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Wirksamkeit von computerunterstützter Exposition zur Therapie von Spinnenangst

Masterarbeit 2006 123 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhalt

Abstract

Danksagung

Erklärung zur Masterarbeit

1 Einleitung und Theorie
1.1 Spinnenphobie
1.2 Therapien der Spinnenphobie
1.3 Relevanz von computerunterstützten Therapien
1.4 Computerunterstützte (bildgebende) Expositionsverfahren
1.4.1 Virtual Reality
1.4.2 Therapien mit Virtual Reality
1.4.3 CAVE-Verfahren
1.4.4 Therapien mit CAVE
1.5 Zusammenfassung
1.6 Fragestellungen und Hypothesen
1.7 Erweiterte Fragestellung

2 Methoden
2.1 Stichprobe
2.2 Design
2.3 Materialien
2.3.1 Hard- & Software
2.3.2 Vortest
2.3.3 Reizmaterial
2.3.4 Behavioral approach test - BAT
2.3.5 Fragebögen
2.3.6 Physiologie
2.4 Qualitätssicherung
2.5 Prozedur und Durchführung
2.6 Datenaufbereitung und Datenanalyse

3 Ergebnisse
3.1 Spinnenangst (FAS)
3.2 Vermeidung (BAT)
3.3 Subjektive Ratings - BAT (SR-BAT)
3.4 Befragungen nach Therapiewunsch

4 Diskussion
4.1 Ergebnisinterpretation
4.2 Einschränkungen
4.3 Ausblick
4.4 Schlussfolgerungen

5 Literaturverzeichnis

6 Softwareverzeichnis

Anhänge

Abstract

Die Spinnenangst zählt zu den häufigsten psychischen Störungen überhaupt. Trotz sehr erfolgreicher, kognitiv-verhaltenstherapeutischer Techniken mittels Reizexposition, nimmt ein grosser Teil der Betroffenen keine solche Therapie in Anspruch. Grund dafür ist in vielen Fällen, dass die Patienten eine in vivo Konfrontation mit dem phobischen Objekt scheuen, und somit auch eine Therapie vermeiden.

Mit dem Aufkommen virtueller Bildtechniken wurde ein neues Instrument für die Konfrontationstherapie entdeckt. Diese Technik zeigte in zahlreichen klinischen Studien eine hohe Wirksamkeit. Weiter wurde ermittelt, dass die Akzeptanz der Betroffenen für computerbasierte Techniken weit grösser ist, als für konventionelle Therapien. Da diese so genannten „Virtual Reality“ - Verfahren noch sehr kostspielig und somit kaum für die tägliche Praxis geeignet sind, stellt sich die Frage, ob mit einfacher, zweidimensionaler Exposition auf herkömmlichen Computern, ähnlich gute und nachhaltige Resultate erzielt werden können.

Im Rahmen der „Interventionsstudie zur Spinnenangst“ (INT-Studie) wurde gezeigt, dass nach nur einmaliger, 30-minütiger Exposition auf Ebene der Spinnenangst, der Vermeidung und der subjektiven Bewertung, statistisch signifikante Verbesserungen im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe und im Vergleich zu den Ausgangswerten der Interventionsgruppe erzielt werden konnten.

Eine zusätzliche Intervention, welche mit einem „Duchenne-Lachen“ kombiniert wurde, erzielte analoge Ergebnisse, konnte sich jedoch gegen die reine Bildexposition nicht behaupten. Ferner wurde erhoben, dass ein Grossteil der Betroffenen eine computerbasierte Exposition einer in vivo Exposition vorziehen würden. Diese Einstellung war auch nach der Untersuchung noch sehr stabil. Die Ergebnisse zeigen, dass mit zweidimensionaler, computerunterstützter Reizexposition signifikante Ergebnisse erzielen lassen und eine entsprechende Nachfrage derartiger Therapiemanuale bei den Betroffenen vorhanden ist.

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich all jenen Personen danken, die mich während der Dauer der „Interventionsstudie zur Spinnenangst“ und bei der Realisierung dieser Masterarbeit unterstützt haben.

So gilt mein Dank Frau Dr. Tanja Michael, unter deren Betreuung das Projekt ‚Interventionsstudie’ und damit meine Arbeit gestanden ist, sowie Frau lic. phil. Birgit Müller und Frau lic. phil. Sandra Kull für deren Rat in zahlreichen Projektbesprechungen. Herrn Prof. Dr. Jürgen Margraf danke ich für die Möglichkeit, die Studie mit den vorhandenen Mitteln der Abteilung Klinische Psychologie durchführen zu können. Auch möchte ich Herrn Prof. Dr. Frank Wilhelm und Frau M.Sc. Monique Pfalz für ihre fachliche Unterstützung bei der technischen Durchführung der physiologischen Datenerhebung danken. Herrn Dr. Peter Peyk gilt mein Dank für die Unterstützung bei der Softwareprogrammierung dieser Studie und bei der Auswertung der physiologischen Messdaten. Den Herren Dipl. Psych. Christian Kuhl, Andreas Schötzau und Dr. Andrea Meyer danke ich für ihre Inspiration bei der komplexen Datenaufbereitung und die hilfreichen Tipps für die statistischen Analysen. Ein extra grosses „Dankeschön“ geht an Herrn Dipl. Psych. Jörg Herdt, der die undankbare Aufgabe des Korrekturlesens auf sich genommen hat und viele kritische und hilfreiche Anregungen beigesteuert hat.

Ferner danke ich jenen Personen und Institutionen, die einen grossen Beitrag zum Gelingen und Verbessern der Studie beigetragen haben. So gilt mein Dank Herrn Ed Niewenhuys für die Genehmigung, uns aus seinem schier unerschöpflichen Fundus an Spinnenbilder bedienen zu dürfen, dem Naturhistorischen Museum Basel für die Überlassung einer lebenden Spinne, dem Zweiten Deutschen Fernsehen für die Genehmigung das Lachen ihrer „Mainzelmännchen“ verwenden zu dürfen, sowie allen Versuchsteilnehmerinnen die das recht aufwändige Test-Procedere klaglos auf sich genommen haben. Ein grosser Dank gilt auch meiner Kommilitonin und Projektkollegin Frau B.Sc. Corinne Urech für die stets angenehme und kollegiale Zusammenarbeit während der Durchführung der gesamten Studie. Nur gemeinsam konnte dieses umfangreiche Projekt gestemmt werden.

Zu guter letzt möchte ich meiner Familie danken. Deren Unterstützung und Interesse für mein Studienfach haben mich von Beginn an begleitet und mir besonders während der heissen Testphase und dem Verfassen der Masterarbeit den Rücken gestärkt. Der grösste Dank gilt meiner Lebensgefährtin Patricia. Ohne ihren unermüdlichen und aufopferungsvollen Einsatz wäre das Gesamtprojekt „Psychologiestudium“ kaum möglich gewesen. Ihr ist diese Arbeit gewidmet.

Erklärung zur Masterarbeit

In klinischer Psychologie, innerhalb des Projekts „Angst und Angststörungen“ zum Thema „Wirksamkeit von computerunterstützter Exposition zur Therapie von Spinnenangst“.

Hiermit erkläre ich, dass ich ausser der angegebenen Literatur keine weiteren Hilfsmittel verwendet habe und dass mir bei der Zusammenstellung des Materials und der Abfassung der Arbeit von niemandem geholfen wurde. Die vorliegende Arbeit ist noch an keiner anderen Fakultät zur Begutachtung eingereicht worden.

Ich bezeuge mit meiner Unterschrift, dass meine Angaben über die bei der Abfassung meiner Masterarbeit benützten Hilfsmittel, über die mir zuteil gewordene Hilfe sowie über frühere Begutachtungen meiner Masterarbeit in jeder Hinsicht der Wahrheit entsprechen und vollständig sind.

