ist in der ganzen Schule bekannt, wird häufig von anderen Schülern, Lehrern, ja sogar vom Hausmeister und vom Putzpersonal angesprochen. Jeder Sportler hat seine Fans, von denen er bewundert wird. [vgl. Max Rauner; 2001; 60]

Jeder anstehende Wettkampf wird mit der morgendlichen Durchsage für die ganze Schule bekannt gegeben, womit alle

Schüler aufgefordert werden, zu den Wettkämpfen zu kommen und die eigene Mannschaft zu unterstützen. Auch nach jedem Wettkampftag werden die Ergebnisse von Schulleiter über die Lautsprecheranlage der Schule bekannt gemacht und die Mitschüler aufgefordert, den erfolgreichen Sportlern zu gratulieren. [vgl. Max Rauner; 2001; 60]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Football Heimspiel der Boone Braves

Alle Heim - und auch die Auswärtsspiele sind sehr gut besucht. Mitschüler, Lehrer, Eltern und Freunde sorgen für eine beachtliche Atmosphäre. Bei den Football-, Basketball-, Baseball-, und Volleyballheimspielen ist die Halle bzw. Tribüne meist ausverkauft, trotz eines Eintrittspreises von drei bis fünf Dollar.

Auch an der Kleidung der Schüler, ist zu erkennen, wann ein Wettkampf stattfindet. Alle Mitglieder der Schulmannschaft kommen entweder in Hemd, feiner Hose und Krawatte, oder aber in ihren Mannschaftstrikots. Alle Schüler fiebern den Wettkämpfen entgegen und wünschen der eigenen Mannschaft viel Glück. Außerdem ist es in manchen Schulen Brauch, dass Sportler ihre eigenen mit Unterschrift signierten Fotos verteilen, um Werbung für sich, die Schule und natürlich die Sportart zu machen. [vgl. Buddy Collings; 2002; 15f]

Welchen Stellenwert der Leistungssport an der Schule hat, lässt sich am Beispiel des Footballs zeigen. Bei jedem Heimspiel des Footballteams spielt die Schulband, die aus ca.

100 Leuten besteht. Die Vorführungen des Dance Teams und die Anfeuerungen der Cheerleaders heizen die Stimmung im Stadion entsprechend an. Die Tribünenplätze sind meistens ausverkauft, alle feiern zusammen und freuen sich natürlich ganz besonders über den Sieg der eigenen Mannschaft.

Das öffentliche Interesse ist am Leistungssport ist ebenfalls sehr groß. Während der Footballsaison wird das Top Spiel der Woche von den High Schools live im Fernsehen übertragen und auch alle anderen sportlichen Ergebnisse werden täglich in den Zeitungen veröffentlicht. [vgl. Max Rauner; 2001; 60] Abb. 3 die Basketballstars von Jones High Schools

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Stellenwert des Schulsports zeigt sich ebenfalls an der Vielzahl von Sportstipendien, die jedes Jahr für die besten Sportler der High School zum Studium an einem College vergeben werden. Für farbige Mitschüler, die in der Regel aus sozial schwächer gestellten Familien stammen, ist das häufig die einzige Chance in ein gutes College zu kommen. Über den Sport können sie auf diese Weise zu einem guten College Abschluss kommen, der ihnen für später einen guten Arbeitsplatz und einen sozialen Aufstieg ermöglichen kann. [vgl. Buddy Collings; 2002; 15f]

4. Das bayerische Bildungssystem

Deutschland mit seinen 16 Bundesländern verfügt auf Grund seiner Länderhoheit Kultur durch seine föderalistische Struktur über unterschiedliche Bildungssysteme. Neben der Anzahl der zu leistenden Schuljahre liegen die Differenzen - festgelegt durch das jeweilige Kultusministeriumauch im Bereich der Fächerangebote und der Art der Wissensvermittlung. Zum Erlangen der Hochschulreife verlangt beispielsweise das Bundesland Sachsen nur zwölf Schuljahre, alle anderen Länder aber 13 Schuljahre. [vgl. Gertrud Hovestadt, AG Bildungsplanung / Bildungsforschung; 2002; Essen]

Innerhalb dieser Zulassungsarbeit konzentriere ich mich jedoch ausschließlich auf das bayerische Bildungssystem, da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf dem Vergleich des bayerischen Schulsports mit dem in Florida liegt.

Die meisten hierzu unten aufgeführten Informationen sind von der Webseite des Bayerischen Sozialministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen und des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus entnommen.

