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Geschlechtsspezifische Personenbezeichnungen: Deutsch - Englisch kontrastiv

Diplomarbeit 1998 290 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abkürzungsverzeichnis

0. Einleitung und Vorgangsweise der Untersuchung

1. Möglichkeiten der Sexusdifferenzierung im Deutschen im Vergleich zum Englischen
1.1. Möglichkeiten des Lexikons
1.1.1. Personenbezeichnungen in der Musik
1.1.2. Verwandtschaftsbezeichnungen
1.1.3. Andere Geschlechtswörter
1.2. Möglichkeiten der Wortbildung
1.2.1. Movierung
1.2.1.1. Die Maskulinmovierung im Deutschen
1.2.1.2. Die Maskulinmovierung im Englischen
1.2.1.3. Die Femininmovierung im Deutschen
1.2.1.3.1. Die -in-Ableitung
1.2.1.3.1.1. Die Basen der -in-Ableitung
1.2.1.3.1.2. Ausgeschlossene Basistypen
1.2.1.3.2. Andere Ableitungssuffixe
1.2.1.4. Die Femininmovierung im Englischen
1.2.2. Komposition bzw. compounding mit sexusdifferenzierenden Nomen oder Pronomen
1.2.2.1. Komposition mit sexusdifferenzierenden Nomen oder Pronomen im Deutschen
1.2.2.2. Compounding mit sexusdifferenzierenden Nomen oder Pronomen im Englischen
1.3. Möglichkeiten der Syntax
1.3.1. Artikel und artikelartige Pronomen
1.3.2. Sexusdifferenzierende Adjektive
1.3.3. Apposition von Anredeformen
1.3.4. Sexusdifferenzierende Pronomen im Kontext
1.4. Vermeidung von sexusdifferenzierenden Personenbezeichnungen
1.4.1. Metonyme
1.4.2. Metaphern
1.4.3. Fremdwörter als Personenbezeichnungen im Deutschen
1.4.4. Nicht sexusdifferenzierende Personenbezeichnungen

2. Untersuchungsergebnisse
2.1. Lexikon
2.1.1. Bezeichnungen in der Musik
2.1.2. Verwandtschaftsbezeichnungen
2.1.3. Geschlechtswörter
2.1.4. Lexikon total
2.2. Movierung
2.2.1. Derivationsmorphem -eur
2.2.2. Derivationsmorphem -ant/d, -ent/d
2.2.3. Derivationsmorphem -ast
2.2.4. Derivationsmorphem -ist
2.2.5. Derivationsmorphem -or
2.2.6. Derivationsmorphem -e
2.2.7. Derivationsmorphem -är
2.2.8. Derivationsmorphem -iker
2.2.9. Derivationsmorphem -er Land
2.2.10. Derivationsmorphem -er
2.2.11. Rest (Motion)
2.3. Verwendung der Movierungssuffixe
2.3.1. Maskuline Movierungssuffixe
2.3.2. Feminine Movierungssuffixe
2.4. Komposition
2.5. Fremdwörter
2.6. Vermeidung von sexusdifferenzierenden Personenbezeichnungen
2.6.1. Metonyme Oberhaupt - Hilfe - Kraft - Vorstand/Abstrakta/Kollektiva
2.6.2. Nicht sexusdifferenzierende Personenbezeichnungen
2.7. Gesamtergebnis

3. Anhang 1: Aufstellung der Beispiele
3.1. Untersuchungsjahr 1972
3.2. Untersuchungsjahr 1977
3.3. Untersuchungsjahr 1982
3.4. Untersuchungsjahr 1987
3.5. Untersuchungsjahr 1992

4. Anhang 2
Titelüberschriften 1972
Titelüberschriften 1977
Titelüberschriften 1982
Titelüberschriften 1987
Titelüberschriften 1992

5. Bibliographie

Vorwort

Durch eine Arbeit über die deutsche Movierung, die ich im Rahmen eines Seminars im Winter 1990 verfaßt habe, bin ich auf die Problematik der Sexusdifferenzierung in der deutschen Sprache aufmerksam geworden. Umso mehr als sich während meines Studiums der englischen Sprache deutlich zeigte, daß sich im Englischen, sicherlich bedingt durch das Fehlen eines grammatischen Genus, das Personenbezeichnungen einen maskulinen oder femininen Artikel zuordnet (wie z.B. im Deutschen) oder sie maskulinen oder femininen Flexionsklassen zuordnet (wie z.B. im Lateinischen), und weiters durch die äußerst geringe Verwendung movierender Suffixe, diese Problematik nur sehr begrenzt bzw. teilweise überhaupt nicht stellt. Ich spreche hier von der Problematik, die sich einerseits durch die Diskrepanz zwischen der Häufigkeit der tatsächlichen Anwendung geschlechtsabstrahierender Sprachelemente wie Movierungssuffixe, geschlechts-spezifische Lexeme, Komposita oder Syntagmen im realen Alltag eines/einer Deutsch-sprechenden und der eher geringen Bedeutung, der diesen sprachlichen Elementen in der Forschungsliteratur, vor allem in den Grammatiken[1], beigemessen wird, und andererseits durch die allgemeine Erkenntnis des Männlichen als männlich und der Notwendigkeit eines Weiblichen im Zuge der Emanzipation der Geschlechter in der deutschen Sprache ergibt. Gemeint ist damit nicht nur die weibliche Emanzipation, die eine sprachliche Gleichberechtigung von Frau und Mann unumgänglich macht, sondern auch die männliche.

Es ist mir bewußt, daß meine Arbeit nur ein kleiner Beitrag zum Thema Sexusdifferenzierung liefert und nicht die Referenzarbeit darstellen kann; dafür ist sie auch nicht gedacht. Wenn ich aber damit einen Anstoß zu weiteren, intensiveren Untersuchungen zu diesem Thema geben kann, so habe ich mein Ziel erreicht.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die mich bei den Vorbereitungen und bei der Arbeit selbst maßgeblich unterstützt haben:

Ass. Prof. Doz. Dr. Günter Lipold der Universität Wien, dessen Seminar den Anstoß dazu gegeben hat und der ihre Betreuung übernommen und beim Verlauf der Untersuchung und der Arbeit mit Rat und Hilfe zur Seite stand, trotz meines Umzuges nach Spanien; Dr. Mike Scott der Universität Liverpool für seine Unterstützung durch das Computerprogramm MicroConcord Kwick; den Angestellten der Universitätsbibliothek Wien, die mir durch verlängerte Magazinaufenthalte ermöglichten, meine Zeitungsuntersuchung innerhalb eines Monats (Juli 1993) abzuschließen; Marlene, die mich auf die Möglichkeit einer Ausarbeitung meiner Seminararbeit hingewiesen hat, Michael und Nicole für ihren freundschaftlichen Beistand und schließlich meinem Mann für die Finanzierung des Projekts und die moralische Unterstützung.

Alexandra Rösner

Gijón, im April 1998

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung und Vorgangsweise der Untersuchung

Der Terminus Emanzipation ist ein vielbenütztes Wort, mit dem vorsichtig umgegangen werden sollte, denn er wird gerne in einer Weise verwendet, das sprachlich eben genau das präsentiert, was der Begriff außersprachlich bekämpft, nämlich die geschlechtliche Diskriminierung, in diesem Fall die des männlichen. In dieser Arbeit wird der Begriff Emanzipation jedoch in seinem weitesten Sinne verstanden, und ich schließe mich deshalb der Definition von Webster's Encyclopedic Dictionary (1989) an, die genau das ausdrückt, was sie m. E. heißen soll, "freedom from political, moral, intellectual or social restraints offensive to reason or justice" (307, Sp.2). In seinem engeren Sinne und bezogen auf diese Arbeit bedeutet Emanzipation einfach das Übergreifen der Frauen auf bisher, in der westlichen Gesellschaft nur Männern zugängliche Lebensbereiche und vice versa. Ausgelöst durch die industrielle Revolution im 19. Jhd. und die damit verbundene Notwendigkeit der Frauenarbeit in den Fabriken[2] gewann die Frauenbewegung in den letzten 100 Jahren so an Bedeutung, daß eine sprachliche Veränderung im Deutschen unumgänglich wurde. In erster Linie davon betroffen sind Berufsbezeichnungen der vormals nur männlich bekleideten Berufe, die nun, da das Deutsche die grammatischen Mittel dazu bietet, weiblich umgeformt oder Begriffe überhaupt neu gebildet werden mußten. Wie aber oben schon erwähnt hat die Gesellschaft nicht nur eine Veränderung in den Lebensbereichen der Frauen akzeptiert, sondern auch in den der Männer, und somit sind die Benützer der deutsche Sprache vor ein weiteres, weitaus schwierigeres Problem gestellt, nämlich männliche Berufsbezeichnungen zu vormals weiblichen zu schaffen. Das ist schon grammatisch ein gewagtes Unterfangen, da die Norm in der deutschen Sprache feminin = maskulines Wort + feminines Motionssuffix ist, und nicht umgekehrt.

Inwieweit die sprachliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern[3] nun tatsächlich auf das Alltagsleben der einzelnen Sprecher der deutschen Sprache übergegriffen hat, welcher grammatischer oder semantischer Mittel sich Sprecher bedienen, um die Veränderungen sprachlich auszudrücken, und schließlich welche Tendenz sich in der deutschen Sprache zugunsten oder zuungunsten der sprachlichen Gleichberechtigung abzeichnet, möchte ich anhand meiner Arbeit zeigen.

Der erste theoretische Teil umfaßt eine Aufstellung und genaue Beschreibung der sprachlichen Möglichkeiten, die das Deutsche im Vergleich zum Englischen seinen Sprechern zur Unterscheidung des außersprachlichen Sexus von Personenbezeichnungen zur Verfügung stellt. Aufgrund des schon oben erwähnten Mangels an konkreter Literatur über diese Thematik, ganz zu schweigen von Untersuchungen der Alltagssprache[4], entschied ich mich, eine eigene Untersuchung durchzuführen, die daraus gewonnenen Daten zu beschreiben und die Ergebnisse im zweiten Teil dieser Arbeit vorzustellen. Dabei konzentrierte ich mich ausschließlich auf die deutsche Sprache, im speziellen auf den österreichischen Standard, und wählte als Untersuchungszeitraum die Jahre 1972 bis 1992. Um eine Untersuchung der Alltagssprache durchzuführen, ohne an die Sprecher selbst mit Fragebögen heranzutreten[5], eignet sich am besten das Medium der Tageszeitung. Ich entschied mich für zwei, vor allem im Wiener Stadtbereich sehr populäre, aber auch in ganz Österreich bekannte Tageszeitungen, die völlig verschiedene Personengruppen ansprechen und mir damit ein möglichst vielfältiges Vokabular der Alltagssprache bieten, Die Presse (DP) und die Kronenzeitung (Kr).[6]

Während der Vorbereitungen für die Untersuchung und auch später während der Untersuchung selbst war ich vor einige Probleme gestellt, wobei das Hauptproblem im wesentlichen die Zeit war. Ich mußte mich für eine Anzahl von Zeitungen pro Untersuchungsjahr entscheiden, die sowohl genügend sprachliches Material für die Untersuchung und Beschreibung lieferte als auch technisch von mir verarbeitet werden konnte. Weiters mußte das Untersuchungsjahr regelmäßig untersucht werden, um dem unterschiedlichen Wortschatz zu verschiedenen Zeitpunkten des Jahres aufgrund der verschiedenen Thematik der Meldungen gerecht zu werden. Ich entwarf deshalb ein Diagramm (Abb. 1), das meine Vorgangsweise während der Untersuchung demonstrieren soll:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Verteilung der Zeitungen auf die Untersuchungsjahre 1972 -1992

Für jedes Untersuchungsjahr wurden pro Zeitung drei Exemplare willkürlich von mir ausgewählt, jedoch, wie das Diagramm zeigt, regelmäßig im Zweimonatsmuster, sodaß im gesamten Untersuchungszeitraum jeder Monat pro Zeitung mindestens einmal aufscheint.

Jedes Exemplar wurde in seiner Gesamtheit untersucht, mit Ausnahme der redaktionellen Informationen, und, wenn vorhanden, in folgende Bereiche eingeteilt, die im Code Aufschluß über die Herkunft der jeweiligen Bezeichnung geben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Code z.B. Kr5.24.2.S.31a, der jede angegebene Personenbezeichnung begleitet, besteht aus dem Namen der Zeitung (Kr = Krone), dem Jahr (5 = das fünfte Untersuchungsjahr, also 1992), dem Datum (24.2.), der Sektion (S = Sport), der Seite (31) und der Artikelnummer (a), die willkürlich von mir zur Unterteilung der Seite in einzelne Artikel hinzugefügt wurde. Am Ende der Arbeit ist eine Liste der Artikelüberschriften in numerischer Reihenfolge für jedes verwendete Beispiel beigefügt. Beispiele, die nicht aus den oben genannten Zeitungen stammen, sind unmittelbar im Text zitiert.

Den Korpus bilden fünf Wortlisten zu je 4500 bis 7500 Personenbezeichungen, Wiederholungen miteingerechnet, d.h. pro Untersuchungsjahr eine Wortliste, bestehend aus allen Beispielen der Krone und der Presse. Es wurden Wörter aus folgenden Bereichen in den Korpus aufgenommen:

1. Nomen, die eine Personenbezeichnung darstellen und im Kontext tatsächlich eine oder mehrere Personen bezeichnen. Es handelt sich dabei um Wörter, die entweder definitiv eine männliche oder weibliche Person bezeichnen, gleichgültig ob es eine Entsprechung im anderen Geschlecht gibt, oder eine Person bezeichnen, deren Geschlecht durch die Bezeichnung selbst nicht bestimmt wird, z.B. das Kind, der Liebling. Ausgenommen sind dabei Personenbezeichnungen, die aus dem Kontext ersichtlich für Tiere, Pflanzen oder Gegenstände verwendet wurden, z.B. Der Hund ist des Menschen bester Freund.
2. Nomen, die im ursprünglichen Sinn keine Personenbezeichnungen darstellen, aber im Kontext als solche verwendet wurden. Wenn die sprachliche Situation nicht eindeutig war, wurde die Bezeichnung nicht in den Korpus aufgenommen, z.B. bei Titeln von Theaterstücken, Filmen oder Büchern.
3. Substantivisch gebrauchte Adjektive, z.B. die Schöne.
4. Zahlwörter, sofern sie Personen bezeichnen, z.B. Die glorreichen Sieben.
5. Akademische und aristokratische Titel, auch abgekürzt, sofern sie für Personen verwendet wurden.
6. Abstrakte Nomen, die keine Personenbezeichnung darstellen, aber dazu verwendet wurden, eine geschlechtsspezifische Personenbezeichnung zu vermeiden (siehe Kap. 1.4.).

Untersucht wurden nur Personenbezeichnungen in freier syntaktischer Verwendung, also keine Derivate oder Komposita mit Personenbezeichnungen, wie z.B. lehrerhaft, Arbeiterschaft.

Die Untersuchung der Zeitungen führte ich mit Hilfe eines Aufnahmegerätes durch, indem ich die von mir ausgewählten Zeitungsexemplare von der ersten bis zur letzten Seite durchlas und die für diese Arbeit relevanten Personenbezeichnungen in ihrem Kontext auf Kassette sprach. Diese Vorgangsweise ermöglichte mir, die Untersuchung innerhalb eines Monats (Juli 1993) abzuschließen, wobei ich sechs Stunden pro Tag lesend im Magazin der Universitätsbibliothek Wien verbrachte.

Der nächste und sehr zeitraubende Schritt war die Aufarbeitung des ermittelten Materials mit dem Computer, d.h. das Eintippen der auf Kassette aufgenommenen Texte in den Computer und die Erstellung der Wortlisten. Letzteres wurde mir wesentlich durch die Mithilfe eines englischen Kollegen, Dr. Mike Scott, erleichtert, der mir sein für linguistische und didaktische Zwecke entwickeltes Computerprogramm MicroConcord Kwick[8] (Keyword in context) zur Verfügung stellte. Nach diesen Vorbereitungen konnte ich, fast ein Jahr später, mit der eigentlichen Arbeit beginnen.

Die Untersuchung der englischen Sprache, die nur für den theoretischen Teil der Arbeit relevant ist, wurde aufgrund zeitlicher Probleme nur sehr begrenzt von mir durchgeführt. Ich konzentrierte mich dabei auf feminine Bezeichnungen, da diese im Englischen wesentlich weniger häufig vorkommen als im Deutschen, und auf geschlechtsneutrale Bezeichnungen im selben Zeitraum. Ich konnte dafür die Senate House Bibliothek in London im Juli 1992 benützen. Es standen mir jedoch nur Exemplare der Times und des Guardian zur Verfügung. Die englischen Bespiele für diese Arbeit wurden deshalb hauptsächlich aus Roget's International Thesaurus (1988) und aus der englischen Forschungsliteratur genommen.

1. Möglichkeiten der Sexusdifferenzierung im Deutschen im Vergleich zum Englischen

All Nouns the Male, or Female Gender have,

As Nature first to things the sexes gave.

James Shirley

Tatsächlich gab es seit den griechischen Grammatikern immer wieder vielfältige, mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, die Beziehung zwischen dem natürlichen und grammatischen Geschlecht (Sexus und Genus) zu beschreiben und vor allem die Entstehung des letzteren zu erklären. Nicht wenige sahen einen engen Zusammenhang zwischen Sprache und außersprachlichen sexuellen Charakteristiken, und sie gingen sogar so weit, den Ursprung der geschlechtlichen Differenzierung von Personenbezeichnungen in der Sprache in der Genesisgeschichte von der Erschaffung der Frau zu sehen.[9] Die These des Anthropologen Karl R. Lepsius (1880) versucht eine Verbindung zwischen der Erschaffung Evas durch Adams Rippe und der Bildung von femininen Personenbezeichnungen durch eine suffigierende Rippe, sprich Morphem, herzustellen. Das trifft zwar auf die Mehrzahl der femininen Bildungen zu, die durch Suffigierung aus maskulinen Formen entstanden ist, vernachlässigt aber sowohl die Möglichkeit der zwar eher seltenen maskulinen Movierung aus femininen Formen als auch sämtliche syntaktische und lexikalische Möglichkeiten zur Sexusdifferenzierung. Weiters wird auch die Bedeutung des Maskulinum als markierte Form unterschätzt. Auf frühere Darstellungsmodelle des grammatischen Maskulinums als aktiver Schöpfer und Geber und des grammatischen Femininums als bloßer Empfänger und Dulder des vom Maskulinum Gegebenen, nämlich als Metapher des sexuellen Geschlechtsverkehrs und der Zeugung, möchte ich nicht näher eingehen, denn auch diese Modelle konzentrieren sich auf die feminine Suffigierung und lassen sämtliche schon oben genannten anderen sprachlichen Möglichkeiten zur Sexusdifferenzierung außer Acht.

Die Sprache bietet, wie schon kurz genannt, eine Reihe von Möglichkeiten, Personenbezeichnungen nach dem natürlichen Geschlecht ihrer Denotate zu differenzieren, wobei dies in verschiedenen Bereichen eines sprachlichen Systems geschehen kann. Das Resultat ist jeweils dasselbe, es soll eine außersprachliche Wirklichkeit sprachlich erfaßt und in das vorhandene sprachliche System eingeordnet werden. Welche jedoch diese außersprachliche Wirklichkeit ist, hängt nicht allein von der biologischen Einteilung in 'männlich' und 'weiblich', sondern, gerade weil wir es hier mit Menschen und ihrer Kultur zu tun haben, zu einem großen Teil von den gesellschaftlichen Konventionen ab, denen sich die Sprecher zwangsläufig unterwerfen.[10]

Der deutsch- und englischsprachige Kulturkreis unterscheidet zwischen zwei natürlichen Geschlechtern (Sexus), die auf die biologische Einteilung in 'männlich' und 'weiblich' zurückgehen, und drei grammatischen Geschlechtern (Genus), die die Nomen maskulinen, femininen und neutralen Flexionsklassen unterordnen. Im Englischen werden die drei Genera nur noch durch die Personalpronomen der dritten Person Singular he, she und it repräsentiert. Im allgemeinen wird he für maskuline Personen, she für feminine Personen und it für Tiere, Pflanzen oder Dinge verwendet.[11] Durch die fast komplette Verkümmerung der pronominalen und adjektivischen Flexion in der neuenglischen Sprache seit dem Altenglischen, das ein dem heutigen Deutsch sehr ähnliches Genussystem besaß, und damit praktisch den Verlust der grammatischen Kategorie 'Genus', gibt es auch keine formale Genuskennzeichnung der Substantive und keine Möglichkeit, genusvariable Konstituenten zu bestimmen. (Gregor, 1983). Rein die Pronominalisierung eines Nomens durch ein Personalpronomen in der dritten Person Singular macht deutlich, ob es sich um eine männliche oder weibliche Person oder um ein Tier, eine Pflanze oder ein Ding handelt. Demzufolge kann eine Reihe von Nomen nicht nur durch ein, sondern auch durch zwei oder gar durch alle drei Pronomen pronominalisiert werden. Gregor (1983) begründet diese Möglichkeit des englischen Sprachsystems mit der Annahme, daß die Pronomen als Lexeme "mit geringer semantischer Intension" aufzufassen sind. Die Bildung von neuen maskulinen und femininen Begriffen im Zuge des Freiheitskampfes der Geschlechter wurde dadurch fast überflüssig. In der Umgangssprache, das ist die Sprache, die von Sprechern tatsächlich gesprochen wird, ergeben sich jedoch einige Abweichungen, vor allem die Position der Tiere ist nicht genau definiert.

Dagegen bietet das Deutsche ein striktes Drei-Genus-System. Alle drei Genera werden durch jeweils einen eigenen Artikel der, die oder das, durch die Deklination der Adjektive und Possessivpronomen nach dem Geschlecht in freier Verwendung oder nach einem unbestimmten Artikel und durch die Pronominalisierung anhand der Personalpronomen der dritten Person Singular er, sie und es repräsentiert. Jedoch gilt hier die einfache Rechnung er = maskulin, sie = feminin und es = Tier, Pflanze oder Ding nicht, denn die Pronomen repräsentieren das Genus, das als rein grammatisches System allen konkreten Nomen (Personen, Pflanzen, Tiere, Dinge) und abstrakten Nomen einen Genus zuordnet. Und trotzdem kann das Genus im Deutschen bei Personenbezeichnungen in den meisten Fällen als grammatischer Repräsentant des Sexus gesehen werden.

