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Bieten Techniken des WEB 2.0 Lerninstrumente für den LER-Unterricht?

Hausarbeit 2009 21 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Relevanz der Thematik für das Fach LER
2.1. Wichtige Aspekte der Umsetzung

3. Was ist das Web 2.0?

4. Einzelne Techniken und Anwendungsbeispiele für den LER-Unterricht
4.1. Blog
4.2. Feed
4.3. Wiki
4.4. Social Bookmarking
4.5. Visuelle Materialien
4.6. Podcast
4.7. Foren und Chats

5. Fazit

6. Literaturangabe

1. Einleitung

Heutzutage befinden wir uns in einer schnelllebigen Wissensgesellschaft, in der Informationsströme und das damit zur Verfügung gestellte Wissen rasant anwachsen. Dieses Wissen genießt in einer Leistungsgesellschaft eine hohe Priorität und stellt für die Gesellschaft eine Herausforderung dar. Die Schule muss sich dieser Herausforderung stellen, da sie Schüler auf die Gesellschaft vorzubereiten hat. Wissen darf sich also nicht mehr nur allein auf Medien beschränken, die bereits einige Jahre auf dem Markt vorhanden sind, denn das Wissen kann schon als überholt gelten.

Das schnellste Verbreitungsmedium ist unangefochten das Internet. Gibt es Neuigkeiten in Printmedien, kann ich mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese schon lange im Internet verbreitet wurden. Immer schneller werdende Datenverbindungen machen dies sogar in Bild- und Videodateien möglich, so dass die Informationsbeschaffung keineswegs einseitig sein muss. Das Internet bietet auch die Funktion, Daten zu veröffentlichen, die von den Medien gar nicht verbreitet werden sollten. Ein jüngstes Beispiel sind die demonstrativen Oppositionsvideos aus dem Iran bei YouTube. Ein Massaker wie der auf dem „Platz des himmlischen Friedens“ in China von 1989 ist demzufolge schwerer durchführbar, da die neue Technik ein neues Instrument der Medienfreiheit darstellt und eine ungefilterte Berichterstattung möglich gemacht wird. Selbst diktatorische Regierungen beugen sich immer häufiger dieser Macht, da sie sich nicht der internationalen Kritik aussetzen wollen. China erkannte diese Macht des Internets und kämpfte mit einer harten Zensur und den damit verbundenen Sperrungen einzelner Internetseiten gegen dieses an. Ein geübter Nutzer weiß aber diese Einschränkung zu umgehen und der Kampf einer kontrollierenden Regierung erscheint fast sinnlos.

Die Macht des Internets wuchs besonders durch den Wandel des herkömmlichen Internets zum so genannten Web 2.0. Im Web 2.0 gestalten die Benutzer den Inhalt. Man spricht von einem „User-Generated-Content“. Konnten Internetbenutzer bisher nur auf den Inhalt des Internets zurückgreifen, gestalten sie heute diesen zum Großteil mit. Ein weiterer Trend nennt sich „ mobiles Web“, indem beispielsweise mit dem Handy ein Video der iranischen Oppositionsdemonstration gefilmt und gleich bei YouTube hochgeladen werden konnte. Ist dieser Inhalt für die Benutzer interessant, verbreitet er sich auch dementsprechend schnell.

Diese Medienfreiheit bürgt aber auch Gefahren. Wenn Medien keiner Kontrolle unterliegen, gibt es keine Garantie für die Richtigkeit des veröffentlichten Inhalts, beziehungsweise kann von der Gesellschaft das am weitesten Verbreitete für richtig empfunden werden, weil es dem Denken der Masse entspricht. Ein kritischer Umgang ist hier unausweichlich und sollte ebenfalls in der Schule vermittelt werden. Im Folgenden möchte ich mich mit dieser neuen Version des Internets, dem Web 2.0 auseinandersetzen. Welche Techniken stellt es zur Verfügung und wie können diese in ausgewählten Beispielen dem LER-Unterricht dienlich sein. Es gibt Lehrerratgeber für den Internetumgang in der Schule, doch beziehen sich diese fast durchgängig auf Seiten mit festem, bereits bestehendem Inhalt. Dem Web 2.0 werden diese also nicht gerecht. Mich interessiert eher der Ansatz, dass die Benutzer den Inhalt gestalten und dies soll der Fokus dieser Arbeit sein.