Basel, den 30. Mai 2006 Marcel Maier

1 Einleitung und Theorie

1.1 Spinnenphobie

Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen zählen neben den Affektiven Störungen die Angststörungen. Etwa 22 % aller Menschen in der Schweiz erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einer Angststörung (Angst, 1999). Die spezifischen Phobien stellen innerhalb der Angststörungen die Gruppe mit der höchsten Lebenszeitprävalenz dar (Maier, 2005). Schätzungen der Lebenszeitprävalenzen schwanken je nach Fallidentifikation und untersuchter Population zwischen 2,3 % bis 3,5 % (Essau, Karpinski, Petermann, & Conradt, 1998; Magee, Eaton, Wittchen, McGonagle, & Kessler, 1996) und 11,3 % bis 14,4 % (Kessler et al., 2005; Kessler et al., 1994; Kringeln, Torgerson, & Cramer, 2001).

Die spezifischen Phobien sind seit den 1960er Jahren in der wissenschaftlichen Literatur als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt (Öst, 2003). Nach den Kriterien des Diagnostischen Statistischen Manual, vierte Ausgabe (DSM-IV) der American Psychiatric Association (APA), müssen folgende Kriterien für die Diagnose einer spezifischen Phobie erfüllt sein (APA, 1994):

A. Durch die Anwesenheit oder die Erwartung eines spezifischen Objektes oder einer spezifischen Situation ausgelöste Angst (z.B. Fliegen, Höhen, Tiere, Spritzen, Blut).
B. Die Konfrontation mit dem spezifischen Stimulus löst fast immer eine unmittelbare Angstreaktion aus, die die Form eines Angstanfalls annehmen kann.
C. Die phobische Stimuli werden vermieden oder mit starker Angst ertragen.
D. Die Person erkennt, dass die Angst übertrieben oder unvernünftig ist.
E. Die Vermeindung oder die ängstlichen Erwartungen verursachen ausgeprägtes Leiden oder beeinträchtigen die berufliche oder soziale Funktionsfähigkeit.
F. Die Angst oder die phobische Vermeidung steht nicht in Zusammenhang mit einer anderen psychischen Störung.

Die Diagnose einer Spezifischen Phobie nach DSM-IV erfordert also sowohl eine starke Angst und Vermeidung als auch eine erhebliche Beeinträchtigung des alltäglichen Lebens (APA, 1994).

Innerhalb der Spezifischen Phobien bilden die Tierphobien mit einer Lebenszeitprävalenz 5 % und einer Punktprävalenz von 4 % bei jungen Frauen die häufigste Untergruppe (Rinck et al., 2002). Unter den Tierphobien ist wiederum die Spinnenphobie (Arachnophobie) am häufigsten vertreten (Rinck, Bundschuh, Engler, Müller, Wissmann, Ellwart et al. 2002). Personen, die bis auf die Beeinträchtigung ihres Alltags alle Kriterien der Diagnose erfüllen, zeigen zudem ähnlich hohe subjektive Angst wie Personen mit der vollständigen Diagnose (Rinck et al., 2002). Die Punktprävalenz für Tierängstliche und Tierphobiker zusammen beträgt etwa 11 %, für Personen speziell mit Spinnenangst oder –phobie ca. 7 % (Rinck et al., 2002). Somit leidet ein bedeutsamer Anteil der Bevölkerung unter der Angst vor Spinnen. Gerade bei Tierphobien – insbesondere Spinnen – können die gefürchteten Reize aber oft sehr gut vermieden werden, so dass die Beeinträchtigung des Lebens glücklicherweise gering bleibt.

1.2 Therapien der Spinnenphobie

Die spezifischen Phobien sind die Gruppe der Angststörungen mit der längsten therapeutischen Erfolgstradition. Die wichtigsten verhaltenstherapeutischen Ansätze bei spezifischen Phobien sind Desensibilisierung, Reizüberflutung und Modelllernen. Gemeinsam werden diese Techniken unter dem Oberbegriff Konfrontationstherapie subsumiert, da die Patienten mit dem gefürchteten Gegenstand oder der gefürchteten Situation konfrontiert werden (Whitby, 1996).

Über viele Jahre hinweg war das Gebiet der Tierphobien im Allgemeinen zunächst ein Forschungsgebiet für verschiedene Formen der Behandlung durch Modelllernen (Bandura, Blanchard, & Ritter, 1969). Einige Jahre später erwies sich die direkte Konfrontation mit dem phobischen Objekt als die Methode der Wahl für die Behandlung von Phobien (z.B. (Chambless, 1990; Gosh, Marks, & Carr, 1988; Marks, 1987). Besonders hervorzuheben sind hier die Untersuchungen von Lars Göran Öst und Kollegen, welche über mehrere Jahre umfangreiche Therapiestudien mit wechselnden Designs durchgeführt haben.

Öst und Kollegen (Öst, 1989) entwickelten Behandlungsmethoden, mit der verschiedene spezifische Phobien (vorwiegend Spinnenphobien) bereits in einer Sitzung erfolgreich behandelt werden können. Diese Therapievariante besteht aus einer Kombination des teilnehmenden Modellernens mit massierter Konfrontation („therapist-directed exposure“). Mehrere Spinnen von zunehmender Grösse werden in dieser, mehrstündigen Therapie eingesetzt. Jeder Schritt des Patienten wird zuerst vom Therapeuten als Modell demonstriert. Das erste Ziel besteht darin, dass der Spinnenphobiker mit einem Glas und Papier die Spinne fängt und simuliert, wie er die Spinne zu Hause entfernt. Sobald der Patient diesen Schritt mit nur noch geringem Angstniveau bewältigen kann, besteht der nächste Schritt darin, eine Spinne tatsächlich zu berühren. Der zunehmende Kontakt mit dem vormals angsteinflössenden Tier endet mit der Ermutigung des Patienten, die Spinne in die Hand zu nehmen. Diese Form der Behandlung fährt in derselben Weise mit mehreren anderen Spinnen fort und endet schliesslich damit, dass der Patient gleichzeitig mit zwei Spinnen hantiert. Die Sitzung ist dann beendet, wenn der Patient fähig ist, sich mit allen Spinnen bei einem nur noch geringen subjektiven Angstniveau zu befassen. Weiterer Bestandteil dieses Rationals ist eine ausgiebige Psychoedukation über den Sinn der Habituation (Öst, 1989)..

