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Synchronisation in Film und Gesellschaft

von Lorenz Althen (Autor)

Hausarbeit 2006 19 Seiten

Dolmetschen / Übersetzen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Synchronisation
2.1 Geschichte der Synchronisation
2.2 Synchronität
2.2.1 Optische Synchronität
2.2.2 Akustische Synchronität
2.3 Technischer Ablauf
2.4 Verwendung in der Medienkultur

3 Synchronisation und ihre Vor= und Nachteile
3.1 Nachteile der Synchronisation
3.2 Vorteile der Synchronisation

4 Zusammenfassung

5 Ouellen

6 Anhang

1 Einleitung

Wie würde sich der neue James Bond mit bayrischem Akzent anhören? Wie klänge ein Commander Kirk, der Lieutenant Spock auf hessisch anraunzt? Und welche Worte würden Indianer wählen, wenn sie in alten Schwarz-Weiss-Western auf Schwyzerdütsch das Kriegsbeil ausgrüben? Was zunächst absurd klingt und als komödiantischer Unfug erscheint, zeigt die nahezu un-begrenzten Möglichkeiten der Filmsynchronisation, die u.a. dem modernen amerikanischen, indischen oder französischen Kino erst zu seiner weltweiten Verbreitung geholfen haben. Eine Technik, die ihre Anfänge in der Zeit der ersten Lichtspielhäuser hatte, ist zu einem essentiellen Arbeitsmittel moder-ner Nachrichtenagenturen, Radiostationen und Filmverleihe geworden, ohne das eine Meinungsbildung nicht mehr funktioniert. Dieser Beitrag soll einen kurzen Einblick in die Entstehungsgeschichte, die technische Herstellung und die teilweise umstrittene Verwendung bieten. Parallel hierzu steht eine Ar-beit, die spezifische Eigenheiten der Untertitel beleuchtet, welche häufig als Vergleichs- und Kritikpunkt dienen.

Neben der reinen Informationsfunktion, die dem Zuschauer die Inhalte der fremden Rede vermitteln soll, hat die Synchronisation auch die Aufgabe, das eigene Sprachverständnis zu fördern, die Beziehung zur Sprachgemeinschaft zu schaffen und in erster Linie Kindern und Jugendlichen einen akustischen Zugang zum Weltgeschehen zu ermöglichen. Neben Gruppen, die aufgrund von Einschränkungen (Seh- oder Leseschwäche, Analphabetismus, Sprachmi-noritäten) auf Synchronisation angewiesen sind, gibt es jedoch auch ent-schiedene Gegner, die in der Veränderung des Tons einen massiven Eingriff in das „heilige" Original sehen und auch aus Authentizitätsgründen lieber auf untertitelte Versionen zurückgreifen. Dieser Diskurs soll aber nur am Rande erwähnt werden.

Dass Synchronisation in linguistischer Hinsicht auch künstlerischen Wert ha-ben kann, zeigt die Videoarbeit, die 2 003 auf einer Ausstellung Frankfurter Kunstabsolventen des Städels zu sehen war: Disneys „Dschungelbuch" war so synchronisiert, dass jedes Tier eine andere Sprache erhielt, von armenisch über slowakisch bis zu türkisch waren es mehr als 2 0 verschiedene.

2 Synchronisation

2.1 Geschichte der Synchronisation

Mit der Entwicklung der ersten Tonfilme am Ende der 2 0er Jahre wurde der Gebrauch von Synchronisationstechniken notwendig, welche zunächst nicht auf die Ubertragung des gesamten Filmes in eine Zielsprache gerichtet wa-ren, sondern zunächst auf die Einbeziehung fremdsprachlicher Elemente in das Original. In „The Jazz Singer" von 1927, der als erster Tonfilm gilt, wur-de der Gesang eines jüdischen Gebets „off" aufgenommen und der Schau-spieler musste hierzu sozusagen invers synchronisieren und seine Lippen dem Gesang nach bewegen. Viele Schauspielerinnen der frühen Tonfilme strebten neben ihrer Schauspielkarriere auch nach einer Anerkennung als Sängerin, wodurch es oftmals zu Problemen hinsichtlich der Auswahl des Tonmaterials seitens des Regisseurs kam. Audrey Hepburn war z.B. derart von ihrer gesanglichen Leistung überzeugt, dass sie seinerzeit die Ersetzung ihres Gesanges in "My fair lady" durch ein Double nicht akzeptieren wollte. Später wurde diese Vorgehensweise ebenso akzeptiert wie die Arbeit eines Stuntmans, der in einem Film Teile von Action-Sequenzen spielt.

