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Ikonographie der Tributszenen des Neuen Reichs und Handelskontakte

Hausarbeit 2009 32 Seiten

Ägyptologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Tributszenen
2.1. Tributszenen in königlichen Denkmälern
2.2. Aufbau der klassischen Tributszenen
2.3. Darstellung der Ausländer
2.3.1. Die Syrer
2.3.2. Die Nubier
2.3.3. Die Ägäer
2.3.4. Die Puntbewohner
2.3.5. Die Libyer
2.3.6. Die Hethiter
2.3.7. Die Mitanni
2.4. Die gebrachten Waren

3. Die Handelskontakte Ägyptens im NR
3.1. Begriffserklärungen
3.2. Vorderasien
3.2.1. Syrien/Palästina
3.2.2. Mitanni
3.2.3. Hatti
3.3. Ägäis
3.4. Libyen
3.5. Nubien
3.6. Punt

4. Die Tributdiskussion

5. Der Realitätsgehalt der Tributszenen
5.1. Ikonographische Herausbildung von Volkstypen als Wiedergabe der außenpolitischen Situation
5.2. Unterschiedliche Terminologie für dargebrachte Gaben als Dokumentation der außenpolitischen Verhältnisse
5.3. Ideologische Darstellung der Handelskontakte

6. Zusammenfassung

7. Abbildungen

8. Literaturverzeichnis

9. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die sog. Tributszenen als Teil des Dekorationsprogramms in Privatgräbern des Neuen Reiches treten zeitlich begrenzt und in großer Zahl auf, weshalb sie als Quellenmaterial von großer Bedeutung sind. Da die Handelskontakte Ägyptens zu seinen Nachbarn im NR zwar durchaus bekannt sind, die erhaltenen Quellen jedoch über die Art der wirtschaftlichen Beziehungen wenig aussagen, bieten die Darstellungen, entsprechend gründlich und mit der gebotenen Vorsicht analysiert, wertvolle Informationen über die vielschichtigen Handelsbeziehungen Ägyptens.

Dies versuche ich in der vorliegenden Arbeit zu überprüfen, wobei ich vor allem die Fragestellung behandle, inwieweit die Tributszenen die historische Wirklichkeit widerspiegeln und an welcher Stelle sie nur Fiktion sind. Zum besseren Verständnis werden in den vorangehenden Kapiteln nach einer ikonographischen Beschreibung der klassischen Tributszene die Handelskontakte Ägyptens im Neuen Reich zusammengefasst. Dabei werden die für eine Beschäftigung mit den Szenen wichtigen Begriffe Tributbeziehung und Geschenkhandel kurz definiert und schließlich mit der Behandlung der sog. Tributdiskussion verschiedene Gelehrtenmeinungen zu diesem Thema aufgezeigt.

2. Die Tributszenen

In diesem Kapitel werde ich auf die Ikonographie der klassischen Tributszene(s. Abb.1-3) eingehen. Dabei folge ich bei der Einordnung in die Kategorie „klassische Tributszene“ den Überlegungen Hallmanns, deren Kriterium die Darstellung von Fremdvolk, Gaben sowie Empfänger ist.[1] Diese Szenen treten zeitlich ab der Regierungsperiode Thutmosis III. bis zum Ende der 18.Dynastie hauptsächlich in den Privatgräbern hoher Beamter in Theben auf. Neben 22 Gräbern in Theben wurden Tributszenen ebenfalls in einem Grab in Saqqara sowie in zwei weiteren in Tell el-Amarna entdeckt.[2] Im Grab waren sie entweder an der Rückseite der ersten Querhalle oder im Durchgang zur Grabkammer angebracht.[3]

2.1. Tributszenen in königlichen Denkmälern

Zusätzlich zu den Grabdarstellungen befinden sich Tributszenen bzw. ikonographisch abweichende, aber verwandte Szenen in königlichen Denkmälern des NR.[4] Diese reichen von der 18.Dynastie bis in die 20.Dynastie und werden von mir mit in die Untersuchung der Darstellung von Ausländern einbezogen, um eine größere zeitliche Periode zu erfassen. Ein großer Unterschied zu den klassischen Tributszenen ist der militärische Zusammenhang in denen diese Darstellungen oft gesetzt werden. Die Ausländer werden hier meist gefesselt als Ergebnis eines erfolgreichen Feldzuges dargestellt, die Gaben vor sich aufgetürmt. Da meist keine Gabenbringer auftauchen, sondern nur Gaben und die gefesselten Ausländer, würde ich diese Darstellungen nicht als Tributszene betiteln.

