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Die Grundbestimmung des menschlichen Glücks

Hausarbeit 2004 13 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Auseinandersetzung mit der aristotelischen Glücksethik
2.1. Grundzüge der aristotelischen Glücksvorstellung
2.2. Diskussion des aristotelischen Glücksverständnisses

3. Resümee des Themas

1.Einleitung

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit der Grundbestimmung des menschlichen Glücks. Als Grundlage dafür dient mir das erste Buch der Nikomachischen Ethik von Aristoteles.

Aristoteles wurde 384 v. Chr. als Sohn eines Arztes geboren.

Mit 18 Jahren zog er aus um in der Akademie Platons Philosoph zu werden. Dort, in Athen, lebte er zwei Jahrzehnte. 343 v. Chr. wurde er zum Lehrer Alexander des Großen ernannt. Im Alter von 62 Jahren verstarb er schließlich in Chalkis auf Euböa.

Ich werde im Verlauf die Grundzüge der aristotelischen Glücksvorstellung darlegen. Daran wird sich eine kritische Diskussion über das Glücksverständnis anschließen, welche zum Abschluss des Themas führen wird.

2. Die Auseinandersetzung mit der aristotelischen Glücksethik

2.1. Grundzüge der aristotelischen Glücksvorstellung

In 13 Teilabschnitten, erklärt Aristoteles im ersten Buch der Nikomachischen Ethik seinen Glücksbegriff. Beginnend mit dem ersten Abschnitt bringt er dem Leser nahe, dass all das als Gut zu erachten sei, wonach alles strebt. Hierbei erkennt er einen Unterschied in den Zielen, nämlich die einen die auf Tätigkeiten (z.B. auf die Schiffsbaukunst) und die anderen, die auf Werke (z.B. auf das Schiff) ausgerichtet sind.

Es gibt untergeordnete Ziele, wie die Strategik, die Ökonomik oder die Rhetorik. Sie werden auch als begleitendes Ziel definiert. Das leitende und damit übergeordnete Ziel sieht Aristoteles in der Wissenschaft der Politik, welche alle anderen Ziele umfasst. Sie ist also das Gute und das Beste, weil die Politik um ihrer Selbstwillen und nicht um etwas anderen Willen angestrebt wird.

Aus diesem Grund ist die Politik für den Einzelnen schön und gut, jedoch für ganze Staaten und Völker ist sie wahrlich göttlich. Da Aristoteles die Politik als das Ziel des Handelns definiert, ist sie für einen jungen Menschen als Hörer nicht geeignet, da es ihm an Lebenserfahrung mangelt und jener trotz möglicher Erkenntnis eher seinen Leidenschaften als seiner Vernunft Folge leisten würde.

Geeignet hingegen erscheinen ihm all jene, die „ihre Strebungen nach der Vernunft richten und adäquat handeln.“1

Fortfahrend wird festgestellt, dass „jede Erkenntnis und jeder Entschluss nach irgend einem Gut strebt“.2 Die sich daraus ergebende Frage: „Wonach wird nach unserer Auffassung die politisch Wissenschaft streben, und welches ist das oberste aller praktischen Güter?“3, wird mit dem Begriff der Glückseligkeit beantwortet. Diese ergibt sich durch gutes Verhalten und gutes Leben.

Jedoch, was jeder im Einzelnen darunter versteht, ist zu unterschiedlichen Zeitpunkten etwas anderes! Was ein Einzelner unter Glückseligkeit verstünde, hinge stets vom momentanen persönlichen Mangel ab.