Eine weitere Komplikation ergibt sich aus der Verwendung der Personenbezeichnungen im Kontext. Tatsächlich ist das Geschlecht einer oder mehrerer Personen nicht immer von Bedeutung, und oft spricht man von beiden Geschlechtern zur selben Zeit, ohne das eine oder andere Geschlecht hervorheben zu wollen. Das Deutsche und Englische bieten zwar ein geschlechtsloses Genus, das Neutrum, es wird aber nur begrenzt dazu verwendet, Personenbezeichnungen geschlechtlich zu neutralisieren, oft dann, wenn es sich um eine noch nicht geschlechtsreife Person handelt z.B. das Kind, das Baby, und gar nicht, um beide Geschlechter gleichzeitig zu bezeichnen. Ein wesentlicher Grund dafür sieht Doleschal (1989) in unserer Unfähigkeit, sich eine Person als geschlechtslos vorzustellen, d.h. auch wenn das Geschlecht nicht relevant ist, fällt es uns relativ schwer, von einer Person zu sprechen, ohne dabei daran zu denken, daß sie ein Mann oder eine Frau ist. Dadurch wird verständlich, warum viele maskuline und feminine Personenbezeichnungen, vor allem in Lebensbereichen, in denen der Geschlechtsunterschied eine große Rolle spielt, z.B. im Bereich der Verwandtschaft und Familie, in vielen, nicht nur indogermanischen, Sprachen lexikalisch und nicht (nur) grammatisch unterschieden werden:

dt . Vater - Mutter,- engl. father - mother

dt . Sohn - Tochter,- engl. son - daughter

dt . Onkel - Tante,- engl. uncle - aunt

Einige der wenigen Wörter, die maskuline und feminine Personen gleichzeitig bezeichnen, sind auch hier zu finden, dt . Eltern und Geschwister, engl. parents und siblings.

So waren und sind die Sprecher vor allem der deutschen Sprache im Zuge der Gleichberechtigung der Geschlechter vor drei wesentliche Probleme gestellt:

1. Wie bildet man feminine Begriffe zu vorher nur männlich besetzten Tätigkeiten?
2. Wie bildet man maskuline Begriffe zu vorher nur weiblich besetzten Tätigkeiten?
3. Wie vermeidet man die ausdrückliche Hervorhebung des einen oder anderen Geschlechts in Situationen, in denen das Geschlecht unwesentlich ist?

Bei der Bildung von neuen Bezeichnungen müssen zwei wichtige Faktoren beachtet werden; einerseits die Möglichkeiten, die das sprachliche System zur Neubildung oder auch Schaffung von Wörtern bietet, und andererseits den Sprecher selbst, der aus diesen Möglichkeiten diejenige oder diejenigen wählt, die für ihn als Mitglied seiner Gesellschaft mit ihren sprachlichen Konventionen und Veränderungen am geeignetsten ist oder sind. Die Produktivität der sexusdifferenzierenden Möglichkeiten wird anhand der diachronen und synchronen Untersuchung im Kapitel 2 diskutiert. Wenden wir uns nun den sprachlichen Möglichkeiten, die das Deutsche und Englische ihren Sprechern und Sprachgemeinschaften bieten, zu. Bereits hier werden für die Möglichkeiten der deutschen Sprache die in der eigenen Untersuchung gefundenen Beispiele verwendet.

1.1 Möglichkeiten des Lexikons

Sämtliche Personenbezeichnungen, deren Sexusdifferenzierung und somit im Deutschen in den meisten Fällen Genuszuordnung durch die semantische Bedeutung des Wortes selbst erfolgt, gehören in den Bereich des Lexikons. Eine Reihe von geschlechtsspezifischen Wörtern hat natürlicherweise keine Entsprechung im anderen Geschlecht, z.B. der Baritonist, die Amme, wobei maskuline oder feminine Suffixe vorhanden sein können, die die Begriffe dem entsprechenden Genus zuordnen. Diese Wörter bezeichnen eine Person, die aufgrund körperlicher männlicher oder weiblicher Merkmale imstande ist, Tätigkeiten durchzuführen, Gefühlszustände zu erleben und/oder sich in Situationen zu befinden, die unmittelbar mit der semantischen Bedeutung des Wortes selbst in Beziehung stehen; einer Person des anderen Geschlechts ist das verwehrt.

1.1.1 Personenbezeichnungen in der Musik

Im Bereich der Musik wird der Sänger oder die Sängerin oft nach seiner oder ihrer Singstimme benannt. So bedeutet engl. bass (Collins, 122,1) nicht nur die tiefste männliche Singstimme, sondern auch den Sänger, der diese Stimme hat. Dasselbe gilt für engl. tenor (ebd, 1497,2) engl. baritone (ebd, 117, 2), engl. alto (ebd, 42,1) oder engl. contralto (ebd, 326,2) und engl. soprano (ebd, 1388,2). Da die Benennung des Sängers oder der Sängerin nach seiner oder ihrer Singstimme erfolgt und diese aufgrund der Zugehörigkeit zum männlichen oder weiblichen Geschlecht verschieden ist, enthält die Personenbezeichnung automatisch die Information [+mask] oder [+fem] und es können keine Entsprechungen für das andere Geschlecht gebildet werden.

Im Deutschen gibt es neben der Bezeichnung der Stimme meist auch eine davon abgeleitete Personenbezeichnung auf - ist bzw. - istin: Baß und Bassist, Bariton und Baritonist, Tenor und Tenorist, Sopran und Sopranistin. Jedoch können beide Bezeichnungen nebeneinander für Personen verwendet werden, wobei die Stimmbezeichnung wesentlich gebräuchlicher ist als die echte Personenbezeichnung. Während meiner Zeitungsuntersuchung fand ich kein einziges Mal die Ableitung auf - ist und nur viermal auf - istin, während die Stimmbezeichnung gleichermaßen als Bezeichnung für die Stimme und den Sänger mehrmals vorkommt.[12] Eine Ausnahme bildet Bassist, denn er kann sowohl den Sänger als auch den Spieler des Kontrabasses bezeichnen. Demzufolge ist unter der letzten Bedeutung auch eine Bassistin möglich und die Bezeichnung des Spielers fällt damit unter Wortbildung.

Eine genauere Untersuchung verlangt die Bezeichnung dt. Sopranistin. Hier stellt sich die Frage, ob Sopranistin tatsächlich als Lexem aufzufassen ist, oder ob nicht etwa eine Ableitung aus einer maskulinen Bezeichnung zugrundeliegt. Die Stimmbezeichnung Sopran wird im Duden (DuFr, 1982) zwar als "höchste Stimmlage von Knaben und Frauen" (ebd., 714, 3) beschrieben, die Personenbezeichnung Sopran wird aber nur als "Sopransängerin" (ebd., 714, 3) definiert, während Sopranist (ebd., 714, 3) den "Sänger (meist Knabe) mit Sopranstimme" und Sopranistin (ebd., 714, 3) wiederum die "Sopransängerin" darstellen. In der Fachliteratur wird Sopran jedoch gleichermaßen für Knaben als auch für Frauen verwendet. So schreibt Robert King (1991) in seinem Aufsatz über "Henry Purcell. Sämtliche Kirchenmusikwerke - Teil 1" über das Lied 'Nymphs and and shepherds come away', daß es "[...] von dem berühmten Knabensopran Jemmy Bowen gesungen wurde."[13] Im Englischen Original verwendet King jedoch die Bezeichnung treble, die nach Webster (1989) "of or for a soprano, esp. (Br.) a boy soprano" (ebd., 1051, 3) steht. Andrew Parrott (1988) unterscheidet in seinem Begleittext zu John Taverners "Missa Gloria Tibi Trinitas"[14] zwei verschiedene Knabenstimmen, engl. treble und engl. mean. Ersteres bezeichnet den Sänger mit hoher und zweiteres den Sänger mit tiefer Knabenstimme. In der deutschen Übersetzung von Eckhardt van den Hoogen (1988) werden beide Bezeichnungen im Original beibehalten, dt. Treble und dt. Mean, wobei Mean eher als maskuline Äquivalente des Alt als des Sopranes gesehen wird.

Aus dieser zweideutigen, einerseits femininen und andererseits maskulinen, Verwendung der Bezeichnung Sopran, der zudem noch das maskuline Genus zugeordnet ist, läßt sich eine Notwendigkeit zur Bildung einer maskulinen und daraus einer femininen Bezeichnung, Sopranist und Sopranistin, einfach erklären. Offenbar empfinden aber Fachleute im Bereich der Musik diese Notwendigkeit nicht als absolut, denn, wie schon oben erwähnt, wird Sopran ohne jede Bedenken einmal für eine Frau und ein anderes Mal für einen Knaben verwendet. Hat man die Chance, eine große Anzahl von Compact Disks durchzusehen, wird man feststellen, daß alle oben diskutierten Bezeichnungen, mehr oder weniger oft, vorkommen.

Eine weitere Bezeichnung aus dem Bereich der Musik erscheint auch eher ambig, die tiefe weibliche Stimme Alt. Ursprünglich wurde diese Bezeichnung für "eine hohe Männerstimme" (Kluge, 22, 1) verwendet. Erst als auch Frauen Solistenrollen übernehmen konnten, bezeichnete Alt eine, allerdings tiefe, Frauenstimme. Trotzdem blieb die hohe männliche Stimme speziell in barocker Musik erhalten und wird heute sehr unterschiedlich bezeichnet. In Horst Leuchtmanns deutscher Übersetzung des Aufsatzes "A Fine Entertainment" von Donald Burrows (1988) findet sich die seltene Unterscheidung von Alt als Gattungsbezeichnung und Altist bzw. Altistin als Artbezeichnung.[15]

Die Arie "He shall feed his flock like a shepherd" [...] besetzte Händel des öfteren ganz unterschiedlich: Manchmal wurde beides von einem Sopran gesungen, manchmal von einem Altisten oder einer Altistin, und dann wieder teilte er die Nummern zwischen den beiden Stimmlagen auf. (30)

Im selben Begleitheft erstaunt bei der Auflistung der Sänger auf der ersten Seite die Bezeichnung der weiblichen Altstimme als Alt und die der männlichen als Altus. Der männliche Sänger, der etwa dem weiblichen Alt entspricht, wird meist auch dt. Countertenor, aus dem gleichnamigen englischen Terminus, oder eingedeutscht (Falsett-)Kontratenor (van den Hoogen, 12) genannt. Dem modernen Kontratenor entsprach im 17. und 18. Jhd. dt. Kastrat oder engl. castrato, ein in der Jugend entmannter und daher mit Knabenstimme singender Sänger. (ebd., 387, 2).

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Personenbezeichnungen Tenor, Bariton, Baß, Treble, Mean und Kontratenor bzw. Countertenor eindeutig nur männliche Personen bezeichnen, sowie Mezzosopran eindeutig nur eine weibliche Person bezeichnet. Demgegenüber stehen Sopran und Alt, die sowohl männliche als auch weibliche Personen bezeichnen können. Die Bezeichnungen Sopranist und Sopranistin, Altist bzw. Altus und Altistin müssen deshalb als movierte[16] Bildungen gesehen werden, während Tenorist, Baritonist und Bassist (den Sänger bezeichnend) Lexeme darstellen.

Im Englischen, ähnlich wie im Deutschen, stellen countertenor, treble, mean, tenor, baritone und bass eindeutig männliche Personen und mezzosoprano bzw. contralto eindeutig weibliche Personen dar. Soprano und alto hingegen bezeichnen gleichermaßen männliche und weibliche Personen.

1.1.2 Verwandtschaftsbezeichnungen

Ein Lebensbereich, in dem die Geschlechtsabstrahierung eine wesentliche, auch kulturelle Bedeutung hat, ist der Bereich der Verwandtschaft und Familie. Der in einer Gemeinschaft lebende Mensch ist bestrebt, seine engste Umgebung, seine Verwandtschaft und Familie, in männliche und weibliche Personen einzuteilen und daraufhin in Beziehung zu sich zu benennen. Je nachdem, welche Gesellschaftsordnung in dieser Gemeinschaft besteht und welche Prioritäten die einzelnen Geschlechter innehaben, ist die weibliche oder männliche Verwandtschaft mehr oder weniger bedeutend, oder beide gleichbedeutend, was großen Einfluß auf die Rollen der einzelnen Familienmitglieder im Familienverband und ihre Benennung hat. So änderten sich im Laufe der Zeit nicht nur die Gesellschaftsordnung und damit die Beziehung der in einer Gemeinschaft lebenden Menschen zueinander, sondern natürlicherweise auch die Benennungen der Familienmitglieder.

Im Deutschen hat sich die Benennung der Verwandtschaft den heutigen kulturellen und sozialen Gegebenheiten angepaßt, was eine starke Vereinfachung der ursprünglichen Bezeichnungen zur Folge hatte. Viele Bezeichnungen wurden entweder durch Entlehnungen ersetzt, dt. Onkel, oder durch Komposition von schon vorhandenen neu gebildet, dt. Großvater. Einige, die aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen überflüssig geworden waren, sind verloren gegangen, dt. Ohm, oder erlebten eine Bedeutungsveränderung, dt. Base. Ein wesentliches Merkmal der modernen Verwandtschaftsbezeichnungen im Deutschen ist die völlige Aufhebung der Einteilung in Verwandtschaft mütterlicherseits und väterlicherseits und damit die Gleichbehandlung der mütterlichen und väterlichen Verwandtschaft. Dasselbe gilt auch für das Englische.

Anhand der Abbildungen 2, 3 und 4 werden die Verwandtschaftsbezeichnungen der deutschen, englischen und lateinischen Sprache miteinander verglichen. Letztere besitzt aufgrund des Erbrechts der römischen Gesellschaft, das für die väterliche und mütterliche Linie einen verschiedenen Status vorsieht (Pelz, 189), eigene Bezeichnungen für die mütterliche und väterliche Verwandtschaft. Es folgt eine kurze Diskussion aller geschlechtsspezifischer Lexeme und deren Herkunft als auch derer, die durch die Veränderungen verloren gingen oder eine Bedeutungswandlung durchgemacht hatten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Während die Geschwister der Mutter und die des Vaters im Lateinischen aus dem schon oben genannten Grund mit verschiedenen Wörtern bezeichnet wurden, matertera und avunculus für die Geschwister der Mutter und amita und patruus für die Geschwister des Vaters, ist diese Unterscheidung für das moderne Deutsch hinfällig geworden. Wo die Sachunterscheidung bedeutungslos geworden ist, mußte es zwangsläufig auch die sprachliche Unterscheidung werden. Da die romanischen Völker keine Unterscheidung in mütterliche und väterliche Linie mehr kannten, behalf sich das Deutsche mit Entlehnungen aus dem Französischen, um die leer gewordenen Stellen neu zu besetzen. Im 18. Jahrhundert wurden frz. oncle und tante zunächst in französischer Form ins Deutsche übernommen. So ersetzten der Onkel den Oheim 'Mutterbruder' und Vetter 'Vaterbruder', und die Tante die Muhme 'Mutterschwester' und Base 'Vaterschwester'. (Kluge, 517, 1 und 721, 1). Aus dem modernen Sprachgebrauch sind Oheim und Muhme völlig verschwunden, aber Vetter und Base sind heute in der Bedeutung von Cousin bzw. Cousine vorhanden. Die Base bezeichnet in seltereren Fällen auch die Nichte oder einfach eine 'entfernte weibliche Verwandte'. (Kluge, 62, 2).

Die englische Bezeichnung uncle ist schon seit dem 13. Jhd. belegt (OED, 86, 2ff) und ist vom afrz.-mfrz. oncle beeinflußt, das eine Kurzform des lateinischen auunculus lit. 'kleiner Großvater' darstellt (Skeat, 679, 1). Das engl. aunt ist ebenfalls vom Altfranzösischen beeinflußt, afrz. ante, welches vom lat. amita herzuleiten ist. (Kluge, 721, 1). Im modernen Englisch wie im modernen Deutsch können engl. uncle bzw. dt. Onkel sowohl Verwandte als auch nicht-verwandte Personen bezeichnen. Es ist für Kinder durchaus üblich, einen Freund der Familie, vor allem einen älteren Mann, mit 'Onkel' anzusprechen. Jedem ist die kindliche Anrede eines Hausarztes bekannt, den der Kindermund vom Herrn Doktor zum Onkel Doktor macht. Ähnliches gilt für dt. Tante, und nicht selten werden sogar völlig fremde Personen mit 'Onkel' oder 'Tante' angesprochen. Im Slang steht engl. uncle auch für 'Pfandleiher'.

So wie gemeinsame Begriffe für Oheim und Vetter, Muhme und Base notwendig wurden, wurden sie auch für deren Kinder. Die lateinischen Begriffe consobrini 'Geschwisterkinder mütterlicherseits' und amitini bzw. patrueles 'Geschwisterkinder väterlicherseits' werden im Deutschen seltener durch Vetter und Base aber häufiger durch die französischen Entlehnungen Cousin und Cousine bzw. Kusine zusammengefaßt. Im Englischen gibt es nicht einmal mehr eine Sexusdifferenzierung, hier reicht die französische Entlehnung cousin für beide aus. In beiden Sprachen bezeichnen dt. Cousin/e oder Kusine bzw. engl. cousin auch entfernt verwandte Personen.

Wie Abb. 4 zeigt, ist im Lateinischen offensichtlich keine Unterscheidung zwischen 'Geschwistersohn' und 'Kindessohn' notwendig, denn beide werden mit demselben Wort nepos bezeichnet; die Geschwistertochter wird gar nicht bezeichnet. Im Deutschen und Englischen jedoch wird die ursprünglich ambige Bedeutung von ig. * nepot, 'Geschwister- und Kindessohn', auf die Bedeutung von 'Geschwistersohn' allein beschränkt, in welcher sie heute in dt. Neffe und engl. nephew erhalten ist. (Kluge, 500, 2). Daneben entwickelte sich aus idg. * nepti ¶, ursprünglich nur in der Bedeutung von 'Kindestochter', später dann auch 'Geschwistertochter', das heutige dt. Nichte und engl. niece.

Für die nun unbenannten 'Kindeskinder' suchen das Deutsche und Englische auf verschiedene Weise neue Bezeichnungen. Ein vielbegangener Weg ist, das Verwandtschaftsverhältnis gleichsam von der anderen Seite her zu betrachten, und die Verwandtschaftsbezeichnung vom Vertreter der älteren Generation auf den der jüngeren Generation zu übertragen, indem zum schon bestehenden Begriff ein Diminuitiv gebildet wird. Aus ahd. ano 'Ahn' wird spahd. eniklin, enichlin und daraus dt. Enkel bzw. fem. Enkelin. Im Englischen wird wie bei grandfather und grandmother die Methode der Komposition angewandt, und es entstehen grandson bzw. granddaughter und grandchild bzw. grandchildren.[17]

Die Bildungen dt. Großvater und Großmutter, engl. grandfather und grandmother sind seit dem 14. Jahrhundert bezeugt und offenbar vom Französischen dieser Zeit beeinflußt. Diese semantisch sehr klare und verständliche Bildungsart fand wahrscheinlich aufgrund der deutlichen geschlechtlichen Differenzierung in Maskulinum und Femininum eine so rasche Verbreitung nicht nur im Deutschen und Englischen sondern auch im Niederländischen. (Kluge, 280, 1) Ersetzt wurde im Deutschen Ahn, wobei die Sexusdifferenzierung im Nachhinein noch eingeführt wurde, entweder durch Ableitung, mask. Ahne und fem. Ähnin, oder durch Komposition mask. Ahnherr und fem. Ahnfrau. Nach der Einführung von Großvater und Großmutter erfuhr Ahn eine Bedeutungserweiterung, nämlich Vorfahre, und ist in dieser Bedeutung, nur auf das Deutsche beschränkt, noch in der modernen Sprache erhalten. (Kluge, 14, 1).

Die unmittelbare Verwandtschaft, dt. Vater und Mutter, Sohn und Tochter, Bruder und Schwester bzw. engl. father und mother, son und daughter, brother und sister hat wohl die wenigsten Bedeutungsveränderungen erlebt. Die Existenz der Bezeichnungen wird schon im Indogermanischen in der heutigen Bedeutung angenommen. Neben der biologisch-verwandtschaftlichen Bedeutung dieser Bezeichnungen gibt es in der modernen Sprache einige davon abgeleitete Bedeutungen. So finden wir dt. Mutter und engl. mother in der Bedeutung von Essigmutter oder mother of vinegar, und dt. Mutter auch in der Bedeutung von Schraubenmutter, wobei nur letztere direkt auf Mutter zurückzuführen ist. Sie beruht auf einer sexuellen Metapher; man stellt sich dabei wohl die Gebärmutter oder den weiblichen Geschlechtsteil vor, wie das auch der Fall ist, wenn man vom weiblichen und männlichen Steckerteil spricht. (Kluge, 494f). In manchen Dialekten kann Mutter, speziell in der Diminuitivform, 'alte Frau' heißen. In meiner Variante des Deutschen ist es üblich, eine ältere, zarte Frau liebevoll als 'Müatale' zu bezeichnen.

Eine zweite Bedeutung hat Tochter, vor allem in der Schweiz. Sicherlich beeinflußt vom französischen fille heißt Tochter auch einfach Mädchen, wie z.B. in Saaltochter 'Serviermädchen' oder Töchterschule 'Mädchenschule'. (Kluge, 731, 1). Das englische daughter kann einerseits einen 'weiblichen Abkömmling', andererseits 'eine weibliche Person eng verbunden mit einer bestimmten Umgebung', z.B. a daughter of the church, oder 'eine weibliche Person eines bestimmten Landes etc.' bezeichnen. (Collins, 380, 1). In derselben Verwendung findet man auch dt. Tochter, dt. Sohn und engl. son.

