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"The Big Lebowski" - Unkonventionelle Charaktere in einem unkonventionellen Drehbuch

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Inhaltsangabe

2 Genre

3 Formaler Aufbau eines Drehbuches

4 Erster Akt
4.1 Ort und Zeit
4.2 Die Einführung der Hauptfigur
4.3 Das auslösende Moment
4.4 Innere und äußere Ziele
4.5 Vorstellung anderen Figuren und ihr Einfluss auf die Handlung

5 Zweiter Akt
5.1 Widerstände und Schwierigkeiten
5.2 Innere und äußere Ziele
5.3 Entwicklung des Charakters

6 Dritter Akt
6.1 Der Höhepunkt und die Auflösung der Story

7 Unkonventionelle Elemente des Drehbuches
7.1 Charakterentwicklung
7.2 Drehbuchaufbau

8 Fazit

1 Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Drehbuch des Kinofilms The Big Lebowski. Es wurde 1998 von Joel und Ethan Coen geschrieben. Joel Coen hat Regie geführt, während Ethan Coen für die Produktion zuständig war. Der Film und auch das Drehbuch verfügen über unkonventionelle Charaktere, aber auch die Herangehensweise ist nicht filmtypisch. Mit welchen traditionellen Stilmitteln bricht der Film bzw. das Drehbuch?

1.1 Inhaltsangabe

Der Althippie Jeffrey Lebowski, genannt der Dude, wird aus seinem Alltagstrott gerissen, als zwei Männer in seine Wohnung eindringen und einer davon auf seinen Teppich uriniert. Sie haben ihn mit dem Millionär Jeffrey Lebowski verwechselt, dessen Frau Bunny ihnen Geld schuldet. Der Dude sieht sich als Opfer dieser Verwechslung und sucht den Millionär auf. Dieser beschimpft ihn als Penner. Durch eine Lüge erreicht es der Dude, einen der Teppiche des Millionärs an sich zu bringen. Dieser lässt ihn anrufen, will aber seinen Teppich nicht zurück, sondern möchte, dass er das Lösegeld für seine entführte Frau Bunny übergibt. Die Übergabe scheitert, da sein Freund Walter die Organisation an sich reißt, und der Dude sieht sich der Problematik gegenüber, dass sowohl die Entführer als auch Mr Lebowski und dessen Tochter Anspruch auf das Geld erheben, das allerdings zu allem Übel auch noch mitsamt des Autos des Dudes gestohlen wird. Am Ende kommt der Dude auf die Lösung: Der Millionär Lebowski wollte das Geld, das niemals in dem Koffer war, veruntreuen, und Bunny war niemals entführt worden, sondern hatte nur Freunde besucht. Nach der Aufklärung des Falles kehrt der Dude in sein normales Leben zurück.

2 Genre

The Big Lebowski lässt sich in das Genre „Schwarze Komödie“ einordnen. Genauer gesagt ist der Film „eine Hommage an und [eine] Parodie auf den ‚Film noir‘der 1940er-Jahre.“1 In Story von Robert McKee ist ein „Film noir“ ein Film, der aus dem Blickwinkel (Point of view) „eines Protagonisten, der teils Krimineller, teils Detektiv, teils Opfer einer Femme Fatale sein kann.“2 Der Dude und sein Freund Walter nehmen die Rolle der Aufklärer dieses etwas vertrackten Kriminalfalles ein.

3 Formaler Aufbau eines Drehbuches

Jedes Drehbuch hat eine Drei-Akte-Struktur: einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Mit dem ersten Akt beginnt die Geschichte, die wichtigsten Figuren werden vorgestellt und auch die Location und das Genre werden festgelegt. Der zweite Akt steht für die Konfrontation. Das Handlungstempo wird schneller und intensiver. Der dritte Akt löst die Handlung.3

Ein Drehbuch hat ungefähr 120 Minuten, wobei eine Seite für eine Minute steht. Dieses teilt sich, wie schon erwähnt, in drei Akte auf: Exposition, Konfrontation und Auflösung. Der erste Akt nimmt ungefähr ein Viertel der Story ein, der zweite die Hälfte, der vierte Akt wieder ein Viertel. Das auslösende Ereignis befindet sich laut Christopher Keane auf Seite 10-15, der erste Plot Point zwischen den Seiten 10-25, der Midpoint etwa auf Seite 60. Der zweite Plot Point befindet sich ungefähr zwischen den Seiten 75 und 80, der Höhepunkt zwischen Seite 110 und 115.4

4 Erster Akt

Mit dem ersten Akt beginnt die Geschichte, deren Hauptfigur in Kürze durch ein auslösendes Ereignis aus ihrem gewohnten Alltag gerissen wird. Christopher Keane schreibt, dass die Hauptfigur „die schwierigste Probe ihres Lebens“5 bestehen müsse und dass „deren Anschauung sich dann grundlegend und für immer verändert haben“6 werde. Dies ist in den meisten Fällen so, im Falle des Dudes wird das noch geprüft werden müssen.

