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Der Bürgerkrieg in Frankreich 1871

Exzerpt 2006 17 Seiten

BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund - 1848 bis 1871

3. Pariser Kommune - Ihre Arbeit, Ihr Kampf

4. Das Ende der Pariser Kommune

5. Einflüsse und Lehren

6. Schlusswort

Bibliographie

Einleitung

Als Grundlage für diese Arbeit verwendete ich den Text von Karl Marx „Der Bürgerkrieg in Frankreich“. Warum habe ich mich gerade für dieses Werk entschieden?

Wenn wir unsere heutige Staatsform als modern bezeichnen, dann ist die Pariser Kommune von 1871 als ein Vorbote auf das 20. Jahrhundert und den modernen Staat zu sehen. In den Anfangstagen des Jahres 1871 wurde in Versailles, genau 170 Jahre nach der Gründung Preußens, das Deutsche Reich proklamiert. Nur drei Monate später und einige Kilometer entfernt kämpfte die Pariser Kommune für ihre Rechte. Das Deutsche Reich hatte dann nach seiner Gründung noch 75 Jahre bestehen können, der Pariser Kommune blieben nur 72 Tage, und doch ist das Kaiserreich Geschichte, während die Inspiration der Pariser Kommune bis heute lebendig ist. (vgl.Hafner,2003:83)

1.Geschichtlicher Hintergrund - 1848 bis 1871

Der französische Kaiser kannte die Gefahr der Revolution im Lande, und so nutzte Napoleon III. den Graben, der zwischen Arbeitern und dem Bürgertum seit den Junitagen des Revolutionsjahres 1848 bestand, um seine Macht zu sichern. Als Louis Napoléon Bonaparte sich am 2. Dezember 1852 zum Kaiser krönte, da war das liberale Bürgertum durchaus gegen die Restauration des Kaiserreiches. An eine Zusammenarbeit in irgendeiner Form zwischen Arbeitern und Bourgeoisie war aber nicht zu denken. Diese Zersplitterung der Opposition gegen das Kaiserreich war auch durchaus vom Kaiser unterstützt worden. So wurden in den 60ziger Jahren z.B. eine Vielzahl von öffentlichen Arbeiten in Paris und anderen Städten, vom Staat vergeben, um die Arbeiterschicht im Lande zu stützen. (vgl.Lawrow,2003:15)

Doch 1868, zwanzig Jahre nach der Revolution, kommt es in Paris für drei Monate zu öffentlichen Versammlungen, die von Professoren der politischen Ökonomie geführt wurden. Auf diesen Versammlungen wurden die Fragen des Sozialismus erörtert. Auch wenn in dieser Zeit die Diskussion über Politik und Religion verboten ist, kam dieser Dialog die nächsten zwei Jahre, bis zum Ausbruch des Krieges, nicht mehr zur Ruhe. Die Themen dieser Zeit, die nun erörtert wurden, bezogen sich auf die Stellung der Frauen, Organisation der Familie, Stellung der Gerichtshöfe und die gerechte Verteilung der Steuern. (vgl.Lawrow,2003:16)

Anfangs bestand ein Misstrauen zwischen diesen „neuen“ Kräften der demokratischen Bewegung und den Mitgliedern der bestehenden Bewegung, wie z.B. der Internationalen¹. Dieses anfängliche Misstrauen verflog aber, und hochrangige Mitglieder der Internationalen sprachen auf diesen „bürgerlichen“ Veranstaltungen, in dieser Zeit näherten sich die verschiedenen Teile der Opposition wieder einander an. Schon vor Beginn des Deutsch- Französischen Krieges formierte sich also Widerstand gegen das Kaiserreich. Man kann die Pariser Kommune also nicht allein als „Zwischenfall“ betrachten, der einzig als Folge des Krieges zu verstehen ist. Aber der Verlauf der Geschichte wurde doch wesentlich durch den Krieg beeinflusst, er verschärfte die innere Krise durch eine äußere Krise. Der am 25.Mai 1871 zum Minister für Öffentliche Arbeiten eingesetzte Plichon äußerte seine Bedenken gegenüber Napoleon III. wie folgt: „Für Eure Majestät bedeutet eine Niederlage die Revolution“ (Bruhat, 1970:54)

