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Die Stadt- und Provinzialverwaltung im römischen Köln

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 24 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das römische Köln: Ein historischer Überblick von der Gründung bis zum Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr
a) Die germanischen Ubier und die Gründung des oppidum Ubiorum
b) Die öffentlichen Einrichtungen in der Stadt
c) Der weitere Verlauf der Stadtgeschichte

3. Die Stadtverwaltung Kölns
a) Die unterschiedlichen Stadtformen im Westen des römischen Reichs
b) Rechtliche Unterschiede der Bevölkerung in den Provinzen
c) civitas Ubiorum
d) Colonia Claudia Ara Agrippinensium
e) Stadtrat und Magistrate

4. Die Provinzialverwaltung
a) Der Statthalter und die Finanzverwaltung
b) concilium und ara Ubiorum

5. Schlußwort

Literatur

1. Einleitung

„...um die verstreut und primitiv lebenden Menschen, die deshalb leicht zum Kriege neigten, durch Annehmlichkeiten an Ruhe und friedliches Verhalten zu gewöhnen, ermunterte er [der Statthalter Iulius Agricola] sie persönlich und unterstützte sie mit öffentlichen Mitteln, Tempel, Foren und Häuser in der Stadt zu bauen. Die Eifrigen lobte, die Säumigen tadelte er; so traten Anerkennung und wetteiferndes Bemühen an die Stelle des Zwanges[1].“

Die Verhältnisse in Britannien, auf die der römische Geschichtsschreiber Publius Cornelius Tacitus (*55/56 n. Chr., Todesdatum unbekannt) lassen sich vereinfachend auch auf ein Gebiet am linken Rheinufer, das heutige Köln und dessen Umland, übertragen, das bis gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. noch zu Gallien (im wesentlichen das heutige Frankreich) gezählt wurde. Bei den von Tacitus angesprochenen Verhältnissen ging es im wesentlichen um die innere Auflösung von Stammesverbänden und die Entwicklung hin zur Entstehung städtischer Zentren (civitas- Hauptorte).

Ein Stammesverband soll uns, im Zusammenhang mit Köln, beschäftigen: Die germanischen Ubier. Die Ubier wurden erstmals im Zusammenhang mit den Berichten, die Caesar über den Gallischen Krieg schrieb, erwähnt. Ihr Siedlungsgebiet befand sich im Gebiet des heutigen Neuwieder Beckens, rechts des Rhein. Caesars erster Vorstoß über den Rhein (55 v. Chr.) brachten die Ubier in Kontakt mit den Römern und beide Völker unterhielten seitdem enge Beziehungen. Die Herrschaft von Kaiser Augustus führte zur Integration der Ubier in das römische Reich. durch Ansiedlung auf dem linken Rheinufer und die Gründung eines städtischen Hauptortes (oppidum Ubiorum). Die Frage, der ich in dieser Arbeit nachgehen will, lautet: Wie wurde im oppidum Ubiorum die Verwaltung organisiert und wie wurde das ubische Gemeinwesen in das römische System der Provinzen eingegliedert?

2. Das römische Köln: Ein historischer Überblick von der Gründung bis zum Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr.

a) Die germanischen Ubier und die Gründung des oppidum Ubiorum

Die Anfänge des römischen Köln reichen zurück bis in die Statthalterschaften des Marcus Vipsanius Agrippa (*64/63 v. Chr., +12 v. Chr.) in Gallien. Agrippa war unter Augustus zweimal Statthalter in Gallien: 39/38 v. Chr. und 20/19 v. Chr. Während einer seiner beiden Statthalterschaften führte er die Übersiedlung der rechtsrheinisch, im Bereich des Neuwieder Beckens, lebenden germanischen Ubier auf das linke Rheinufer, in das heutige Kölner Umland, durch. Unter dieser Übersiedlung sollte nicht ein einmaliger Zug von zehntausenden Ubiern, sondern eher das langsame, dafür aber stetige Einsickern von kleineren ubischen Gruppen auf das linke Rheinufer verstanden werden.