Bruder und Schwester können sehr vielfältige Bedeutungen haben. Abgesehen vom allgemeinen religiösen Verständnis von Bruder und Schwester als Kinder Gottes, werden beide auch als Anrede oder Bezeichnung für eine in den Orden aufgenommene Person verwendet. Es ist üblich z.B. von einem 'Bruder Thomas' oder einer 'Schwester Maria' zu sprechen, wenn beide einem Orden angehören. In derselben Verwendung finden wir auch engl. brother und sister. Schwester im Sinne von Krankenschwester ist ebenfalls eine Anrede oder Bezeichnung, z.B. in "Schwester Monika verlangen." (Kr4.1.9.L.8a).

Geht man vom zwischenmenschlichen Verwandtschaftsverhältnis auf ein evolutionsbiologisches, d.h. das Verwandtschaftsverhältnis zwischen den existierenden Tiergattungen, dann bezeichnet Bruder eine gesamte Gattung, wie in "'Bruder Affe' hochintelligent, zeigt Fähigkeiten zum Erkennen und Denken, wie sie [...] ausschließlich dem Menschen zugeschrieben wurde." (Kr4.11.5.R.20/21a). In diesem Fall ist das nahe Verwandtschaftsverhältnis zwischen Mensch und Affe gemeint, und es wäre somit auch eine Anrede 'Bruder Mensch' möglich, was Bruder hier wieder zur Personenbezeichnung macht.

Die Bezeichnungen der Heiratsverwandtschaft mußten sich im Laufe der Zeit großen Veränderungen unterwerfen. Ursprünglich lexikalische Begriffe sind sie heute sowohl im Deutschen als auch im Englischen reine Kompositionsbildungen. Im Englischen haben sich die Bildungen der in-laws durchgesetzt, und im Deutschen ist von der ursprünglichen Vielfalt nur noch Schwieger erhalten, und auch das nur in Kompositionen. Die deutschen Erbwörter sind heute noch vereinzelt in Dialektgebieten vorhanden; so existieren im Schwäbischen und Hessischen der Begriff Schwieger noch in seiner eigentlichen Bedeutung, 'Schwiegermutter', und das dazugehörige Maskulinum Schwäher 'Schwiegervater'. (AtDS, 169, 1). Ebenso hielten sich die Erbwörter für 'Schwiegertochter', Schnur, und 'Schwiegersohn', Eidam, in mitteldeutschen Restgebieten. (AtDS, 169, 2). Wesentliche Gründe, warum die alten Erbwörter im Aussterben begriffen sind, sind die Einfachheit und Disambiguität der Kompositionen mit Schwieger -. Die Existenz des Schwagers, seit dem Ahd. belegt, brachte zusätzliche Unterscheidungsprobleme, speziell in Dialekten, wo intervokalisches g ein Frikativ geworden ist, und man somit [Schwiher], [Schwäher] und [Schwaher] spricht. (AtDS, 171, 1). Im Lateinischen gibt es keine Wörter für Schwager und Schwägerin, sie müssen umschrieben werden, z.B. mit 'Ehefrau des Bruders' uxor fratris oder 'Schwester der Ehefrau' soror uxoris, was im Deutschen einfach aber auch mehrdeutig Schwägerin und im Englischen sister-in-law heißt.

1.1.3 Andere Geschlechtswörter

Eine große Gruppe von Personenbezeichnungen, die das natürliche Geschlecht der gemeinten Person durch die semantische Bedeutung des Wortes selbst ausdrücken, bilden die Geschlechtswörter. Sie umfassen sowohl die Gruppe der musikalischen Bezeichnungen als auch die der Verwandtschaftsbezeichnungen (siehe Kap. 1.1.1. und 1.1.2.) und daneben mehrere kleinere Gruppen von Bildungen verschiedenster Herkunft und Bedeutung bzw. sprachlicher Register. Viele dieser Bildungen haben keine Entsprechung im anderen Geschlecht und wenn ja, dann sind die Rollen der männlichen und weiblichen Personen oft anders definiert. Femininmovierungen, die in ihrer Bedeutung vom Maskulinum abweichen, sind hier ebenfalls aufgenommen. Die Bildungen lassen sich in folgende Untergruppen einteilen:

1. Bezeichnungen geschlechtsspezifischer Berufe, Rollen oder Charakteristiken:

Einige Berufe oder soziale Rollen sind nur Personen entweder des weiblichen oder des männlichen Geschlechts vorbehalten. Es handelt sich hierbei um Funktionen, die unmittelbar mit den körperlich weiblichen oder männlichen Merkmalen der betreffenden Person oder der ihr durch die gesellschaftlichen Konventionen zugeteilten Position zu tun haben. Das Genus der Bezeichnungen muß nicht unbedingt mit dem Sexus übereinstimmen. Hier wiederum lassen sich die Bezeichnungen zu mehreren Themen zusammenfassen:

(1) Träger religiöser Rollen: Die hier genannten Bezeichnungen sind jeweils nur für das weibliche oder männliche Geschlecht verwendbar wie Alttestamentler (DP3.1.6.P.2a), Bischof (DP2.3.1.P.2c), Eremit (Kr2.12.7.AW.27a), Exorzist (Kr2.21.11.K.25a), Hochwürden (DP2.15.9.K.11b), Imam (Kr2.21.11.P.4a), Jesuit (DP3.1.6.P.2a), Jesuitengelehrte (DP3.24.2.Re.3b), Jesuitenpaters (DP3.24.2.Re.3b), Jünger (DP2.3.1.K.5f), Kardinal (DP2.3.1.T.d), Karäer (DP3.11.10.K.4g), Karmelitin (DP3.11.10.Ta.8b), Messias (Kr3.5.4.S.35a), Minoritenpater (DP3.11.10.Ta.8b), Mönche (DP3.24.2.K.5c), Monsignore (Kr2.21.11.L.10a), Nonne (Kr2.21.11.K.25a), Novizin, Papst (Kr2.21.11.L.10a), Pater (DP2.23.5.T.e), Rabbi (Kr1.2.10.P.3d), Vikar (DP3.24.2.Re.3b), Weihbischof (DP2.15.9.I.4k) etc. Auch die englischen Übersetzungen werden in derselben Weise verwendet wie die deutschen Beispiele, z.B. nun, pope, monk, bishop, novice, cardinal, vicar etc.

(2) Träger militärischer Rollen: Diese sind im Deutschen meistens maskulin zu interpretieren, v.a. wenn es sich um historische militärische Bezeichnungen handelt, obwohl es heute schon einige Frauen im militärischen Bereich gibt (vgl. ehemalige DDR). Eine Femininmovierung wird deshalb, obwohl morphologisch möglich, selten durchgeführt. Zu den Beispielen zählen Admiral (DP3.1.6.Re.3b), Aliierten (DP3.11.10.Re.3c), Befehlshaber (DP2.15.9.P.2j), Berufssoldaten (DP3.11.10.Re.3b), Brigadier (DP3.1.6.L.7a), Colonel (Kr3.5.4.K.40a), Commandante (DP3.24.2.Re.3a), Divisionär (DP3.24.2.I.4d), Fretilin-Guerillas (DP2.23.5.P.2j), General (DP2.15.9.I.4i), Generalleutnant (DP3.24.2.P.2e), Generalmajor (DP3.24.2.Ta.12c), Generalprokurator (DP3.1.6.L.7a), Gladiatoren (DP2.15.9.K.11b), Guerilleros (DP2.15.9.P.2b), Infanterist (Kr3.17.8.AW.31b), Khmer (DP3.24.2.P.2j), Leutnant (Kr2.21.11.K.12a), Major (Kr3.17.8.L.9b), Marineoffizier (DP3.1.6.Re.3b), Militärgouverneur (Kr3.5.4.P.2/3d), Militärs (DP2.23.5.P.2j), Milizsoldaten (DP3.11.10.Ta.8e), Oberst (Kr2.12.7.L.7c), Oberstleutnant (DP3.11.10.Re.3b), Offizier (Kr2.1.3.K.18a), Ordensgeneral (DP3.24.2.Re.3b), Präsenzdiener (DP2.23.5.Ta.10f), Rebell (Kr3.5.4.K.40a), Rekruten (DP2.15.9.P.2b), Ritter (Kr3.17.8.K.24a), Rotbrigadisten (DP3.1.6.Ta.8d), Soldaten (DP2.15.9.I.4i), Söldner (Kr3.17.8.K.24a), Unteroffiziere (DP2.3.1.L.4c), Wachen (Kr2.1.3.P.3a), Zenturio[18] (Kr3.23.12.K.16c).

(3) Berufe, Rollen und Titel im allgemeinen: Im Deutschen gehören zu den femininen Bezeichnungen Amme, alte Jungfer, Bordelline, Lazarine, Dame, Glücksfee (Kr1.11.2.K.18/19a), Bardame (Kr2.1.3.AW.26a), Blondine (Kr2.21.11.AW.30a), Braut (DP2.3.1.K.4h), Brünette (Kr2.1.3.A.4c), Diplomkrankenschwester (Kr2.12.7.L.7a), Empfangsdame (Kr2.21.11.K.32c), Fotomodelle (Kr2.1.3.A.4c), Frühlingsbraut (Kr3.5.4.L.6a), Hosteß (DP2.3.1.T.f), Jungfrau (DP2.3.1.L.10n), Krankenschwester (Kr2.12.7.AW.25a), Koren (Kr3.23.12.AW.31a), Mägde (Kr2.12.7.K.13a), Maiden (Kr2.12.7.L.6c), Mannequins (DP2.15.9.Ta.12i), Matrone, Modell (Kr2.1.3.AW.29b), Muse (Kr2.21.11.K.26b), Primadonna (DuFr, 621, 2), Primaballerina (DuFr, 621, 2), Soubrette (DP2.3.1.K.5h), Supermodell (Kr2.21.11.A.5a), Waldnymphen (Kr2.21.11.K.16a), Weib (Kr2.12.7.K.20a), Draxl-Dirndln (Kr3.17.8.K.36a), Menscherln (DP3.24.2.K.5b), Musen (Kr3.23.12.L.6a), Sphinx (Kr3.5.4.K.23a), Zofe (Kr3.17.8.AW.32a) etc. Auch einige Fremdwörter werden unverändert aufgenommen wie Miß (Kr2.12.7.L.6c), Lady (DP3.1.6.Ta.8g), Mylady (DP2.23.5.Ta.10c), Señoritas (Kr2.21.11.K.16a), Signora (DP2.3.1.L.10a). Folgende Bezeichnungen sind maskulin und können aus semantischen oder morphologischen Gründen nicht feminin moviert werden: Amokschütze (Kr2.1.3.L.9c), Amor (Kr2.21.11.K.16a), Barbier (Kr2.21.11.K.16a), Barden[19] (Kr3.5.4.L.10a), Bayern-Kapitän (DP2.23.5.S.6e), Bösewichte (DP2.23.5.K.5g), Bräutigam (Kr2.12.7.K.16a), Bub (DP2.23.5.Ta.10e), Bursche (Kr2.21.11.L.6b), Butler (DP2.23.5.Ta.10c), Cafetier (DP3.11.10.L.7a), Captain (DP2.3.1.L.10n), Champion (Kr2.1.3.S.32g), Clown (DP2.23.5.Ta.10d), Coach (DP2.23.5.S.7b), Colts (Kr2.1.3.S.35e), Commendatore (DP2.15.9.S.6c), Conferenciers (DP2.15.9.Ta.12i), Diskjockey (Kr3.23.12.AW.26a), Eishockeycracks (Kr3.5.4.K.14c), Exkeeper (DP3.11.10.S.5i), Fähnrich (Kr3.5.4.P.3c), Flugpioneer (DP2.23.5.Ta.10b), Halunke (Kr2.12.7.K.20a), Hofrat (DP2.15.9.I.4l), Honorarkonsul (DP2.23.5.K.4l), Hoteliers (DP2.15.9.I.4b), Hufschmied (DP2.3.1.Re.3c), Jüngling (DP2.15.9.K.5e), Kapitän (DP2.15.9.S.6g), Kerl (Kr2.1.3.P.4a), Knecht (Kr2.12.7.K.19c), Konsul (DP2.23.5.P.2j), Libero (DP2.15.9.S.6a), Liebhaber (DP2.23.5.K.5g), Lord (DP2.15.9.S.6h), Matador (Kr2.21.11.K.16a), Mister (Kr2.21.11.K.25a), Ombudsman (Kr2.12.7.L.8/9c), Referee (Kr2.21.11.S.38a), Routinier (DP2.15.9.S.6h), Rowdies (DP2.23.5.K.4k), Schah (Kr2.12.7.P.3a), Schmiede (Kr2.12.7.AW.22a), Schurken (DP2.23.5.K.5g), Stimmprotz (DP2.15.9.K.5g), Stockbursche (Kr2.12.7.AW.21a), Superbandit (Kr2.21.11.K.26b), Weidmänner (Kr2.21.11.K.13b), Wunderknabe (Kr2.12.7.A.6a), Zechkumpanen (Kr2.12.7.L.7d), Zeitungszar (DP2.3.1.L.10i), Bengel (Kr1.2.10.Re.19a), Bösewicht (Kr1.11.2.K.26a), Bürschchen (Kr1.26.6.K.17a), Engel[20] (DP3.24.2.K.11g), Doye (DP1.5.4.KR.3a), Heros (DP1.19.10.Re.3a), Herr, Matrose (DP1.5.4.K.11d), Menestrel (Kr1.11.2.K.17A), Musketier (Kr1.2.10.K.23a), Rüpel (Asterix & Maestria, 35), Pascha (DP1.14.7.K.5e), Patriarch, Froschmann (Kr2.12.7.S.31e), Kampfkoloß (Kr3.17.8.K.24a), Junggeselle, Filmamant (Kr3.23.12.K.20a), Folk-Jüngern (Kr3.17.8.K.16b), Freekickern (Kr3.23.12.S.33c), Gaukler (DP3.24.2.K.11f), Häuslbauer (Kr3.5.4.L.7d), Hauswart (Kr3.23.12.L.10/11c), Draufgänger[21] (DP3.1.6.Ta.8g), Junggeselle (Kr3.17.8.A.4b), Knabe (DP3.11.10.K.4b), Kompagnon (Kr3.17.8.AW.26a), Lausbub (Kr3.17.8.AW.31a), Lord (DP3.24.2.Ta.12c), Mundschenk (Kr3.17.8.K.17d), Ölschaichs (DP3.1.6.WI.6a), Primus (DP3.11.10.Re.3b), Scouts (DP3.24.2.Ta.12c), Sealord (Kr3.5.4.P.3c), Seemann (DP3.1.6.L.7g), Sir (DP3.1.6.L.7g), Skipper (Kr3.23.12.A.5a), Sportwart (Kr3.23.12.S.33e), Steuermann (Kr3.5.4.K.12a), Supertyp DP3.11.10.Ta.8f), Syndikus (Kr3.23.12.L.13a), Tankwart (Kr3.17.8.AW.25b), Weihnachtsmann (Kr3.23.12.K.17a), Werkelmann (DP3.1.6.L.7g) etc. Teilweise weichen movierte Feminina in ihrer Bedeutung vom Maskulinum ab, z.B. Ober (ein Oberkellner in einem Restaurant oder Café) - Oberin (Chefin einer Krankenabteilung oder Ordensvorgesetzte), Junior (Sohn) - Juniorin (Sportlerin).

Auch im Englischen sind die Beispiele zahlreich, wenn auch nicht so eindeutig wie im Deutschen, denn durch das Fehlen eines grammatischen Genus können sowohl ursprünglich maskuline als auch feminine Bildungen, z.B. nurse, neuerdings für das andere Geschlecht verwendet werden. Trotzdem eindeutig für ein Geschlecht spezifiziert sind spinster fem. , bachelor mask. , Lady fem. , Lord mask., boy mask., girl fem., maid or maiden fem., guy mask., chap mask., feller mask. (Ro.420.5), lad mask., lass fem., tabby fem., youngster mask., teamster mask. (alle Bsp. Cure, 549).

2. Bezeichnungen des sexuellen Gewerbes, sexueller Handlungen oder sexueller Anspielungen:

Bildungen dieses Themas sind vielfältig und regional stark unterschiedlich. Maskulin sind: Boys (Kr2.12.7.S.30b), Bumser (Kr3.5.4.K.23a), Casanova (DP2.23.5.K.8k), Don (Kr3.5.4.A.4b), Heiratsschwindler (Kr2.12.7.K.16a), Lebemann (DP2.23.5.K.8j), Romancier (DP3.24.2.K.5a), Sittenstrolche (DP2.23.5.K.4k), Tausendsassa (Kr2.12.7.K.20a), Transvestit (Kr3.17.8.AW.31a), Windhund (Kr2.12.7.K.20a), Playboy, Schwuler, Zuhälter, Hermaphroditen (DP3.11.10.K.4b) etc.

Feminin sind: Amazone, Nutte, Lesbe, Metze, Bienen (Kr3.5.4.K.23a), Blondinchen (Kr3.17.8.AW.31a), Blondine (Kr3.23.12.AW.30a), Dirne (Kr2.12.7.K.16a), Domina (Kr3.17.8.AW.31a), Häschen (Kr3.17.8.AW.31a), Hure (DP3.1.6.K.4a), Playgirl (Kr3.5.4.AW.29a), Pornostarlet (Kr3.23.12.A.5e), Puppe, Sexbombe (Kr3.5.4.AW.29a), Skihaserl (Kr3.5.4.AW.31a), Venus (Kr3.17.8.AW.31a), Vollblutdomina (Kr3.17.8.AW.32a) etc.

Das Englische hat folgende feminine Bildungen: whore, tart, hooker, lesbian etc. und folgende maskuline Bildungen: rentboy, queen, queer, gay, fag, transvestite (alle Bsp. Collins) etc.

3. Schimpfwörter und sonstige pejorative Bezeichnungen:

Auch hier weichen die Bezeichnungen in verschiedenen sprachlichen Regionen voneinander ab und sind oft schriftlich nicht wiederzugeben. Besonders hier haben die für Männer und Frauen verwendeten Bezeichnungen keine Entsprechung im anderen Geschlecht. Bei der Nennung von Beispielen kann ich mich nur auf meine Zeitungsuntersuchung und meine eigenen sprachlichen Kenntnisse als Sprecherin des Deutschen verlassen, z.B. Ekel (Kr2.1.3.K.23a) mask., Binkl (Kr3.17.8.L.10c) mask., Fratz (Kr3.23.12.AW.29a) mask. und fem., Freundchen (Kr3.5.4.K.24c) mask., Halunke (DP3.1.6.Ta.8g) mask., alte Hexe (DP3.1.6.Ta.8g) fem., alte Schachtel fem., Schurken (Kr3.23.12.P.2a) mask., Fatzke mask., Gscherter mask., Depp mask., Trottel mask., Idiot mask., Scheißkerl mask., Bastard mask., Rabauke mask., Grobian mask. Es werden sehr gerne Bezeichnungen aus dem Bereich der Tiere genommen. Der Phantasie des Sprechers sind hier keine Grenzen gesetzt, und doch ist meist ersichtlich, ob die Bezeichnung eine Frau oder einen Mann beleidigen soll. Beispiele sind: Hundesöhne (DP1.19.10.K.11b) mask., Biest (Kr3.17.8.AW.31a) fem., Hornochse (DP3.1.6.Ta.8g) mask., Miststück (Kr3.23.12.K.17a) fem., Schwein (Kr2.1.3.K.16a) mask., Monster (DP3.1.6.K.4a) mask. oder fem., Gans fem., blöde / dumme Kuh fem., Affe mask., Rhinozeros mask., Rindvieh mask., Schweinehund mask., etc. Augmentativbildungen sind bei Schimpfwörtern sehr beliebt: Erzhalunke, Erzschweinehund, Riesentrottel, Riesenrindvieh, Mordstrottel, Affenrindvieh (hier ist Affe als Augmentativ verwendet wie in Affenhitze) etc.

Im Englischen gelten als feminine Bildungen bitch, slut, frump, slattern, termagant, virago, minx, hussy (alle Bsp. Cure, 550), hen, biddy, skirt, broad, doll, chick, wench, tomato, dame, Jane (alle Bsp. Ro.421.6) etc. Als maskuline Bezeichnungen gelten dude, fop, ruffian (alle Bsp. Cure, 550), bruiser, brute, hooligan, lout, rowdy, rascal (alle Bsp. aus Collins), bugger, bastard, joker, jasper, stud, bloke, cove, johnny (alle Bsp. Ro.420.5). Auch Kompositionen sind möglich wie son of a bitch (aber nicht: °° daughter of a bitch !), whoremonger mask., mollycoddle mask. (Ro.421.10), goody-goody mask. (Ro.421.10), pantywaist mask. (Ro.421.10), milksop mask. (Ro.421.10), wobei diese Bezeichnungen schon metaphorisch bzw. metonymisch sind.

Während feminine Bezeichnungen feminines oder neutrales Genus haben können, z.B. die Frau, das Mädchen, das Mannequin, das Weib, aber niemals maskulinen, es sei denn, die Bezeichnung kann sowohl für Männer als auch für Frauen verwendet werden, können maskuline Bezeichnung zwar kein neutrales, aber maskulines und auch feminines Genus haben. Feminines Genus haben besonders Bildungen, die einen Mann mit weiblichen oder weibischen Charakterzügen oder -eigenschaften bezeichnen, z.B. die Memme (Feigling, Weichling), die Tunte (Homosexueller), die Schwuchtel (Homosexueller, Transvestit). Der Grund für das feminine Genus könnte einerseits die semantische Bedeutung (Transvestit ist allerdings maskulin), andererseits die Herkunft der Bildung sein. Memme ist eine Entwicklung aus mhd. fem. memme, mamme 'Mutterbrust' (Kluge, 473, 1) und kann unter Umständen auch für weibliche Personen verwendet werden, das ist aber eher unwahrscheinlich. Tunte ist auch in der Bedeutung 'zimperliche Person' zu finden und ist vermutlich eine mundartliche Variante oder Entstellung aus fem. Tante (Kluge, 745, 1). Die Bildung Schwuchtel ist aus schwul (homosexuell) und Schachtel entstanden, wobei Schachtel als Schimpfwort gedacht ist, wie in der Bildung alte Schachtel, und als dieses auf die frühe Bedeutungsübertragung zu weibliches Geschlechtsorgan zurückgeht. (Kluge, 621, 2).