Das Proletariat ist gegen den nahenden Krieg, weil es für sie ein Bruderkrieg ist und forderte die deutschen Arbeiter auf, die Provokationen² des französischen Kaisers nicht zu beachten. Die Republikaner in Frankreich sind gegen den Krieg, weil sie bei einem Sieg der Franzosen ein Erstarken des Kaiserreiches fürchten. Trotz fehlender Kriegsbegeisterung im Land, kommt es am 19. Juli 1870 zur Kriegserklärung Napoleons III. gegen Preußen. Der Generalrat der Internationale veröffentlicht darauf am 23.Juli 1870 eine Adresse an die „Mitglieder der Internationalen Arbeiterassoziation in Europa und den Vereinigten Staaten“. (Marx, 1953:458)

Diese Erste Adresse wurde in Paris als Flugblatt verteilt, ursprünglich aber von Karl Marx in London verfasst. Dieser Aufruf an das französische Proletariat ist in mehrere Punkte gegliedert. Seine erste Kernaussage ist, dass der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland

1 Internationales Bündnis von revolutionär-sozialistischen Arbeiterparteien und -organisationen, die sich durch ihre Inhalte und Ziele verbunden fühlten
2 Infolge der Bewerbung Preußens um den spanischen Thron sieht Frankreich seine Machtinteressen in Gefahr und fordert Preußen auf, die Thronfolge nicht anzutreten. Deutschland lehnt hab und es kommt zur Kriegserklärung von Seiten Frankreichs.

ein dynastischer Krieg ist, an dem das Proletariat nichts zu gewinnen hat und unterstreicht die Verantwortlichkeit des Kaiserreiches für das „Kriegskomplott vom Juli 1870“ (vgl. Marx,1953:459)

Die zweite Kernaussage erklärt das Prinzip der angestrebten auswärtigen Politik der Internationalen: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“( Marx,1953:461) Hinter diesem Satz steckt die Aussage, dass bei einem dynastischen Krieg nicht nur für fremde Interessen gekämpft wird, sondern der Proletarier auch gezwungen wird, seinen Bruder jenseits der Grenze zu töten.

Die dritte Kernaussage ist, dass Deutschland sich zwar in einem Verteidigungskrieg befindet: „Aber wer brachte Deutschland in den Zwang, sich verteidigen zu müssen? ...Bismarck war es, der mit demselben Louis Bonaparte konspirierte, um eine volkstümliche Opposition zu Hause niederzuschlagen und Deutschland an die Hohenzollerndynastie zu annexieren.“ ( Marx,1953:460)

Seine Auforderung ist klar: Englische, französische und deutsche Arbeiter, reicht euch die Hände, seid Brüder! Seine Voraussage für das Kaiserreich ist ebenso klar: „Was immer auch der Verlauf des Krieges Louis Bonapartes mit Preußen sein möge, die Totenglocke des zweiten Kaiserreiches hat bereits in Paris geläutet.“ ( Marx,1953:460)

Frankreich ist mit seinem Krieg nicht erfolgreich, Preußen macht mobil genau wie die süddeutschen Staaten, die mit Preußen einen Bündnisvertrag haben. Frankreich verhält sich in dieser Phase des Krieges passiv und wartet den deutschen Einmarsch ab. Es kommt zu schweren Gefechten, in denen sich die Franzosen als unterlegen erweisen, Kaiser Napoleon III. versucht persönlich, mit seiner Armee in das Geschehen einzugreifen. Bei diesem Versuch gerät aber der Kaiser mit der Hauptmasse der französischen Truppen bei Sedan am 1.September 1870 in Kriegsgefangenschaft. Die Kapitulation erfolgte einen Tag später, am 2. September, dem späteren Feiertag „Sedantag“. (vgl.Treue,1990:664)