Kindergarten:

In Bayern wird die vorschulische Erziehung in dem Bayerischen Kindergartengesetz geregelt. Der Kindergarten übernimmt die außerfamiliäre Förderung und Erziehung von Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schulbeginn. Überdies wird ihm die Aufgabe zuteil, die Persönlichkeit und soziale Kompetenz der Kinder zu fördern und den Eintritt in die Grundschule zu erleichtern. [vgl. Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen; 2002]

Verschiedene Schultypen werden in Gruppen zusammengefasst:

Schultypen:

- Allgemeinbildende Schulen

(Grundschule, Förderschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium)

- Berufliche Schulen

(Berufsschule, Berufsfachschule, Wirtschaftsschule, Fachschule, Fachakademie, Fachoberschule, Berufsoberschule)

- Zweiter Bildungsweg

(Abendrealschule, Abendgymnasium, Kolleg, Telekolleg, Begabtenprüfung) [vgl. B.S.f.U.u.K. „b“; 2002]

Im Folgenden gehe ich nur auf die allgemeinbildenden Schulen Grundschule, Hauptschule, Realschule und Gymnasium ein. Die übrigen Schulenarten sowie die Förderschule sind in den Anhängen nachzulesen, da sie nicht Schwerpunkt dieser Arbeit sind.

Allgemeinbildende Schulen

Grundschule:

„Die Grundschule umfasst die Jahrgangsstufen 1 bis 4 und ist die gemeinsame Schule für die Sechsbis Zehnjährigen. Hier werden nicht nur die Grundfertigkeiten im Lesen, Rechnen und Schreiben vermittelt, sondern auch die schöpferische Kraft, die Wahrnehmungsund die Ausdrucksfähigkeit der Kinder geweckt und gefördert.

Um möglichst jedem Schüler gerecht zu werden, gibt es neben dem Unterricht vor der ganzen Klasse auch Formen der Einzel-, Partnerund der Gruppenarbeit.“ [B.S.f.U.u.K. „c“; 2002]

Vor allem die 1. Klasse soll bei den Kindern ihre Lernfreude wecken. Aus diesem Grund werden zur Bewältigung der 16 Unterrichtsstunden, die für Mathematik, Deutsch, Heimatund Sachkunde, Musik-, Bewegungsund Kunsterziehung vorgesehen sind, vor allem spielerische Tätigkeiten und Lernmethoden von der Lehrkraft angewendet.

Die Kinder erhalten erst ab der 3. Klasse Noten im Zeugnis, vorher richtet sich das Augenmerk der Verbalbeurteilung der Zeugnisse ausschließlich auf ihr Sozial-, Leistungsund Lernverhalten.

[vgl. B.S.f.U.u.K. „c“; 2002]

„In der 4. Klasse wird auf Antrag der Eltern im Mai ein Übertrittszeugnis ausgestellt, in dem festgestellt wird, für welche Schulart das Kind geeignet ist.“ [B.S.f.U.u.K. „c“; 2002]

Hauptschule:

„Die Hauptschule ist Pflichtschule für alle Schülerinnen und Schüler, die keine andere weiterführende Schulart besuchen wollen oder auf Grund ihrer Leistungen können. Die Hauptschule umfasst die Jahrgangsstufen 5 mit 9 (10). Sie führt zum erfolgreichen Hauptschulabschluss und zum qualifizierenden Hauptschulabschluss. Der Mittlere-Reife-Zug umfasst die Jahrgangsstufen 7 – 10 und führt zum mittleren Schulabschluss.“ [B.S.f.U.u.K.

„d“; 2002]

Der Unterricht der Hauptschule, aufgeteilt in Pflichtfächer, Wahlpflichtfächer, Wahlfächer und Arbeitsgemeinschaften, ist sehr praxisorientiert und konkret-anschaulich ausgerichtet.

Nach gelungenem Abschließen der 9. Jahrgangsstufe erhalten alle Schüler das Zeugnis über den erfolgreichen Hauptschulabschluss. Zusätzlich können sie an einer besonderen Leistungsfeststellung teilnehmen und erwerben bei einer Gesamtbewertung von 3,0 in den Prüfungsfächern den qualifizierenden Hauptschulabschluss (Quali). [vgl. B.S.f.U.u.K. „d; 2002]

Bezüglich weiterer Details wird der interessierte Leser auf den Anhang am Ende der Arbeit verwiesen.

Realschule

„Die Realschule umfasst im vierstufigen Zug die Jahrgangsstufen 7 mit 10 und im sechsstufigen Zug die Jahrgangsstufen 5 mit 10. Ihr Bildungsangebot richtet sich an junge Menschen, die an theoretischen Fragen interessiert sind und zugleich praktische Fähigkeiten und Neigungen haben. Sie vermittelt eine allgemeine und berufsvorbereitende Bildung. Sie endet mit einer Abschlussprüfung und verleiht den Realschulabschluss, einen mittleren Schulabschluss.“ [B.S.f.U.u.K. „e“; 2002]

Der Eintritt in die Realschule geht im vierstufigen Zug nach der 6. Jahrgangsstufe der Hauptschule vonstatten, kann aber auch aus dem Gymnasium erfolgen.

Im sechsstufigen Zug der Realschule erfolgt der Eintritt dagegen nach der 4. Jahrgangsstufe der Grundschule. Voraussetzung hierfür ist ein Übertrittszeugnis. [vgl. B.S.f.U.u.K. „e“; 2002]

Am Ende der 10. Klasse wird für alle Realschulen in ganz Bayern einheitlich eine Abschlussprüfung gestellt. Nach erfolgreichem Bestehen dieser Abschlussprüfung erhalten die Schüler den sog. Mittleren Schulabschluss.

