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Einführung in die Pädagogisch-Psychologische Diagnostik

von Robert Leuck (Autor) Tobias Berger (Autor)

Hausarbeit 2005 28 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Definition
1.1 Was ist Diagnostik?
1.2 Was ist Pädagogisch-psychologische Diagnostik?
1.3 Was soll Pädagogische Diagnostik leisten

2. Die geschichtliche Entwicklung der Psychologischen Diagnostik
2.1 Die Differentielle Psychologie
2.2. Alfred Binet
2.3. Der Intelligenzquotient
2.4. Stationen der Pädagogisch-Psychologischen Diagnostik
2.5. Krise der Pädagogisch-Psychologischen Diagnostik
2.6. Grundsätzliche Entwicklung

3. Der diagnostische Prozess

4. Beurteilung im Beruf des Lehrers
4.1. Zielsetzung des Schulsystems
4.2. Bedeutung der Leistungsbeurteilung in unserer Gesellschaft – das Problem der Chancengleichheit
4.3 Zielorientierung des Unterrichts
4.4. Schulinterne Leistungs- und Persönlichkeitsbeurteilung
4.5. Gegenstand der pädagogisch-psychologischen Diagnostik

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

„Andreas ist fünf Jahre alt. Die Erzieherin im Kindergarten meint, dass der Junge sich überhaupt nicht konzentrieren könne. Wenn sich das nicht bessere, würde er sicherlich bei der Einschulung Schwierigkeiten bekommen. […]

Frederike besucht die Realschule und beeindruckt ihre Lehrer und Lehrerinnen durch gute sprachliche Leistungen. Der Klassenlehrer meint sogar, sie könne ‚richtig denken’ und befürwortet den Wechsel ins Gymnasium.“ (Langfeldt 1993, S. 11)

So könnten zwei von vielen realistischen Beispielen lauten, die letztendlich in die Kategorie der ‚Probleme’ der angemessenen Förderung von Kindern und Jugendlichen in der Institution Schule gehören. Der Bewältigung dieser Probleme nimmt sich die pädagogisch-psychologische Diagnostik an, denn diese befasst sich mit individueller Lernoptimierung, Feststellung von Lernergebnissen und Verbesserung der Übergänge in verschiedene Lerngruppen.

Diese Hausarbeit soll eine Introduktion in die pädagogisch-psychologische Diagnostik geben. Grundlage dafür sind die einschlägigen Werke „Lehrbuch der pädagogischen Diagnostik von Karlheinz Ingenkamp und vor allem die „Einführung in die pädagogisch-psychologische Diagnostik“ von Helmut Lukesch. Um den Fokus zu erweitern, wurde unter anderem Fachliteratur von Langfeldt, Krapp und Klauer zu Rate gezogen.

Neben dem historischen Entstehungsabriss und grundlegenden Definitionen soll auch anhand konkreter Beispiele und letztendlich mit Bezug zum Lehramt die Basis für eine Idee der pädagogisch-psychologischen Diagnostik geschaffen werden.

1. Definition

1.1 Was ist Diagnostik?

Zuerst sollten wir uns der Frage stellen, was ist Diagnostik überhaupt? Wir werden dies an einem einfachen Beispiel verdeutlichen.

Beispiel – Auto:

Wir bringen unser Auto in die Werkstatt, weil es einen Defekt hat. Dort wird es repariert und wir können damit wieder fahren.

Wenn wir das Auto in die Werkstatt gebracht haben, haben wir bereits eine Unterscheidung getroffen. Denn wir haben eine Vorstellung davon wie das Auto funktionieren soll und haben festgestellt das es nicht mehr fehlerlos arbeitet. D.h. wir kennen nach dem sogenannten Hempel – Oppenheimschen Schema allgemeine Gesetz und Rand-, oder Antezedensbedingungen und haben daraus Ereignis deduktiv erschlossen oder dieses wird dadurch erklärt.

So könnten zum Beispiel einige Gesetze lauten:

G1: Wenn man auf Bremse tritt, dann verringert das Auto die Geschwindigkeit.