Der dritte Abschnitt unterteilt drei Lebensformen, die Kaufmännische, die Politische und die Betrachtende. An diesen liest man die Wertigkeit des Guten bzw. der Glückseligkeit im Leben eines Menschen ab. Die meisten Individuen finden das Gute im Leben des Genusses bzw. der Lust. Die erste Lebensform hat laut Aristoteles „etwas Gewaltsames an sich“4, ferner strebe sie nach Reichtum, allerdings nur um andere Ziele zu verfolgen. Die politische Lebensform hat als Ziel die Ehre. Diese wird von den gebildeten Erdensöhnen angestrebt, um ständig vor Augen zu haben, dass man gut sei, obwohl das Gute dem Menschen ja eigen ist und ihm nicht plötzlich verloren gehen kann. Der Strebende wünscht aufgrund seiner eigenen Tüchtigkeit, welche das höchste Ziel der politischen Lebensform ist, geehrt zu werden. Jedoch ist dieses höchste, letzte Ziel nicht vollkommen, da man hierbei nicht unbedingt glückselig wird, sondern im Besitze dieser das größte Unglück erleiden kann. Und solch jemanden wird man wahrlich nicht als glückselig betrachten. Die letzte Lebensart ist die Betrachtende. Sie ist den Weisen zugeschrieben und somit die höchste Lebenskultur. Der nächste Bereich sucht nach einer Universaldefinition für das Gute, kommt allerdings zum Schluss, dass:

„Ein Gutes also, das gemeinsam wäre und als eine einzige Idee aufgefasst werden könnte, nicht existiere.“5, da „Begriffe wie Ehre, Erkenntnis und Lust verschiedene sind, sofern sie Güter darstellen. Konklusionierend fehlt die Erkenntnis des Guten an sich, da beispielsweise ein Arzt nicht nach der Gesundheit selbst, sondern der des Einzelnen sucht.

Im fünften Aufgabenkreis greift Aristoteles erneut die Frage nach dem „Guten in jedem einzelnen Falle“6 auf. Seiner Auffassung nach, sei wohl alles „um dessentwillen alles Übrige geschieht“.7 gut. „Dies ist in der Medizin die Gesundheit, in der Strategik der Sieg, in der Baukunst das Haus“8 usw.! Ziel des Handelns ist also das zu verwirklichende Gute, welches somit das Endziel allen Handelns darstellt. Dieses vollkommene Ziel, welches um seinetwillen gesucht wird ist „in erster Linie die Glückseligkeit“8. Andere, wie die bereits erwähnten Dinge der Ehre, Lust oder Vernunft werden nur erstrebt um Glückseligkeit zu erfahren. Ferner bringt Aristoteles in diesem Abschnitt den zu erklärenden Begriff der Selbstgenügsamkeit ein, dies ist „dasjenige, was für sich allein das Leben begehrenswert und vollständig bedürfnislos macht“9. Die Glückseligkeit sei „das vollkommene und selbstgenügsame Gut und das Endziel des Handelns“10. Sie ist also etwas Perfektes ohne jegliche Addition von irgendwelchen Dingen. Des Weiteren wird nach der dem Menschen eigentümlichen Leistung geforscht. Diese findet sich in der Tätigkeit der Seele wieder, da diese die besondere Befähigung, das Gute für den Menschen darzustellen, innehat. Jenes wiederum kann jedoch nur über das ganze Leben hindurch erreicht werden, denn so argumentiert Aristoteles „eine Schwalbe macht noch keinen Frühling, und auch nicht ein einziger Tag; so macht auch ein einziger Tag oder eine kurze Zeit niemanden glücklich oder selig.“11!

[...]


1 Aristoteles: Nikomachische Ethik (NE); 5. Auflage, München 2002 (1967), S.107

2 Aristoteles: NE, S.108

3 Aristoteles: NE, S.108

4 Aristoteles: NE, S.110

5 Aristoteles: NE, S.112

6 Aristoteles: NE, S.113

7 Aristoteles: NE, S.113

8 Aristoteles: NE, S.114

9 Aristoteles: NE, S.115

10 Aristoteles: NE, S.115

11 Aristoteles: NE, S.117

Details

Seiten
13
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640517534
ISBN (Buch)
9783640517350
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v142521
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Philosophie
Note
2
Schlagworte
Aristoteles Nikomachische Glück Grundbestimmung Glück Ethik Philosophie Antike

Autor

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