Gymnasium:

Voraussetzung für den Eintritt ins Gymnasium ist im Übertrittszeugnis der Grundschule in den Fächern Heimatund Sachkunde, Deutsch und Mathematik ein Notendurchschnitt von 2,33 und zusätzlich in Mathematik und Deutsch ein Durchschnitt von 2,0.

Schüler, die von der 5. Klasse Hauptschule auf das Gymnasium wechseln wollen, benötigen ebenfalls einen Durchschnitt von 2,33 in Mathematik, Deutsch und Englisch sowie 2,0 in Mathematik und Deutsch.

„Das Gymnasium umfasst die Klassen 5 bis 13 und vermittelt eine vertiefte Allgemeinbildung, die für ein Hochschulstudium unabdingbar ist. Damit schafft es zugleich auch Voraussetzungen für eine berufliche Ausbildung.

Das Gymnasium bietet ein breites Fächerprogramm, das sich von sprachlich-künstlerischen über mathematisch-naturwissenschaftlichen bis zu gesellschaftswissenschaftlichen Fächern erstreckt. Jeder Schüler erlernt mindestens zwei Fremdsprachen.“ [B.S.f.U.u.K. „f“; 2002]

Es gibt sechs verschiedene Ausbildungsrichtungen für Gymnasien. Sie werden in Anhang 1 explizit dargestellt und erläutert.

In der 5. Klasse wird die 1. Fremdsprache gelehrt, die zweite Sprache fängt in der 7. Klasse an. In der 9. Klasse kommt je nach Ausbildungsrichtung evtl. noch eine dritte Sprache hinzu. Mit Abschluss der 10. Jahrgangsstufe erhalten die Schüler automatisch den Mittleren Schulabschluss. (vgl. Realschulabschluss)

Der Unterricht der Klassen 5 bis 11 wird im Klassenverband abgehalten. In der 12. und 13. Jahrgangsstufe hingegen dürfen sich die Schüler nach eigenem Leistungsvermögen, Interesse und ihren Fähigkeiten ihr eigenes Unterrichtsprogramm in Form von Grundund Leistungskursen zusammenstellen.

Am Ende der 13. Jahrgangsstufe wird für alle Gymnasien in ganz Bayern einheitlich eine Abschlussprüfung, das sog. Abitur, gestellt. Das Abitur besteht aus drei schriftlichen Leistungserhebungen und einer mündlichen Prüfung. Die mündliche Prüfung, das sog. Colloquium, wird in einem Grundkursfach erhoben, die drei schriftlichen in einem Grundkurs und in beiden Leistungskursen.

Nach erfolgreichem Bestehen dieser Abiturprüfungen erhalten die Schüler die Allgemeine Hochschulreife, die die grundsätzliche Voraussetzung für ein Studium an einer Hochschule in Deutschland darstellt. [vgl. B.S.f.U.u.K. „f“; 2002]

Da der Schwerpunkt dieser Arbeit nicht auf dem bayerischen Schulsystem liegt, gehe ich auf die beruflichen Schulen und den zweiten Bildungsweg an dieser Stelle nicht mehr ein, nur soviel sei zu diesem Bereich gesagt:

Mit dem erfolgreichen Abschluss an der Fachoberschule erhalten die Schüler das sog. Fachabitur, welches ihnen den Zugang zu jeder Fachhochschule ermöglicht.

Alle weiteren Informationen über das bayerische Bildungssystem und Details möglicher Schulen, Werdegänge etc. können ausführlich in Anhang 4 nachgelesen werden.

Universitäten und Hochschulen

In Bayern gibt es insgesamt neun staatliche Universitäten, sowie die Katholische Universität Eichstätt und die Universität der Bundeswehr München.

Neben diesen Universitäten gibt es außerdem 17 staatliche Fachhochschulen, vier staatliche Kunsthochschulen, die Hochschule für Fernsehen und Film und eine Reihe weiterer Hochschulen unter kommunaler, kirchlicher oder privater Trägerschaft. [vgl. Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (B.S.f.W.F.u.K.) „a“; 2003]

Fachhochschulen bilden gezielt für die Wirtschaft, für technische und soziale Berufe aus.

Im gesamten Studium, das sich in sechs theoretische und zwei praktische Semester aufteilt, ist ein starker Anwendungsbezug erkennbar, der auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes ausgerichtet ist.

Fast alle Studiengänge der Fachhochschulen sind Diplomstudiengänge. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Studenten den Diplomgrad als akademischen Grad mit dem Zusatz (FH), z.B. "Diplom-Ingenieur (FH)". [vgl. B.S.f.W.F.u.K. „c“; 2003]

„Soweit Bachelor-Studiengänge eingerichtet wurden, die eine Regelstudienzeit von 6 oder 7 Semestern aufweisen, sind diese in der Regel in den Diplomstudiengang integriert.“ [B.S.f.W.F.u.K. „c“; 2003]

Universitäten haben primär ihren Schwerpunkt auf der wissenschaftlichen Ausbildung. Es steht neben der Anwendungsforschung die geistes-, natur-, ingenieurwissenschaftliche und medizinische Grundlagenforschung im Vordergrund.