G2: Wenn man das Auto abschließt, dann sind die Türen nicht mehr so öffnen.

Ist ein bestimmtes Ereignis bekannt, zum Beispiel das Auto fährt nicht mehr, richtet sich die Suche nach den Rand- und Antezedensbedigungen um dieses Ereignis erklären zu können. Dies wird dann nicht mehr durch den Fahrzeughalter durchgeführt, sondern durch den Mitarbeiter der Werkstatt, da wir das Auto nach dem Auftreten eines Ereignisses in Werkstatt bringen.

Zusammengefasst können wir sagen, das es bei der Diagnose um Feststellung von Sachverhalten, Tatsachen, Eigenschaften oder Merkmalen, Bedingungen und dergleichen. D.h. es geht nicht um allgemeine Zusammenhänge, sondern um die nähere Kategorisierung oder Einordnung des Einzelfalls.

1.2 Was ist Pädagogisch-psychologische Diagnostik?

Um besser zu verstehen was Pädagogisch – Psychologischen – Diagnostik bedeutet, sehen wir uns einige Fallbeispiele von Ereignissen aus der Schule im allgemeinen an.

Beispiele:

1. Eine Probe, Schulaufgabe oder ein Test wird durchgeführt, um den Leistungsstand der Schüler/innen zu kontrollieren.
2. Ein Lehrer muß entscheiden, ob er eine weitere Übungsstunde einplanen oder neuen Stoff bringen soll. Hierfür muß er den Kenntnisstand der Schüler/innen kennen.
3. Die Eltern einer Schülerin sind sich unschlüssig welche Schulart ihr Kind nach der 4. Klasse besuchen soll. Sie wenden sich an einen Beratungslehrer um Rat, der die Fähigkeiten und schulleistungsrelevanten Persönlichkeitsmerkmale des Schülers einschätzen soll.
4. In einer Klasse befindet sich ein Schüler, der Mitschüler/innen und Lehrerkräfte durch sein Verhalten stört und provoziert. Ein(e) Schulpsychologe/in oder Sonderpädagoge/in wird gebeten, sich der Sache anzunehmen. Da für ein solches Verhalten mehrere Ursachen verantwortlich sein können und man sich dementsprechend von Fall zu Fall auch für unterschiedliche Maßnahmen entscheiden muß, ist eine Abklärung des Problemverhaltens erforderlich.
5. Für einen Grundschüler wird auf Antrag der Klassenlehrerin bzw. der Rektorin ein Sonderschulüberweisungsverfahren eingeleitet. Ein Sonderpädagoge erstellt für das Schulamt ein sonderpädagogisches Gutachten, das als wesentliche Entscheidungsgrundlage für die Umschulung dient.
6. Der Lehrer einer Schulklasse beklagt sich über zunehmende Aggressivität der Kinder und bittet den Schulpsychologen/einen Sonderpädagogen um Rat, was er dagegen unternehmen kann.
7. Dasselbe Problem könnte auch eine ganze Schule betreffen.
8. Eine Direktorin wendet sich an einen Schulpsychologen mit der Bitte, Maßnahmen zur Verbesserung des Schulklimas vorzuschlagen.
9. Die Eltern eines Schülers wenden sich an den schulpsychologischen Dienst, da sie sich mit ihrem Sohn nicht mehr zu helfen wissen. Dieser lehne die Schule total ab und verweigere sich allem Schulischen total. Die Schulpsychologin muß sich jetzt um das Verständnis der Problemlage bemühen und Informationen sammeln, damit Interventionsmaßnahmen eingeleitet werden können.

Diese Fallbeispiele zeigen einen Teil der Ereignisse die in der Schule auftreten können. Um diese Ereignisse erklären und einordnen zu können, müssen wir Einsicht in die Bedingungen für Lernprozesse gelangen.