2. Relevanz der Thematik für das Fach LER

In den Grundsätzen für die Bildung und Erziehung in der Sekundarstufe I im Rahmenlehrplan des Faches LER, wird die Wichtigkeit des Umganges mit den Medien genannt. „ Die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler ist heute in einem nie zuvor gekannten Ausmaß medial geprägt und strukturiert. Sie benutzen verschieden Medien kompetent, sachgerecht, kritisch, kreativ und produktiv zum Erschließen, Aufbereiten, Produzieren, Kommunizieren und Präsentieren, sowie für Interaktion und Kooperation. Ihnen sind Chancen, Grenzen und Risiken von Medien und Technologien zunehmend vertraut. Sie verfügen über grundlegende Kenntnisse medialer Codes, Symbole und Zeichensysteme sowie der darauf basierenden Inhalte/Form/Struktur-Beziehungen und wenden diese für die Analyse und Bewertung unterschiedlicher Medienangebote an. Sie besitzen ein grundlegendes Verständnis von der Rolle der Medien in der Gesellschaft, ihrer Bedeutung für die Berufs- und Arbeitswelt und für die aktive Teilhabe an der Gesellschaft.“[1]

Es wird propagiert, dass „ vielfältige Methoden und Medien zum Einsatz gelangen“[2] damit „die Schülerinnen und Schüler zielgruppenorientiert, sachgerecht, kreativ und produktiv Medien einsetzen können.“[3]

Dies sind Gründe, warum Medien heutzutage in didaktischen Modellen immer mehr Einfluss genießen. „Eine vernetzte Schulmedienlandschaft wird für den Unterricht bald so zentral sein, wie es heute die Informations- und Kommunikationstechnologien in der Arbeitswelt sind.“[4] Online Lernumgebungen, Internetrecherchen, Lernsoftware, Videos etc. sind nur eine kleine Auswahl der zur Verfügung stehenden Medien. Das „Didaktische Dreieck“ wird zum „Didaktischen Stern“. Dieser zeigt, wie Schulmedien an den didaktischen Funktionen des Unterrichts beteiligt sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[5]

Lernen wird durch Präsentations- und Vermittlungsmedien unterstützt. Vermittlungsmedien dienen dem Lehrer zur Planung und Umsetzung eines medial gestützten Unterrichts. Ein klassisches Vermittlungsmedium ist die Wandtafel, die in den letzten Jahren steigend durch neue Medien ersetzt wurde. Kommunikationsmedien unterstützen die Kommunikation zwischen den Schülern oder dem Schüler und dem Lehrer. Beispiele hierfür können Chat-Rooms, E-Mails oder Social Software sein.

2.1. Wichtige Aspekte der Umsetzung

Um diese Techniken für den Unterricht zu nutzen, sollten Kriterien festgelegt werden, damit die neuen Aufgabenstellungen auch einen Lerneffekt hervorbringen. Die digitalen Medien müssen in einen lern- und entwicklungsfördernden Rahmen eingesetzt werden. Laut Tulodziecki und Herzig ist das dann gegeben, wenn folgende Kriterien erfüllt werden:

„1. Bedeutsame Aufgaben in Form von Problemstellungen, Entscheidungsfällen, Gestaltungs- und Beurteilungsaufgaben mit der Möglichkeit, diese in geeigneten Varianten zu präsentieren,
2. aufgabenrelevante Informationsquellen, unter Umständen verbunden mit einzelnen Lernhilfen und Werkzeugen für die Erschließung der Informationen,
3. Werkzeuge bzw. Instrumente zur Unterstützung bei Aufgabenlösungsprozessen,
4. Material, das – insbesondere bei Beurteilungsaufgaben – als Analysegegenstand geeignet ist,
5. Werkzeuge bzw. Instrumente, welche die Kommunikation und Kooperation unterstützen,
6. Werkzeuge bzw. Instrumente, welche die Speicherung und die Präsentation von Ergebnissen ermöglichen,
7. Aufgaben und Materialien, welche die Anwendung und Weiterführung von Lerninhalten anregen und unterstützen,“[6]

Punkt vier erwähnt Material, dass als Analysegegenstand geeignet ist. Natürlich bietet das Internet ein solches, doch für den Schüler kann sich die Frage stellen, welches der vielen Angebote für ihn relevant und ausreichend ist. Er oder Sie kann aufgrund der Datenflut im Internet überfordert werden. Hellmut Willke untersuchte diese Problematik und entwickelte einen dreistufigen Aufbau. Dieser unterscheidet zwischen Daten, Informationen und Wissen.