Diese Therapieform wurde in verschiedener Art und Weise variiert. Öst und Kollegen (1991) erforschten in einer Folgeuntersuchung die Wirksamkeit einer ungeleiteten Exposition („self-directed exposure“). Bei dieser Variante habe die Patienten das oben erwähnte Manual während zwei Wochen in Eigenregie durchzuarbeiten. Selbst bei dieser Form zeigen Patienten signifikante Verbesserungen, wenngleich nicht im selben Ausmass wie mit einem Therapeuten als Modell. Auch in einem erweiterten Design mit fünf unterschiedlichen Manualen („one session therapist-directed exposure“, „specific manual-based in the home“, „specific manual-based at the clinic“, „general manual-based in the home“ und „general manual-based in the clinic “ (Hellström & Öst, 1995) erweist sich die therapeutengeleitete Konfrontation als sehr effektiv. Sie zeigte mit Abstand die besten Erfolge. Dieses Rational wurde auch auf die Anwendbarkeit in einer Gruppentherapie erfolgreich getestet (Öst, 1996). Es zeigt sich, dass sowohl in kleinen Gruppen von drei bis vier Patienten, als auch in grösseren Gruppen (sieben bis acht Patienten) signifikante Verbesserungen nach nur dreistündiger Therapie zu verzeichnen sind. Die Ergebnisse zeigten sich auch nach einem Jahr noch stabil. Die Studien zur Gruppentherapie wurden weiter diversifiziert. Das Anliegen dieser Modifikationen war, die Effekte der beiden Formen des Modelllernens mit der bewährten Standardtherapie („one-session“) innerhalb eines Gruppensettings zu vergleichen. So erhielten zwei Gruppen keine direkte Konfrontation, sondern fungierten lediglich als direkte („direct observation“) oder indirekte („indirect observation“) Beobachter (Öst, Ferebee, & Furmark, 1997). Direkte Beobachtung bedeutete in diesem Fall, dass ein Patient nach dem oben beschriebenen Verfahren mit einer echten Spinne behandelt wurde, während die anderen Patienten die komplette Behandlung aus kurzer Entfernung beobachteten. In der Bedingung der indirekten Beobachtung sahen die Patienten lediglich eine Videoaufnahme einer solchen Prozedur. Es zeigte sich einmal mehr, dass die direkte Behandlung die grössten Erfolgte mit sich brachte. Dennoch zeigten die anderen Behandlungsformen ebenfalls signifikante und zeitlich stabile Verbesserungen. Es machte kaum einen Unterschied, ob die Patienten die Behandlung direkt beobachteten, oder sich die Prozedur auf Video anschauten. Eine ähnlich erfolgreiche Studie wurde später auch mit Kindern und Jungendlichen durchgeführt (Öst, Svensson, Hellström, & Lindwall, 2001).

Öst verwendete in den meisten Studien einen Vermeidungstest, um den Therapieerfolg intervallskaliert messbar zu machen. In diesem so genannten „ behavioral approach test“ (im weiteren Verlauf dieser Arbeit mit „BAT“ abgekürzt) haben die Versuchsteilnehmer die Aufgabe, einen Raum zu betreten in dem sich in fünf Meter Entfernung eine Spinne in einem Terrarium befindet. Der Test ist in insgesamt 13 Stufen unterteilt (0 = Versuchsperson verweigert, den Raum zu betreten; 12 = Versuchsperson nimmt die Spinne länger als 20 Sekunden in die Hand) und wird als gängige abhängige Variable für die Outcome-Messung bei Tierphobien eingesetzt (z.B. Meng, Kirkby, Martin, Gilroy, & Daniels, 2004; North, North, & Coble, 1998; Öst, Stridh, & Wolf, 1998; Carlin, Hoffmann, & Weghorst, 1997). Er wird jeweils vor und nach einer Intervention appliziert und kann auch als Follow-up-Nachtest verwendet werden.

1.3 Relevanz von computerunterstützten Therapien

Trotz der eindrücklichen Erfolge konventioneller Konfrontationstherapien wurde festgestellt, dass nur etwa 60 bis 85% aller Betroffenen jemals eine Behandlung in Anspruch nehmen (Boyd et al., 1990; Magee, Eaton, Wittchen, McGonagle, & Kessler, 1996). Viele Phobiker sind offensichtlich zu ängstlich, um sich einer Konfrontation mit ihrem gefürchteten Objekt in einer Therapie auszusetzen (Garcia-Palacios, Hoffmann, Carlin, Furness, & Botella, 2002). Das Vermeidungsverhalten, welches für diese Störung symptomatisch ist, setzt sich also fort, wodurch die Betroffenen teilweise ein Leben lang unter ihrer Phobie zu leiden haben. Es liegt also nahe, eine Alternative in Betracht zu ziehen. Eine britische Umfrage bezüglich einer favorisierten Therapieform ergab, dass etwa 91 % aller Befragten eine computerunterstützte Therapieform bevorzugen würden (Graham, Franses, Kenwright, & Marks, 2001). Ähnliche Ergebnisse erhielten Garcia-Palacios und Kollegen (2001) bei einer gross angelegten Befragung unter 777 Studenten (Garcia-Palacios, Hoffman, See, Amy Tsai, & Botella, 2001).

Patienten, welche ein Computertherapieprogramm durchlaufen haben, berichten eine hohe Zufriedenheit und weisen analoge Drop-out Raten auf, wie bei einer herkömmlichen kognitiven Verhaltenstherapie oder einer anderen Behandlung (Gosh, Marks, & Carr, 1988) (Proudfoot, Ryden, & Everitt, 2004). Es scheint somit einen grossen Bedarf an alternativen Expositionsverfahren zu geben, welcher den Einsatz von niederschwelligen, computerunterstützten Verfahren nahe legt.

Im weitern Verlauf dieser Arbeit wird hauptsächlich auf bildgebende Verfahren zur Konfrontation eingegangen. Eine Diskussion von Therapien per E-Mail (Andersson, Bergström, Holländare, Ekselius, & Carlbring, 2004), Online-Echtzeit-Beratungen, professionell unterstützen Chatrooms, Psychoedukationsmodulen (Marks et al., 2003), Online-Angeboten mit strukturierten Therapiemanuals (Schneider, Mataix-Cols, Marks, & Bachofen, 2005; Wright et al., 2005) und Gesundheitsforen im Internet etc. würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. An dieser Stelle sei auf den detaillierten Review von Judith G. Proudfoot (2004) verwiesen.

1.4 Computerunterstützte (bildgebende) Expositionsverfahren

1.4.1 Virtual Reality

Virtual Reality (im weiteren Verlauf dieser Arbeit mit „VR“ abgekürzt) ist als eine Anwendung definiert, die es dem Nutzer erlaubt, in eine computergenerierte, dreidimensionalen Umgebung einzudringen und mit dieser Umwelt zu interagieren (Pratt, Zyda, & Kelleher, 1995). Psychotherapeutisch wird VR vorwiegend als Instrument zur Exposition verwendet („ in virtuo exposure“) . Es dauerte eine Zeit, bis der Einsatz von VR zu therapeutischen Zwecken als probates Mittel anerkannt wurde. Dies lag vor allem an den beschränkten Hardwareleistungen für eine lebensnahe Präsentation, den hohen Ausstattungskosten und dem Fehlen eines kommerziellen Marktes zur Refinanzierung (Glantz, Rizzi, & Graap, 2003). Die in den frühen Studien verwendeten Animationen waren wenig lebensecht und darum auch nicht sonderlich effektiv. In den vergangenen Jahren wurden jedoch dramatische Fortschritte im Bereich der Rechnerleistungen und der damit verbundenen Möglichkeiten zur visuellen Präsentation von Reizmaterial gemacht.

Flankiert wurde diese Entwicklung durch qualitative Verbesserungen in der Reizpräsentation mittels „Head-mounted-Displays“ oder „VR-Helm“ (Displays, welche auf dem Kopf getragen werden und das komplette Gesichtsfeld des Anwenders abdecken). Mit diesen bequem tragbaren Displays können grafische 3D-Animation lebensecht präsentiert werden (Glantz, Rizzi, & Graap, 2003). In diesem Helm sind zwei Monitore nahe den Augen des Benutzers angebracht. Das Bild, welches auf das linke Auge projiziert wird, ist im Vergleich zu dem auf dem rechten Auge leicht versetzt. Dadurch vereint das Gehirn diese beiden Bilder zu einem dreidimensionalen Bild, was dem Anwender die Illusion einer räumlichen Tiefe gibt. Ortungssensoren an VR-Helm und Körper des Anwenders informieren den Computer über Bewegungen, Blickrichtungen und Position des Benutzers. Die Szenerie in der virtuellen Welt verändert sich somit in Abhängigkeit der Bewegungen des Anwenders. Die Essenz der virtuellen Realität ist die Illusion, die dem Benutzer gegeben wird, tatsächlich in der künstlich generierten Welt zu sein (Garcia-Palacios, Hoffmann, Carlin, Furness, & Botella, 2002). Abbildung 1 zeigt eine Versuchsperson mit einem Head-mounted-Display während einer VR-Session.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Versuchsperson mit einem „Head-mounted-Display“ bei der Durchführung einer VR-Übung (Kooper, 2003).