Die ersten zehn Seiten des ersten Aktes sind laut Keane die wichtigsten. Die Hauptperson und die anderen Charaktere müssen vorgestellt werden und die Handlung muss interessant erscheinen. Das Wo und Wann muss geklärt werden sowie die Bedingungen der Welt oder der Umgebung. Die zentrale Frage muss gelöst werden. Worum geht es dem Protagonisten?

Im Drehbuch The Big Lebowski umfasst der erste Akt fünfzehn Szenen und endet bei Seite 28. Der Plot Point 1 befindet sich am Ende des ersten Aktes. Er beginnt, als sich der Dude entscheidet, das Lösegeld zu überbringen.

4.1 Ort und Zeit

In der Eingangsszene sehen wir „the smoggy vastness of Los Angeles“7 und eine Stimme aus dem Off leitet die Geschichte ein. Sie erzählt, wo wir uns befinden und wann die Geschichte spielt und dass es sich bei dem dann eingeblendeten Protagonisten um einen Mann handele, der nicht unbedingt ein Held sei, der aber etwas Ungewöhnliches erleben werde.

„Now this story I’m about to unfold took place back in the early nineties - just about the time of our conflict with Sad’m and the eye-rackies. I only mention it ’cause sometimes there’s a man - I won’t say a hee-ro, ’cause what’s a hee-ro? But sometimes there’s a man.“8

4.2 Die Einführung der Hauptfigur

„We are tracking in on a fortyish man in Bermuda shorts and sunglasses at the dairy case. He is the Dude. His rumpled look and relaxed manner suggest a man in whom casualness runs deep.“9

Wir sehen den Dude Milch kaufen und diese mit einem Cheque bezahlen. „The Dude has his Ralph’s Shopper’s Club Card to one side and is making outa check to Ralph’s for sixty-nine cents.“10

Die Stimme aus dem Off ergänzt unseren Eindruck und bezeichnet ihn als „possibly the laziest [man] in Los Angeles County“.11

Als der Dude zu Beginn der Geschichte sein Haus betritt, erwartet ihn eine böse Überra- schung, als Einbrecher ihn in seinem Haus attackieren und Geld von ihm verlangen. In Kri- sensituationen zeigt sich der Charakter einer Figur: Wie wird der Dude reagieren? Der Dude erklärt den Einbrechern allerdings sehr ruhig, dass eine Verwechslung vorliege. „Look, no- body calls me Lebowski. You got the wrong guy. I’m the Dude, man.“12 Der Dude erscheint schnell als ein Mann der Worte, der auch in heiklen Situationen seine Prinzipien beibehält. „You see a wedding ring? Does this place look like I’m fucking married?“13 In dieser Szene wird auch eine weitere Tatsache über den Dude bekannt: „The Dude pats his pockets, takes out a joint and lights it.“14 Mit dieser Reaktion hat der Leser nicht gerechnet.

Auffällig ist die Bestimmheit, mit der der Dude allen vermittelt, dass er kein „Mr Lebowski“, sondern der Dude sei. Die Stimme aus dem Off erklärt es am Anfang.

„A way out west there was a fella, fella I want you to tell you about, fella by the name of Jeff Lebowski. At least, that was the handle of his lovin’ parents gave him, but he never had much use for it himself. This Lebowski, he called himself the Dude.“15

An einer weiteren Stelle in Akt Eins betont der Dude seinen Status als Dude:

„The Dude explain something. I’m not Mr Lebowski, you’re Mr Lebowski. I’m the Dude. So that’s what you call me. That, or Duder, His Dudeness or El Duderino, if, you know, you’re not in the whole brevity thing.“16

4.3 Das auslösende Moment

Das auslösende Moment ist der Wendepunkt im Leben des Protagonisten. Im Falle des Dudes ist das der Moment, in dem Woo, der Chinese, auf seinen Teppich uriniert. Dieses Ereignis löst aus, dass der Dude den anderen Mr Lebowski aufsuchen und Kurier für das Lösegeld werden wird. Meiner Meinung nach bekommt das auslösende Moment aber erst durch Wal- ter seine Bedeutung, da Walter in diesem Fall die Funktion des Katalysators in der Handlung hat. Er motiviert den Dude überhaupt erst, eine Entschädigung für seinen Teppich zu verlan- gen.

