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Konvergenz und Divergenz im europäischen Integrationsprozess/ EU-Osterweiterung und Migration

Zwei Essays

Essay 2006 16 Seiten

VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Themenhintergrund

2. Kritische Diskussion:

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zuge des wirtschaftlichen Integrationsprozesses in Europa beinhaltet die wissenschaftliche Betrachtung der einzelnen Teilregionen unter anderem die Fragestellung, in wie fern tendenziell eine Konvergenz oder eher Divergenz des Einkommensniveaus zu beobachten ist. Um die Fragestellung möglichst präzise zu evaluieren ist es zunächst notwendig, die relevanten Begriffe zu definieren und einen kurzen Abriss über den Themenhintergrund zu geben. Danach werden, aufbauend auf Krugman (1998), die wichtigsten Argumente in einer kritischen Diskussion gegenüber gestellt. Wegen des hohen Realitätsbezuges ist es weiterhin notwendig auch empirische Ergebnisse in die Diskussion mit einzubeziehen. Letztlich werden in der Zusammenfassung die Kernpunkte nochmals aufgegriffen.

1.1. Themenhintergrund

Zentraler Ausgangspunkt für die Betrachtung von Konvergenz bzw. Divergenz ist das Forschungsfeld der „economic geography“ von Krugman (1991, 1998). Dies umfasst den geographischen Einfluss auf Wirtschaftsentwicklungen, unter anderem mit dem Hintergrund, in wie fern komparative Vorteile von bereits entwickelten Regionen über die Zeit hinweg bestehen bleiben.

Jene komparativen Vorteile entwickelter Regionen schlagen sich letztlich auch im BIP pro Kopf wieder, welches als Indikator für das lokale Einkommensniveau verwendet wird (auch die später diskutierten empirischen Befunde von Geppert und Goring (2005) greifen darauf zurück).

Um die kritische Diskussion über die Entwicklung in Europa bezüglich des Einkommensniveaus zu verstehen ist es vorerst notwendig die zentralen Begriffe sauber zu definieren.

Einkommensniveau: Als Einkommen bezeichnet man in diesem Kontext die wiederholten Einnahmen eines Haushaltes, die deshalb in der Volkswirtschaft als zentrale Messgröße ökonomischer Wohlfahrt verwendet werden.

Konvergenz und Divergenz: Als Konvergenz versteht man die Annäherung bzw. eine Übereinstimmung, im Falle der wirtschaftswissenschaftlichen Betrachtung beschreibt es den Sachverhalt, dass sich das Einkommensniveau verschiedener Regionen an einander annähert (relativer Abstand wird geringer). Divergenz beschreibt entsprechend das Gegenteil, also eine relative Vergrößerung bestehender Unterschiede.

2. Kritische Diskussion

Die theoretischen Gründe für eine Konvergenz bzw. Divergenz der europäischen Wirtschaftsräume sind für beide Seiten vorhanden. Dem entsprechend ist es nötig logische Gründe gegenüber zu stellen und abzuwägen, in wie weit sie die künftige Entwicklung realistisch beeinflussen werden.

Eine Divergenz der Wirtschaftsräume, also eine Verstärkung der relativen Unterschiede im Einkommensniveau, wird in Krugman (1998) unter dem Oberbegriff „centripetal forces“ zusammengefasst. Hierbei werden die drei signifikantesten Gründe für eine solche Divergenz vorgestellt. Zum einen hat ein bereits ausgebauter Wirtschaftsraum mit hohem Einkommensniveau gleichzeitig auch immer einen großen lokalen Markt. Dieser Markt hat zwei Haupteinflüsse auf die Region, denn zum einen schafft ein bestehender großer Markt einen Anreiz für Produzenten, weil Absatzmöglichkeiten vorhanden sind. Zum anderen verringert er die Kosten durch niedrigere Transportkosten und macht somit eine Ansiedelung weiterer Marktteilnehmer attraktiv. Der zweite wichtige Faktor ist der starke lokale Arbeitsmarkt, denn durch Konzentrationen in Ballungsräumen sind somit sowohl Arbeitskräfte als auch Arbeitgeber leichter zu finden, was den Suchprozess für beide Seiten signifikant vereinfacht. Letztlich schafft die starke lokale Konzentration der Ökonomie externe Faktoren, so genannte „spillovers“, d.h. Anreize und Informationsvorsprünge durch informelle Kontakte oder schlichte räumliche Nähe. Alle genannten Gründe basieren auf der Grundannahme, dass durch historische Entwicklung komparative Vorteile bei einigen Regionen entstanden sind und diese sich durch die beschriebenen Abläufe über die Zeit hinweg verstärken und somit eine allgemeine Divergenz fördern.