Dieser technische Fortschritt zog eine gewaltige Welle wissenschaftlicher Publikationen nach sich, welche sich dem Thema VR in der Psychotherapie widmeten. Eine interessante Randnotiz, welche diesen Boom dokumentiert, ist, dass laut einer Umfrage die Anzahl der in den Zeitschriften der American Association of Psychiatrie (APA) publizierten Fachartikel zu diesem Thema in den kommenden Jahren den dritten Rang einnehmen wird (Norcross, Hedges, & Prochaska, 2002).

Mittels VR hat der Therapeut die Möglichkeit ganz exakt zu steuern, welche Reize der Patient präsentiert bekommt. Er kann die Qualität eines angstauslösenden Objekts graduell steuern und den Bedürfnissen des Patienten anpassen. Die Kontrolle über das angstauslösende Objekt liegt immer beim Anwender. Der Therapeut hat bei VR die absolute Kontrolle über die Situation und ist unabhängig von äusseren Bedingungen, wie beispielsweise dem Wetter oder der Verfügbarkeit eines Reizobjektes. Das ist in einer in vivo Situation mit einem lebenden Tier oder in einer echten Umgebung nicht möglich. Dort fliessen häufig unerwünschte Störvariablen in den therapeutischen Prozess mit ein.

Die Situationen und Reize können optisch und teilweise auch taktil auf den Patient zugeschnitten werden. So können ganz spezifische, angsterregende Situationen oder Objekte erstellt werden. Man hat die Möglichkeit, den Patienten einer Bandbreite von Situationen und Objekten auszusetzen, wie es in der Realität nicht möglich oder nicht sicher wäre (Glantz et al., 2003). Bei einer Höhenangst kann zum Beispiel die virtuelle Gebäudehöhe nach Belieben verändert werden. Dass Aussehen, die Grösse oder das Verhalten einer Spinne kann ganz den Bedürfnissen der Anwender angepasst werden. Die Übungen können beliebig oft an jedem gewünschten Punkt innerhalb der Exposition wiederholt werden. Ferner sind die Bedingungen immer identisch, so dass exakte vorher/nachher Vergleiche möglich sind. Der Therapeut hat ausserdem die Möglichkeit, den Patienten während der Übung zu beobachten und direktes Feedback zu geben. Er muss sich nicht auf das Reizobjekt konzentrieren, sondern kann seine gesamte Aufmerksamkeit dem Patienten widmen.

Der grösste Vorteil dieser Technik liegt wohl in der Möglichkeit des Anwenders, direkt mit seiner Umgebung interagieren zu können. Was der Anwender in der virtuellen Welt macht, hat einen direkten Einfluss auf das, was er sieht und hört. Das was er sieht und hört, hängt wiederum von seinen Bewegungen und Handlungen ab. Der Anwender lernt durch Bewegung, Aktion und Reaktion. Der Anwender ist ein Handelnder. Und Handeln hat einen wesentlich grösseren therapeutischen Impact als passive Teilnahme (Glantz et al., 2003).

1.4.2 Therapien mit Virtual Reality

Die Ursprünge der VR liegen (analog zu den herkömmlichen Konfrontationsverfahren) in der Behandlung von Phobien. Die erste publizierte Fallstudie, welche VR zur Exposition bei Spinnenangst einsetzte, stammt von Carlin und Kollegen (1997). Während einer Zeitperiode von drei Monaten erhielt eine 37-jährige Spinnenphobikerin wöchentlich eine 50-minütige Exposition mittels eines Head-mounted-Displays. Nebst der virtuellen Exposition wurde die Session zusätzlich durch taktile Stimulation mittels einer Spielzeug-Spinne angereichert. Die Patientin sollte so das Gefühl haben, die virtuelle Spinne auch tatsächlich zu berühren. Während der Exposition konnte sich die Probandin in einer virtuellen Küche mit einer Spinne bewegen. Die Versuchsleiter konnten die Perspektive der Probandin direkt auf einem Monitor überwachen und so mit ihr interagieren und Weisungen, analog einer echten in vivo Konfrontation, geben. So wurde die Versuchsteilnehmerin beispielsweise aufgefordert, sich der „Spinne“ zu nähern, oder sie bestenfalls in die Hand zu nehmen. Ferner war es den Versuchsleitern möglich, die Position, die Bewegungen, die Grösse, das Aussehen und dass Verhalten (unerwartete Sprünge, etc.) der „Spinne“ zu manipulieren. Die Angst und das spätere Verhalten wurden mittels „ Fear of Spider Questionnaire, FSQ“ (Szymansky & O'Donohue, 1995) und eines BAT gemessen. Die Patientin zeigte in beiden Messinstrumenten eine statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserung.

Die erste kontrollierte Therapiestudie zur Spinnenangsttherapie mittels VR führten Garcia-Palacios und Kollegen durch (2002). In dieser Untersuchung wurde erstmalig die Effektivität einer VR-Therapie an 23 Spinnenphobikerinnen im Vergleich zu einer Wartegruppe bewiesen. Der Aufbau der Untersuchung war ähnlich der oben zitierten Studie von Carlin und Kollegen (1997). Auch hier kamen ein 3D-projizierendes Head-mounted-Display und taktile Reize zum Einsatz. Die Behandlung wurde in der Intensität der Exposition graduell gesteigert. Zu Beginn sahen die Versuchspersonen lediglich die Spinne (Tarantel) in der Ecke einer virtuellen Küche. Für zusätzlichen Impact sorgten eingespielte Soundeffekte aus dem Film „Psycho“, welche die Situation noch dramatischer erscheinen lassen sollten. Als erfolgreichen Behandlungsabschluss definierten die Autoren, dass die Patienten in der Lage sein mussten, eine grosse virtuelle Spinne inklusive taktiler Reizapplikation bei einem subjektiv niedrigen Angstniveau in der Hand halten zu können. Es gab à priori keine vorgegebene Anzahl von Sessions, dennoch wurde das Behandlungsziel im Schnitt nach vier Sitzungen à einer Stunde erreicht (bei einem Range von drei bis 10 Sitzungen). Auch hier wurden die Veränderungn in Verhalten und Angstniveau unter anderem mittels FSQ und BAT gemessen. Es zeigte sich bei 83 % der Patienten aus der Testgruppe sowohl eine statistische als auch eine klinisch bedeutsame Verbesserung. Allerdings wurde keine Follow-up Untersuchung angesetzt, wodurch die Nachhaltigkeit des Effekts nicht beurteilt werden konnte. Als weitere Einschränkung betrachten die Autoren die nur geringe Versuchspersonenzahl von 23 Teilnehmern und die unterschiedliche Geschlechtsverteilung (90,9 % weiblich; 9,1 % männlich).

Dieses Verfahren wurde auch bei anderen Phobien erfolgreich eingesetzt. Zur Therapie von Höhenangst (Akrophobie) wurde bereits 1995 von Rothenbaum und Kollegen eine VR- Pilotstudie gestartet. Trotzt der damals noch dürftigen Rechnerleistungen zeigte sich, dass Patienten, welche mit VR behandelt wurden, signifikante Symptomverbesserungen im Vergleich zu einer unbehandelten Wartegruppe erzielten (Rothbaum et al., 1995). Im Laufe der Zeit wurde dieses System immer weiter verbessert. Schliesslich gelang es dann auch, dass VR-Therapie gegenüber einer herkömmlichen VT bestehen konnte und beide Treatment-Gruppen analoge Symptomverbesserungen zeigten (Choi, Jang, Ku, Shin, & Kim, 2001; Emmelkamp et al., 2002; Ku et al., 2001). Jang und Kollegen entwickelten ein VR-System mit dem es zusätzlich möglich ist, verschiedene Szenen zu programmieren, um ein und dasselbe System zur Behandlung von Klaustrophobie und Agoraphobie anwenden zu können (Jang et al., 2002).