Die Ubier waren schon früher in Erscheinung getreten. Im Jahre 55 v. Chr. waren sie mit Gaius Iulius Caesar (*100 v. Chr., +44 v. Chr.) in eine Freundschaftsbeziehung (amicitia)[2] eingetreten. In der Zeit zwischen 55 und 53 v. Chr. wandelte sich diese Freundschaftsbeziehung in die bedingungslose Unterwerfung (deditio) unter die Römer[3]. Aus Sicht der Ubier konnte die Unterwerfung nur von Vorteil sein. Wahrscheinlich erwarteten sie sich von Caesar Landzuweisungen auf der landwirtschaftlich besser nutzbaren linken Rheinseite. Diese Landzuweisungen sind als Gegenleistungen für die militärische Hilfe der Ubier gegen die germanischen Sueben im Jahre 58 v. Chr. und für ihre Neutralität während des Trevereraufstandes fünf Jahre später zu verstehen. Mit einer Übersiedlung auf das linke Rheinufer bestand für die Ubier auch die Möglichkeit dem Druck, der sie von Osten her bedrängenden Sueben zu entgehen. Die zu erwartenden Forderungen von römischer Seite, regelmäßige Abgaben und Bereitstellung von Truppen, waren berechenbarer, als die Forderungen der Sueben. Eine Landzuweisung auf römischem Boden, zu dem Gallien ja mittlerweile geworden war, konnte allerdings nur im Rahmen einer deditio erfolgen[4].

Durch die Ausrottung der zwischen Maas und Rhein siedelnden Eburonen, im Jahre 53 v. Chr., erzeugte Caesar entlang des Niederrheins einen fast menschenleeren Raum. Dieser Raum bestand entlang einer Grenze, die Rom gerade erst errichtet hatte und die noch in keiner Weise gesichert war. Die neuen Herren Galliens waren noch mit der Sicherung ihrer Eroberungen beschäftigt und die römischen Truppen wurden immer wieder zur Niederwerfung von Aufständen benötigt (z. B. der Aufstand des Vercingetorix 52-50 v. Chr.); und als Caesar 49 v. Chr. Gallien verließ um die Alleinherrschaft im römischen Reich zu erringen, waren nicht mehr genügend Truppen vorhanden, welche die Rheingrenze hätten adäquat sichern können.

Die militärische Situation am Niederrhein konnte also nicht als entspannt betrachtet werden, zumal germanische Stämme seit 58 v. Chr. wiederholt bewiesen hatten, daß sie fähig und willens waren - in der Hoffnung auf Beute, Land oder um sich als Söldner in gallischen Diensten zu verdingen – in Gallien einzudringen[5].

Die Ubier kamen nach Caesars Abreise aus Gallien, vermutlich in kleinen Gruppen und über einen langen Zeitraum verteilt, über den Niederrhein und bildeten eine Grenzwehr für Rom im Kölner Gebiet. Der Schriftsteller Lucanus zählt die Ubier schon vor der Schlacht von Pharsalus (48 v. Chr.) zu den Völkern auf der linken Rheinseite[6].

Die erste Statthalterschaft Agrippas in Gallien in den Jahren 39/38 v. Chr. läutete einen neuen Abschnitt in der Übersiedlung der Ubier ein. Im Jahr 38 überschritt Agrippa, vermutlich im Bereich des Neuwieder Beckens, den Rhein und ermunterte die Ubier zu weiterem Nachzug auf das linke Rheinufer und legalisierte formal ihre Übersiedlung[7]. In diesem Jahr kam es möglicherweise auch, unter Agrippas Federführung, zur Gründung der civitas ubiorum auf der linken Rheinseite mit dem oppidum Ubiorum als Hauptort.

In der Forschung ist bis heute umstritten ob die Gründung des oppidum Ubiorum bereits 38 v. Chr., oder erst während Agrippas zweiter Statthalterschaft 19 v. Chr. erfolgte. Für ersteres spricht die dendrochronologische Datierung der Eichenpfähle (Zählung der Jahresringe eines Baumes) der ersten Hafenbefestigung Kölns[8]. Für die zweite Annahme sprechen jedoch, laut Galsterer, mehr archäologische und numismatische Zeugnisse(Münzfunde)[9].

b) Die öffentlichen Einrichtungen in der Stadt

Der ubische Hauptort wurde auf einer rund 1km² großen hochwasserfreien Niederterrasse auf dem linken Rheinufer angelegt. Die Stadt wurde nach den gleichen städtebaulichen Kriterien, wie die römischen Gründungen am Mittelmeer, angelegt. Das bedeutet, es wurden rechtwinklige Straßen nach hellenistisch-römischem Vorbild abgesteckt und vermutlich auch der Verlauf einer Befestigungsanlage aus Holz und Erde festgelegt[10].