Das Ausbildungsangebot der Universitäten in Bayern ist sehr umfassend.

Neben Diplomstudiengängen werden auch Lehramts-, Masterund Bachelor-Studiengänge angeboten. Nach erfolgreicher Beendigung des Studiums erhalten die Studenten den Diplomgrad als akademischen Grad bzw. den Masteroder Bachelor-Grad. Der Praxisbezug ist in den Universitäten nur sehr schwach gegeben, daher finden während des Studiums auch nur sehr wenige Praktika statt, ganz im Gegensatz zur Fachhochschule, die zwei Semester als Praxis- Semester eingerichtet hat. Die Regelstudienzeit an Universitäten geht von acht Semestern bis zwölf Semester. [vgl. B.S.f.W.F.u.K. „b“; 2003]

In Deutschland ist generell das Studieren an einer Hochschule unentgeltlich. Allerdings sind Überlegungen im Gange, wie beispielsweise im Nordrhein-Westfalen, doch Studiengebühren zu erhebn, um das zukünftig schlimmer werdende Problem der Rente zu sichern. In Bayern ist bisher aber diesbezüglich noch nichts bekannt.

Die Wochenstundenzahl bayerischer Universitäten differiert zwischen 20 und 30 Stunden, je nachdem, wie viele Vorlesungen man hört und in welche Übungen man sich einschreibt. Allerdings wird noch einige Zeit zum Vorbereiten, Überarbeiten und Nachlernen des Stoffs benötigt, der tagsüber in der Hochschule vermittelt wurde.

5. Bayerischer Schulsport

5.1 Sportunterricht

5.1.1 Eingliederung des Sportunterrichts in das Schulsystem

Der verbindliche Pflichtsportunterricht des Gymnasiums in Bayern besteht aus dem Basissportunterricht (BSU) und dem Differenzierten Sportunterricht (DSU), der allerdings in der 5. und 6. Jahrgangsstufe als Erweiterter Basissportunterricht (ESPU) bezeichnet wird.

Normalerweise wird der BSU vormittags und der DSU nachmittags durchgeführt.

Vorgesehen sind sowohl für BSU als auch DSU jeweils zwei Stunden von der 5. Klasse bis zur 11. Klasse des Gymnasiums. In der Kollegstufe wird der BSU und DSU durch den Grundkurs Sport bzw. Leistungskurs Sport ersetzt.

Der Grundkurs Sport wird pro Semester in verschiedenen Sportarten angeboten und umfasst dabei jeweils zwei Stunden Sport.

Der Leistungskurs dagegen besteht pro Woche aus zwei Stunden Sporttheorie, zwei praktischen Stunden in der Schwerpunktsportart und einer Praxisstunde in der Ergänzungssportart. [vgl. B.S.f.U.u.K. „xx“; 1992; 755ff]

Neben dem verbindlichen Sportunterricht wird in manchen Schulen auch im Rahmen des Wahlunterrichts der sog. Sportförderunterricht erteilt, der speziell leistungsschwächere Schüler unterstützen soll Bewegungshemmungen oder Koordinationsschwächen abzubauen und zu minimieren.

Neben dem Pflichtsport werden außerunterrichtliche Schulsportveranstaltungen, wie beispielsweise Sportfeste, Schulsportwettbewerbe, Sportwochen, etc. angeboten. [vgl. B.S.f.U.u.K.; 1990; 189]

Betont werden muss hierzu noch, dass Sport in Bayern das einzige Fach ist, das kein Vorrückungsfach darstellt. [vgl. B.S.f.U.u.K. „t“; 2002]

5.1.2 Bayerischer Lehrplan

Es gibt in Bayern für die Grundschulen, die Gymnasien, die Hauptschulen, die Realschulen, die Förderschulen und die beruflichen Schulen eigene Lehrpläne, die vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus herausgegeben werden. [vgl. B.S.f.U.u.K. „w“; 2002]

Beim Gymnasium unterscheidet man insgesamt vier verschiedene Ebenen des Lehrplans:

- „Die erste, grundlegende Ebene beschreibt das Ziel und den Anspruch des Gymnasiums, seinen Bildungsund Erziehungsauftrag, den Unterricht und das Schulleben, also das Gymnasium im ganzen .
- Auf der zweiten Ebene wird dargestellt, wie sich der Bildungsund Erziehungsauftrag des Gymnasiums zusammensetzt, also welche Ziele in eigenen Unterrichtsfächern angestrebt werden und welche zu fächerübergreifenden Bildungsund Erziehungsaufgaben vereinigt sind.
- Die dritte Ebene ist die der Rahmenpläne . Rahmenpläne beschreiben den Unterricht in den einzelnen Jahrgangsstufen, wobei die Ziele und Inhalte der verschiedenen Fächer jeweils in einer zusammenfassenden Weise sichtbar werden.
- Die vierte Ebene wird von den Fachlehrplänen gebildet. Fachlehrpläne beschreiben die Ziele und Inhalte des Fachunterrichts im Einzelnen.“ [B.S.f.U.u.K. „x“; 2002]