Bei der Therapie von Flugangst waren die ersten Gehversuche mit VR ebenfalls sehr Erfolg versprechend (North & North, 1994; North, North, & Coble, 1996; Rothbaum, Hodges, Watson, Kessler, & Opdyke, 1996). Auch hier erwies sich das Verfahren zunächst im Vergleich mit einer unbehandelten Wartegruppe als erfolgreich (Rothbaum, Hodges, Smith, Lee, & Price, 2000). Weitere kontrollierte Studien zeigten schliesslich sogar eine Gleichwertigkeit und Nachhaltigkeit des Verfahrens im Vergleich zu einer in vivo Therapie (Maltby, Kirsch, Mayers, & Allen, 2002; Rothbaum, Hodges, Andersson, Price, & Smith, 2002; Wiederhold et al., 2002). Wissenschaftliche Unterstützung bekam das VR auch bei der Therapie von Sozialphobie (North, Schoenemann, & Mathis, 2002) und der Angst vor öffentlichem Sprechen (Harris, Kemmerling, & North, 2002; Kringeln, Torgerson, & Cramer, 2001). Auch in der Therapie Posttraumatischer Belastungsstörungen kann VR eingesetzt werden, wie Untersuchungen an traumatisierten Vietnamveteranen belegen (North, North, & Crunk, 2004). Hier kommen die Vorteile der VR besonders zur Geltung, da spezifische Hinweisreize, welche für die Auslösung von Angst und Intrusionen („Flashbacks“) verantwortlich sind, „bedarfsgerecht“ und „originalgetreu“ reproduziert werden können. Es lassen sich, gerade bei der Therapie von Kriegtraumata, Umgebungen und somit Expositionen schaffen, wie es in einer herkömmlichen Therapie nicht möglich wäre. Die Eindrücke können nicht nur dreidimensional präsentiert, sondern bei entsprechendem Equipment auch zusätzlich akustisch unterlegt werden. Dies hat offensichtlich einen wesentlich grösseren emotionalen Impact als eine reine in sensu Konfrontation (Rothbaum, Hodges, Ready, Graap, & Alarcon, 2001).

Auch ausserhalb der Angststörungen wurden erste Erfolge mit dem VR-Verfahren erzielt. Riva und Kollegen arbeiteten an der Entwicklung einer Einsatzmöglichkeit zur Therapie von Essstörungen. Die ersten erfolgreichen Studien in Kombination mit kognitiver Verhaltenstherapie sind bereits abgeschlossen (Riva, Bacchetta, Baruffi, Rinaldi, & Molinari, 1999; Riva, Bacchetta, Cesa, Conti, & Molinari, 2003). Ausserdem sind die ersten empirischen Studien zum Einsatz von VR bei Suchterkrankungen (Lee et al., 2003), Gedächtnisrehabilitation und Demenzen (Brooks & Rose, 2003), sowie sexuellen Funktionsstörungen (Optale, Nasta, Marin, & Ipianon, 2003) erfolgreich abgeschlossen worden.

1.4.3 CAVE-Verfahren

VR-Techniken sind ein probates und empirisch gut belegtes Instrumentarium, um psychische Störungen und speziell spezifische Phobien behandeln zu können. Trotz all der genannten Vorteile und der weiter fortschreitenden technischen Entwicklung ist die Anschaffung eines VR-Systems immer noch recht kostspielig und beläuft derzeit sich auf ca. 10´000 USD (Bouchard, Cote, St-Jacques, Robillard, & Renaud, 2006).

Aufgrund des grossen technischen Aufwands und der derzeit noch hohen Investitionskosten für ein VR-Equipment, interessiert sich die Forschung wieder für einfache Bildpräsentation, den so genannten „Computer aided vicarious exposure“ - Techniken (im weiteren Verlauf dieser Arbeit mit „CAVE“ abgekürzt) (Dewis et al., 2001). Auf der CAVE-Technik basierende Expositionsverfahren sind relativ einfach und unproblematisch zu programmieren. Entsprechende Programme können auf handelsüblichen Heimcomputern abgespielt und beliebig oft angewendet werden. Auch hier besteht (wenn auch in geringerem Ausmass) die Möglichkeit, dass Programm an die Bedürfnisse des Klienten anzupassen und entsprechend abzuändern. Somit lässt sich eine wesentlich kostengünstigere Alternative zu VR anbieten. Sicherlich müssen aufgrund der vereinfachten Präsentation auf einem zweidimensionalen Monitor, Abstriche in der Lebensnähe und der Authentizität gemacht werden. Auch die Interaktion mit dem phobischen Objekt (was ein Hauptargument für die VR ist) kann nicht in gleicher Weise angeboten werden. Trotz einiger Nachteile im Vergleich zu VR scheint CAVE eine, vor allem wegen der unkomplizierten Anwendbarkeit, durchaus fruchtbare Alternative darzustellen.

1.4.4 Therapien mit CAVE

Analog zu den VR-Techniken werden auch CAVE-Verfahren vorwiegend bei Phobien eingesetzt. Walshe und Kollegen (2005) erprobten dieses Verfahren beispielsweise an Patienten, welche aufgrund eines vormaligen Unfalls eine Angst vor Autofahren entwickelt haben. Auch in der Behandlung von Hundephobien (Cynophobie) wurden Elemente dieses Verfahren eingesetzt (Rentz, Powers, Smits, Cougle, & Telch, 2003). Dort zeigten sich bereits nach einmaliger, dreissigminütiger Exposition positive Effekte.

Erstmalig überlegten Whitby & Allock (1994) ein computerisiertes Präsentationsverfahren zur Therapie von Spinnenangst einzuführen, in dem das Bild einer Spinne auf einem Computermonitor präsentiert wurde. Da diese Form der Exposition an ein Computerspiel erinnerte, nahmen Nelissen und Kollegen (1995) dies zum Anlass, ein solches Verfahren an spinnenängstlichen Kindern zu erproben. Allerdings zeigten sich bei zwei durchgeführten Fallstudien, dass der Erfolg einer in vivo Therapie wesentlich höher war. Auch in einer Studie von Smith und Kollegen (1997), in der die Wirkung von phobischen Situationen gegen irrelevante Situationen getestet wurde, zeigte sich keine deutliche Verbesserung in der Testgruppe mit den phobischen Situationsbildern. Dennoch wurde das CAVE-Konzept weiter verfolgt und verfeinert. Zusätzlich wurde die assoziative Verbindung zu Computerspielen weiterentwickelt. Dewis und Kollegen (2001) entwickelten ein System, in dem die Versuchsperson, ähnlich wie in den Experimenten mit VR, als Aktiver handeln kann. Die Versuchspersonen (ausschliesslich Kinder mit Spinnenangst) konnten in einer von drei Versuchsbedingungen einen computergenerierten „Spieler“ per Computermaus durch verschiedene Levels mit gradueller Steigerung des Bildmaterials (von Spinnenbild bis „echter Spinne“) bewegen. In dieser Studie zeigte sich eine deutliche Überlegenheit des CAVE-Verfahrens im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe.