Mit der Kapitulation der kaiserlichen Armeen ging der offizielle Krieg über in eine Art „Volkskrieg“. Während die Landbevölkerung die Nachricht von der Schlacht bei Sedan mit Fassung trug und die Deutschen auf dem Weg nach Paris nirgends auf Widerstand stießen, hatte Paris bereits am 4. September die Republik ausgerufen und eine eigene Regierung der nationalen Verteidigung eingesetzt. Den Parisern blieben zwei Wochen, um ihre Stadt in eine

Festung zu verwandeln:

„Die Tuileriengärten wurden ein Artilleriepark, der abgeholzte Bois de Boulogne eine Schafweide, aus Theatern wurden Lazarette, und auf dem Montmartre hob man in Erwartung kommender Dinge Massengräber aus. Auf dem Champs-Elysees kampierten Soldaten. Über dem Marsfeld, wo die aus den Bürgern rekrutierten Nationalgarden Schiessübungen abhielten, lag der Geruch von Salpeter. Draußen vor der Umwallung zwischen den Forts wurde Tag und Nacht geschanzt “ (Haffner,2003:86)

Die Nationalgarde stand in Paris mit 300 000 Mann bereit, sich gegen das Vorgehen der Deutschen zu wehren. Aber die Deutschen griffen Paris nicht an, sie schlossen die Stadt ein und versuchten, sie durch Belagerung auszuhungern, und die Pariser Regierung war sich nicht sicher, wie sie reagieren sollte.

Die Pariser Regierung war von den Liberalen gegründet worden: da war zum einen Jules Favre. Er hatte 1848 Bestimmungen in das Pressegesetz einfließen lassen, die jeden Angriff auf das Prinzip des Privatbesitzes verboten. Des weiteren Jules Simon, der in seinem Buch „Die Freiheit“ darüber schrieb, warum es Elend immer geben wird, und dann noch Léon Gambetta, der am 17. August in einer Gesetzgebenden Verhandlung eine schnelle Bestrafung für die Verantwortlichen einer unbedeutenden Bewegung im Volk gegen die Regierung geforderte hatte. (vgl.Lawrow,2003:45)

Diese Regierung war in sich zersplittert und wusste nicht was zu tun sei: den Volkskrieg abblasen und kapitu]lieren, kämpfen bis zum letzten Mann? Inwieweit gefährdet der Volkskrieg die bürgerliche Ordnung?

Am 9. September 1870 wird die Zweite Adresse von Karl Marx verfasst und wieder als Flugblatt im Namen des Generalrates der Internationalen in Paris verteilt. Karl Marx formuliert in seinem Text wieder Kernaussagen, die dem Proletariat in Paris die wahren Hintergründe für das geschichtliche Geschehen um sie herum erklären sollen. Seine Erste Kernaussage ist, dass die Forderung Preußens, Elsass und Lothringen abzutreten, eines der Urprobleme von Konflikten in Europa beschreibt. Er führt aus, dass die deutschen Patrioten, die den Anschluss suchen, sich auf verschiedene Quellen stützen, um zu zeigen, warum Elsass-Lothringen deutsch sein muss. Die erste Quelle ist die Idee des deutschen Bodens, weil Elsass-Lothringen doch einst zum Deutschen Reich gehörte. Er entkräftet diese Theorie mit einem Verweis auf die Preußische Geschichte und seine Eroberungen im Raum des heutigen Polens. Die Zweite Quelle ist die Preußische Forderung nach Sicherheit, um sich gegen Frankreich militärisch besser schützen zu können. (vgl.Marx,1953:465)

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Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640509270
ISBN (Buch)
9783640508969
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141905
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
2.0
Schlagworte
Bürgerkrieg Frankreich

Autor

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Titel: Der Bürgerkrieg in Frankreich 1871