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Alternative Risk Transfer (ART) als risikopolitisches Instrumentarium

Hausarbeit 2002 22 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Begriffserklärung Alternative Risk Transfer
1.2 Kernmerkmale des Alternativen Risikotransfers
1.3 Ziele des Alternativen Risikotransfers

2 Traditioneller Risikotransfer
2.1 Der traditionelle Risikotransfer und die Rückversicherung
2.2 Ineffizienzen des traditionellen Risikotransfers

3 Ausgewählte Instrumente des ART
3.1 Captives
3.2 Finite-Risk-Konzepte
3.2.1 Merkmale von Finite-Risk-Produkten
3.2.2 Finite-Risk-Vertragsformen
3.2.3 Bedeutung der Finite-Risk-Lösungen
3.3 Integrierte Multi-Line/ Multi-year-Produkte (MMP)
3.4 Multi-Trigger-Produkte (MTP)
3.5 Bedingte Kapitalaufnahme (Contingent Capital)
3.6 Verbriefung von Versicherungsrisiken (Securization)
3.7 Versicherungsderivate

4 Risikopolitik und ART
4.1 Die Merkmale der Risikopolitik
4.2 Einordnung des ART in die Risikopolitik

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Betrachtung der historischen Entwicklung der Versicherung zeigt, dass sich die Versicherungswirtschaft stets sich ändernden Bedürfnissen angepasst und neue Versicherungslösungen entwickelt hat. Als Beispiel dafür können Technische Versicherungen genannt werden, die von Anfang an eng mit der technischen Entwicklung verbunden waren und oftmals technische Entwicklungen erst ermöglicht haben.

Die Marktunvollkommenheit, besonders im Bezug auf die Heterogenität der Güter und die unvollkommene Markttransparenz, wurde durch die Deregulierung des Versicherungsmarktes im Jahre 1994 verstärkt. Diese Folge drückt sich durch erhöhte Volatilitäten der Finanzmärkte aus.[1] In der heutigen Zeit gilt es für Versicherungsunternehmen, besonders für Industrieversicherungen, neue Wege zu beschreiten. Ereignisse, wie beispielsweise Naturkatastrophen haben die Versicherungswirtschaft in den letzten Jahren schwer erschüttert.[2] Katastrophenrisiken können die Kapazitäten einzelner Versicherungsunternehmen aber auch der gesamten Versicherungswirtschaft übersteigen. Neben den Naturkatastrophen gibt es noch weitere Risiken mit denen Unternehmen zu kämpfen haben. Während für traditionelle Risiken wie Haftpflicht- und Sachrisiken oftmals Absicherungsmöglichkeiten bestehen, fehlen sie bei anderen große Bedrohungen für das Unternehmen. Bei den auf dem Markt angebotenen Lösungen kommt es immer wieder zu Deckungslücken. Deshalb wird nach Alternativen des traditionellen Risikotransfers gesucht. „Alternativer Risikotransfer ist ein Oberbegriff für alle Alternativen zur traditionellen Rückversicherung beim Transfer versicherungstechnischen Risikos.“[3] Der Alternative Risikotransfer (ART) beschäftigt sich beispielsweise mit Konzepten zur Finanzierung von Risiken, die herkömmlich nicht oder nicht ausreichend absicherbar sind. Ob es durch den ART gelingt, „die Grenzen der Versicherbarkeit zu erweitern, die Effizienz des Risikotransfers zu erhöhen und über den Kapitalmarkt zusätzliche Deckungskapazität zu erschließen“[4] soll in der vorliegenden Hausarbeit untersucht werden.

Weiterhin wird in dieser Hausarbeit darauf eingegangen, was ART ist, welche Möglichkeiten der herkömmliche Risikotransfer bietet und welche Instrumente unter dem Oberbegriff ART subsumiert werden. Weiterhin sollen die Chancen und Risiken ausgewählter Instrumente erläutert werden. Schließlich wird die Frage diskutiert, ob es sich beim ART um ein Instrumentarium der Risikopolitik handelt und wie es eingeordnet werden kann.

Es werden sieben wichtige Instrumente des ART aufgegriffen und beschrieben. Unter anderem werden die wichtigsten Aspekte für die nachfolgende Einordnung in die Risikopolitik erläutert und dem Leser alle wichtigen Punkte genannt, die für eine kompetente Diskussion benötigt werden.