Laut Hallmann können hier insgesamt 9 Szenen zugeordnet werden, 8 in Tempeln und eine im Königsgrab Amenophis IV.[5]

2.2. Aufbau der klassischen Tributszenen

Die Tributszene besteht zum einen aus dem Empfänger und zum anderen aus den Trägern der Gaben. Der Empfänger ist hierbei klassischerweise der König, dem die Gabenbringer durch den Grabherrn präsentiert werden. Ebenfalls kann der König allein bzw. in Anwesenheit eines Gottes auftreten, so in den Tempeldarstellungen, oder auch in Ausnahmefällen der Grabherr allein. Der Empfänger kann dabei stehend oder auf einem Thron sitzend dargestellt werden. Vor ihm sind meist einige der gebrachten Gaben aufgehäuft. Dahinter befinden sich in mehreren Registern die ausländischen Gabenbringer meist aufrecht hintereinander schreitend. Öfters sind die vordersten Personen in Adorationshaltung oder Proskynese dargestellt. Die einzelnen Völkergruppen werden hierbei manchmal von ihren Häuptlingen angeführt, es folgen die eigentlichen männlichen Gabenbringer, die ihre Waren tragen, sowie am Ende oft Frauen und Kinder. In einer Darstellung werden die Träger nicht direkt vom Grabherrn bzw. König in Empfang genommen, sondern von einer ägyptischen Eskorte.

Neben den bildlichen Darstellungen sind als zusätzliche Information Inschriften in den meisten Szenen angebracht, die u.a. Auskunft geben über die Heimat der Gabenbringer.[6]

2.3. Darstellung der Ausländer

Nicht nur die Beischriften nennen die Herkunft der Gabenbringer, auch ihre unterschiedliche Ikonographie gibt uns Auskunft über die ethnische Zugehörigkeit. Die weitaus am häufigsten vertretenen Erscheinungstypen sind die des Syrers und des Nubiers. Die ägyptischen Künstler unterschieden wohl grundsätzlich zwischen dem nordischen Typus(Syrer) und dem südländischen Typus(Nubier). So konnten die verschiedensten Völker Vorderasiens und sogar die Ägäer mit Hilfe des syrischen Grundtyps dargestellt werden. Stand Ägypten in engerem Kontakt zu einem bestimmten Fremdland, ist dies durch die Herausbildung eines eigenen Typus ikonographisch festgehalten. So treten als eigenständige Typen die Ägäer, Puntbewohner, Libyer, Hethiter sowie eventuell die Mitanni auf. Es folgt nun eine kurze Beschreibung der unterschiedlichen Typen und der Zeitraum ihres Auftretens in den Tributszenen.[7]

2.3.1. Die Syrer

Der Typ des Syrers(s. Abb.7, 10) tritt in den Darstellungen am häufigsten auf und ist laut den Inschriften vielen verschiedenen geographischen Gebieten zuzuordnen. Dieser Typus wurde von den Künstlern scheinbar als allgemeiner Grundtyp für Völker des Nordens verwendet.

Die männlichen Syrer tragen ihr Haar bis auf die Schulter, oft auch mit einem Stirnband gehalten oder kahlgeschoren. Charakteristisch ist der Spitzbart am Kinn. Bekleidet sind sie entweder mit einem kurzen Schurz oder einem langen Rock, der teilweise gewickelt oder gemustert ist. Die Frauen tragen zum einen einfache, kurze Röcke oder auch lange Stufenröcke. Sie haben langes Haar, teilweise mit Zöpfen und können zusammen mit ihren Kindern dargestellt werden, die sie an der Hand halten oder auf dem Rücken tragen.

2.3.2. Die Nubier

Die Nubier(s. Abb.8) unterscheiden sich von den anderen Bevölkerungsgruppen durch ihre negroide Physiognomie. Sie sind dunkelhäutig dargestellt und tragen meist Schmuck. Die Männer tragen ihre Haare kurz, z.T. gelockt oder kraus. Die Kleidung besteht aus Schurzen und Gewändern aus verschiedenen Tierfellen, Leder oder Stoff. Die Frauen haben einen nackten Oberkörper und sind nur durch einen Rock bedeckt. Sie tragen ebenfalls meist kurzes Haar und sind immer zusammen mit ihren Kindern dargestellt.

2.3.3. Die Ägäer

Der Typ Ägäer(s. Abb.4, 10) tritt von der Zeit Hatschepsuts bis Amenhotep III. auf. Ihr äußeres Erscheinungsbild sieht wie folgt auf: Die Hautfarbe ist rot-braun, ihr Gesicht ist stets rasiert. Die Haare sind das Hauptmerkmal, welches diesen Typus von anderen unterscheidet. Sie tragen meist Locken in unterschiedlicher Länge, häufig auch mehrere spiralförmige kleine Locken an der Stirn. Die Kleidung kann in zwei unterschiedliche Grundtypen unterteilt werden. In den frühen Darstellungen werden kurze Leinenröcke getragen, die sich nach vorne hin öffnen und von einem breiten, meist verzierten Gürtel gehalten werden, sowie eine Phallustasche. In den späteren Gräbern tragen sie knapp knielange Röcke, welche mit verschiedensten Mustern reichhaltig bestickt sind. Häufig sind typische Schnürschuhe an den Füßen der Ägäer zu finden.