Die Ziele und Inhalte des Sportunterrichts werden in jeder Jahrgangsstufe bzw. in den Sportarten/Sportbereichen des Differenzierten Sportunterrichts in den vier Lernbereichen

1 Gesundheit
2 Fairneß, Kooperation
3 Umwelt

4 Leisten, Gestalten, Spielen

dargestellt. Der Lernbereich 4 Leisten, Gestalten, Spielen ist der zentrale Lernbereich, in dem nicht nur die Ziele und Inhalte der Lernbereiche 1 Gesundheit, 2 Fairneß, Kooperation, 3 Umwelt, sondern auch eigenständige, auf das Erlernen bestimmter Sportarten bezogene Inhalte und Ziele verwirklicht werden.

[B.S.f.U.u.K. „xx“; 1992, 757 - 758]

Um einen klaren Einblick zu geben (eine komplette Darstellung des Lehrplans würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen), werden wichtige Punkte des Lehrplans im Folgenden zitiert.

Beim Lernen im Sportunterricht spielt nicht nur die Bewegung eine Rolle (motorischer Aspekt), sondern auch Reflexion und Bewußtheit (kognitiver Aspekt), Erleben und Empfinden (affektiver Aspekt) sowie Engagement und Einsatz (motivationaler Aspekt) .“ [B.S.f.U.u.K. „xx“; 1992, 758]

Im Sportunterricht stellt die Gesundheitserziehung ein wichtiges Kriterium dar. Sie soll positiv dazu beitragen, den Schülern zu einer gesunden Lebensführung zu verhelfen. Um eine gesunde Lebensweise durchzusetzen, sind Erfahrungen und Kenntnisse über gesundheitsorientierte Fitnessfaktoren von Bedeutung, wie z.B. aerobe Ausdauer, Kraftausdauer und Beweglichkeit. Zusätzlich spielen auch persönliches Körpergefühl, Körperbewusstsein, Sicherheit sowie Hygiene und Ernährung eine entscheidende Rolle. Im Sportunterricht werden die o.g. Erfahrungen und Kenntnisse frühzeitig und vielfältig verbessert und gesteigert, wobei aber auch der eigenen Verantwortung und der Motivation eine wichtige Rolle zukommt. [vgl. B.S.f.U.u.K. „xx“; 1992; 759]

Sportunterricht beinhaltet stets soziales Lernen und bietet Handlungs- und Erfahrungsgelegenheiten für eine praxisorientierte Sozialerziehung. Diese umfaßt im Lernbereich Fairneß, Kooperation das Kennenlernen und Akzeptieren von Spielund Wettkampfregeln, als Grundlage eines Gemeinschaft fördernden und Freude bereitenden Sports sowie die Gestaltung vorgegebener Regelsysteme, um den Voraussetzungen und Interessen der Teilnehmer gerecht zu werden .“ [B.S.f.U.u.K. „xx“; 1992; 759]

Dadurch werden Verständnis, Nachsicht, Toleranz und Zurücknahme der eigenen Interessen erfahren. Über Fairness soll eine Achtung für den Gegner entwickelt werden, zugleich Aufrichtigkeit sowie Offenheit gefördert werden. Mit der Erziehung zur Kooperation soll ein Gefühl der Gemeinschaft, gemeinsame Freude über die sportliche Aktivität und den Zusammenhalt erfahren werden. [vgl. B.S.f.U.u.K. „xx“; 1992; 759]

„Im Lernbereich Umwelt werden die Schüler für die Gestalt und den Wert ihrer natürlichen, kulturellen und sozialen Umwelt sowie für deren Bedeutung als unser aller Lebensgrundlage sensibilisiert. Sie sollen erkennen, daß die Umwelt die Grundlage für ihre sportlichen

Aktivitäten darstellt, und den angemessenen und sorgfältigen Umgang mit vorgefundenen Umweltbedingungen und den für die Sportausübung erforderlichen Geräten kennenlernen. Die Schüler erhalten Kenntnisse über die Beziehung zwischen Sport und Umwelt und die damit verbundenen Konfliktmöglichkeiten. Vor allem soll verdeutlicht werden, daß das eigene Wohlbefinden von einer unbelasteten Umwelt abhängt.“ [B.S.f.U.u.K. „xx“; 1992; 760]

„Im Lernbereich Leisten, Gestalten, Spielen werden die drei wesentlichen sportlichen Handlungsorientierungen an Sportarten und Sportbereichen thematisiert. Dabei bedeutet Leisten sportliches Handeln und die dabei erzielten Ergebnisse an individuell-subjektiven und/oder normativ-objektiven Gütekriterien zu orientieren und danach zu beurteilen.