Im Zuge der Internationalisierung des Kinos, und der Vermarktung der Filme an ein fremdes Publikum wurde es notwendig, Filme nicht durch verschiede-ne Techniken zugänglich zu machen. Neben dem Gebrauch von Untertiteln und dem kostspieligen Verfahren, Filme in mehreren Sprachen aufzunehmen, spielte ab den frühen 3 0er Jahren die Synchronisation eine immer wichtigere Rolle. In ihrer Entwicklung war sie jedoch innerhalb der verschiedenen Län-der sehr unterschiedlich.[1]

Obwohl in München und Berlin schon in den 3 0er Jahren Zentren für Syn­chronisation entstanden, kam die eigentliche Industrie der Filmsynchronisati-on erst nach 1945 auf, da im dritten Reich so gut wie keine ausländischen Ki-nofilme gezeigt wurden. Die anfänglichen Versuche seitens der Alliierten Ori- ginalfilme zu zeigen scheiterten an den Sprachbarrieren der Nachkriegsdeut-schen und Untertitel wurden insgesamt als störend empfunden. Umso gröBer war daher die Akzeptanz der ersten synchronisierten Fassungen von z.B. „Casablanca" oder „Vom Winde verweht". In den Besatzungszonen entwi-ckelte sich eine Filmindustrie, die jeweils von englischen, amerikanischen, französischen und russischen Filmen „Obertragungen" ins Deutsche anfertig-te. Daraus erklärt sich auch die in Deutschland besonders hohe Akzeptanz der Synchronisation gegenüber untertitelten Fassungen. Mitunter bieten Fernsehsender Zweikanalfassungen von Spielfilmen an, wobei der Zuschauer zwischen dem Original und der Synchronversion wählen kann. Der heutige Stand der DVD-Technik ermöglicht es sogar, während eines Filmes beliebig zwischen mehreren verschiedenen Sprachen, und Untertiteln zu wechseln. Digital erstellte Animationsfilme wie „Back to Gaya", „Shrek", „Final Fantasy" oder „Findet Nemo" haben den technischen Vorteil, dass die Lippenbewegun-gen der Figuren durch Sensormessung und Computersteuerung an die Stim-me der Schauspieler angepasst werden kann. In diesem Fall ist die Arbeit des Schauspielers und des Dialogschreibers leichter, da die Synchronisation aus einer anderen Richtung her erfolgt. Die aus Japan kommenden Mangas und Anime-Filme werden durch ihre Konzeption allerdings weit weniger „rea-listisch" gestaltet, sondern derart übertrieben, dass eine Synchronisation an die Lippenbewegungen nicht wirken würde, bzw. irritierend wäre.

2.2 Synchronität

Prinzipiell hat die Synchronisation zum Ziel, auf der Ebene der Optik und auf der Ebene der Akustik, eine Synchronität herzustellen, die den Gesamtein-druck des Werkes für den Zuschauer harmonisch erscheinen lässt. Diesen Zustand bezeichnet man als Synchronität, also Gleichzeitigkeit, die sich op-tisch und akustisch unterscheiden lässt.[2]