1.1 Begriffserklärung Alternative Risk Transfer

Der Begriff bedeutet übersetzt Alternativer Risikotransfer und wurde in den USA geprägt. Alternativer Risikotransfer (ART) „steht für eine Vielzahl neuartiger Techniken und Instrumenten zur Steuerung versicherungswirtschaftlicher Risiken“.[5] Ein Beispiel eines versicherungswirtschaftlichen Risikos ist das versicherungstechnische Risiko. Das versicherungstechnische Risiko beinhaltet, dass der tatsächliche Schadenaufwand von dem erwarteten Schadenaufwand unerwartet abweicht. Unter dem Begriff ART versteht man im weiteren Sinne die Bündelung verschiedener „versicherbarer“ Risikoklassen mit teilweise verschiedenen „nichtversicherbaren“ Risikoklassen mit einer mehrjährigen Laufzeit. Der ART im engeren Sinne beinhaltet, dass neue Produkte mit alternativen Risikotransfer hervorgebracht werden. Diese Produkte kennzeichnet, dass „versicherbare“ Risikoklassen mit „nicht versicherbaren“ Risikoklassen in mehrjährigen Programmen zusammengefasst werden. Durch diese Zusammenfassung wird eine begrenzte Risikotragung und eine finanzmathematisch fundierte Risikofinanzierung ermöglicht. Hier steht insbesondere die umfassende Abdeckung von Risiken im Vordergrund. Andere Produkte ermöglichen, die Kapazitäten des Kapitalmarktes zu nutzen. Bei diesen Produkten stehen finanzwirtschaftliche Motive und finanzwirtschaftliches Know- How dahinter.[6]

Darüber hinaus ermöglicht der Alternative Risk Transfer neue Möglichkeiten. Er ermöglicht Unternehmen beispielsweise, Risiken selbst zu versichern und selbst zu tragen. Daneben schließt er auch Finite- Versicherungs- und Rückversicherungslösungen sowie den Risikotransfer über die Kapitalmärkte mit ein.[7] Diese letztgenannte Form erfolgt vor allem auf internationalen Finanzmärkten. Die Teilnehmer der internationalen Finanzmärkte werden so zu potentiellen Risikoübernehmern des versicherungstechnischen Risikos.[8]

1.2 Kernmerkmale des Alternativen Risikotransfers

Der Begriff ART lässt sich durch folgende Kernmerkmale, die ihn deutlich vom traditionellen Risikotransfer abgrenzen, näher beschreiben: Es handelt sich um maßgeschneiderte Lösungen für Kundenprobleme. Die Deckung ist mehrjährig und spartenübergreifend. Durch den Risikoausgleich über die Zeit und innerhalb eines Portefeuilles ist auch eine Übernahme traditionellerweise nicht versicherbarer Risiken möglich. Für einige ART- Varianten gilt, dass die Risikoübernahme durch Nicht- (Rück- )Versicherer erfolgt.[9]

1.3 Ziele des Alternativen Risikotransfers

Zusammenfassend können drei verschiedene Ziele für die Entwicklung Alternativer Risikofinanzierungs- Instrumente herausgestellt werden:

1. Ausweitung des Spektrums versicherbarer Risiken: Durch den Risikoausgleich über die Zeit und das Portfolio können neue Risiken übernommen werden.
2. Effizienzsteigerung: Überversicherung wird reduziert, die Unternehmen beteiligen sich am eigenen Schadenverlauf und das Kreditrisiko wird ausgeschaltet.
3. Vergrößerung der Kapazitäten: Durch die Nutzung der Finanzmärkte als Kapitalgeber und der Erhöhung der Diversifikationseffekte werden die Kapazitäten vergrößert.[10]

2 Traditioneller Risikotransfer

Der traditionelle Risikotransfer hat eine große Bedeutung. Für Privatpersonen und Unternehmen können Versicherungsunternehmen wertvolle Partner und Experten hinsichtlich ihres Risikomanagements sein. Da die meisten Unternehmen und Privatpersonen risikoavers sind, sind sie daran interessiert, ihre Risiken auf ein Versicherungsunternehmen abzuwälzen und dafür eine Prämie zu bezahlen. Der Versicherer gibt das vertraglich abgesicherte Versprechen, bei vereinbarten Risiken den entstandenen Schaden zu ersetzen. Auch Versicherungsunternehmen, egal ob Erstversicherer oder Rückversicherer sind risikoavers, denn sie lassen sich für die Übernahme des Risikos eine Prämie des Versicherungsnehmer bezahlen.