Hallmann unterscheidet als weiteren eigenständigen Typus den des Hybriden(s. Abb.6). Er vereint Eigenschaften des Ägäers sowie des Syrers.

2.3.4. Die Puntbewohner

Teilweise sind diese kaum von Ägyptern zu unterscheiden(s. Abb.11) und nur durch die Beischrift der Puntregion zuzuordnen. Zu erkennen sind sie an einem spitzen Kinnbart und meist schulterlangem Haar, teilweise gelockt und mit einem Stirnband gehalten. Sie tragen einen weißen kurzen Rock mit einem Mittelzipfel. Die wenigen Frauendarstellungen zeigen sie mit nacktem Oberkörper und Rock mit Hose.

2.3.5. Die Libyer

Der Typ des Libyers tritt sehr selten und zeitlich begrenzt in der späten 18. Dynastie sowie der 19./20. Dynastie in den Inschriften auf. Die ikonographische Darstellung ist nicht eindeutig zuzuordnen. Der Libyer trägt eine kurze, helmartige Frisur mit Seitensträhne und Federn sowie einen Bart. Die Kleidung besteht aus einer Phallustasche und einem langen Mantel.

2.3.6. Die Hethiter

Hethiter treten in der späten 18.Dynastie und der 19./20. Dynastie auf. Ihr Typ entwickelt sich in der Amarnazeit und ist erst unter Ramses II. voll ausgebildet. Sie sind gekennzeichnet durch eine vorspringende Nase, eine hohe Stirn und langes Haar, teilweise zweigeteiltes Haar sowie ein langes Gewand mit Ärmeln.

2.3.7. Die Mitanni

Kein Gabenbringer mit eigenen Merkmalen lässt sich zweifelsfrei einem Mitanni zuordnen. Meist wurden sie als Syrer dargestellt, doch nach Hallmann lassen sich wohl in wenigen Darstellungen spezielle Typen erkennen. Diese treten erstmals in der späten 18.Dynastie unter Haremhab auf.[8]

2.4. Die gebrachten Waren

Wie die ausländischen Völker wurden auch bei den dargebrachten Waren grundsätzlich die Waren des Nordens und die Waren des Südens unterschieden. Dabei stimmen diese fast immer mit der geographischen Herkunft des Trägers überein. Eine Ware des Südens, beispielsweise eine Giraffe, wurde niemals in die Hände eines Syrers oder Ägäers gegeben. Neben diesen beiden Warenkorpora gab es für bestimmte Völker eigene Waren, die nur ihnen mitgegeben wurden. So konnten die Ägäer neben den Nordwaren auch für die ägäische Kultur typische Gefäße und Objekte bringen, ebenso verhält es sich mit den Puntbewohnern, die oft Weihrauch und Myrrhe brachten, sowie den Libyern, die auch Straußeneier und –federn bringen konnten. Es wurden größtenteils kostbare Waren gebracht.

Neben den Warentypen gab es verschiedene ägyptische Termini mit denen die jeweilige Ware bezeichnet wurde. Neben der häufigsten Bezeichnung jnw gab es HAqt, bjAwt und bAkw.[9] Die Übersetzung des Wortes jnw als Tribut führte zu der Bezeichnung Tributszene und zu regen Diskussionen um die Richtigkeit dieser Zuordnung(siehe 4). Zur Interpretation der unterschiedlichen Terminologie werde ich in einem eigenen Abschnitt kommen(5.2).

[...]


[1] Hallmann 2006, 3f.

[2] Ebd., 4

[3] Müller-Wollermann, „Tributbringer“, LÄ VI, 764-66

[4] Hallmann 2006, 319

[5] Hallmann 2006, 319

[6] Müller-Wollermann, „Tributbringer“, LÄ VI, 764-66

[7] Hallmann 2006, 261-272

[8] Hallmann 2006, 261-272

[9] Hallmann 2006, 8ff.

Details

Seiten
32
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640514397
ISBN (Buch)
9783640512539
Dateigröße
2.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v142182
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Geschichts- und Kulturwissenschaften
Note
Schlagworte
Ägypten Vorderasien Handel Ikonographie Ägyptologie Archäologie Neues Reich Tributszenen

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