1.2 Möglichkeiten der Wortbildung

Nach Lühr (1988) ist die häufigste Art der Wortbildung die Erweiterung von Wörtern, wodurch neue Wörter entstehen. Zur Worterweiterung gehören die Zusammensetzung oder Komposition, die explizite Ableitung oder Derivation und die Präfixbildung. Neue Wörter werden entweder durch Kombination mit anderen Wörtern (Komposition) oder durch Kombination mit Wortbildungselementen (Derivation, Präfixbildung) gebildet. Für die Bildung geschlechtsspezifischer Personenbezeichnungen sind die Wortbildungstypen Komposition, genauer das Determinativkompositum, und Derivation, genauer die Movierung, von Bedeutung.

1.2.1 Movierung

Bei der expliziten Ableitung (Derivation) ist das erste Morphem die Basis der Ableitung, das zweite das Ableitungssuffix. Wird nun mit Hilfe eines Ableitungssuffixes ein feminines Substantiv von einer maskulinen Personen- oder Tierbezeichnung oder ein maskulines Substantiv von einer femininen Personen- oder Tierbezeichnung abgeleitet, so wird dieser Vorgang Motion oder Movierung genannt. (Lühr, 167)

Die Movierungssuffixe im Deutschen verändern gleichzeitig auch das grammatische Genus der betreffenden Bezeichnung, sodaß die Lexeme, die eine Angabe zum männlichen bzw. weiblichen Sexus enthalten, auch dem maskulinen bzw. femininen Genus angehören. (Werner, 37). Daraus läßt sich schließen, daß der Movierungsprozeß im Deutschen nur zwischen dem maskulinen und femininen Genus stattfindet; das neutrale Genus ist in der Standardsprache davon völlig ausgeschlossen, obwohl, wie schon erwähnt, Genus und Sexus nicht immer übereinstimmen und geschlechtsspezifische Personenbezeichnungen, d.h. Personenbezeichnungen, die entweder für den weiblichen oder männlichen Sexus spezifiziert sind, in einigen wenigen Fällen dem neutralen Genus zugeordnet werden, z.B. das Weib, das Mannequin, das Mädchen.[22] Außerdem wird deutlich, daß das Basismorphem der movierten Bildung semantisch entweder männlich oder weiblich sein muß. Bildungen, deren Basismorpheme keine männliche oder weibliche Personen- oder Tierbezeichnungen darstellen wie Blondine (Kr3.23.12.AW.30a), Karmelitin (DP3.11.10.Ta.8b), Tippse (von tippen) gehören deshalb auch nicht in den Bereich der Movierung sondern des Lexikons.

Das Englische hat keine Genuszuordnung der Substantive mehr, d.h. Personenbezeichnungen beinhalten höchstens eine Angabe des Sexus, des männlichen, des weiblichen oder beider, oder sie sind sexuell unmarkiert. Personenbezeichnungen sind demnach automatisch entweder maskulinen oder femininen Geschlechts, also durch he oder she pronominalisierbar. Dort, wo beide Geschlechter gleichzeitig gemeint sind, wird die Bezeichnung im Plural verwendet, z.B. parents, siblings. Personenbezeichnungen, die maskuline Suffixe haben und durch he pronominalisiert werden, können sich in der Regel nicht nur auf Männer sondern immer auch auf Frauen beziehen. Ob eine maskuline Bezeichnung nun tatsächlich sexuell markiert ist oder nicht, läßt sich nur vom Kontext her erkennen. Der Movierungsprozeß im Englischen findet demnach nur zwischen maskulinen und femininen Bezeichnungen statt und verändert nur den Sexus der jeweiligen Personenbezeichnung.

1.2.1.1 Die Maskulinmovierung im Deutschen

Movierte Maskulina gibt es im Deutschen sehr wenige. Einige maskuline Personen- und Tierbezeichnungen werden mit dem Suffix -erich gebildet. Dieses Suffix ist aus Eigennamen wie Friedrich, Dietrich etc. herausgelöst und auf appellative Bezeichnungen übertragen worden, z.B. Wüterich, Füllerich.[23] Dieses Suffix, das in allen Fällen Umlaut auslöst, ist aber nur bei Tierbezeichnungen produktiv, z.B. Enterich, Mäuserich, Gänserich etc. Gelegenheitsbildungen wie Bräuterich, Nonnerich (Wellmann, 119) wirken komisch und sollen die gemeinten Personen lächerlich machen. Eine neutrale Bildung ist Hexerich, diese konkurriert aber mit der Ableitung auf - er, Hexer, die weitaus gebräuchlicher ist.

Weiters werden einige Personen- sowie Tierbezeichnungen mit -er gebildet, wie Witwer, Anter (Wellmann, 120), Ganser (Wahrig, 518, 1), Tauber (Wahrig, 1266, 1), wobei die Verwendung der Suffixe -er und - erich bei denselben Tierbezeichnungen regional unterschiedlich ist. Obwohl eine Reihe von maskulinen Personenbezeichnungen, vor allem Berufsbezeichnungen, zu bereits bestehenden femininen Bezeichnungen neugebildet werden, finden sich eher völlige Neubildungen als movierte Maskulina. So z.B. wird eine männliche Hebamme Geburtshelfer und nicht °° Hebammer genannt, obwohl das sprachliche System eine solche Bildung durchaus zuließe. Die Maskulinmovierung ist im Deutschen nicht produktiv.

1.2.1.2 Die Maskulinmovierung im Englischen

Ist die Movierung im Englischen überhaupt sehr rar und ungebräuchlich, kommen die wenigen Bildungen der Femininmovierung zu. Die Maskulinmovierung geht dabei fast leer aus. Einzige bekannte Bildung ist das Wort mask. widower aus fem. widow.[24] Die Ableitung folgt demselben Schema wie dem im Deutschen: das feminine Wort wird durch Addition des maskulinen Suffixes - er maskulin moviert. Marchand (1969) sieht außerdem die Möglichkeit einer maskulinen Movierung in den Bildungen adulterer und sorcerer, die möglicherweise nach den femininen Bildungen adulteress und sorceress gebildet wurden, wobei diese wiederum auf die früheren maskulinen Formen adulter und sorcer zurückgehen. Ob es sich hier wirklich um eine Movierung handelt, ist fraglich, denn die Basis stellt in diesem Fall ein älteres maskulines Wort auf - er dar, das wahrscheinlich ungebräuchlich wurde, und deshalb zu einem späteren Zeitpunkt aus Mangel an vorhandenen Bildungen neue maskuline Bezeichnungen aus den wesentlich gebräuchlicheren femininen Bildungen geschaffen wurden.

Wie schon oben erwähnt, ist die Movierung an sich im Englischen überflüssig, da die ursprünglich maskulinen Wörter immer auch feminin interpretiert werden können. Eine Bildung auf - er wie engl. teacher oder baker ist nicht automatisch maskulin definiert wie z.B. ihre deutschen Übersetzungen Lehrer und Bäcker. In der Einleitung des Collins German Dictionary (1991) wird dem Benützer folgender Hinweis gegeben:

Für alle deutschen Substantive, die ein natürliches Geschlecht haben, wird die weibliche neben der männlichen Form angegeben. Wenn nicht anders angegeben, lautet die englische Form für beide gleich.[25] [...] Wo die für die männliche und die für die weibliche Form angegebene Übersetzung dieselbe ist, im entsprechenden Zusammenhang aber betont werden soll, daß es sich um einen Mann bzw. eine Frau handelt, sollte der Benutzer der Übersetzung 'male/female or woman or lady' voranstellen. (S. XVI)

Da es sich bei diesen Bildungen hauptsächlich um Gewerbe- und Berufsbezeichnungen handelt, dürfte das Hauptaugenmerk wohl eher auf der Tätigkeit, die die entsprechende Person ausübt, und auf dem Tätigkeitsumfeld als auf dem natürlichen Geschlecht der gemeinten Person liegen. Im Englischen ist damit heute ein Grad an Abstraktion erreicht, der es den Sprechern ermöglicht, von Personen in beruflicher Position zu sprechen, ohne dabei daran zu denken, ob es sich um eine männliche oder weibliche Person handelt. Das ist teilweise auch im Deutschen möglich, obwohl hier selbstverständlich nur auf semantischer Ebene. Morphologisch wird der Lehrer oder Bäcker bedingt durch das Genus immer maskulin bleiben, während im Englischen solche Genusmerkmale fehlen und somit dem personalen Denken, das männlich und weiblich als Person ungeachtet des Geschlechts zusammenfaßt, der Weg geebnet ist. Daß das nicht immer so war, beweist die Existenz des grammatischen Genus in früheren Sprachstufen des Englischen. Die Maskulinmovierung ist auch im Englischen unproduktiv.

1.2.1.3 Die Femininmovierung im Deutschen

Die Femininmovierung ist in der deutschen Sprache sehr produktiv. Das liegt daran, daß die meisten Personenbezeichnungen, wie Gewerbe- und Berufsbezeichnungen und Titel, ursprünglich maskulin sind, und das Drei-Genus-System noch immer eine bedeutende Rolle in der deutschen Grammatik spielt.

1.2.1.3.1 Die -in-Ableitung

Nach Frequenz und Regelmäßigkeit der Bildungsweise ist die Ableitung auf - in das die Motion beherrschende Muster. Nach Wellmann (1975) werden in über 90 % aller Fälle movierte Feminina mit diesem Suffix gebildet. Es können sowohl Personen- als auch Tierbezeichnungen geschaffen werden, vorausgesetzt, daß die Basis eine maskuline Bezeichnung darstellt, und die Inhaltsseite eine feminine Form zuläßt.[26] Ältere Bildungen weisen meist Umlaut auf wie in Bäuerin, Ärztin, Gräfin, Köchin etc. Der Umlaut unterbleibt einerseits, wenn die maskuline Basis zweisilbig mit unbetontem - e - in zweiter Silbe ist wie in Malerin, Sammlerin, Stanzerin, andererseits in allen Komposita mit - macherin, z.B. Hutmacherin, und in den meisten wenig assimilierten Fremdwörtern und anderen jungen Bildungen, z.B. Baronin, Ungarin, Kameradin, Kollegin, Genossin.[27]

Als regelmäßige Basen für - in -Ableitungen fungieren nur Maskulina auf - er/ -ler/ -ner/ -iker, -(at)or, -and/ -ant/ -(i)ent/ -ier, -ist, - ast, -är und -eur (soweit hier nicht - euse an die Stelle von - in tritt). Im Normalfall wird das feminine - in an den Substantivstamm des Maskulinum affigiert. Bei Maskulina mit pleonastischem doppelten - er jedoch wird das zweite - er im Zuge der Femininmovierung durch - in ersezt, z.B. Hamsterer - Hamsterin, Zauberer - Zauberin, Wucherer - Wucherin (Haplologie). Auch Maskulina auf - e werden durch Ersetzen des Endmorphems durch - in moviert wie bei Bote - Botin, Russe - Russin (vgl. Doleschal, 33).

Personenbezeichnende substantivische Partizipien können durch Artikel und Flexionsparadigmen nach ihrem Geschlecht differenziert werden, z.B. die Reisende, die Gesandte[28], die Bekannte. Sind die Bildungen lexikalisiert, können sich auch Substantivierungen mit - in ergeben wie Beamtin, Botin, Gefährtin.

Kompositionen mit - mann und - bub werden nur gelegentlich, Kompositionen mit - kerl überhaupt nicht mit - in moviert, z.B. Landsmännin (Wahrig, 813, 2), Obmännin (Wahrig, 950, 1), Spitzbübin (Wahrig, 1206, 1). Alle maskulinen Kompositionen dieser Art können sowohl auf männliche als auch auf weibliche Personen ohne Bedeutungunterschied bezogen werden. Die Form Männin (WL, 547, 1) unterscheidet sich insofern von den Komposita mit - mann, als es sich hierbei nicht um eine bloße feminine Entsprechung der maskulinen Form sondern um eine weibliche Person mit stark männlichen Zügen handelt. In diesem Fall bleibt ein Teil des maskulinen Merkmales in der femininen Form erhalten und die Bildung selbst kann nur morphologisch zur Movierung gezählt werden.

Als stilistische und regionale Varianten können mit Ableitungen auf - in Kompositionen mit - frau konkurrieren, die sich, im Unterschied zu den Kompositionen mit - mann, nie auf das andere Geschlecht beziehen. Diese Konkurrenz ist jedoch nur dann möglich, wenn das Basismorphem bereits eine maskuline Personenbezeichnung darstellt.[29] Ohne Bedeutungsdifferenzierung stehen nebeneinader Zigeunerin - Zigeunerfrau, Bettlerin - Bettelfrau, Bäuerin - Bauersfrau etc. (Fleischer, 1982, 184). In einigen Fällen stellt die Ableitung auf - in deutlich die Berufsbezeichnung der weiblichen Person dar, während die Komposition sich eher auf die Ehefrau eines den betreffenden Beruf ausübenden Mannes bezieht wie in Ärztin - Arztfrau, Predigerin - Predigersfrau, Arbeiterin - Arbeitersfrau (Fleischer, 1982, 184).[30] Umgekehrt kann sich aber auch die - in -Ableitung auf die Ehefrau beziehen wie in Bürgermeisterin, Doktorin. Das geschieht vor allem in ländlichen Gebieten, wo es teilweise noch üblich ist, den maskulinen Familiennamen zu movieren, wenn man über eine Frau (Ehefrau oder nicht) spricht, z.B. die Meierin; nicht selten ist ein solcher movierter Familienname wie auch teilweise movierte Berufs- oder Positionsbezeichnungen abwertend gemeint. In meiner Variante des österreichischen Deutsch, im Alemannischen des Bregenzer Landgebietes, das von der Mittelschicht gesprochen wird, wird ein beachtlicher semantischer Unterschied zwischen die Meierin und die Frau Meier bzw. die Bürgermeisterin und die Frau Bürgermeister(in) gemacht. Ersteres ist in bedeutungsneutraler oder sogar in pejorativer Verwendung, während die zweite Form, zumeist in der Anrede, Respekt oder zumindest Höflichkeit ausdrückt.

1.2.1.3.1.1 Die Basen der -in-Ableitung

Das am häufigsten auftretende maskuline Suffix im Deutschen, das durch - in moviert werden kann, ist zweifelsohne - er. Ausgangssuffix für das nhd. - er ist das ahd. - ari (mhd. - ære), das sich mit dem lat. - arius deckt und deshalb als Lehnsuffix aus dem Lateinischen betrachtet werden kann. (Henzen, 1957, 159). Den Bildungen solcher Maskulina liegen Paraphrasen mit verbaler oder nominaler Basis zugrunde; in seltenen Fällen ist auch eine adjektivische Basis möglich. Das Schema sieht folgendermaßen aus:[31]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Bildung von Orts-, Regional- und Ländernamen ist - er ein letzter Ausläufer eines Pluralsuffixes für Völkernamen und fiel erst nachträglich mit den ahd. - ari -Bildungen zusammen. (Henzen, 1957, 163). Das Suffix - er tritt pleonastisch zunächst nur an Ableitungssuffixe aus dem Lateinischen. Basismorpheme auf - a werden häufig mit - ner[32] verbunden, vgl. Amerika - Amerikaner, Korea - Koreaner, und Basismorpheme auf - ien und - en durch - er ersetzt, vgl. Albanien - Albaner, Arabien - Araber, Norwegen - Norweger (vgl. Wellmann, 401). In einigen Fällen gibt es Bildungen auf - aner wie Brasilianer, Mexikaner, Venezianer (DP1.19.10.K.5e), Sizilianer (DP2.23.5.K.5h), Neapolitaner (Kr4.11.5.S.40a), auf - eser wie Genueser und Veroneser (vgl. Wellmann, 401). In seltenen Fällen werden Orts-, Regional- und Ländernamen auf - iner wie Montenegriner (Wellmann, 401) gebildet. Später tritt - er auch an Wörter mit deutschem Grundstock wie Badenser, Hallenser, Hannoveraner. (Henzen, 1957, 164). Wo sich der Ländername jedoch aus einem älteren Völkernamen gebildet hatte, bleiben - er -Ableitungen vorerst ausgeschlossen, z.B. Franke, Sachse, Russe, Slowene. Aber auch hier hat sich die - er -Ableitung langsam durchgesetzt und teilweise gibt es Bildungen auf - e und - er in derselben Bezeichnung, z.B. Genuese zu Genueser, Veronese zu Veroneser (vgl. Wellmann, 401). Zu den - aner -Bildungen gehört auch eine sehr kleine Gruppe von Bezeichnungen, die sematisch völlig unterschiedlich ist:

Republikaner (DP1.14.7.T.b): einer, der eine republikanische Gesinnung hat

Puritaner (Kr3.5.4.K.30a): ein Anhänger des Puritanismus

Diese Bildungen könnten durch Analogiebildung entstanden sein, wie auch zwei Begriffe aus dem Bereich des Fußball, Admiraner (Kr2.1.3.S.34c) und Austrianer, analog zu den Ländernamen auf - ner gebildet wurden. Eine stärkere bis weniger starke pejorative Nebenbedeutung haben, je nach Verwendung, Orts-, Regional- und Ländernamen auf - ler wie Hinterwäldler, Provinzler. Eine Ausnahme bilden Bezeichnungen wie Basler (DP2.15.9.S.6d), Tiroler, Kitzbühler; hier handelt es sich um eine reine - er -Ableitung, da die Basen bereits das - l -Morphem beinhalten.

Die Entstehung der erweiterten Suffixe -(e)rer, - ler und - ner läßt sich auf eine Verschmelzung des ahd. Suffixes - ari mit vorangegangenem - r -, - l - und - n - zurückführen. Henzen (1957) nennt so entstandene Suffixe auch Wuchersuffixe. Im allgemeinen sind -(e)rer, - ler - und - ner -Derivate auf Nomen zurückzuführen, die auf - r, - l bzw. - n gebildet werden: ahd. zoubar-ari: Zauberer, ahd. satal-ari: Sattler, ahd. lugin-ari: Lügner. Durch Analogiebildung und sehr wahrscheinlich auch wegen der Einfachheit der Aussprache sind daraufhin massenhaft Bezeichnungen auf - ler aus verschiedensten Bereichen entstanden: Tischler, Bürgerrechtler, Künstler, Sportler und auch Rapidler (DP2.15.9.S.6a), Blödler (DP3.24.2.K.11f), Alttestamentler (DP3.1.6.P.2a), Langstreckler (DP3.1.6.S.5g) etc. Die Umgangssprache hat unendlich viele Bezeichnungen hervorgebracht wie Bähnler, Postler.

Populär sind - ari -Ableitungen vor allem bei Gewerbe- und Berufsbezeichnungen, und es existieren schon deverbale Bildungen, die sekundär jedoch auch auf ein Nomen zu beziehen sind. Während die Möglichkeit der denominalen Bildungsweise fast gänzlich erloschen ist - zu den wenigen neuen Bildungen zählen Urheber (zu urhab), Eigentümer und Burschenschafter - nimmt die Produktivität der deverbalen Bildungen immer stärker zu. Manche Verben können nur in Zusammensetzung abgeleitet werden, z.B. Einbrecher, Nachfolger, Vorsteher etc. andere nur in Zusammenbildung, z.B. Hungerleider, Nutznießer. Es gibt auch - er -Ableitungen "ohne stehende Eigenschaften" (Henzen, 1957, 161); d.h. die gebildete Personenbezeichnung ergibt ohne die dazugehörige (entweder unmittelbar darauffolgende oder früher genannte) Ergänzung wenig Sinn, wie in Überbringer (einer Nachricht) oder Stifter (des Klosters). Nicht zuletzt im Bereich der Philosophie sind einige neue, sehr gewagte Personenbezeichnungen aus Nomen und Verben entstanden, wie die Nietzscheschen Zürner, Schauer, Anstauner, Spinneweber [des Geistes], Wehetäter (als Gegenstück zu Wohltäter) etc.[33]

- ler - und - ner -Derivate konkurrieren sehr häufig mit Bildungen auf - er. Es gibt eine Reihe von Ableitungen auf - ler /- ner und - er, die nebeneinander existieren und verwendet werden, ohne eine Veränderung der Bedeutung hervorzurufen, z.B. Wissenschafter - Wissenschaftler, Bildner - Bilder, wobei die Varianten auf - ler bzw. - ner stets die jüngeren sind. So sind Tischler, Künstler, Dörfler, Sommerfrischler, Schaffner, Söldner, Klempner und Gurtner die neueren Bildungen zu Tischer, Künster, Dörfer, Sommerfrischer, Schaffer, Sölder usw. (Henzen, 1957, 159/60).

In den oben genannten Beispielen kommen umlautlose und umgelautete Beispiele scheinbar ohne ersichtliche Logik nebeneinander vor. Tatsächlich bewirken - ari -Derivate keinen Primärumlaut, aber Sekundärumlaut; d.h. folgt das Suffix unmittelbar auf die Stammsilbe des abzuleitenden Nomens, ist das Ergebnis eine umgelautete Personenbezeichnung, z.B. Wärter, Bürger, Krämer aber nicht Hafner. Auch diese Regel verwischte sich später, da umgelautete Formen bald umlautlosen gegenüber standen und auch in der Literatur einmal diese, einmal die andere Form verwendete wurde, Rauber - Räuber, Trager - Träger, Hafner - Häfner etc. (Henzen, 1957, 162).

Bildungen auf - iker bezeichnen einerseits Personen nach ihrem Tätigkeitsbereich, z.B. Lyriker, Historiker, Analytiker, Kritiker,[34] andererseits auch Personen nach einem wesentlichen Charakterzug, z.B. Choleriker, Skeptiker, Exzentriker (DP2.23.5.Ta.10d), Nostalgiker (DP2..15.9.K.5b), Fanatiker (Kr3.23.12.S.35b), Zyniker (Kr3.17.8.P.2a). Diese Bildungen sind durchwegs denominal, sie werden aber auch durch ihre Adjektive lyrisch, historisch, analytisch, kritisch, cholerisch, skeptisch etc. motiviert. Die Bildungen mit - iker sind nicht germanischen Ursprungs, sondern Lehnwörter des Griechischen, Lateinischen oder anderer romanischer Sprachen.