Meng und Kollegen (2004) verwendeten CAVE nicht direkt als therapeutische Intervention, sondern untersuchten die Möglichkeit, einen auf computerunterstützter Bildpräsentation basierenden BAT einzusetzen. Das Ziel der Studie bestand darin zu untersuchen, ob man mit einem computeranimierten BAT in ähnlich guter Weise zwischen „ängstlich“ versus „nicht-ängstlich“ diskriminieren kann. Tatsächlich ist es gelungen, die Diskriminationsfähigkeit der Computervariante nachzuweisen. Dennoch liefert der Live-BAT eindeutigere Ergebnisse hinsichtlich des Vermeidungsverhaltens der Versuchspersonen (Meng, Kirkby, Martin, Gilroy, & Daniels, 2004).

1.5 Zusammenfassung

Öst hat gezeigt, dass Spinnenphobien sehr gut mit Expositionstherapien behandelt werden können. Hierbei zeigt bereits eine einmalige Sitzung von wenigen Stunden klinisch relevante Effekte. Als Mittel der Wahl erwies sich dabei eine graduelle Steigerung des Expositionsmaterials im Sinne einer systematischen Desensibilisierung. Die Fortschritte des Patienten lassen sich sehr gut auf der Ebene des Verhaltens (mittels BAT), der Angst (div. Spinnenfragebögen) und mittels Subjektiver Ratings messen.

Das probate Therapiekonzept von Öst wurde für computerunterstützte Therapieformen mittels VR adaptiert. Die Exposition erfolgt nun nicht mehr direkt oder indirekt in vivo, sondern wird dem Patienten mittels dreidimensionaler Darbietung in virtuo appliziert. Dieses Verfahren hat pragmatische Vorteile und ermöglicht signifikante Verbesserungen. Es ist ausserdem erwiesen, dass VR bei verschiedensten Angststörungen erfolgreich eingesetzt werden kann. Ferner ist ermittelt worden, dass sehr viele Patienten eine in vivo Therapie scheuen und eine computerunterstützte Behandlung vorziehen würden. Leider sind die vorgestellten VR Verfahren noch recht teuer, technisch komplex und daher für die Anwendung in der täglichen Praxis ungeeignet. Um dieses Verfahren zu simplifizieren sind einige Forschergruppen dazu übergegangen, das phobische Reizmaterial auf herkömmlichen Computermonitoren zu präsentieren (CAVE-Verfahren), um somit ebenfalls ein ausreichend hohes Angstniveau für eine Exposition zu erzeugen. Eine weitere Idee liegt darin, die Attraktivität solcher Präsentation zu erhöhen, indem man ihnen einen spielerischen Charakter (ähnlich wie bei einem Computerspiel) verleiht.

Derzeit liegt nach bestem Wissensstand des Autors noch keine Studie vor, welche die Wirkung von Bildmaterial bei einer einmaligen, zeitlich kurzen Konfrontation mit Spinnenängstlichen untersucht und diesen Effekt mittels BAT, Spinnenfragebogen und Subjektiver Ratings untersucht. In den bisherigen CAVE-Verfahren sind bisher keine Vergleiche mit einer unbehandelten Wartegruppe erstellt worden. Ferner ist auch die Langzeitwirkung einer solchen Exposition noch nicht bekannt.

1.6 Fragestellungen und Hypothesen

Die vorliegende Studie untersucht die Frage, ob es möglich ist, die Spinnenangst nach einer einmaligen Exposition mit Spinnenbildern, die computergeleitet präsentiert werden, zu reduzieren. Die Expositionszeit soll auf das Minimum von 30 Minuten (Reinecker, 1998) limitiert sein. Die Wirkung dieser Exposition sollte sich sowohl im Verhalten, in subjektiven Bewertungen, als auch in den Ergebnissen eines Spinnenangstfragebogens widerspiegeln. Ferner wird die Nachhaltigkeit dieser Intervention mittels Follow-up Fragebogen ermittelt. Um den Kriterien einer Therapiestudie zu genügen, soll die Zahl der Versuchpersonen genügend gross und das Design ausbalanciert sein um Spinnenängstliche in Interventions- und Kontrollgruppe aufzuteilen.

Garcia und Kollegen (2001) eruierten, dass die meisten Spinnenängstlichen eine computerunterstützte Therapie einer in vivo Behandlung vorziehen. Darum soll ausserdem untersucht werden, ob sich die Ergebnisse dieser Befragung replizieren lassen. Eine neue Komponente wird sein, dass die Studienteilnehmer nach der Untersuchung nochmals dazu befragt werden um zu ermitteln, wie sich die Intervention auf ihre Einstellung diesbezüglich auswirkt. Aus dem Literaturstand lassen sich die nachfolgenden Hypothesen ableiten:

Hypothesen

Die Spinnenangst lässt sich nach einer einmaligen, 30-minütigen Exposition mit Spinnenbildern signifikant reduzieren. Diese Intervention stellt somit ein wirksames Instrument zur Therapie von Spinnenangst dar. Da die Wirksamkeit mittels unterschiedlichen Variablen gemessen wird, ergeben sich folgende, detaillierte Fragestellungen:

1. Hypothese

Die mittels Spinnenangstfragebogen gemessene Angst wird in der Interventionsgruppe signifikant reduziert:

a) im Vergleich zum Ausgangswert dieser Gruppe
b) im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe
c) in den Subskalen des Spinnenangstfragebogens
d) der Effekt ist auch nach vier Wochen noch stabil

2. Hypothese

Die mit dem BAT gemessene Vermeidung gegenüber einer echten Spinne wird in der Interventionsgruppe signifikant reduziert:

a) im Vergleich zum Ausgangwert dieser Gruppe
b) im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe

3. Hypothese

Der Gesamtscore der subjektiven Ratings nach dem BAT in der Interventionsgruppe verringert sich:

a) im Vergleich zum Ausgangswert dieser Gruppe
b) im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe

Die einzelnen Skalen der Subjektiven Ratings der Interventionsgruppe verringern sich:

a) im Vergleich zu den Ausgangswerten dieser Gruppe
b) im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe

4. Hypothese

Spinnenängstliche bevorzugen computerunterstützte Konfrontationstherapien:

a) im Vergleich zu allen anderen Therapieformen
b) Diese Einstellung bleibt auch nach der Behandlung sowohl in der Interventions- als auch in der Kontrollgruppe stabil

1.7 Erweiterte Fragestellung

Lachen und Humor als therapeutisch wertvolle Komponente zu betrachten, ist vermehrt in Mode gekommen. Dennoch gibt es sehr wenige Studien, welche die Wirkung von Humor und Lachen nach wissenschaftlichen Massstäben untersucht haben (Gelkopf & Kreitler, 1996; Kuhlman, 1984; Ventis, 1973). Eine mögliche Anwendung von Humor in einem therapeutischen Kontext, ist in der systematischen Desensibilisierung, um das Angstniveau zusätzlich zu reduzieren (Ventis, 1973) oder es als Gegenkonditionierung einzusetzen (Smith, 1973). Ventis und Kollegen (2001) untersuchten dieses Paradigma erstmals erfolgreich in Kombination mit Desensibilisierung bei Spinnenphobikern.

Ein Hauptgrund, weshalb auf diesem Gebiet verhältnismässig wenig Forschung betrieben wurde liegt darin, dass Humor und Lachen spontane Emotionen sind, welche in einem klinischen Setting sehr schwer zu kontrollieren, zu standardisieren und spontan zum Ausdruck zu bringen sind (Ventis, Higbee, & Murdoch, 2001).