2.1 Der traditionelle Risikotransfer und die Rückversicherung

Beim traditionellen Risikotransfer erfolgt die Übertragung des Risikos auf ein Erst- oder Rückversicherungsunternehmen. Nicht- Versicherungsunternehmen und Privatpersonen übertragen ihr Risiko auf Erstversicherungsunternehmen und Erstversicherungsunternehmen auf Rückversicherungsunternehmen. Zunächst soll die Beziehung zwischen dem Erstversicherungsunternehmen und dem Versicherungsnehmer näher erläutert werden. Es wird ein Vertragsverhältnis eingegangen bei dem klar definiert wird, welche Risiken abgesichert sind. Der Versicherer gibt dem Versicherungsnehmer ein Leistungsversprechen im Schadenfall. Die Versicherer, insbesondere Industrieversicherer, die im Rahmen des Risikomanagements die Risiken ihrer Kunden analysieren und geeignete Schadenverhütungsmaßnahmen erarbeiten, stehen dem Unternehmen und Kunden als wichtiger Partner zur Seite.

Die Rückversicherung ist die Versicherung für das Erstversicherungs-unternehmen. Ein Erstversicherungsunternehmen kann Verträge mit einem oder mehreren Rückversicherungen in einem Risiko besitzen. Aufgrund von Unterschieden hinsichtlich der Abgabe- bzw. Annahmepflicht der Rückversicherung werden die obligatorische, die fakultative und die open cover Rückversicherung unterschieden. Nach versicherungstechnischen Gesichts-punkten wird die proportionale und nicht-proportionale Rückversicherung unterschieden. Bei der proportionalen Rückversicherung erfolgt die Beteiligung der Rückversicherung auf Grundlage der Versicherungssumme durch die Abgabe einer Quote und/ oder Spitze bestimmter Risiken. Im Gegensatz dazu erfolgt die Beteiligung bei der nicht-proportionalen Rückversicherung auf Basis des Schadens, d.h. die angefallenen Schäden werden nach einem vereinbarten Verhältnis zwischen Erst- und Rückversicherer aufgeteilt.

Schäden mit enormen Schadenpotentialen wie beispielsweise Naturkatastrophen können eine ernst zu nehmende Bedrohung für die Versicherungswirtschaft darstellen. Aufgrund der gewaltigen Schadenhöhe besteht in der Regel eine Deckungslücke zwischen durch Rückversicherung gedeckten und versicherten Schäden in beträchtlicher Höhe. Diese Lücke fällt wiederum dem Erstversicherer zu und kann seine Existenz bedrohen. In den Vereinigten Staaten gingen nach dem Hurrican „Andrew“, der für erhebliche Schäden in Miami sorgte, 7 Erstversicherungsunternehmen in Konkurs.[11]

2.2 Ineffizienzen des traditionellen Risikotransfers

Die Ineffizienzen von Versicherungslösungen führten zur Entwicklung des ART. Darunter können aufgezählt werden:

1. beschränkte Deckungskapazitäten: für bestimmte Bereiche können einige Unternehmen keine Deckung bekommen
2. Problem des moral hazard: nach Abschluss des Vertrages kann sich das Verhalten des Abgesicherten verändern und der Anreiz zur Verringerung der Schadenverhütungsmaßnahmen entstehen
3. Problem der adversen Selektion: das Versicherungsunternehmen wählt gezielt unvorteilhafte Risiken aus
4. Kreditrisiko des Versicherungsnehmers: es besteht die Gefahr, dass der Versicherer im Schadenfall nicht zahlen kann[12]

[...]


[1] vgl. Becker, H., Bracht, A. (1999), Katastrophen- und Wetterderivate, S. 7

[2] vgl. Gabisch, Prof. Dr. G., in Strube, M. (2001), Alternativer Risikotransfer von Katastrophenrisiken, Geleitwort

[3] Strube, M. (2001), Alternativer Risikotransfer von Katastrophenrisiken, S. 1

[4] Swiss Re (1999), Alternativer Risikotransfer (ART) für Unternehmen: Modeerscheinung oder Risikomanagement des 21. Jahrhunderts?, S. 3

[5] http://www.uni-mannheim.de/i3v/00217110/01729891.htm, (20.11.2002)

[6] vgl. Herold, B., Paetzmann, K. (1999), Alternativer Risiko- Transfer, S. 29-30

[7] vgl. Swiss Re (1999), a.a.O., S. 4

[8] vgl. http://www.uni-mannheim.de/i3v/00217110/01729891.htm, (20.11.2002)

[9] vgl. Swiss Re (1999), a.a.O., S. 5

[10] vgl. Swiss Re (1999), a.a.O., S. 6

[11] vgl. Strube, M. (2001), a.a.O., S. 1

[12] vgl. Swiss Re (1999), a.a.O., S. 12

Details

Seiten
22
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638196826
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14217
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain – FB Wirtschaft
Note
1,3
Schlagworte
Alternative Risk Transfer Instrumentarium Risikomanagement

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Titel: Alternative Risk Transfer (ART) als risikopolitisches Instrumentarium