Wörter, die eine Vielheit ausdrücken, wie Avantgarde, Artillerie, Polizei, Reserve, Kavallerie etc. fungieren als Basis zur Bildung von maskulinen Personenbezeichnungen mit dem Suffix - ist. Zu beachten ist hier, ob tatsächlich in allen Fällen ein moviertes Femininum möglich ist. Durchaus geläufig sind Avantgardistin und mittlerweile auch Polizistin, was jedoch Bezeichnungen aus dem militärischen Bereich betreffen, so ist im deutschsprachigen Raum, mit Ausnahme der ehemaligen DDR, die Rekrutierung von Frauen nicht üblich (wie etwa in den Vereinigten Staaten) und deshalb auch feminine militärische Bezeichnungen (noch) nicht notwendig.

Weitere - ist -Ableitungen bezeichnen Personen nach ihren religiösen, weltanschaulichen oder politischen Bekenntnissen, z.B. Aktivist (DP1.19.10.WI.8b), Chauvinist (DP1.19.10.Re.3d) Kommunist, Marxist, Optimist, Atheist, Buddhist etc.[35] Daneben gibt es eine Reihe von religiösen Personenbezeichnungen, die nicht mit - ist abgeleitet werden, z.B. Mohammedaner, Lutheraner, Moslem, Katholik, Protestant etc. Das bekräftigt meine Annahme, daß ein direkter Zusammenhang zwischen dem Nomen auf - ismus und der Ableitung auf - ist besteht, d.h. die Personenbezeichnung wurde direkt vom Nomen abgeleitet, indem das Suffix - ismus durch das Suffix - ist ersetzt wurde. Demnach muß z.B. Katholik eine deadjektivische, von katholisch, und keine denominale Ableitung, von Katholizismus, sein. - ist -Bildungen konkurrieren hier mit Bildungen auf - ianer, so spricht man auch von Kantianer (Keller, 534), Saussurianer und Whorfianer (beide Wellmann, 405) u.ä. In der Umgangssprache sind auch - ianer -Ableitungen mit Basen möglich, die eine Gruppe darstellen, z.B. Behördianer, Bundeswehrianer (beide IV), Börsianer (DP1.14.7.WI.8c).

Die letzte Gruppe von - ist -Bildungen bezeichnet Personen nach ihrem Tätigkeitsbereich. Das Basiswort stellt das Objekt, meist ein Akkusativobjekt, zu einem "Tun" oder "Bekommen" dar, z.B. Dentist (DP1.19.10.Ta.12a), Drogist (DP1.19.10.Ta.12h), Ekonomist (DP1.19.10.WI.8f), Jurist (DP1.19.10.Re.3d) etc.[36] In einigen Fällen ist eine Femininmovierung zwar nicht unmöglich aber eher unwahrscheinlich wie in Lagerist (Wahrig, 866, 3) oder Maschinist (Wahrig, 810, 1), wo der Tätigkeitsbereich aufgrund der größeren körperlichen Kraft, die diese Arbeiten erfordern, noch immer den Männern vorbehalten ist.

Der Bildung mit dem urspünglich französischen Suffix - eur oder auch eingedeutscht, hauptsächlich im österreichischen Raum verwendet, - ör kann eine verbale oder nominale Basis zugrundeliegen, wobei beide Basen wiederum auf ein Verb mit der Endung - ieren zurückzuführen sind, z.B. montieren, frisieren, hypnotisieren. Vergleichbare Feminina auf - euse beziehen sich einerseits auf das entsprechende Verb, andererseits als Movierung auf die Maskulina mit - eur. (DuGr, 475)

Die - eur -Derivate konkurrieren häufig mit Bildungen auf - er, diese jedoch treten pleonastisch auf, indem sie einfach an den Wortstamm des Verbes hinzugefügt werden,[37] z.B. montieren - Monteur - Montierer, massieren - Masseur - Massierer, mit Bildungen auf - ant / - ent, z.B. Kommandeur (DP2,3.1.L.10n) - Kommandant, und mit Bildungen auf - (at)or, z.B. Inspekteur (DP1.19.10.K.5g) - Inspektor. (vgl. Wellmann, 355). Während viele der Bildungen auf - ierer, - ant /- ent und - (at)or neben den - eur -Derivaten bestehen, gibt es eine Reihe von Bildungen, die kein Äquivalent auf - eur haben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es gibt ferner eine kleine Gruppe von umgangssprachlichen ad-hoc Bildungen, die aber keinerlei Bedeutung für die Schriftsprache hat.[38] Diese Bildungen folgen dem Objektschema:

Latrineur: einer, der die Latrine reinigt ( IV)

Mascheur: einer, der eine Masche [= günstige Gelegenheit] wahrnimmt ( I)

Pedaleur: Radrennfahrer ( IV)

Pianeur: einer, der Klavier spielt ( II)

Die Femininmovierung kann, wie schon erwähnt, entweder durch - euse oder durch - in durchgeführt werden. Während - euse nur bei Maskulina auf - eur durch vollständige Ersetzung desselben angewandt werden kann, wird - in sowohl bei Maskulina auf - eur, z.B. Masseurin (Wahrig, 868, 2), als auch bei Maskulina auf eingedeutscht - ör, z.B. Frisörin, und auf - ierer, z.B. Kassiererin (Wahrig, 729, 2) bzw. süddt / österr. Kassier - Kassierin (Wahrig, 729, 2) angewandt. Die Verwendung der Suffixe ist teilweise stark regional bedingt.[39]

Wie die Derivation auf - eur läßt sich die Derivation auf - (at)or auf eine verbale Basis zurückführen. Diese Bildungen folgen dem Subjektschema: (Lühr, 167)

der Inspektor: einer, der inspiziert

der Organisator: einer, der organisiert

der Editor: einer, der ediert

Entweder dem Subjekt- (SS) oder dem Objektschema (OS) folgen Bildungen mit - and/ -ant, -(i)ent, -ier:[40]

der Musikant: einer, der musiziert (SS)

der Trafikant: einer, der eine Trafik betreibt/ besitzt (OS)

der Doktorand: einer, der im Begriffe steht, die Doktorprüfung abzulegen (Wahrig, 354, 2) (OS)

ein Olympier: einer, der im olympischen Komitee ist (DP1.14.7.S.7e) (SS) ein Hotelier: einer, der ein Hotel besitzt (OS)

ein Konsument: einer, der konsumiert (SS)

Das Suffix - är ist die Eindeutschung des französischen Suffixes - aire, z.B. in millionaire (LF, 307, 2). Die Ableitungen folgen dem Objektschema[41] und sind eher selten:[42]

der Millionär: einer, der Millionen besitzt

der Aktionär: einer, der Aktien besitzt

Auch eher begrenzt ist das Auftreten von Bildungen auf - ast im deutschen Wortschatz und die vorkommenden Beispiele werden deshalb als Einzelfälle behandelt. Die Basismorpheme sind lateinischer oder griechischer Herkunft:

der Chiliast: Anhänger des Chiliasmus (DuFr, 144, 1)

der Scholiast: Verfasser von Scholien (Wahrig, 1139, 3)

der Enkomiast: Lobredner (Wahrig, 411, 1)

der Ekklesiast: Anhänger der Ekklesiologie (DuFr, 207, 3)

der Kommerziast (WL, 812/3)

der Gymnasiast (WL, 812/3)

der Enthusiast (WL, 812/3)

der Scholast (auch Scholastiker) (WL, 812/3)

der Gymnast (auch Gymnastiker) (WL, 812/3)

der Dynast: regierender Angehöriger einer Dynastie (Wahrig, 595, 3)

der Phantast (DP1.14.7.P.2a)

1.2.1.3.1.2. Ausgeschlossene Basistypen

Doleschal (1989) teilt die von der Femininmovierung (mittels - in) ausgeschlossenen Basistypen in drei Kategorien ein. Folgende Bildungen sind als Basistypen ausgeschlossen von der Movierung mittels - in:

(i) aus phonologischen Gründen

Substantive, die auf Vokal anders als /e/ enden, z.B. Indio, Papua, Nazi

Substantive, die auf /l/ enden, z.B. Kerl, Krüppel, Kumpel, Trottel

(ii) aus morphologischen Gründen

Substantive mit femininem oder neutralem Genus, z.B. Wache, Tunte, Kerlchen, Weib

substantivierte Adjektive, z.B. (der) Reiche, Weise, Angestellte

Derivate auf - ling, - erich, - ian, z.B. Flüchtling, Wüterich, Dummian

(iii) aus semantischen Gründen

metaphorisch gebrauchte Substantive, z.B. Fuchs, Kauz, Spaßvogel

metonymisch gebrauchte Substantive, z.B. Vorstand, Beistand

idiosynkratische Ausnahmen, z.B. Gast, Lump, Schuft

Sie schließt außerdem drei weitere Klassen von Basistypen aus der Femininmovierung aus, nämlich nicht integrierte Fremdwörter wie Gourmand, Potagier, Star, Typ etc., exozentrische Komposita wie Wildfang, Trotzkopf, Geizhals etc. und Basen mit lexikalischer femininer Entsprechung wie Vater, Sohn, Bruder, Mönch etc. Da dieses Thema m.E. schon ausführlich bei Doleschal (1989) behandelt wurde, beschränke ich mich auf einige wenige Kommentare zu den genannten Beispielen.

Scherzhaft kann Kerl moviert werden, in der Umgangssprache sind auch Krüppelin, Kumpelin und Trottelin durchaus gebräuchlich. Derivate auf - ling werden gelegentlich mit - in kombiniert, jedoch nur in stilistischer Lyrik oder Prosa, z.B. Lieblingin bei Rilke, Wildlingin bei Frisch und Flüchtlingin bei Hesse. (Wellmann, 109). Das aus germ. - inga / - unga sich entwickelte Suffix - ing bezeichnete appellativ nur männliche Personen nach ihrer Zugehörigkeit oder Herkunft. Während das ursprüngliche - ing keine Überlebenschancen hatte, verbreitete sich dafür das kombinierte - (i)ling - aus Ableitungen, deren Stamm auf - l endete, entwickelt - umso schneller und verband sich zunächst nur mit adjektivischen und substantivischen später auch mit verbalen Stämmen. Nhd. existieren Zwilling, Säugling, Pflegling, Zögling, Häuptling, auch mit verächtlicher Nebenbedeutung Emporkömmling, Eindringling, Sträfling, Winzling, oder als Modifikationssuffix in Schreiberling, Dichterling. Im Neuhochdeutschen können - ling -Derivate sowohl für männliche als auch weibliche Personen stehen. Einige Bildungen werden jedoch vorzugsweise und teilweise ausschließlich für männliche Personen verwendet wie Weichling, Lüstling, Wüstling und Rohling. (vgl. Henzen, 1957, 166/67). Einzig Jüngling wird als definitiv maskuline Bildung aufgefaßt; die feminine Entsprechung könnte sowohl Mädchen als auch Jungfrau sein.

Trotz lexikalischer femininer Entsprechung sind maskuline Nomen wie Vater, Sohn, Mönch nicht vor einer femininen Movierung gefeit. So sind eine movierte Formen von Vater und Bub in den Bildungen Gevatterin (Wahrig, 557, 3) und Spitzbübin erhalten, Söhnin bzw. Söhnerin (AtDS, 169) bezeichnet im Alemannischen und Fränkischen die Schwiegertochter, Herrin[43] ist auch in der Standardsprache üblich. Ebenso ist eine Mönchin als ad-hoc Bildung durchaus denkbar, während jedoch die Umkehrungen, maskuline Movierungen aus den entsprechenden femininen Bildungen, wie ºº Nonner absolut unakzeptabel sind.

Anfügen möchte ich noch eine weitere Gruppe von Personenbezeichnungen. Sie wurden durch ein Suffix gebildet, das sich aus dem zweiten Glied maskuliner Personennamen entwickelt hatte. Zu diesen Suffixen gehören - bold (aus Namen wie Haribald, Humbold), - hart, dann auch - hans, - meier, - berger und - huber. Die dazu zahlreich entstandenen Personenbezeichnungen können gleichbedeutend für Männer wie auch für Frauen verwendet werden und haben eine leicht pejorative Nebenbedeutung: Trunken-, Witz-, Rauf, Lügen-, Streit-, Neidbold etc., Faul-, Lüge-, Gebehart etc., Groß-, Prahl-, Schmalhans etc., Bieder-, Schlau-, Angstmeier etc., Drücke-, Schlauberger etc, und Kraft-, Wühlhuber etc.[44] Auch hier wird sicherlich wie bei den Bildungen auf - ling einigen Derivaten der Verwendung für männliche Personen den Vorrang gegeben. Die Verwendung der einzelnen Varianten einer Bildung ist regional bedingt.

1.2.1.3.2. Andere Ableitungssuffixe

Neben - in gibt es noch eine Reihe von femininen Movierungssuffixen, die noch mehr oder weniger aktiv sind. Das französische Suffix - euse konkurriert, wie schon erwähnt, mit - in, wobei zwischen beiden nur ein regionaler oder stilistischer Unterschied besteht. So neigen deutsche Sprecher eher zu - euse -Bildungen, während österreichische Sprecher - eurin bevorzugen.[45] Die Movierung mit - euse erfolgt aber nicht einfach durch Suffigierung, sondern durch die Ersetzung von - eur durch - euse, z.B. Masseur - Masseuse, Coiffeur - Coiffeuse etc.

Bei ad-hoc Bildungen sind für die Movierung von Personenbezeichnungen aus - ieren -Verben sowohl das Suffix - euse als auch - eurin produktiv. Es stehen neben Kontrolleuse auch Kontrolleurin[46], neben Dekorateuse Dekorateurin und neben Monteuse Monteurin usw. In Einzelfällen wird die Ableitung mit - euse auch zu Verben auf - en gebildet wie in Stoppeuse (zu stoppen), Tippeuse (zu tippen), und zu einigen Feminina auf - euse gibt es Maskulina, die nicht auf - eur enden, wie Chefeuse, Professeuse. (vgl. Wellmann, 112f).

Auch in der Umgangssprache gibt es Ansätze zu solchen Wortbildungsmustern, Balletteuse (Wellmann, 113) für Ballettratte oder Ballerina/e, Stationeuse ( IV) für Stationsschwester. Da solche Bildungen aber kein maskulines Gegenstück haben - das Suffix verbindet sich in diesen Fällen nur mit Basen, die Einrichtungen oder Tätigkeitsbereiche der Frauen bezeichnen - gehören sie nicht zur Movierung. Man kann annehmen, daß - euse -Bildungen hier wohl eher eine Modeerscheinung als dringende Notwendigkeit sind, denn, wie gezeigt, ist immer schon eine feminine Bildung vorhanden.

Zu einer weiteren Gruppe von allerdings nicht mehr produktiven Suffixen gehören -iss/ -isse/-ess/-esse. Sie binden sich nur an einzelne geistliche und weltliche maskuline Standesbezeichnungen wie Prinz - Prinzeß, Baron - Baroneß, Komtur - Komtesse, Abt - Abtisse[47] , Diakon - Diakonisse usw. Gelegenheitsbildungen mit diesem Suffix finden sich selten und wenn, dann treten sie meist neben anderen Movierungssuffixen auf und dienen der stilistischen Variation wie Stationesse für Stationsschwester, Politesse für Polizistin (beide WL, 157, 1). Analog dazu haben sich auch Clownesse und Professe (beide WL, 157, 1) gebildet.

Zwei neue Morpheme sind durch die Verschmelzung von - iss /- ess und - in entstanden. Hier sollte - in offenbar die kaum mehr aktiven Morpheme - iss und - ess unterstützen (DuGr*, 388). Die alte From Prinzeß ist kaum noch gebräuchlich, auch Adelung vermerkte nur noch Prinzessin, die Bildungen Patronin (Heimpel, 102) und Patronesse ( IV) sind beide belegt, aber mit Bedeutungsdifferenzierung, weiters gibt es Abtisse und mit Umlaut Äbtissin, Diakonisse und Diakonissin. Die ursprüngliche Form -iss(e)/-ess(e) ist nur noch bei den aus dem Englischen stammenden movierten Feminina engl. stewardess - dt. Stewardeß, engl. hostess - dt Hosteß enthalten. Im Deutschen gibt es allerdings nur zur ersteren Bildung das maskuline, aus dem Englischen eingedeutschte Gegenstück dt. Steward (Wahrig, 1229, 1).

Zwischen -iss(e)/-ess(e) und -issin/-essin besteht zwar kein semantischer Unterschied aber ein kombinatorischer, denn bei den Bildungen auf -iss(e)/-ess(e) ist eine Diminuitivbildung möglich, z.B. Prinzeßchen, Komtesserl, und bei den - in -Formen nicht.

Eine Reihe von maskulinen Personennamen werden durch Suffigierung von -ina/-ine feminin moviert, z.B. Joseph - Josephina/e, Marcel - Marcelina/e, Wilhelm - Wilhelmina/e, Karl - Karolina/e.[48] Nach diesem Schema haben sich zu einigen wenigen Maskulina movierte Feminina gebildet wie Heroine[49] (DuGr, 562) zu Heros, Dackeline zu Dackel.[50] Die feminin movierte Form dt. Domina (Kr3.23.12.AW.30a) zu lat. dominus ist wohl als solche aus dem Lateinischen übernommen worden und man kann hier, da die maskuline Bildung bereits das Morphem - in - beinhaltet, nur von einem Ersatz des maskulinen Suffixes, in diesem Fall - us, durch das feminine - a sprechen. In den romanischen Sprachen, wie im Spanischen oder Italienischen, ist der Austausch eines maskulinen Suffixes, z.B. - o, durch das feminine - a sehr produktiv. Im Deutschen jedoch ist diese Art der Movierung praktisch nur auf Personennamen beschränkt und auch da handelt es sich in den meisten Fällen nicht um einen Austausch sondern um eine additive Suffigierung entweder durch - (i)a oder - (i)e, z.B. Joseph - Josepha, Karl - Karla / Karola, August - Augusta/e, Alois - Aloisia, Anton - Antonia. Ad-hoc Bildungen treten immer wieder auf, bedürfen teilweise jedoch einer Erklärung ihrer Bedeutung wie fem. Satana (Kr1.11.2.K.38a) zu mask. Satan (es handelt sich hier um die Protagonistin des Horrorfilms "...und Satana tötet sie alle").

Nach dem Muster des Wortpaares Direktor - Direktrice (Wahrig, 350, 2) haben sich einige wenige Bildungen entwickelt, die aber kaum Verwendung finden wie Inspektrice und Redaktrice (beide Wellmann, 113).

Mundart und Umgangssprache kennen noch die Suffixe - sche und - se als modifizierende, gelegentlich etwas abwertende Endungen, z.B. die Krügersche[51], die Tippse (von tippen), die Putze[52] (als regionale Variante zu Putzfrau). In der Schriftsprache kommen - sche Bildungen nur dann vor, wenn der Text in dem Dialekt, in dem solche Bildungen vorkommen, abgefaßt ist, z.B. Kuck mal, 'ne Judsche (Tucholsky, 66).

1.2.1.4. Die Femininmovierung im Englischen

Im Englischen spielt die Femininmovierung eine untergeordnete Rolle in der Wortbildung. Wissenschaftler sind geteilter Meinung darüber, ob die Femininmovierung wirklich einen positiven Effekt auf die sprachliche und soziale Situation der Sprecher hat. Smith (1985) sieht die Situation folgendermaßen:

People often refer to themselves and others using nouns that describe an occupation or the performance of an activity, such as author, plumber, jeweller, minister, and so on. It seems clear that the great majority of such terms more readily evoke the image of a man than a woman. The reasons for this asymmetry in the semantic conotation of agent nouns are undoubtedly social [...]. Yet this has not prevented eminent lexicographers from encouraging us to invent and adopt alternate forms of these nouns when referring to women: terms like authoress, actress, aviatrix, and so on. [...] but in the meantime we may simply note that the creation for women who perform the functions described by agent nouns is unparsimonious and confusing, and is not paralleled for males, who occupy traditionally female roles.

Smith (1985) spricht da die Unproduktivität der Maskulinmovierung einerseits und die Unregelmäßigkeit der Femininmovierung andererseits an. Es gibt tatsächlich nur zwei Suffixe, die als Femininsuffixe des Englischen betrachtet werden können, obwohl auch sie in dieser Funktion keineswegs regelmäßig sind: das aus dem Griechischen stammende - ess (gr. - issa) und das ursprünglich französische Diminuitiv - ette, welches hauptsächlich im amerikanischen Englisch verwendet wird, und auch dort erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit.[53]

Das weitaus produktivere Suffix ist - ess, das schon seit dem Altenglischen belegt ist. Das Suffix wurde zunächst nur an kirchliche Bezeichnung aus dem Griechischen addiert, z.B. diaconissa, und fand somit auch den Weg zum kirchlichen Latein. Weitere Lehnwörter stammen aus dem Altfranzösischen, wie adulteress, countess, hostess, princess etc. (Marchand, 1969, 286). Im 14. Jhd. war das Suffix bereits gut im Englischen etabliert und man konnte es nicht nur an Lehnwörtern finden, sondern auch an Wörtern mit einheimischem Stamm. Einige der englischen Beispiele sind dwelleress, herdess, huntress, shepherdess, farmeress, heiress und das mittlerweile ungebräuchliche neighbouress. Überraschenderweise existierte auch eine Bildung spinsteress, die wohl als 'female spinster' zu umschreiben ist. Die Bildung spinster war also ein maskulines Wort, das im Laufe der Zeit wieder ihren ursprünglich femininen Charakter angenommen hat und heute nur feminin zu interpretieren ist, obwohl sämtliche modernen Bildungen auf - ster, ein ursprünglich feminines Suffix,[54] maskulin sind (songster, teamster etc.). Die maskuline Entsprechung zu spinster ist heute bachelor.[55]

Marchand (1969, 287) unterscheidet formal zwischen vier verschiedenen Derivationstypen (alle Beispiele ohne Zitat sind von Marchand übernommen worden):

(1) dem Typ patroness zu mask. patron: Das Suffix wird hier einfach an das maskuline Wort addiert. Die Beispiele sind zahlreich, authoress (Palmer, 37), deaconess (Curme, 137), baroness (TT.2.Dez.1975.S.12), countess (TG.4.März.1985.S.11), heiress (TDT5.Nov.1979. S.5), stewardess, hostess, princess, und es gibt sogar zwei Tierbezeichnungen, lioness (TT.26.Aug.1970.S.1) und pantheress (Cure, 550).