Surakka und Hietanen fanden jedoch eine Möglichkeit, mit dem so genannten „Duchenne-Lachen“ bei Versuchspersonen gezielt emotionale Reaktionen von Freude zu erzeugen (Surakka & Hietanen, 1998). Das Duchenne-Lachen wurde von Ekman (Ekman & Davidson, 1993; Ekman, Davidson, & Friesen, 1990) erforscht und beschreibt ein so genanntes „gefühltes“ Lachen. Die ausgelösten emotionalen Reaktionen sind mit physiologischen Prozessen bei Aktivität des musculus orbicularis oculi (Ringmuskel um die Augen) und des musculus zygomaticus major (Wangenmuskel-Region) – eben jenen Muskeln, die auch bei der Produktion eines richtigen („echten“) Lächelns aktiviert werden, assoziiert. Da dieses „echte“ Lachen spontan, nach kurzer Übung von Versuchspersonen generiert und online per Elektromyographie (EMG) im Gesicht gemessen werden kann (Partala, Surakka, & Vanhala, 2006), bietet sich hier eine Möglichkeit, Lachen als kontrollierte Intervention in eine therapeutische Studie einzubauen. Im Rahmen der vorliegenden Studie erhielt eine Gruppe der Spinnenängstlichen zusätzlich die Aufgabe, während der Bildexposition mehrfach ein Duchenne-Lachen zu produzieren. Zur Erleichterung und zur zeitlichen Standardisierung der „Lacher“, wurden akustische Lachsequenzen eingespielt. Es ergeben sich somit folgende erweiterte Fragestellungen:

1. erweiterte Fragestellung

Die mittels Spinnenangstfragebogen gemessene Angst wird in der Lachengruppe signifikant reduziert:

a) im Vergleich zum Ausgangswert dieser Gruppe
b) im Vergleich zur Interventionsgruppe ohne Lachen
b) im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe

2. erweiterte Fragestellung

Die mit dem BAT gemessene Vermeidung gegenüber einer echten Spinne wird in der Lachengruppe signifikant reduziert:

a) im Vergleich zum Ausgangwert dieser Gruppe
b) im Vergleich zur Interventionsgruppe ohne Lachen
c) im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe

2 Methoden

2.1 Stichprobe

Die Studie beschränkte sich in der Auswahl der Versuchspersonen auf die subklinische Gruppe der „spinnenängstlichen Personen“. Spinnenangst unterscheidet sich von der klinisch relevanten Spinnenphobie dadurch, dass die subjektiv empfundene Belastung nur unwesentlich ausgeprägt vorliegt. Ansonsten sind die beiden Störungsbilder miteinander vergleichbar. Auch spinnenängstliche Personen, bei denen die Beeinträchtigung des Lebens nicht das für die Diagnose einer Phobie notwendige Ausmass erreicht, zeigen ein vergleichbares Niveau von Angst, physiologischer Erregung und Vermeidung (Rinck et al., 2002). Weiterhin wurden nur weibliche Probandinnen in die Untersuchung mit einbezogen. Aus der gescreenten Personengruppe wurde ersichtlich, dass lediglich vier Männer als spinnenängstlich eingestuft werden konnten. Um eine angemessen grosse und auch homogene Stichprobe gewährleisten zu können, wurden von den beiden genannten Einschränkungen in Bezug auf die Versuchspersonengruppe Gebrauch gemacht.

Insgesamt wurden aus über 220 Personen, die das Spinnenangstscreening (SAS) (Rinck et al., 2002) durchliefen, 21 Frauen ohne Spinnenangst (SAS-Summenscore ≤ 5) und 63 Frauen mit Spinnenangst (SAS-Summenscore ³ 15) untersucht (N = 84). Der überwiegende Teil (n = 56; 67.5%) rekrutierte sich aus Studierenden der Universität Basel, vor allem der Fakultät für Psychologie. Diese wurden über einen später beschriebenen Vortest, per Aushang auf den Homepages der genannten Fakultät als auch auf der Internetseite „Marktplatz“ der Universität Basel, durch direktes Werben in Vorlesungen oder im Bekanntenkreis der Untersuchergruppe rekrutiert.

Die Daten einer Versuchsperson wurden wegen ihrer klinisch relevanten Depressionswerte (BDI-Summenscore ³ 18 Punkten) und offensichtlicher Übermüdung nicht für die Ergebnisberechnungen berücksichtigt. Die definitiv ausgewertete Stichprobe setzte sich in Folge dessen aus insgesamt N = 83 Probandinnen, 21 nicht-ängstlichen und 62 ängstlichen, zusammen. Das Durchschnittsalter der Versuchspersonen betrug 23.73 Jahre (SD = 5.84, Range = 18 bis 54 Jahre). Nach 28 Tagen (vier Wochen) wurde eine Follow-up Befragung per E-Mail durchgeführt. Von den ursprünglich 84 im Labor untersuchten Personen haben 76 (92,9%) den Follow-up Fragebogen wieder vollständig ausgefüllt zurück geschickt. Inklusive der Bearbeitungszeit durch die Versuchspersonen betrug die Zeit zwischen Laboruntersuchung und Rücklauf des elektronischen Fragebogens ca. 35 Tage (SD = 7.8). Nach der Untersuchung wurden die Probandinnen nach Wunsch entweder durch vier Versuchspersonenunterschriften (für Studierende der Fakultät für Psychologie) oder mit einem Büchergutschein im Wert von 5,- CHF belohnt. Zusätzlich wurde unter allen Teilnehmerinnen ein „iPod shuffle“ von AppleTM verlost.

2.2 Design

Die Studie wurde als so genannte „Interventionsstudie zur Spinnenangst“ (im weiteren Verlauf dieser Arbeit als „ INT-Studie “ abgekürzt) deklariert. Innerhalb dieser Gesamtstudie fanden weitere Messungen zu anderen Fragestellungen statt, welche die umfangreichen psychometrischen und physiologischen Messungen erklären.

Niedrigängstliche Teilnehmerinnen wurden à priori der Gruppe 4 zugeordnet, ängstliche Versuchspersonen wurden randomisiert in die beiden Experimentalgruppen (Gruppe 1 und 2) sowie in eine Kontrollgruppe (Gruppe 3) eingeteilt. Tabelle 1 zeigt die Aufteilung der Versuchsteilnehmerinnen in die einzelnen Testgruppen.

Tabelle 1

Übersicht über die vier Versuchsgruppen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Versuchsteilnehmerinnen waren weder mit der Versuchsplanung noch mit den theoretischen Hintergründen der Studie vertraut. Alle Daten wurden bei Untersuchungsbeginn mittels einer Codierung anonymisiert.

2.3 Materialien

Im Folgenden werden die in der INT-Studie verwendeten Materialien beschrieben.

2.3.1 Hard- & Software

Für die Präsentation des Bild- und Tonmaterials wurde die Software E-Studio / E-Prime 1.1™ (E-Studio, 1996-2002) verwendet. Diese wurde auf einem stationären AMD Athlon ™ PC (1.2 GHz) mit einem 17-Zoll-Monitor auf dem Betriebssystem Windows XP™ durchgeführt. Die Software E-Studio / E-Prime 1.1™ ermöglicht eine zeitlich exakt gesteuerte Darbietung der Bild- und Tondateien. Die Programmierung des Experimentes erfolgte selbstständig durch die Beteiligten der Studiengruppe (Corinne Urech & Marcel Maier). Um den Anforderungen des Versuchsdesigns gerecht zu werden, mussten drei Varianten des Programms erstellt werden. Kopien der für dieses Experiment verwendeten Programmierungen sind auf der beigefügten CD-ROM gespeichert.

