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Sozialpsychologische Chatforschung

Referat (Ausarbeitung) 2002 15 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Sozialpsychologische Chat- Forschung

„Romantische Beziehungen im Internet“

Was sind soziale Beziehungen

Will man sich mit romantischen Beziehungen innerhalb des Internets beschäftigen ist es sinnvoll erst einmal den Begriff „soziale Beziehung“ zu definieren. Hierbei kann man auf die folgende Definition zurückgreifen: „Zwischen zwei Personen entsteht eine soziale Beziehung, wenn sie wiederholt miteinander Kontakt haben, also mehrfach zeitversetzt kommunizieren oder zeitgleich interagieren.[1]“ Nachdem man sich nun diese Definition zu Eigen gemacht hat muss man sich die sozialen Beziehungen noch einmal genauer anschauen.

Beziehungen lassen sich in formale Beziehungen und persönliche Beziehungen einteilen. Dabei unterscheidet man bei den persönlichen Beziehungen zwischen schwachen oder starken Bindungen. Beziehungen mit extrem großen Kommunikations- und Interaktionspausen können trotzdem subjektiv als sehr eng und bedeutungsvoll erlebt werden, da die Beziehung auch zwischen den einzelnen Kontakten weiter besteht. Soziale Netzwerke bezeichnen die Gesamtheit der sozialen Beziehungen einer Person zu anderen Menschen, sowie deren Beziehungen untereinander.[2]

Unter formalen Beziehungen versteht man unter anderem Dienstleistungs-, Verwaltungs-Beziehungen und Arbeits-Beziehungen. Persönliche Beziehungen werden in Beziehungsklassen eingeteilt (Eltern- Kind- Beziehung, Freundschafts-Beziehung, Nachbarschafts- Beziehung). Forschungen haben auch nachgewiesen, dass persönliche Beziehungen für subjektives Wohlbefinden, Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheit unverzichtbar sind. Starke Bindungen zeichnen sich durch starke Emotionalität und Intimität, die Vielfalt gemeinsamer Interessen und Aktivitäten (Multiplexität) sowie durch hohen Zeitaufwand und dauerhaftes und stabiles Engagement (Commitment) aus.[3]

Enge Beziehungen weisen einen Verpflichtungscharakter auf: hohen Erträgen stehen auch hohen Kosten gegenüber. Asymmetrien im Geben und Nehmen können über längere Zeiträume bestehen, ohne die Beziehung zu gefährden. Personen, mit denen man enge Beziehungen hat sind einem meist in soziodemografischer Hinsicht (z.B. Bildung, Schicht, Alter) ähnlich, beziehungsweise werden nach Ähnlichkeit ausgewählt. Meist kennen sich auch die engen Bezugspersonen untereinander(Transitivität). Schwache Bindungen sind weniger emotional und intim. Gemeinsame Interessen und Aktivitäten sind meist rar, geringer Zeitaufwand und temporäres Engagement, das relativ leicht zu kündigen ist (Convenience) zeichnen sie aus. Bilanz von Nehmen und Geben muss unmittelbar ausgeglichen werden. Soziale Netzwerke lassen sich in einen engeren Kernbereich (starke Bindungen) und eine weitere Zone (schwache Bindungen) gliedern. Dieses Netzwerk wird noch von indirekten bzw. sehr lockeren Bindungen umgeben. Von einer sozialen Isolation spricht man erst, wenn das soziale Netzwerk sehr klein, sehr locker oder beziehungsarm strukturiert ist oder wenn die Kommunikations- und Kontaktfrequenz unter dem Durchschnitt liegt (häufiges Alleinsein). Soziale Isolation wird hauptsächlich aus drei Gründen als psychologisches Problem aufgefasst[4]:

1) Fehlende soziale Kontrolle (keine Regulierung eigenen Verhaltens)
2) Fehlende soziale Unterstützung bzw. Mangel an sozialen Ressourcen
3) Subjektive Einsamkeit (Gefühle des Ausgeschlossenseins)

Allerdings kann ein großes soziales Netzwerk und die Beteiligung an Zusammenkünften keinen Schutz vor subjektiver Einsamkeit bieten. Diese hängt in stärkerem Maße von der Qualität sozialer Integration als von der Quantität sozialer Beziehungen oder Kontakte ab. Weiterhin ist empirisch belegt, dass subjektive Einsamkeit mit Defiziten in den sozialen Fertigkeiten einhergeht und dass sie zurückgeht, wenn sie mit Trainingsmaßnahmen die sozialen Fertigkeiten verbessert werden. Allerdings dürfen externale Faktoren nicht vernachlässigt werden (z. B. Tod, Krankheit, Arbeitslosigkeit).[5]

Veränderung bestehender Beziehungen durch Internetnutzung

Will man Veränderungen innerhalb Beziehungen untersuchen muss man zwei Fälle unterscheiden. Erstens die Internetznutzung durch eine Person und zweitens die Internetnutzung von beiden Personen. Treffen Wenignutzer und Vielnutzer aufeinander, können Konflikte und Veränderungen der Beziehungsqualität daraus resultieren. Dies betrifft das Zeitbudget für gemeinsame Aktivitäten und eine Verschiebung in den Machtverhältnissen (Wissens- und Kompetenzvorteile werden nicht selten als Machtfaktor gesehen weiterhin kann der PC-Besitz und die Internet-Kompetenz ein Statussymbol darstellen). Wie sich bestehende Beziehungen verändern wenn beide Personen das Internet nutzen hängt davon ab, wie oft sich beide Partner computervermittelt kontaktieren, welche Qualität die Netzkontakte haben und in welcher Relation Netzkontakte zu anderen medialen Kontakten innerhalb der Beziehung stehen. Dazu zählt die Quantität der medialen Kontakte und die Qualität der medialen Kontakte. Die neuen Medien verdrängen nicht die alten Medien, sondern sie ergänzen sich gegenseitig (z.B. Email, Telefon usw.)[6] „Empirische Studien zeigen, dass es bei computervermittelter Kommunikation insgesamt nicht zu einem Medienwechsel kommt, der auf Kosten persönlicher Begegnungen geht.“[7]

Modell der Beziehungsentwicklung (Levinger und Snoek, 1972)[8]

Das Modell von Levinger und Snoek hat vier Stadien der Annäherung:

1. kein Kontakt
2. einseitige Wahrnehmung, bei einer Person entsteht ein Kontaktwunsch
3. oberflächlicher Kontakt, erstes Kennenlernen, beiläufige Interaktionen
4. Beziehungsvertiefung, persönlichere Interaktionen,
zunehmende Interdependenz

[...]


[1] N. Döring, Sozialpsychologie des Internet, 315

[2] Vgl. dazu N. Döring, Sozialpsychologie des Internet, 315-319

[3] Vgl. dazu Ebenda, 316-318

[4] Vgl. dazu N. Döring, Sozialpsychologie des Internet, 320

[5] Vgl. dazu N. Döring, Sozialpsychologie des Internet, 320-322

[6] Vgl. dazu N. Döring, Sozialpsychologie des Internet, 330-340

[7] N. Döring, Sozialpsychologie des Internet, 340

[8] Ebenda, 344

Details

Seiten
15
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638196888
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14225
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund – Deutsch
Note
1,4
Schlagworte
chat kommunikation sozialpsychologisch chatforschung sozialpsychologische erfoschung romantische beziehungen internet

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Titel: Sozialpsychologische Chatforschung