(2) dem Typ dictatress zu mask. dictator: Hier wird im femininen Wort der schwache Auslaut eliminiert und das Suffix addiert. Die maskuline Form endet normalerweise auf - d oder - t, wobei in der femininen Form - dress und - tress lautlich eine enge Beziehung zu dem lateinischen Suffix - trix und dem französischen Suffix - trice hergestellt wird. Marchand (1969) sieht einen direkten Zusammenhang zwischen dem englischen und dem lateinischen bzw. französischen Suffix. Einige Feminina sind auch im Englischen nur auf - trix zu bilden wie aviatrix, testatrix, administratrix (alle Bsp. Cure, 551), andere wiederum kennen beide Formen, z.B. executrix / executress (Cure, 551), spectatress / spectatrix (Ro.442.1). Zu den Beispielen gehören waitress, actress, tigress, ambass a dress[56] (Eu.3.Dez.1975.S.11), conductresses (TG.3.Jan.1970.S.1), seductress (TT.1.Okt.1985.S.18).

(3) dem Typ murderess zu mask. murderer: Hier haben wir es offensichtlich mit einer Wortbildungserscheinung zu tun, die Henzen (1957) und Fleischer (1982) Haplologie nennen, nämlich mit der Ersetzung des zweiten - er bei Maskulina mit pleonastischem doppelten - er durch das feminine Suffix - ess. Marchand (1969) verzeichnet als erstes Beispiel conqueress 1400, gefolgt von cateress 1634, fruiteress 1713 und adventuress 1754. Zu diesen Beispielen gehört auch empress (TG.6.März.1985.S.9) zu mask. emperor.

(4) dem Typ procuress zu mask. procurer: Das maskuline Suffix wird durch das feminine Suffix ersetzt. Zu den Beispielen gehören deverbale Substantive wie conqueress 1400, governess (TT.1.Okt.1985.S.34), einige denominale Substantive wie vowess 1506, procuress 1712, confectioness, entertainess, instructess.

Zu allen Typen gibt es vereinzelt maskuline Bezeichnungen, deren moviertes Femininum lautlich teilweise von ihrem Maskulinum abweicht, z.B. master - mistress, Duke - Duchess, Marquise - Marchioness (TT.1.Okt.1985.S.18), wizard - witch.

Das Suffix - ess hat zwei Funktionen, zum einen bezeichnet es feminine Nomen Agentis und zum anderen bezeichnet es die Ehefrauen der maskulinen Nomen Agentis, wie in farmeress, presidentess und sultaness (alle Beispiele Marchand, 1969, 287). Seit kurzem erfuhr dieses Suffix eine Wertminderung, v.a. Feministinnen zeigen ihre Unzufriedenheit mit der Verwendung von - ess.[57] Trotzdem ist es noch rege in Verwendung, obwohl es Konkurrenz durch andere Suffixe wie - ette, durch andere Wortbildungsmuster und Möglichkeiten der Syntax bekommt. Letztere wird in den Kapiteln 1.2.2. bzw. 1.3. genauer behandelt.

Das englische Suffix - ess hat keineswegs dieselbe Funktion wie das deutsche Suffix - in, das sowohl für feminine Personen- als auch Tierbezeichnungen verwendet wird. Warum vor allem die Tierbezeichnungen im Englischen so selten feminin moviert werden (es gibt tatsächlich nur die drei Formen tigress, lioness und pantheress), erklärt Marchand (1969, 288) so:

For most animals with which the farmer, hunter, etc. are familiar there have always been individual words. The male and the female of a species are not seen as relational things [...] but are coined as denoting individuals with distinct functions.

So logisch und gerecht das klingen mag, es sagt scheinbar genau das aus, wogegen sämtliche Frauenbewegungen kämpfen, nämlich, daß männlich und weiblich verschieden sind, somit verschieden benannt werden und auch verschieden behandelt werden (können). Das schließt aber nicht eine fortführendere Interpretation aus, die lautet, wo ein Geschlechtsunterschied relevant ist, gibt es zwei verschiedene Wörter, z.B. bei den Verwandtschaftsbezeichnungen. Wo hingegen ein Geschlechtsunterschied nur durch Suffixe (oder auch gar nicht) ausgedrückt wird, ist der Unterschied offensichtlich irrelevant, z.B. bei Berufs- und Gewerbebezeichnungen, und somit eine Gleichbehandlung von Mann und Frau in den jeweiligen beruflichen Situationen nicht nur erstrebenswert sondern auch natürlich.

Das zweite feminine Suffix - ette, ursprünglich nur an Sachbezeichnungen wie in den französischen Lehnwörtern mountainette 1586, banerette 1884, chemisette 1807 und collarette 1869 (alle Beispiele Marchand, 1969, 289), hat sich seit Beginn des 20. Jhds jedoch v. a. im amerikanischen Englisch als eher zaghaftes feminines Movierungssuffix in französischen Lehrnwörtern etabliert wie in suffragette und parasolette (beide Beispiele Bauer, 119/20) und wird später bereits mit englischen Wörtern verbunden wie in farmerette, rangette, roomette, kitchenette, leaderette, undergraduette, lecturette, jock(ey)ette, pian(o)ette, cosmonette (alle Beispiele Bauer, 119/20). Verschiedene Wortbildungsmethoden werden angewandt, um feminine Bezeichnungen auf - ette zu bilden: (1) Addition von - ette an die maskuline Bezeichnung, z.B. farmerette, jockeyette, leaderette. (2) Ersetzung eines maskulinen Suffixes durch - ette, z.B. rang-er/ette, lectur-er/ette, cosmon-aut/ette. (3) Addition von - ette an eine Basis, die keine (maskuline) Personenbezeichnung darstellt, z.B. roomette, kitchenette, tractorette (Marchand, 1969, 290). Trotz dieser vielfältigen Bildungsmöglichkleiten des Suffixes ist es als Femininmarker noch in sehr geringer Verwendung.

Vereinzelt gibt es Bildungen mit anderen Suffixen: - trix, z.B. aviatrix, - ine/a, z.B. heroine (TG.2.Juli.1965.S.12) , concubine (TT.26.Aug.1970.S.4), balerina (TG.4.März.1985.S.11), czarina, - a, z.B. sultana und einige Fremdwörter wie Senhora (TT.3.Okt.1985.S.2) oder Signora (TT.2.Dez.1975.S.6), die ohne Übersetzung aus der Originalsprache übernommen worden sind. (alle nicht zitierten Beispiele Cure, 550)

Eine Anzahl verschiedener Suffixe läßt sich in weiblichen Personennamen finden: - ette findet sich in Colette, Paulette, Henriette; -ina/e in Georgina, Christina, Josephine; - a wird für sehr viele movierte Personennamen verwendet wie Victoria, Michaela, Joanna etc. und kommt auch in Namen vor, die kein maskulines Gegenstück haben, z.B. Rita, Sarah, Barbra; das Suffix - es in Frances und schließlich -y/-ie/-i, die allerdings nicht nur für feminine sondern auch für maskuline Namen verwendet werden. Feminin sind Stephanie, Lucy, Nancy und viele Kosenamen weiblichen Ursprungs. Abkürzungen mit -y/-ie/-i können meistens sowohl eine Frau als auch einen Mann bezeichnen, z.B. Sammy, Joey, Tony. Es läßt sich sehr einfach feststellen, daß es keine maskuline Movierungen in Personennamen gibt, aber eine Reihe von Femininmovierungen. Ob sich die Femininmovierung aber tatsächlich im Englischen durchsetzen wird, ist nicht ganz klar, denn eine nicht geringe Anzahl von feminin-maskulinen Paaren sind in ihrer semantischen Bedeutung nicht gleichberechtigt, wobei der maskuline Teil positiv und der feminine Teil abwertend oder gar negativ interpretiert wird, z.B. major (Offizier) - majorette (Marketenderin), courtier (Gerichtsbeamter) - courtesan (Nobelprostituierte), master (Chef) - mistress (Geliebte), governor (hochgestellter Regierungsbeamter) - governess (Gouvernante), poet (Dichter) - poetess (Schreiberin von Poesie niederer Qualität), wizard (Magier) - witch (Hexe) etc.[58] Für die Sprachbenützer allerdings dürfte die Verbindung dieser Paare einerseits durch die teils orthographische und somit auch phonetische Verschiedenheit und andererseits durch die abweichende semantische Bedeutung nicht mehr aufrecht sein. Sexusdifferenzierenden Personenbezeichnungen werden daher eher vermieden.[59]

1.2.2 Komposition bzw. compounding mit sexusdifferenzierenden Nomen oder Pronomen

Neben der Derivation, diskutiert im vorhergehenden Kapitel, bietet die Wortbildung eine weitere Möglichkeit zur Bildung von geschlechtsspezifischen Personenbezeichnungen an, die Komposition im Deutschen bzw. compounding im Englischen mit sexusdifferenzierenden Nomen oder Pronomen. Im Deutschen und Englischen besteht ein wesentlicher Unterschied in der Vorstellung von Komposition bzw. compounding. In diesem Kapitel werden die in der deutschen Sprache verwendete zusammengesetzte Nomen daher Komposita genannt und die englischen nach der englischsprachigen Literatur compound nouns.

1.2.2.1 Komposition mit sexusdifferenzierenden Nomen oder Pronomen im Deutschen

Die deutsche Komposition unterscheidet zwei Typen, von denen jedoch nur die Zusammensetzung und daraus wiederum nur das Determinativkompositum hier von Bedeutung ist. Determinativkomposita mit geschlechtsspezifischen Nomen bestehen im Deutschen aus einem nominalen Grundwort, das den Sexus bzw. das Genus des gesamten Wortes bestimmt, und aus einem Bestimmungswort, dessen Wortcharakter allerdings nicht ausgeprägt zu sein braucht. Als Bestimmungswort können sämtliche Wortarten fungieren, in stark eingeschränktem Maße auch Adjektive, z.B. Bestmann, und Indefinitpronomen, z.B. Andermann. Geschlechtsspezifische Pronomen, also die Pronomen der dritten Person Singular er und sie, und auch das das Geschlecht des gesamten Kompositums bestimmende Nomen können nicht das Bestimmungwort bilden, wie das im Englischen der Fall ist. Bildungen wie Frauenheld, Mädchenhändler oder Männerfeind sind als Held der Frauen, Händler von Mädchen und Feind der Männer und nicht als weiblicher Held, weiblicher Händler und männlicher Feind zu interpretieren.

Grundwort und Bestimmungswort verschmelzen orthographisch in den meisten Fällen zu einem Wort, vor allem dann, wenn das Bestimmungswort durch ein Fugenelement mit dem Grundwort verbunden wird oder der Wortcharakter des Bestimmungswortes nicht ausgeprägt ist. Zu Bildungen mit Bindestrich kann es bei sogenannten Dekomposita (Fleischer, 1982, 77) kommen, d.h. wenn das Kompositum aus drei oder mehr Kompositionselementen besteht wie in Top-Fotomodell (Kr1.2.10.L.12a) oder Jeans-Moden-Kaufmann (Kr2.1.3.L.8b), bei Präfigierung mit ex - wie in Ex-Sportklub-Mann (Kr2.21.11.S.41b), bei Kompositionen mit Akronymen wie UN-Mann (DP1.5.4.Ts.12f), VP-Klubobmann (DP1.19.10.T.j) und bei Kompositionen mit Namen als Bestimmungswort, z.B. Strauß-Buben (DP2.3.1.K.5a), Rothschild-Tochter (DP2.23.5.Ta.10c). Bei der Schreibung mit oder ohne Bindestrich wird aber nicht unbedingt einer orthographischen Regel gefolgt, denn vor allem die schriftliche Umgangssprache, die meist in den Tageszeitungen vorkommt, verwendet beide Schreibweisen nebeneinander, teilweise sogar im selben Artikel.

Die Kompositionsbildungen lassen sich in folgende Gruppen einteilen:

1. Komposition mit Geschlechtswörtern: Zur Bildung von maskulinen Determinativkomposita fungieren folgende Nomen als Grundwort: - mann (Froschmann (Kr2.12.7.S.31c) , Steuermann, Zimmermann, Edelmann, Privatmann) , - kerl (Mordskerl), - bub (Spitzbub, Lausbub), - knabe (Sängerknabe), - männchen[60] /-männlein (Traummännlein (DP2.15.9.L.4m)) , - herr (Alleinherr, Freiherr, Feudalherr), - papst (Kultur-, Rock-, Skipapst (alle Beispiele Duden, 1984, 477), Musikpapst (DP2.15.9.K.5f)), - baron (Wehrbaron (Kr2.1.3.Tb)). Feminine Determinativkomposita werden mit folgenden Nomen als Grundwort gebildet: - frau (Jungfrau, Ehefrau, Marktfrau, Wehfrau), - dame (Edeldame, Hausdame, Werbedame (Kr2.1.3.AW.24c)) , - mädchen (Stubenmädchen, Kindermädchen, Freudenmädchen (Kr2.12.7.A.4/5d)) , - weib, -weibchen 53 /-weiblein (Kräuterweiblein). Als Bestimmungswort können auch nichtdeutsche Wörter fungieren wie in Stripteasemädchen (Kr3.23.12.AW.29a), Showmann (DP2.15.9.K.5f). Selbst Geschlechtswörter aus dem Englischen werden häufig als Grundwörter verwendet, die dann entweder mit deutschen oder englischen Bestimmungswörter verbunden werden, z.B. - boy (US-Boys (Kr1.11.2.P.2a), - master (Quiz- und Showmaster (Kr2.21.11.L.6a)), - lady (Strapslady (Kr3.23.12.AW.30b)) etc.

Es sind auch einige Zusammenbildungen mit geschlechtsspezifischen Personenbezeichnungen möglich wie Stehaufmännchen.

2. Komposition mit Verwandtschaftsbezeichnungen: Komposita dieses Typs haben sehr oft nichts mit wahrer Verwandtschaft zu tun, sondern zeigen nur an, ob es sich um eine männliche oder weibliche Person handelt. Unendlich viele ad-hoc Bildungen sind der Umgangssprache zuzuschreiben und meist sind andersgeschlechtliche Entsprechungen nicht möglich. Als Grundwort fungieren - onkel (Patenonkel, Stotteronkel (Fleischer, 1982, 100) ), - bruder (Zwillingsbruder, Saufbruder, Zechbruder, Radaubruder), - vater (Stiefvater, Rabenvater, Landesvater (DP1.14.7.T.g)), - mutter/ - mutti (Hausmutter, Tagesmutter (Kr3.23.12.AW.24b), Igelmutti (Kr2.12.7.Ta)), - tante (Tratschtante, Klatschtante), - schwester (Krankenschwester, Klosterschwester) - base (Klatschbase) etc.

3. Komposition mit Personennamen: Das Grundwort dieses Kompositionstyps besteht aus einem männlichen oder weiblichen Personennamen, z.B. - heini, -fritze, -suse, -trine, -liese, -august, -maxe, -peter etc. (Naumann, 94). Sie werden appellativ gebraucht und sind weitgehend austauschbar, z.B. Heulpeter, -fritze, -michel; Heulsuse, -liese, -trine. (Fleischer, 1982, 100). Ihre Verwendung hängt stark von der sprachlichen Region ab.

Die orthographische Realisierung der deutschen Komposita in einem Wort erschwert die Unterscheidung zwischen Komposition und Derivation, denn aus Kompositionsgliedern können zunächst Halbsuffixe oder Suffixoide und später dann echte Affixe entstehen.[61] Beispiele für bereits anerkannte Suffixoide sind - mann, -frau und die oben genannten Personennamen. Einzig - bold und - ian werden als echte Suffixe betrachtet. Im Duden (DuGr, 1984) werden auch - papst und Verwandtschaftsbezeichnungen wie -tante, -bruder etc. als Suffixoide behandelt. Demensprechend häufig finden sich neben Bildungen mit echten Suffixen auch und vor allem in der Umgangssprache Bildungen mit Suffixoiden, z.B. Sportsmann[62] neben Sportler, Forstmann neben Förster, Weltrekordmann neben Weltrekordler, Bauersfrau[63] neben Bäuerin. Komposita können im Deutschen unendlich gebildet werden,[64] sie sind weniger eingeschränkt und im okkasionellen Gebrauch fast ausnahmslos akzeptiert. (Barz, 63).

1.2.2.2 Compounding mit sexusdifferenzierenden Nomen oder Pronomen im Englischen

Englische compound nouns können, wie schon erwähnt, auch die Pronomen he und she als Bestimmungswörter haben. Im Unterschied zu deutschen Komposita haben sie mit einigen wenigen Ausnahmen, z.B. craftsman, stateswoman (Ro. 746.2), kein Fugenelement, d.h. compound nouns werden durch einfache Addition der Konstituenten gebildet. Orthographisch können compound nouns in einem Wort, in zwei oder mehr Wörtern oder durch Bindestrich realisiert werden. Marchand (1984-A) beschreibt in seiner Arbeit Studies in Syntax and Wordformation acht verschiedene compounding Typen nach der Funktion der Kompositionsglieder im Analysesatz. Ich beschränke mich auf sechs Typen:[65] (alle nicht zitierten Beispiele stammen aus Marchand, 1984-A, 276-318)

1. Typ girl friend: Compound nouns dieser Gruppe können durch die Formeln AB = A und AB = B analysiert werden, d.h. girl friend ist zugleich girl und friend.[66] Das zugrundeliegende Verb im Analysesatz ist to be (sein). Bei geschlechtsspezifischen Personenbezeichnungen dieses Typs bezeichnen beide Kompositionsglieder Personen und eine davon gibt das Geschlecht an. Zu den Beispielen gehören boy friend, woman writer, manservant, girl child, man-god, servant girl, slave girl, drummer boy, washerwoman, girl singers (TG.6.März.1985.9), lady violinist (TG.5.Mai.1980.6), woman candidate (TT.2.Dez.1975.12). Es sind auch Bildungen möglich, die aus drei Nomen bestehen, wobei zwei bereits ein personenbezeichnendes compound noun bilden und das dritte lediglich die Information [+mask.] oder [+fem.] hinzufügt wie in woman police officer (TG.13.Sept.1975.T). Im Plural werden bei Bildungen, in denen man oder woman vorangestellt ist, auch diese ins Plural gesetzt, z.B. women bricklayers (Eu.3.Dez.1975.9), women gardeners (TG.2.Juli.1965.10), women prisoners (TG.2.Mai.1980.3), women workers (TT.1.Dez.1975.17), menservants. Bei allen anderen compound nouns wird nur die zweite Konstituente in den Plural gesetzt, z.B. girl singers, boy friends.

Bildungen dieses Typs haben attributiven Charakter, denn die erste Konstituente kann durch ein Adjektiv ersetzt werden, z.B. boy friend - male friend, woman writer - female writer, manservant - male servant, girl child - female child, man-god - male god. Auch in den Beipielen servant girl, slave girl, drummer boy, washerwoman kann das geschlechtsspezifische Nomen durch ein Adjektiv ersetzt werden, das allerdings dann dem Nomen vorangeht, z.B. female servant, female slave, male drummer, female washer.

In diese Gruppe gehören auch geschlechtsspezifische Bezeichnungen, deren erste Konstituente aus einem Adjektiv besteht wie in madman, gentleman, au pair girl (Ro. 750.8), noblewoman (Ro. 918.6) , goodwife (Ro. 933.9) .

2. Typ postman: Diesem Typ liegt eine Subjekt-Objekt-Beziehung der Konstituenten im Analysesatz zugrunde. Die Analyseformel ist AB = B aber AB ¹ A, He is a man aber nicht He is a post. Die Subjekt-Objekt-Beziehung wird durch Verben wie make, sell, operate etc. ausgedrückt. Zu den Beipielen gehören alle compound nouns mit - man (ambulance man, cattleman, elevator man, craftsman, postman), - boy (cowboy, bellboy (Ro. 750.5) , footboy (Ro. 750.5) , office boy (Ro. 750.5)), - girl (schoolgirl, dancing girl, errand girl (Ro. 750.5), serving girl (Ro. 750.5)), - maid(en) (handmaid, parlormaid, housemaid, kitchenmaid, chambermaid (alle fünf Beispiele Ro. 750.8) , barmaid (TG.13.Sept.1975.5)), - wife (housewife (Ro. 749.1) ,), - woman (policewoman (TG.1.März.1985.1), airwoman (TG.7.Mai.1980.11), Frenchwoman (TT.27.Aug. 1970.14)), - lady / - lord (cleaning lady, landlady, landlord, warlord (Ro. 749.14)). Auch hier sind Bildungen aus drei Konstituenten möglich wie in newspaper boy, common-law wife (Ro. 933.9), city councilman (Ro. 749.17), state chairman (Ro. 746.12).

Die compound nouns des Typs postman gewannen stark an Popularität und konkurrieren häufig mit suffigierten Personenbezeichnungen. In vielen Fällen haben sie alte Formen auf - er wie bottler, glover, saddler (alle Beispiele Marchand, 1984-A , 313) und vor allem Bildungen mit - ier, von denen heute nur noch einige wenige wie clothier, collier und lawyer (alle Beispiele Marchand, 1984-A , 313) erhalten sind, ersetzt. Allerdings sind Bildungen mit - man in ihrem Anwendungsbereich eingeschränkt, denn es kommt nur in zweitagmemischen Bildungen wie shearman, milkman, cave man vor (Unterhuber, 26). In dreitagmemischen Bildungen wird es vom bereits oben genannten Suffix - er verdrängt.

