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Briefe an die Toten aus dem Alten Ägypten

Hausarbeit 2006 12 Seiten

Ägyptologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verbreitung

3. Material

4. Aufbau

5. Absender und Empfänger

6. Inhalte

7. Sozialer Hintergrund der Totenbriefschreiber

8. Glaubenshintergrund

9. Zusammenfassung

10. Briefe

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es existieren 14 Briefe an verstorbene Personen[1], die uns einen einzigartigen Blick in die Glaubenswelt der Ägypter erlauben. In der vorliegenden Arbeit werden vor allem die Inhalte der Briefe behandelt, ihr formaler Aufbau beschrieben sowie ihre räumliche und zeitliche Verbreitung erläutert. Es wird untersucht, wer Totenbriefe schrieb, aus welcher sozialen Schicht sie stammen und welcher Glaubenshintergrund die Ägypter dazu veranlasste, mit verstorbenen Personen in Kontakt zu treten.

2. Verbreitung

1.1. Räumlich

2 der Briefe stammen aus Sakkara[2], einer aus Qaw el-Kebir[3], einer aus Hu[4], 2 aus Naga ed-Deir[5] und 2 aus Theben[6]. Von den 6 weiteren Totenbriefen ist kein Herkunftsort bekannt. Insgesamt wurden also 2 Briefe in Unterägypten und 6 in Oberägypten gefunden, was sich wohl auf die schlechteren klimatischen Bedingungen im Delta zurückführen lässt.

1.2. Zeitlich

Der erste Brief stammt aus dem späten Alten Reich, der 6.Dynastie, der letzte aus der Spätzeit. Ein weiterer Brief kommt aus dem AR, 8 aus der 1.ZwZt. sowie 3 aus dem Neuen Reich. Die Anzahl der Totenbriefe überwiegt also eindeutig in der 1.ZwZt. und lässt auf einen Höhepunkt der Verfassung von Totenbriefen schließen.

Es lässt sich zusammenfassen, dass die räumliche und zeitliche Streuung für eine weit verbreitete Tradition spricht. Die aufgefundenen Briefe reichen von Ober- bis Unterägypten und vom AR bis in die Spätzeit. Gleichzeitig ist eine deutliche Konzentration auf die 1.Zwischenzeit zu bemerken, in der das Schreiben von Totenbriefen scheinbar eine gängige Praxis gewesen ist.

3. Material

Totenbriefe wurden hauptsächlich auf rötlichen Tongefäßen, meist Schalen, verfasst, die im Grab niedergelegt worden sind. Insgesamt sind 7 der Briefe auf solchen Gefäßen niedergeschrieben worden. Meist war die Außenseite beschriftet, seltener auch die Innenseite. In den Schalen befanden sich wohl Opfergaben, wie Nahrung oder Getränke. Dadurch hatten die Absender die Gewissheit, dass der Brief auch gelesen wurde.

4 weitere Briefe befinden sich auf Papyri, einer auf Leinen sowie 2 auf Ostraka. Alle Briefe sind in hieratischer Schrift verfasst worden.[7]

4. Aufbau

Der Aufbau der Totenbriefe ist recht einheitlich. Meist beginnen sie mit einem einleitenden Satz, in dem Adressat und Absender genannt werden. Darauf folgt die Erinnerung an eine bestimmte, gemeinsam erlebte Situation des Schreibers mit dem Verstorbenen, die der geistigen Annäherung der beiden dienen soll. Diese Erinnerung ist meist mit einem Zitat, einem Versprechen, verbunden, das der Tote zu seinen Lebzeiten gegeben hat. Es gilt als eine Art Beweismittel und soll den verstorbenen Adressaten verpflichten. Ebenfalls kann hier eine rhetorische Frage folgen, die sicherstellte, dass der Tote nun wirklich zuhört.

Der nächste Abschnitt schildert den beklagten Zustand des Schreibers. Hier wird die Notlage manchmal sehr detailliert, manchmal sehr kurz, beschrieben und oft werden die Urheber der Ungerechtigkeiten genannt.

An vierter Stelle steht schließlich der eigentliche Anlass des Briefes, nämlich die Aufforderung an den Toten zu handeln und die Situation zu ändern, in der sich der Schreiber befindet.

Der Schluss kann sehr unterschiedlich gestaltet sein. Durch Opferversprechen können die Bitten bekräftigt werden. Man zielte also auf die Abhängigkeit des Toten von den Lebenden und ihren Opfern. Es kann ebenfalls ein weiteres Zitat folgen oder das Versprechen, die Götter seien ihm wohlgesonnen, wenn er entsprechend handelt.[8]

5. Absender und Empfänger

Fünf mal schreibt die Witwe an ihren Ehemann, vier mal der Witwer an seine Ehefrau, sechs Mal der Sohn bzw. die Kinder an den Vater und einmal die Mutter an ihren Sohn.

Es scheinen sich nur enge Familienmitglieder untereinander Briefe zu schreiben und hier vor allem Ehepartner. Ebenfalls wurde häufig das ehemalige Familienoberhaupt angeschrieben. Es handelte sich demnach immer um Personen, deren Liebe dem Absender sicher war und die am engsten mit ihm vertraut waren.

Schrieb ein Witwer an seine verstorbenen Frau, stand immer die Rechtfertigung des Schreibers an erster Stelle. Durch den Brief wurde versucht, den Totengeist der Frau zu besänftigen, der immer definitiv als Ursache für das Leid angesehen wurde. Frauen wurden aber niemals um Hilfe gegen Übeltäter gebeten.[9]

[...]


[1] LÄ; Jasnow 1994

[2] Cairo Linen, Cairo Bowl

[3] Qaw Bowl

[4] Hu Bowl

[5] Naga ed-Deir 3500, Naga ed-Deir 3737

[6] oLouvre, pLeiden

[7]

[8] Verhoeven 2003, 31-35

[9] Verhoeven 2003, 31-49

Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640514380
ISBN (Buch)
9783640512522
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v142181
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1.0
Schlagworte
Ägypten Briefe an Tote Totenglaube Ägyptologie Archäologie Grabbeigaben

Autor

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Titel: Briefe an die Toten aus dem Alten Ägypten