Gestalten wird als Fähigkeit verstanden, die Bewegungsmöglichkeiten variantenreich und kreativ auszuschöpfen und einzusetzen. Dies setzt einen umfangreichen Schatz an Bewegungserfahrungen sowie die Fähigkeit zu differenzierten Körperund Bewegungswahrnehmungen voraus.

„Das Spielen lebt im wesentlichen von der Ungewißheit seines Ausgangs und von der Entscheidungsfreiheit des einzelnen innerhalb vorgegebener Spielregeln, aber auch vom Anpassen von Spielidee und Spielregeln an unterschiedliche Voraussetzungen der Mitspieler.

„Ganz besonders trägt der Sportunterricht durch die in den vier Lernbereichen erworbenen Handlungskompetenzen zu einer umfassenden Freizeiterziehung bei. Die Schüler sollen zu individuellen un

gemeinsamen sportlichen Aktivitäten über den Sportunterricht hinaus (auch im Sportverein) motiviert werden.

[B.S.f.U.u.K. „xx“; 1992; 760]

Im Folgenden möchte ich die zu untersuchenden Begriffen Bildung, Gesundheitserziehung und Leistung am Lehrplan erläutern..

Die Förderung des „ganzen Menschen“ und damit Bildung ist in diesem Teil des Lehrplans durchgehend zu finden. Ein Vergleich mit dem Kompetenzmodell nach Wohlgefahrt lässt erkennen, dass Motorik, Selbstkonzept, soziale Interaktion und Kognition zu gleichen Teilen eine wichtige Rolle spielen. Laut Lehrplan ist es die Aufgabe des Sportlehrers, alle Schüler ganzheitlich und umfassend zu fördern. Die Schülerin, der Schüler soll neben motorischen Fertigkeiten auch soziale Fähigkeiten erlernen, Erfahrungen in der Selbstwahrnehmung machen und Bewegungsabläufe reflektieren.

Interessant ist die explizite Aufführung der Umweltthematik, die im Kompetenzmodell bei Wohlgefahrt keine Rolle spielt.

Gesundheitserziehung ist im Lehrplan für den Sportunterricht angesprochen und verweist dabei auf die Bedeutung präventiver Gesundheitsförderung im Sinne von Aufklärungsarbeit und Umsetzung bestimmter Ziele (z.B. regelmäßige Bewegung verschafft Gesundheit).

Zu erkennen ist dabei der traditionelle Ansatz mit dem Risikofaktorenmodell, wenn dargestellt wird, was den Menschen krank werden lässt. Erwähnt werden auch die Verantwortung und Motivation des einzelnen Schülers gegenüber der eigenen Gesundheit. Hier sehe ich eine Verknüpfung mit dem salutogenetischen Konzept nach Antonovsky.

Leistung ist laut Lehrplan ein sportliches Handeln, bei dem die dabei erzielten Ergebnisse an individuell-subjektiven und/oder normativ-objektiven Gütekriterien gemessen werden.

Diese Beschreibung von Leistung stimmt mit der Dreiteilung des Leistungsbegriffs nach Hecker überein. Leistung soll gemessen werden, entweder der Vergleich innerhalb einer bestimmten Gruppe oder an vorgegebenen Maßstäben. Leisten und Leistung als pädagogisches Element mit Zielen wie Identitätsfindung und Motivationsförderung ist im Lehrplan Bereich Sport jedoch nicht erwähnt.

5.1.3 Basissportunterricht

Der Basissportunterricht (BSU) wird von der 5. bis zur 11. Jahrgangsstufe pro Woche zweistündig nicht koedukativ durchgeführt.

„Aufgabe des Basissportunterrichts ist neben der Vermittlung der grundlegenden Kenntnisse und Werthaltungen aus den Lernbereichen Gesundheit, Fairneß/Kooperation und Umwelt die Vermittlung eines Grundbestands psychophysischer Fähigkeiten und Fertigkeiten, der die Schüler zu sportlichem Handeln befähigt und körperliche Defizite ausgleichen hilft. Durch eine vielseitige Beanspruchung der Schüler sollen Wachstumsund Reifungsprozesse günstig beeinflußt werden.

Der Basissportunterricht umfaßt die Sportarten Basketball, Fußball, Gerätturnen, Gymnastik/Rhythmische Sportgymnastik/Tanz, Handball, Leichtathletik, Schwimmen und Volleyball .

Dazu kommen Eislauf, Skilauf und Rodeln, sofern die erforderlichen Ausrüstungen vorhanden und die entsprechenden Übungsstätten in Schulnähe (Entfernung etwa 5 Fußwegoder Fahrminuten) gelegen sind.“ [B.S.f.U.u.K. „u“; 2002]

Der Basissportunterricht ist die Grundlage des Sportunterrichts am Gymnasium. Im sporttheoretischen Bereich wie in der Vermittlung motorischer Kenntnisse werden hier Grundlagen gelegt, auf denen der Erweiterte Basissportunterricht und der Differenzierte Sportunterricht aufbauen. Sporttheorie fließt in das praktische Tun mit ein. Neben Wissensvermittlung und Förderung der motorischen Fertigkeiten gibt der Basissportunterricht aber auch einen bedeutsamen Raum für Sozialerziehung, Kreativitätserziehung und Gesundheitsförderung. Die pädagogische Vorgehensweise des Sportlehrers spielt hier eine wichtige Rolle. Er hat die Aufgabe Wissen zu vermitteln, Struktur vorzugeben und dabei aber auch Freiraum und Gestaltungsmöglichkeiten für Selbständigkeit und kreatives Handeln zu schaffen.