3. Typ call girl: Compounding von Verb und Objekt ergibt nur in seltenen Fällen eine Personenbezeichnung, Analysesatz He / She calls the girl. Einige der wenigen Beispiele sind pin up girl, playboy, sobsister, scrubwoman, hangman, crybaby. In der Umgangssprache kommen jedoch einige ad-hoc Bildungen vor, die teilweise bis in die Zeitungssprache dringen, z.B. kidnap woman. Hier wird aber die Analyse problematisch, denn man könnte theoretisch zwei Analysesätze bilden (a) The woman kidnapped someone und (b) Someone kidnapped the woman. Im genannten Fall ist (b) gemeint, somit ist der Gebrauch des Infinitivs nur eine Vereinfachung gegenüber dem Partizip, the kidnapped woman. Zur selben Gruppe gehören auch Verb-Objekt compounds, deren Verb ein transportierendes - ing enthält wie cleaning lady, dancing girl. (Unterhuber, 29)

4. Typ baker's boy: Auch hier handelt es sich um eine Subjekt-Objekt-Beziehung, der aber Verben wie have, employ etc. zugrundeliegen, The farmer has/employs a boy. Bei Personenbezeichnungen bestehen solche compound nouns jeweils aus zwei personenbezeichnende Nomen, wobei das erste wie ein Genitiv behandelt und auch so orthographisch realisiert wird. Einige Beispiele sind lady's maid (Ro. 750.8), gentleman's gentleman (Ro. 750.4), ship's husband[67] (Ro. 748.1)

5. Typ he-man:[68] Während im BE he- und she- in compound nouns wie in den Tierbezeichnungen he-dog, she-goat einfach männlich im Unterschied zu weiblich bzw. weiblich im Unterschied bzw. männlich bedeuten, betont he - in amerikanischen compound nouns wie he-fellow (1829), he-man (1832), he-male (1909), he-drinker die Männlichkeit, den kraftsrotzenden Idealtyp des Männlichen. he - wird auch mit femininen allerdings pejorativen Wörtern verbunden, um das Männliche auszudrücken, z.B. he-frump, he-whore. Als einzige feminine Bildung wird she-gal (eine Frau "mit Haaren auf den Zähnen") akzeptiert. Sämtliche Bildungen dieser Art sind, wie schon erwähnt in den USA enstanden, haben aber Eingang in das BE gefunden und werden dort als Amerikanismen akzeptiert.

6. Typ lady-in-waiting: Solche compound nouns oder auch Zusammenbildungen aus nominalen oder verbalen Präpositionsalphrasen sind durchaus populär mit Personenbezeichnungen. Zu den bekanntesten Beispielen gehört die Gruppe der Verwandtschaftsbezeichnungen mit -in-law, weitere Beispiele sind lord-in-waiting (Ro. 750.4) , right-hand man (Ro. 750.3) , live-out maid (Ro. 750.8), live-in maid (Ro. 750.8), person in charge (Ro. 748.1), master of ceremonies (Ro. 748.4), etc.

1.3 Möglichkeiten der Syntax

Ausgangspunkt der Diskussion stellen Personenbezeichnungen dar, die entweder keinen Sexus angeben (Differentialgenus; Personenbezeichnungen, die semantisch keinen Sexus markieren wie Person, Kind, Mensch etc.) oder maskulines Genus haben, aber als genus commune behandelt werden (Liebling, Typ etc.). Es stellt sich nun die Frage, welche syntaktischen Möglichkeiten die Sprecher des Deutschen und Englischen haben, das natürliche Geschlecht einer solchen Personenbezeichnung zu benennen.

1.3.1 Artikel und artikelartige Pronomen

Das Deutsche bietet durch den Besitz des Genus einen maskulinen und femininen Artikel, die wiederum in bestimmte und unbestimmte Artikel beider Genii eingeteilt werden (der, die, ein, eine). Artikelartige Pronomen stellen eine Subklasse von Pronomen dar, die sich wie der bestimmte Artikel verhalten. Dazu gehören die Demonstrativpronomen diese/r, jene/r, der, die, derjenige, diejenige, die Possessivpronomen (mein/e, dein/e etc.) und die Indefinitpronomen jede/r, manche/r, kein/e.[69] Mit Hilfe von Artikel und artikelartigen Pronomen läßt sich das natürliche Geschlecht von Personenbezeichnungen mit Differentialgenus bestimmen, d.h. substantivierte Adjektive oder Partizipien, die sowohl maskulin als auch feminin ohne Derivationsunterschiede auftreten können, und in Einzelfällen auch Personenbezeichnungen mit genus commune.

Beispiele für Differentialgenus[70]:

mask . der Angestellt e fem. die Angestellt e mask. dieser Beschäftigt e fem. diese Beschäftigt e

mask. jener Schön e fem. jene Schön e

mask. jeder Groß e fem. jede Groß e

aber :

mask. mein Angestellt er fem . meine Angestellt e

mask . kein Beschäftigt er fem . keine Beschäftigt e

Beispiel für genus commune:

mask. der Papu a[71] fem. die Papu a

Für das Englische gibt es diese Möglichkeit wegen des Fehlens eines grammatischen Genus nicht.

1.3.2 Sexusdifferenzierende Adjektive

Häufig wird das natürliche Geschlecht einer Person nicht durch die Personenbezeichnung selbst sondern durch ein sexusdifferenzierendes Adjektiv ausgedrückt, d.h. dem Nomen wird ein Adjektiv beigefügt, das semantisch das Merkmal [+mask.] oder [+fem.] innehat und somit dem Nomen, zu dem es gehört, dieses fehlende Merkmal überträgt. Zur Gruppe der sexusdifferenzierenden Adjektive gehören im Deutschen männlich und weiblich und im Englischen male und female. Nicht zu dieser Gruppe gehören Adjektive, die semantisch 'wie ein Mann' oder 'wie eine Frau' etc. bedeuten wie dt. weibisch, buben-, mädchen-, mannhaft, maskulin, feminin, und engl. girlish, boyish, masculine, feminine, ladylike, gentlemanlike etc.

Sexusdifferenzierende Adjektive können:

(1) den Sexus von sexusunspezifischen Personenbezeichnungen bestimmen wie dt. weibliche Personen, ein männliches Kind,

(2) Bildungen mit lexikalisch maskulinem Genus, die aber wie genus commune behandelt werden, nach dem Sexus einteilen, z.B. dt. weibliche Anlernlinge (Kr1.11.2.AW.43a), weibliche und männliche Teenager (Kr4.11.5.L.15a), der weibliche Star (Kr4.11.5.L.6a), und engl. female member (TG.2.März.1985.25), female philatelists (TT.2.Dez.1975.12),

(3) Metonymen, die eine Person bezeichnen, einem Geschlecht zuordnen, z.B. weibliche Kraft (Kr2.1.3.AW.26a), weibliche Ergänzung (Kr4.11.5.AW.32a).

Nomengruppen mit einem femininen Adjektiv konkurrieren im Deutschen häufig mit movierten Feminina, z.B. weibliche IRA-Anhänger (DP1.5.4.P.2e), weiblicher Kandidat (DP3.23.5.Re.3b), weibliche Täter (DP1.5.4.K.11d) anstelle von IRA-Anhängerinnen, Kandidatin, und Täterinnen. Im Englischen sind Nomengruppen mit femininem Adjektiv fast immer durch eine Komposition mit woman, girl, lady etc. austauschbar. Statt female member (TG.2.März.1985.25), female park employees (TG.2.Juli.1965.10), female park keepers (TG.2.Juli.1965.10), female philatelists (TT.2.Dez.1975.12) sind auch woman member, women park employees, women park keepers und women philatelists möglich. Umgekehrt lassen sich auch girl singers (TG.6.März.1985.9), woman candidate (TT.2.Dez.1975.12), women bricklayers (Eu.3.Dez.1975.9), women gardeners (TG.2.Juli.1965.10), women prisoners (TG.2.Mai.1980.3), women workers (TT.1.Dez.1975.17) und lady violinist (TG.5.Mai.1980.6) als female singers, female candidate, female bricklayers etc. ausdrücken.[72]

Es wird auch eine semantisch maskuline Bildung sowohl im Englischen als auch im Deutschen aus Gründen der Markierung des männlichen Sexus eines in dieser Situation sonst sexuell unmarkierten und deshalb sowohl maskulin als auch feminin interpretierbaren Wortes gerne mit einem maskulinen Adjektiv versehen, z.B. dt. männliche Kollegen (DP3.24.2.WI.7i), männliche Autofahrer (Kr4.11.5.A.5a), engl. male workers (TT.1.Dez.1975.17), male member (TG.2.März.1985.25).

Durch das Übergreifen der Frauen und Männer auf ursprünglich nur männlich bzw. nur weiblich besetzte Berufe wurde in einigen Fällen das semantisch maskuline bzw. feminine Wort mit einem sexusdifferenzierenden Adjektiv des anderen Sexus versehen, und so entstanden Bildungen wie engl. male midwives (Eu.3.Dez.1975.9), male models (Eu.3.Dez.1975.9) oder die, trotz der Bildung Pfleger noch übliche, männliche Krankenschwester. Deutsche Sprecher wenden bei der Bildung femininer Bezeichnungen eher die Methode der Movierung an, auch bei ursprünglich nur maskulinen Bildungen, z.B. Pfarrer - Pfarrerin, und maskuline Bezeichnungen werden überhaupt neu gebildet, z.B. Hebamme - Geburtshelfer[73].

1.3.3 Apposition von Anredeformen

Die Apposition an sich ist ein nützliches Mittel zur Signalisierung des Sexus einer sexusunspezifischen oder sexuell unmarkierten Personenbezeichnung. Eine Form der Apposition begegnet uns täglich im Privat- oder Berufsleben, die Apposition von männlichen oder weiblichen Vornamen zu (sexuell unmarkierten) Familiennamen, z.B. Bernhard Krause, Sophie Kleiber etc. Im allgemeinen lassen sich männliche und weibliche Vornamen ohne weiteres erkennen, im Englischen (und auch teilweise im Deutschen besonders bei Abkürzungen) jedoch sind einige Formen enstanden, die sowohl Buben als auch Mädchen benennen können, z.B. Leslie, Chris, Sally, Andie etc.

Im Familienkreis ist es zudem durchaus üblich, Verwandte nicht nur bei ihrem Vornamen sondern auch bei ihrer verwandtschaftlichen Beziehung zu nennen wie in Onkel Toni, Tante Sabine, Vetter Kurt etc. Auch nicht verwandte Personen können mit Onkel oder Tante angesprochen werden, und das könnte dann so lauten: Onkel Müller zum Unterschied von Tante Müller. Während bei richtiger Verwandtschaft die Betonung eher auf der Beziehung zwischen dem Sprecher und der verwandten Person liegt, handelt es hier sich um eine tatsächliche Unterscheidungshilfe zwischen einer männlichen und einer weiblichen Person. Dieselbe Aufgabe übernehmen im Deutschen und Englischen die männlichen und weiblichen Anredeformen.

Zu den Anredeformen gehören die Bildungen dt. Herr, Frau und Fräulein und engl. Mr. (Mister), Mrs. (Missis), Miß und Ms. /Miz/.[74] Die Formen Miß und Mister kennt in speziellen Situation auch das Deutsche, z.B. Miß Austria, Mister Universum.

Anredeformen können in folgenden Situationen verwendet werden:

1. Voranstellung vor einem Personennamen: Entweder vor einem Vor- oder einem Familiennamen, z.B. Frau Müller, Fräulein Maria, Herr Peter, Mr. Smith, Miß Susan etc. Obwohl die Anredeformen in beiden Fällen Höflichkeit ausdrückt, so liegt bei Familiennamen doch die männliche und weibliche Unterscheidung im Vordergrund. Die Anredeformen können im Deutschen dort weggelassen werden, wo anstelle dieser ein bestimmter Artikel verwendet wird, die Müller, der Frühauf, oder wenn die Person bekannt ist bzw. es durch den Kontext klar ist, ob es sich dabei um einen Mann oder eine Frau handelt.

2. Voranstellung vor einem Titel oder einer Berufsbezeichnung: Diese Verwendung der Anredeformen ist nur auf das Deutsche und im wesentlichen auf die Formen Frau und Herr beschränkt.[75] Im Englischen gibt es nur einen einzigen Fall, wo eine Anredeform vor einen Titel gesetzt wird, bei Mr President. Das Deutsche hingegen kennt dabei überhaupt keine Einschränkungen. Die Anredeformen Herr und Frau werden

a) vor aristokratische Titel gestellt, Herr Baron, Frau Gräfin (mit Ausnahme von Kaiser, Kaiserin),
b) vor akademische Titel Herr Professor (Kr3.17.8.K.14b), Herr Universitätsprofessor (Kr3.5.4.AW.26a), Frau Doktor (Kr4.1.9.L.8a) ,
c) vor Bezeichnungen von beruflichen Positionen Herr Finanzminister (DP1.19.10.Re.4a), Herr Kanzler (DP1.19.10.Re.4a), Frau Oberst (Kr3.23.12.K.25a), Frau Stadtrat (DP1.19.10.Ta.12a), hier auch in Verbindung mit Titel und Namen z.B. "[...] senden Sie mir ein Exemplar des neuen Buches von Herrn Dr. med. E.R." (Kr2.12.7.AW.28a),
d) vor Berufsbezeichnungen Herr Förster (Kr3.17.8.K.14a),
e) vor Verwandtschaftsbezeichnungen Frau Schwiegermutter (Kr4.19.1.L.10/11f), Herr Papa, hier sind auch Bildungen mit Fräulein möglich z.B. Fräulein Tochter,
f) vor Personenbezeichnungen in bestimmten Situationen Herr Zeuge (DP1.19.10.Ta.12d), Frau und Herr Normalverbraucher (DP2.23.5.WI.9a).

1.3.4 Sexusdifferenzierende Pronomen im Kontext

Eine andere Möglichkeit, auf das natürliche Geschlecht einer Person hinzuweisen, ist die Verwendung eines sexusdifferenzierenden Pronomens im Kontext. Sowohl im Deutschen als auch im Englischen sind das die Personalpronomen der dritten Person Singular dt. er und sie, engl. he und she (in sämtlichen Kasi), und die dazugehörigen Possessivpronomen dt. sein und ihr, engl. his und her. Allerdings ist die Sexusdifferenzierung nur auf den Singular beschränkt, da es im Plural für das Maskulinum und Femininum in beiden Sprachen nur eine einzige Form gibt, dt. sie - ihr, engl. they - their.

Im Deutschen ist die Verwendung von Pronomen und sexusunspezifischer oder unmarkierter Bildung bzw. sexusspezifischer Bildung (hier im speziellen femininer Bildungen) unterschiedlich. Die Verwendung läßt sich anhand folgender Beispiele demonstrieren:

(1a) [...] zählt Innenminister R. seine [...] Ausgaben auf: So hat er eine Broschüre [...] "Tips für Vorsichtige" [...] in Auftrag gegeben, die nach Rechnung des [...] Ministers 18.926, 83 Schilling gekostet hat. (DP2.23.5.P.2d)

(1b) E.K. nützt sie als Bearbeiterin, Regisseurin und Ausstatterin [..]. (DP3.24.2.K.5b)

(1c) Man nennt sie Klassizistin, man charakterisiert sie als Elektizistin [...]. (DP3.24.2.K.5e)

In den Beispielen (1) werden maskuline bzw. feminine Pronomen verwendet, um auf eine maskuline bzw. feminine Bildung hinzuweisen. In (1b) und (1c) wären auch maskuline Bildungen möglich, da es sich um geschlechtlich unmarkierte aber grammatisch maskuline Bezeichnungen handelt, in (1a) ist aber keine feminine Bildung möglich:

°°(1a) [...] zählt Innenministerin R. seine [...] Ausgaben auf: So hat er eine Broschüre [...] in Auftrag gegeben [...].

°(1b) E.K. nützt sie als Bearbeiter, Regisseur und Ausstatter.

°(1c) Man nennt sie Klassizist, man charakterisiert sie als Elektizist.

In den Beispielen (2a-e) weisen maskuline bzw. feminine Pronomen auf Bildungen mit maskulinem, femininem oder neutralem Genus hin. Das sind die unter Kap. 1.2.1.3.2. diskutierten Personenbezeichnungen, d.h. Bildungen, die nicht mittels - in moviert werden können, mit Ausnahme derjenigen, die semantisch schon für einen Sexus spezifiziert sind.

(2a) Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, [...], ist [..] an der Spitze einer 15 Mitglieder zählenden Delegation zu einem [..] Besuch Griechenlands in Athen eingetroffen. Er erwidert damit die Visite des Erzbischofs von Athen [..]. (DP1.19.10.P.2e)

(2b) [..] erzählt der Chef des Hauses, [..] wo K. ebenfalls als Dauergast reklamiert wird: [..] daß er"länger als fünfzehn Jahre Gast des Ortes" gewesen ist. (DP2.3.1.Re.3b)

(2c) T. ist der Neuling. [..] muß er sich deutliche Worte von seinem"General" sagen lassen. (DP2.3.1.Re.3b)

(2d) [..] wurde er zur zentralen Figur im Spiel der Bregenzer. (DP1.14.7.S.6a)

(2e) In deutsche Lande kam sie zurück als Bühnenstar. (DP3.1.6.Re.3c)

In (2a) könnte das maskuline Pronomen theoretisch durch das neutrale es ersetzt werden.

°(2a) Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, [...], ist [..] an der Spitze einer 15 Mitglieder zählenden Delegation zu einem [..] Besuch Griechenlands in Athen eingetroffen. Es erwidert damit die Visite des Erzbischofs von Athen [...].

Da es sich in diesem Fall aber nur um eine männliche Person handeln kann - und der Leser das offensichtlich auch weiß - wird auf das eher störende es verzichtet und stattdessen das Pronomen verwendet, das dem natürlichen Geschlecht der Person entspricht. Es handelt sich hier um die rhetorische Verknüpfung der Epanalepse. Ähnlich vorgegangen wird bei Mädchen, das mündlich nur durch das Pronomen sie und schriftlich sehr oft durch das Pronomen sie ersetzt wird. Auch bei Kind lassen sich einige Unregelmäßigkeiten feststellen. Ist bekannt, daß es sich bei dem Kind um einen Buben oder um ein Mädchen handelt, so wird auch im schriftlichen Deutsch gerne er oder sie anstelle von es verwendet. Das tritt vor allem dann auf, wenn das Wort Kind selbst weiter oben im Text erscheint und somit der grammatische Zusammenhang zwischen dem Genus des Wortes und dem Pronomen nicht mehr so offensichtlich ist. Es kann aber auch genau das Umgekehrte eintreten, nämlich die strikte Einhaltung der grammatischen Regel. Das folgende Beispiel (3) demonstriert, wie auf dieselbe Person im selben Text mit verschiedenen Pronomen hingewiesen wird.

(3) Die 42jährige N.L. ist das erste Opfer des Massenmörders, das den Anschlag überlebte. Frau L. war auf dem Weg [..] nach Hause, als "Jack the Ripper"sie bewußtlos schlug. "Wahrscheinlich ließ er sein Opfer los, als er merkte, daß es keine Prostituierte war ", meinte Chiefdedektiv C.O. (Kr2.12.7.A.4/5d)

In den Beispielen (4) werden sexusneutrale Bildungen mit maskulinem Genus durch maskuline Pronomen ersetzt, die jedoch als genus commune behandelt werden, d.h. es sind sowohl Männer als auch Frauen gemeint.

(4a) [..] ob für den Betroffenen das, was in der Statistik dann als "klein" aufscheint, nicht groß genug ist, daß er lauthals erst nach der Polizei, dann nach dem Richter schreit. (DP2.3.1.T.g)

(4b) Der Fußballfan vergißt eben so schnell, wie er verdammt oder hochjubelt. (DP1.14.7.S.6f)

Eine Diskussion des Englischen erübrigt sich, da durch das Fehlen eines grammatischen Genus und durch den Mangel sowohl an maskulinen als auch an femininen Movierungen ohnehin jede Personenbezeichnung maskulin oder feminin interpretiert werden kann, mit Ausnahme der Bildungen, die semantisch für ein Geschlecht spezifiziert sind. Feminine Interpretationen von ursprünglich maskulinen Bildungen oder feminine bzw. maskuline Interpretationen von sexusneutralen Bildungen sind sowohl im mündlichen als auch im schriftlichen Englisch üblich. Allerdings kann der Hinweis auf den tatsächlichen Sexus der genannten Person erst im nächsten Satz oder überhaupt erst viel später kommen, was für den Leser/die Leserin verwirrend sein könnte:[76]

(5) The first child I ever reported as a suspected victim of child abuse had a broken humerus at the age of 2, courtesy of her mother´s lover.

(Marise K. Johnson, Letters to the editor S.5, Newsweek 23.01.1995)

(6) We would be happy to work with your correspondent in Delhi so that he can present your readers with the environmental advantages of our power project.

(Joseph W. Sutton, Letters to the editor S.5, Newsweek 23.01.1995)

(7) It´s ludicrous that the chief medical officer of the United States should be fired for speaking frankly about the need for better sex education, especially considering the crisis of AIDS and teen pregnancy. Wasn´t that her job?

(David Weissman, Letters to the editor S.5, Newsweek 23.01.1995)

1.4 Vermeidung von sexusdifferenzierenden Personenbezeichnungen

Das Deutsche hat nicht nur das Bestreben, das natürliche Geschlecht einer Person sprachlich zu erfassen, sondern sucht auch nach einer gegenläufigen Möglichkeit, um speziell für die Bedürfnisse der modernen Arbeitswelt sexusneutrale Gewerbe- und Berufsbezeichnungen zu schaffen (vgl. DuGr, 462). Aber auch im Englischen machen sich trotz seiner geringen Movierungsfähigkeit Tendenzen zur Vermeidung der Sexusdifferenzierung von Berufs- und Gewerbebezeichnungen bemerkbar, d.h. die Sprecher des Englischen sind sich doch der Notwendigkeit wenn schon nicht des Weiblichen so doch wenigstens eines Neutralen bewußt, im besonderen dann, wenn Berufs- und Gewerbebezeichnungen explizit für einen Sexus spezifiziert sind und neutralisiert werden sollen, z.B. cleaning lady, chairman. Gramley (1992) nennt als Ursache dieser Tendenzen dissatisfaction with sexist language (22). Dies führt nach Gramley (1992) im Englischen

(1) zur Bildung sexusvermeidender also semantisch geschlechtsneutraler Bezeichnungen, wo sowohl ein Mann als auch eine Frau gleichzeitig gemeint sind und das Wort eindeutig maskulin (chairman - chairperson) oder eindeutig feminin (housewife - homemaker in AE) ist,
(2) zur Bildung von femininen Bezeichnungen, wenn ausschließlich Frauen gemeint sind und das Wort eindeutig maskulin ist (salesman - saleswoman),
(3) zur Vermeidung lexikalischer femininer Bezeichnungen mit pejorativer Konnotation und/oder stattdessen Neubildung von femininen oder sexusneutralen Wörtern.