„Jeff Lebowski. Come on. This other Jeffrey Lebowski. The millionaire. He’s gonna be easier to find anyway than these two, uh, these two. And he has the wealth, uh, the resources obviously, and there is no reason, no FUCKING reason, why his wife should go out and owe money and they pee on your rug. Am I wrong?“17

4.4 Innere und äußere Ziele

Im ersten Akt möchte der Dude eine Entschädigung für seinen besudelten Teppich erhalten. Das ist ein bewusster Wunsch des Protagonisten. Doch bei komplexen und klischeefreieren Figuren gibt es immer einen Wunsch oder ein Ziel im Inneren der Figur, die sie selbst vielleicht nicht kennt. McKee schreibt, dass sich die bewussten oder unbewussten Bedürf- nisse oft widersprächen.18 Im Falle des Dudes ist der Wunsch nach einem neuen Teppich allerdings ein Pars pro Toto dafür, Grenzen zu setzen. Walter spricht aus, worum es geht: „I’m talking about drawing a line in the sand, Dude. Across this line you do not [. . . ]“19 Es geht darum, dass man sich auf seine Art und Weise behauptet, auch wenn man Faulheit und Frieden statt Karriere gewählt hat. Der Wunsch des Dudes, nicht Mr Lebowski genannt zu werden, geht in die gleiche Richtung. „Der Dude“ ist in diesem Fall eine Art Titel und steht für das innere Selbst der Hauptfigur. So ist die Aussage „No look. I do mind. The Dude minds.“20 nicht als Distanzierung von der eigenen Person, sondern als Betonung der Aus- sage zu sehen. Der Dude verteidigt seinen Namen stellvetretend für eine Lebensweise, die nicht für jeden erstrebenswert ist, die aber seines Erachtens von der Gesellschaft zu achten ist.

Am Ende des ersten Aktes kommt für den Dude ein Ziel hinzu: Er möchte die Übergabe des Lösegeldes hinter sich bringen, da es leicht verdientes Geld sei. „I figure it’s easy money, it’s all pretty harmless.“21

4.5 Vorstellung anderen Figuren und ihr Einfluss auf die Handlung

Walter ist der Vertraute, der Buddy des Dudes. In Gesprächen mit dem Buddy offenbart sich die Gedankenwelt der Hauptfigur. In Büchern kann man dies mit Worten darstellen, im Film jedoch bedarf es des Gespräches.22

Walter hat nicht nur die Funktion, dem Dude beim Ordnen seiner Gedanken zu helfen, son- dern er ist auch der Katalysator der Handlungen. Da er ein eher aufbrausender Charakter ist - wie es zum Beispiel das Bedrohen von Smokey, eines Bowlingfreundes, mit einer Waffe zeigt -, verleiht er der Handlung mehr Schnelligkeit, als es der friedliche Dude könnte.

Donny ist ein Charakter, der fast nur in den Bowlingszenen auftaucht und der die Fragen stellt, wenn der Dude und Walter nach diversen Taten wieder zur Bowlingbahn zurückkeh- ren.

[...]


1 http://www.wikipedia.org/wiki/The Big Lebowski

2 Robert McKee: Story - die Prinzipien des Drehbuchschreibens. 5. Auflage. Berlin 2008. S. 96

3 Vgl. Christopher Keane: Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch. Berlin 2002. S. 107-120

4 Vgl. Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch, vgl. 107f.

5 ebd., S. 108

6 ebd., S. 108

7 Ethan Coen/Joel Cohen: The Big Lebowski. USA 1998, S. 1 (http://www.ernieputto.de/lebowski.htm)

8 The Big Lebowski, S. 1

9 ebd., S. 1

10 ebd., S. 2

11 ebd., S. 2

12 ebd., S. 5

13 ebd., S. 5

14 ebd., S. 5

15 ebd., S. 1

16 ebd., S. 14

17 ebd., S. 9

18 Vgl. Story. S. 158

19 The Big Lebowski, S. 8

20 ebd., S. 14

21 ebd., S. 30

22 Vgl. Schritt für Schritt zum eigenen Drehbuch, S. 55

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640508341
ISBN (Buch)
9783640508495
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141644
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Schlagworte
Drehbuch Coenbrüder Film Germanistik

Autor

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Titel: "The Big Lebowski" - Unkonventionelle Charaktere in einem unkonventionellen Drehbuch