„ 1. Daten sind der Rohstoff für alles Wissen.
2. Informationen sind systemspezifisch aufbereitete Daten und damit Zwischenprodukte des Wissens.
3. Wissen ist die Veredelung von Informationen durch Praxis.“[7]

Wissen entsteht demzufolge erst, wenn Informationen in einem Praxiszusammenhang gebracht werden. Es entsteht dadurch eine neue und veränderte Praxis. Um bei der Masse der Daten die Aufnahmekapazität der Menschen nicht zu überfordern, muss Wissen für diese bedeutsam werden. Ein weiterer Ansatz zur Lösung für diese Problematik sind Flexibilität und Strukturierungsfähigkeit. Informationen müssen selektiv aufgenommen und verknüpft werden, damit im willkischen Sinne daraus Wissen wird. „ Ein starres und unbewegliches Basiswissen hilft dagegen wenig, um sich im Strom der Informationen zu orientieren, mit denen wir uns täglich neu auseinanderzusetzen haben.“[8] Es müssen die Auseinandersetzung und Weiterentwicklung von Wissensbeständen im Rahmen von eigenständigen Lernprozessen gefördert werden. Informelle sowie autodidaktische Lernprozesse sollten im Unterrichtsalltag genutzt werden. Dazu muss die Schule sich vermehrt für Inhalte aus der digitalen Welt beziehen. Für den Lehrer stellt diese nicht geschlossene Form ein Risiko dar, da die Welt der Aneignungsaktivitäten überraschend, vielfältig und kontingent ist, sowie auch die Subjektivität des Lernenden.

Daraus ergibt sich dieser Fragebogen

1. Beinhaltet die Aufgabe Problemstellungen, Gestaltungs- und Beurteilungsmöglichkeiten?
2. Besteht die Möglichkeit, die Ergebnisse in geeigneten Varianten zu präsentieren?
3. Werden Werkzeuge zur Unterstützung des Aufgabenlösungsprozesses angeboten?
4. Gibt es Material, das – insbesondere bei Beurteilungsaufgaben – als Analysegegenstand geeignet ist?
5. Gibt es Werkzeuge bzw. Instrumente, die die Kommunikation und Kooperation unterstützen?
6. Gibt es Werkzeuge bzw. Instrumente, welche die Speicherung und die Präsentation von Ergebnissen ermöglichen?
7. Beinhaltet die Aufgabe und das Material eine Anregung und Unterstützung zur Anwendung und Weiterführung von Lerninhalten?
8. Ist eine selektive Informationsaufnahme möglich?
9. Werden eigenständige Lernprozesse gefördert?
10. Gibt es aufgabenrelevante Informationsquellen, unter Umständen verbunden mit einzelnen Lernhilfen und Werkzeugen für die Erschließung der Informationen?

[...]


[1] Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg . Rahmenlehrplan für die Sekundarstufe I. Jahrgangsstufen 7-10. S. 07

[2] Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg . Rahmenlehrplan für die Sekundarstufe I. Jahrgangsstufen 7-10. S. 09

[3] Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg . Rahmenlehrplan für die Sekundarstufe I. Jahrgangsstufen 7-10. S. 10

[4] Moser, Heinz. Einführung in die Netzdidaktik. Lehren und Lernen in der Wissensgesellschaft. S. 20. Schneider Verlag Hohengehren 2008

[5] Moser, Heinz. Wege aus der Technikfalle. S. 20. Pestalozzianum Zürich 2005

[6] Tulodziecki, Gerhard; Herzig, Bardo; Blömeke, Sigrid: Gestaltung von Unterricht: Eine Einführung in die Didaktik: Bad Heilbronn 2004

[7] Willke, Helmut. Einführung in das systematische Wissensmanagement. S. 28. Carl-Auer-Systeme Heidelberg 2004

[8] Moser, Heinz. Einführung in die Netzdidaktik. Lehren und Lernen in der Wissensgesellschaft. S. 29. Schneider Verlag Hohengehren 2008

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640514328
ISBN (Buch)
9783640512393
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v142151
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut LER
Note
2.0
Schlagworte
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