Der räumliche Mittelpunkt der Siedlung wurde von privaten Bauten freigehalten. Am Schnittpunkt zwischen cardo maximus und decumanus maximus (die Hauptverbindung in Ost-West-Richtung) befand sich das forum. Ein forum war ein Markt- und Versammlungsplatz. Hier befand sich auch das Tagungsgebäude des Stadtrats, die Kurie (curia), in der alle städtischen Angelegenheiten verhandelt und entschieden und Gerichtsverhandlungen abgehalten wurden[11].

Auf dem forum befand sich vermutlich auch das zentrale Heiligtum der geplanten Provinz Germania magna (Großgermanien), der Altar für die römische Stadtgöttin Roma und den jeweils regierenden Kaiser. Der genaue Standort des Altars konnte bis heute nicht lokalisiert werden. Der Altar wurde auch namengebend für die Siedlung: ara Ubiorum. Es fehlen zwar epigraphische Zeugnisse, doch die literarische Überlieferung bei Tacitus erwähnt die ara erstmals für das Jahr 9 n. Chr., im Zusammenhang mit der Varusschlacht: „In dem Jahre, wo Germanien abfiel, war er [Segimundus, der Sohn des Cheruskers Segestes, eines Schwagers des Arminius] Priester an dem Altar im Ubierlande geworden...[12]“. An der ara kamen, zumindest zeitweise, einmal im Jahr die leitenden Gremien der Gebietskörperschaften der Provinz, also die Stadträte bzw. die Räte der civitates, zum Provinziallandtag (concilium) zusammen, um Anglegenheiten zu beraten, die das concilium bzw. die gesamte Provinz betrafen[13].

Für die neue Siedlung wurde seit ihren Anfängen der Bedarf an öffentlichen zentralen Einrichtungen der römischen Verwaltung berücksichtigt. So blieben im Ostteil des Hauptortes, zwischen dem cardo maximus, der Haupt-Süd-Nord-Verbindung, und dem am Flußufer gelegenen Rand der Niederterrasse, umfangreiche Grundstücksflächen öffentlichen Bauten vorbehalten. Archäologische Befunde zeigen, daß sich hier ein praetorium befand, das zunächst die Residenz des römischen Kommandeurs des niedergermanischen Heeres war[14]. Nach der Gründung der Provinz Germania inferior (Niedergermanien) im Jahre 83/84 n. Chr. residierte hier der Statthalter. Das praetorium wurde in den beiden ersten nachchristlichen Jahrhunderten wiederholt umgebaut und erweitert. Um 184/185 n. Chr. wurde das praetorium vollständig neu errichtet.

[...]


[1] Siehe Tacitus: Agricola 21, 1-2. Wiedergegeben bei Brodersen 1998, S. 132f.

[2] Siehe Caesar: 4; 16, 5.

[3] Schmitz 1948, S. 34.

[4] Ders., a. a. O., S. 35.

[5] Wolters 2000, S. 21ff um die Verpflechtungen zwischen Galliern und Germanen genauer auszuleuchten.

[6] Siehe Lucanus: Pharsalia 1; 463-465, wiedergegeben bei Schmitz 1948, S. 38.

[7] Schmitz 1948, S. 47ff. Außerdem Doppelfeld 1975, S. 719.

[8] Doppelfeld 1975, S. 718.

[9] Galsterer 2001, S. 21.

[10] Horn 1987, S. 459 und Fuchs 1999, S. 41.

[11] Weiss 1994, S. 206.

[12] Siehe Tacitus Ann.: 1, 59.

[13] Haensch 1993, S. 8.

[14] Ders., a. a. O., S. 459.

Details

Seiten
24
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638197021
ISBN (Buch)
9783638643320
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14240
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Alte Geschichte
Note
3
Schlagworte
Stadt- Provinzialverwaltung Köln Städtische Kultur Kaiserreich

Autor

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