Beispiele für Lernbedingungen:

1. Lernergebnisse (Schulleistungen) beschreiben
2. Lernvoraussetzungen (z.B. Vorwissen, sprachlicher Entwicklungsstand, kognitive Bedingungen oder Interessen) feststellen
3. Fähigkeiten für Schuleignung (Schuleingangsdiagnose) und Schullaufbahn beschreiben
4. Spezialbegabungen identifizieren (kognitive Hochbegabung, musikalisches Potential, gestalterische Fähigkeiten, motorische Fähigkeiten, kreative Fähigkeiten)
5. persönlichkeitsspezifische Vorbedingungen für schulisches Lernen klären (motivationale, emotionale, begabungsmäßige Merkmale).
6. Teilleistungsschwächen (Akalukulie, Legasthenie)
7. Behinderungen (in bezug auf körperliche, z.B. Sehen, Hören, oder kognitive Merkmale) abklären und Risikokinder identifizieren
8. Gruppenprozesse in der Schulklasse beschreiben
9. LehrerInnenverhalten (z.B. Instruktionsverhalten, -qualität, Pygmalion-Effekt) beschreiben
10. Lernumfeld (Familien-, Peergruppen, Medieneinflüsse) diagnostizieren

Dies geschieht mit Hilfe von vorwissenschaftlich - intuitiven wie auch mit wissenschaftlich begründeten Verfahren (Diagnosemethoden). Dabei gibt es sicherlich auch eine gewisse „Passung“ zwischen Inhalten und den Verfahren (d.h. nicht jeder Inhalt ist gleich gut mit einem bestimmten Methodenarsenal zu erfassen). Für manche Inhalt sind auch mehrere Zugangsweisen vorhanden. Im allgemeinen unterscheidet man zwischen folgenden Verfahrens- oder Methodenbereichen:

1. Gesprächsmethoden (Anamnese, Exploration, Interview, z.B. mit Eltern beim Schuleintritt)
2. Beobachtungsverfahren (z.B. im Rahmen der schulischen Interaktionsdiagnostik)
3. Beurteilungsverfahren (z.B. bei der mündlichen Schulleistungsbewertung, aber auch bei Fremd- und Selbsttrainingsverfahren)
4. Testmethoden (z.B. Schulleistungstests, Intelligenztests, Einschulungstests)
5. Dokumentenanalyse (z.B. Auswertung von Zeugnissen, Schülerbogen)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Methoden der pädagogisch-psychologischen Diagnostik (Lukesch 1998, S. 36)

Zusammengefasst bedeutet das, wir kennen die Gesetze und es treten Ereignisse auf. Um diese Ereignisse einordnen zu können, müssen wir die Rand- oder Antezedensbedingungen finden. Diese Bedingungen finden wir mit Hilfe von geeigneten Diagnosemethoden. Kennen wir die Randbedingungen, so können wir diese eventuell so verändern, dass die Ereignisse nicht mehr auftreten. (vgl. Lukesch 1998, S. 35-37)

Eine andere Definition Pädagogisch – Psychologischen – Diagnostik ist nach Klauer folgende:

„Pädagogische Diagnostik ist das Insgesamt von Erkenntnisbemühungen im Dienste aktueller pädagogischer Entscheidungen“[1]

Hierbei bedeutet Erkenntnis die Feststellung von Tatsachen, Sachverhalten, Eigenschaften und Merkmalen etc., wobei der jeweilige Einzelfall im Mittelpunkt des Interesses steht. Mit Entscheidungen ist Aktuelle Planungsentscheidung, Handlungsentscheidung und Bewertungsentscheidung gemeint.

1.3 Was soll Pädagogische Diagnostik leisten

Pädagogische Diagnostik soll sowohl individuelles Lernen optimieren als auch im gesellschaftlichen Interesse Lernergebnisse feststellen und den Übergang in verschiedene Lerngruppen, Kurse oder Bildungswege nach vorgegebenen Kriterien verbessern.

M diese Ziele zu erreichen wurden diagnostische Tätigkeiten ausgeübt mit deren Hilfe bei Individuen und in einer Gruppe Lernenden Voraussetzung und Bedingungen planmäßiger Lehr und Lernprozessen ermittelt, analysiert und Lernergebnisse festgestellt werden.

[...]


[1] Klauer, 1982, S. 5

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Titel: Einführung in die Pädagogisch-Psychologische Diagnostik