Die Schülerinnen und Schüler sind verpflichtet Leistungsnachweise in Form von praktischen Leistungsbeurteilungen durch den Sportlehrer (z.B. Techniknote auf Korbleger/Basketball, Zeitnote auf 100 –Meter-Lauf) zu erbringen.

Bildung und Erziehung ist in dieser Form von Sportunterricht in besonderem Maße möglich, da Wissen vermittelt wird, soziale Kontakte und der Umgang mit Mitmenschen eine besondere Rolle spielt und wenn vom Sportlehrer ermöglicht, kreatives Denken und Handeln gefordert ist. Zöpfl spricht in seiner Bildungsdefinition von einem ganzheitlichen Lernen oder von einem „Verhältnis zum Ganzen“. Motorische Fertigkeiten, soziales Lernen, selbst gestaltetes Denken und Handeln und vor allem dem Handeln einen Sinn geben, ergeben zusammen ein umfassendes und ganzheitliches Lernen, das gerade im Basissportunterricht effektiv umgesetzt werden kann.

Im oben aufgeführten Zitat wird Gesundheitserziehung im Lehrplan für den Basisport ausdrücklich erwähnt. Die Umsetzung dieses Zieles ist in vielfältigster Weise realisierbar. Eine Orientierung an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zeigt im Basissportunterricht folgendes: Verhältnisprävention wird durchgeführt in Form von Unfallverhütungsmaßnahmen und Schaffung von optimalen strukturellen und räumlichen Vorrausetzungen. (Dies ist allerdings abhängig von den individuellen Gegebenheiten des einzelnen Gymnasiums).

Verhaltensprävention findet hier den optimalen Rahmen. Durch ein motivierendes und den einzelnen Schüler unterstützendes Unterrichtsprogramm kann das Selbstvertrauen gestärkt und eine Eigenverantwortlichkeit bezüglich Körper und Gesundheit angestrebt werden. Eine Verknüpfung von Bildung und Gesundheitserziehung ist im Basissportunterricht klar festzustellen. Körperwahrnehmung durch Gymnastik und Tanz oder Leistungserfahrungen durch beispielsweise Dauerläufe oder differenzierte Trainingseinheiten lässt die Kinder und Jugendlichen den eigenen Körper erleben und ein Stück vertrauter machen. Dies ist eine unumgängliche Voraussetzung für ein eigenverantwortliches Handeln im Bereich Gesundheit.

Leistung wird im Basissportunterricht gefordert und zudem abgefragt in Form von Noten. Die Noten werden oft festgestellt durch vorgegebene Tabellen und Leistungsindicis. Dies kann einzelne leistungsstarke Schüler durchaus stärken und motivieren. Auf der anderen Seite sind leistungsschwächere Schüler durch diese Art von Leistungsbewertung in ihrer Entwicklung gehindert, da Freude und Lust an der Bewegung verloren gehen können. Regelmäßige Misserfolge vor allem in der Gegenüberstellung mit „besseren Mitschülern“ haben ernsthafte Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl und auf die Identitätsfindung des Kindes bzw. Jugendlichen.

Eine Überdenkung der Leistungsbeurteilung im Basissportunterricht ist dringend erforderlich.

5.1.4 Erweiterter Basissportunterricht / Differenzierter Sportunterricht

Der Erweiterte Basissportunterricht (EBSU) ist im Rahmen der dritten und vierten Sportstunde von der 5. bis zur 6. Jahrgangsstufe zweistündig pro Woche vorgesehen.

Von der 7. bis zur 11. Jahrgangsstufe werden die dritte und vierte Sportstunde (ehemaliger EBSU) als Differenzierter Sportunterricht (DSU) bezeichnet und ist ebenfalls zweistündig im Lehrplan eingeplant.

Erweiterter Basissportunterricht (EBSU)

Der EBSU vertieft und festigt in den ersten zwei Jahren des Gymnasiums die in den Lernbereichen und Sportarten des Basissportunterrichts vermittelten Fähigkeiten und Fertigkeiten. BSU und EBSU setzen sich dabei zu einer festen Einheit zusammen, die für die motorische Entwicklung der Schüler eine solide sportmotorische Grundlage gewährt.

Differenzierter Sportunterricht (DSU)

Von der 7. bis 11. Jahrgangsstufe können sich die Schüler für eine Sportart (z.B. Badminton, Hockey, ...) bzw. einen Sportbereich (z.B. Gesundheitsorientierte Fitness) entscheiden, falls diese von der jeweiligen Schule angeboten wird. Dies ist meist abhängig von den örtlichen Gegebenheiten und der jeweiligen Ausbildung der Lehrkräfte.