Hier sollen jedoch nur die sexusvermeidenden Bezeichnungen behandelt werden. Unter sexusvermeidende Bezeichnungen fallen alle Bildungen, die anstelle von sexusdifferenzierenden Personenbezeichnungen verwendet werden oder eine Person bezeichnen, selbst aber keine Personenbezeichnung darstellen und somit auch nicht das natürliche Geschlecht der gemeinten Person angeben. Kritisch wird die Unterscheidung zwischen sexusspezifischen und sexusvermeidenden Bildungen bei sexusunspezifischen Wörter, die trotzdem bevorzugt für den einen oder anderen Sexus verwendet werden.

Um die sexusvermeidende Bezeichnung wiederum in bestimmten Situationen für ein Geschlecht zu spezifizieren, können sexusspezifische Adjektive entweder voran- oder nachgestellt werden, z.B. Ganztagskraft weiblich (Kr3.5.4.AW.24b), weibliche Arbeitskräfte (DP3.24.2.WI.7i), Büffetkraft weiblich (Kr3.5.4.AW.24b). Im Englischen besteht zudem noch die Möglichkeit des compounding mit sexusspezifischen (nicht unbedingt menschlichen) Nomen, z.B. stag party - hen party. (Cure, 550)

Die Bildungen lassen sich zu folgenden Gruppen zusammenfassen:

Metonyme

Die Metonymie gibt der Sprache die Möglichkeit, das eigentlich gemeinte Wort durch ein anderes zu ersetzen, das ' in einer realen geistigen oder sachlichen Beziehung zu ihm steht ' (Metzler, 283, 2). In diesem Falle handelt es sich um eine Bildung, die normalerweise keine Personenbezeichnung darstellt, aber als solche verwendet wird, um eine sexusspezifische Bezeichnung zu vermeiden.

Im Deutschen:

(1) Komposition mit -hilfe: Aushilfe (Kr3.17.8.AW.25b), Haushaltshilfe (DP3.11.10.K.4f), Küchenhilfe (Kr3.23.12.AW.26a), Tag-Nachtaushilfe (Kr3.17.8.AW.25b), Wochen-endaushilfen (Kr3.5.4.AW.24b).
(2) Komposition mit - kraft: Das Wort Kraft kann auch alleine verwendet werden, z.B. Kräfte (DP3.24.2.T.c). Im allgemeinen findet es sich aber in Kompositionen von zwei oder mehr Gliedern, Anlernkraft (Kr3.17.8.AW.25b), Maschinschreibkraft (Kr3.5.4.AW.24b), Buffetkraft (Kr3.17.8.AW.26b), Schank- und Küchenkraft (Kr3.17.8.AW.26b), Bürokräfte (DP3.24.2.Ta.12i), Buchhaltungs-Lohnverrechnungskraft (DP3.24.2.AW.4i), Streitkräfte (DP3.11.10.Re.3b), Führungskräfte (DP3.11.10.WI.6d), Teilzeitbürokraft (Kr3.17.8.AW.26b).
(3) Komposition mit - vorstand / - oberhaupt: Beide Wörter können und werden auch alleine verwendet und stellen selbst ein Abstraktum dar, das zur Vermeidung des Sexus der Person verwendet wird, Oberhaupt (DP3.11.10.P.2e), Vorstand (DP3.24.2.Ta.11a). Es kommt aber auch sehr häufig in Kompositionen vor wie z.B. Fachvorstand (DP3.11.10.L.7b), Kirchenoberhaupt (Kr3.23.12.P.3b). Bei Eigennamen als erste Konstituente kann die Komposition durch Bindestrich erfolgen, z.B. Austria - Vorstand (Kr3.5.4.S.38a).
(4) Abstrakta: Bedienung (DP3.24.2.AW.4i), Delegation (DP3.1.6.T.a), Ersatz (DP3.11.10.Re.3b), Ausnahmetalent (Kr3.5.4.S.35a), Skaare-Ersatz (DP3.11.10.S.5i) Finanz - Zollwache (DP3.24.2.Re.3a), Französischwunder (Kr3.23.12.AW.31b), Kontrollorgan (Kr3.17.8.L.13b), Nachwuchs (Kr3.23.12.L.11a), Oben-ohne-Bedienung (Kr3.5.4.AW.29a), Schlüsselpersönlichkeit (DP3.1.6.Re.3b), Prominenz (Kr3.17.8.K.18/19b), Persönlichkeiten (Kr3.17.8.L.10a), Presseorgane (DP3.11.10.T.e), Tierärztenachwuchs (DP3.1.6.L.7d), US-Delegation (DP3.24.2.P.2j), Tabus (DP3.1.6.Re.3b), V ertretungen (DP3.24.2.Re.3c), Schönheiten (Kr3.5.4.AW.29a).
(5) Kollektiva: Dazu gehören Duo, Trio, Quartett, Gruppe, Truppe, Chor, Familie, Personal, Publikum, Jugend, Paar, Generation, Einheit, Armee, Partie, Team, Mannschaft, Heer, Band, Militärs (DP3.11.10.Re.3b), Korps (DP3.1.6.Ta.8c), Crews (Kr3.5.4.L.9b), Ensemble (DP3.1.6.K.4a), Horde (Kr3.23.12.L.8a) . Alle genannten Beispiele kommen entweder als einzelne Wörter vor oder auch gerne in Kompositionen, z.B. Autorenduo (DP3.11.10.K.4e), Stangl-Trio (Kr3.17.8.L.6b), Oppositionsgruppe (DP3.24.2.P.2j), Startruppe (Kr3.17.8.S.34a), Bodentruppen (DP3.1.6.P.2b), Warschauer-Pakt-Truppen (DP3.1.6.P.2b), Staatsopernchor (Kr3.5.4.K.12a), ORF-Chor (Kr3.17.8.K.18a), Luftpersonal (DP3.1.6.P.2b), Büropersonal (DP3.24.2.Ta.12i), Übersetzungspersonal (DP3.24.2.Re.3c), Servierpersonal (Kr3.5.4.AW.24b), UN-Publikum (DP3.24.2.Re.3c), Stammpublikum (DP3.11.10.K.4b), VP-Jugend (DP3.24.2.I.4b), Liebespaar (Kr3.23.12.K.20a), Pensionistenehepaar (Kr3.23.12.K.36a), Provinzehepaar (Kr3.17.8.AW.27a), Wiederaufbaugeneration (DP3.1.6.Re.3c), Armee-Einheiten (DP3.24.2.Re.3a), Alpineinheiten (DP3.11.10.Ta.8e), Maler-/Tapeziererpartie (Kr3.17.8.AW.28a), Fernsehteam (Kr3.23.12.K.36a), Filmteam (Kr3.23.12.K.20a), Unter-21-Team (Kr3.23.12.S.33b), Nationalteam (Kr3.5.4.S.32b), Spitzenmannschaft (DP3.11.10.S.5a), Auswärtsmannschaften (Kr3.5.4.S.35c), Kampfmannschaft (Kr3.23.12.S.33b), Bundesheer (DP3.11.10.Ta.8e), US-Militärs (Kr3.5.4.P.2/3d), Techniker-Ensemble (Kr3.5.4.S.32a).

Weitere Beispiele von sexusvermeidenden Kollektiva sind Kundschaft (Kr3.23.12.K.17a), Verwandtschaft (DP3.24.2.Re.3a), Besatzung (DP3.24.2.P.2k), Bevölkerung (DP3.1.6.L.7c), Belegschaft (DP3.24.2.Re.3c), Öffentlichkeit (DP3.1.6.L.7e) und Zahlwörter wie Zehntausende (DP3.1.6.Ta.8f). Einige der genannten Kollektiva können auch als Singular verstanden werden wie Servierpersonal, Kundschaft, Publikum. Selbstverständlich können diese Kollektiva wiederum nach dem Sexus spezifiziert werden wie in Herrenteam (DP3.1.6.S.5h), Mädchenband (Kr3.17.8.A.6a).

Im Englischen:

1. Compounding mit help, force, hand: hired help (Ro.750.11), helping hand (Unterhuber, 361), farmhand (Unterhuber, 371), work force. Help wird meist ohne compounding als Ersatz für sexusspezifische Bezeichnungen verwendet.
2. Nominalgruppen mit head: head of the company, head of state
3. Kollektiva: company, group, grouping, groupment, party, band, gang, crew, cohort, troop, tribe, body, corpus, mob, crowd, squad, platoon, battalion, regiment, brigae, division, fleet, team, party, wing, clique, board, staff, couple, personnel, servantry, retinue, (alle Bsp. Ro.73.3/ 73.11), weiters audience, house, orchestra (alle Bsp. Ro.448.6), staff, personnel (alle Bsp. Ro.750.11), population, people, general public, folk, gentry, society (alle Bsp. Ro.415.3) etc.

[...]


[1] Im Duden (1984) findet sich ein Eintrag von einer halben Seite zu Motionsbildungen (S. 462, Eintrag 829). Möchte man mehr über dieses Phänomen wissen, muß man unter anderem sämtliche Einträge zu Genus, Sexus und den einzelnen (Movierungs) Suffixen einsehen. Eine ermüdende Jagd durch die Grammatik beginnt.

[2] Genaueres dazu siehe Gisela Brinker-Gabler Die Frau in der Gesellschaft. Frühe Texte. Frauenarbeit und Beruf. (Frankenfurt: Fischer, 1979).

[3] Auch ich muß mir hier eine Diskriminierung der Männer vorwerfen, indem ich dem weitverbreiteten Kavaliersspruch Ladies first folge und die Frauen vor den Männern nenne. Man möge mir diese Anlehnung an traditionelle Etiquette verzeihen und ihr keine allzu große Bedeutung beimessen.

[4] Auch die Arbeit von Ursula Doleschal (1989) zum Thema Movierung im Deutschen greift hauptsächlich auf Beispiele zurück, die schon in der Forschungsliteratur behandelt wurden.

[5] Für meine Arbeit wäre das unmöglich gewesen, da ich die ersten Fragebögen schon vor 20 Jahren hätte verteilen müssen.

[6] Der Standard stand nicht zur Diskussion, da er erst seit Oktober 1987 existiert, und Der Kurier offerierte teilweise wörtlich dieselben Meldungen wie die Kronenzeitung, welche wegen ihres kleinen Formates einfacher zu handhaben war. Regionale Tageszeitungen anderer Bundesländer kamen nicht in Betracht, da das Vokabular der Zeitungen zu spezifisch für diese Regionen ist, während ich mich in meiner Arbeit auf den österreichischen Standard bzw. die sprachliche Variante im ostösterreichischen Raum konzentrieren möchte.

[7] Die Dezemberausgabe 1992 der Presse stand mir zur Zeit der Untersuchung nicht zur Verfügung, ich entschied mich stattdessen für den November.

[8] Oxford English Software. MicroConcord. Version 03/09/1992. By Mike Scott and Tim Johns. Oxford University Press.

[9] Siehe dazu Dennis Baron (1986, 91-93)

[10] Siehe dazu Doleschal (1989, 11ff)

[11] Vergleiche dazu Bechert (1982, 25)

[12] siehe Anhang 1

[13] King, Robert. "Henry Purcell. Sämtliche Kirchenmusikwerke - Teil 1". Als Begleittext zur Compact Disc Henry Purcell. The Complete Anthems and Services - 1. Robert King, conductor. Hyperion, 1991. Übersetzung aus dem Englischen von Anne Steeb und Bernd Müller.

[14] Parrott, Andrew. "Taverner. Missa Gloria Tibi Trinitas". Als Begleittext zur gleichnamigen Compact Disc. Directed by Andrew Parrott. EMI Reflexe, 1988.

[15] Burrows, Donald. "A Fine Entertainment". Als Begleittext zur Compact Disc George Frideric Handel. Messiah. Directed by Trevor Pinnock. Archiv Production, 1988.

[16] Zur Movierung siehe Kap. 1.2.1.

[17] Im Schweizerdeutschen ist allerdings auch die Bildung Großkind möglich (Wahrig 587, 1), jedoch nicht Großsohn oder Großtochter.

[18] Eine ad-hoc Femininmovierung zu poetischen Zwecken ist allerdings möglich, wenn auch nicht geläufig. Siehe Uderzo Asterix und Maestria (übrigens feminin zu Maestro) S. 41: Zenturionin

[19] Siehe Uderzo Asterix und Maestria S. 6 "Nein, Madame! Bardinnen gibt es nicht, wenn überhaupt, dann Bardamen!" Aber auch hier bereitet die Verwendung der femininen Form Probleme, denn ein paar Seiten später fragt der Häuptling des Dorfes: "Ihr seid also die... wie sagt man denn? Die Barde, die Bardin?"

[20] Kann zwar sowohl für Männer als auch für Frauen (unmoviert) verwendet werden, wird aber in der Bibel (Erzengel) und auch in Gemälden immer als Mann dargestellt.

[21] Während der Draufgänger etwas von einem Macho und Mordskerl hat (in positivem oder negativem Sinne), wirkt das Bild einer ° Draufgängerin eher lächerlich und nicht feminin.

[22] Die maskuline Entsprechung zu Mädchen, der Bub, hingegen kann feminin moviert werden, in der Komposition der Spitzbube, fem. die Spitzbübin (Wahrig 1206, 1).

[23] Neben Personen- und Tierbezeichnungen gibt es auch Bezeichnungen von Pflanzenarten auf - erich wie Wegerich, Weiderich, Knöterich etc.

[24] Der Anwendungsbereich von mask. widower ist im Vergleich zur femininen Bildung widow allerdings sehr eingeschränkt. Während eine Aussage wie Mary is John's widow im Englischen völlig normal und gebräuchlich ist - eine Frau sogar oft nur noch John's widow oder gar einfach the widow genannt wird - kommt der umgekehrte Fahll, John is Mary's widower, nicht vor und wird nicht als normal betrachtet. (nach den Untersuchungen von Lakoff 1975 und Nilsen 1977)

[25] Meine Hervorhebung

[26] Gelegenheitsformen wie Kätzin, Täubin sind keine movierten Feminina, da sie ein feminine Gattungsbezeichnung und keine maskuline Bezeichnung zur Basis haben.

[27] vgl. dazu Fleischer (1982, 182 - 185)

[28] In der Wortliste ist auch Gesandtin (WL, 550, 2) belegt

[29] Ist das Basismorphem keine Personenbezeichnung, so ist die Komposition mit - frau eine Ersatzmöglichkeit zur Bildung femininer Personenbezeichnungen, z.B. Milchfrau, Kräuterfrau, Zeitungsfrau. Eine ähnliche Funktion haben auch Komposita mit - mädchen und - dame inne, z.B. Hausdame, Empfangsdame, Zimmermädchen.

[30] Hier handelt es sich in den meisten Fällen um stilistische oder regionale Varianten.

[31] vgl. zu deverbal und denominal Duden (1973, 389)

[32] Dieses Suffix könnte, angeregt durch nachbarsprachliche Vorbilder wie in diesem Fall lat. Africanus (Sto, 22, 1), auf alle mit - a suffigierten Basismorpheme übertragen worden sein.

[33] vgl. dazu Henzen (1957, 161)

[34] vgl. auch Duden (1984, 476)

[35] vgl. dazu Wellmann (1978) Kap. 6.2.26.

[36] vgl. dazu Duden (1984, 476)

[37] Im süddeutschen und österreichischen Raum wird bei einigen Bildungen das Maskulinum nur durch den Wortstamm repräsentiert, z.B. der Kassier. Demzufolge wird das Femininum durch Beifügung des Suffixes - in gebildet, z.B. Kassierin. (Wahrig, 729, 2)

[38] vgl. auch Wellmann (1978) 6.2.8.

[39] siehe Kap. 1.2.1.3.2. Andere Ableitungssuffixe

[40] Zum Schema siehe Lühr (1988, 167)

[41] zum Schema siehe Lühr (1988, 167)

[42] vgl. Wellmann (1978) 6.2.16

[43] Das Paar Herr - Herrin unterscheidet sich insofern vom Paar Herr - Dame, als ersteres noch die semantische Bedeutung des Verbes herrschen beinhaltet, während zweiteres nur die Bedeutung Mann - Frau in einem anderen Sprachregister darstellt.

[44] Siehe dazu Henzen (1957, 169)

[45] Man bemerke die Eintragung im Wahrig zu Friseurin (504, 1) < bes. Österr> = Friseuse.

[46] österr. auch Kontrollorin

[47] ursprünglich mit Umlaut Äbtisse oder Äbtissin

[48] Es gibt auch eine Reihe femininer Personennamen auf -(i,e)na/e, die keine maskuline Entsprechung haben wie Christina/e, Sabina/e (im Spanischen gibt es allerdings ein maskulines Cristóbal und Sabino), Katharina, Karina, Sabrina, Verena, Helena/e und besonders nichtdeutsche Mädchennamen wie Selina (aus dem Türkischen), Karena und Serena (aus dem Italienischen), die wahrscheinlich bedingt durch das dem Sprecher bekannte Femininsuffix -(i, e)na/e Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben.

[49] daneben ist auch Heroin (Wahrig 635, 1) belegt

[50] Weitere Beispiele sind Bordelline ( IV) zu Bordellmädchen und Lazarine ( IV) zu Lazarettschwester. Da sie aber nicht in Opposition zu einem Maskulinum stehen, kann man hier nur von einer Ersatzmöglichkeit zur Bildung femininer Bezeichnungen sprechen, aber nicht von Movierung. Keine movierten Feminina sind auch Konkubine (WL, 125, 1), das ein Derivat zu Konkubinat darstellt, und Blondine (Wahrig, 282, 1), da diese Bildung eine adjektivische Basis hat.

[51] hat in diesem Fall dieselbe abwertende Bedeutung wie die schon in Kapitel 1.2.1.3.1. erwähnte Suffigierung der Familiennamen durch - in.

[52] Das -s- fällt hier bedingt durch das -z- im Wortstamm weg

[53] vgl. auch Marchand (1969, 286 - 288)

[54] demonstriert an einem mittelenglischen Beispiel auf - ster, me. lœrestre, die speziell 'weiblicher Lehrer' bedeutet

[55] Genaueres dazu siehe Kapitel 1.1.3.

[56] Ich fand auch die Form ambassadoress (TT.4.Okt.1985.S.5). Es könnte sich aber auch um einen Tippfehler handeln

[57] Zur pejorativen Konnotation von femininen Movierungsbildungen siehe Kap. 1.4.

[58] siehe dazu Gramley (1992) Kapitel 8: Language and gender

[59] Näheres zur Vermeidung von sexusdifferenzierenden Personenbezeichnungen siehe Kap. 1.4. dieser Arbeit.

[60] Ausgeschlossen sind hier Bildungen mit - männchen und - weibchen, die eine Tierbezeichnung und keine Personenbezeichnung ergeben wie in Hundemännchen, Walweibchen.

[61] vgl. Naumann (1986, 92 ff)

[62] Hier handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Übersetzung aus dem Englischen eng. sportsman.

[63] siehe dazu auch Kap. 1.2.1.3.

[64] Selbstverständlich beschränkt sich die Verwendung der einzelnen Komposita auf bestimmte Regionen.

[65] Typ 1 und 2 sind bei Marchand (1984-A, 276/7) zu einem Typ zusammengefaßt und Typen 5 und 6 sind bei Marchand nicht in diesem Aufsatz beschrieben, sondern in 'Das amerikanische Element in der englischen Wortbildung' (1984-B, 184-199). Die restlichen von Marchand (1984-A) genannten Typen (Typen 4 bis 8) sind für dieses Kapitel nicht relevant.

[66] Diese Formel gilt nicht, wenn aus dem Kontext ersichtlich ist, daß die erste Konstituente nicht das Geschlecht des Subjekts im Analysesatz sondern das des Objekts angibt wie in girl offenders (TDT.2.Nov.1979.S.10), (they) who offended the girl.

[67] Hier handelt es sich um eine Metapher.

[68] Sämtliche hier genannten Beispiele stammen aus Marchand (1984-B, 184-199) 'Das amerikanische Element in der englischen Wortbildung'

[69] Genaueres zu den Determinativpronomen siehe Eisenberg (1986, 198 - 203)

[70] Eine Übergangsform bildet die Bezeichnung der Beamte. Die maskuline Form muß morphologisch als Differentialgenus betrachtet werden, der Beamt e - ein Beamt er, während die feminine Bezeichnung bereits eine movierte Bildung ist, die wie alle Feminina, die aus makulinen Basen mit -e moviert werden, durch Ersetzung des Endmorphems -e gebildet wird, die Beamt in. Ein feminines die Beamte wird dadurch nicht nur überflüssig, sondern wird auch nicht mehr verwendet.

[71] Bsp. aus Doleschal (1989, 17)

[72] Siehe auch compounding in Kap. 1.2.2.

[73] Siehe dazu auch Kap. 1.2.1.1. Die Maskulinmovierung

[74] Hier werden keine Bildungen behandelt, die kurzfristig als Anredeformen verwendet werden oder wurden wie Genosse, Genossin. Dafür müßte man sich die Sprache der Kreise genauer betrachten, in denen solche Anredeformen von Bedeutung sind. Ausgeschlossen werden hier auch die im Englischen üblichen aristokratischen Titel wie Lady, Lord, Duchess, Duke etc., die teilweise zwar wie Anredeformen verwendet werden, aber trotzdem Titel und keine Anredeformen sind.

[75] Die Form Fräulein wird inzwischen als veraltet betrachtet und speziell von den Frauen selbst als diskriminierend abgelehnt. Die ursprüngliche Assoziation Frau - verheiratet und Fräulein - unverheiratet ist nur noch bei älteren Generationen vorhanden (es gibt noch ältere, unverheiratete Damen, die auf eine Anrede mit Fräulein bestehen), aber auch hier ist sie im Verschwinden begriffen bzw. auf (unverheiratete) junge Frauen beschränkt.

[76] Ähnlich kann es auch dem deutschen Leser/der deutschen Leserin bei den unter (2) genannten Beispielen ergehen.

Details

Seiten
290
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783640530328
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141673
Institution / Hochschule
Universität Wien – Germanistik
Note
Gut
Schlagworte
Geschlechtsspezifische Personenbezeichnungen Deutsch Englisch

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Titel: Geschlechtsspezifische Personenbezeichnungen: Deutsch - Englisch kontrastiv