2.3.2 Vortest

Das für die INT-Studie verwendete Bildmaterial wurden à priori eingehend auf Valenz, Arousal, Angst und Ekel (N = 81) bewertet. Diese Befragung wurde mit dem Online-Experimentalprogramm eRes (Schmutz, 2004) im Frühjahr 2005 während 60 Tagen durchgeführt. Insgesamt sollten die Teilnehmer dieser Voruntersuchung 24 unterschiedliche Spinnenbilder bezüglich der oben genannten Variablen bewerten. Die Bewertung erfolgte auf einer 6-Punkt Likert Skala. Den Teilnehmern wurden vier Aussagen zu dem jeweils gezeigten Bild präsentiert. Die Spinnenbilder wurden der INT-Studie freundlicherweise von einem Tierfotografen kostenlos zur Verfügung gestellt (Nieuwenhuys, 2004)[1] und für die Studiendurchführung durch den Urheber freigegeben. Abbildung 2 zeigt den Ausschnitt eines Bewertungsbogens.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Fragebogen für die subjektiven Bildbewertungen im Vortest. Die Items erfragen die beim Rezipienten subjektiv empfundenen Emotionen Valenz, Arousal, Angst und Ekel.

Diese Items wurden aus der “Subjective Units of Distress Scale” adaptiert (Wolpe, 1969) und in ähnlicher Form auch in zahlreichen Studien von Öst und Kollegen verwendet (Bsp: Öst et al., 1997; Öst et al., 1991; Öst et al., 1998). Da gerade bei der Spinnenangst die Emotion „Ekel“ eine grosse Rolle spielt (z.B. Mulkens, de Jong, & Merckelbach, 1996; Schienle, Walter, Stark, & Vaitl, 2002; Woody, McLean, & Klassen, 2005) wurde diese Komponente zusätzlich erfragt. Die gleichen Items wurden später auch nach dem Spinnenannäherungstest, sowie bei der Bildbewertung abgefragt. In der anschliessenden Auswertung wurde für jedes Bild der Mittelwert über die vier Ratings gebildet (Meng et al., 2004). Alle Ergebnisse der Voruntersuchung sind auf beigefügter CD-ROM gespeichert. Die Gesamtauswahl der im Vortest präsentierten und später in der Hauptuntersuchung verwendeten Spinnenbilder befindet sich in Anhang A.

2.3.3 Reizmaterial

Für die Hauptuntersuchung wurden neun Spinnenbilder aus dem Vortest verwendet. Für die computerunterstützte Präsentation wurde das „ jpeg“ -Bildformat (320 x 400 Pixel, vertikale Positionierung; respektive 400 x 320 Pixel horizontale Positionierung) gewählt. Um ein konstantes Mittelwertsniveau über den gesamten Präsentationszeitraum zu erhalten, wurden drei Blöcke mit je drei Bildern erstellt. Ziel war es, die Mittelwerte jeweiligen Blöcke gleich gross zu gestalten und innerhalb der Blöcke eine Steigerung von niedrig – mittel – hoch zu generieren. Somit ergaben sich für die Hauptuntersuchung die in Tabelle 2 dargestellten Bilder in der angegebenen Reihenfolge.

Tabelle 2

Für die Hauptuntersuchung verwendeten Bilder mit Mittelwerte und Standardabweichungen, sowie deren Aufteilung auf die drei Blöcke

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung. M = Mittelwert; SD = Standardabweichung

Für die Kontrollgruppe wurden neun neutrale Bilder, ebenfalls im jpeg-Format (400 x 320 Pixel), verwendet. Die subjektiven Bewertungen für diese Bilder sind in einer grossen US-Amerikanischen Stichprobe ermittelt worden und sind als valide und repräsentativ zu betrachten (Lang, Bradley, & Cuthbert, 1999). Lang und Kollegen hatten die Bilder mit Valenz- und Arousalangaben von 1 bis 9 versehen. Da in der INT-Studie nur weibliche Probandinnen untersucht wurden, wurden nur jene neun Bilder verwendet, welche in der weiblichen Population die geringsten Werte aufwiesen und somit am neutralsten sind. Die verwendeten Bilder, deren Bezeichnung, die Slight Nummer im Original, sowie die Valenz- und Arousalratings für die weibliche Bevölkerung nach Lang, sind in Anhang B aufgeführt.

Für die akustischen Einspielungen des Lachens wurden sechs verschiedene Tonsequenzen verwendet, welche alle auf eine zeitliche Länge von exakt sechs Sekunden getrimmt wurden. Zwei dieser Sequenzen bestehen aus dem allgemein bekannten „Mainzelmännchen-Lachen“. Die „Mainzelmännchen“ sind Zeichentrickfiguren, welche vom Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) seit Jahrzehnten während des Vorabendprogramms als Pausenfüller zwischen einzelnen Werbespots gezeigt werden. Es sind relativ bekannte und beliebte Figuren im deutschen Sprachraum mit einem markanten und ansteckenden Lachen. Die Lachsequenzen wurden der Homepage des ZDF[2] entnommen und durften nach Rücksprache mit dem Urheber exklusiv für diese Studie verwendet werden. Vier weitere Lachsequenzen wurden der bereits erwähnten Studie von Lang und Kollegen entnommen. Tabelle 3 zeigt die sechs Sequenzen mit den entsprechenden Ratings.

Tabelle 3

Verwendete Lachsequenzen mit den entsprechenden Ratings

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung. M = Mittelwert; SD = Standardabweichung

Um Sequenzeffekte und eine damit einhergehende Habituierung zu vermeiden, wurden die Lachsequenzen innerhalb eines Bildes randomisiert eingespielt. Tabelle 4 zeigt die Reihenfolge der Lachsequenzen während der einzelnen Bildpräsentationen.

Tabelle 4

Reihenfolge der Lachsequenzen während der einzelnen Bildpräsentationen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Wiedergabe erfolgte mit einem „Luxmann Stereo Integrated Amplifier L-190 (40)“. Die einzelnen Sequenzen wurden stereo in Lautstärken zwischen 68 bis 70 Dezibel (Peak-Messung) wiedergegeben und waren für alle Versuchspersonen standardisiert. Die verwendeten Sounddateien sind auf der beigefügten CD-ROM gespeichert.

Zur Erfassung der subjektiven Ratings der neun präsentierten Bilder wurden zwei unterschiedliche Formblätter entwickelt (siehe Anhang C). Zu jedem Bild waren die Aussagen „Ich empfand das Spinnenbild als unangenehm“, „Ich empfand das Spinnenbild als beunruhigend“, „Ich empfand das Spinnenbild als angsterregend“ und „Ich empfand das Spinnenbild als ekelerregend“ auf einer Skala von 1 (= trifft genau zu) bis 6 (= trifft überhaupt nicht zu) zu bewerten. Für die Versuchspersonen der Kontrollgruppe (Gruppe 3) wurde der Begriff „Spinnenbild“ durch „Bild“ ersetzt. Auf einem Deckblatt erhielten die Versuchspersonen eine entsprechende Instruktion.

2.3.4 Behavioral approach test - BAT

In Anlehnung an Öst (1991) wurde ein analog aufgebauter, 13-stufiger Spinnenannäherungstest eingesetzt. Die erreichten Stufen repräsentieren ein intervallskaliertes Mass und dienen als abhängige Variable zur Überprüfung des Verhaltens, respektive der gezeigten Vermeidung. In Tabelle 5 sind die einzelnen Stufen des BAT aufgeführt.

Tabelle 5

Die 13 Stufen des BAT in aufsteigender Reihenfolge

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] http://www.xs4all.nl/~ednieuw/Spiders/spidhome.htm

[2] http://www.zdf.de

Details

Seiten
123
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640527366
ISBN (Buch)
9783640527281
Dateigröße
5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v142502
Institution / Hochschule
Universität Basel – Fakultät für Psychologie
Note
5,5 (CH) - 1,5 (D)
Schlagworte
Spinnenangst computerunterstützte Exposition Konfrontation Spinnenphobie Therapie

Autor

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Titel: Wirksamkeit von computerunterstützter Exposition zur Therapie von Spinnenangst