Zur Auswahl steht folgendes Sportangebot:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[vgl. B.S.f.U.u.K. „yy““; 1992; 823]

Der DSU soll die im BSU bereits erworbenen sportmotorischen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen vertiefen und mittels neuer Sportarten erweitern.

Langfristiges Ziel des DSU ist es, den Schülern die Freude am Sport bzw. einer speziellen Sportart zu vermitteln, so dass sie in ihrer Freizeit selber Sport betreiben und - im Optimalfall soweit möglichsich lebenslang sportlich betätigen. [vgl. B.S.f.U.u.K. „xx“; 1992; 755]

Die sportpraktische Umsetzung sieht gemäß diesem theoretischen lobenswerten Planmodell jedoch leider oft anders aus, wie folgendes Zitat belegt:

„Aufgrund von Sparmaßnahmen werden von den vier im Lehrplan verankerten Sportstunden nur noch knapp über zwei Stunden abgehalten. Diese Kürzung führte sogar dazu, dass Bayern im bundesweiten Ländervergleich in bezug auf den Schulsport auf die vorletzte Stelle (!) abgerutscht ist.“ [Bayerisches Aktionsbündnis für den Schulsport; 2002]

Das bayerische Kultusministerium hatte durch das Kienbaum-Modell errechnet, dass sich Gelder in Millionenhöhe einsparen lassen würden, wenn der Differenzierte Sportunterrichts nicht mehr von hauptberuflichen Lehrkräften, sondern von Trainern und Übungsleitern aus nahe gelegenen Vereinen durchgeführt werden würde.

Die Anzahl der Übungsleiter und Trainer, die die Lehrkräfte ersetzen sollten, reichten aber bei weitem nicht aus und die Konsequenz waren Einsparungen und vehemente Streichungen des Differenzierten Sportunterrichts.

Der Erweiterte Basissportunterricht ist eine Vertiefung des Basissportunterrichts und in den Bereichen Bildung, Gesundheitserziehung und Leistung miteinander gleichzustellen. Es ist dabei naheliegend, dass die Förderung dieser drei Bereiche fortgeführt und gefestigt wird.

Lohnenswert ist der genauere Blick auf den Differenzierten Sportunterricht. Bereits bei der Entscheidungsfindung bezüglich einer Sportart tritt der Bildungsgedanke in Erscheinung. Die Schülerin, der Schüler hat die Aufgabe eine für ihn passende Disziplin bzw. Bewegungsform auszuwählen und kommt damit mit eigenen Bedürfnissen, Grenzen und Möglichkeiten in Kontakt. Während des Differenzierten Sportunterrichts ist eine intensive Auseinandersetzung mit konkreten Bewegungsabläufen möglich, die gezielte und ausführliche sportpraktische wie sporttheoretische Kenntnisse vermittelt. Hierbei ein Verweis auf Eckard Balz und seine „drei Argumente für den Schulsport“ im Punkt zwei. Die Schüler erlangen zweifelsohne

Sportartenkompetenz, wenn auch hier differenziert in einer speziellen Sportart. Erziehung zum Sport ist damit gegeben. Erziehung im Sport lässt sich finden im Erlernen von Handlungsabläufen, im Zusammenspiel mit Mitschülerinnen und Mitschülern und in der Wahrnehmung eigener Stärken und Schwächen, um nur einige davon zu nennen.

Das effektive Erlernen einer Sportart bietet neue Lebensziele und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. So kann auch Erziehung durch Sport als drittes Argument von Eckard Balz eingegliedert werden.

Die unterschiedlichen Sportarten sind in ihrem Nutzen für die Gesundheit nicht gleich stark einzuschätzen. Fußball birgt beispielsweise im Vergleich zu Tischtennis deutlichere Verletzungsgefahren. Auf der anderen Seite ist Fußball geeigneter für die Steigerung der körperlichen Fitness und aeroben Ausdauer. Gesundheitserziehung im Differenzierten Sportunterricht ist sicherlich auch eine vertiefte Gesundheitsförderung, wobei der Sportlehrer gefordert ist, gesundheitliche Risiken und Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu minimieren.

Gerade im Differenzierten Sportunterricht wollen Schülerinnen und Schüler verstärkt Leistung erbringen, da sie sich selbst für diese Sportart entschieden haben. (Dies trifft in erster Linie dann zu, wenn eine vielschichtige Auswahl an Angeboten vorhanden ist).

Trotzdem sind unterschiedliche Leistungen zu erwarten und auch hier ist Beurteilung und Notengebung ein pädagogischer Akt, der vom Sportlehrer viel Fingerspitzengefühl voraussetzt.

[...]

Details

Seiten
139
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638197137
ISBN (Buch)
9783638698863
Dateigröße
4.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14254
Institution / Hochschule
Technische Universität München – Sportpädagogik
Note
3+
Schlagworte
Vergleich Schulsport Beispiel Bayern Florida

Autor

Zurück

Titel: Vergleich von amerikanischem und deutschem Schulsport am Beispiel Bayern und Florida