2.2.1 Optische Synchronität

Bei der Wahrnehmung durch die Zuschauer ist die Übereinstimmung des Ge-hörten mit der Lippenbewegung der Schauspieler vor allem in den ersten Auftritten der Figur wichtig. Um eine Akzeptanz der Sprechleistung beim Be-trachter zu erreichen, sollte die Synchronisation zumindest am Wortanfang und am Wortende im Bereich der bilabialen /m/, /p/, und /f/ sowie der labio-dentalen Phoneme /f/, /w/, und bei offenen Vokalen auf eine annähernde Übereinstimmung aufweisen. Im Verlauf von Filmen wird zunehmend weni-ger auf eine Übereinstimmung seitens der Zuschauer geachtet, allerdings fällt es jedoch besonders unschön auf, wenn die Stimme des Schauspielers noch zu hören ist, nachdem der Mund schon geschlossen wurde, oder wenn Lippenbewegungen zu sehen sind, aber kein Ton zu hören ist. An dieser Stel-le stehen sich in der Praxis die Prinzipien der strengen lippensynchronen Be-arbeitung der Texte und der Verzicht zugunsten einer besseren Verständlich-keit oder Wertigkeit des Stils gegeniiber. Fiir den durchschnittlichen Zu-schauer ist es trotzdem schwer möglich, geringe Abweichungen bei der Syn­chronisation der Lippen zu bemerken. Kleine Fehler werden in dem Zusam-menhang eher iibersehen und nicht als störend empfunden, wohingegen eine zu hohe Stimme oder ein durchgehender, falsch platzierter Akzent die Aufnahme des Films viel eher beeinträchtigen kann. Die Konzentration auf die Lippenbewegungen hätte sonst auch zur Folge, dass weniger auf den In-halt, als mehr auf die produktionstechnische Umsetzung des Werkes geach-tet wird.

Neben der Lippensynchronisation sind die Silbensynchronität, der Umgang mit Liicken und die Anpassung an die Aussagenlänge von Bedeutung. Je nach Sprachenkombination stehen dem Übersetzer bei der Gestaltung der Aussagen Fiillwörter (z. B. 'eben', 'wohl', 'halt') und Verkiirzungen zur Verfii-gung. Der Sprachgebrauch in verschiedenen Ländern ist an dieser Stelle vor allem durch Sprechtempo, Satzlänge und Struktur mitunter sehr unterschied- lich. Dadurch können sich z. B. zwischen dem Französischen und dem Russi-schen groBe Diskrepanzen bilden, die eine lange, ausschweifende französi-sche Struktur einer knapperen russischen gegenüberstellen. Allerdings be-trifft diese Problematik nicht nur den Bereich der Synchronisatio]n, sondern ebenso die Untertitelung. Es besteht weiterhin auch die Notwendigkeit, den Textsinn bei der Übersetzung so zu verändern, dass es einem Verständnis beim Betrachter im Hinblick auf Logik und Verständlichkeit dienlich ist. Hier-bei tritt der eigentliche Inhalt in den Hintergrund. In der Regel ist eine flüssi-ge und etwas freiere Formulierung einer zwar streng synchronen aber holpri-gen Passage vorzuziehen. Je nach Gestaltung des Filmes fällt eine Vernach-lässigung des Gesagten weniger auf, vor allem bei vielen neueren amerikani-schen Produktionen, die mehr und mehr auf visuelle Spektakel setzen und in denen der Dialog im Gegensatz zum Autorenkino kaum noch erzählerische Relevanz hat.

Als weitere optische Gesichtspunkte bei der Synchronisation sind Gestik, Mi-mik und Körpersprache zu betrachten. Kinetische Synchronität entsteht, wenn die Körpersprache der Schauspieler mit der gehörten Stimme überein-stimmen. Es gibt je nach Sprache unterschiedlich viele nonverbale Zeichen, die eine wörtliche Rede begleiten, verstärken, ja mitunter ersetzen können. Für die Schauspieler, die die sprachliche Realisierung von Synchronisationen ausüben, ist eine Imitation an den Bewegungen der Schauspieler erleich-ternd, um eine authentische Betonung zu erreichen. Ahnlich, wie Schauspie-ler, die Hörspiele einsprechen nicht sitzend in ein Mikrofon sprechen, sondern aktiv beim Sprechen „schauspielern", ebenso muss sich der Synchronspre-cher in seine Rolle hineinversetzen.

[...]


[1] www.goethe.de/kue/flm/dos/de218244.htm, 03.10.05

[2] Whitman-Linsen, 1992, S. 20 ff.

Details

Seiten
19
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640496075
ISBN (Buch)
9783640496006
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v142000
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie
Note
2
Schlagworte
Synchronisation Untertitel Untertitelung Französisch Sprachwissenschaft Übersetzen Film Fernsehen Medien Sprachmittlung Frankophonie

Autor

  • Lorenz Althen (Autor)

    5 Titel veröffentlicht

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