Dennoch gibt es ebenfalls logische ökonomische Gründe, die für eine Konvergenz der Wirtschaftsräume sprechen. Der wohl wichtigste Faktor, der gegen eine reine Divergenz spricht, sind immobile Werte (wie Land oder natürliche Ressourcen). Diese allein bieten Anreize für Menschen (Besitz, Nutzung), um eine Migration in die lokale Nähe dieser Ressourcen zu tätigen. Mit dieser Migration entstehen kleine Märkte und diese wiederum kreieren Anreize für Firmen komparative Vorteile der Nähe zu den Kunden zu nutzen und ebenfalls zu migrieren. Analog dazu unterstützt das Argument der steigenden Landpreise in den Ballungsgebieten einen ähnlichen Ansatz. Denn durch niedrige Landpreise in weniger entwickelten Bereichen können Standortvorteile für die Industrie geschaffen werden (am Beispiel von Deutschland ist dies am individuellen Hebesatz zu erkennen). Ebenso kann durch steigenden Andrang in den Ballungsgebieten eine negative Externalität entstehen, indem räumliche Begrenzung ökonomische Ineffektivitäten zur Folge hat.

3. Empirische Ergebnisse

Bevor beide Argumentationsstränge gegeneinander abgewogen werden können, ist es sinnvoll empirische Beweise für realökonomische Entwicklungen innerhalb Europas zu finden. In diesem Kontext untersucht Geppert und Goring (2005) die Unterschiede im Einkommensniveau in Regionen der EU15 Staaten im Zeitraum zwischen 1980 und 2000. Diese Analyse soll vor allem Aufschluss über empirische Relevanz der genannten Argumente geben.

Besonderes Augenmerk legen die Autoren hierbei auf die Fragestellung in wie fern eine Polarisierung und damit verbunden auch eine Ablösung der reichsten Regionen Europas im Verhältnis zu den ärmsten Regionen stattfindet.

Die vorgelegten Ergebnisse unterstreichen drei wesentliche Entwicklungen im Einkommensniveau der betrachteten Regionen (Grundlage für die Betrachtung war das regionale Pro-Kopf Einkommen im evaluierten Zeitraum):

(1) Am Anfang der 80er Jahre war noch keine Veränderung in den Unterschieden zwischen den Regionen zu erkennen, allerdings ist danach (besonders stark in den 90er Jahren) eine Konvergenz, also eine schrittweise relative Annäherung der Einkommensniveaus in den verschiedenen Regionen zu erkennen. Einziger statistischer Ausreißer in diesem Kontext sind deutsche Regionen, die durch die massiven Wiedervereinigungseffekte geprägt sind.
(2) Bei der Betrachtung der Einkommensdichte, d.h. dem relativen Abstand der armen zu den reichen Regionen innerhalb der EU15 Staaten, weisen die statistischen Daten deutlich eine Verringerung des unteren Bereiches auf. Dieser repräsentiert einen signifikanten Anstieg des durchschnittlichen regionalen Einkommensniveaus. Besonders schwächer entwickelte Regionen zeigen laut Geppert und Goring (2005) Aufholeffekte, die unter anderem auf die Subventionsstrategien der EU zurückzuführen sind.
(3) Ein gegenläufiger Trend ist in den wirtschaftsstärksten Gebieten zu erkennen, denn die statistischen Daten zeigen eine Verstärkung der Polarisierung. So sind 13 der 15 stärkst entwickelten Regionen von 1980 auch 2000 noch immer am stärksten entwickelt (es zeigt sich eine mangelnde Fluktuation). Des Weiteren werden die Unterschiede zwischen durchschnittlich und sehr stark entwickelten Regionen im Betrachteten Zeitraum größer anstatt abzunehmen. Das heißt, dass komparative Vorteile der bestehenden starken Wirtschaftsregionen nicht nur bestehen bleiben, sondern sogar ausgebaut werden.

Die beschriebenen Aufholeffekte haben also nicht die Einkommenshierarchie verändert, so profitieren besonders schwach entwickelte Regionen von Subventionen, während stark entwickelte Regionen ihre komparativen Vorteile sogar noch ausbauen konnten.

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640519293
ISBN (Buch)
9783640521869
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v142190
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Europa Integrationsprozesse Konvergenz Divergenz EU-Osterweiterung Migration Europäische Union

Autor

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Titel: Konvergenz und Divergenz im europäischen Integrationsprozess/ EU-Osterweiterung und Migration